<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; el kurdi</title>
	<atom:link href="http://www.stadtkind-hannover.de/kolumnen/el-kurdi/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.stadtkind-hannover.de</link>
	<description>Ein weiteres tolles WordPress-Blog</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Sep 2010 14:35:57 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>der hamster – ein leben zwischen frust und furor</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/07/der-hamster-%e2%80%93-ein-leben-zwischen-frust-und-furor/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/07/der-hamster-%e2%80%93-ein-leben-zwischen-frust-und-furor/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 22:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-07]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=8591</guid>
		<description><![CDATA[Und genauso hört sich ihr Gekläffe auch an: aggressiv, keifend, wütend bis zur Hysterie – im Sound nur vergleichbar mit dem Redestil des aktuellen FDP-Vorsitzenden und Vizekanzlers.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Es gibt ein paar große Missverständnisse in der Haustierwelt. Etwa, dass  der Besitz eines Pitbulls (oder meinetwegen klassisch: eines Rottweilers) ein mental schlichtes, menschliches Tätowationsobjekt mit zu hohem Steroid-Verbrauch zu einem Respekt einflößenden Menschen macht. Oder – apropos gefährliche Hunderassen – dass es dem Wesen des Yorkshire Terriers entspricht, ihm rosa Schleifen ins Haar  zu binden und ihn mit Pralinen zu füttern. Zum letzten Mal: Yorkshire Terrier sind nicht niedlich! Nicht im Geringsten. Und vor allem sind sie keine Kuscheltiere für die menopausierende Society-Dame oder den Modezaren mit  schockschwarzem Haubenfifi auf dem Kopf! Yorkshire Terrier sind tatsächlich Kampfhunde. Nichts anderes. Sie wurden gezüchtet, um in nordenglischen Arbeiterquartieren gegen Ratten und Mäuse eingesetzt zu werden. Und genauso hört sich ihr Gekläffe auch an: aggressiv, keifend, wütend bis zur Hysterie – im Sound nur vergleichbar mit dem Redestil des aktuellen FDP-Vorsitzenden und Vizekanzlers. Müsste man in einem Tiermusical einen Yorkshire Terrier besetzen, sollte man aber neben Guido W. auf alle Fälle auch noch Martin Semmelrogge oder Cindy von Mahrzahn  zum Casting einladen. Wobei Cindy von Mahrzahn auch großartig für die Rolle des Goldhamsters wäre – womit wir bei einem anderen Mitgeschöpf wären, dem mindestens so viel Unrecht getan wurde wie dem Rattenkiller aus England.</p>
<p>Der Goldhamster: Wer auch immer auf die Idee kam, diese schlechtgelaunte dickliche Mops-Diva als ideales Haustier für Kinder zu empfehlen, sollte sofort im nächstgelegenen schlecht geführten Tierheim abgegeben und nie mehr abgeholt werden. Und ich weiß, wovon ich rede. Als Kind war ich Besitzer von mindestens zwanzig stinkmuffligen Goldhamstern. Genau weiß ich es nicht mehr, weil ich irgendwann den Überblick verloren habe: ständig hatten die Viecher Sex miteinander, Babys wurden geboren, andere verschwanden hinterm Kleiderschrank, wurden von mir verschenkt oder gegen Schildkröten eingetauscht, die etwas schwächlichen wurden von ihrer Mutti aufgefressen, kurzum: In unserer Zweieinhalb-Zimmer-Sozialwohnung herrschte ein Nagetier-Sodom-und-Gomorrha &#8230;</p>
