Das Juni-STADTKIND: Jetzt am Kiosk!

Liebe Stadtkinder, aus aktuellem Anlass (www.stadtkind-hannover.de/2015/11/unterstuetzerkreis-fuer-fluechtlinge) unser Editorial in voller Länge:

„Über die Kunst, geteilter Meinung zu sein“, so haben wir unseren Titel ab Seite 48 in dieser Ausgabe überschrieben. Und ich muss zugeben, ich persönlich habe es damit noch nicht zur Meisterschaft gebracht. Wenn ich lese, was manche Leute auf unserer Internetseite an Kommentaren hinterlassen, fällt es mir ausgesprochen schwer, damit gelassen umzugehen. Vor gut zwei Jahren haben wir dort beispielsweise einen Text veröffentlicht, der sich mit der Flüchtlingshilfe befasste und der weder eine Meinung, noch einen Aufruf zur Beteiligung enthielt. Obwohl schon verhältnismäßig alt, wird der Text heute noch kommentiert. Hier mal ein paar Auszüge: „Dieses Gutmenschentum ist wirklich grauenvoll. Das Land wird geflutet mit Kriminellen, und Ihr überlegt, was man ihnen noch mitgeben kann. Von denen wird kein einziger das Land wieder verlassen, sondern sich als krimineller Bodensatz der Gesellschaft etablieren“, schreibt dort beispielsweise ein Wolfgang Ritzek.

Und Stefanie Brück meint: „Diese Leute verachten unsere Kultur. Das extreme Ansteigen von Kriminalität durch ‚Flüchtlinge’ ist eine Last, die schwer zu tragen ist. Sie sind mehrheitlich frauenfeindlich, antisemitisch, und homophob. Die Kosten, die sie uns aufzwingen sind unglaublich. Nirgendwo auf der Welt kann man aggressiv-grenzverletztend in fremde Länder eindringen, deren Kultur man verachtet und dann auch noch auf einem Niveau alimentiert werden, von dem Alte, die ihr Leben lang gearbeitet haben, nur träumen können. In Deutschland werden Obdachlose aus ihren Heimen geworfen, damit ‚Flüchtlinge’ dort wohnen können und nachts Einbrüche verüben, Frauen vergewaltigen und einen schwunghaften Handel mit Rauchgift aufziehen. Ihr Gutmenschen seid einfach geistesgestört und ich wünsche euch von Herzen, dass jemand, der euch nahe steht, von einem ‚Flüchtling’ ermordet wird. Passiert mittlerweile reichlich oft.“

Auch Dieter Mahavi hat dort eine Meinung: „Ich weiß gar nicht, was die Deutschen gegen unsere neuen Fachkräfte haben. Und dass sie sich angeblich nicht integrieren, halte ich für einen rein rassistischen Vorwand. Die Medien zeugen nämlich vom Gegenteil: Täglich kann man gelungene Beispiele davon lesen, wie sich so manche unserer Menschengeschenke problemlos integrieren – nämlich in die Sozialsysteme, in die Körperöffnungen von Frauen und in unsere Gefängnisse.“

Wie geht man mit solchen Kommentaren gelassen um? Lügen, Halbwahrheiten, Hetze – schlichtes, dummes Zeug. Und klar, sie werden geschrieben, um zu provozieren. Das gelingt (bei mir) zugegeben ganz gut. Es fällt mir schwer, sachlich zu bleiben, wenn ich solchen Schwachsinn lese. Aber einfach löschen? Das, davon bin ich überzeugt, wäre der ganz falsche Weg. Man würde sich so nur dem Vorwurf ausgesetzt sehen, zu zensieren, andere Meinungen nicht zuzulassen. Und das möchte ich nicht. Jeder soll ruhig das Recht haben und in Anspruch nehmen, auf unserer Internetseite seinen persönlichen Schwachsinn zu verzapfen. Weil ich davon ausgehe, dass unsere Leserinnen und Leser durchaus in der Lage sind, diesen Schwachsinn für sich einzuordnen. Darum habe ich auch kein Problem damit, solche Kommentare hier im Editorial abzudrucken. Ich habe es in der April-Ausgabe im Editorial schon einmal gesagt und wiederhole es hier gerne wieder: Sapere aude! Wolfgang Ritzek, Stefanie Brück und Dieter Mahavi lade ich hiermit gerne ganz persönlich am 17. Juni auf den Opernplatz ein zum Tag der offenen Gesellschaft. Ich bin da. Lasst mich raten. Ihr werdet nicht kommen. Schade. Wir hätten wirklich eine Menge zu besprechen…

Viel Spaß mit dieser Ausgabe, Lars Kompa

 

Außerdem …

***Im Gespräch***
Anke Wittkopp hat mit Heino Masemann gesprochen. Der Pastor im Expowal und Geschäftsführer des Landesvereins für Innere Mission erzählt von der Suche nach dem Sinn und den Vorteilen einer undogmatischen Kirche.

***Stadtkinder essen***
Handmade food, vegan und roh, hat Andrea Hausmann-Kunkel im Nordstädter Restaurant Vegan & Raw getestet – und war ziemlich begeistert.

***Vom anderen Ufer***
Hannover hat eine neue Radiosendung: Queerfunk auf radio leinehertz 106.5. Wer hinter dem queeren Magazin steckt und was in nächster Zeit beim QueerFunk zu hören sein wird, hat Katja Merx im Interview mit Laura Kaiser und Dete Knopf herausgefunden.

*** Und sonst so? ***
… Martin Kontzog macht sich Gedanken über das schwierige Geschäft mit der richtigen Ernährung: Wenn Kinder der kleine Hunger überfällt.

… Ihr erfahrt, warum Demokratische Schulen eine sinnvolle Alternative zum jetzigen Bildungssystem sind und wie ihr die diesjährige Utopianale zum Thema „Wie wollen wir lernen?“ unterstützen könnt.

… Außerdem hatten wir das dringende Bedürfnis, die unsäglichen Ins-Essen-Geiger zu beleidigen. Sorry, ging nicht anders.

 

***Stadtkinder suchen und finden***
Ihr sucht einen Partner / eine Wohnung / ein Haustier / eine Selbsthilfegruppe oder habt selbiges zu bieten? Privatpersonen können bei uns kostenlos Kleinanzeigen aufgeben. Einfach den Text per Mail an kleinanzeigen@stadtkind-hannover.de schicken.

Und wie immer: Termine, Kulturtipps und ein dicker Veranstaltungskalender. Holt schon mal EURE Kalender raus!

Titelbild: Francesca Schellhaas / photocase.de


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