christoph maria herbst

Wer kennt sie nicht? Die drei Freunde aus Helme Heines Kinderbuchklassikern, Franz von Hahn, Johnny Mauser und den dicken Waldemar. Die Hannoveraner wissen zudem auch, wo sie wohnen: In Mullewapp. Und genau dort, im Zoo Hannover, kann man die drei auch besuchen. Jetzt gibt es die Geschichte der drei tierischen Freunde im Kino zu sehen. Die Geschichte darüber, wie alles begann, wie sie Freunde wurden und herausfanden, wie sie Fahrrad fahren können (nämlich nur gemeinsam!). Gesprochen werden die Zeichentrickhelden u.a. von Benno Fürmann, Christoph Maria Herbst und Katarina Witt. Am 12. Juli war die Premiere. Mit dabei: die Autoren Helme Heine und seine Frau Gisela von Radowitz sowie Christoph Maria Herbst. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit Christoph Maria Herbst über Synchronrollen, Pornosynchronarbeiten, Humor und schwierige Dialekte gesprochen.

Wie kam es zu der Synchronrolle in „Mullewapp“?
Ich bekam den berühmten Anruf. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das zu machen. Dann hab ich mich ein bisschen mit der Thematik auseinandergesetzt, das Treatment gelesen und fand das alles dermaßen entzückend. Als ich dann noch hörte, dass Joachim Król den Waldemar spricht, musste ich nicht mehr lange überlegen. Übrigens finde ich, dass Joachim den Waldemar absolut niedlich gemacht hat – da könnte man glatt Vegetarier werden nach Mullewapp.

Sie haben schon öfter ganz unterschiedliche Filme synchronisiert – zuletzt hatten Sie eine Synchronrolle in „Willkommen bei den Schtis“. Gibt es Unterschiede beim Synchronisieren von realen Figuren oder Zeichentrickfiguren?
Nein, eigentlich nicht. Der Regisseur von Mullewapp, Tony Loeser, hat von Anfang an ganz klar gesagt, er will keine Tierlaute hören und mir entlocken. Ich hab ihm zwischendurch immer mal wieder ein herzerfrischendes „Kikeriki“ angeboten, das wollte er aber gar nicht haben. Ich war natürlich ein bisschen traurig, weil ich so stolz darauf bin, den Hahn an sich eigentlich ganz gut drauf zu haben. Aber er hat gesagt: „Nee, wir wollen die so menschlich wie möglich zeichnen.“ Insofern ist da kein großer Unterschied. Wobei der Vergleich zu „Willkommen bei den Schtis“ natürlich ein wenig hinkt: Denn gerade bei dem Film musste ich mich komplett warm anziehen und mir einen ganz neuen Dialekt drauf schaffen.

War das sehr schwierig?
Ja, das war superschwierig. Ich habe, glaube ich, fünf Tage im Studio verbracht und hatte jeden Abend einen Teppich im Mund. Das war wirklich sehr, sehr schwierig! Dagegen war der Franz von Hahn geradezu ein Waldspaziergang!

Gibt es irgendwelche Besonderheiten beim Synchronisieren eines Zeichen- bzw. eines Kinderfilms?
Ich glaube, man gibt dem Affen ein bisschen mehr Zucker. Dabei muss man natürlich aufpassen, dass er dabei nicht Diabetiker wird. Also überzuckern ist auch nicht gut, denn dann fühlen sich die Kinder verschaukelt. Ich bin eh jemand, der erstmal ein bisschen zu dick aufträgt, um sich dann vom Regisseur sagen zu lassen: „Mach mal weniger!“ Also mir muss man nicht alles aus der Nase ziehen oder mich irgendwie reizen, mehr zu machen. Ich mache gleich viel zu viel. Und dann kann der Regisseur sagen: „Nö, brauchst du gar nicht!” Das ist im Grunde leichteres Arbeiten. Regisseure freuen sich, wenn man mehr oder sogar zu viel anbietet – besser als zu wenig. Und ich gehe immer mit recht guter Energie in so eine Arbeit.

Synchronlächeln...Man konnte lesen, dass Sie früher auch mal Pornos synchronisiert haben?
Es ist zwar eine Plattitüde zu sagen: ich war jung und brauchte das Geld – aber das war tatsächlich so. Übrigens waren die Synchronaufnahmen damals in Hannover. Es ist ja die deutsche Pornostadt überhaupt!

Ach, ja?
Das wussten Sie gar nicht!

Nein, das war mir nicht bewusst… Sie haben gesagt, dass der Job sehr langweilig war. Warum haben Sie sich dann nicht einen anderen gesucht?
Also der Job war wirklich total langweilig! Ich machte ihn in der Zeit, in der ich hier am Theater in der Helmkestraße, im ehemaligen Theater der Jugend, gearbeitet habe. Eine Kollegin von mir verdiente sich damals eine goldene Nase in diesem Job. Weil sie sehr starke Raucherin war und genau das richtige Timbre für Erwachsenen-Fachfilme hatte. Für mich war das damals mal ein Ausflug.