<p>Angefangen hatte es alles mit Hopsi, meinem ersten Hamster, also dem Stammvater der Dynastie, den ich zur Einschulung bekam und der mich zu meinem wachsenden Kummer die ersten drei Wochen jeden Tag zweimal herzhaft in den Finger biss. Die Narben habe ich immer noch. Ich gab jedoch nicht auf und hielt meine Hand immer wieder hin, bis er irgendwann keine Lust mehr hatte oder fatalistisch wurde und ich ihn mir schnappte und endlich offensiv streicheln konnte. Ich möchte mich hiermit noch einmal offiziell und stellvertretend für alle Kinder dieser Welt bei allen Hamstern des Erdballs entschuldigen: Ich wusste es nicht besser! Kein Kind weiß es besser. Die ZoogeschäftsVerkäufer sind schuld, weil sie den Kunden folgende entscheidende Info vorenthalten. Erstens: Goldhamster sind nachtaktiv und das im wahren Sinne des Wortes – „Nacht“ im Sinne von dunkel! Und Zweitens: Goldhamster stammen aus Syrien, sind also Araber. Was es bedeutet, einen um die Hüften leicht dicklichen Araber zu einer bei ihm genetisch nicht programmierten Tageszeit zu wecken, kann gerne in meinem familiären Umfeld erfragt werden. Und dabei habe ich nur den halben orientalischen DNA-Satz&#8230; Aber bevor mir jetzt jemand vorwirft, ich wäre sowohl dem Goldhamster als auch mir selbst gegenüber rassistisch: Das mit dem arabischen Wesen des Goldhamsters stimmt auch nur bedingt. Schließlich gibt es ja auch den Europäischen Feldhamster und der soll ja, was Aggression und Haudrauf, beziehungsweise Beißrein-Mentalität angeht, dem Morgenländer in nichts nachstehen, aber hallo! In manchen ländlichen Gegenden Niedersachsens erzählt man sich heute noch die Geschichten von den liebestollen Pärchen, die ihrer Zuneigung nackt im sommerlichen Getreidefeld Ausdruck verliehen und dabei zu nahe an einen Feldhamsterbau gerieten&#8230; Viele von diesen Beziehungen blieben dann ja auch später kinderlos. Da fällt mir übrigens für das Tiermusical noch eine schöne Besetzung für die Goldhamsterrolle ein: der fränkische Komiker Matthias Egersdörfer. Einfach mal bei YouTube nachschauen. Mein lieber Hamster, ist der schlecht drauf! Wie frisch geweckt. Und wenn der nicht kann, dann muss eben Henryk M. Broder einspringen. Das hätte irgendwie auch etwas Versöhnliches. In diesem Sinne: Shukran – Danke für die Aufmerksamkeit.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/07/der-hamster-%e2%80%93-ein-leben-zwischen-frust-und-furor/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>außen schwarz, innen blutig</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/06/ausen-schwarz-innen-blutig/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/06/ausen-schwarz-innen-blutig/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 May 2010 22:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-06]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=8161</guid>
		<description><![CDATA[Jeder "Vatti" hat seine eigene Opfer-Technik. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie jeder weiß, unterscheidet sich unser Genmaterial nur zu wenigen Prozenten von dem eines Schimpansen. Und mit dem Höhlenmenschen sind wir genetisch quasi identisch. So nimmt es nicht Wunder, wenn auch in Niedersachsen mindestens die Hälfte der Bevölkerung Rituale praktiziert, die im anthropologischen Verständnis zutiefst primitive Züge tragen.</p>
<p>Kaum werden die Temperaturen in einer der lang ersehnten norddeutschen Nieselregenpausen auch nur annähernd frühlingshaft, da holt der moderne Neandertaler seinen Klapp-Grill aus der Garage und opfert, wie schon seit Jahrtausenden, dem Sonnengott ein schönes saftiges Nackensteak. Oft auch derer zwölf und Brat-Maxe ungezählter Stückzahl dazu. Ein wenig traurig ist er schon, dass er die Sau nicht mehr selbst jagen, töten und aufbrechen darf, sondern dies der Zunft der Schlachter und Knochenhauer überlassen muss, aber umso gewissenhafter und penibler zelebriert er das eigentliche Brandopfer.</p>
