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	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; hauskritik</title>
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		<title>shit year (USA, 2010)</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 12:08:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2011-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Film ist ganz anders, als der Titel vermuten lässt. Was sich nach einer profanen Story anhört, entpuppt sich als strukturell vielschichtiges, surrealistisches Werk. Der schwarz-weiß-Film beleuchtet das Innenlebens der Protagonistin Colleen West (Ellen Barkin)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2012/01/36-89_SK_August_2011_723.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-14709" title="shit year" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2012/01/36-89_SK_August_2011_723-300x289.jpg" alt="" width="300" height="289" /></a>Der Film ist ganz anders, als der Titel vermuten lässt. Was sich nach einer profanen Story anhört, entpuppt sich als strukturell vielschichtiges, surrealistisches Werk. Der schwarz-weiß-Film beleuchtet das Innenlebens der Protagonistin Colleen West (Ellen Barkin). Starke hell-dunkel-Kontraste spiegeln im Film Colleens Empfindungen. Verschiedene Handlungsstränge setzen sich mosaikartig zusammen, sodass der Zuschauer erst peu à peu von der ganzen Geschichte erfährt.</p>
<p>Colleen West ist eine Schauspielerin am Ende ihrer Karriere. Der Vorhang ist gefallen. Das letzte Interview ist gegeben. Die Jugendlichkeit ist ihr entschwunden. Ihr 22-jähriger Freund verlässt sie. – Die Situation treibt die gefallene Diva in den Wahnsinn. Colleen ist eine Gefangene ihres Selbst, was besonders in traumartigen Sequenzen mit absurder Handlung deutlich wird. Auf dieser Metaebene gibt es einen weißen unendlichen Raum mit schwarzen Frauen in weißer Kleidung. Colleen trägt zu Beginn eine weiße Jacke, die an eine Zwangsjacke aus der Psychiatrie erinnert. Im weißen Raum erinnert Colleen sich an den schmerzlich vermissten Freund. „Warum streichst du die Wand?“, fragt sie ihn. „Sie ist doch schon weiß.“ – „Warum stellst du immer die gleichen Fragen“, antwortet das Phantom. – „Ich weiß es nicht.“ Obwohl man so viel vom Innenleben der gefallenen Diva erfährt wird klar: Sie ist nur ein Paradebeispiel.</p>
<p>Es geht nicht um ihr persönliches Schicksal, und es geht auch nicht nur um dieses eine „Shit Year“. Colleen ist eine Frau die eines Tages im Herbst ihres Lebens aufwacht und mit Entsetzen feststellt: Sie hat vielleicht alles falsch gemacht. Sie war süchtig danach in ihren Rollen eine andere Person zu verkörpern. Und nun weiß sie nicht, wer sie ist. Sie hat für ihren Job gelebt und war ein Star. Aber mit dem Ende ihrer Karriere bleibt ihr: nichts. Sie hat keine Freunde, keine Kinder, keine Haustiere – und noch nicht einmal eine intensive Beziehung zu ihrem Bruder. „Ich habe nichts, was mich daran erinnert, wie ich gelebt habe. Habe ich überhaupt jemals Freude empfunden?“ Ihr Bruder weist ihr in einem Nebensatz den Weg: Sie muss ihr altes Leben loslassen. Sie muss neu anfangen, aber sie kann nicht. Oder doch? „Shit Year“ erinnert an Filme wie „Eraserhead“ von David Lynch – ein wunderbarer Independentfilm unserer Zeit, aber keine leichte Kost! Ab 11.08. im Kino im Künstlerhaus.</p>
<p><strong>Janine Klemmt</strong></p>
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		<title>alles koscher! (GB, 2011)</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 12:04:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2011-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Das können auch nur die Briten: Menschen mit Humor, der zuweilen schwärzer als die Nacht ausfällt, machen auch vor dem Thema Religion keinen Halt. Das Drehbuch zu „Alles koscher!“ schrieb der Autor und Komiker David Baddiel direkt]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2012/01/36-89_SK_August_2011_722.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-14706" title="alles koscher?" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2012/01/36-89_SK_August_2011_722-300x179.jpg" alt="" width="300" height="179" /></a>Das können auch nur die Briten: Menschen mit Humor, der zuweilen schwärzer als die Nacht ausfällt, machen auch vor dem Thema Religion keinen Halt. Das Drehbuch zu „Alles koscher!“ schrieb der Autor und Komiker David Baddiel direkt für den britisch-iranischen Schauspieler und Stand-Up-Comedian Omid Djalili. Der Orginaltitel heißt „The Infidel“ (Der Ungläubige). Die Story: Der Moslem Mahmud hält es mit der Gretchenfrage „Wie hältst du’s mit der Religion?“ eher locker. Strenggläubig ist er nicht, es kommt vielleicht auch mal etwas Alkohol über seine Lippen und Nächstenliebe steht bei ihm auch nicht auf der Tagesordnung, den Mahmud schimpft und meckert wie ein Rohrspatz. Doch dass er ein waschechter Moslem ist, ist ihm schon wichtig.</p>
<p>Leider bekommt er genau an diesem Punkt ein Problem. Mahmud findet seine Geburtsurkunde, die ihn nicht nur als Adoptivkind, sondern ausgerechnet als Juden ausweist! Demnach heißt Mahmud eigentlich Solly Shimshillewitz. Von dieser Erkenntnis stark ins Taumeln geraten, macht er sich auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern. Doch ein Rabbi versperrt ihm den Weg zu seinem schwerkranken Vater – und damit zu der Frage nach seiner Identität. Mahmud müsse zunächst lernen, sich wie ein Jude zu benehmen, um seinen Vater nicht zu erschrecken. Das führt so weit, dass Mahmud irgendwann mit der muslimischen und jüdischen Kopfbedeckung ins Trudeln kommt &#8230;</p>
<p>Fazit: Zwar sind die filmischen Mittel in „Alles koscher!“ nicht überwältigend, und die Geschichte birgt wenig Überraschungen. Das große Verdienst von Baddiel ist aber, dass er sich traut, religiöse Fundamentalisten auf die Schippe zu nehmen. Der Plot von „Alles koscher!“ ist ein Plädoyer für religiöse Toleranz. Außerdem ist der Film sehr unterhaltsam. Comedian Omid Djalili sorgt dafür, dass das schwierige Thema leichtfüßig über die Leinwand gebracht wird.</p>
<p><strong>Janine Klemmt</strong></p>
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		<title>X-men – erste entscheidung</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 11:06:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Bekämpft man Feuer mit Feuer? Oder lieber mit Wasser? „X-Men: Erste Entscheidung“ ist ein sogenannter Prequel, also eine Vorgeschichte zu den anderen Teilen 1 bis 3. Die Grundlage: Es gibt Menschen auf der Welt, die wegen genetischer Mutationen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011_721.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13341" title="x men" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011_721-300x80.jpg" alt="" width="300" height="80" /></a>Bekämpft man Feuer mit Feuer? Oder lieber mit Wasser? „X-Men: Erste Entscheidung“ ist ein sogenannter Prequel, also eine Vorgeschichte zu den anderen Teilen 1 bis 3. Die Grundlage: Es gibt Menschen auf der Welt, die wegen genetischer Mutationen über außergewöhnliche Kräfte verfügen. In „X-Men: Erste Entscheidung“ treffen diese „Mutanten“ erstmals aufeinander. Die alte Frage danach, warum sich die Widersacher Prof. Charles Xavier und Erik Lehnsherr (alias Magneto) ständig mit „alter Freund“ ansprechen wird in diesem Film beantwortet.</p>
<p>Die X-Men-Filme – Verfilmungen der gleichnamigen Marvel-Comics – sind Dauerbrenner und haben ihre festen Anhänger. Nun wird es immer Menschen geben, die weder mit Comics noch mit Actionfilmen und erst recht nichts mit der Kombination von beiden anfangen können. Die X-Men-Geschichte bietet allerdings entgegen skeptischer Erwartungen nicht nur flache Action. Im Gegenteil. Sie ist überladen mit moralischen Fragen, wurde in den zeitgeschichtlichen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der Kubakrise eingebettet und ist dabei von Anfang bis Ende spannend.</p>
<p>Polen, 1944: Ein Junge wird im Konzentrationslager von seiner Mutter getrennt. Es ist Erik Lehnsherr, der in diesem Film noch zu seinem neuen Namen, Magneto, kommen wird. Was schon zuvor angedeutet wurde, wird nun vertieft: Man erfährt von allen Qualen, die Eric in seiner  Kindheit erfahren musste. Dem gegenüber steht die Entwicklung von Charles, dem später so gutherzigem Professor X. In „X-Men: Erste Entscheidung“ (Origibaltitel „X-Men: First Class“) erfährt man, wie die beiden als junge Männer von Freunden zu Feinden wurden. Zunächst kämpfen sie auf der gleichen Seite. Zusammen wollen sie Mutanten aufhalten, die in der Kubakrise eine Atomkatastrophe real werden lassen wollen. Doch zum Schluss kommt es anders.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011-1_72.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-13342" title="x men" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011-1_72-300x153.jpg" alt="" width="300" height="153" /></a>Der Film spricht eine Wahrheit aus, die nicht oft genug erwähnt werden kann. Nämlich dass vor allem die Lebensumstände Menschen zu dem machen, was sie sind. Und dass es mehr Sinn macht, die Entwicklungen und Beweggründe der Menschen nachzuvollziehen, als ein Feindbilder aufzubauen. Aber manche Menschen haben dazu nicht die Kraft. Der Mangel an Vertrauen in die Menschheit und die Wut lassen Magneto verbittert und böse werden. Beides resultiert aus den tragischen Ereignissen in seiner Kindheit.</p>
<p>Doch auch die Comiceffekte kommen neben diesen ernsten Themen natürlich nicht zu kurz. Teleportierte U-Boote und Raketen fliegen durch die Luft, es gibt rote Blitze und spannende Kämpfe. Die Superkräfte der Helden und Antihelden werden wie immer ausreichend demonstriert.</p>
<p>Zwischendurch ist der Film sogar ungewohnt leichtfüßig: Als die jugendlichen Mutanten aus dem ganzen Land sich zusammenschließen, kommen sie in einem großen Schloss unter. Dort lernen sie unter der Leitung des Professors, ihre Kräfte richtig zu nutzen, und es geht natürlich so einiges schief. Das erinnert schon fast an den Zauberschulcharakter der alten Harry-Potter-Filme.</p>
