Moabit, dieses Wort trägt eine gewisse Stimmung, klingt mechanisch, kühl und geheimnisvoll – und einfach irgendwie gut! Jedenfalls wenn man Steffen Röhrs fragt, den Schlagzeuger und Songwriter der Band, die eben diesen Namen trägt. Für ihn ist die Band ein spannendes Experiment, um musikalisch etwas Neues auszuprobieren und aus gewohnten Bahnen auszubrechen. Eine Spielwiese, auf der er und der Rest der Band, die aus seinem älteren Bruder Hendrik (Gitarre), Hendrik Hellwinkel (Gitarre, Gesang), Greta Kaufeld (Gesang, Keyboard) und Daniela Eickhoff (Bass) besteht, sich austoben können. Die fünf Jungs und Mädels zwischen 20 und 24 Jahren haben sich in der Schule oder im Studium kennen gelernt und hauen auch bandextern gerne mal gemeinsam auf den Putz.
Zusammengetan haben sie sich Ende 2008. Kreativer Quell der Band ist Steffen, der eine schier unendliche Fülle an Songtexten produziert und nochin einer weiteren Band aktiv ist. Seine eher düsteren, sperrigen und komplexen Ideen passten nicht so recht zu dieser ersten Band, aber sie passen zu Moabit. Moabit sollte nicht irgendeine weitere Band sein, keine simple Musik mit alltäglichen Texten, die fünf Musiker wollen etwas ganz Eigenes, Künstlerisches schaffen. Einen Sound, der sich abhebt, der viele Einflüsse aufnimmt.
So entstand eine bunte Mischung aus Elektro Beats, Kitsch, Krach, Postpunk, Pop, Chanson, Shoegazing und deutschen Texten. Eine männliche und eine weibliche Singstimme, zahlreiche Instrumente – den Kombinationsmöglichkeiten und der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Besonders Greta, die Operngesang studiert, gibt mit ihrer sanften, mädchenhaften Stimme eine ganz besondere und bezaubernde Note hinzu. Moabit stehen mit ihrem offenen, musikalischen Charakter in ständiger Entwicklung, aber natürlich ziehen sich auch feste Motive durch ihre Musik. In den Songtexten begegnen einem immer wieder die Themenbereiche Stadt bzw. städtische Erfahrungen, Orientierungslosigkeit und Liebe, alle das kommuniziert mit einer leisen Düsterkeit, die über allem liegt. Ohne Zweifel ist Steffen treibende Kraft und Impulsgeber der Band. Aber es bleibt genug Raum für die anderen Musiker. Das Quintett ergänzt sich gegenseitig, die Interpretationen und Ideen der anderen Bandmitglieder finden Eingang in die Kompositionen. Auch ihre Live-Auftritte sollen etwas ganz Besonderes werden. Die Musik steht im Vordergrund, die Band eher im Hintergrund. Das Auftreten auf der Bühne soll die musikalische Darstellung unterstützen und nicht zur großen Show mutieren, die nachher bloß dazu dient, spielerische Schwächen zu vertuschen. Kleine Überraschungen wird es während der Konzerte natürlich geben, wie Steffen mit einem Lächeln ergänzt.
Hinter den vielen, gewichtigen Worten stecken einfach fünf sehr sympathische und humorvolle junge Leute, die an ihre Musik eben mit einer gewissen Ernsthaftigkeit herangehen. Zurzeit befindet sich die Band noch in den ersten Atemzügen. Es ist ein Aufbruch, menschlich und musikalisch. Man lernt sich kennen, wächst musikalisch zusammen, arbeitet an einer ersten Setlist, um in absehbarer Zeit ein Album auf den Markt bringen zu können. Auch einige Konzerte, natürlich unter anderem in Hannover, sind in Planung. Die Fünf sind schon jetzt gespannt, wie die Lauscher da draußen auf ihr außergewöhnliches Projekt reagieren. Ihre Stücke sind lang, manchmal über sechs Minuten, und ganz sicher eine Herausforderung.
Doch selbst, wenn Moabit den Geschmack der großen Masse am Ende nicht treffen sollte, ihre Nische werden sie auf jeden Fall finden.
Tamy Kahlert
www.myspace.com/moabitmusik