<p>Der ganze Stamm, bestehend aus der leiblichen Familie, einigen Nachbarn und ein bis zwei Trinkhallenbekanntschaften namens Günni, Manni oder Hotte, wird um die Opferstätte versammelt, und dann versetzt das Familienoberhaupt, der Schamane, die Gehirne aller Anwesenden mithilfe von Dummgelaber und gegorenem Gerstensaft in einen todesschlafähnlichen Trancezustand. Äußerlich bleiben sie jedoch wach. Früher war es Brauch, dass der Stamm rituelle Gesänge anstimmte, dabei die Oberkörper autistisch hin und her wiegend, während sich der Grillmeister wie man den Schamanen auch nennt (oder auch kurz: &#8220;Vatti&#8221;), um das Opferfleisch kümmerte. Heute begnügt sich die Mehrheit damit, einen eigens zu diesem Zwecke eingerichteten Radiosender einzuschalten (zum Beispiel &#8220;Hitradio Antenne“ oder weiter östlich die &#8220;Sachsen-Anhalt-Welle“), den von Fachleuten sorgfältig zusammengestellten sakralen Schweinefleisch-Vertilgungssoundtrack im Hintergrund laufen zu lassen, und sich – dies betrifft vor allem die männlichen Mitglieder des Stammes – über die Benzinpreise zu unterhalten. Dieses stetig wiederholte Lamento entspricht in seiner Eintönigkeit, Redundanz und sprirituellen Wirkung in etwa der eines buddhistischen Mantras.</p>
<p>Jeder &#8220;Vatti&#8221; hat übrigens seine eigene Opfer-Technik. Der eine legt das Fleisch vor der Zeremonie sorgfältig in eine Art Salb-Öl ein, der andere besprüht es, schon auf dem Opfergrill liegend, immer wieder mit der heiligen Gersten-Flüssigkeit, und der dritte scheint es dem Geruch nach in Kuhdung zu wälzen.</p>
<p>Ist dann endlich geschehen, was geschehen soll, nämlich das Brandopfer verbrannt, erklingt das vielstimmige Credo aus den Mündern der Gläubigen. „Hmh, ist das lecker knusprig!&#8221; rufen sie, oft mehrmals hintereinander, und stopfen sich die schwarzkohligen Tierreste in den Schlund. Bei manchen ist die religiöse Verzückung so groß, dass sie beginnen, in Zungen zu reden. Wörter in Sprachen, die noch keines Menschen Ohr vernommen hat, entweichen den fetttriefenden Lippen – alles zur Ehre des großen himmlischen Feuerballs!</p>
<p>Oft ist die Ekstase so groß, dass das Ritual schließlich in einem ungezügelten Fruchtbarkeitsfest gipfelt. Mehrmals hintereinander wird ein als &#8220;Runde&#8221; bezeichnetes Aphrodisiakum ausgeteilt, die Stimmung steigt, Körperteile werden entblößt, irgendwer beginnt mit dem die Potenz und Zeugungsbereitschaft des Erpels verherrlichenden &#8220;Ententanz“ – und schließlich fallen die Kultanhänger dann wahllos übereinander her und kopulieren, nicht zuletzt um sicherzustellen, dass die Bruder- und Schwesternschaft des verkokelten Fleisches niemals ausstirbt.</p>
<p>Letztlich ist dies alles &#8220;natürlich&#8221; im eigentlichen Wortsinne und sollte daher nicht arrogant verurteilt werden, auch wenn es während dieser Feierlichkeiten immer mal wieder zu unentschuldbaren Exzessen kommt. Wie im letzten Jahr in einem 500-Seelen-Dorf am Fuße des Westharzes, als zu später Stunde, nach einigen &#8220;Runden&#8221;, okkulten Handlungen und vollzogener Paarung, der Fleischhunger wieder aufflammte, der Dorf-Metzger aber die Herausgabe frischen Grillgutes verweigerte und der Blick des Grillmeisters auf die prallen Waden seines fetten, pubertierenden Stiefsohns fiel &#8230;  Traurig, wozu Menschen fähig sind.</p>
