juliane beer

Juliane BeerIm Verlag zeter und mordio wird gezetert statt gezaudert, es geht um den „Austausch jenseits kommerzieller Kunstformen“ und um „Nebenwelten“. In dieses Konzept gehört auch die 45-jährige Berliner Autorin Juliane Beer, die 2004 zu dem hannoverschen Verlag fand. Als sie sich damals mit ihrem ersten Roman „Über den Fortgang der Dinge“ auf die Suche nach einen Verlag machte, landete sie mit viel Anfängerglück, wie sie es beschreibt, bei zeter und mordio in Hannover.

Schreiben gehörte für Juliane Beer schon als Kind zum Leben: Tagebuchartig hielt sie in Geschichten fest, was sie beschäftigte. Das Schreiben von Romanen begann als Gedankenexperiment, weil sie es leid war, ständig Geschichten von Figuren auf der Suche nach Liebe und Erfolg zu lesen. Juliane Beer wollte eine Figur erschaffen, die einfach nur ist, die von der Umwelt in Ruhe gelassen werden will, die arbeitet, um zu Leben, und nicht lebt, um zu arbeiten. Obwohl die ambitionierte Autorin feststellen musste, dass ihr Versuch fehlgeschlagen ist, denn auch ihre Figur kann sich nicht völlig den Konventionen der Gesellschaft entziehen und gerät, gerade weil sie nur friedlich vor sich hin leben will, in Konflikte mit der Umwelt, gibt Juliane Beer es nicht auf, und kreiert in ihren Büchern immer wieder eine Figur, die sich der Umwelt zu entziehen versucht.

Ideen für ihre Romane sammelt Juliane Beer in ihrer Umgebung, wenn sie in der Straßenbahn sitzt, bei der Arbeit ist oder im Café Menschen beobachtet. Aus diesem Grund wird Berlin auch wieder und wieder zum Ort ihrer Romane. Als sie in Hannover gelebt hat, hat sie noch nicht geschrieben, ansonsten wäre die Landeshauptstadt Niedersachsens heute vielleicht Standort ihres Schreibtisches und Schauplatz ihrer Romane. Es muss nicht Berlin sein, versichert uns die Schriftstellerin. Der Schreibtisch muss es allerdings sein, denn das ist der Platz, an den sich die Autorin zurückzieht und schreibt. Sie ist keine Freundin großer Aufregungen und plant ihren Arbeitstag genau: Jeden Morgen zwischen 8 und 9 steht die disziplinierte Autorin auf, durchforstet die Tageszeitungen, setzt sich an den Schreibtisch, um an ihrem derzeitigen Projekt zu arbeiten, bis ca. 13:00 Uhr, danach begibt sie sich in die Stadt, um zu Mittag zu essen, oder einen Kaffee zu trinken, oder geht ihrem Brotjob als Telefonistin in einem Meinungsforschungs-institut nach. Genauso wie sie ihren Tag strukturiert, gibt sie ihren Romanideen Gerüste, bevor sie beginnt zu schreiben.

Juliane Beer ist nicht eine von diesen Künstlerinnen, die Mitten in der Nacht bei einem Glas Rotwein ihre Kreativität finden und einfach drauflos schreiben. Sie geht mit Plan vor und schläft die Nacht durch. Mit einem konkreten Gerüst beginnt sie ihre Romane, bis die Figuren sich unerwartet anders entwickeln oder die Handlung auf andere Wege gerät. Juliane Beer schreibt nicht nur, sie liest auch gerne. Ihre Regale werden u.a. von Gottfried Benn, Emanuel Bove und Rolf Dieter Brinkmann bevölkert.

Neben dem literarisch Hochwertigen darf bei der Autorin das Phantastische nicht zu Kurz kommen: besonders Johannes von Buttlar gehört zu ihren Favoriten. Neben Büchern stillt sie ihren Durst nach Phantastischem auch mit Filmen und Serien, schon als Kind war sie begeistert von Time Tunnel und Raumschiff Enterprise, heute lässt sie sich immer noch gerne von einigen Folgen aus den 70ern entzücken. Wie die Science-Fiction Faszination der Schriftstellerin psychologisch einzuordnen ist, weiß sie selber auch nicht, vielleicht versucht sie der realen Welt zu entfliehen, aber das ist nur ihre eigene Küchenpsychologie.

Das Schreiben bietet der Autorin die Möglichkeit, sich mit einem kontroversen Thema auseinander zu setzen. Harmlose Unterhaltung ist für die Berliner Schriftstellerin nichts; Kunst muss für sie politisch sein. Das von ihr gewählte Thema ist: Arbeit. Und bleibt es vorerst auch. Ist ein glückliches Leben ohne Arbeit möglich und wie verändert Geld den Menschen, mit solchen und andere Fragen beschäftigt sie sich in ihrem zweiten Roman „Eines Nachts habe ich einen Ausflug gemacht“.

Augenblicklich schreibt sie an einem neuen Projekt, in dem eine renitente Arbeitsvermittlerin, die ihren Arbeitsplatz zur Schwarzagentur umwandelt, im Mittelpunkt steht. Ihr größter Wunsch wäre es, den grandiosen Science- Fiction Roman zu schreiben, der das Blut des Lesers in den Adern gefrieren lässt, ein Roman, nach dessen Lektüre der Leser im Nachhinein keinem Naturgesetz mehr vertraut. Für dieses Vorhaben können wir ihr nur viel Erfolg wünschen.

Anne Quante


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