muhsin omurca

Muhsin OmurcaMuhsin Omurca ist ein deutsch-türkischer Kabarettist und Cartoonist. Neben dem deutschen Kleinkunstpreis 1987 und dem deutschen Kabarettpreis 1998 erhielt er mehrere internationale Auszeichnungen als Cartoonist. Die Figur Kanakmän wurde zum Klassiker des Migranten-Humors. Fünf Kabarett-Programme hat er derzeit im Angebot, eins davon auf Türkisch. In Deutschland geht er derzeit mit „Türkenhimmel“, „Die EUmanen kommen“ und „Tags Deutscher Nachts Türke“ auf Tour und ist bald auch in Braunschweig und Bremen zu sehen. Stadtkind hat mit Omurca über das Verhältnis zwischen Deutschen und Türken, über Politik und über Kayar Yanar gesprochen (über letzteren allerdings nur sehr kurz).

Wie sind Sie dort gelandet, wo Sie gelandet sind, sprich beim Kabarett?
Ich war das jüngste Mitglied des Karikaturistenverbandes in Istanbul. Ich habe zunächst einmal nur Cartoons gezeichnet und dabei gelernt, wie man die Pointe an den Mann bringt und wie die Pointe ihr Ziel erreicht. Von da an ist es ein leichter Schritt zum Kabarett. 1985 haben Sinasi Dikmen und ich das erste deutsch- und türkischsprachige Kabarett „Knobibonbon“ gegründet. Zu der ersten Aufführung in Ulm haben wir Dieter Hildebrandt eingeladen. Er ist gekommen und fragte mich: „Wo haben Sie eigentlich die Schauspielerei gelernt?“ Als ich sagte, dass ich an dem Abend zum ersten Mal auf der Bühne stand, war seine Begeisterung hoch zwei. Er hat uns in seine Sendung „Scheibenwischer“ eingeladen. Später sind wir mit ihm auf Deutschlandtournee gegangen und so bekannt geworden.

Seit über zwanzig Jahren beschäftigen Sie sich mit dem Thema Integration. Warum sind wir das Thema nicht leid?
Weil das Thema „Integration“ inzwischen ein „Industriezweig“ geworden ist. Integration schafft Arbeitsplätze. Unzählige Sozialarbeiter, Integrationsbeauftragte, Angestellte und Politiker leben davon. „Integration“ ist das „Opium“ für das Volk. Es gibt keinen Wahlkampf ohne das Thema „Integration“. Sie steigert die Wahlchancen. Sie ist der beste Joker, den eine Partei vor der Wahl ins Spiel bringen kann. Die CDU kann Auskunft dazu geben.

Wie unterschiedlich ist die Resonanz beim türkischen und beim deutschen Publikum?
Die Türken lachen mit dem Herzen, die Deutschen mit dem Verstand.

Was sagen die Türken über die Deutschen?
Was möchten Sie hören? Dass die Türken in die Deutschen verliebt sind?

Wie lässt sich das deutsch-türkische Zusammenleben harmonisieren?
Dazu erzähle ich Ihnen einen Türkenwitz: Ein Deutscher und ein Türke sitzen auf einer einsamen Insel, wie Robinson Crusoe und sein Freitag. Plötzlich erscheint eine Fee und verspricht: „Jeder von euch hat einen Wunsch frei und ich werde ihn euch erfüllen.“ Der Deutsche will zurück nach Deutschland… Sim sala bimmmm… Schon sitzt er in Hanau. Nach einer Woche kommt sie zurück und fragt den Türken nach seinem Wunsch. Der Türke sagt: „Dieser Deutsche… ja er fehlt mir! Hol ihn mir zurück!“ Also keine Rettung vor uns… Wir werden Euch nicht verlassen. Macht Euch keine Illusionen. Wie sagt man so schön, wenn du es nicht verhindern kannst, dann versuche es wenigstens zu genießen!

Inwiefern beeinflusst die Debatte um den EU-Beitritt der Türkei Ihrer Meinung nach die Stimmung und das Selbstwertgefühl der türkischen Bevölkerung?
Unser rechtes Auge ist (viel zu) „kurzsichtig“, das linke dagegen „weitsichtig“. Um alles in Einklang zu bringen, brauchen wir eine Brille „Made in Europa“. Ich kenne unsere Fähigkeiten und Unzulänglichkeiten: wir können ohne fremde Hilfe putschen, aber nicht die Demokratie einführen. Und die Demokratie ist die Lokomotive der Wirtschaft. Holpert die Lokomotive, so entgleist die Wirtschaft. Aber auf soliden Schienen kann der Zug sogar Spitzen-Geschwindigkeit erreichen. Ich bin überzeugt davon, dass die türkische Wirtschaft allein durch die Aufnahme der Verhandlungen beflügelt wird. Also, in 20 Jahren werden wir Gastarbeiter aus Deutschland anwerben.

Was wünschen Sie sich von den deutschen Politikern bzw. von der deutschen Politik, gerade jetzt zur Bundestagswahl 2009?
Mehr Phantasie. Mal sehen, ob sie endlich einen Wahlkampf ohne „Türkenkarte“ veranstalten können.

Was wünschen Sie sich von den türkischen Politikern bzw. von der türkischen Politik?
Weniger Phantasie, mehr Sinn für Realität.

Auf Ihrer aktuellen Tournee machen Sie u.a. in Braunschweig und Bremen Halt, um Hannover aber einen großen Bogen. Waren Sie etwa schon einmal hier? Haben Sie schlechte Erfahrungen mit Hannover gemacht oder wissen Sie etwas, das wir wissen sollten?
Ganz im Gegenteil, ich war oft in Hannover. Ich habe ein paar Mal im Pavillon vor vollem Haus gespielt und alle Vorstellungen waren super. Und wo waren Sie?

Wie würden Sie selbst Ihren Humor bezeichnen?
„Mussinisch“.

Was halten Sie von Kayar Yanar?
Ich habe keinen Fernseher.

Interview: Bettina Riekenberg


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