sparsame vermieter

Irgendwann passiert es jedem. Da klingelt der freundliche Vermieter, sagt kurz, dass irgendwas an der Gasheizung erledigt werden müsse, ein paar Rohre im Keller seien ein bisschen alt, nichts Schlimmes und schon gar nichts Gefährliches, nur das warme Wasser würde mal für eine Weile ausfallen, so etwa ab acht am nächsten Morgen. Die Handwerker seien aber von der schnellen Sorte, zwei Jungs aus Polen, eben günstig, man müsse ja auch sehen, wo man bleibe, aber sehr zuverlässig. Da könne man sich hundertprozentig drauf verlassen. Die würden keinen Pfusch machen, schon gar nicht an der Gasleitung, wenn er sich da nicht ganz sicher wäre, dann hätte er natürlich ganz offiziell eine deutsche Firma beauftragt.

überpünktliche Handwerker aus PolenUnd dann zwinkert er und knufft einem noch verschwörerisch gegen den Oberarm. So geht man natürlich beruhigt schlafen, denkt sich noch, naja, wenn die morgen loslegen, bin ich längst aus dem Haus, und wenn die ganze Bude explodiert, habe ich eine gute Versicherung und vielleicht erwischt es dabei sogar die blöde Rentnerin aus 12a, die immer sofort die Polizei ruft, wenn man die Musik nur mal kurz ein kleines bisschen lauter dreht. Zum Beispiel wenn man duscht. Genau das versucht man am nächsten Morgen um kurz nach sechs. Doch das Wasser bleibt kalt. Die Flamme in der Therme bleibt aus. Das will man nicht glauben. Man rüttelt an der Therme, dreht an den Reglern, nimmt das Verdeck ab, rüttelt an den Leitungen, aber da tut sich gar nichts. Und dann fallen einem wieder die Handwerker ein. Haben die womöglich schon angefangen? Das geht natürlich nicht. Um neun hat man einen wichtigen Geschäftstermin. Ungeduscht darf man da nicht auftauchen. Also wirft man sich entschlossen in den Bademantel und klappert in FlipFlops die Treppen herunter, bis tief in den dunklen Keller.

Ja, da hinten brennt Licht. Zwei junge Männer sind eifrig bei der Arbeit. Man ordnet noch einmal den Bademantel, zieht den Gürtel fester, räuspert sich und klopft an den Türrahmen. Keine Reaktion. Also etwas lauter. Zwei fragende Gesichter wenden sich einem zu, Blicke wandern von den nackten Füßen hinauf, bleiben kurz am Bademantel hängen, und schließlich nicken sie freundlich. „Also, das geht ja so nicht“, beginnt man seine kurze Rede. „Um acht Uhr war vom Vermieter angesagt. Sie müssen das Gas jetzt schon erst wieder andrehen. Ich kann so nicht zur Arbeit.“ Die Gesichter bleiben fragend. Natürlich. Das sind Polen. Sie werden der deutschen Sprache nicht allzu mächtig sein.

Also deutet man auf die nicht vorhandene Armbanduhr. „Acht Uhr war angesagt. Viel zu früh. Ihr seid viel zu früh dran. Ich muss duschen.“ „Ah“, sagt der eine und schüttelt freundlich verneinend den Kopf. „Das geht nicht. Alles schon kaputt.“ Und dann deutet er auf diverse Rohre an der Wand, die teilweise zersägt sind. „Das gibt’s doch gar nicht. Das kann doch gar nicht sein. Ihr seid viel zu früh“, ereifert man sich. Und dann zeigt man ihnen acht Finger und deutet wieder auf die imaginäre Armbanduhr.

„Acht Uhr“, hört man sich kläglich krächzen, weil man die traurige Realität allmählich begreift. Nun meldet sich der zweite Pole zu Wort. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt er in lupenreinem Deutsch und grinst. Entnervt kehrt man zurück in die Wohnung, greift zum Telefon, legt wieder auf, weil es keinen Sinn macht, sich jetzt auch noch mit dem Vermieter rumzustreiten, der sowieso nur sagen wird, dass er ja etwa gegen acht gesagt habe, man doch froh sein könne, dass diese Handwerker so zuverlässig seien und damit die Arbeit schon in wenigen Stunden erledigt wäre. Man packt stattdessen seine sieben Sachen fürs Schwimmbad und macht sich auf den Weg.

Diese Randgruppenbeleidigung gilt allen sparsamen Vermietern in dieser Stadt. Engagiert bitte wieder deutsche Handwerker. Die kommen wenigstens nicht.

GAH


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Ein Kommentar für “sparsame vermieter”

  1. abc abc sagt:

    Nationalität=Qualität? Komische Randgruppenbeleidigung… wär schön mal wieder ne lustige zu lesen.

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