Über die Kunst, geteilter Meinung zu sein

Liebe Stadtkinder, aus aktuellem Anlass (www.stadtkind-hannover.de/2015/11/unterstuetzerkreis-fuer-fluechtlinge) unser Juni-Editorial in voller Länge:

„Über die Kunst, geteilter Meinung zu sein“, so haben wir unseren Titel in der Juni-Ausgabe überschrieben. Und ich muss zugeben, ich persönlich habe es damit noch nicht zur Meisterschaft gebracht. Wenn ich lese, was manche Leute auf unserer Internetseite an Kommentaren hinterlassen, fällt es mir ausgesprochen schwer, damit gelassen umzugehen. Vor gut zwei Jahren haben wir dort beispielsweise einen Text veröffentlicht, der sich mit der Flüchtlingshilfe befasste und der weder eine Meinung, noch einen Aufruf zur Beteiligung enthielt. Obwohl schon verhältnismäßig alt, wird der Text heute noch kommentiert. Hier mal ein paar Auszüge: „Dieses Gutmenschentum ist wirklich grauenvoll. Das Land wird geflutet mit Kriminellen, und Ihr überlegt, was man ihnen noch mitgeben kann. Von denen wird kein einziger das Land wieder verlassen, sondern sich als krimineller Bodensatz der Gesellschaft etablieren“, schreibt dort beispielsweise ein Wolfgang Ritzek.

Und Stefanie Brück meint: „Diese Leute verachten unsere Kultur. Das extreme Ansteigen von Kriminalität durch ‚Flüchtlinge’ ist eine Last, die schwer zu tragen ist. Sie sind mehrheitlich frauenfeindlich, antisemitisch, und homophob. Die Kosten, die sie uns aufzwingen sind unglaublich. Nirgendwo auf der Welt kann man aggressiv-grenzverletztend in fremde Länder eindringen, deren Kultur man verachtet und dann auch noch auf einem Niveau alimentiert werden, von dem Alte, die ihr Leben lang gearbeitet haben, nur träumen können. In Deutschland werden Obdachlose aus ihren Heimen geworfen, damit ‚Flüchtlinge’ dort wohnen können und nachts Einbrüche verüben, Frauen vergewaltigen und einen schwunghaften Handel mit Rauchgift aufziehen. Ihr Gutmenschen seid einfach geistesgestört und ich wünsche euch von Herzen, dass jemand, der euch nahe steht, von einem ‚Flüchtling’ ermordet wird. Passiert mittlerweile reichlich oft.“

Auch Dieter Mahavi hat dort eine Meinung: „Ich weiß gar nicht, was die Deutschen gegen unsere neuen Fachkräfte haben. Und dass sie sich angeblich nicht integrieren, halte ich für einen rein rassistischen Vorwand. Die Medien zeugen nämlich vom Gegenteil: Täglich kann man gelungene Beispiele davon lesen, wie sich so manche unserer Menschengeschenke problemlos integrieren – nämlich in die Sozialsysteme, in die Körperöffnungen von Frauen und in unsere Gefängnisse.“

Wie geht man mit solchen Kommentaren gelassen um? Lügen, Halbwahrheiten, Hetze – schlichtes, dummes Zeug. Und klar, sie werden geschrieben, um zu provozieren. Das gelingt (bei mir) zugegeben ganz gut. Es fällt mir schwer, sachlich zu bleiben, wenn ich solchen Schwachsinn lese. Aber einfach löschen? Das, davon bin ich überzeugt, wäre der ganz falsche Weg. Man würde sich so nur dem Vorwurf ausgesetzt sehen, zu zensieren, andere Meinungen nicht zuzulassen. Und das möchte ich nicht. Jeder soll ruhig das Recht haben und in Anspruch nehmen, auf unserer Internetseite seinen persönlichen Schwachsinn zu verzapfen. Weil ich davon ausgehe, dass unsere Leserinnen und Leser durchaus in der Lage sind, diesen Schwachsinn für sich einzuordnen. Darum habe ich auch kein Problem damit, solche Kommentare hier im Editorial abzudrucken. Ich habe es in der April-Ausgabe im Editorial schon einmal gesagt und wiederhole es hier gerne wieder: Sapere aude! Wolfgang Ritzek, Stefanie Brück und Dieter Mahavi lade ich hiermit gerne ganz persönlich am 17. Juni auf den Opernplatz ein zum Tag der offenen Gesellschaft. Ich bin da. Lasst mich raten. Ihr werdet nicht kommen. Schade. Wir hätten wirklich eine Menge zu besprechen…

Lars Kompa


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