Rein in die Urne, raus aus der Urne

Bereits vor über anderthalb Jahren hatte eine Studie über die demographische Entwicklung Deutschlands eine stolze Zahl hervorgebracht: die Vierundsiebzig. Exakt auf 74 Jahre müsste das Rentenalter hochgesetzt werden, um unser Rentensystem zu retten, haben sie gesagt. Und die Stimmen werden nicht leiser. Schuld an der Rentenmisere sind wie immer die wenigen Kinder, die in Deutschland geboren werden. Und wie immer wurde lange nichts getan. Nun sitzen wir auf dem Haufen, und drumherum kreisen die Diskussionen, wie lästige Fliegen. Davon möchte man jetzt gleich zwei mit einer Klappe schlagen und noch eine Schippe drauflegen.

Die CSU schlägt eine doppelte Besserstellung von Eltern bei der Rente vor: mit einer geringeren Beitragspflicht zur Rentenversicherung und höheren Altersbezügen, als es aufgrund der demographischen Entwicklung eigentlich der Fall wäre. Gestopft werden soll das durch den Kinderbonus entstehende Kostenloch von geschätzten 5,5 Milliarden Euro durch kinderlose Erwachsene.

Das Prinzip haben wir verstanden: Die einen nehmen, die anderen geben. Die Frage ist nur, wo die Asche künftig ein- und abgehen soll. Eine Fliege hat man nämlich nicht ganz erwischt: die 74. Aber auch dafür wird sich eine Lösung finden. Aus sicherer Quelle ist uns zu Ohren gekommen, dass Bestattungsurnen künftig den Wahlurnen angepasst werden sollen. Durch einen praktischen Schlitz erhalten die Ruheständlier ihre Rente. Und falls es versehentlich mal zu viel gewesen sein sollte: Kein Problem, wird die Urne eben entleert!

In gewissem Maße liegt die Idee mit der Urne ja auf der Hand: Für so manche Wahlentscheidung werden wir uns schließlich noch im Grabe umdrehen.

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