<p><strong><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/06/ausen-schwarz-innen-blutig/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>im mütterverwesungsheim</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/im-mutterverwesungsheim/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/im-mutterverwesungsheim/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 22:00:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-05]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=7312</guid>
		<description><![CDATA[ERST SEIT ICH KINDER HABE, FÜHLE ICH MICH RICHTIG ALS FRAU!“ Wir starrten uns an. War dieser Satz eben wirklich gefallen? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal wird man Ohrenzeuge von Sätzen, die so sehr Klischee sind, dass man nicht glauben mag, ein echter, lebendiger Mensch könne sie wirklich ausgesprochen haben. Man vernimmt einen dieser abgerubbelten Allgemeinplätze und denkt, man habe einen spontanen Hörsturz erlitten. Oder sei Opfer eines Cannabis-Flashbacks mit assoziierter Akustik-Halluzination. Aber tatsächlich hat man in solchen Momenten einfach nur ein schreckliches Rendezvous mit der Realität. Zum Beispiel auf einem Abiturjahrgangstreffen.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="size-medium wp-image-4142 alignleft" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Ich hatte mir gerade einen angenehm leichten Dusel angesippt und plauderte mit einer netten Dame, die vor über zwanzig Jahren freundlicherweise mal mittelschweres Petting mit mir praktiziert hatte &#8211; da passierte es. Zwei Mitabiturientinnen stellten sich dazu und begannen mit der üblichen Dreisatz-Inquisition: Was machste? Wo wohnste? Wie viel Kinder? Eine kurzen Moment lang hatte ich das Bedürfnis, nervös mit dem Auge zu zucken, ein bisschen zu sabbern und stotternd zu behaupten, ich hätte extra für diesen Abend Freigang erhalten, käme jedoch wahrscheinlich nächste Weihnachten ganz raus. Aber da ich vermutete, dass das die Damen nicht im geringsten überrascht hätte, servierte ich ihnen die Wahrheit. Mein Bekenntnis zum Dasein als freier Autor erzeugte nur einen „Interessant, aber was soll man dazu sagen?“-Gesichtsausdruck, aber als ich erklärte, dass ich mich zwar spät, aber ordnungsgemäß fortgepflanzt habe, waren die beiden Penetranzen beruhigt, hakten mich lächelnd ab und wandten sich meiner Gesprächspartnerin zu. „Und Du?“, drangen sie blockwartartig in ihre Intimsphäre ein und bekamen ansatzlos die bewundernswert kalte und knappe Antwortet: „Werbeagentur, Karlsruhe, und Kinder sind überhaupt nicht mein Ding.“ Auf sowas hatten sie nur gewartet. Nach einer kurzen Schrecksekunde erhob das reaktionäre Klischee-Ungeheuer sein Haupt: „Also, das kann ich nicht verstehen, ERST SEIT ICH KINDER HABE, FÜHLE ICH MICH RICHTIG ALS FRAU!“ Wir starrten uns an. War dieser Satz eben wirklich gefallen? Oder hatte ein böser verwarzter Dämon uns da etwas ins Ohr gezischelt? Da legte die andere schon nach: „ICH HAB MICH JA NACH MEINEM EXAMEN GANZ BEWUSST DAFÜR ENTSCHIEDEN, ZU HAUSE BEI DEN KINDERN ZU BLEIBEN.“</p>
