Name: Heiner Lippe
Alter: 46
Beruf: Architekt
Familienstand: verheiratet, vier Kinder, ein Enkel
Sternzeichen: Jungfrau
Der Entwurf steht am Anfang und mache seinen Beruf so spannend, sagt Heiner Lippe. Wenn der Architekt in Absprache mit einem Bauherren Ideen für ein Haus entwickelt, sei das die kreativste Phase seiner Arbeit. Die Frage, wie ein Raum am besten genutzt werden kann, stehe dabei immer im Mittelpunkt, sei aber niemals abschließend zu beantworten, weil Gestaltung ein ständiger Prozess sei: „Architektur ist keine exakte Wissenschaft, und es geht auch nicht darum, 1000-jährig zu bauen. Im idealen Fall schaffe ich es, eine organische Verankerung zwischen bestehenden und zukünftigen Strukturen zu schaffen.“ Lippe, der sein Studium 1989 mit höchster Auszeichnung in Grenoble/ Frankreich abgeschlossen und sich auf ökologisches Bauen und Altbausanierung spezialisiert hat, ist seit 20 Jahren freiberuflich als Architekt tätig, doziert an verschiedenen Hochschulen in Deutschland und hat internationale Aufgaben in Forschung und Lehre übernommen.
Im Juli hat er als hannoverscher Vorsitzender des BDB (Bund deutscher Baumeister) zusammen mit anderen Kulturschaffenden die „Architektur Zeit 2009“ im Ringlokschuppen organisiert: An drei Tagen wurde das historische Schnellzugbetriebswerk der Bahn in der Bultstraße für Besucher geöffnet und mit Licht-Klang-Installationen und Performances in Szene gesetzt – eine besondere Veranstaltung, die über Mund-zu- Mund-Propaganda mehr als 700 Personen angelockt hat. Schon ein Jahr zuvor hatten Lippe und seine Mitstreiter mit einem ähnlichen Projekt in der stillgelegten U-Bahn-Station am Raschplatz für reges Interesse gesorgt. Auch 2010 wird es im Rahmen des Architekturtages wieder eine Aktion an einem ungewöhnlichen Ort geben, die Gestaltung, Bau, Kunst, Musik und Theater miteinander verbindet. „Uns ging es darum, keine banale Führung zu veranstalten, sondern den Besuchern ein Raumerleben über die eigenen Sinne zu verschaffen“, sagt der 46-Jährige. Die Organisation der Events habe zwar viel Zeit und Nerven gekostet. Doch würden die Projekte für das stehen, was ihm wichtig sei: „Ich bin gegen zunehmende, eingleisige Spezialisierung. Bei der Arbeit sollte man nicht im Elfenbeinturm sitzen, sondern sich immer mit den Vertretern anderer Disziplinen austauschen.“ Hinzu komme Lippes Lust an der Kunst. Ursprünglich wollte der gebürtige Nürnberger, der seit 20 Jahren in Hannover lebt und seit 25 Jahren verheiratet ist, freie Kunst in Berlin studieren. Aus „rationalen Gründen“ habe er sich dann aber für Architektur entschieden.
Der Beginn seines Studiums 1983 in Frankreich sei eine Herausforderung gewesen: „Eine andere Kultur, die fremde Sprache, Familiengründung und das erste Kind – das war ziemlich viel auf einmal.“ In Grenoble habe er sich auf ökologischen Lehmbau spezialisiert. „Lehm enthält keine Chemikalien und ist, anders als Beton, unendlich oft wiederverwertbar“, sagt der Fachmann und erzählt von seinem ersten Schulbauprojekt 1988 in Burkina Faso/Westafrika, bei dem die Einheit von Material und Form auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort abgestimmt werden sollte.
„Architektur sollte kein Ausdruck von Machtverhältnissen sein und kein Spielplatz der Eitelkeit, sondern sich auf das besinnen, was nötig ist“, meint Lippe. Den eigenen Anspruch scheint er zu beherzigen, wenn er in seinem Büro – einem ehemaligen Kolonialwarenladen in der List – Aufträge aus Nigeria, Nerja, Nizza, Delmenhorst, Usedom oder Bad Nenndorf annimmt. Acht bis zwölf Baustellen seien ständig offen. Und – klar – reiner Spaß sei es nicht, wenn Fliesen wieder mal nicht geliefert werden könnten, Handwerker krank seien oder ein Baustop drohe. Für ein Kompliment wie „wir sind aus dem Urlaub zurück und wieder in deinem Haus gelandet“ würde sich die Mühe aber lohnen.
Simone Niemann

