neu in der stadt? schule für alle!

In Finnland oder Italien sind Schulen, die insbesondere Menschen mit Behinderung integrieren, schon längst keine Besonderheit mehr. In Deutschland muss man dagegen nach ähnlichen Schulkonzepten lange suchen. Die Sophie Scholl Schule in Gießen (Hessen) und die Waldschule in Templin (Brandenburg) sind solche Ausnahmen und haben Modellcharakter. Nun wird auch in Hannover eine Schule nach ähnlichem Muster entstehen. Bereits im Schuljahr 2010/2011 soll die Schullandschaft in Hannover um die erste inklusive Grundschule im Land Niedersachsen bereichert werden. Eltern und Pädagogen wollen in Zusammenarbeit mit der „Annastift Leben und Lernen gGmbh“ und dem Verein „Mittendrin Hannover“, der sich für die Integration von Menschen mit Behinderung einsetzt, eine Schule gründen, die Kindern mit und ohne Behinderungen einen Ort des Lernens, Bewegens und Lebens bietet. Die Initiatoren planen, Kinder mit jeglicher Art von Behinderung, Lernstörung, Hochbegabung und ohne Auffälligkeiten gemeinsam beschulen zu können. Der gleichberechtigte Umgang mit Verschiedenheiten und eine Pädagogik der Vielfalt sind die Leitbilder der „Schule für Alle!“.

Analog zu der vom Land Niedersachsen ratifizierten UN Konvention für die Rechte von Behinderten, wird sich die Schule aktiv an der Entwicklung inklusiver Strukturen und inklusiven Denkens beteiligen. Inklusion bedeutet für den Bereich der Schule nicht allein, behinderte Kinder zum Regelunterricht hinzuzunehmen und diese bestmöglich zu fördern, sondern auch, die Strukturen so zu verändern, dass jegliche Be-Sonderung entfällt. Nicht zuletzt deswegen sind alternativ zum aktuellen Bildungsangebot jahrgangsübergreifende Gruppen geplant, die bei einer Stärke von 18 Schülern sechs Kinder mit besonderem Förderbedarf aufnehmen. Jede Woche soll jedes Kind einen auf die individuellen Lernbedürfnisse abgestimmten Plan erhalten, an dem es weitgehend selbstständig arbeiten kann. So ist es möglich, dass alle Schüler im gleichen Raum an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten und ihr Wissen durch stetige Mitteilungen an die lernende Gesamtgruppe vertiefen und vernetzen. Die „Schule für Alle!“ möchte ein breites, ganztägiges Schulprogramm bieten, das Schule nicht nur als Lern-, sondern auch als Lebensraum begreift. Deshalb werden Hausaufgaben und Nachmittagsaktivitäten in den Schulalltag eingebunden.

Neben der geplanten Zusammenarbeit mit der HMT Hannover, die Musik zu einem Schwerpunkt machen soll, sind auch Kooperationen mit anderen Institutionen geplant, besonders mit den lokalen Freizeit- und Therapieangeboten. Um jede Gruppe wird sich ein Team aus pädagogischen Mitarbeitern, Grundschul- und Förderschullehrern kümmern, das kooperativ arbeitet, den Unterricht gemeinsam plant und die Schüler in deren individuellen Lern- und Entwicklungsprozessen begleitet. Dazu gehört auch, dass die Erfolge und Misserfolge im Unterricht nicht mit Noten gradiert, sondern im Gespräch mit den Schülern ergründet werden. Zum Ende des Schuljahres sollen Lernstandsberichte die herkömmlichen Zeugnisse ersetzen.

Orientiert haben sich die Initiatoren des Projekts bei all dem natürlich auch an den Konzepten der Sophie Scholl Schule in Gießen (Hessen) und der Waldschule in Templin (Brandenburg). Und sie machen damit vor, was unserem Bildungssystem in Deutschland insgesamt sehr gut stehen würde: Die Bereitschaft, sich an anderen, erfolgreichen Schulkonzepten ein Beispiel zu nehmen und neue Wege zu wagen, eben einfach einen Blick über den Tellerrand zu riskieren. Vor der Eröffnung der „Schule für Alle!“ müssen allerdings noch einige Hürden überwunden werden. Und nicht zuletzt die Finanzierung ist dabei ein großes Thema. Neben Fördergeldern ist das Projekt auf Sponsoring und Spenden angewiesen. Und dieser Satz kann durchaus als Aufruf verstanden werden. Außerdem ist auch die Gebäudefrage noch nicht abschließend gelöst. Avisiert ist die Maria Magdalene Gemeinde in Ricklingen, andere Standorte sind aber ebenfalls denkbar. Die Räumlichkeiten müssen dabei einige Voraussetzungen mitbringen. So brauchen die Klassenräume zusätzliche Gruppenarbeitsräume, dem Lehrpersonal müssen Büroräume zur Verfügung stehen, die Räume und

Sanitäranlagen müssen selbstverständlich behindertengerecht sein und auch ein Saal für das gemeinsame Mittagessen sollte nicht fehlen. Viel Arbeit und Mühe für die Initiatoren, doch Arbeit, die sich lohnt. Denn wir brauchen genau solche neuen Konzepte in unserer Bildungslandschaft, und Menschen, die die Konzepte verwirklichen. Dringend!

Anne Quante

Weitere Infos unter:
www.eineschulefueralle-hannover.de
Kontakt: info@eineschulefueralle-hannover.de

 

 


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