your army, lux

Bis zu 200 Gäste finden im Lux Platz, dem neuen Club direkt neben dem Capitol, der im November letzten Jahres eröffnet wurde. Hier wird zu Indie, Elektropop, Hip Hop, Funk und Soul abseits des Mainstreams gefeiert und regelmäßig gibt es abwechslungsreiche Konzerte.

Heute betritt als erstes Kollektiv22 die kleine Bühne. Sieben Hamburger Jungs, die eine ungewöhnliche Kombination aus Rap und Gesang auf Englisch, Deutsch und manchmal auch Französisch darbieten, von ihnen „Folk’n’Soul“ genannt. Die außergewöhnliche Band mit zwei Sängern und einem Rapper liefert mit ihren originellen Texten, sattem Schlagzeugeinsatz und Mandolinenspiel als extra Ohrenschmaus eine mitreißende Show, in dessen Verlauf so viel Inbrunst gezeigt wird, dass der E-Gitarre sogar eine Saite reißt. Ein gelungener Einstieg in einen temperamentvollen Abend, der mit dem Hauptact Your Army aber noch wesentlich griffiger wird.

Your Army aus Brighton spielen einen Mix aus straightem Indie Rock und Crossover, der auf jegliches elektronisches Effekt-Geplänkel verzichtet und direkt zur Sache kommt, zu bissigem, leidenschaftlichem Rock. Ihr Debutalbum „Ignite“ (2013) haben die vier Engländer unter der Regie von Ace, Gitarrist bei Skunk Anansie, im hannoverschen Tonstudio Institut für Wohlklangforschung produziert – herausgekommen sind 12 kraftvolle Rocknummern, die einen eigenwilligen, ausdrucksstarken Stil haben. Dabei erscheint die zierliche Sängerin Lucy Caffrey zuerst noch eher schüchtern und man kann sie sich kaum als derbe Rockbraut vorstellen. Aber vom ersten Song an verwandelt sie sich augenblicklich in ein explosives Geschoss mit unwahrscheinlichem Aggressionspotential, das sich in wildem Tanz und hochenergetischem Gesang entlädt und alle mitreißt. Nicht nur bei „Killer“ zeigt sie einen unglaublich intensiven Killer-Blick und mit extremer Körperspannung und lassiv-aggressiven Bewegungen die ausgewachsene Bühnenpräsenz einer Gwen Stefani. Auch bei dem Song „Throw up your flag“ sind alle Augen zuerst nur auf die blonde Powerfrau gerichtet, für deren Energie die paar Quadratmeter Bühne viel zu klein sind. Als sie an den Gitarrist herantritt und mit ihm einigen Zeilen im Duett singt, bleibt dessen Stimme im Vergleich eher dünn. Dagegen sind seine rauen Gitarrenriffs, der starke Bass von Simon Key und die treibenden Trommelschläge des bemerkenswerten Schlagzeugers Andy Hollick weit mehr als dezente Untermalung des weiblichen Gesangsparts und haben durchaus Potential, sich in den Ohren festzusetzen.

Die drei Musiker rocken immer mehr Zuschauer auf die Tanzfläche und heizen ihnen mit rauen, harten Nummern wie „Liberate yourself“ ein, zu denen man sich einfach bewegen muss. Ihre sanfte Seite zeigt die Band mit der Rock-Ballade „Chase the world“, bei der Frontfrau Lucy einmal längere Zeit am Mikrofon bleibt und mit geschlossenen Augen ihre sehr emotionale Singstimme harmonisch mit dem gefühlvollen Bass und der leisen Gitarre vereint. Zur ersten Single der Band, „No Good“, stürmt sie dann auf die Tanzfläche und demonstriert extatisch wieder ihre „böse“ Seite in energischen Vocals, deren animalisches Temperament von den Drums perfekt unterstrichen wird. Eine extrem einprägsame Frauenstimme, in der unvermutet viel Wut steckt, eine Rockband mit geradlinigen Songs und enthusiastischer Spielfreude – Your Army rockt!

Text und Foto: Anke Wittkopp

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  • @der_werbetexter Die Nummer passt in jeglicher Hinsicht. #Superweib #Supertyp
    31 Tagen ago
  • Franchisenehmer wehrt sich gegen Kündigung von #BurgerKing. Ein Kim Jong-un äh Yi-Ko lässt sich seine Schreckensherrschaft nicht verbieten!
    31 Tagen ago
  • Hach, wenn am Welttoilettentag die Feuchttücher zur Neige gehen... Das ist wie Geburtstag ohne Kuchen. Sehr, sehr traurig.
    32 Tagen ago
  • Nicht dass die Ferres dem #Lanz jetzt an die Wäsche geht. Sieht aus wie der junge Maschmeyer, in den sie sich einst verknallt hat. #Movember
    33 Tagen ago