<p>Besonders interessant ist der Film allerdings für Insider: Der Publikumsliebling Wolverine hat tatsächlich nur einen kurzen Auftritt, aber – wenn man die Figur kennt – einen lustigen. Und: Man erfährt wie der Name X-Men zustande kam, wie sich Mystique entwickelte, wie Magneto zu seinem Helm kam und letztendlich auch, warum Professor X im Rollstuhl sitzt. Allerdings gibt es leider an dieser Stelle Unstimmigkeiten mit den anderen Filmen. „X-Men: Erste Entscheidung“ zeigt die Szene, die dazu führt, dass der junge Professor im Rollstuhl sitzt. Allerdings sieht man ihn in anderen Filmen auch noch als älteren Mann laufen. Das ist einer von mehreren groben Fehlern, die auftreten und für Verwirrung sorgen.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011-2_72.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13343" title="x men" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/54-88_SK_Juli_2011-2_72-284x300.jpg" alt="" width="284" height="300" /></a>Regisseur Matthew Vaughn ist es gelungen, Rassismus und Angst vor dem Fremden auf einer der Poltik und Geschichte übergeordneten Ebene darzustellen. Zwar werden diese Themen in Zusammenhang mit Krieg und Wettrüsten präsentiert, aber Realpolitik steht nicht im Fokus. Die Erzähl-Ebene bleibt fantastisch, es gibt Mutanten und Nichtmutanten und Konflikte zwischen beiden Gruppen. Polarisiert werden auch die Charaktere.  Charles verkörpert die gute Seite – Erik, der sich entschließt, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, steht ihm gegenüber.</p>
<p><strong>JK</strong></p>
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		<title>true grit</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 09:33:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2011-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Coen-Brüder liefern mit der Neuadaption des John-Wayne-Westernklassikers "Der Marschall" (1969) - dem Titel entsprechend draufgängerisch - ihren bislang kommerziellsten Film. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Rooster-Cogburn-und-Mattie.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10040" title="Rooster Cogburn und Mattie" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Rooster-Cogburn-und-Mattie-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Dabei orientieren sich die Coens für ihren nach &#8220;No Country For Old Men&#8221; zweiten Abstecher ins Westerngenre nicht nur an Henry Hathaways Inszenierung, sondern vor allem an Charles Portis&#8217; Romanvorlage &#8220;Die mutige Mattie&#8221; aus dem Jahr 1968. Darin erinnert sich eine alte Jungfer wie sie in den Pioniertagen des Wilden Westens als eigensinnige Vierzehnjährige zwei Kopfgeldjäger anheuerte und begleitete, um den Mörder ihres Vaters dingfest zu machen. In dieser Rolle des unbeirrbaren jungen Mädchens, das sich in einer rauen Männerwelt nicht unterkriegen lässt, sehen wir die  Neuentdeckung Hailee Steinfeld. Sie kann sich durchaus gegenüber ihren hochkalibrigen Kostars Jeff Bridges, in der Wayne-Rolle des knorrigen Marschalls Rooster Cogburn, und Matt Damon, im Glenn-Campbell-Part als eitler Texas Ranger La Boeuf, behaupten, wobei ihre extrem glatte, altklug-unberührte Charakterbeschreibung einem eher auf die Nerven geht, als sie für sich einzunehmen. Bridges verpasst Cogburn seinen eigenen unverkennbaren Stempel, womit er Wayne (der für die Verkörperung dieser ikonischen Figur seinen einzigen Oscar erhielt) allerdings nicht das Wasser abgräbt. Ausgerüstet mit Augenklappe und Whiskey-getränkter Reibeisenstimme, die seinen Dialog oftmals unverständlich macht, kreiert &#8220;The Dude&#8221; Bridges ein uriges Unikum, dessen harte Schale einen weichen Kern verdeckt &#8211; wenn auch dieser Charakter ebenfalls ein wenig zu glatt und berechenbar ist. <a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Jeff-Bridges-als-Rooster-Cogburn.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10041" title="Jeff Bridges als Rooster Cogburn" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Jeff-Bridges-als-Rooster-Cogburn-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Nur widerwillig geht Cogburn einen Deal mit der hartnäckigen Mattie ein, Tom Chaney (Josh Brolin), den feigen Killer ihres Vaters Frank Ross zur Verantwortung zu ziehen. Dafür gilt es sich in gefährliches Indianerterritorium zu begeben, wo sich zudem noch andere Outlaws tummeln. Zu Matties Unbill macht Cogburn mit Texas Ranger La Boeuf gemeinsame Sache, den sie als lächerlichen Rodeo-Clown abkanzelt. Zu dritt reiten sie durch die karge weitläufige Winterlandschaft und werden alsbald mit allerhand Problemen inklusive lebensgefährlichen Shootout konfrontiert. Die emotionale Dynamik des Trios wandelt sich allmählich und gegenseitiger Respekt und selbst leise Anklänge von väterlicher und romantischer Liebe lassen sich ausmachen. Nach langer Odyssee laufen sie schließlich Chaney und seiner Gang über den Weg und es kommt zum tragischen Showdown. Die Coens durchleuchten einmal mehr einen mit exzentrischen Figuren bevölkerten Kosmos, der diesmal (aufgrund des PG13-Ratings?) einer breiteren Publikumsschicht zugänglich ist. Sie verzichten auf extreme Gewalteruptionen. Nach dem Oscar für &#8220;No Country For Old Men&#8221; setzen die Brüder ihren kreativem Höhenflug fort. &#8220;True Grit&#8221; erscheint als eine weitere absolut mühelos elegante Fingerübung. Doch vom allzu pathetischen Score bis zu klischeehaften, aber leider völlig ironiefreien Überzeichnungen des Genres (jeder der nervt, wird einfach mal erschossen), den relativ platt gezeichneten Charakteren, die ohne zu frieren ohne Schal und Handschuhe stundenlang durch eine Schneeidylle reiten, endlosen Dialogen und viel zu wenig Handlung, bleibt der Film aber leider auch nicht mehr.</p>
<p><strong>Johanna Kienitz</strong></p>
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		<title>brothers</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 15:24:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2011-01]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenige Stunden nach der Entlassung des Taugenichtses Tommy (Jake Gyllenhaal) aus dem Gefängnis verlässt sein in der Armee erfolgreicher und glücklich verheirateter Bruder Sam (Tobey Maguire) das Land für einen Einsatz in Afghanistan.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenige Stunden nach der Entlassung des Taugenichtses Tommy (Jake Gyllenhaal) aus dem Gefängnis verlässt sein in der Armee erfolgreicher und glücklich verheirateter Bruder Sam (Tobey Maguire) das Land für einen Einsatz in Afghanistan. Doch dann wird Sams Helikopter abgeschossen, und die Familie beginnt, ein Leben ohne Sam zu führen.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Tobey-Maguire-als-Sam.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10452" title="Tobey Maguire als Sam" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Tobey-Maguire-als-Sam-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Jim Sheridans Remake orientiert sich stark an Susanne Biers Vorlage, viele Szenen sind zumindest vom Wortlaut nahezu identisch. Und doch ist ein grundsätzlich anderer Film entstanden. Während Bier eine komplexe Familiengeschichte über die eigentlich maßgeblich im US-amerikanischen Independent-Kino verhandelten Themen Verlust, Zerfall und Einsamkeit rund um die beiden titelgebenden Brüder konzipiert, ist Sheridans Neuverfilmung eindeutig auf eine historische Situation zugeschnitten und dabei leider auch wesentlich eindimensionaler. Der Film erzählt eine Heimkehrergeschichte, legt den Fokus auf die politisch traumatisierte US-amerikanische Gesellschaft und ist damit unangenehm aufdringlich. Schon in der Eingangssequenz werden Raum und Handlung konkret als US-amerikanische Geschichte markiert. Flaggen der Vereinigten Staaten wehen im Wind, eine Einheit der US-Marines joggt über ein Trainingsgelände. Immer wieder werden Erinnerungssymbole an den Krieg, wie etwa Schilder mit der Aufschrift „Save our fallen soldiers“ oder aber Aufnahmen von signalroten Feuerwehrfahrzeugen, Bilder, die sich nach 9/11 in das kulturelle Gedächtnis eingeschrieben haben, präsentiert. Es geht es also nicht um irgendeine Nation, die Krieg führt oder geführt hat und von diesem traumatisiert ist, sondern konkret um die US-amerikanische Bevölkerung. Auch dem Kriegsgegner wird  im Gegensatz zum Original ein Gesicht gegeben. Bei Tommys Begrüßungs- und Sams Abschiedsessen auf amerikanischem Boden fragt Tommy seine Nichten, wer denn „the bad guys“ seien, worauf eines der Mädchen mit „The ones with the beards“ antwortet. In den wenig später folgenden, in Afghanistan spielenden Szenen fangen die unmotivierten Handkameraaufnahmen von Frederick Elmes immer wieder die bärtigen und mit dunklen Augen Furcht erregenden Gesichter der Taliban ein, während die Dogma-Regisseurin in ihrer Vorlage nahezu ohne Close-ups auskam. Biers Skizzierung „des Bösen“ blieb in uneindeutig, da ihr Interesse vielmehr einem grundsätzlich traumatischen Erlebnis, seinem Schmerz, dem Leid und der Zerrüttung, die dieses Erlebnis hervorrufen kann, gegolten hat. Auch auf der Ebene der Figuren spielt der Terminus Adaption eine signifikante Rolle: Nachdem Sams Familie in der Heimat die Nachricht von dessen Tod übermittelt wurde, entwickelt sich der vormals sozial geläuterte Tommy zunehmend zu einem liebevollen Familienoberhaupt. Tommy adaptiert die Rollen Sams als Vater, Sohn und Partner und erfüllt seine Aufgaben scheinbar besser als das „Original“. So versucht Tommy, über die Anfeindungen seines Vaters hinwegzublicken, spielt liebevoll und zeitintensiv mit seinen Nichten, versteht die Witze und Gedankengänge der Familie sowie die Bedürfnisse seiner Schwägerin Grace (Natalie Portman). In deren Küche, die im Laufe des Films umgebaut wird und damit symbolischen Wert besitzt, kreuzen sich immer wieder die Lebenswege der einzelnen Charaktere, die meist in der Konversation mit Tommy ihren Fluchtpunkt finden. Auf diesen wenigen Quadratmetern entwickeln sich sowohl im Original als auch im Remake Veränderungen in den Verhältnissen der einzelnen Familienmitglieder zueinander, die Sams Präsenz im Familiengefüge zunehmend obsolet werden lassen oder als Störfaktor entlarven.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Jake-Gyllenhaal-als-Tommy.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10451" title="Jake Gyllenhaal als Tommy" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Jake-Gyllenhaal-als-Tommy-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Gespielt wird die Rolle Tommys von einem fantastischen Jake Gyllenhaal.  Mit einem Spiel, das an seine Leistung in „Brokeback Mountain“ heranreicht, füllt Gyllenhaal nahezu jede Szene voller Präzision aus. Hinter Gyllenhaals Blicken für Grace verbirgt sich ein tiefer Abgrund zwischen Anziehung und Angst. Vor allem jedoch in den Begegnungen mit der Vaterfigur Hank (Sam Shepard) kann Gyllenhaal seine ganze spielerische Bandbreite zeigen. Nahezu jedes Wort, das er Tommy sprechen lässt, klingt, das gestörte Vater-Sohn-Verhältnis anzeigend, gepresst und kräftezehrend.</p>
