mirco buchwitz

Treue Stadtkindleser der ersten Stunde erinnern sich möglicherweise – es ist ja doch schon ein paar Jährchen her –, dass in der allerersten Ausgabe des Stadtkinds eine Kurzgeschichte von Mirco Buchwitz erschien. Er selbst möchte an diese Geschichte lieber nicht erinnert werden. Heute würde er sie anders schreiben. Aber schon sein Gitarrenlehrer gab ihm den Satz mit auf den Weg: „Die Momente, in denen du dich schlecht findest, sind die Momente, in denen du besser wirst.“

Mirco Buchwitz kennt man in Hannover von der Lesebühne OraL, bei der er bis vor kurzem mitwirkte. Mehr als vier Jahre war er dabei. Auch im Quatsch Comedy Club konnte man ihn bereits bewundern. Doch als Comedian würde er sich selbst ebenso wenig bezeichnen wie als Poetry-Slammer. Als solcher war er zwei Jahre lang aktiv, bis ihm die eingeschränkten Möglichkeiten, die eigene Bandbreite tatsächlich zeigen zu können, den Spaß und die Lust am Poetry-Slam raubten. Seit eineinhalb Jahren ist es nun damit vorbei: „Zu Poetry-Slams fährst du sechs Stunden zum Auftritt nach München, und dann stehst du fünf Minuten auf der Bühne. Wenn du in die zweite Runde kommst, hast du nochmal fünf Minuten, und dann kannst du wieder nach Hause fahren. Das war mir irgendwann zu wenig.“ Im Bereich Comedy und Kabarett probierte er sich eineinhalb Jahre aus. Spaß machte es ihm schon, den Kasper zu spielen, doch hier fehlte es ihm auf Dauer an der ernsthaften Aussage.

Heute weiß Buchwitz, dass er am liebsten solo auftritt: 90 Minuten Zeit, in denen er Musik machen und Live-Hörspiele präsentieren kann – mal lustig, mal ernst, erzählt er seine Texte, begleitet von Musik und Stimmen aus dem Off im Hintergrund. Die Überleitungen der Stücke haben dabei leicht comedianhaften Charakter, aber es geht auch immer wieder tiefgründig und ernsthaft zu. Dass er bei diesen Shows weniger Publikum als beim Quatsch Comedy Club hat, nimmt er gerne in Kauf; seit Mai hat er sich fürs Erste von der Fernsehshow verabschiedet.

Mirco BuchwitzMomentan plant Buchwitz allerdings auch keine Auftritte mehr. Er konzentriert sich ganz aufs Musikmachen und Schreiben, trägt viele Ideen für neue Bücher zusammen, schreibt Anfänge, probiert aus.

„Mich langweilen Sachen immer ziemlich schnell. Ich finde es angenehmer, immer wieder Neues auszuprobieren und zu gucken, wo es hingeht“, so der 35-Jährige. Leichte, einfache Pop-Literatur könnte das sein. Oder „relativ humorfreie Geschichten“. Und wer weiß: Vielleicht überlegt er es sich auch wieder anders und kommt schon bald zurück auf die Bühne?

(Foto: Jennifer Kurbjuweit)

„Von allem ein bisschen“, das war schon früher so: Nach dem Zivildienst studierte er ein paar Semester Englisch und Philosophie an der Uni Hannover. „Ziellos“, wie er sagt. Literatur zu schreiben war nie wirkliches Ziel. „Ich habe mich nicht hingesetzt und gesagt: Das ist es, was ich machen will. Ich habe nie darauf hingearbeitet. Das ist so entstanden im Laufe der Zeit.“ Ursprünglich hat er eine Erzieherausbildung gemacht, wollte mit behinderten Menschen arbeiten. Doch es gab keine passenden Stellen. Geschrieben hat er schon damals, Songtexte als Gitarrist und Bassist in verschiedenen Bands. Irgendwann gab es dann wegen chronischer Erfolgslosigkeit oder auch zunehmender Lustlosigkeit keine Band mehr. Aber noch immer reichlich Ideen. Aus diesen Texten, die nach und nach länger wurden, entstanden Geschichten, vor allem Kurzprosastücke und Kurzhörspiele. Veröffentlicht hat er sie in Form von Hörbüchern, komplett selbst produziert und geschnitten. Zu hören waren sie u.a. im DeutschlandRadio und im ORF. Neben Oliver Kalkofe, Hans Werner Olm, Oliver Korittke und vielen anderen, war er auch bei der Hörspielserie „WUPP – Die Dimensionsjäger“ mit von der Partie – eine Zeitreisengeschichte für Erwachsene und Kinder.

Nach sieben Jahren Training auf der Kurzstrecke folgte dann ein Marathon. Gerade hat der Autor und Musiker seinen ersten Roman fertiggestellt: Eine Tragikkomödie über eine Geschwister-Beziehung. Buchwitz möchte Romane schreiben, bei denen der Leser wirklich bei der Figur ist, in der Geschichte. Er soll Anteil an den Protagonisten nehmen, sie kennen lernen, mitfühlen. Bei Drehbuchautoren nennt man das „Show! – Don’t tell!“ Geschichten werden so erzählt, dass Geschehnisse und Wahrnehmungen aus den Szenen und Situationen deutlich werden.

Romane – muss man da nicht als Autor selbst sehr viel lesen? Auf seiner Webseite steht, dass Buchwitz nur sehr wenig liest. „Bekannte sagen immer, ich lese zu wenig. Stimmt auch. Natürlich lese ich lange nicht mehr so viel, wie damals während meines Studiums.“ Heute sei er eher so eine Art Filmnerd geworden, der stundenlang im Internet Interviews mit Drehbuchautoren liest, Filminternetseiten studiert oder Filme ansieht. „The Fall ist super“, schwärmt Buchwitz, „großartige Bilder, kitschige Geschichte. Oder auch Vincent Gallo, Brown Bunny. Der hat eine großartige Vollmacke!“ Wenn der Filmjunkie doch liest, dann momentan bevorzugt Erich Maria Remarque und (Auto-)Biographien.

Bei seiner Begeisterung für autobiographische Texte stellt sich natürlich die Frage nach dem Anteil des Autobiographischen in seinen Texten. Der sei eher klein, sagt er. Erfahrungen ja, aber er lehne es strikt ab, dem Publikum sein Tagebuch vorzustellen. Sicher sei alles Geschriebene irgendwie autobiographisch, aber man sollte als Autor immer „eine Geschichte daraus machen, die auch andere Leute interessiert und nicht nur einen selbst“. Den Titel seines Romans möchte er noch nicht verraten. Wir erwarten das erste Buch jedenfalls sehr gespannt!

Christine Meier


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