die tiersitterin – angela kruth

Name: Angela Kruth
Alter: 29
Beruf: Tierpflegerin
Familienstand: ledig
Sternzeichen: Widder

An einem bitterkalten Morgen im Februar ticken auch die Uhren im Erlebnis-Zoo Hannover etwas langsamer: In Afrika ist der Sambesi zugefroren, und Sonnenanbeter wie Löwen und Flamingos sind nicht im Gehege zu sehen. Stattdessen nutzen Enten den vereisten Fluss als Highway, um zur nächsten Futterstelle zu watscheln und hinterlassen dabei eindrucksvolle Spuren im Schnee. Natürlich ist die Ruhe trügerisch. Hinter den Kulissen herrscht reges Treiben, schließlich müssen rund 2.235 Tiere versorgt, gefüttert, gemessen und gewogen werden.

Auch in der Showarena ist viel los: Die Stars der täglichen Veranstaltung werden für ihren Auftritt vorbereitet, doch deren Lampenfieber scheint sich in engen Grenzen zu halten. Die Aras kreischen putzfidel im Käfig, der alte Nasenbär Manolo macht Kletterübungen, und die Gürteltiere Fred und Wilma Feuerstein halten neugierig ihre Rüssel in die Höhe, denn Angela Kruth gibt ihnen gerade ein paar leckere Rosinen zu fressen. Die Tierpflegerin arbeitet seit zehn Jahren im Erlebnis-Zoo Hannover und trainiert in der Showarena zusammen mit ihren Kollegen Detlef, Kerstin und dem Azubi Carsten verschiedene Arten, zum Beispiel den Lannerfalken Karim, den Uhu Karl-Heinz, die Stinktiere Thymian und Lavendel und die Tigerpython Moses Junior. „Ein Tier entscheidet im Grunde allein, ob es für die nächste Show eingesetzt wird oder nicht“, sagt die 29-Jährige, die im Laufe der Jahre ein feines Gespür für ihre Zöglinge entwickelt hat. „Wenn Nasenbär Manolo schlecht drauf ist, bleibt er in seinem Käfig und schläft. Im Winter ist das oft der Fall, weil er keine kalten Füße mag.“

So wie der Mensch, habe auch jedes Tier seinen eigenen Kopf und Charakter und verhalte sich bei Übungen je nach Verfassung und Witterung mal aufmerksam und lernwillig oder faul und begriffsstutzig. Deshalb verlaufen die Shows nicht immer nach Plan: Ara Inka, der wie die anderen Papageien frei über das Gelände fliegen kann, habe zum Beispiel schon einen Ausflug in die List unternommen, nachdem er von einem Flugzeugmotor aufgeschreckt wurde. Und das Gürteltier Fred Feuerstein habe sich einmal bei einer Publikumsveranstaltung in ein tiefes Loch eingegraben, statt den Anweisungen der Trainerin zu folgen. Später musste der gepanzerte Geselle dann mit dem Spaten aus der Erde befreit werden. „Normalerweise hören unsere Gürteltiere auf ihre Namen, aber sie lassen sich eben auch gern ablenken, wenn sie ein Leckerli wie eine Nacktschnecke entdecken“, sagt Kruth, die in einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen ist und ihre Ausbildung im Rostocker Zoo absolviert hat. „Wichtig ist, dass mit den Tieren kein Zirkus gemacht wird, sondern dass sie artgerecht behandelt werden. Die Show ist wie Biologieunterricht zum Anfassen. Die Zuschauer erfahren dabei viel über die Lebensweise der Arten.“

Mit ihrem naturverbundenen Beruf und der grünen Wahlheimat Hannover ist die 29-Jährige, die in der List wohnt, zufrieden. Auch privat begleiten sie ein paar tierische Genossen. Wenn Kruth abends von der Arbeit kommt, versorgt sie zu Hause die beiden mongolischen Wüstenrennmäuse Brunhilde und Ursula sowie drei namenlose Tausendfüssler: „Es ist sehr entspannend, sie im Terrarium zu beobachten.“


Kurz nachgefragt…

1. Dein bester Freund im Zoo? Das ist meine Kollegin Kerstin, aber die Papageiendame Inka, ein Ara, ist mir auch sehr ans Herz gewachsen.

2. Lieblingsplatz im Zoo…? Die Showarena.

3. …und in Hannover? Der Maschpark.

4. Was können wir von Tieren lernen? Menschen sind Universaldilettanten, ganz im Gegensatz zu den Tieren, das sind Spezialisten.

5. Sprichst du mit den Tieren? Ja, ich spreche mit ihnen, gebe akustische Kommandos, mache aber auch Zeichen.

6. Haben Tiere auch mal ihre Tage? Ja. Sie haben Phasen, in denen sie ganz eigene Pläne haben.

7. Wann hast du dich zuletzt tierisch vergnügt? Beim Musical „Tanz der Vampire“ in Oberhausen.

8. Welches Buch liest du gerade? „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë.

9. Schönste Liebesszene im Kino? Die letzte Szene aus „Anna und der König“: der gemeinsame Tanz.

10. Welche Musik hörst du? Ich mag Grönemeyer. Und die nächste CD von Peter Maffay werde ich mir auch kaufen.

11. Bester TV-Comedian? Ralf Schmitz.

12. Hast du einen Schuh-Tick? Nein, ich gehe nicht gern shoppen. Aber Schuhe kaufe ich mir schon hin und wieder.

13. Worauf sollten Zoobesucher achten? Sie sollten die Tiere beobachten, das entspannt ungemein.


Simone Niemann


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