<p>Im Gegensatz zu Gyllenhaal hält Natalie Portman in der Rolle der Schwägerin und Mutter dem Vergleich mit Connie Nielsen im Original nicht stand. In diversen Filmen hat sie bewiesen, dass Portman durchaus zugleich zerbrechlich, stark und erotisch wirken kann,  doch hier ist davon leider wenig zu sehen. Zwischen Portman und Gyllenhaal knistert es ebenso wenig wie zwischen Portman und Maguire. Auch die Rolle der fürsorglichen, zweifachen Mutter nimmt man der Kindfrau Portman nicht ab.</p>
<p>Und so stellt sich heraus: Über den Vergleich zwischen Original und Remake ergeben sich zwar anregende Beobachtungsperspektiven, diese reichen jedoch nicht aus, um die Existenz von Sheridans enttäuschendem Film zu rechtfertigen.   <strong>JK</strong></p>
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		<title>nowhere boy (gb/kanada, 2009)</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 10:38:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2010-12]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwann musste es ja kommen – endlich ein Film über John Lennon. Juchee. Hurra. Trullala. Ziemlich traurig...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/67_SK_Dezember_2010_72.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-11798" title="67_SK_Dezember_2010_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/67_SK_Dezember_2010_72-300x186.jpg" alt="" width="300" height="186" /></a>Irgendwann musste es ja kommen – endlich ein Film über John Lennon. Juchee. Hurra. Trullala. Ziemlich traurig, aber irgendwie kann man sich in Zeiten, aus denen wirklich aus  jeder erdenklichen Person am besten sogar noch zu Lebzeiten auf Biegen und Brechen ein „Biopic“ zusammengewurstet wird, überhaupt nicht mehr über diese ursprünglich gar nicht mal so üble Idee freuen. Das ist schade. Die Zeiten, in denen irgendetwas geheimnisvoll war oder überraschend oder unberechenbar, sind definitiv vorbei und fast gewinnt man den Eindruck, dass jeder nachrückende Künstler bereits zu Beginn seiner Karriere stets mit dem Gedanken im Hinterkopf agiert, dass aus allem, was er tut, später mal ein Film werden kann und soll. Facebook, Gala, mittlerweile sogar die Tagesschau, setzen sich tagtäglich direkt mit dem auseinander, was ein „Star“ tut und lässt, wie und warum er es tut oder lässt, was er isst oder nicht, was er anzieht oder auch nicht (selbst Nacktheit ist nur noch laaangweilig) und in welchem Kontext sein Werk zu verorten ist. Lena Meyer-Landruts Papa oder Giovanni di Lorenzos moralische Verfehlungen kennt jeder 6-Jährige auf der Welt. Madonnas Tochter ist schon jetzt ein Weltstar. Gähn. Rock&#8217;n'Roll ist was anderes, und interessant ist das alles schon lange nicht mehr.</p>
<p>John Lennon – einen härteren Brocken hätte man sich kaum vornehmen können. Und natürlich – selbst das ist so lächerlich berechenbar, doch anders logischerweise auch gar nicht möglich – bleibt das ganze Beatles-Kapitel unberührt („überraschender Kniff“, „respektvoller Dreh“ &#8211; bitte, kann jemand neue Wörter erfinden!). Und dennoch kann man wohl behaupten, dass nur die Wenigsten von Lennons Vorgeschichte wissen. Stichwort „schreckliche Kindheit“.</p>
<p>Matt Greenhalghs Drehbuch konzentriert sich auf Lennons (Aaran Johnson) Jugend in Liverpool – und auf seine Zerrissenheit zwischen Tante Mimi (Kristin Scott Thomas), bei der er aufwächst, und seiner richtigen Mutter Julia (Anne-Marie Duff), die er erst als Teenager wirklich kennenlernt. Zuvor erfreut sich John der Tatsache, dass seine leibliche Mutter nicht nur ganz in seiner Nähe wohnt, sondern auch eine deutlich angenehmere Bezugsperson ist als seine Tante Mimi. Denn während diese weder Johns beginnende Begeisterung für die Musik noch sein schlechtes Benehmen in der Schule tolerieren will, lässt sich Julia von den rebellischen Eigenschaften ihres Sohns faszinieren und verstärkt Johns Rock’n’Roll-Attitüde noch (Irgendwie beschleicht einen zwischenzeitlich das Gefühl, dass seine Kindheit vielleicht gar nicht so herbe war und vielleicht für den Film noch etwas aufgeschlechtet wurde. Aber egal&#8230;). Dieser entstehenden Mutter-Sohn-Beziehung zuzusehen, macht schon Spaß, und auch die schönste visuelle Idee des Films illustriert diesen Teil der Handlung. Während wir John seine ersten Akkorde lernen sehen, ihm bei seinen Fortschritten an der Gitarre zuschauen, erscheint das Handeln der Personen um ihn herum im Zeitraffer, weil John es schon nicht mehr wahrnimmt. Während er vertieft ist in die Akkorde und Griffe, verschwimmt die Außenwelt zu einem abstrakten Gewusel. Szenen wie diese hätten einen starken Kern bilden können für diese Geschichte, aber der Einfall bleibt nur ein nettes Gimmick, eine schöne Abwechslung in einem ansonsten erschreckend biederen Film (wobei &#8211; meine persönliche Privatmeinung ist ja: die Beatles WAREN bieder).</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/68_SK_Dezember_20102_72.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11799" title="68_SK_Dezember_20102_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/68_SK_Dezember_20102_72-300x131.jpg" alt="" width="300" height="131" /></a>Das liegt nicht zuletzt an der Besetzung von Aaran Johnson, der den jungen Musiker spielt und weder nach Lennon noch nach einem 15-Jährigen aussieht. Während Kristin Scott Thomas und Anne-Marie Duff ihren eigentlich als Stereotypen angelegten Figuren dennoch Tiefe verleihen können, bleibt Johnsons Darstellung mehr als blass. Auch er hat seine starken Szenen, aber tragen kann er diesen Film nicht – und das wäre dafür, dass man ihm den späteren Beatles-Star abnehmen soll, wohl doch nötig gewesen. So bleibt die Tatsache, dass wir auf der Leinwand den jungen John Lennon sehen, eine Behauptung. Sicherlich ist das Drehbuch gut recherchiert, sicherlich erfährt man eine Menge über Lennons Hintergrund – bloß interessiert es einen hier überhaupt nicht, und der Film mutet eher wie eine fiktional nachgestellte Reportage an, weil man dem Bezug zum späteren Weltstar nur dann gewahr wird, wenn mal zufällig sein Name fällt.</p>
<p>„Nowhere Boy“ erzählt zweifellos eine spannende wahre Geschichte, aber man bekommt nicht erst im Laufe des Films das Gefühl, dass die Entdeckung einer bislang noch nicht für die Leinwand ausgewerteten Geschichte den einzigen Daseinsgrund für „Nowhere Boy“ darstellt – und dass Taylor-Wood, eigentlich bildende Künstlerin, diesen Film gemacht hat, um auch mal einen Film gemacht zu haben. Für den Lebenslauf quasi. Bzw. für die mögliche Verfilmung ihres Lebenslaufes. Von einer Künstlerin, die sich bislang vor allem mit Fotografie beschäftigt hat, hätte man also wenigstens visuell etwas mehr erwarten dürfen.</p>
<p>So bleibt der einzige Mehrwert von „Nowhere Boy“ sein spektakulärer Aufhänger mit dem Namen John Lennon. Doch dass dieser über allem schwebt, schadet dem Film letztlich mehr, als es ihm nützt. Während Lennons Geschichte mit anderen Mitteln hätte erzählt werden müssen, wohl auch mit einem anderen Hauptdarsteller, wäre die Erfahrung dieses Films ohne die ständig im Hinterkopf herumspukende Querverbindung zu der realen Person reicher gewesen. Sicherlich beschreibt der Film eine für Lennon sehr prägende Zeit und erklärt nicht zuletzt mancherlei Anspielung in seinen späteren Songtexten. Auch diese erzählen teilweise von Lennons Jugend – zwar nur implizit und poetisch verschleiert, aber doch wahrhaftiger als dieses überdeutliche und konventionelle Coming-of-Age-Drama. Was bleibt ist Brechreiz, das unerträglich schale Gefühl, auf dem übelsten aller Planeten zu leben und der dringende Wunsch, den Rest des Lebens mit Platten, über die man noch unbehelligt selber nachdenken kann, auf dem Sofa liegen zu bleiben, Fernseher aus dem Fenster, Computer aus dem Fenster, Handy aus dem Fenster und sterben als der einzige Mensch auf der Welt ohne verfilmbare Biografie. Fazit: der einzige, dem Biopics erlaubt sind, ist Gus van Sant. Vielleicht noch Sophia Coppola. Alle anderen auf der Welt: go home.</p>
<p>P.S. Hat eigentlich irgendwer Yoko Ono gefragt? Und nächstes Jahr gibt’s nen Film über sie. Moppelkotze.</p>
<p><strong>JK</strong></p>
