
Die Wüstensöhne: Bernhard Mittelhäuser,Dieter Schach, Dr.Paolo Schmitz, Dr.Mohamed Tabache,Burkhard Heine, Johannes Janke,Volker Uphoff und Erhard Schreiber.
Er bezeichnet sich selbst als Wüstensohn: Johannes Janke ist Hannoveraner und doch packt ihn öfter mal das Fernweh, um auf den Spuren fremder Kulturen zu wandeln. Bevorzugt zu Fuß oder eben mit einheimischen Fortbewegungsmitteln. Es ist mittlerweile die dritte Reise, die Janke vom 24. April – 19. Mai diesen Jahres zusammen mit seinen Weggefährten, Burkhart Heine und Volker Uphoff, in die Wüste führte. Zuvor war er bereits in der libyschen Sahara und in Namibia in der gleichlautenden Namib.
Diesmal führte ihn seine Leidenschaft für die Wüsten dieser Erde, für fremde Kulturen und die Lebensweise der Menschen nach Usbekistan, entlang der Seidenstraße durch die drei alten Städte Chiwa, Buchara und Samarkand. Janke dokumentiert seine Reiseeindrücke fotografisch und verschafft so Interessierten einen Einblick in die usbekische Kultur. Er deckt kulturelle Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten auf. Manchmal sind die fernen Länder tatsächlich fremd, manchmal sind die Städte und Menschen aber durchaus mit Hannover und den Menschen hier zu vergleichen. Erst im August stellte er zusammen mit Heine und Uphoff seine Fotografien im Eilenriedestift am Bevenser Weg aus und fand ein begeistertes Publikum.
Die Bilder sprechen für sich: Portraits von jungen und alten Menschen, ein alter Mann mit Falten im Gesicht wie ein zusammengerollter Gebetsteppich, eine lachende Frau mit lauter Goldzähnen im Mund und aussagekräftige Landschaftspanoramas spiegeln die Lebensweise und die Lebensumstände. Die Menschen beschreibt Janke neben den Bauten an der Seidenstraße als den eigentlichen Höhepunkt seiner Reise. „Die Usbeken scheinen zufriedene Menschen zu sein. Betteleien finden nicht statt, da es genügend Agrarprodukte gibt und somit kein Hungerproblem.“ Janke charakterisiert sie als sehr gastfreundlich, zugewandt und gut gelaunt. „So eine Art fröhliche Armut ausstrahlend“, schmunzelt er. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Usbekistan seit der Unabhängigkeit von Russland im Jahre 1991 weltweit drittgrößter Baumwollexporteur ist. Außerdem ist das Land reich an Bodenschätzen, wie Gold, Erdgas und Kupfer, die durch den Export hohe Deviseneinnahmen bringen. Auch landschaftlich ist es attraktiv. Die Fotos vermitteln Eindrücke vom Wandern und Kamelreiten in der Kizilkum-Wüste und vom Bergwandern im Chimgon-Gebirge, 80 km von der Hauptstadt Taschkent. Drei Viertel des Landes sind mit Wüsten bedeckt. Die Kizilkum-Wüste ist eine steppenartige Halbwüste. Gräser und Büsche wechseln mit Sandhügeln. Diese Steppe ist Lebensraum für Nomaden und Tierherden. Übernachtet wird hier in Jurten, Tierhäute aus Leder oder Filz. Südöstlich des Aralsees im Tiefland von Turan erstreckt sich diese Wüste bis nach Kasachstan hinein und nimmt drei Viertel von Usbekistan in Anspruch. Usbekistan und Lichtenstein sind übrigens die einzigen Binnenstaaten auf der Welt, die ebenfalls nur von Binnenstaaten umgeben sind. Kein Meer weit und breit, so könnte man sagen. Das Völkergemisch aus Usbeken, Russen und kleineren Volksgruppen gehört zu 90% der Glaubensrichtung der Sunniten an. Mit 24 Mio. Einwohnern sind die Usbeken das zweitgrößte Turkvolk nach den Türken, davon sind 40% jünger als 15 Jahre. Das ergibt ein Durchschnittsalter von 24 Jahren. Die antiken Städte Samarkand, Buchara und Chiwa sind mittlerweile beliebte Reiseziele.
Und betrachtet man Jankes Fotos, die mit ihrem orientalischem Flair und exotischem Charme verzaubern, wird das touristische Interesse nachvollziehbar. Zwischen den vielen Minaretten, Kuppeln und Bögen entdeckt man Moscheen und andere Heiligtümer, die mit Mosaiken, Ornamenten und Arabesken übersät sind. Eingebettet zwischen Teppichläden, Souvenirshops und Musikgeschäften. Anstelle der Koranschüler entdeckt man hier vor allem auch Touristen. Die Reise beschreibt Janke in drei Stationen: Die erste Station führte die Männer im Reisebus die Seidenstraße entlang in die Städte. Während des Reisens durch die Wüste bediente man sich dann einheimischer Fortbewegungsmittel. Immer im Wechsel mit seinen Kameraden ritt Janke auf dem Kamel oder lief nebenher. So schaffte man 20 km am Tag. Im Chimgon-Gebirge, wo die Berge teilweise bis zu 4.000 Meter hoch sind, wanderten sie bis zur Schneegrenze. Das kontinentale Klima in Usbekistan erzeugt heiße Sommer mit bis zu 300 Sonnentagen im Jahr, dafür aber kalte Winter. Um sich gerade an den kalten Tagen zu wärmen, wird viel getrunken. Ein traditioneller Eintopf, der Pilaw, wird nur an Freitagen und ausschließlich von den Männern zubereitet. Pilaw ist die Hauptspezialität der usbekischen Küche und wird in einem Kessel über dem offenen Feuer gekocht. Wer Janke auf seinen Spuren durch Usbekistan folgen will, sollte sich diese Spezialität auf keinen Fall entgehen lassen, und das nicht nur, weil sie den Magen wärmt.
Pilaw für vier Personen:
Man benötigt 500 g Rind- oder Hammelfleisch, 3 Tassen Reis, 1 große Zwiebel, 300g Karotten, 50g Hammelfett oder Butter, 2 gehackte getrocknete Chilischoten, 1 1/2 EL Tomatenmark, 1 junge grüne Zwiebel, 1 Lorbeerblatt, Salz und Pfeffer.
Für die Marinade: 2/3 Tassen Weinessig oder Zitronensaft, 1/3 Tassen trockenen Wein, geriebener Knoblauch, Sojasauce, Salz und Cayennepfeffer.
Die Zubereitung ist eigentlich ganz einfach, denn es ist ja ein Eintopf. Also alles entsprechend der jeweiligen Garzeit rein in den großen Topf. Aber dann auch ganz schwer, denn die Usbeken haben natürlich ihre Geheimnisse… Wahlweise kann man noch Rosinen, Kichererbsen, Aprikosen, Kürbis und Tomaten beimischen. Dazu gibt es wahlweise Bier oder Wodka. Der halbe Liter Wodka kostet 1 Euro während man für ein kleines Bier 2 Euro berappen muss.
Astrid Oltmann, Fotos: Johannes Janke

