…mahmud ahmadineschad

So, lieber Mahmud,

jetzt ist ja alles wieder einigermaßen im Lot. Allah sei Dank. Was wollten die eigentlich alle von Dir? Dass Du Dein Amt aufgibst und diesem hergelaufenen Mussawi überlässt? Warum? Immerhin hast Du mit überragender Mehrheit die Wahlen gewonnen. Von Fälschung oder Betrug kann überhaupt keine Rede sein.

All das ist doch nur bewusst gestreute Propaganda der Amis gewesen. Sie haben sich darüber gewundert, dass Du selbst in den Hochburgen Mussawis unglaublich viele Stimmen bekommen hast, und Bedenken geäußert. Aber was ist daran ein Wunder? Du warst einfach der bessere Kandidat, und die Wähler haben das anscheinend ähnlich gesehen. Und falls nicht, so ist es manchmal eben notwendig, die Wahrheit so zu gestalten, dass sie zur besten aller möglichen Wahrheiten wird. Und die beste aller möglichen Wahrheiten für den Iran bist Du. Gut, ein paar haben das anders gesehen. Jetzt liegen zwei Monate Aufruhr hinter Dir, eine anstrengende Zeit. Wir hoffen, Du wirst Dir ein paar Tage Urlaub nehmen können, um Dich zu wappnen für die großen Aufgaben.

Was waren das aber auch für Wochen. Es ist ja nicht leicht, den Menschen Vernunft beizubringen. Wir wollen nun hier nicht noch mehr böses Blut vergießen und Deine Methoden anzweifeln. Jedes Land, jede Kultur hat so seine Gepflogenheiten. Es wäre anmaßend, das vom westlichen hohen Ross zu beurteilen oder gar zu verurteilen. Anscheinend war einfach eine gewisse Härte notwendig, um die Ordnung wieder herzustellen. Das geht ja uns und die restliche Welt auch eigentlich gar nichts an. Und hätten die Amis nicht mit ihrer teuflischen Technik die Opposition in die Lage versetzt, irgendwelche wahrscheinlich inszenierten Bilder um die ganze Welt zu schicken, niemand hätte von all dem Notiz genommen. Im Grunde hat ja auch erst all die Aufregung im Ausland dazu geführt, dass es im Iran zu diesem Aufruhr gekommen ist. Die Opposition hat sich dadurch bestärkt gefühlt. Aber nun ist ja wie gesagt alles wieder einigermaßen unter Kontrolle und Du bist endlich für weitere vier Jahre in Dein Amt als Staatspräsident der Islamischen Republik Iran eingeführt. Da freuen wir uns.

Auf vier weitere spannende Jahre Konfrontation mit den USA, mit Israel, und wenn es nicht anders geht, dann eben mit dem gesamten Rest der Welt. Dafür kennen wir Dich, mögen wir Dich, schätzen wir Dich. Wer sonst traut sich denn noch, den Mächtigen dieser Welt die Stirn zu bieten? Wollen wir trotzdem hoffen, dass Dir bei all dem noch ein bisschen Zeit bleibt, Dich wie ein guter Vater um Dein Volk zu kümmern.

Mit der gerechteren Verteilung des Ölreichtums hat es ja bisher noch nicht so ganz geklappt. Deine Wirtschaftspolitik war insgesamt nicht unbedingt erfolgreich. Aber wir sind uns sicher, Du hast einen Plan für all das. Einen großen, vernünftigen Plan. Etwas, was langfristig alles gut werden lässt. Richtig? Genau deswegen stellst Du Dich taub gegenüber führenden iranischen Ökonomen, die ständig vor den schädlichen Folgen Deiner Politik warnen. Das sind doch am Ende auch wieder nur von den USA gekaufte Verräter. So wie alle, die gegen Dich sind. Selbst in konservativen Kreisen haben sie jetzt schon ihre Leute eingeschleust. Einer davon ist ganz sicher Ajatollah Ahmed Dschannati, der Vorsitzende des mächtigen Wächterrats, der die Frechheit hatte, in seiner Freitagspredigt Kritik an Dir zu äußern. Du würdest nur Dir selbst zuhören wollen, aber niemand anderem und schon gar nicht dem Volk, so etwas in der Art hat er erzählt. Deshalb müsse er Dir die Stimme des Volkes überbringen. Ausgerechnet der. Weiter weg vom Volk geht es ja fast gar nicht. Wer stammt denn aus einfachen Verhältnissen? Das bist ja wohl Du.

Lieber Mahmud, lass Dich von all dem bloß nicht aus dem Konzept bringen. Bleib Dir selbst treu. Sei ein kleiner, starker, unerbittlicher Mann, bis irgendwann auch das Volk Dir wieder treu ist. Koste es, was es wolle.

GAH


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