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		<title>somewhere</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Nov 2010 09:06:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wunderschön ist bereits die erste Szene von Sofia Coppolas "Somewhere": In der Wüste, im titelgebenden Irgendwo, zieht ein schwarzer Ferrari einsam seine Kreise.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Somewhere.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10667" title="Somewhere" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Somewhere-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wunderschön ist bereits die erste Szene von Sofia Coppolas &#8220;Somewhere&#8221;: In der Wüste, im titelgebenden Irgendwo, zieht ein schwarzer Ferrari einsam seine Kreise. Zunächst fährt er unten durchs Bild. Dann verschwindet er, um nach einer Weile im oberen Teil des Bildkaders wieder zu erscheinen. Der Film zeigt das in einer langen ungeschnittenen Einstellung. Er lässt den Wagen drei, vier, fünf Mal durchs Bild fahren. Dann hält der Wagen an und der Fahrer steigt aus. Der Fahrer ist der berühmte Schauspieler Johnny Marco (Stephen Dorff), der gerade seinen neusten Blockbuster zu Ende gedreht hat und nun seinem vollkommen entspannten Leben im berühmten Chateau Marmont Hotel in Los Angeles nachgeht. Party mit Freunden, Alkohol, wilde Autofahrten und Frauen – viele Frauen – das prägt seinen Alltag. Gerne besuchen ihn zwei Pole-Tänzerinnen, die ihre Stangen gleich selber mitbringen und aufbauen. Doch Johnny genießt das nicht. Alles läuft vor seinem gelangweilten Blick ab, als wären die ganzen Annehmlichkeiten das Langweiligste der Welt. Erst als seine 10-jährige Tochter Cleo (Elle Fanning) von ihrer Mutter vorbeigebracht wird, beginnt er seinen Alltag mit ein wenig mehr Freude zu begehen.Wie schon ihr internationaler Durchbruch „Lost in Translation“ ist „Somewhere“ ein Hotelfilm geworden. Tatsächlich gibt es hier viele Momente, die an ihren bisher größten Erfolg erinnern. Coppola zeigt in leisen und wohlkomponierten Ellipsen Johnnys völlige Antriebslosigkeit: Wie er auf der Couch vorm Fernseher sitzt, langweilige Computerspiele spielt oder von seinem Bett aus die Pogo-Tänzerinnen betrachtet (und dabei einschläft). Damit trifft die Regisseurin wieder den tragikomischen Ton, der bisher nahezu alle ihrer Filme prägt. Aber „Somewhere“ ist unter einem anderen Gesichtspunkt wesentlich interessanter. Denn seine Macherin vollzieht eine geschickte Variation ihrer bisherigen Motive.Hotels, Schlösser, Vorstadthäuser &#8211; Sofia Coppolas Filme erzählen von Menschen, die im goldenen Käfig eingesperrt sind. Seien es die Schwestern in „Virgin Suicides“, Bill Murray und Scarlett Johannson in „Lost in Translation“ oder die französische Monarchin in „Marie Antoinette“. Damit setzt sich die Regisseurin mit ihrem eigenen Leben auseinander. Als Tochter des großen Francis Ford Coppola aufzuwachsen, muss nicht immer leicht gewesen sein – und ist es heute bestimmt auch nicht. Zwischen Reichtum und Ruhm findet sich nur wenig Zeit für Zuneigung und familiäre Wärme. Gerade die Beziehung zu ihrem Vater, die regelmäßig auch Thema in den großen und kleinen Branchenblättern war, steht im Mittelpunkt von „Somewhere“. Johnny ist alles andere als ein guter Vater für Cleo. Weder weiß er wie man kocht – schließlich lebt er in einem Hotel und dort gibt es den lebensrettenden Zimmerservice – noch, dass seine Tochter seit drei Jahre Eiskunstlaufunterricht nimmt. Dennoch protestiert er nicht, als Cleos Mutter ihm die Tochter ohne Gründe für einige Zeit übergibt. Das wirklich schöne an dieser Lethargie-Studie ist allerdings die Ruhe mit der Coppola erzählt. Sie umgeht konsequent herkömmliche dramaturgische Muster. So machen sich die Spannungen zwischen Tochter und Vater nur ganz nuanciert bemerkbar. Johnny merkt allmählich, wie leer und einsam es um ihn herum geworden ist; dass sein Leben sich ständig im Kreis dreht, so wie er bereits zu Beginn des Films vollkommen sinnlos durch die Wüste raste. Irgendwann ruft er Cleo zu: &#8220;Tut mir leid, dass ich nicht immer bei dir sein kann.&#8221; Vielleicht ist das etwas, das sich Coppola selbst von ihrem Vater gewünscht hätte, vielleicht hat er es ihr aber auch schon einmal gesagt. „Somewhere“ ist mit seinem versöhnlichen und verzeihenden Grundton der bisher persönlichste Film der Regisseurin geworden, die damit gleichzeitig zeigt, dass sie weiterhin zu den interessantesten Filmemacherinnen Hollywoods gehört. Ganz am Ende dieses Films schließt sich der Kreis. Wieder sieht man den schwarzen Ferrari. Wieder rast er durch das Bild. Doch diesmal fährt er gerade aus.</p>
<p>Diesmal haben wir uns etwas ganz besonderes für euch ausgedacht: eine exklusive Stadtkind-Preview! Am Montag, den 08.11. um 20.00 Uhr im Kino am Raschplatz seid ihr herzlich eingeladen, den Film schon drei Tage vor dem offiziellen Kinostart auf großer Leinwand zu genießen. Und es kommt noch besser &#8211; 25&#215;2 Freikarten  gibt es für Euch zu gewinnen. Was müsst ihr tun? Einfacher geht’s nicht: schickt einfach eine Mail an uns mit dem Betreff „Ich will ins Kino und habe kein Geld!“, und wenn ihr unter den ersten 25 Einsendern seid, dann habt ihr schon gewonnen und könnt euer Portemonaie getrost zu Hause lassen. <strong> JK</strong></p>
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		<title>banksy – exit through the gift shop</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 22:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2010-10]]></category>

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		<description><![CDATA[Ob Batman, Blu oder Burial – das „B“ scheint ein beliebter Anfangsbuchstabe für geheime Superhelden-Alter-Egos zu sein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>UK, 2010</strong></p>
<p>Ob Batman, Blu oder Burial – das „B“ scheint ein beliebter Anfangsbuchstabe für geheime Superhelden-Alter-Egos zu sein. Zwar gibt es mittlerweile Interviews mit ihm, aber die Parallelen zwischen Banksy, dem legendären und längst zum Bekanntesten seiner Zunft aufgestiegenen Streetartkünstler, und Batman sind frappierend. Liegt das an der offensichtlichen Schnittmenge zwischen Comic und Streetart? Oder verbergen sich die gemeinsamen Ursachen bei beiden in der frühen Kindheit? Wir wissen es nicht, und auch Banksys erster Spielfilm hinterlässt viele Fragen.</p>
<p>„Ein Film über einen Mann, der versucht hat, einen Film über mich zu drehen&#8221;, so beschreibt Banksy das Werk, und einige Recherchen ergeben, dass die Geschichte, die er im Film erzählt, zumindest dem Internet und der offiziellen Berichterstattung zufolge auch der Realität zu entsprechen scheint.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/10/Banksy.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-8995" title="Banksy" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/10/Banksy-300x184.jpg" alt="" width="300" height="184" /></a>Besagter Mann ist Thierry Guetta, ein eigentümlicher, aber geschäftstüchtiger Franzose, der früher kiloweise Textilien zu Schleuderpreisen einkaufte, sie „frisierte“ und als Designerware wieder verkaufte. Mit einem Sack Klamotten für 50 Dollar machte er auf diese Weise mitunter 5.000 Dollar Gewinn. Eines Tages gerät ihm unter ungeklärten Umständen eine Videokamera in die Hände, die er fortan nicht mehr loslässt und mit der er alles filmt, was ihm vor die Linse kommt.</p>
<p>Doch noch eine andere Sache fasziniert ihn: sein Cousin „Invader“ bastelt Space-Invader-Mosaike, die er nachts heimlich im öffentlichen Raum aufklebt. Unter dem Vorwand, eine Dokumentation über ihn drehen zu wollen, begleitet Guetta ihn fortan auf seinen nächtlichen Streifzügen und lernt so nach und nach die ganze gerade entstehende Streetartszene kennen, bis ihm 2005 sogar sein großes Idol Banksy vorgestellt wird. Auch ihm erzählt er von dem geplanten Dokumentarfilm (in Wahrheit landen alle Tapes unsortiert und unbearbeitet in irgendwelchen Rumpelkisten). Der ist sogleich davon angetan und lässt zu, dass Guetta ihm gefährlich nahe kommt und sogar bei der Arbeit filmt (natürlich nur von hinten).</p>
<p>Monate später präsentiert Thierry seine fertiggestellte Streetart-Doku: Ein stundenlanger Trip wahllos aneinandergeschnippelter Szenen und nichts als eine Qual für den Zuschauer. Banksy begreift: Dieser Franzose ist kein Filmemacher, sondern eben ein Typ mit einem Knall und einer Kamera. Er schickt ihn nach Hause. Soll Thierry sich zur Abwechslung doch selbst mal an der Kunst versuchen, während Banksy die Sache mit dem Film in Ordnung bringt: „Ich wollte einen Film machen, der für Streetart das bewirkt, was Karate Kid (The Karate Kid, 1984) für den Kampfsport bewirkt hat. Aber wie sich herausstellt, haben wir einen Film gemacht, der für Streetart so viel getan hat wie Der weiße Hai (Jaws, 1976) für den Wassersport.“ Das klingt erst einmal ein wenig wie Koketterie, denn natürlich ist der Film auch eine Hommage an die Streetart-Bewegung, ein Denkmal für die engagierten Menschen, die eine Mauer nicht als Mauer akzeptieren, sondern als Aufforderung verstehen, sie kreativ für Kunst und politischen Protest zu nutzen, und eine echte Dokumentation über Streetart und ihre wichtigsten Protagonisten der letzten zehn Jahre dazu, der es hauptsächlich mit Archivmaterial gelingt, die Aufregung und den Adrenalinrausch der nächtlichen Streetart-Aktionen zu vermitteln. Doch Banksys scheinbares Understatement drückt aus, dass der Londoner Künstler mit seinem Film tatsächlich mehr will als nur dieses Denkmal. Seinen eigentlichen Gehalt offenbart der Film im zweiten Teil, nachdem Thierry den Rat seines Vorbilds angenommen hat und unter dem Pseudonym „Mr. Brainwash“ selbst zum Künstler geworden ist.</p>
<p>Während Banksy bereits mit einer zunehmenden Kommerzialisierung seiner Werke zu kämpfen hat,  führt Thierrys Kunst den Streetart-Kult endgültig ad absurdum. Binnen kür-zester Zeit produziert der Franzose eine Vielzahl von Objekten und stellt mithilfe einer Marketing-Kampagne eine riesige Ausstellung in Los Angeles auf die Beine, die in den Medien gehypt wird und am Ende über eine Million Dollar Gewinn abwirft. Mit seiner Ermunterung zum künstlerischen Engagement hat Banksy ein Monster namens „Mr. Brainwash“ geschaffen, das die Szene nicht nur kommerzialisiert, sondern ihr ganzes Verständnis von Kunst und Politik in Frage stellt.</p>
<p>„Brainwashs“ kometenhafter Aufstieg macht einen Witz aus der Erfolgsgeschichte der Streetart, deren Werke inzwischen für viel Geld bei Sotheby’s verkauft werden. Einen guten Witz noch dazu. So gut, dass man versucht ist, nach der Vorführung „Brainwash“ zu googeln, um sicher zu gehen, dass nicht der Film selbst der Witz ist. Und tatsächlich – es gibt ihn. Und seine Werke werden zu satten Preisen gehandelt.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/10/Banksy-2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-8996" title="Banksy" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/10/Banksy-2.jpg" alt="" width="600" height="308" /></a></p>
