aktuelle ausstellungen im april

Digital Conditions
Wie reflektieren zeitgenössische Künstler die ambivalente Bedeutung und allgegenwärtige Gegenwart digitaler Technologien – dieser Fragestellung geht die aktuelle Ausstellung im Kunstverein Hannover nach. 13 namhafte Positionen von Lee Friedlander über Thomas Ruff und Pierre Huyghe bis zu jüngeren Künstlern wie Lorna Mills, Yngve Holen und Avery K Singer oder Katja Novitskova versammelt die Schau und beleuchtet dabei unterschiedliche Aspekte von der künstlerischen Aneignung bis zur kritischen Auseinandersetzung. So führt Hito Steyerl uns in ihrem überaus amüsanten Film „How Not to be Seen. A Fucking Didactic Educational” (Abb. Detail) in der Ästhetik eines Internet-Tutorials verschiedene Möglichkeiten vor, sich mehr oder weniger unsichtbar durch digitale Welten zu bewegen. In Anspielung auf Monty Pythons „Flying Circus“ erklärt eine freundliche Computerstimme wie man sich in einer digitalen Bildumgebung tarnt oder sich ganz einfach unterhalb der Pixelgröße des Satellitenzooms schrumpft. Die Ausstellung ist zu sehen bis 25.5. Im Rahmen des umfangreichen Begleitprogramms findet u.a. ein interdisziplinäres Symposium zu den Auswirkungen des „Digital Turn” statt, am 18. April, 14–19 Uhr.

 

Under Surveillance
Unter diesem Titel befasst sich eine international besetzte Ausstellung in der Galerie für Fotografie von Ricus Aschemann mit der allgegenwärtigen Überwachung und dem Wandels unseres Kommunikationsverhaltens durch die Fülle der digitalen Möglichkeiten. Niemals zuvor hat der Mensch so bereitwillig seine persönlichsten Bilder, Daten und Gewohnheiten für andere sichtbar gemacht. Zugleich ist der Austausch in den sozialen Netzwerken ein unschätzbarer Möglichkeitsraum, wenn man z.B. an den arabischen Frühling denkt. Andererseits blockieren einige Regierungen den freien Zugang zum Internet. Meinungsfreiheit versus Überwachung, Transparenz versus Privatsphäre – diese Pole bilden das Spannungsfeld, in dem sich die Arbeiten dieser Ausstellung bewegen. Die Kuratoren Ricus Aschemann, Peter Lindhorst und Maik Schlüter inszenieren die Fotografien in kleinen Diabetrachtern, die den Ausstellungsbesucher in eine voyeuristische Situation versetzen. Die umfangreiche Künstlerliste umfasst internationale Künstler wie Absalom & Bardsley, Trevor Paglen, David Deutsch oder Alec Soth bis hin zu festen Größen der deutschen und der regionalen Szene wie Janko Woltersmann. Über 20 Positionen werden in der Ausstellung zu sehen sein, vom 17.4. bis 26.6. (Abb. Miracle Village, Florida, © Alec Soth)

 

Lichtenberg reloaded!
Wilhelm Busch & Kai Wetzel

Mit der Ausstellung „Lichtenberg reloaded! Eine Hommage“ rückt das Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst den einflussreichen Göttinger Philosophen, Physiker und Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) in den Fokus. Lichtenberg, als 17. Kind eines protestantischen Pfarrers in Ober-Ramstadt bei Darmstadt geboren, körperlich eher benachteiligt, kleinwüchsig mit zwei Buckeln, war einer der genialsten und humorvollsten Köpfe seiner Zeit und gilt als einer der ersten Satiriker, der bis heute Künstler und Schriftsteller inspiriert. Die Ausstellung zeigt den Universalgelehrten aus der Perspektive heutiger Zeichner und Karikaturisten. Zu sehen sind Werke von Horst Janssen, Rainer Ehrt, Robert Gernhardt, Loriot, Franziska Becker, F.W. Bernstein, Gerhard Glück, Rudi Hurzlmeier, Jakob Kirchmayr, Frank Hoppmann, Nicolas Mahler, Jub Mönster, Frank Kunert, Susannah Martin, Arndt Möller, Javier Mayoral, Til Mette, André Poloczek, Dorthe Landschulz, Piero Masztalerz u.a., bis 25. Mai.

Zeitgleich ist in der Ensmann-Galerie des Museums Wilhelm Busch die Kabinettausstellung „Ja, wenn man das so sieht … – Wilhelm Busch und Kai Wetzel“ zu sehen. Landschaftszeichnungen von Wilhelm Busch treffen auf großformatige Landschaftsfotografien des Hannoverschen Künstlers Kai Wetzel (*1966). Die Ausstellung geht der Frage nach dem spezifisch künstlerischen Blick auf Natur und Landschaft nach. Trotz der Unterschiede in den Medien ergeben sich interessante Entsprechungen in der Art und Weise der Annäherung an das Subjekt. Dazu gehören die präzise Wahl von Ausschnitt, Perspektive und Standort. Auch die atmospärische Wirkung scheint in ähnlicher Weise zu funktionieren. Zu sehen bis 25. Mai. (Abb. Kai Wetzel, Unheimlicher Zubringer, 2014, Privatbesitz / Wilhelm Busch, Waldinneres mit einer Lichtung, 1885/90, Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Dauerleihgabe der Landeshauptstadt Hannover)


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