Wer hätte das gedacht: Im Zeitalter von MP3, AAC, AIFF, WAV und HASTENICHGESEHN erlebt ausgerechnet die CD ein fulminantes Comeback. Soweit ja eigentlich ein alter Hut. Insofern sparen wir uns an dieser Stelle auch peinlich-platte Kommentare à la „Huuuch, guck an! Beim Aufräumen der Redaktion unbeschriftete CDs gefunden. Könnten Pressefotos sein, gehen aber von Steuersünder-CD aus. Übergabe heute, 21 Uhr, unter der Hand unter’m Schwanz!“.
Tragisch neu ist nur das: Wegen des Streiks bei Üstra und RegioBus mussten viele Angestellte auf das Auto zurückgreifen. Die Folge: Tausende von Gutmenschen, die auf der Straße sonst alleine mit ihrem Hummer herumkrebsen, sahen sich auf dem Weg zur Selbstanzeige durch kilometerlange Staus gehindert. Ein Unding, schließlich zählt nun jede Minute. Mit einer rechtzeitig abgegebenen Selbstanzeige könnten Steuersünder empfindliche Strafen bis hin zur Haft abwenden. Denn im Gegensatz zu den armen Würstchen, die am Kiosk eine Bifi mitgehen lassen, räumt der Gesetzgeber Steuerhinterziehern auch noch nach Vollendung der Tat völlige Straffreiheit ein. Die Abreibung mit Samthandschühchen ist allerdings nur möglich, solange der Steuersünder noch nicht im Visier der Steuerfahnder steht.
Daher für alle, die es heute aufgrund des Verkehrschaos’ nicht zur Polizeidienststelle ihres Vertrauens geschafft haben: Wenn es dreimal an der Haustür klingelt, ist es sicher nicht der Postmann. Der nimmt die Pakete nämlich schon nach einem einzigen angedeuteten Klingeln wieder mit zurück zur kilometerweit entfernten Poststelle!
