Sport mit Handicap im Juni

Maren Butterbrodt aus Hannover spielt Basketball in der Nationalmannschaft und wurde 2007 Europameisterin. Mittelstreckler Max Bergmann aus Dedensen hat schon zahlreiche Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften gewonnen. Beide Sportler trainieren beinahe täglich, um sich in diesem Jahr den großen Traum von Peking zu erfüllen. An den Olympischen Spielen werden sie jedoch nicht teilnehmen, sondern aller Voraussicht nach zwei Wochen später zu den Paralympics fahren, die an gleicher Stätte stattfinden. Maren und Max sind Behindertensportler, doch kaum jemand weiß von den großartigen Erfolgen der vergangenen Jahre. Grund genug für das Stadtkind, ab sofort in Kooperation mit langeleine.de den Behindertensport in seinen vielseitigen Facetten zu zeigen. Von den Wurzeln des Behindertensports über hoffnungsvolle Nachwuchssportler und

erfolgreiche Athleten bis hin zu ungewöhnlichen Sportangeboten für Menschen mit Handicap wollen wir den Behindertensport in der Region Hannover vorstellen und zum Mitmachen anregen. Ob Rollstuhlbasketball oder Goalball, ob Leichtathletik oder Judo – Sport treiben kann jeder, ob mit oder ohne Handicap.

Ging es bis in die 80er Jahre hinein noch in erster Linie darum, kriegsversehrten oder verunfallten Menschen durch sportliche Rehabilitation die besten Voraussetzungen für die Bewältigung ihres Alltags zu schaffen, so hat sich der Behindertensport mittlerweile allen Menschen mit Handicap geöffnet. Sportler aus aller Welt treten heutzutage gegeneinander an, um Europameister, Weltmeister und Paralympicssieger zu ermitteln, und sie unterscheiden sich darin in keiner Weise von den Nichtbehinderten. Sie trainieren hart, gehen oftmals einem Fulltime-Job nach und schaffen es trotz dieser Doppelbelastung, beeindruckende Leistungen zu erbringen. Obwohl die finanzielle Förderung der meisten dieser hochmotivierten Sportler in Deutschland minimal ist, sind die Athleten in der Lage, sich mit ihren Leistungen in der internationalen Konkurrenz zu behaupten. Das wurde einmal mehr bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2006 im holländischen Assen deutlich, wo sich die deutsche Nationalmannschaft

mit ihren 40 Aktiven auf Platz zwei in der Medaillenwertung gegen starke Nationen wie Großbritannien und Brasilien durchsetzte. Das einzige anwesende Fernsehteam neben dem lokalen Produzenten aus den Niederlanden war eine dreiköpfige Besetzung aus Angola. Aus Deutschland, dem Nachbarland, war hingegen lediglich ein Fotograf vertreten. Kein Wunder also, dass kaum jemand in Deutschland weiß, dass es in beinahe jeder Sportart Welt- und Europameisterschaften für Menschen mit Handicap gibt, geschweige denn, wann sie stattfinden und wer die Sieger sind.

Nur zu Paralympics oder bei außergewöhnlichen Ereignissen tauchen Behindertensportler in den Medien und in der Öffentlichkeit auf. Zum Beispiel wenn in Niedersachsen die Behindertensportler des Jahres gewählt werden. Dabei gibt es allein in Hannover über 40 Vereine, die ein umfassendes sportliches Angebot für behinderte Menschen haben. Von Rudern über Leichtathletik bis hin zu Schwimmen und Herzsport sind die Möglichkeiten zur körperlichen Aktivität breit gefächert. Behinderte können das Sportabzeichen ablegen, und zahlreiche Vereine bieten regelmäßig Veranstaltungen an. Zwar geht es in erster Linie um den Rehabilitations- und Breitensport, doch auch der Leistungssport spielt in der Region Hannover eine bedeutende Rolle. Insgesamt 14 Athleten aus Niedersachsen, unter ihnen Maren Butterbrodt und Max Bergmann, haben in diesem Jahr die Chance, sich bis Mitte Juni für die Paralympics in Peking zu qualifizieren. Drücken wir ihnen die Daumen, dass sich das harte Training während der vergangenen Monate gelohnt hat.

Text und Foto: Heike Werner, langeleine.de


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