Kia Kahawa

Bei unserem Treffen im Café CoffeeTime, wo sie sonst auch oft mit ihrem Co-Autoren an einem ihrer drei laufenden Buch-Projekte arbeitet, erzählt die Vollzeit-Hybrid-Autorin Kia Kahawa von Ideenfindung und Arbeitsweisen, ihrer bewussten Teil-Entscheidung für das Selfpublishing und dessen Stationen. Die aktuelle ist besonders spannend: Am 1. Juni startet die Crowdfunding Kampagne zu ihrer Hannover-Novelle „Hanover‘s Blind“.

Das fabulöse Pseudonym „Kia Kahawa“ stammt noch aus Abiturzeiten, als die heute 24-jährige (Sas-)Kia eine Kanne Kaffee am Tag konsumierte und sich dieses Faible – im Suaheli-Wort für Kaffee ausgedrückt – als Spitz- und späterer Künstlername niederschlug. Auf der Buchmesse im letzten Jahr war Kia noch als „Die mit den Steuern“ bekannt, denn die ehemalige Steuerfachangestellte bietet AutorInnen Hilfe zur Selbsthilfe auf ihrem Blog „Autoren an die Steuer“. Inzwischen ist sie als weit facettenreichere Autorin etabliert und jetzt „Die, deren Protagonisten einen an der Waffel haben“. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist, dass ihre Protagonisten ihre eigenen Antagonisten sind: Fiona aus „Die Krankheitensammlerin“ (2016 erschienen) ist übergewichtig und depressiv, quasi ‚der Fehler in der Welt‘, Alois aus „Irre sind menschlich“ ist der Coolste – kriegt eine manische Psychose und kommt in die Psychiatrie, die der Narzisst dann gehörig auf den Kopf stellt (wird im März 2019 bei einem Verlag veröffentlicht). Das Projekt „Zwei Seelen“ (in Arbeit) handelt von zwei Jugendlichen – sie ist überfordert und wird gemobbt, er ist unterfordert und wird zum Mobber. Ebenfalls noch im Entstehen ist ein gemeinsames Projekt mit Kias Co-Autor Florian Eckardt, das den Arbeitstitel „Der Abschalter“ trägt. Aus einer Schnapsidee beim Autorenstammtisch geboren und zunächst als Kurzgeschichte geplant, wächst es sich inzwischen zu einer Trilogie aus (2020 wird der erste Teil erscheinen). Darin geht es um eine Welt in der Zukunft, in der die Sozialversicherung den Staat übernommen hat– und in der diejenigen der (sich rätselhaft häufenden) Komapatienten, die zu arm sind, „abgeschaltet“ werden.

Kias schon vollendetes Werk „Hanover‘s Blind“ dreht sich um Adam, der sein Studium in Cambridge abgebrochen hat und in seine Traumstadt Hannover zieht. Hier hat er als Kind gewohnt, als er noch gesund war. Hier möchte er auf eigenen Beinen stehen, einen Job und ein Leben mit Erfüllung haben, nicht – so wie es für Menschen mit Beeinträchtigungen oft Standard ist – das geringste Übel. Deswegen entscheidet er sich dazu, seine Sehbehinderung zu verheimlichen. In Hannover lernt er lieben, tanzen und scheitern – und dass es vielleicht doch nicht seine beste Idee war, seine Sehbehinderung zu verstecken.

Adams kreative Lösungen, um an sein Recht auf Glück zu kommen, finden sich auf 180 humorvollen Seiten. Die Novelle umfasst 13 Kapitel, die jeweils nach Orten bzw. Haltestellen in Hannover benannt sind. Kia hat an allen diesen Orten Details gesucht und gefunden, die Sehende im Alltag nicht wahrnehmen. Auch die werden Hannover also nach dem Lesen mit anderen Augen sehen. Seit Januar arbeitet Kia an der Crowdfunding Kampagne zu „Hanover‘s Blind“, denn sie wollte ihre Novelle weder ändern noch in eine bestimmte Schublade einsortieren, so wie es einige Verlage zur Bedingung für das Verlegen gemacht hatten. Sie hat sich deshalb bewusst für eine Veröffentlichung über die Plattform der Randomhouse Gruppe und Books on Demand, Twentysix, entschieden. Ab dem 1. Juni bis Anfang Juli kann man Kia Geld spenden, damit sie ihr Projekt verwirklichen kann, und erhält dafür ein Dankeschön: Wenn das Fundingziel erreicht wird, kommen im September (abhängig von der Spendensumme) das E-Book, das Taschenbuch, die limitierte, exklusiv nur für die Kampagne gedruckte Hardcover-Auflage oder die anderen Goodies zu den Unterstützern. Und „Hanover‘s Blind“ kommt regulär in die Buchläden. Wir wünschen viel Erfolg und freuen uns auf die Lektüre!

Text: Anke Wittkopp Foto: Lily Wildfire

Kia Kahawa unterstützen und die Veröffentlichung von „Hanover‘s Blind“ ermöglichen:
www.startnext.com/hanovers-blind


Schlagwörter:

Diesen Beitrag kommentieren

Stadtkind twittert