nichts als sand, die kleine bühne

Das Stück spielt, passend zum hochsommerlichen Wetter, am Meer bzw. am Strand. Und genau dorthin wird der Zuschauer von Beginn an mitgenommen. Auf der Bühne drei kleine Strandhäuschen und ein paar Gartenmöbel, dazu Meeresrauschen aus den Lautsprechern, Möwen hängen hier und da über dem Zuschauerraum und Handtücher auf den Sitzplätzen markieren die reservierten Plätze – genauso, wie es am Strand Sitte ist, um sich das auserwählte Plätzchen freizuhalten, bevor es sich ein anderer schnappt.

Und um eben dieses fragwürdige Verhalten von „Besitz“- Ansprüchen in freier Natur handelt das Stück, das unter Regie und Co-Regie von Andreas Ludin und Kathrin Glöde auf der Kleinen Bühne am 15. August Premiere hatte. Es geht um zwei Ehepaare, die seit Jahren am selben Ort, nämlich in ihren Ferienhäusern, Urlaub machen.

Doch in diesem Jahr ist alles etwas anders. Nicht nur, dass die Scheibners diesmal Birgits Schwester Pauline und Svens resolute und altersstarrsinnige Mutter im Schlepptau haben, das dritte Häuschen hat dieses Jahr jemand anderes gemietet: Jan. Ein junger Mann, der mit seinen beiden Nichten anreist, der vor allem Spaß im Urlaub haben will und der das Leben locker und weniger ernst nimmt. Er passt mit seinem Lebensstil nicht so recht zu den älteren, in ihren Gewohnheiten festgefahrenen Paaren. Als sei dies aber noch nicht genug, tummeln sich immer wieder andere Urlauber auf dem kleinen Strandabschnitt vor den Häuschen der scheinbar Privilegierten und stören deren liebgewonnene Eintönigkeit.

Das sind einfach zu viele Veränderungen für die deutschen Urlauber! Mit allen Mitteln versuchen sie „ihren“ Teil des Strandes zu verteidigen. Kurzerhand werden Grenzen gezogen und Regeln erfunden. Doch die Eindringlinge setzen sich darüber hinweg, erkämpfen sich hartnäckig einen Platz. „Das ist die Abgrenzung!“, ruft ein älterer Herr aus dem Publikum und sagt dann zu der Frau neben sich: „Das sind die Radikalen.“ Doch das Spielen mit den Klischees und die Ironie der Geschichte wird selbst – oder gerade? – auch von den älteren Besuchern mit dem ein oder anderen „Herrlich!“ kommentiert.

Nichts als SandLetztendlich ist es Jan, der mit seinem jungenhaften Charme nicht nur Pauline, sondern auch die beiden Familien für sich gewinnen und so zwischen den Fronten vermitteln kann. „Dieses kleine Refugium macht uns doch alle zu Nachbarn“, heißt es dann am Ende und Alter oder Klasse spielen keine Rolle mehr. Ironisch und mit Leichtigkeit verpackt, transportiert Bob Larbeys Komödie ein gesellschaftskritisches Thema und schafft es durch die liebenswert-skurrilen Charaktere mit hohem Wiedererkennungswert, einen Spiegel vorzuhalten, so dass man gar nicht anders kann, als über die Ebenbilder zu lachen.

Eine rundum gelungene Inszenierung – nicht zuletzt wegen der schauspielerischen Leistungen zum Beispiel einer zum Schreien komischen Kathrin Galas alias Birgit Scheibner, die schon durch ihre großartige Gestik und Mimik überzeugt, oder der Darstellung des „kleinen Mannes“ Sven Scheibner (Hinrich Ennen), der sich ganz groß fühlt und sich so herrlich aufspielt – allerdings nur solange, bis ihm seine Frau sagt, wo es lang geht. Sehr erfrischend und höchst amüsant!

Text und Foto: Christine Meier


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