<p>Aber ist das wirklich ein Beweis? Oder nicht auch nur wieder einer von Banksys Streichen? Wenn also „Mr. Brainwash“ nichts anderes als eine Banksy-Kunstfigur ist, dann wird der Film das Ausgebuffteste, was Banksy je geschaffen hat, und ein Statement über den Kunstmarkt, die Medien und den Wert bzw. die Definition von Kunst an sich. Banksy hätte dann gezeigt, wie einfach sich der Kunstmarkt und die Medien manipulieren ließen – er hätte auch aufgezeigt, wie das Prinzip der Kopie arbeitet (und das „Copy-and-Paste“-Prinzip einer Helene Hegemann gleich mitabgehandelt), wie Kitsch und Kunst untrennbar miteinander verbunden sind, wie es keinen objektiven Maßstab für Kunst geben kann, wie sie immer dem Kontext unterworfen ist, wie sie vielleicht sogar als Selbsttherapie funktionieren kann, und hätte zugleich noch die ewige Frage nach Authentizität und ihren Wert im Rahmen von Kunst gestellt. Und Damien Hirst eine Breitseite verpasst… Kurz: Dann wäre „Exit Through The Gift Shop“ einer der wichtigsten (und unterhaltsamsten!) Filme über Kunst überhaupt.</p>
<p>Selbstredend existiert keine Erklärung Banksys zu der Fake-Frage. Shepard Fairey (ein weiterer Streetart-Künstler, der ebenfalls eine zentrale Rolle im Film spielt) hingegen hat auf einer Podiumsdiskussion angeblich zugegeben, dass „Mr. Brainwash“ eigentlich „Invader“ ist – was im Rahmen des Films Sinn ergibt, da „Invader“ als „Cousin” von „Mr. Brainwash“ vorgestellt wird und zudem als einziger im ganzen Film – mit Ausnahme von Banksy – nie mit dem Gesicht zu sehen ist.</p>
<p>Und dennoch: Typisch Banksy – er macht sich lustig, aber er zeigt nicht mit dem Finger auf jene, die dem Hype anheim fallen, sondern konzentriert sich ganz auf Thierry: seine Schwärmerei, seine Rastlosigkeit, sein Verlangen, etwas zu tun, irgendetwas, Hauptsache dabei und kreativ sein. Thierrys Motivation bewegt diesen Film, nicht Schadenfreude oder der Zeigefinger. Er ist also quasi auch als sozialpsychologische und gesellschaftskritische Studie zu verstehen, eventuell sogar als Seitenhieb auf Banksys eigene Biografie. Alles andere ergibt sich nebenbei.</p>
<p>Während der Film sein ursprüngliches Ziel – die Dokumentation einer flüchtigen Kunst – auch noch miterledigt, streift er die Grundlagen: Wie wird man Künstler? Wer entscheidet darüber? Wie „wahr“ sind Dokumentationen? Und: Ist Thierry verrückt? Keine Fragen, die nicht schon mal gestellt wurden. Aber wohl noch nie auf derart raffinierte und unterhaltsame Weise. Ist das wirklich alles Zufall? Oder ein geniales Konzept? Nur Banksy kennt die Antwort.</p>
<p><strong>Johanna Kienitz</strong></p>
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		<title>kleine wunder in athen (d/gr, 2009)</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Aug 2010 13:19:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2010-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Der schrullige Ladenbesitzer Stavros (Antonis Kafetzopoulos) und seine nicht minder schrulligen Freunde sind überhaupt nicht begeistert, als albanische Bauarbeiter im Auftrag der Stadt mit der Arbeit an einem Denkmal für „interkulturelle Solidarität“ beginnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/54-89_SK_August_10_723.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-12188" title="54-89_SK_August_10_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/54-89_SK_August_10_723-300x147.jpg" alt="" width="300" height="147" /></a>Der schrullige Ladenbesitzer Stavros (Antonis Kafetzopoulos) und seine nicht minder schrulligen Freunde sind überhaupt nicht begeistert, als albanische Bauarbeiter im Auftrag der Stadt mit der Arbeit an einem Denkmal für „interkulturelle Solidarität“ beginnen. Nicht nur, dass die kaum befahrene Kreuzung im Athener Viertel Akademia Platonos dann nicht mehr für ihre improvisierten Fußballspiele herhalten kann. Auch mit der interkulturellen Solidarität ist es bei den vier Griechen nicht sehr weit her – schon die Bedeutung der beiden Worte herzuleiten fällt ihnen schwer. Kurzerhand verjagen sie die albanischen Arbeiter, zerstören die Baustelle und erklären dem Projekt den Krieg. „Ihr baut auf, wir zerstören“, kündigt Stavros an und formuliert damit aus, was Regisseur Fillipos Tsitos über die Beziehung von Griechen und Albanern in Athen zu sagen hat.</p>
<p>„Albaner, ihr werdet niemals Griechen sein“ – das ist die fremdenfeindliche Parole, die hier nicht nur bei Fußballspielen zum Besten gegeben wird. Für unsere Freunde ist die Sache klar: Die schmutzigen Albaner machen die schmutzigen Jobs, man erkennt sie immer schon von Weitem, notfalls auch deshalb, weil sie zuverlässig von Hund Patriot angebellt werden. Während die Albaner aber irgendwie dazugehören und man sich durch ihre Anwesenheit zumindest selbst besser fühlen kann, machen die mittlerweile ins Viertel strömenden Chinesen den Griechen regelrecht Angst. Gegenüber von Stavros’ Laden baut eine chinesische Familie gerade ein Geschäft für italienische Designermode auf. Nicht nur, dass die Asiaten deutlich schneller arbeiten als die Albaner, sie scheinen sich auch täglich zu vermehren. Ob „wirklich alle von denen, die da rauskommen, auch vorher hineingegangen“ seien, fragt Stavros nachdenklich, als die griechischen Strategen vor ihren Läden die wuseligen Chinesen beobachten.</p>
<p>Doch für Stavros ist der Umbau seiner Kreuzung noch nicht einmal das größte Problem. Er leidet an chronischer Schlaflosigkeit und muss sich zudem um seine nach einem Schlaganfall stark hilfsbedürftige Mutter kümmern. Und Stavros erleidet fast selbst einen solchen, als der Albaner Marenglen (Anastasis Kozdine), über den sich seine Freunde noch am Vormittag lustig gemacht hatten, in seinem Wohnzimmer sitzt. Stavros’ Mutter glaubt sich auf einem alten Kinderfoto Marenglens wiederzuerkennen und erklärt dem schockierten Griechen, dass der Albaner ihr verlorener Sohn sei, den sie vor langer Zeit bei der Umsiedlung nach Athen zurücklassen musste. Von der Echtheit des Fotos lässt sich Stavros nicht so leicht überzeugen, die Frau mit den zwei Kindern auf dem vergilbten Foto könnte auch jede andere Frau sein. Eine andere Tatsache irritiert ihn erheblich stärker: Seine Mutter spricht plötzlich fließend albanisch.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/54-89_SK_August_102_722.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-12190" title="54-89_SK_August_102_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/54-89_SK_August_102_722-300x156.jpg" alt="" width="300" height="156" /></a>Das Fremde ist da, um es abzuweisen, um sich in der Differenz zu ihm der eigenen Identität bewusst zu werden. Doch was, wenn das Fremde auf einmal Teil dieser Identität ist? So muss sich Stavros nicht nur an die Anwesenheit eines Albaners in seinem Leben gewöhnen, weil die vorher so apathische Mutter durch diesen wieder zu neuem Leben erweckt wird. Vor allem beginnt er sich zu fragen, wie viel Albaner in ihm selbst steckt. Seinen Freunden kann er dieses existenzielle Problem kaum anvertrauen, und seine Mutter kann schon gar nicht begreifen, warum sich ihr Sohn mit dem vermeintlichen Bruder nicht so richtig verstehen will. Sie schleppt Stavros sogar in eine albanische Kneipe mit, in der dem Griechen zum ersten Mal die Bedeutung von Fremdsein klar wird: Er muss betreten schweigen, als ihm die Moderatorin der Bühnenshow auffordert, die berühmte Strophe eines albanischen Liedes mitzusingen, und auf die Toilette traut er sich nicht, weil er die Hinweisschilder für Frau und Mann nicht übersetzen kann.</p>
<p>Stavros steckt also in der denkbar schwierigsten aller Identitätskrisen: Hilflos muss er der Tatsache ins Auge sehen, dass er womöglich selbst zu denen gehört, auf die er ein Leben lang herabgeblickt hat. Tsitsos geht mit dieser Konstellation zwar plakativ vor, aber vielleicht ist gerade das nötig, um in seinem Heimatland eine Diskussion anzuregen. Mit der Synthese aus dem Heiligen (der eigenen Mutter) und dem verhassten Fremden (dem Albaner) dürfte er zumindest einen Teil des griechischen Publikums erfolgreich provoziert haben. Denn wo für den deutschen Zuschauer der Spaß an den kaurismäkiesken Figuren und die absurde Komik der Situation überwiegen mag, ist egal. Ob die Geschichte um den verlorenen Sohn nun der Wahrheit oder doch eher der Verwirrtheit der Mutter geschuldet ist, darum geht es Tsitos immer weniger. Ihm gelingt etwas ganz anderes: mit einem kleinen, verschrobenen und dabei sehr liebenswerten Film auf ein noch immer totgeschwiegenes Problem aufmerksam zu machen. Kleine Wunder in Athen hat eine Debatte angestoßen über interkulturelle Schwierigkeiten im heutigen Griechenland und gesellschaftlich vermittelten Fremdenhass. Einfache Lösungen wie die Entscheidung des Stadtrates zum Bau des eingangs erwähnten Denkmals kann es für dieses Problem nicht geben. Denn einer nicht vorhandenen interkulturellen Solidarität kann nur schwerlich gedacht werden. Stavros reflektiert über seinen Fremdenhass erst, als er mit der Möglichkeit konfrontiert wird, selbst ein Fremder zu sein. Die griechische Gesellschaft wird andere Wege finden müssen.</p>
<p><strong>JK</strong></p>
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		<title>mammut</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 22:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2010-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Es geht um alles und um nichts, und am Ende singt wie immer Cat Power. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/Mammut_72.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-8227" title="Mammut" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/Mammut_72-300x273.jpg" alt="" width="243" height="221" /></a>In Zeiten von Globalisierung und episodischem Erzählen werden wir uns beim Film an den globalen Schnitt gewöhnen müssen. Wurden weite Distanzen im klassischen Kino noch fast immer durch eine Figur überbrückt und dieser Übergang mit dem Zwischenschnitt etwa einer Flugzeuglandung visualisiert, muss sich der Filmzuschauer in der Ära von Mobiltelefonen und Internet darauf einstellen, binnen Sekunden von einem Kontinent zum anderen zu springen. Ein Pionier auf dem Gebiet dieses globalisierten Films ist der Mexikaner Alejandro González Iñárritu, der vor vier Jahren mit seinem Episodenfilm Babel (2006) den Regiepreis in Cannes gewinnen konnte.</p>
