radsport

Es ist Sommer, ein Sonntag. Die meisten Menschen haben frei, erholen sich von der Arbeit. Man schläft aus, lässt den Tag ruhig angehen. Und weil man die ganze Woche im Büro gesessen hat, denkt man über ein bisschen Bewegung nach. Also holt man den alten Drahtesel hervor, putzt die Spinnweben aus den Speichen und schwingt sich auf den Sattel. Schon nach ein paar Metern merkt man, dass die Reifen ein wenig Luft vertragen könnten. Und man selbst vielleicht ein bisschen Training. Warum also nicht sofort starten mit dem persönlichen Trainingsprogramm?

Auf zum Maschsee. Die Nachbarin kommt auch mit. Und dann dreht man Runde um Runde, die Nachbarin in ihrem blumigen Sommerkleid vorne weg auf ihrem Hollandrad, man selbst klebt an ihrem Hinterrad, aber Tempo 20 lässt irgendwie kein richtiges Rennfeeling aufkommen. Ist das Radsport? Bei der Tour de France sieht das alles doch etwas anders aus. Also stemmt man sich in die Pedale und greift an, überholt die Nachbarin, doch die lässt sich den Angriff nicht gefallen, startet einen Gegenangriff und setzt sich schnell wieder an die Spitze. Das ist schon eher Radsport. Aber leider werden plötzlich die Beine schwer und schließlich überredet man die Gegnerin zu einem kühlen Weizen und verlegt das nächste Training auf den kommenden Sonntag. Nein, das ist kein Radsport.

Radsport„Wenn man Radsport betreibt, bekommt man eine unglaubliche Ausdauer. Es wird viel trainiert. Es ist erstaunlich, was man mit seinem Körper machen kann, an welche Grenzen man ihn bringen kann. Man kann von Hannover nach Hamburg fahren. Das ist nicht utopisch! Und wenn du so trainiert bist, ist es einfach super, wenn du dich mit anderen Rennfahrern messen kannst“, sagt Jens Ostwaldt, Jugendtrainer und Fahrer beim Hannoverschen Radsport Club. „Das macht den Reiz aus. Den Körper durch Training und die richtige Ernährung zu entwickeln. Natürlich nur durch erlaubte Mittel“, fügt er lächelnd hinzu.

Doping ist leider noch nicht aus dem Radsport verschwunden. Der Nachsatz gehört zum obligatorischen Repertoire im Jugendund Amateurbereich. Die Skandale haben ganz konkrete Folgen für die Vereine. Zu den guten Zeiten von Erik Zabel und Jan Ullrich kamen viele kleine Kinder und wollten Radsportler werden. Heute ist das anders. „Das Thema nervt inzwischen manchmal. Man wird als Radsportler nicht mehr wertfrei gesehen. Es ist ein wichtiges Thema, und wir klären die Jugendlichen auf. Dabei geht es nicht nur um die moralische Ebene. Wir versuchen zu erklären, was Doping mit dem Körper anstellt.“

Echten, sozusagen handgemachten Radsport findet man heute wahrscheinlich nur noch dort, wo Geld keine Rolle spielt. Beim Hannoverschen Radsport Club, dem ältesten in Deutschland, sitzen kleine und große Sportler im Sattel. Im Jugendbereich fahren Jungen und Mädchen zusammen. Leider fehlt es vor allem am weiblichen Nachwuchs. Natürlich werden in den verschiedenen Altersklassen Rennen gefahren. Im Radsport gibt es Lizenzund Hobbyklassen, und seit kurzem sogar „Jedermann-Rennen“. Hier kann jeder mitfahren, der Lust auf ein Kräftemessen und ein wenig Rennatmosphäre hat. Aber man sollte entsprechend ausgerüstet sein, denn Radsport auf dem falschen Rad ist meistens eine schmerzhafte Erfahrung. Für den Einstieg reichen gebrauchte Räder, doch wer fahren möchte wie die Großen, der muss schon ein bisschen Geld in die Hand nehmen. Ein gutes Rad, ein sicherer Helm und die richtige Kleidung erleichtern vieles. Weiße Socken sind übrigens nicht mehr vorgeschrieben, aber immer noch gern gesehen.

Text und Foto: Christian Lawendel

weitere Infos unter: www.hannoverscher-radsport-club.de


Schlagwörter:

Diesen Beitrag kommentieren