Es ist mal wieder soweit. Der Aufschwung kommt nicht fühlbar an. Ideen müssen her, tragfähige Konzepte, Erfolgsmodelle. Jetzt sofort! Und Stadtkind hilft gerne. An dieser Stelle machen wir monatlich Vorschläge, wie vielleicht doch noch alles gut wird.
Es ist heutzutage nicht mehr so leicht für die Damen und Herren aus den etablierten Parteien, mal richtig Dampf abzulassen. Zu schnell entfährt einem an unpassender Stelle ein falsches Wort und schon stürzen sich die Medien wie die Geier auf den Unvorsichtigen und zerreißen ihn vor laufender Kamera. Selbst in den Niederungen der Kommunalpolitik muss man inzwischen aufpassen, was man sagt. Denn immerhin ist man auch hier Parteimitglied, ist Teil eines Größeren, und sollte darum auf seine Worte achten. Da sagt man ein einziges Mal, dass man die meisten Hartz IV-
Empfänger für arbeitsscheue Gesellen hält, schon ist die politische Karriere versaut. Oder dass die Rentner allmählich genug Puderzucker in den Hintern bekommen hätten, oder dass der Türke an sich gar kein Interesse daran hat, sich zu integrieren, oder dass die meisten Schüler dumm wie Brot sind, oder dass Arbeitnehmer, die auf die Barrikaden gehen, weil sie eine halbe Stunde in der Woche mehr arbeiten sollen, eigentlich nach Afrika ausgewiesen werden müssten, oder dass die Todesstrafe für manche Straftäter doch ganz angemessen wäre. Und so weiter. Sprüche eben, die manchmal einfach so einem Politiker entgleiten, wenn er kurzzeitig vergisst, dass es nicht darum geht zu sagen, was er wirklich denkt. Sprüche, die seinen wahren Charakter verraten, die zeigen, wie vorurteilsbehaftet und rückständig er wirklich ist. Sprüche, bei denen die Medien zu Recht empfindlich reagieren. Aber diese Empfindlichkeit hat inzwischen zu einer Vorsichtigkeit auf der Politiker-Seite geführt, die verhindert, dass Politiker überhaupt noch etwas sagen. Keiner lehnt sich mehr aus dem Fenster und so sitzen wir gelangweilt vor den Fernsehern, wenn sie sich in den üblichen Runden treffen, um sich gegenseitig leere Floskeln an den Kopf zu werfen. Damit ist jetzt Schluss. Denn wir haben eine Geschäftsidee, die gerade in den Talkrunden Deutschlands für einigen frischen Wind sorgen wird: Hol Dir einen Gewerbeschein und werde „Polemiker“. Bleib parteilos und lass Dich auf Honorarbasis buchen. Du wirst sehen, der Bedarf wird ungeheuer sein. Dann setzt Du Dich breit lächelnd in alle möglichen Gesprächsrunden und bist der eine, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Du kannst dabei eigentlich sagen, was immer Dir in den Sinn kommt, Du kannst jeden erdenklichen Schwachsinn verzapfen, denn Dir geht es ja nicht um echte Standpunkte, sondern schlicht und ergreifend um ein gutes Honorar für eine gute Show. Du kannst gegen die Ehe unter Homosexuellen sein, Du kannst sagen, dass es alle Moslems böse meinen, Du kannst die Kastration von Triebtätern fordern, Du kannst die Frauen zurück an den Herd wünschen. Und wenn Dir die Ideen ausgehen, dann gehst Du in die nächste Kneipe und schaust dem Volk auf den Mund. Oder Du rufst den Koch an, der hat immer ein paar schöne Ideen in der Richtung und immerhin hat er eine ganze Weile mit genau dieser Masche jede Menge Geld verdient. GAH