<p>Klar, dachte ich, und dein Wirtschaftsjuristen-Gemahl hat wahrscheinlich gesagt: „Okay, Honey, Du kannst es Dir aussuchen – wenn Du nicht willst, dann bleib’ ich eben zu Hause und versorg die Gören!“ Aber wie gesagt, das dachte ich nur, zum Sprechen kam ich gar nicht, denn die beiden Mutterkreuzler quakelten unverdrossen weiter. Wie erfüllend das Leben mit Kindern und wie komplex – Stichwort Multitasking – die Tätigkeit als Mutter und Hausfrau doch sei und wie ungerecht, dass man sich dafür heute ja schon fast rechtfertigen müsse: Gesellschaftlich akzeptiert sei ja nur die Karrierefrau. Hier nickte ich zustimmend und hob ermutigend meine Augenbrauen. Dieses ebenso reaktionäre wie durch und durch verlogene Gejammer wollte ich in seiner vollen Pracht bewundern, denn selten bekommt man eine astreine Paranoia so unverdünnt eingeschenkt. Und ich hatte Erfolg: Bereitwillig breiteten die Damen, die klangen wie alte patriarchalische Säcke, dann auch die komplette Verschwörungstheorie vor mir aus: Die Medien, und leider auch andere Frauen, eben der Typus kinderloses Karrieremonster, versuchten jeder Mutter, die sich „VON SICH AUS UND SEHR BEWUSST“ für die Familie entscheidet, ein schlechtes Gewissen zu machen und ihr Nutzlosigkeit zu unterstellen, dabei wisse doch jeder, der selbst Kinder habe, dass diese in den ersten Jahren vor allem die Mutter bräuchten.</p>
<p>Um einem Missverständnis vorzubeugen: Die beiden gehörten keiner Sekte an, trugen keine Kittelschürze, waren auch keine kopftuchbewehrten Islamistinnen, sondern deutsche Akademikerinnen, die regelmäßig Theaterpremieren und Vernissagen besuchen und – so befürchte ich – in Proseccolaune auch mal ganz kess Grün wählen. Oder wenigstens darüber nachdenken. Wegen der Umwelt natürlich. Aber leider waren ihre Gehirne in irgendeiner Nacht- und Nebelaktion gegen Gebärmütter ausgetauscht worden. Als der Satz des Abends fiel, gingen meine ehemalige Pettingpartnerin und ich einfach wortlos zur Theke, um uns schnell und final zu betrinken. Der Satz lautete: „MAN VERWENDET AUCH VIEL ZEIT DARAUF, SO’N RICHTIGES NEST ZU BAUEN, DIE MÄNNER BEMÜHEN SICH JA, ABER WIRKLICH HELFEN KÖNNEN SIE DABEI NICHT“. Ach Mutti&#8230;</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/im-mutterverwesungsheim/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>slumdog westerwelle und seine battle-rhymes</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/slumdog-westerwelle-und-seine-battle-rhymes/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/slumdog-westerwelle-und-seine-battle-rhymes/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 22:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-04]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=6688</guid>
		<description><![CDATA[Big G. weiß wovon er redet, der Mann hat selbst Dreck gefressen. Oder mit anderen Worten: A hungry little guido with a runny nose, plays in the street as the cold wind blows, in the ghetto... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Jetzt isses endlich raus! Guido Westerwelle ist ein Ghettokind, ein Underdog. Beim politischen Aschermittwoch der FDP rappte er es in die aufgepeitschte Crowd: Nein, er komme nicht aus einer reichen Familie, krasser sogar noch: er sei auf der Realschule gewesen! Realschule. Oh Fuck! Wenn das keine street credibility ist. Und die Menge hängt ihm an den Lippen: Big G. weiß wovon er redet, der Mann hat selbst Dreck gefressen. Oder mit anderen Worten: A hungry little guido with a runny nose, plays in the street as the cold wind blows, in the ghetto&#8230; Umso glaubwürdiger kann er seine ehemaligen Homies dissen, die dumpf in den Nachmittag-Talkshows vor sich hinchillen und stolz verkünden, „sie leben vom Staat“ und „machen noch ein bisschen was schwarz nebenher“.</p>