<p>Dem Pionier folgen die Nachahmer: Der Schwede Lukas Moodysson („Raus aus Amal“) bemüht sich gar nicht erst um das Kaschieren seiner Inspirationsquelle. Die Eheprobleme eines jungen New Yorker Paares, das Schicksal ihrer Immigranten-Haushälterin, zwei rührend anzusehende Geschwisterkinder auf den Philippinen, Nachtclubszenen in Thailand, und überall wird ständig telefoniert – das alles sind nur leichte Abwandlungen von Motiven, die wir aus Iñárritus Film kennen. Wo in diesem aber ein zentrales Ereignis die Episoden von innen zusammenhält, strebt Moodyssons Film nach außen, verliert jeglichen Bezugspunkt und droht vor lauter neuen Handlungssträngen und Motiven auseinanderzufallen.</p>
<p>Gael García Bernal und Michelle Williams als Eheleute Leo und Ellen Vidales dienen in Mammut noch am ehesten als Motor der Handlung. Leo ist ein Startup-Unternehmer, der mehr zum Spaß ein Online-Netzwerk gegründet hat und sich nun auf einmal in Thailand wiederfindet, wo er einen Vertrag mit einem asiatischen Investor über einen zweistelligen Millionenbetrag unterzeichnen soll. Während Leo – ziemlich lost in translation – erst im Luxushotel und später während eines spontanen Rucksack-Abenteuers zu sich selbst findet und mit Elend und Sex-Tourismus konfrontiert wird, bleibt Ellen mit Tochter Jackie in New York zurück und macht eine ähnlich schwierige Entwicklung durch: Sie muss erkennen, dass Haushälterin Gloria längst zur beliebteren Mutterfigur für die kleine Jackie geworden ist, die lieber philippinische Tagalog-Vokabeln übt, als mit ihrer Mutter Pizza zu backen. Gloria wiederum wird von ihren beiden Söhnen auf den Philippinen vermisst, die verzweifelt nach Arbeit suchen, um ihrer Mutter die baldige Rückkehr zu ermöglichen. Diesen in jeder Hinsicht überfrachteten Plot nutzt Moodysson, um eine Vielzahl von gesellschaftlichen Themen anzuschneiden, zu denen er nichts Substantielles zu sagen hat. Auch emotional kann Mammut nicht überzeugen, vor allem im letzten Drittel lässt der Film gerade wegen seines zwanghaften Bemühens um affizierende Sequenzen erstaunlich kalt. Was auch mit der Wahl stilistischer Mittel sowie der Verwendung von sentimentalen Popsongs zusammenhängt. Hier erinnert Mammut streckenweise an US-amerikanische Independent-Produktionen der jüngeren Zeit, die sich häufig als unfreiwillige Independent-Parodien entpuppten. Dem Schweden lässt sich noch zugute halten, dass er sich im Gegensatz zu anderen überhaupt an einen Großentwurf wagt und für manche globalen Zusammenhänge unserer Zeit durchaus passende filmische Ideen entwickelt hat. Wenn Ellen bei einem Planetariumsbesuch mit ihrer Tochter angesichts der Endlosigkeit des Universums die Tränen kommen und Leo fasziniert vor einem wilden Elefanten stehen bleibt, dann lässt man sich trotz der eher simplen und überdeutlichen Symbolik von Mensch und Kosmos für einen Moment auf die Figuren ein und erkennt zumindest das Potenzial, das in dem Projekt steckt. Letztlich kann Mammut dieses Potential aber nicht ausschöpfen und scheitert am eigenen Anspruch. An zu vielen Orten spielen sich zu viele Konflikte um zu viele Figuren ab. Vor allem der Vergleich zum offensichtlichen Vorbild Babel lässt die Defizite deutlich hervortreten: Iñárritu schwächt die globalen Sprünge des Drehbuchs filmisch ab, nimmt den Übergängen durch visuelle Analogien die Härte des Schnitts und etabliert sie als Verbindungsglieder zwischen den Welten. In Mammut dagegen ist fast jeder Übergang störende Zäsur. Moodysson schneidet zwischen den USA, Thailand und den Philippinen so häufig und willkürlich hin und her, dass wir uns auf keine der drei Welten und ihre Figuren einlassen können. Der globale Schnitt wird zum Selbstzweck, der kein kohärentes Werk mehr zulässt. Es geht um alles und um nichts, und am Ende singt wie immer Cat Power.</p>
<p><strong>JK</strong></p>
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		<title>der fantastische mister fox</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 22:00:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2010-05]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit seinem perfekt sitzenden zweireihigen Anzug und seinem rhetorischen Talent ist dieser Fuchs der geborene Verführer. Lange widerstehen kann ihm niemand.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>USA, 2009</strong></p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Kino3_72.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-7489" title="Der fantastische Mister Fox " src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Kino3_72-300x163.jpg" alt="" width="300" height="163" /></a>Wilden Gerüchten zufolge soll der amerikanische Filmemacher Wes Anderson seinen ersten Animationsfilm „Der fantastische Mr. Fox“, eine Stopmotion-Adaption des gleichnamigen Kinderbuches von Roald Dahl, von Zuhause aus inszeniert und seine Regieanweisung einfach per E-Mail geschickt haben. Diese Story passt natürlich perfekt zu Andersons Image als leicht verschrobener Exzentriker, der sich mit seinen bizarren Familien-Filmen (Die Royal Tenenbaums, Die Tiefseetaucher, Darjeeling Limited) eine ganz eigene Nische in der Traumfabrik erobert hat. Auch der Film ist trotz der ungewohnten Machart unverkennbar von Wes Anderson. Und dank seines überaus skurrilen Witzes und seiner zutiefst anarchistischen Grundhaltung zählt er schon jetzt zu den genialsten Animationsfilmen der heutigen Zeit. Mr. Fox (Stimme: George Clooney) war immer der bes-te Hühnerdieb weit und breit. Sich in einen Stall zu schleichen und dort nach Belieben Beute zu machen, lag nicht nur in seiner Natur; das war einfach seine Berufung. Doch aus Liebe zu seiner Frau Mrs. Fox (Meryl Streep) und seinem kleinen Ash (Jason Schwartzman) hat er seine Passion aufgegeben. Nun führt er ein ruhiges Leben in einem zum Fuchsbau umgestalteten Baum und verdient sein Auskommen als Kolumnist für eine Zeitung. Alles könnte perfekt sein, gäbe es da nicht seine drei Nachbarn, die reichen Bauern Grimm, Gräulich und Grob, die die größten Geflügelzuchten des Landes ihr Eigen nennen. Grob ist darüber hinaus noch der erfolgreichste Produzent von Apfelweinen. Natürlich ist die Versuchung für Mr. Fox einfach zu nah und auch viel zu groß. Schließlich plant er drei perfekte Raubzüge und führt sie zusammen mit seinem Freund Kylie (Wallace Wolodarsky), einem furchtsamen, aber treuen Opossum, durch. Nur macht er sich die drei gierigen Bauern damit zu Todfeinden. Angeführt von dem sadistischen Trinker Grob nehmen sie das Heim der Familie Fox unter Beschuss…</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Kino_72.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-7490" title="Der fantastische Mister Fox " src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Kino_72-300x158.jpg" alt="" width="216" height="113" /></a>Immer wieder hat Wes Anderson von dysfunktionalen Familien und launenhaften Patriarchen erzählt. Die Tennenbaums leiden genauso wie die Zissous in den „Tiefseetauchern“ unter den Schrullen und Obsessionen übermächtiger Väter. Ein Entkommen gibt es nicht. Selbst nach ihrem Tod haben – davon zeugen die Whitmans in „Darjeeling Limited“ – Andersons kaputte, aber eben auch ungeheuer charismatische Familienfürsten ihren Clan noch fest in der Hand. Mr. Fox, der in der Originalversion den unwiderstehlichen Charme George Clooneys versprüht, fügt sich perfekt in diese Galerie der verantwortungslosen Väter ein. Mit seinem perfekt sitzenden zweireihigen Anzug und seinem rhetorischen Talent ist dieser Fuchs der geborene Verführer. Lange widerstehen kann ihm niemand. Nur ist – und das wissen alle, die ständig mit ihm zusammen leben, ganz genau – sein Egoismus eben noch viel größer als der Zauber, den er ausstrahlt. Und so sind seine Frau und sein Sohn, der immer in einem selbstgebastelten Superhelden-Cape herumläuft, eben nicht nur seine Familie, sondern auch seine Opfer.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Kino2_72.jpg"><img class="size-medium wp-image-7488  alignright" title="Der fantastische Mister Fox " src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Kino2_72-300x169.jpg" alt="" width="243" height="137" /></a>Dieser Mr. Fox könnte also direkt aus der Imagination Wes Andersons entsprungen sein. Der Filmemacher hat sich Roald Dahls Figur so sehr zu Eigen gemacht, dass es schon beinahe unheimlich ist. Dazu passt dann auch, dass sich Anderson, der bisher nur Realfilme gedreht hat, sich mit der größten Selbstverständlichkeit der Möglichkeiten des Animationskinos bedient. Erste Erfahrungen mit der Stopmotion-Technik hatte er zwar schon bei den Unterwasserszenen von „Die Tiefseetaucher“ gemacht, doch nun ermöglicht sie ihm hier endgültig, seiner bizarren Phantasie ganz und gar freien Lauf zu lassen. Chapeau.</p>
<p><strong>JK</strong></p>
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		<title>agora – die säulen des himmels</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/agora-%e2%80%93-die-saulen-des-himmels/</link>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 22:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2010-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer hier wer ist und warum was will, bleibt leider größtenteils im Dunkeln. Mal verhält sich die eine Gruppe emanzipierter, mal die andere und Individuen scheint es schon mal gar nicht zu geben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>E/USA, 2009</strong></p>
<p><strong>Was mit „Gladiator“ begann und, mit „Troja“ und „300“ fortgesetzt wurde, ist jetzt zehn Jahre später auf dem Höhepunkt angekommen: die Rückkehr des Sandalenfilms.</strong></p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/04/1.jpg"><img class="size-medium wp-image-6743 alignleft" title="agora" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/04/1-300x164.jpg" alt="" width="243" height="133" /></a>Im Jahr 291 nach Christus steht Ägypten unter der Herrschaft des Römischen Reichs, das sich gerade in der Auflösung befindet. In Alexandria lebt die ebenso schöne wie intelligente Hypatia (Rachel Weisz), die Tochter des Philosophen Theon (Michael Lonsdale) und eine begnadete Astronomin noch dazu, die ihr Leben der Wissenschaft widmet und als Professorin lehrt.</p>
