Gerücht im März 2009

Nun ist der Carlyle Group doch tatsächlich das Geld ausgegangen. Wer hätte das von so einem grundsoliden und ehrenwerten Unternehmen jemals gedacht? Die Rechnungen sind noch offen, die Arbeiter sind abgezogen, die Maschinen verschwunden. Und jetzt machen sich alle sorgen, dass wir uns langfristig an eine Baustelle gewöhnen müssen. Eine Baustelle, in der viele Menschen leben. Unser Mitleid gilt an dieser Stelle den Menschen mit einer Eigentumswohnung in Hannovers größter Bauruine. Eine hundertprozentige Mietminderung können sie natürlich nicht einfordern. Sie hängen ja mit drin. Schon wird wieder überall die Sprengung gefordert. Aber das ist nicht so einfach. Jemand muss zuerst die Wohnungseigentümer auslösen. Wer soll das bezahlen? Die Stadt? Damit ist wohl kaum zu rechnen. Zahlreiche Ideen zur neuerlichen Reanimierung machen derweil auf den Fluren des Rathauses die Runde. Da ist beispielsweise zu hören, dass man darüber nachdenkt, ähnlich dem Beispiel einer Bad-Bank, in der man die faulen Kredite versammelt, jetzt ein Unternehmen mit dem schönen Titel „Bad-Bau“ zu gründen, um alle Ruinen, die die lieben Heuschrecken in Deutschland hinterlassen haben und noch hinterlassen werden, darin zu versammeln. Was man dann mit den ganzen Ruinen anstellt, weiß aber immer noch kein Mensch. Jüngst zeichnet sich nun mehr und mehr ab, dass sich eventuell eine auf den ersten Blick recht ungewöhnliche Idee durchsetzen könnte. Das Ihme-Zentrum, so wird gemunkelt, soll irgendwann im Sommer zur freien Nutzung geöffnet werden. „Wer seinen Sack Zement selbst mitbringt, kann sich dort ein Plätzchen aussuchen und bauen, wozu er Lust hat“, so erläuterte unser Insider aus dem Rathaus die Idee. „Wir hoffen auf die Ansiedlung vieler junger, innovativer Unternehmen. Sobald jemand sich da was zusammengebastelt hat, was eine Tür hat, die man abschließen kann, ist er der Eigentümer.“ Ein bisschen erinnert diese Idee an alte Hausbesetzer-Zeiten. Und tatsächlich hat man sich genau davon inspirieren lassen. So soll es zunächst auch einen etwas anderen Plan gegeben haben. Demnach hat die Stadt in mehreren linken Gruppierungen V-Männer eingeschleust, die dort die Parole ausgegeben haben, das Ihme-Zentrum jetzt zu besetzen, um ein Zeichen gegen den ungezügelten Raubtier-Kapitalismus zu setzen. Allerdings sind die verschiedenen Gruppierungen nicht darauf hereingefallen. „Was besseres, als dass irgendwelche Linken da einmarschiert wären, hätte uns gar nicht passieren können“, so der Insider. „Das hat ja schon bei anderen Ruinen in Hannover geklappt. Erst besetzen sie die Trümmer, dann richten sie sich häuslich ein, dann werden sie selber häuslich, und irgendwann kommen sie dann vorbei und man einigt sich auf einen Kaufpreis. Das hat nicht funktioniert. Jetzt werden wir die Hausbesetzer doch offiziell einladen müssen.“ Wir drücken der Stadt die Daumen, dass jemand kommt.    GAH


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