USA/A/D/GB 2009
Für jemanden, der alle vorangegangenen Terminator-Teile (drei davon soll es geben, habe ich mal so gehört) nicht gesehen hat, ist ein Kinobesuch von „Terminator – Die Erlösung“ alles andere als eine Erlösung von dem jahrzehntelang stets latent brodelnden Bildungslücken-Nichtdazugehör-Nichtmitredkönn-Komplex: Ich verstehe rein gar nichts.
Überall Raumschiffe – war das nicht „Star Wars“? Dazu noch dieser süße blonde Jungspund, der sieht doch aus wie Luke Skywalker. Diese ganzen Zeitreisen und -schlaufen – sehr verwirrend, aber ok, „Zurück in die Zukunft“ hab ich ja gesehen und „Star Trek“ auch, komme ich also mit klar.
Maschinen sind eigentlich böse, können sich aber aus freiem Willen dazu entschließen, doch gut zu sein – wieder „Star Trek“, wenn auch in extrem unlogisch, aber egal. Atomkrieg – doch „007“? Und wieso gibt es diesen Krieg überhaupt? Endzeit–Grau-in-Grau wie immer, „Blade Runner“ und so, „Babylon A.D.“, versteh schon. ‘Ne richtig coole Frau gibt’s hier schon mal gar nicht, „Lara Croft“ wurde also offensichtlich vergessen, und das, obwohl der Regisseur doch angeblich „Drei Engel für Charlie“ gemacht hat – waren das nicht alles Frauen? Ordentlich „Matrix“ und „Mad Max“ dazugepanscht, aber was bitte ist hier das Terminatormäßige?
„Die Erlösung bleibt aus. Der lange erwartete vierte Teil der Sci-Fi-Saga ist eine teilnahmslos geschilderte Materialschlacht mit massiven Storylücken, in der nicht einmal Christian Bale zu glänzen vermag.“ urteilt Kollege Jan Hamm – ha!
Vielleicht bin ja gar nicht ich zu blöd, sondern der Film?
Heavy Metal in der Zukunft
Wir schreiben das Jahr 2018. Nackt und verloren irrt Marcus Wright (Sam Worthington) durch das Brachland um Los Angeles. An mehr als seinen Namen kann er sich nicht erinnern, über die
jüngere Historie wird er jedoch schnell aufgeklärt, als er in den Ruinen auf Kyle Reese (Anton Yelchin) trifft. Der global vernetzte Supercomputer Skynet war schlagartig selbstbewusst geworden und hatte sich in einem verheerenden Nuklearkrieg gegen seine Schöpfer gewandt.
Im nahezu aussichtslosen Kampf gegen dessen Cyborg-Armee führt John Connor (Christian Bale) einen Teil der Untergrundbewegung an, die sich schlicht „Der Widerstand“ nennt. Der verbitterte Krieger weiß: Sollte er Kyle nicht vor Skynet ausfindig machen, sind die Tage der Menschheit gezählt. Denn Kyle war es, der einst einem Terminator durch die Zeit hinterherreiste, um Connors Mutter Sarah zu beschützen – und sie dabei schwängerte.
Doch dann wird Kyle entführt, während der entsetzte Marcus nach einer Minenexplosion schimmerndes Metall unter seiner Haut entdeckt. Antworten auf die Frage nach seiner Herkunft vermutet er in genau der Skynet-Zentrale, in der auch Kyle gefangen gehalten wird. Um seinen Vater in spe zu befreien, ist Connor gezwungen, ausgerechnet einer Maschine ins Herz der Finsternis zu folgen…
„Das klingt verwirrend? Ohne Kenntnis der Vorgänger ist es in der Tat kniffelig, der epischen Erzählung um Zeitreisen zwischen Schicksal und freiem Willen zu folgen“, so bereits erwähnter Kollege – puh, da bin ich ja beruhigt.
Im Grunde sind die Details aber auch relativ wumpe, denn wie wir bereits aus dem opulenten Trailer wissen, ist Marcus diesmal der „Terminator“, das erkenne selbst ich ganz eindeutig, denn Terminatoren bestehen aus Metall, sind aber mehr oder weniger geschickt als Menschen getarnt. (Überhaupt finde ich es ein wenig bedauerlich, dass die verschworene Maschinengemeinschaft ausschließlich aus menschenähnlich geformten Robotern besteht und – sagen wir mal – die Mikrowellen und die Toaster von der Weltherrschaft gänzlich ausgeschlossen bleiben. Sind das etwa keine Maschinen? Naja, ich versteh davon ja nix, aber lustiger wäre der Film mit wild umher ballernden Mikrowellen bestimmt geworden. Aber das nur am Rande.)
Und um den Terminator dreht sich der Film, das sagt ja bereits der Titel, und die Aufgabe eines jeden Terminators besteht darin, zu „terminieren“, und zwar nicht irgendwas, sondern bitteschön gleich die ganze Menschheit, womit wir beim grundsätzlich geltenden Inhalt der kompletten Serie wären.
Besonderer Plot diesmal: der Terminator möchte gar nicht „terminieren“. Wieso, weshalb, warum wird nicht näher erläutert, auch nicht, wie es ist, sich als Maschine in einen Menschen zu verlieben usw. usf., überhaupt bleiben alle Charaktere reine Klischees, von Biografien, Charakteren oder Persönlichkeiten ist hier weit und breit keine Spur.
Wäre ja alles halb so schlimm, wenn sich nicht auch die komplette Action, Optik, Dramaturgie und was es da sonst noch so geben könnte wie ein wild zusammengeklauter Mix aus bekannten Elementen anfühlen würde und den Film zu einem gepanschten Einheitsbrei aus „Alles-schon-mal-woanders-besser-gesehen“ machen würde. Metall wird zwar zerkloppt im großen Stil und geballert ohne Ende. Doch was bleibt, ist Wischiwaschi an allen Fronten. Auf Humor wurde zudem vollständig verzichtet. Was sich momentan wie eine reinigende Sintflut über sämtliche Sequels Hollywoods von „Batman“ bis „Wolverine“ ergießt, das Bedürfnis nämlich, sämtliche über Jahrzehnte angehäufte popkulturellen Altlasten all dieser kultbeladenen Ikonen wegzuspülen und unbefangen von vorne anzufangen, misslingt hier absolut und schürt nur den Verdacht, dass es sich bei der Vorgeschichten-Strategie doch nicht um die langersehnte Tabula Rasa handelt, sondern tatsächlich um nichts anderes als ökonomische Kamikaze und billige Verarsche. Gibt es denn wirklich niemanden, dem mal etwas ganz und gar Neues einfällt?
Selbst die relativ jungen Mitstreiter im Zuschauerzahlen-Roulette sind von vornherein mit Erwartungen und Vergleichen überhäuft – ist nicht „Harry Potter“ (ich freue mich schon auf „Harry Potter und der Fluch der magischen Windel“) irgendwie das gleiche wie „Herr der Ringe“ für Kinder und die „Watchmen“ auch nur Plagiate bereits bekannter Superhelden? „Weltraum“, „Wald“, „Wüste“ – wie im realen Leben ist auch im Filmiversum kaum noch unbesetztes Terrain auszumachen.
Wie immer eine Lösung für die gähnende Langeweile im entdeckungsfreien Raum aussehen könnte, Joseph McGinty Nichol hat nichts dazu beigetragen.
Johanna Kienitz