<p>Vor dem Hintergrund eskalierender Straßenkämpfe zwischen Chris-ten und Heiden verlieben sich zwei Männer in Hypatia: ihr Sklave Davus (Max Minghella) und ihr Schüler Orestes (Oscar Isaac). Gleichzeitig muss sich Hypatia gegenüber den Stadtherren behaupten, die ihr die Leitung der renommierten Bibliothek von Alexandria nur deshalb nicht überlassen wollen, weil sie eine Frau ist…</p>
<p>Der Spanier Alejandro Amenábar hat bisher in jedem seiner Filme etwas Neues ausprobiert: Nach seinem Langfilmdebüt, dem psychologischen Thriller „Faszination“, erlangte er mit dem vielschichtigen Thriller-Drama „Öffne die Augen“ internationale Berühmtheit. Es folgten das subtile Gruselstück „The Others“ und das oscarprämierte Biopic „Das Meer in mir“– beides veritable Erfolge. Mit seinem fünften Spielfilm wagt sich Alejandro Amenábar nun an ein Historien-Drama und zugleich in die Gefilde des Big-Budget-Kinos. Mit großem Ausstattungsaufwand erzählt der Film eine im Alexandria der Spätantike angelegte Emanzipationsgeschichte, die auf „wahren Ereignissen“ beruht.</p>
<p>Gleich zwei Kernthemen hat sich der Film vorgenommen, die er beide im Vergleich damals-heute auf eine übergeordnete Ebene zu hieven versucht. Da wäre zum einen der ewige Konflikt Religion vs. Wissenschaft bzw. Konservatismus vs. Fortschritt.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/04/3.jpg"><img class="size-medium wp-image-6745  alignleft" title="agora" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/04/3-277x300.jpg" alt="" width="277" height="300" /></a>Gut gelingt dem Film dabei, das Archetypische dieses beständig wiederkehrenden Problems herauszuarbeiten. Leider etwas zu dezent zwar (da waren wohl Ästheten am Werke und keine Pädagogen), sind die verschiedenen religiösen Gruppierungen durch in verschiedenen Farbfamilien kolorierten Kostümen voneinander unterschieden, und eine von ihnen, die Heiden nämlich, sind eindeutig einer Klischeevorstellung der heutigen Taliban nachempfunden, um nur einen Bezug zum Jetzt zu nennen. Durch Google-Earth-ähnliche Zooms und ähnliche visuelle Spielereien, die auch sehr schön anzusehen sind, nimmt der Film dann wiederum klar die Position der Wissenschaft ein und versucht quasi „all das bunte Treiben“ aus einer gotttähnlichen Warte heraus zu relativieren, wobei er aber der Existenz einer höheren Wahrheit oder wie auch immer man eine Verquickung von Mystik und Wissenschaft auch bezeichnen könnte durchaus nicht abspricht. Schade dabei ist, das man die dargestellten realhistorischen Ereignisse und Zusammenhänge leider überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann, denn soviel Vorwissen ist nicht voraussetzbar um dieses Gewusel aus religiösen Strömungen und Ideologien und aus heutiger Sicht völlig undurchsichtigen Lebensverhältnissen ohne kleine dramaturgische Hilfen nachvollziehen zu können. Wer hier wer ist und warum was will, bleibt leider größtenteils im Dunkeln. Mal verhält sich die eine Gruppe emanzipierter, mal die andere und Individuen scheint es schon mal gar nicht zu geben.  Warum dann auch noch die Bibliothek von Alexandria brennen muss, bleibt ein Rätsel. Hier wäre eine Kompromisslösung zwischen „ein Werk muss nicht verstanden werden“ und „Anbiederung ans Publikum“ durchaus sinnvoll gewesen, geht es hier doch schließlich um die Grundsteinlegung unserer abendländischen Kultur, da hätte ein wenig Bildungsfernsehen wohl nicht schaden können.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/04/4.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-6746" title="agora" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/04/4-300x171.jpg" alt="" width="270" height="154" /></a>Zweites Kernthema ist die Emanzipation. Hypatia ist bekennende Atheistin und eine durch und durch rational denkende Wissenschaftlerin, die sich vornehmlich mit dem Sonnensystem beschäftigt. Das stößt nicht überall auf Beifall, besonders weil die junge Frau die Annahme an-zweifelt, dass die Erde den Mittelpunkt des Universums darstellt. Schon an dem Lehrer-Schüler-Verhältnis zwischen Hypatia und Orestes wird der emanzipatorische Gestus des Films deutlich.</p>
<p>Die starke Frau verschmäht den Mann nicht nur, nein, sie ist ihm sogar überlegen. Dass sie in der Gesellschaft trotz ihrer ausgeprägten Fähigkeiten auf Widerstände stößt, unterstreicht den Emanzipationsaspekt weiter. Über sie als Individuum erfahren wir jedoch so gut wie gar nichts, ihr Charakter bleibt reine Symbolfigur.</p>
<p>Fazit: Der Film ist weder Fisch noch Fleisch und wird niemandem gerecht. Weder poetisch noch lehrreich, weder spannend noch psychologisch interessant. Zu verkopft die Herangehensweise, zu glatt die Ausführung, zu elitär der Anspruch an das Vorwissen – die Idee war  vielleicht gut, der Film ist es leider nicht.</p>
<p><strong>JK</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>harry potter und der halbblutprinz</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/harry-potter-und-der-halbblutprinz-usa-2009/</link>
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		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 22:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2009-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Lord Voldemort ist zurück. Angst und Schrecken sind allgegenwärtig. Keine guten Vorzeichen also für das sechste Jahr von Harry Potter (Daniel Radcliffe) an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>USA, 2009</strong><strong></p>
<p>Längst fester Bestandteil der Popkultur, ist es nun auch noch ausgerechnet ein Kinderfilm, der neue Maßstäbe im Actionfilmgenre setzt.</strong></p>
<p>Lord Voldemort ist zurück und strebt einmal mehr nach der Herrschaft über die Welt der Zauberer und der Unterwerfung der Muggelstämmigen. Angst und Schrecken sind allgegenwärtig. Keine guten Vorzeichen also für das sechste Jahr von Harry Potter (Daniel Radcliffe) an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei. Da Harry gemäß einer Prophezeiung der Einzige ist, der Voldemort zu Fall bringen kann, entschließt sich Schulleiter Albus Dumbledore, seinen Schüler in seine Nachforschungen in Bezug auf die Vergangenheit von Tom Riddle einzuweihen. Es geht um die Zeit, bevor dieser zu Lord Voldemort wurde. Dumbledore zeigt Harry in seinem Denkarium verschiedene Erinnerungen, die nach und nach ein furchtbares Geheimnis offenbaren. Zu allem Überfluss hat auch noch die Pubertät Einzug in Hogwarts erhalten. Harry fühlt sich stark zu Ginny Weasley, der jüngeren Schwester seines besten Freundes Ron (Rupert Grint), hingezogen. Und auch das Beziehungsdreieck zwischen Ron, Hermine (Emma Watson) und Lavender Brown sorgt für allerlei Unruhe…<br />
<img class="alignleft size-medium wp-image-4106" title="Harry Potter und Albus Dumbledore" src="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2009/08/Harry-Potter_2_net-300x256.jpg" alt="Harry Potter und Albus Dumbledore" width="300" height="256" />Terminverschiebungen sind im Filmgeschäft im Grunde nichts Ungewöhnliches. Das ganze Jahr hinüber werden Filme im Veröffentlichungskalender munter hin und her geschoben. Nur bekommt der Zuschauer hiervon in der Regel nichts mit. Meist geschehen diese Termin-Rochaden Monate vor dem geplanten Kinostart und lange bevor die Werbemaßnahmen zum Film richtig in Schwung kommen. Als „Harry Potter und der Halbblutprinz“ im vergangenen Sommer von seinem ursprünglichen Starttermin im November 2008 um ganze acht Monate nach hinten geschoben wurde, war der Aufschrei der Fangemeinde natürlich groß. Daraus jedoch einen Rückschluss auf die Qualität des Films zu schließen, ist fehl am Platz. Auch der von Warner-Präsident Alarn Horn angeführte Autorenstreik und das damit verbundene Loch im Sommerspielplan 2009 sind wohl nur die halbe Wahrheit. Vielmehr liegt der Verschiebung eine einfache wirtschaftliche Überlegung zu Grunde: Ein Kinosommer mit dem in dieser Dimension nicht erwarteten Megaerfolg von „The Dark Knight&#8221; und „Harry Potter und der Halbblutprinz“ hätte für Warner ein Jahrhundertergebnis in den Bilanzen bedeutet, das auf lange Sicht nicht wieder zu erreichen gewesen wäre. Das hätte sich auf den Aktienmärkten paradoxerweise gar nicht gut gemacht. Den Teufel gleich an die Wand zu malen, ist somit überflüssig. Doch richtig gut gelungen ist „Harry Potter und der Halbblutprinz“ dennoch nicht. Der Film beginnt durchaus vielversprechend und überrascht sogleich mit einer sehr freien Interpretation des Romananfangs. Auf den aus der Vorlage bekannten Einstieg wird etwa komplett verzichtet.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-4093" title="Ron Weasley, Hermine Granger, Harry Potter" src="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2009/08/Harry-Potter_1_net-300x192.jpg" alt="Ron Weasley, Hermine Granger, Harry Potter" width="300" height="192" />Sowohl das Aufeinandertreffen des britischen Premierministers mit dem Zaubereiminister als auch Dumbledores Besuch bei den Dursleys fielen komplett Kürzungen des Drehbuchs zum Opfer. Stattdessen wird der Zuschauer nun direkt ins Geschehen geworfen, wo er Augenzeuge der Zerstörung der Millennium Bridge in London wird – eine Szene, die im Buch nicht mehr als eine Randnotiz ausmacht. Einerseits ein Zeichen dafür, dass die Macher der „Harry Potter“-Filme um Regisseur David Yates und Drehbuchautor Steve Kloves den Begriff Adaption endlich wörtlich nehmen. Andererseits wird damit bereits in Minute eins klargestellt, worum es hier geht: Action, Action, Action. Spektakel, Bombast, Hypermegaoberklotz. Doch ansonsten funktioniert der neue Ansatz einer freieren Interpretation in der ersten halben Stunde prächtig und überrascht auch Kenner der Bücher ein ums andere Mal. </p>
