Hans Kappler, Max Goffard, Lena Holspur und Michael Lilstein, so heißen die vier Protagonisten in Hedi Kaddours Roman „Waltenberg“. Vor der Kulisse des Hotels Walthaus, gelegen in dem idyllischen schweizerischen Bergdorf Waltenberg, entwickelt Kaddours seine Geschichte. Da wäre zunächst der Ingenieur und Schriftsteller Hans Kappler. Er gerät bei einem Angriff des zwölften Draggonerregiments in französische Kriegsgefangenschaft. Einer dieser französischen Gegner ist der Journalist Max Goffard. Goffard und Kappler sind verbunden durch die gemeinsamen Kriegserlebnisse und pflegen auch nach dem Krieg weiter eine tiefe Freundschaft.
Das einzige weibliche Wesen unter den vier Hauptpersonen ist die Amerikanerin Lena Holspur. Sie ist Kapplers große Liebe und tritt zu den verschiedensten Zeiten und an den unterschiedlichsten Orten immer wieder in Erscheinung. Zu Kapplers Leidwesen versteht sie sich allerdings auch sehr gut darauf, anderen den Kopf zu verdrehen. Komplettiert wird das sehr unterschiedliche Quartett durch den Kommunisten Michael Litstein. Litstein hat Auschwitz überlebt und setzt nun als Spion und Mitbegründer des ostdeutschen Spionagenetzwerkes alles daran, Kappler an seiner Rückkehr in den Osten zu hindern.
Inwieweit ihm das gelingt, soll hier allerdings noch nicht verraten werden. „Waltenberg“ ist ein Roman, der es schafft, viele unterschiedliche Facetten aufzugreifen und gekonnt miteinander zu verknüpfen. So vereint Hedi Kaddour auf 734 Seiten nicht nur die Politik, die Diplomatie und die Spionage, sondern auch die Liebe und Seiten des intellektuellen Lebens zu einem spanndenen Geflecht. Trotz der durchaus abwechslungsreichen Thematik ist „Waltenberg“ tendenziell allerdings eher ein Roman für kalte und dunkle Wintertage. Denn es bedarf zuweilen schon etwas Durchhaltevermögen.
Dorothee Elisa Hentschel

