Am Busen der Natur ist man in vielen idyllischen Orten auf dem Erdenrund, doch wo ist eigentlich der Arsch der Welt? Seit Anbeginn der Menschheit schwebt diese Frage unbeantwortet im Raum und schafft Zwietracht zwischen Ländern und Völkern. Bis heute konnte dieses Rätsel nicht eindeutig beantwortet werden. War das Thema in vergangenen Epochen und Jahrhunderten von bitteren Ressentiments und schlimmen Vorurteilen belastet, ist in unserem aufgeklärten und fortschrittlichen neuen Jahrtausend und spätestens seit J.Lo & Co. ja auch jedem klar, dass der Po der neue Busen ist und durchaus nichts Negatives. Was das Problem aber nicht wirklich verkleinert. Die Konkurrenz ist groß. Timbuktu? Kamtschatka? Oder doch Hintertupfingen? Ganz weit vorne im Rennen ist auch das beschauliche Örtchen „Anus“ im französischen Burgund. Doch ungesehen vom größten Teil der Weltöffentlichkeit hätte ein heldenhafter Mann im Jahr 2005 die Affäre beinahe aus der Welt geschafft. Die 14.178-Seelen-Stadt Plochingen in Baden-Württemberg, etwa 20 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart, hatte den Karikaturisten, Zeichner und Kinderbuchautoren Tomi Ungerer gebeten, ein öffentliches WC in der Innenstadt zu gestalten. Der 75jährige erkannte seine Chance, eine existentielle Menschheitsfrage ein für allemal endgültig zu klären und legte einen Entwurf vor, zu dem ihn das indische Taj Mahal inspiriert hatte. Frei nach dem Motto “Tadsch ma Arsch” designte er einen tempelartigen Bau, dessen Dach die Form eines überdimensionalen Pos haben sollte. Damit hatte Ungerer sogar größeres im Sinn: mit dem größten Arsch der Welt wollte er Plochingen einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde sichern. Doch die Muslime der Stadt beschwerten sich, da das Häuschen wie eine Moschee aussehe, nur eben mit einem Hinterteil statt einer Kuppel. Sein zweiter Plan sah ein „wolkenförmiges Gebäude” vor, auf dem der Po thronen sollte. Doch auch dieser Plan stieß auf Widerstand. Vor allem wegen seines Standortes im Stadtzentrum – gegenüber befindet sich eine Kirche. Nun forderte Bürgermeister Beck, der bisher zu dem stillen Örtchen stand, Ungerer auf, einen weiteren Entwurf zu erstellen. Ohne die anrüchige Kuppel – „vielleicht mit Wolken und einer Sonne darüber“. Doch Ungerer mochte auf dieses “zentrale Element” nicht verzichten und erklärte, dass er alle Religionen respektiere und daher Verständnis für die Einwände habe, doch sehr bedauere, dass nun nicht mehr das Gebäude entstehen würde, dass der Stadt Ruhm und Ehre für alle Zeiten verschaffen würde. Jedoch es half nichts, die religiöse Lobby blieb hartnäckig und Ungerer brauchte wohl anscheinend dringend Geld, jedenfalls ließ er sich nach einer zweijährigen Debatte dazu herab, ein Klohäuschen im Sinne der Verblendeten zu gestalten. Das wurde dann auch tatsächlich gebaut. Ein mintgrüner Würfel, geschmückt mit einem Frosch und einem Drachen. Nach oben schließt das ganz originell „Les Toilettes“ betitelte Bauwerk in einem Zierfries aus rosa Klobrillen ab. Die Botschaft ist also klar: rosa Klobrille auf und drauf geschissen wo der Scheißarsch der Welt jetzt ist oder nicht. Vielleicht ist ja in Wirklichkeit die Welt am Arsch und nicht andersherum.
Johanna Kienitz