<p>Was jedoch anfangs positiv auffällt, entpuppt sich letztlich auch als das Hauptproblem von „Harry Potter und der Halbblutprinz“. Mit fortschreitender Spieldauer verliert sich die Handlung immer mehr in Banalitäten, wobei der Geist der Romanvorlage zunehmend auf der Strecke bleibt. Für die diversen kleinen und großen Liebeleien in und um Hogwarts geht etwa ein Drittel der Spielzeit drauf. Zwischenzeitlich wirkt das Ganze beinahe so, als ob „Die Wilden Hühner&#8221; gemeinsam mit der „Twilight&#8221;-Sippschaft in Hogwarts eingefallen wären, um eine „Beverly Hills 90210“-Theatergruppe zu gründen. Das romantische Hin und Her erreicht mitunter Soap-Niveau und ist vor allem vollkommen unnötig. Darunter leidet nicht nur die Geduld der älteren Zuschauer, sondern der gesamte Film. Es geht schlicht zu viel Zeit auf den Nebenkriegsschauplätzen verloren, um der Romanvorlage in eh knapp bemessenen zweieinhalb Stunden auch nur im Ansatz gerecht zu werden. Besonders schade ist dabei, dass es lediglich zwei Rückblenden über die Vergangenheit von Tom Riddle in den Film geschafft haben: das Waisenhaus und Riddles Gespräch mit Slughorn. Immerhin hätten gerade diese Rückblicke ein immenses filmisches Potenzial in sich geborgen. Stattdessen gibt es reichlich Liebeskummer und etliche offene Fragen. Die Geschichte stolpert vor sich hin, und Szenen wirken zunehmend häufiger wie aus dem Zusammenhang gerissen. Dem namensgebenden Halbblutprinzen werden gar nur einige wenige Minuten gewidmet. </p>
<p>Letztlich sind es vor allem einige höchst unterhaltsame Schauspielleistungen, die den Film vor dem Absturz bewahren. Und damit ist ausdrücklich nicht die jugendliche Darstellerriege gemeint. Es ist eben genau das eingetreten, was man eigentlich auch erwarten musste, wenn man 11-Jährige für eine auf über zehn Jahre angelegte Filmreihe verpflichtet: Eine erfüllt die Erwartungen voll und ganz (Emma Watson), einer ist in seiner Entwicklung stehen geblieben (Rupert Grint) und einer scheint mit seinem ambivalenten Charakter nach wie vor überfordert (Daniel Radcliffe). Es sind vielmehr die erwachsenen Darsteller, die mal wieder grandios auftrumpfen. Jeder einzelne Schauspieler ist viel zu gut, um sich trotz eines immens schwächelnden Drehbuchs auch nur im Ansatz eine Blöße zu geben. </p>
<p>Fazit: Natürlich wird auch „Harry Potter und der Halbblutprinz“ ein Megahit, daran besteht kein Zweifel. Aber künstlerisch ist das Unterfangen wie bereits der direkte Vorgänger erneut gescheitert.<strong> </strong></p>
<p><strong>Johanna Kienitz</strong></p>
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		<title>terminator – die erlösung</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/terminator-%e2%80%93-die-erlosung/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 22:00:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[hauskritik]]></category>
		<category><![CDATA[2009-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Für jemanden, der alle vorangegangenen Terminator-Teile nicht gesehen hat, ist ein Kinobesuch von „Terminator – Die Erlösung“ alles andere als eine Erlösung von dem jahrzehntelang stets latent brodelnden Bildungslücken-Nichtdazugehör-Nichtmitredkönn-Komplex...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>USA/A/D/GB 2009</strong></p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/09/Terminator_2_net.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-5035" title="Der Erlöser?" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/09/Terminator_2_net-150x150.jpg" alt="Der Erlöser?" width="150" height="150" /></a>Für jemanden, der alle vorangegangenen Terminator-Teile (drei davon soll es geben, habe ich mal so gehört) nicht gesehen hat, ist ein Kinobesuch von „Terminator – Die Erlösung“ alles andere als eine Erlösung von dem jahrzehntelang stets latent brodelnden Bildungslücken-Nichtdazugehör-Nichtmitredkönn-Komplex: Ich verstehe rein gar nichts.<br />
Überall Raumschiffe – war das nicht „Star Wars“? Dazu noch dieser süße blonde Jungspund, der sieht doch aus wie Luke Skywalker. Diese ganzen Zeitreisen und -schlaufen – sehr verwirrend, aber ok, „Zurück in die Zukunft“ hab ich ja gesehen und „Star Trek“ auch, komme ich also mit klar.</p>
<p>Maschinen sind eigentlich böse, können sich aber aus freiem Willen dazu entschließen, doch gut zu sein – wieder „Star Trek“, wenn auch in extrem unlogisch, aber egal. Atomkrieg – doch „007“? Und wieso gibt es diesen Krieg überhaupt? Endzeit–Grau-in-Grau wie immer, „Blade Runner“ und so, „Babylon A.D.“, versteh schon. ‘Ne richtig coole Frau gibt’s hier schon mal gar nicht, „Lara Croft“ wurde also offensichtlich vergessen, und das, obwohl der Regisseur doch angeblich „Drei Engel für Charlie“ gemacht hat – waren das nicht alles Frauen? Ordentlich „Matrix“ und „Mad Max“ dazugepanscht, aber was bitte ist hier das Terminatormäßige?</p>
<p>„Die Erlösung bleibt aus. Der lange erwartete vierte Teil der Sci-Fi-Saga ist eine teilnahmslos geschilderte Materialschlacht mit massiven Storylücken, in der nicht einmal Christian Bale zu glänzen vermag.“ urteilt Kollege Jan Hamm – ha!<br />
Vielleicht bin ja gar nicht ich zu blöd, sondern der Film?<strong></strong></p>
<p><strong>Heavy Metal in der Zukunft</strong><br />
Wir schreiben das Jahr 2018. Nackt und verloren irrt Marcus Wright (Sam Worthington) durch das Brachland um Los Angeles. An mehr als seinen Namen kann er sich nicht erinnern, über die <a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/09/Terminator_1_net.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-5034" title="Terminator" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/09/Terminator_1_net-300x289.jpg" alt="Terminator" width="300" height="289" /></a>jüngere Historie wird er jedoch schnell aufgeklärt, als er in den Ruinen auf Kyle Reese (Anton Yelchin) trifft. Der global vernetzte Supercomputer Skynet war schlagartig selbstbewusst geworden und hatte sich in einem verheerenden Nuklearkrieg gegen seine Schöpfer gewandt.<br />
Im nahezu aussichtslosen Kampf gegen dessen Cyborg-Armee führt John Connor (Christian Bale) einen Teil der Untergrundbewegung an, die sich schlicht „Der Widerstand“ nennt. Der verbitterte Krieger weiß: Sollte er Kyle nicht vor Skynet ausfindig machen, sind die Tage der Menschheit gezählt. Denn Kyle war es, der einst einem Terminator durch die Zeit hinterherreiste, um Connors Mutter Sarah zu beschützen – und sie dabei schwängerte.</p>
<p>Doch dann wird Kyle entführt, während der entsetzte Marcus nach einer Minenexplosion schimmerndes Metall unter seiner Haut entdeckt. Antworten auf die Frage nach seiner Herkunft vermutet er in genau der Skynet-Zentrale, in der auch Kyle gefangen gehalten wird. Um seinen Vater in spe zu befreien, ist Connor gezwungen, ausgerechnet einer Maschine ins Herz der Finsternis zu folgen&#8230;</p>
<p>„Das klingt verwirrend? Ohne Kenntnis der Vorgänger ist es in der Tat kniffelig, der epischen Erzählung um Zeitreisen zwischen Schicksal und freiem Willen zu folgen“, so bereits erwähnter Kollege – puh, da bin ich ja beruhigt.</p>
<p>Im Grunde sind die Details aber auch relativ wumpe, denn wie wir bereits aus dem opulenten Trailer wissen, ist Marcus diesmal der „Terminator“, das erkenne selbst ich ganz eindeutig, denn Terminatoren bestehen aus Metall, sind aber mehr oder weniger geschickt als Menschen getarnt. (Überhaupt finde ich es ein wenig bedauerlich, dass die verschworene Maschinengemeinschaft ausschließlich aus menschenähnlich geformten Robotern besteht und – sagen wir mal – die Mikrowellen und die Toaster von der Weltherrschaft gänzlich ausgeschlossen bleiben. Sind das etwa keine Maschinen? Naja, ich versteh davon ja nix, aber lustiger wäre der Film mit wild umher ballernden Mikrowellen bestimmt geworden. Aber das nur am Rande.)</p>
<p>Und um den Terminator dreht sich der Film, das sagt ja bereits der Titel, und die Aufgabe eines jeden Terminators besteht darin, zu „terminieren“, und zwar nicht irgendwas, sondern bitteschön gleich die ganze Menschheit, womit wir beim grundsätzlich geltenden Inhalt der kompletten Serie wären.<br />
Besonderer Plot diesmal: der Terminator möchte gar nicht „terminieren“. Wieso, weshalb, warum wird nicht näher erläutert, auch nicht, wie es ist, sich als Maschine in einen Menschen zu verlieben usw. usf., überhaupt bleiben alle Charaktere reine Klischees, von Biografien, Charakteren oder Persönlichkeiten ist hier weit und breit keine Spur.</p>
<p>Wäre ja alles halb so schlimm, wenn sich nicht auch die komplette Action, Optik, Dramaturgie und was es da sonst noch so geben könnte wie ein wild zusammengeklauter Mix aus bekannten Elementen anfühlen würde und den Film zu einem gepanschten Einheitsbrei aus „Alles-schon-mal-woanders-besser-gesehen“ machen würde. Metall wird zwar zerkloppt im großen Stil und geballert ohne Ende. Doch was bleibt, ist Wischiwaschi an allen Fronten. Auf Humor wurde zudem vollständig verzichtet. Was sich momentan wie eine reinigende Sintflut über sämtliche Sequels Hollywoods von „Batman“ bis „Wolverine“ ergießt, das Bedürfnis nämlich, sämtliche über Jahrzehnte angehäufte popkulturellen Altlasten all dieser kultbeladenen Ikonen wegzuspülen und unbefangen von vorne anzufangen, misslingt hier absolut und schürt nur den Verdacht, dass es sich bei der Vorgeschichten-Strategie doch nicht um die langersehnte Tabula Rasa handelt, sondern tatsächlich um nichts anderes als ökonomische Kamikaze und billige Verarsche. Gibt es denn wirklich niemanden, dem mal etwas ganz und gar Neues einfällt?</p>
<p>Selbst die relativ jungen Mitstreiter im Zuschauerzahlen-Roulette sind von vornherein mit Erwartungen und Vergleichen überhäuft – ist nicht „Harry Potter“ (ich freue mich schon auf „Harry Potter und der Fluch der magischen Windel“) irgendwie das gleiche wie „Herr der Ringe“ für Kinder und die „Watchmen“ auch nur Plagiate bereits bekannter Superhelden? „Weltraum“, „Wald“, „Wüste“ – wie im realen Leben ist auch im Filmiversum kaum noch unbesetztes Terrain auszumachen.</p>
<p>Wie immer eine Lösung für die gähnende Langeweile im entdeckungsfreien Raum aussehen könnte, Joseph McGinty Nichol hat nichts dazu beigetragen.</p>
<p><strong>Johanna Kienitz</strong></p>
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