Leben lernen

Wir bleiben optimistisch, trotz allem! Auch in düsteren Zeiten bleibt der Aufschwung machbar. Wir brauchen nur gute Ideen und ein bisschen Mut. Stadtkind hilft mit monatlichen Vorschlägen für die ausgekochte Geschäftsidee, damit vielleicht doch noch alles gut wird. Jetzt erst recht!

Es gibt Menschen, die gerade jetzt unsere Hilfe brauchen. Für uns „normale Menschen“ ist es selbstverständlich, uns eigenhändig das Frühstück zu machen, mit dem Auto, Bus oder Fahrrad zur Arbeit zu fahren, unsere Sozialkontakte zu planen, zwischendurch die Wäsche zu waschen, die Kinder zur Schule zu bringen, die Hemden zu bügeln, eben ein ganz normales Leben zu führen.

Doch was machen jetzt all die arbeitslosen Manager, die in Zeiten der Finanzkrise ihre Posten haben räumen müssen? Die nun vergeblich an die Türen der verarmten Branchenriesen kratzen und keinen Einlass mehr finden? Die selbst all ihr Geld in hochspekulativen Geschäften verloren haben? Sie sind die geächteten Sündenböcke unserer Zeit und ihr gesellschaftlicher Absturz ist geradezu vorprogrammiert. Gut, ein paar werden gewusst haben, mit was sie da handeln. Und rechtzeitig in Immobilien oder ein Bett aus purem Gold investiert haben, statt in heiße Luft. Aber was ist mit den anderen? Was machen diese armen Menschen? Plötzlich ohne Hausangestellte, ohne Kindermädchen, ohne Sekretärin, ohne Fahrer. Die Kinder sind auch nicht länger im Internat, dafür reicht das Geld nicht mehr. So sitzen sie alle zusammen morgens vor leeren Tellern. Natürlich würde die Stütze vom Staat reichen, diese Teller halbwegs zu füllen, aber woher bekommt man die Stütze? Und woher die Nahrungsmittel? Und wie bereitet man sie zu? Die Erinnerung an die eigene Kindheit ist schon reichlich verschwommen.

Ja, damals ist die Mutter aus dem Haus gegangen, und mit vollen Einkaufstüten zurückgekehrt. Aber wo sie genau war, das ist längst vergessen. Und die Eier hat sie irgendwie in einen Topf mit Wasser gelegt. An mehr erinnert sich auch die Frau des Managers nicht mehr.

Diese Menschen müssen noch einmal ganz neu alles lernen. Sie müssen von vorne anfangen. Kein Fahrer, der sie zur Agentur für Arbeit fährt. Niemand, der ihnen sagt, wie ihre Kinder heißen und wann sie Geburtstag haben. Schon bald verlässt die Frau den Manager, und lässt auch die Kinder zurück, denn eine echte Beziehung zu den Kleinen hatte sich da sowieso nie wirklich aufgebaut. Sie sucht sich einen anderen Manager, einen, der mehr Glück hatte. Und nun gesellt sich zum Hunger die Einsamkeit. Und Freund Alkohol lauert schon. Aber auch hier stellt sich zuerst die Frage, wo der zu kriegen ist. So eine Hausbar ist schnell ausgetrunken, wenn niemand sie auffüllt. Am Ende werden diese armen, geschassten Manager zu einem Problem für die Gesellschaft. Sie werden verrückt oder laufen Amok, die Kinder werden kriminell, und am Ende legen sie sich die Manager zum letzten Schlaf auf Bahngleise und wir alle müssen für die Behandlung traumatisierter Zugführer aufkommen. Das darf nicht sein! Wir müssen diesen Menschen jetzt die Hand reichen. Und dazu nun hier unsere Geschäftsidee: Einen Kurs an der Volkshochschule zu geben, ist bereits für viele Menschen ein angenehmer Nebenverdienst. Allerdings musste man dafür bisher die nötigen Qualifikationen nachweisen können. Das fällt nun weg, denn die Qualifikation (einfach leben) bringt ja fast jeder Normalsterbliche mit. Ein Lehrplan ist schnell geschrieben. Was ist ein Supermarkt, wie liest man einen Busfahrplan, wie bedient man einen Herd oder eine Waschmaschine? All das könnten mögliche Inhalte sein. Moment, wird nun mancher sagen, wenn die jetzt so arm sind, werden sie sich wohl kaum einen Kurs an der Volkshochschule leisten können und wollen.

Der Einwand ist durchaus berechtigt. Der Gang zum Amt muss daher auf dem Lehrplan ganz oben stehen. Man sollte dann natürlich darauf achten, dass die Ex-Manager dieses Geld nicht gleich wieder in windige Geschäfte stecken, sondern zunächst mal in den Kurs investieren. Und wo erreicht man nun diese verarmten Manager mit dem Kurs-Angebot? Sie müssen ja zuerst davon erfahren, um buchen zu können. Nun, von Verbrechern weiß man, dass es sie zum Tatort ihres Verbrechens zurückzieht. Bei den Managern reicht also ein Aushang in den Bankenvierteln unserer Großstädte völlig aus.  GAH


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