Seit Juli 2009 ist ein Label online, das sich Großes vorgenommen hat. Unter www.urbanvoracity.com gibt es Mode gegen den Einheitsbrei.
Die Idee für urban voracity (englisch für Gier, Gefräßigkeit oder Unersättlichkeit) stammt von Nawid Company. Seit 2001 ist der 26-Jährige mit einer Booking- und Eventagentur im Künstlerbereich tätig. Immer wieder gab es in diesem Zusammenhang Begegnungen mit neuen und vielversprechenden Ideen für innovative Mode.
Allerdings fehlten die Strukturen, um diese Ideen in größerem Stil zu realisieren. Für die Umsetzung brauchte es einen Kopf, ein Label. urban voracity hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, den ungewöhnlichen und spannenden Kreationen aus der Szene ein Gesicht zu geben. Neben Nawid Company und Klaus Lenz (26), der für den Vertrieb zuständig ist, gehören augenblicklich noch eine Designerin und ein Mediengestalter zum festen Team des Modelabels. Weitere Mitarbeiter ergänzen zeitweilig das Team.
Die Mitglieder leben ihre Marke. urban voracity will verhindern, dass Mode abstempelt. Dieses Konzept zu verinnerlichen, ist Voraussetzung, um im Team dabei zu sein. Der Umgangston ist familiär, der Dialog ganz wichtig. Und diese Offenheit spiegelt sich auch in der Ideenfindung. Kundenmitgestaltung spielt wie gesagt eine ganz große Rolle. Die Künstler, meist aus dem HipHop- und R’n'B-Bereich, mit denen Nawid Company über seine Booking- und Eventagentur zusammenarbeitet, sind eine große Inspiration. Aber auch, wenn die Mode, die bei urban voracity erhältlich ist, tendenziell jung, stylisch, eben urban ist, betonen Klaus Lenz und Nawid Company, dass sie klischeefrei und auf kein Genre festgelegt bleiben soll. Wer trägt, was urban voracity produziert, soll nicht das Label repräsentieren, sondern in erster Linie sich selbst. Das Label ist nur Mittel zum Zweck. urban voracity ist damit sicherlich ein Gegenentwurf zum Label-Fetischismus der jüngeren Generation. Antrieb der Gründer ist, dass viele „rumrennen wie jeder Dritte“. Manche stecken in den Augen der jungen Unternehmer schon beinahe in so etwas wie einer Uniform.
Als Protestbewegung verstehen sie sich aber nicht. Es geht einfach darum, dem Einerlei etwas Neues und Kreatives entgegenzusetzen. Und dabei auch weitere Labels mit ins Boot zu holen. Im Webshop sind durchaus andere Marken vertreten, wenn es passt und fremde Ideen gefallen. Zwar steht urban voracity als Label im Vordergrund, aber insgesamt ist man eine Gemeinschaft der Kreativen. Bei der Zusammenarbeit geht man freundschaftlich miteinander um. Und diese Freundschaften bleiben erhalten, auch wenn sich die geschäftlichen Wege wieder trennen. Bei der Ideenfindung spielt häufig auch der Zufall keine kleine Rolle. Manchmal läuft man sich einfach zur richtigen Zeit über den Weg. So war es beispielsweise bei den handgearbeiteten Strickmützen, die es in vielen Farben im Webshop gibt. Entworfen wurden sie von einer angehenden Designerin aus Hannover.
Mittlerweile werden die Unikate auch in Berlin vertrieben. Der unerwartete Erfolg der Mützen ist für Nawid Company eine der „kuriosen Geschichten“, eine der vielen positiven Überraschungen, für die das offene Konzept sorgt. Andere Ideen entstehen aus der Einstellung des Labels zu bestimmten Themen. So findet Nawid Company, dass die Hannoveraner ruhig ein bisschen stolz auf ihre Stadt sein dürfen und das auch zeigen sollten. Dafür gibt es bei urban voracity nun das Hannover-Shirt. Ein anderes Thema war die vergangene Wahl im Iran. Eine blutige Hand auf grünem Grund verweist auf die Missstände in der islamischen Republik. Für das Label ist es sehr wichtig, dass seine Kunden sich mit solchen Themen beschäftigen. Das gedankenlose Tragen von Shirts mit Che Guevara-Aufdruck ist für Nawid Company und Klaus Lenz ein Trend, der keiner sein sollte. Kein Trend sein darf. urban voracity war bisher ein Versuch, ein Testballon, der im Moment noch langsam startet, aber bereits überraschend gut funktioniert. „Jetzt gucken wir, wo die Reise hingeht“, sagt Klaus Lenz. Aus den Augen verlieren sollte man urban voracity auf keinen Fall, denn für 2010 gibt es bereits tolle Ideen und Konzepte. Das Label verspricht „das Innovativste, was es seit langem gab“
Mehr Infos unter www.urbanvoracity.com
Sina Schröder

