Die neunköpfige Formation Desorden Público gilt als eine der ältesten und erfolgreichsten Ska-Bands Lateinamerikas. Entsprechend hoch sind die Erwartungen beim Publikum im Béi Chéz Heinz. Die venezianische Combo hat sie nicht nur erfüllt, sondern im Laufe des Abends mehrmals übertroffen.
Neun Musiker, viele Instrumente (u.a. Schlagzeug, Congas, E-Gitarren, Posaune, Saxophon, Keyboard), der Blick auf die Bühne lässt schon vor dem Konzert erahnen, dass hier gleich so richtig die Post abgehen wird. Bei den ersten Tönen stürmen die Menschenmassen im Eiltempo in den Keller. Direkt vor der Bühne tummeln sich natürlich die eingefleischten Fans, darunter viele Lateinamerikaner, die jeden Refrain der sozialkritischen Texte mitsingen und -schreien. Aber auch die hinteren Reihen lassen sich schnell anstecken. Diejenigen, die keine Spanisch-Kenntnisse besitzen, summen und schreien trotzdem mit. Mit der ersten Note elektrisieren Desorden Público ihr Publikum. Keiner kann sich an diesem Abend dem Beat des Latin-Skas entziehen. Der ganze Raum tobt, hüpft und tanzt – im Kollektiv. Die Stimmung ist unbeschreiblich. Gelegentlich hat man das Gefühl, der Boden würde nachgeben. Schweiß fließt in Strömen, nicht nur bei den Musikern. Der unglaublich explosive Sound sorgt für eine wirklich einzigartige Atmosphäre.
Der Combo ist der Spaß an der Musik und an diesem Konzert anzusehen. Sie spielen mit bewundernswerter Leidenschaft, als stünden sie zum ersten Mal auf der Bühne. Das ist keine Show, das ist gelebte Musik. Dabei sind die neun Musiker natürlich alte Hasen im Geschäft. Bereits Mitte der 80er Jahre haben sich Desorden Público gegründet – und sind seit dem keinen Tag älter geworden. Einer der Gitarristen steigt schließlich von der Bühne und tanzt mit den Fans. Danach dauert es nicht lange, bis ein halbes Dutzend der tropischen Combo auf der Tanzfläche unterwegs sind: Sie spielen mitten im Publikum, sie feiern einfach eine große Party. Mit vielen Zwischenrufen, heftigem Applaus und nett gemeinten Pfiffen bedankt sich das Publikum immer wieder bei der grandiosen Band. Von Star-Allüren weit und breit keine Spur. Das zeigt sich auch bei der anschließenden Aftershowparty. Sie tanzen ausgelassen zur Musik vom Plattenteller, trinken & unterhalten sich mit den Gästen. Ein schweißtreibender, unvergesslicher und explosiver Abend. Eines der besten Konzerte, das ich je erlebt habe.
Text und Foto: Gulaim Ahangri

