Das Auge – Nils Loof

Nils LoofName: Nils Loof
Beruf: Autor und Regisseur
Alter: 38
Sternzeichen: Schütze
Familienstand: ledig
Online-Community: MySpace

Die letzte Klappe für die TV-Doku „Puppenjungs – Der Fall Haarmann“ ist gefallen und Regisseur Nils Loof ist zufrieden. Er sitzt am Schreibtisch seines schönen und geräumigen Büros im Tiedthofkomplex, wirkt entspannt und beobachtet mich mal neugierig, mal skeptisch und distanziert. Zwei Jahre lang hat er an dem Haarmann-Film, der 2010 vom NDR gesendet wird, gearbeitet, hat zusammen mit den Co-Autoren Maimona Id und Tobias Premper recherchiert, sämtliche Literatur zum Fall des Massenmörders gesichtet und im Landes- und Stadtarchiv nach alten Akten gekramt. In diesem Sommer war die Geschichte über den „Werwolf von Hannover“ nun endlich filmreif und wurde mit 100 Darstellern und einem 30-köpfigen Team in 15 Tagen an Schauplätzen in der Stadt und Region gedreht. Herauskommen wird am Ende ein 43-minütiges Doku-Drama, das von jenen Aspekten handelt, die Loof am Fall Haarmann am meisten interessieren – zum Beipiel die Beziehung des Serienkillers zu seinem jugendlichen Freund und Helfer Hans Grans sowie Moral und Gesellschaft in Hannover zu Beginn des 20. Jahrhunderts. „Wir haben Theodor Lessing* als Sprachrohr benutzt, um nicht so zu tun, als sei das Ganze objektiv“, sagt Loof, „bestimmte Szenen wurden nachgespielt, aber wir wissen natürlich nicht, ob sie sich tatsächlich so ereignet haben.“ Der 38-Jährige, der wie Franziska Stünkel Drehbuch und Regie an der Kunsthochschule in Kassel studiert hat, interessiert sich seit seinem zwölften Lebensjahr für bewegte Bilder. „Auslöser war der Film ‚Zur Sache, Schätzchen’“, sagt Loof und lacht, „anschließend habe ich Daumenkinos gezeichnet – meist Autorennen – und mit 18 Jahren habe ich mit meiner ersten Videokamera und einigen Freunden absurde Geschichten gedreht.“ Bei Kritikern kam das so gut an, dass Loof beim zweiten Up- and Coming- Festival einen Förderpreis gewann. Mittlerweile wurde der Regisseur, der auch als Kameramann tätig gewesen ist und ab dem Wintersemester an der FH dozieren wird, mit18 internationalen Preisen für seine Kurzfilme ausgezeichnet, die in über 30 Ländern gezeigt wurden. Loofs Arbeit wird unter anderem von der Stadt und dem Land gefördert, schließlich könnten die wenigsten Filmemacher unabhängig agieren, sagt der Regisseur, dessen Arbeitstag in der Regel um 10 Uhr beginnt und um 20 Uhr endet. Außer Fernsehproduktionen dreht der Hannoveraner, der in Linden wohnt, auch Werbespots. 2006 war das zum Beispiel eine Animation über Al Salam City, Boomtown in Dubai am arabischen Golf. Einen roten Faden – ein Leitthema – habe und suche er nicht, sagt Loof und weigert sich, zu verallgemeinern, worum es in seinen Geschichten geht. Trotzdem leuchten seine Augen, als er von seinem nächsten großen Projekt berichtet: einem Spielfilm. Loof will darin über eine Frau auf der Suche nach ihren familiären Wurzeln erzählen. Drehort ist New York. „Aber bitte noch nicht mehr darüber schreiben“, sagt Loof zu mir, „bis das ganze Ding fertig ist, ziehen noch drei Jahre ins Land. Bis dahin kann sich die ganze Geschichte noch einmal ändern.“

* Anmerkung d.Red.:Der Kulturkritiker Theodor Lessing hat am Haarmann-Prozess teilgenommen und darüber berichtet.

Kurz nachgefragt…

1) Hast du immer einen genauen Plan bei der Arbeit? Ich bewahre mir ein Stück Chaos, aber irgendwann wird’s strukturiert.

2) Worum geht es dir beim Filmen? Um gepflegte Unterhaltung.

3) Todsünde beim Regieführen? Den Überblick zu verlieren.

4) Bist du peinlich berührt, wenn Liebesfilme kitschig sind? Nö. Guter Kitsch ist super.

5) Deine Top Five der besten Filme? Spontan fallen mir beste Szenen ein, zum Beispiel die Autobahnszene aus Fellinis „Roma“ oder die erste halbe Stunde von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Okay, hier meine Top Five: „Sugarland Express“, „Koyaanisqatsi“, „Oktober“, „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Sein oder Nichtsein“.

6) Welchen Regisseur bewunderst du besonders? Ernst Lubitsch, weil der so viel Stil hatte.

7) Welche Story hättest du gern selbst geschrieben? Die Bibel.

8) Welches Genre liegt dir am meisten? Komödie und Drama, da gibt es ja auch einen Zusammenhang.

9) Deine aktuelle Lieblingsklamotte? Mein Parker.

10) Der Sound des Sommers? Zurzeit höre ich keine Musik.

11) Wer bekommt deine Stimme bei der Bundestagswahl? Ich wähle nicht. Ich sage aber „ja“ zur Demokratie.

12) Lieblingsclub in Hannover? Das Bronco’s.

Simone Niemann


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