Im UJZ Korn darf man zu einem Konzert ruhigen Gewissens schon einige Stunden vor Beginn auftauchen, denn in der Kneipe in der unteren Etage kostet das Bier nur 1,30 Euro. Bei schönem Wetter kann man im charmanten Innenhof wundervoll die Zeit totschlagen, im UJZ Tischfußball spielen oder lesen – die Lektüre an den Säulen und Wänden des UJZ Korn vertreibt einem sehr unterhaltsam die Zeit.
Musikalisch wird es ab 22 Uhr unterhaltsam. Als Vorband entern „Beyond Pink“, fünf Mädels aus Schweden, die Bühne. Die Frontlady fordert das Publikum mit ihrer lieblichen Stimme auf, doch näher heranzutreten. Und natürlich folgt man der schüchternen Bitte. Sie sehen so harmlos aus. Doch dann ertönt ein unglaublich lauter Mix aus Metal und Punkrock. Einen unsanfteren Einstieg in einen Konzertabend habe ich noch nicht erlebt. Doch das ist natürlich nur eine Frage des Geschmacks. Alles nickt und wippt mit dem Takt. Ich entdecke, dass erstaunlich viele Gäste Ohropax in den Ohren haben. Eingefleischtes Stammpublikum.
Nach einer halben Stunde Schweden-Punk und einer längeren Umbaupause beginnen World/Inferno Friendship Society ihre Show. Eigentlich besteht das Projekt aus 8-12 versierten Musikern, doch nicht alle Musiker aus Brooklyn sind bei diesem Gig dabei. Im UJZ sind sie zu fünft: Keyboard, Schlagzeug, Saxophon, E-Gitarre (gespielt von der einzigen Frau) und nicht zuletzt der Sänger und Entertainer Mr. Jack Terricloth. Der eröffnet das Konzert mit einem imposanten Trommelschlag auf eine ebenso imposante Trommel. Nach den ersten vernehmbaren Tönen füllt sich der Raum innerhalb weniger Sekunden bis auf die letzten freien Ecken.
Der frische Sound lässt sich nur schwer einordnen: Eine Mischung aus Soul und Punk, gewürzt mit Kabarett-Einlagen. Die Musik ist packend und elektrisierend. Das Publikum tanzt bereits beim ersten Song. Die Stücke machen einfach gute Stimmung, entwickeln eine unglaubliche Energie. Und während die Band professionell und auf den Punkt für den richtigen Background sorgt, beweist Mr. Jack Terricloth, dass er für die Bühne geboren ist. Er fuchtelt mit den Armen, den Händen, er fühlt und lebt die Musik. Eine beeindruckende Bühnenpräsenz und Ausstrahlung. Und mit seinen teilweise sozialkritisch und politisch angehauchten Sprüchen erntet er zwischendurch auch noch ein paar Lacher.
Wenn man sich nach einem Konzert an die einzelnen Stücke erinnern, sie sogar mitsummen kann, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine gelungene Show. Mich begleitet die Band um Mr. Jack Terricloth bis vor die Haustür.
Gulaim Ahangri

