Es kracht und scheppert ordentlich im neuen Eisstadion in Langenhagen. Pünktlich zum Saisonbeginn der Ersten Sledgehockey-Bundesliga wurde hier Anfang Oktober das neue „Lenny Soccio Ice & Event Center“ eröffnet, das alle Voraussetzungen erfüllt, um dem rasanten Eissport einen reibungslosen Spielablauf zu gewähren. Die Bänke sind niedriger als normalerweise, die Banden sind im Bereich der Spielerbänke durchsichtig und die Zugänge zum Eis barrierefrei. Denn Sledgehockey ist eine Sportart für Menschen mit einer Behinderung in den Beinen, Querschnittslähmung oder einer Amputation – „Eishockey eine Etage tiefer“, wie es in der Szene heißt. Die Spieler sitzen auf einem Schlitten (Sledge) mit zwei eng zusammenstehenden Kufen und bewegen sich mit zwei kurzen Schlägern, die an ihren Griffenden mit Spikes ausgestattet sind, über das Eis.
Die rustikale Sportart wurde vor 30 Jahren in Schweden erfunden und ist seit den Spielen in Lillehammer 1994 paralympisch. Sledgehockey war ursprünglich ein integrativer Sport, der es Menschen mit und ohne Behinderung ermöglichte, gemeinsam Eishockey zu spielen. Die Regeln entsprechen auch heute noch denen des Fußgänger-Eishockeys. Lediglich die Spielzeiten unterscheiden sich: Beim Eishockey werden dreimal 20 Minuten, beim Sledgehockey dreimal 15 Minuten gespielt. Mittlerweile ist Sledgehockey mit seinem Tempo eines der spektakulärsten Highlights bei Winter-Paralympics. In Deutschland hielt die Sportart im Jahr 1996 Einzug, als Detlef Zinke in Hannover die erste deutsche Mannschaft im Verein RSG Hannover gründete. Nachdem in der Saison 2000/2001 die Bundesliga ihre Premiere feierte, wurde die RSG Hannover auch erster Deutscher Meister. Innerhalb von nur sechs Jahren gelang es, eine international leistungsstarke Nationalmannschaft aufzubauen.
Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die erfolgreichste deutsche Mannschaft auch heute noch aus der Region Hannover stammt. Unter dem Label der Hannover Scorpions hat das Team um Kapitän Gerd Bleidorn bisher sieben deutsche Meistertitel errungen. Doch die Partnerschaft mit dem DEL-Verein hat mit dem Umzug der Spieler in die Eissportsparte des SC Langenhagen in dieser Saison ein Ende gefunden. Zukünftig werden die Athleten ihre Erfolgsstory unter dem Namen Ice Lions Langenhagen fortsetzen und hoffen nicht nur auf zahlreiche Zuschauer bei ihren Bundesligabegegnungen. „In den letzten Jahren ist die Nachwuchsarbeit bis auf wenige Ausnahmen stark vernachlässigt worden. In den meisten Vereinen spielen hauptsächlich so genannte Quereinsteiger, Menschen, die durch einen Unfall oder eine Krankheit zu ihrer Behinderung gekommen sind“, erklärt Gerd Bleidorn, der auch als Offensiv-Spieler der Deutschen Nationalmannschaft zum Einsatz kommt. Ein anderes Problem waren die bisherigen Trainingszeiten freitags zwischen 23 und 1 Uhr in Mellendorf: „Für Jugendliche ist das ungeeignet.“ Hinsichtlich der Trainingszeiten und der Möglichkeit, Turniere auszurichten, haben sich die Rahmenbedingungen durch das neue Eiscenter deutlich verbessert. In unmittelbarer Nähe des barrierefreien Bahnhofs Langenhagen Mitte haben ab sofort auch Jugendliche die Chance, die Sportart Sledgehockey kennen zu lernen. Trainiert wird nun jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 19 und 20 Uhr. „Wer einmal auf dem Schlitten gesessen hat, ist meistens vom Virus Sledgehockey sofort infiziert“, sagt Ice Lions-Torhüter Rolf Rabe. Die Ice Lions hoffen auf regen Zuspruch, um eine gute Basis zu schaffen, damit es auch in den kommenden Jahren in der Ersten Bundesliga scheppern kann, wenn die Schlitten beim Kampf um den Puck ineinander krachen.



