Turbulenzen bei 96 und mittendrin muss ich eine Kolumne schreiben, die höchstwahrscheinlich völlig obsolet ist, wenn Ihr Euer Stadtkind in den Händen haltet. Aber natürlich wage ich jetzt mal den Spagat:
Nach den gezeigten Leistungen der Mannschaft in der letzten Saison, bei den Vorbereitungsspielen und vor allem zum Saisonauftakt, war das Ende der Ära Hecking die völlig richtige Konsequenz. Niemand anders als Dieter Hecking war verantwortlich zu machen für diese blutleeren Vorstellungen, obwohl sich die Fans auch auf einzelne Spieler wie z.B. Mike Hanke eingeschossen hatten. Wie simpel der gemeine Fußballer tickt, zeigte sich dann, als der vormalige (und vielleicht inzwischen wieder installierte) 96 II–Coach Andreas Bergmann mit ein paar kleinen Spaß-Einheiten innerhalb von drei Tagen dafür sorgte, dass unsere Jungs den ersten Dreier in Nürnberg einfahren konnten.
Das spricht deutlich für eine ganz miese Arbeitsauffassung der gut bezahlten Profis. Wenn glückliche Umstände zusammen kommen und mal mehr als drei 96-Kicker Lust verspüren, ein wenig mehr zu tun, als darauf zu warten, dass Stajner oder Bruggink einen genialen Einfall umsetzen, läuft es. Normalzustand scheint allerdings eher eine lähmende Zufriedenheit zu sein. Zufrieden, in der ersten Liga zu spielen, zufrieden mit der Gewissheit, dass die Spieler aus der „zweiten“ Reihe auch keinen großen Drang verspüren, sich richtig reinzuknien, bzw. das fußballerische bzw. professionelle Potential einfach nicht haben und somit trotz dürftiger Leistung der Stammplatz kaum gefährdet scheint. Ich glaube nicht, dass Andreas Bergmann diese mir absolut unverständliche Lethargie bei den Spielern dauerhaft beseitigen kann.
Jetzt kann nur noch einer helfen: Lothar Matthäus! Was als lustige Variante in den Köpfen weniger Freidenker begann, formiert sich ob der Umstände zu einer extrem ernsthaften Option. Lothar umgibt nicht nur der Glamour, den Hannover unbedingt braucht, will es nicht zu einer grauen Maus im Bundesliga-Geschäft werden, sondern ist (so komisch es klingt) ein völlig unverbrauchtes Gesicht. 96 wäre Lothars erste Trainerstation in Deutschland, und sicher würde er sich den Allerwertesten aufreißen, um in seiner Heimat endlich die Anerkennung zu kriegen, die ihm gebührt. Des weiteren stünde vor den abgekochten Profis endlich ein Trainer, der in seiner Laufbahn als Spieler alles erreicht hat, wovon schon der jüngste Fußballer nur träumen kann.
Weltfußballer der Jahre 1990 und 1991, Rekordnationalspieler mit 150 Einsätzen, Ehrenspielführer des DFB, Europa- und Weltmeister, unzählige Vereinstitel und ständig heiße Bräute an seiner Seite, die im Schatten seiner Weltgewandtheit die eigene Model-Karriere vorantreiben. Natürlich polarisiert Lothar, und selbstverständlich verlief nicht alles im verbalen Sektor ähnlich geschmeidig wie sein Sololauf anno 1990 beim 4-1 gegen Jugoslawien.
Aber Matthäus ist halt ein Mensch, und geläutert dazu, was er bei seinen Auslandsengagements als Trainer unter Beweis gestellt hat. Seine Mannschaften machte er spielstärker, und der Blick für gute Fußballer ist auch vorhanden – siehe Huszti. Ich hoffe, Martin Kind und Jörg Schmadtke sind als Team mutig genug, ausgetretene, konservative Pfade zu verlassen, und belassen Typen wie Friedhelm Funkel und auch Mirko Slomka bei der Arbeitsagentur.
Sollte Matthäus kommen, wird alles gut, das habe ich im Gespür, bei jeder anderen Variante werden wir in absehbarer Zeit wieder ähnliche Zustände haben, wie in diesem Sommer.
Bis bald im Block
Euer Peter