Wenn Sie die Arbeit z.B. an „Willkommen bei den Schtis“ und dem Zeichentrickfilm „Mullewapp“ vergleichen: Was gefällt Ihnen besser?
Da muss ich echt sagen: Alles zu seiner Zeit. Ich glaube, ich würde mich total eingeschränkt fühlen, wenn ich ausschließlich Kinderfilme synchronisieren müsste. Die Mischung macht’s! Wie überhaupt in meinem Beruf. Ich liebe es total, zwischendurch Theater spielen zu können und dann wieder vor der Kamera zu stehen, oder mal wieder die Kamera links liegen zu lassen und ein Hörbuch einzulesen. Genauso wichtig ist es für mich, zwischendurch nichts zu tun. Es muss sich alles gut die Waage halten. Aber einen Film wie „Bienvenue chez les Schtis“ vorgesetzt zu bekommen, ist natürlich ein Geschenk! Geradezu eine Ringeltaube. Sowas kriegt man nicht allzu oft.

Der Film hat Ihnen also auch persönlich sehr gefallen?
Total, total!

Gerade wurde die vierte Staffel Stromberg abgedreht. Wird es noch eine fünfte geben?
Das kann ich Ihnen nicht sagen. Wir gucken jetzt erstmal, wie und ob die Menschen, in welchem Maße, die vierte Staffel annehmen. Die wird bis Januar 2010 laufen, wir haben ja zehn Folgen gemacht. Und wenn überhaupt, ist dann das nächste Thema, über das wir nachdenken, der Stromberg-Kinofilm. Aber auch über den gibt’s noch nichts Spruchreifes zu sagen.

Stimmt es, dass Sie die Rolle zuerst gar nicht annehmen wollten? Und nun gibt es bereits vier Staffeln und es folgen vielleicht noch weitere. Wie stehen Sie selbst zu Stromberg?
Der Autor und Produzent Ralf Husmann hatte das damals quasi für mich konzipiert. Aber ich hatte ein bisschen Hemmungen, weil zu der Zeit viele andere Büro-Sendungen liefen, die ich alle eher mittel fand. Außerdem wusste ich überhaupt nicht, ob ich das überhaupt kann, was da von mir erwartet wurde. Also, Dokumentation so zu spielen, dass der Zuschauer das Gefühl hat, es sei Dokumentation, ist schon eine irrsinnige Herausforderung. Dabei muss man sich nicht nur um eine realistische, sondern auch um eine naturalistische Spielweise bemühen. Dahingehend wollte ich mich gern ausprobieren und bat Ralf Husmann, mich auch zum Casting einzuladen. Und dann hat das so unfassbar viel Spaß gemacht, dass ich gesagt habe: „Wie blöde bin ich denn, das nicht längst zugesagt zu haben?!“

Wie sind Sie so im wirklichen Leben?
Wenn ich das wüsste…

…welche Parallelen gibt es zwischen Ihnen und Ihren Figuren, zum Beispiel zu Stromberg?
Ehrlich gesagt gar keine! Chauvinistisch z.B. bin ich gar nicht. Dieses auf den eigenen Vorteil bedacht sein, über Leichen gehen, im Mäntelchen des Teamplayers daherkommen, aber doch eigentlich nur seinen eigenen Vorteil im Blick haben – das hat alles nichts mit mir zu tun. Wenn ich so wäre, könnte ich die Rolle gar nicht so spielen. Stromberg ist durch das Zusammenspiel dieses wunderbaren Ensembles das, was es ist. Es ist eben keine Late- oder One-Man-Show, mit Herrn Herbst und dann kommt lange Zeit gar nichts, sondern man sieht ein aufeinander eingespieltes Ensemble agieren. Das geht nur, wenn man teamfähig ist. Und das sind wir alle. In unserem Team gibt es keine einzige Diva, keinen Zickenton – auch bei mir nicht. Ich glaube, so einer Rolle kann man erst dann Authentizität geben, wenn man mit ihr nichts zu tun hat.

Wie steht es mit der komischen Seite?
Ich bin durchaus ein humorvoller Mensch. Ich muss mir natürlich als Schauspieler darüber im Klaren sein, wo die Komik liegt, bei einer Figur wie Stromberg – um sie aber nicht zu bedienen. Nur im Kopf muss ich sie natürlich immer mitdenken, das ist ganz klar. So eine Rolle kann man nicht spielen, wenn man nicht ein gewisses Maß Schalk im Nacken hat. Und den muss man dann so homöopathisch dosieren, dass er eigentlich nicht mehr nachweisbar ist.

Und wie steht es mit Franz von Hahn in Mullewapp? Hat Ihnen die Rolle Spaß gemacht?
Ja, total. Franz von Hahn ging mir leicht von der Hand. Darauf musste ich mich gar nicht großartig vorbereiten: Auch ich bin sehr eifersüchtig, eitel und muss ein Toupet tragen. Bevor mein Pressechef ausrastet, sollten Sie noch schnell eine finale Frage stellen.

Sind Sie derzeit vergeben?
Ja, aber sowas von!


Vielen Dank für das Interview und für Ihre Zeit!

Text und Foto: Christine Meier


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