…braucht einen klugen Background
Wenn die Hannover Indians am 8. August mit dem ersten Testspiel gegen die Kölner Haie den Kriegspfad 09/10 einläuten, wird der Traum von tausenden Fans Realität: Die Hannover Indians starten endlich in der zweiten Liga! Und kaum einer zweifelt daran, dass die Indians auch in der neuen Liga eine gute Rolle spielen werden. Und dass im Jahr 1 nach Torwartlegende Roman Kondelik. Manch jüngerer Fan kann sich „seine“ Indians ohne den Goalie mit der Nr. 11 gar nicht vorstellen – in der neuen Saison wird er es müssen! Nach 10 Jahren Eishockey am Pferdeturm hängt Kondelik seine Schlittschuhe an den Nagel.
Dennoch kann man zuversichtlich sein, dass der verpflichtete Ersatz Nolan McDonald die entstandene Lücke schließen wird. Und auch die anderen Neuverpflichtungen lassen die Fans auf spektakuläres und erfolgreiches Eishockey am Pferdeturm hoffen. Ein neuer Stürmer, der beides vereint, könnte Josh Olson sein. Einsätze in der NHL und der Titel als Topscorer der italienischen Liga lassen auf sportliche Qualität schließen, 1,96 m Körpergröße und ein Gewicht von über 100 kg scheinen perfekte Voraussetzungen für eine gute Show…
Dass die Mannschaft in diesem Jahr den Aufstieg schaffen würde, konnte man voraussehen. Doch ein wesentlicher Grund des Erfolgs findet in der öffentlichen Wahrnehmung zu selten Beachtung: In den letzten beiden Jahren formierte Indians-Chef Dirk Wroblewski am Pferdeturm eine schlagkräftige Truppe im Hintergrund, die den Aufschwung maßgeblich zu verantworten hat. Ohne wichtige Indians-Werte wie Tradition und Authentizität zu vernachlässigen, wurden mit ruhiger Hand alte Strukturen entrümpelt und Abläufe optimiert. Frische Ideen hielten Einzug und wurden professionell umgesetzt.
So ist die gesteigerte Zuschaueranzahl zwar Ausdruck des sportlichen Erfolgs, aber eben auch das Ergebnis einer klugen und kontinuierlichen Pflege und Weiterentwicklung der Marke „Hannover Indians“. Straßenbahn und ec-Karte mit Indians-Logo – keine Selbstverständlichkeit für einen Club in der dritten Spielklasse einer Randsportart! Es ist dem Team von Dirk Wroblewski zu verdanken, viele Sponsoren für die Indians begeistert und so den nötigen Background für den Erfolg geschaffen zu haben.
Besonders erstaunlich ist diese Entwicklung angesichts der höherklassigen Konkurrenz in der Stadt. Den Hannover Scorpions gelang es in dieser Saison nicht, den eigenen sportlichen Erfolg in positive Entwicklungen hinsichtlich Zuschauerzuspruch und Stärkung der Position in der Stadt umzumünzen. Im Gegenteil: Man konnte den Eindruck gewinnen, dass man beim DEL-Club gereizt auf die positive Entwicklung am Pferdeturm reagierte. So ließen sich zumindest unglückliche Statements von Vertretern der Hannover Scorpions erklären, die auf die eher bodenständige Kultur und Infrastruktur des Eisstadions am Pferdeturm zielten und Besucher von Indians-Spielen als Partygänger ohne Interesse am sportlichen Wert der Veranstaltung bezeichneten.
Auf der anderen Seite beflügelt die Rivalität der beiden Kontrahenten vom Pferdeturm und dem Expo-Gelände die Sportszene in Hannover. Beheizte Sitze versus Warmschreien – am Ende ist das Geschmackssache. Man darf trotzdem gespannt sein, wie sich die Verkleinerung der sportlichen Distanz auf diese Rivalität auswirkt!
DMVB

