Die Lifestylekolumne für alle, die den Jüngeren einfach keinen Platz machen wollen (egal, ob im Job oder im Bett).
Am 3. März wurde mir klar, dass ich mein halbes Leben zu viel mit den falschen Leuten geredet habe. Am Abend konnte ich prompt nicht mehr sprechen. Am nächsten Tag auch nicht. Und am übernächsten erfuhr ich endlich von einer HNO-Ärztin den Grund: Stimmbandentzündung. Sie gab mir ein starkes Antibiotikum und verordnete „Klappe halten!“ Ich sagte alle Termine per SMS und Email ab und verkündete, dass ich sprachlos sei. Endlich! Mancher wird sich über diese Info gefreut haben. Darunter besonders männliche Kollegen und Geschäftspartner und alle, die mich aus anderen Gründen nervig finden. Zum Beispiel jüngere Geschwister. Oder Freunde, die jetzt zu Wort kommen konnten, wenn sie mich anriefen. Meine beste und älteste Freundin meldete sich mehrfach täglich mit den Worten:“Ich weiß, Du darfst nicht sprechen. Aber Du bist die Einzige, mit der ich darüber reden kann…“. Als Workaholic war ich froh, wenigstens schreiben und mailen zu können, doch es ging mir insgesamt nicht gut. War das mit der Stimme psychisch? Schnell fand ich zahlreiche Hinweise und Theorien in einem Internetforum „Sprache und Stimme“. Ich erfuhr dort, dass ich der Mittelpunkt meines Universums bin mit all meinem Frust und meinen seelischen Verspannungen. Und die Botschaft an mich lautete: Ändere Dein Leben! Ich blickte zurück bis einschließlich 2003 und fragte mich, was ich denn nun noch alles ändern sollte? Damals bin ich wegen Beziehungs-Burnout aus einem Ökodorf in der Region zurück in die Stadt gezogen und habe den Job gewechselt. Von Hundert auf Null. Seit ungefähr 3 Jahren ging es mir wieder richtig gut. Dachte ich zumindest. Auf jeden Fall wollte ich mir nun krankheitsbedingt eine Freude machen, wenn ich schon nicht auf die Cebit oder zu anderen beruflichen Events gehen durfte, um Leute vollzuquatschen. Nachdem ich mir alle Folgen von „Sex and the City“ und „L Word“ auf DVD angesehen hatte, sollte mein 80iger Jahre Serienkult folgen. Miami Vice. Die Gesamtbox war schnell bestellt und ich bin gleich voll eingestiegen. Seit 6. März lebe ich mit Sonny und Rico in Miami und gehöre zum Team. Die Klamotten haben mein kleiner Bruder und ich damals schon getragen. In den 80ern fanden wir es herrlich, uns ständig in Crockett- und Tubbs-Manier anzuziehen, anzuschleichen und zu schreien „Hände hoch! Miami Vice!“. Wir hatten sogar ein Boot mit einem Plastikkrokodil an der Innerste in Hildesheim vor Anker. Unsere Schwestern fanden uns total bescheuert, weil wir so affige schwule Typen wie Don Johnson und Philip Michael Thomas nachäffen mussten. Sie bevorzugten stattdessen Punker und Latzhosenträger. Mein Bruder und ich – wir sind Zwillinge – hatten eben einfach mehr Stil und lebten den Zeitgeist der 80iger aus. Er wollte sein wie Crockett und ich wollte einen Mann, der so cool war und so gut aussah. Zwanzig Jahre später hat sich mein Geschmack geändert. Das gilt auch für mein Bruderherz. Er hat inzwischen einen Bauchansatz und ist sehr häuslich. Auf der Suche nach meiner Stimme suchte ich jedenfalls den Sinn des Lebens in „Miami Vice“. Den verkörpern für mich nicht mehr die metrosexuellen Jungs, sondern Lieutenant Castillo. Er ist der unnahbare Pate des Departments und macht nicht viele Worte im Vergleich zu anderen Akteuren. Was er sagt ist kurz, klar und ehrlich. Das bin ich ab sofort auch! Sicher hat er ähnliche Erfahrungen gemacht. Er hatte vielleicht sogar eine Stimmbandentzündung, bevor er so geworden ist. Meistens reichen ohnehin zwei Worte, um klar zu machen, wo es lang geht: shut up!
SAM

Wie wahr, wie wahr…
True, true, and having a Bud and whatching TV-Shows….
Du sprichst mir aus der Seele….