Tonträger im August

Mndsgn: Rare Pleasure
Man nehme den Song der Familie Barbapapa plus ein hektisches Schlagzeug mit ins Raumschiff, dann landet man auf dem Planeten von Ringgo Ancheta aka Mndsgn. Der in Los Angeles lebende Produzent und Singer-Songwriter ließ sich von Soundtracks, Samba, Exotica und Library-Platten aus den 70er- und 80er-Jahren inspirieren und setzte seine Vision mit zahlreichen GastmusikerInnen um.

 

 

 

Jesse Markin: Noir
Der aus Liberia stammende Finne Jesse Markin rappt mit Falsettstimme und mäandert auf seinem zweiten Albums ideenreich durch Indie-Pop, R’n’B und elektronische Musik. Mit prominenter Unterstützung von Feature-Gästen wie der US-amerikanischen Hip-Hop-Künstlerin Akua Naru fordert der mit diversen finnischen Auszeichnungen dekorierte Kritikerliebling nun seinen Platz auf internationalen Bühnen.

 

 

 

The Marble Man: Louisiana Leaf
Schräg und düster-dramatisch, aber auch immer wieder einfach schön sind die Songs von Josef Wirnshofer aka The Marble Man. Vorgetragen mit kaum verwechselbar schräg schnarrender Stimme, versammelt der süddeutsche Musiker auf seinem vierten Album „Louisiana Leaf“ acht reduziert arrangierte, dunkel schwirrende Space-Pop-Gemälde im Film-Noir-Gewand.

 

 

 

Mieke Miami: Montecarlo Magic
Geboren in Hamburg, gehört die Sängerin, Songwriterin, Saxofonistin und Produzentin zu den Leuten, die schon nicht mehr in Berlin, sondern in Brandenburg leben. Ihr zweites Album ist auf eine angenehm strahlende Weise angejazzter Pop, locker und easy. Durch die zehn Songs zieht sich ein psychedelisch abgehobener Grundton, immer wieder festgenagelt vom eingängigen Groove.

 

 

 

Tuvaband: Growing Pains & Pleasures
Keine Band, sondern ein Soloprojekt: Eine seltsam gebremste, zarte Magie umgibt die Songs der in Berlin lebenden norwegischen Songwriterin Tuva Hellum Marschhäuser. Schwebende, melancholisch-verträumte Melodien, düster unterlegt von schweren, shoegazigen Gitarren schaffen Soundgebilde, die intensiv und fesselnd und dabei gleichzeitig federleicht sind.

 

 

 

John Grant: Boy From Michigan
Das autobiografisch angehauchte fünfte Soloalbum des in Island lebenden ehemaligen Boys aus Michigan, das im Vergleich zum Vorgänger „Love Is Magic“ wieder etwas balladesker geraten ist, ohne dessen schräg-elektronischer Linie untreu zu werden. Die schönsten Momente sind aber die, in denen durch Klarinette oder Saxofon die Kühle der Synthesizer ein wenig durchbrochen wird.

 

 

 

Zwanie Jonson: We Like It
Hier kommt ein Mann aus der zweiten Reihe, der längst einen Platz in der ersten verdient hat. Als Schlagzeuger war er auf Tour mit Bands wie Magic, Sammy’s Saloon, The Sunsets, Disjam, Die Fantastischen Vier, Veranda Music, Fink, Wolf Maahn, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Pascal Finkenauer, Helen Schneider oder Fettes Brot, bevor der Multiinstrumentalist 2007 mit seinem Debüt „It’s Zwanietime“ anfing, eigene Songs herauszubringen. Zu Recht wird ihm nachgesagt, stets Positives, verpackt in ein Easy-Listening-angehauchtes West-Coast-Lebensgefühl zu transportieren, so auch in diesem, seinem vierten Album. Weich und fließend haben die Tracks einen leicht einlullenden Effekt. Man möchte sich zurücklehnen und ein Bier aufmachen, gleich nachdem der Titeltrack und Opener „We Like It“ die Gute-Laune-Skala Dire Straits-mäßig schunkelnd in den grünen Bereich geschoben hat.

 

Too Slow To Disco: Yacht Soul – The Cover Versions
Eine neue Perle aus dem TSTD-Universum, liebevoll zusammengestellt von Marcus Liesenfeld aka DJ Supermarkt, der wieder einmal tief in die sonnendurchtränkte musikalische Vergangenheit der amerikanischen Westküste greift. 16 Funk-und Soulversionen von Yachtpop-Originalen, die meisten davon Ende der 70er- bis Anfang der 80er-Jahre aufgenommen zum Beispiel von Fleetwood Mac, The Doobie Brothers, Hall & Oates, Steely Dan oder den Wings, und damals eher unter dem Radar geflogen, bekommen hier einen hochverdienten Auftritt im Black-Music-Gewand. Es finden sich Versionen wie Millie Jacksons Gospel-ähnliche Wiedergabe von „This Is It“ von Kenny Loggins/Michael McDonald oder Billy Pauls „Black Power“-beeinflusste Version von Paul McCartney/Wings‘ „Let Em In“ und die seltenes Cover von The Beach Boys‘ „God Only Knows“ von Betty Everett.
Annika Bachem


Schlagwörter:

Diesen Beitrag kommentieren