Vor einigen Wochen hat mir ein 33-jähriger Mann aus Hannover den Rat gegeben, ich solle doch mal über „Mein Glas Weißwein zuviel“ schreiben. Er lachte sich dabei halbtot, während ich lange überlegen musste, was daran so komisch sein sollte. Denn das war höchstens die Situation, in der ich mich mit ihm befand.
Die war sogar tragikomisch.
Ich war scharf auf ihn und hatte ihn deshalb unter einem Vorwand um ein „Arbeitsessen“ gebeten. Als ich ihn anrief, um den Termin an Land zu ziehen, hielt ich den Weißweinkomiker für älter. Ende Dreißig, dachte ich.
Sicher hatte das damit zu tun, dass wir uns an einem lauschigen Sommerabend bei Beginn der Dämmerung zum ersten Mal begegnet sind. Das war in einer Kneipe, und wir hatten jeweils mehrere Glas Chardonnay intus. Er wirkte da – beseelt vom Vino Bianco – lebenserfahrener und eloquenter auf mich und konnte mir beim geistreichen Gedankenaustausch das Wasser reichen. Eine Seltenheit bei Männern.
Ich dumme Nuss Ü40 war ganz aus dem Häuschen, als ich am nächsten Vormittag eine E-Mail von ihm hatte. Die war zwar neutral, aber meine Fantasie wurde beflügelt. Ich fühlte mich noch jugendlicher und begehrter. Ganz wie Samantha Jones in „Sex and the City“. In der 6. Staffel, Folge 2 mit dem Titel „Sexpectations“ erobert sie einen Mr. Beauty namens „Smith“, der biologisch ihr Sohn sein könnte. Dabei sticht sie einige jüngere Frauen aus. „Smith“ ist ein kellnerndes Unterwäschemodel, dem sie später zu einer Karriere als Schauspieler verhilft.
Das ist das Schema „Alt hilft Jung“. Du hilfst mir im Bett, und ich helfe Dir im Leben. Dabei ist es egal, ob die Frau älter ist oder der Mann jünger. Altersunterschiede bei Paaren, die manchmal eine ganze Generation ausmachen, sind längst normal. Besonders dann, wenn der deutlich ältere Part männlich ist.
Götz George hat mit Fünfzig mal in einem Interview gesagt: „Es gibt nichts Schöneres, als eine Frau Mitte dreißig.“ Ich erinnere mich, dass ich damals dachte: „Notgeiler alter Sack“. Ich war damals noch so jung, dass ich ständig mit gierigen Blicken von Männern zu tun hatte, die so alt waren, wie ich jetzt bin.
An einen erinnere ich mich besonders gut. Klaus aus Göttingen, den ich in einem Computerkurs als „Mitschüler“ hatte. Ziemlich smart und attraktiv, der Klaus. Er war „fortysomething“ und ich 27 Jahre alt. Klaus machte mir ständig Avancen und lobte meinen sexy Hüftschwung. An einem feuchtfröhlichen Abend gegen Kursende in einer Lindener Kneipe, zog er mich zum Abschied an sich, begann mich zu befummeln und zu küssen und meinte lässig: „Mit uns wäre es richtig schön.“ Trotz der hocherotischen Stimmung, in die er mich versetzt hatte, flüchtete ich aus seiner Umarmung. Ich war verheiratet. Klaus wusste das und war es natürlich auch. Und er war sowieso viel zu alt für mich.
In Wahrheit hatte ich große Lust auf Klaus und darauf, mit ihm die versautesten Sachen zu machen. Mit meinem gleichaltrigen Mann hatte ich, wenn überhaupt, nur noch langweiligen Pflichtsex. Klaus war absolut heiß, aber ich hatte Angst vor dem Altersunterschied. Etliche Jahre, Männer und Sexerlebnisse später, finde ich mich in der Rolle von Klaus wieder. Ich stehe auf Männer, die jünger sind als ich. Sie dürfen gerne um die 35 sein, denn dann sind sie am fruchtigsten. Wie ein leckerer Weißwein.
Zum Glück ist die Auswahl, die ich habe, groß. Hannover hat viele attraktive junge Männer. Und wenn einige von denen hier mitlesen, die mich kennen, sage ich: „Hey, Ihr Süßen! Ich habe Euch noch nicht alle durch!“ Nicht ohne Grund bin ich „Sam“. Die lässt „Smith“ irgendwann sitzen, weil er ihr im Bett zu langweilig geworden ist.
Tatsächlich geht es doch immer nur um Sex, oder?
SAM


Es gibt nichts Gutes, außer man tut ES. (Busch)
Jetzt bin ich 33(und fruchtig) und kenne die Autorin nicht!
Wie ändert man das?
Gruß Hannes