calexico, pavillon

Bis auf den letzten Stehplatz scheint der große Saal im Pavillon ausverkauft, als am 14. August die Band Calexico auftritt. Die Leute drängen sich dicht an dicht, warten gespannt, bis das Konzert durch Sänger und Gitarrist Joey Burns mit einem Solo endgültig eröffnet wird. Seine eindringliche Stimme begeistert auf Anhieb. Der Rest der Band betritt die Bühn- es geht richtig los. CalexicoAuch Jairo Zavalas durchdringende Stimme sorgt für eine atemraubende Atmosphäre. Die Songs, die schon in unzähligen Filmen zu hören waren, voller Emotion und transportieren ein ganz eigenes Lebensgefühl. Das Publikum wippt, schunkelt, tanzt und singt verhalten mit, zeigt nach jedem Lied mit gebührendem Beifall seine Begeisterung. Richtig gefeiert wird aber nicht. Dafür sind die Songs zum Teil doch zu baladig, zu ruhig, zu melancholisch. Zwar stimmen Calexico immer wieder schwungvoll an, doch es ist fast, als seien sie zu müde oder einfach zu lustlos – weder die Band, noch das Publikum halten den Elan, die Power ein ganzes Stück über durch. Es entsteht fast ein bisschen der Eindruck, als erfüllten Calexico einen Pflichttermin, der ihnen nicht wirklich Spaß bereitet. Kein Wunder also, dass der Funke nicht so richtig überspringen will.

Es ist ein ständiges Hin und Her zwischen sehnsüchtigem, fein melancholischem Ton und heißblütigen Klängen, die aber stets nur anklingen und dann doch nicht eingehalten werden. Ihre Stärke liegt vielmehr in diesem herrlichen Fernweh, dem auch die Songs des aktuellen Albums „Carried To Dust“ verschrieben sind. Schnell tauchen vor dem inneren Auge Bilder auf: Eine schnurgerade Straße ins Nirgendwo, über die in der flirrenden Hitze Grasbüschel wehen. Wüstenlandschaften, Kastanietten, schöne dunkelhaarige Frauen. Zu dem Sound von Mariachi-Trompeten, schlurfenden Akkordeon-Walzern, Pedal Steel- und Surf-Gitarren, Piano-Sentenzen und bittersüßen Popmelodien erzählen ihre Songs von Desperados im Niemandsland zwischen den USA und Mexiko, von kleinen Gaunern und verrufenen Spelunken. Dazwischen spleenige, experimentelle Instrumentalstückchen.

Eine Kategorisierung fällt da nicht leicht: Es ist ein Mix aus TexMex, Folk- und Country-Rock, Mood-Music, Western-Sound, Latin-Jazz oder auch Desert-und Gringo-Rock. Seit mehr als zehn Jahren reisen sie durch die Welt, immer wieder mit verschiedenen Gastmusikern. Gemeinsam bringen sie ihre vielfältigen Eindrücke und Geschichten wie auch musikalischen Wurzeln zusammen. Und genau dieser einzigartige Mix vereint weltweit junge und alte Musikliebhaber. Und auch wenn kein Spaß zu spüren ist, keine Show geboten wird, wenn so etwas wie Magie fehlt an diesem Abend, so ist der Auftritt musikalisch doch auf gewohnt hohem Niveau. Und damit begeistern die Musiker allemal das Publikum.

Text und Foto: Christine Meier


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