Filme? Und was hat diese Frage hier in der Rubrik Politisches zu suchen? Diese zweite Frage beantwortet sich später von allein. Zur Beantwortung der ersten Frage müssen wir vorher noch etwas klären: Was überhaupt sind schlechte Filme? Sonst kommt am Ende einer daher und sagt, Hauptmerkmal von schlechten Filmen aus Deutschland ist zum Beispiel die Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit Katja Riemann – nur weil er Katja Riemann nicht mag. Gut, das kann man vielleicht nachvollziehen, aber eine objektive Bewertung ist das nicht. Schlechte Filme, die in unserem Sinne schlecht sind, kommen meistens aus Amerika, sie laufen meistens nach 23.00 Uhr auf RTL II, Das Vierte oder Tele 5, und die Schauspieler, die darin vorkommen, kennt in der Regel niemand. Diese schlechten Filme heißen „Kampfpiranhas aus der Tiefe“ oder „Megalodon – Das Ungeheuer aus der Dunkelheit“. Ein typischer Dialog ist zum Beispiel folgender: Blonde Frau im Bikini mit großer Oberweite: „Du, ich glaube, da unten ist was.“ Muskulöser Mann mit Goldkettchen am Handgelenk und Tätowierung: „Das wird sicher nur ein großer Fisch sein, Schätzchen.“ Und einen Moment später sind beide dann tot oder haben zumindest diverse Gliedmaßen verloren. Allgemeines Merkmal solcher Filme ist außerdem, dass das Monster nie oder nur für Sekundenbruchteile zu sehen ist (ein vernünftiges Monster wäre viel zu teuer). Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass solche Filme schlechte Filme sind.
Ein solcher Film dümpelt dahin, ohne Handlung, ohne Monster, ohne Sinn und Verstand und ohne jeden Anspruch, und doch kostet so ein Film viel Geld. Peanuts im Vergleich zu den richtig großen Hollywood-Produktionen, aber ein paar Millionen kommen trotzdem schnell zusammen. Nun stellen sich zwei weitere Fragen: Wer gibt den Leuten, die solche schlechten Filme machen, das nötige Kleingeld? Und warum berechen die Beteiligten das Projekt nicht vorzeitig ab? Die Schauspieler, Kameraleute, Beleuchter, Requisiteure, Cutter und vor allem der Regisseur, sie alle müssten doch spätestens auf halber Strecke realisieren, dass sie gerade unglaublichen Mist produzieren, den keiner sehen will. Da müsste doch in diesem Team mindestens einer dabei sein, der sich traut, und ausspricht, was alle anderen denken. Der sozusagen die Notbremse zieht. Die Antwort auf beide Fragen ist folgende: Hinter solchen Filmproduktionen steckt meistens ein einzelner Mensch vom Typ „charismatischer Macher“, der das Geld besorgt, weil er die richtigen Leute entsprechend blenden kann. Und der so überzeugt von sich und seinen Qualitäten ist, dass ihn die Meinung anderer nie interessiert hat und niemals interessieren wird. Schon gar nicht die Meinung der Zuschauer. Der am Set diktatorisch die Marschrichtung vorgibt und keinen Widerspruch duldet. Dem noch nie jemand widersprochen hat, und der darum davon ausgeht, dass seine Filme der Oberhammer sind. Dieser „charismatische Macher“ hat wahrscheinlich sogar das Drehbuch geschrieben, die Schauspieler gecastet und die Kameraleute ausgesucht. Er sagt, wo es langgeht, und sei die Richtung noch so wirr. Und alle Beteiligten schweigen, weil sie letztlich schlicht und ergreifend ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Und so entsteht am Ende ein weiterer Film für das RTL II Nachtprogramm, nachdem der Streifen es natürlich nicht in die Kinos geschafft und sich auch auf DVD nicht verkauft hat. Ein letztes Merkmal solcher schlechter Filme ist noch, dass sich der „charismatische Macher“ nach dem Desaster still und heimlich aus dem Staub macht. So, und was hat das alles jetzt mit Politik zu tun? Dazu ersetzen wir einfach den Begriff „Filmproduktion“ durch „Legislaturperiode“, und schon hat sich die Frage fast von selbst beantwortet.

