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Es sind ja eher Jungs und Männer, die gerne mal auf die Straße spucken, und so haben wir bisher gedacht, dass sich zu diesem Phänomen eine Küchenpsychologie eigentlich nicht lohnt.
Denn auf den ersten Blick liegen die Gründe für dieses Verhalten ja auf der Hand, zumal die Spucker meist eher breitbeinig daherstolzierende, Muskelshirt tragende Menschen sind, die sich auch gerne mal in aller Öffentlichkeit ausgiebig in bestimmten tieferen Körperregionen kratzen. Es sind schlicht Männchen, die ihr Revier markieren, so haben wir angenommen, und die Spuckerei auf archaische männliche Grundstrukturen zurückgeführt. Dankbar, dass sie ihr Revier nicht auf eine andere in der Natur übliche Art und Weise markieren. Natürlich, auch hier gibt es Ausnahmen. Aber die meisten Spucker sind nur Spucker und keine Pinkler.

Spucker gibt es allerdings eine ganze Menge. Man begegnet ihnen in Hannover an jeder Straßenecke. Ein selbstbewusst federnder Gang, meistens gerade telefonierend, und immer bereit, den Boden mit ein wenig Speichel zu benetzen. Manchmal auch mit ein wenig mehr Speichel. Und manchmal sogar… aber sparen wir uns lieber diese unappetitlichen Details.

Nun gibt es jedoch sehr viele Menschen, zumeist weiblichen Geschlechts, die sich an der Spuckerei stören. Die diese Angewohnheit absolut widerlich finden, ekelhaft und abstoßend. Und wir bemerken scharfsinnig: Hier stimmt etwas nicht. Wenn es sich bei der Spuckerei um eine archaische Methode zur Markierung des Reviers handeln würde, dann müssten die Frauen der Angelegenheit zumindest neutral gegenüberstehen. Wofür waren diese Reviermarken damals gut? Damit ein fremder Mann wusste: Halt, bis hierher und nicht weiter. Erfüllten sie auch für die Damenwelt einen Zweck? Vielleicht. Zumindest wusste das weibliche Geschlecht damals sehr genau, wo der eigene Mann aufhört und der fremde anfängt. Wie auch immer, als widerlich haben die Frauen die Reviermarken damals sicher nicht empfunden. Schon eher als aufschlussreich.

Sind nun die Frauen mal wieder evolutionstechnisch drei Schritte weiter als die Männer? Spuckt das starke Geschlecht noch immer fleißig in der Gegend herum, um imaginäre Reviere abzustecken, um zu sagen: „Seht her, hier bin ich, hier jage ich”? Während die Frauen schon längst nicht mehr auf breitbeinig daherstolzierende, Muskelshirt tragende und sich im Schritt kratzende Männer stehen? Vielleicht. Vielleicht ist aber auch unsere Theorie von der Markierung des Reviers schlicht falsch. Einen Hinweis auf unseren möglichen Irrtum erhielten wir vor wenigen Tagen, als wir auf einer Seitenstraße in der Nordstadt Augen- und vor allem Ohrenzeuge folgender Situation wurden: Da standen zwei junge Männer beisammen, beide breitbeinig, beide telefonierend. Und dann sagte der eine plötzlich recht laut diesen bemerkenswerten Satz: „Ich spuck auf dich, und die ganze bekackte Welt und auf diese scheiß Stadt!“ Und dann spuckte er gleich mehrmals auf den Gehweg. Könnte es also sein, dass die spuckenden Männer aus Frust die Straßen befeuchten?

Gut möglich, dass wir hier einem Klischee aufsitzen, aber breitbeinig daherstolzierende, Muskelshirt tragende und sich im Schritt kratzende Männer haben zumindest unserer Kenntnis nach oft kein richtiges Glück auf der Karriereleiter gehabt. Häufig hat schon die erste Sprosse nachgegeben, hat es nicht so ganz mit dem Hauptschulabschluss geklappt, war die Lehre nicht das, was man sich vorgestellt hatte, so dass man frühzeitig ausgestiegen ist, waren immer alle irgendwie gegen einen, war das Leben nie gut zu einem, hat man immer Pech gehabt. Kann es sein, dass die spuckenden Männer also vorwiegend in jenen Reihen zu finden sind, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehen, denen Fortuna niemals hold war? Und die einfach spucken, anstatt ihren ganzen Frust, ihre ohnmächtige Wut und Verzweiflung laut herauszuschreien?

Falls das so ist, dann müssen wir alle umdenken und sollten uns von den Spuckern nicht angeekelt abwenden. Dann sollten wir sie an den Händen fassen und ihnen Mut zusprechen. Ihnen sagen, dass immer noch alles gut werden kann, wenn man nur daran glaubt. Und dabei natürlich ein bisschen aufpassen, dass man nichts abkriegt.

GAH


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