<p>Vom Staat leben und nebenher noch was schwarz machen müssen? Wie blöd kann man eigentlich sein? Westerwelle ist empört. Wie er da so steht, in seinem maßgeschneiderten Pimp-Anzug, ist er der Schnösel gewordene Beweis, dass man sich vom Steuerzahler aushalten lassen kann und nicht noch parallel schuften muss. Oder wie er selbst über die Staatsknete sagt: „Wennde se mitnehmen kannst, nimmste se mit. Nix menschliches ist mir fremd. Schließlich bin ich Rheinländer!“ Und dann grinst er ins FDP-Publikum, als sei das ironisch gemeint. Und die grinsen zurück. Aber nichts liegt dieser Gang ferner als Ironie. Schließlich geht es hier um die eigene Bereicherung und da kennen die Wirtschaftliberalen keinen Spaß.</p>
<p>Einfach mal so grob und schlampig aus der kalten Baggie-Pants heraus recherchiert: Als Minister streicht Westerwelle rund 13.000 Euro ein, als Bundestagsabgeordneter sind noch mal ungefähr 3.500 fällig. Also schon ohne Nebentätigkeiten, Weihnachtsgeld und Spesen kommen da monatlich 16.500 Euro zusammen. Spätestens hier ist klar, wer wirklich cool ist. Dazu noch mal im Vergleich: Ein doofer Hartzer bekommt 359 Euro, dazu Miete und Heizung. Das war’s. Ghettoking Westerwelle rules! Alle anderen sind Opfer, Digger.</p>
<p>Aber nicht nur auf sein eigenes Wohl hat Guido ein Auge. Auch seine possy versorgt er großzügig, egal ob es sich um Geschäftskumpel seines Bruders oder großzügige FDP-Spender handelt – alle kriegen Sitzplätze im Außenminister-Jet, inklusive Klappstühlchen an den Tischen, wo die großen Deals gemacht werden.</p>
<p>Aber wer hätte auch anderes erwartet: Guido ist schließlich ein ganz harter Knochen: Wer es schafft, aus dem Elend einer Rechtsanwaltsfamilie herauszukommen – um Rechtsanwalt zu werden, wer das Trauma eines frühkindlichen Reitunterrichts  (O-Ton-Westerwelle:„Die erste Erinnerung an mein ganzes Leben ist, wie ich auf einem Pferd sitze!“) überwindet, dem kann keiner mehr was vormachen.</p>
<p>Auch nicht Guidos Soulmate Bushido. Der muss nämlich immer noch arbeiten, CDs volllabern, Bücher schreiben lassen und in Filmen sich selbst spielen, damit er in die Medien kommt und dort seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann: dem hirnfreien Dissen. Das alles braucht Westerwelle nicht. Der ist als cooler  Staatskneteabzieher sowieso ständig in den Medien und kann dort beschimpfen, wen er will und so oft er will. Und Guido beweist, dass seine Beleidigungen noch beschrubbter sind als die Bushidos. Der Tempelhofer Rapspießer, der mit bürgerlichem Vornamen „Anis“ heißt, beschränkt sich darauf, Alice Schwarzer ohne Anlass zuzurufen: „Fick dich ins Knie, du Fotze“, worauf Schwarzer, eitel und doof wie sie ist, auch noch stante pede antwortet, weil sie ja sonst einen Tag nicht in den Medien vorkäme und folglicherweise das Gefühl hätte, nicht mehr zu existieren. Bushido sei ein Muttersöhnchen, battled sie zurück, und ansonsten seien für ihn alle Frau wohl nur „Fotzen, die man von hinten ficken müsste“. Kurzum: die üblichen Revierkämpfe unter Kleinkriminellen.</p>
<p>Da hat Guido ganz was anderes auf Lager: Künstlich vor Wut schäumend bellt er seinen Kritikern entgegen, sie  seien linksextrem in der Birne, Hartzer sollten gefälligst Schnee schippen, der jämmerliche Restsozialstaat im Deutschland des Jahres 2010 sei wahlweise Sozialismus oder dekadentes Spät-Rom! Respekt, Alder, Respekt: Spätrömische Dekandez! Auf so was muss man erstmal kommen, während man sich selbst auf den Staatsbanketten dieser Welt herumtreibt.</p>
<p>Aber Bushido holt auf und lernt von seinem Vorbild Guido. Kürzlich verkündete er: „Ich werd mir demnächst mal alle Unterlagen besorgen, um ne Partei zu gründen. Wenn alle meine Fans mich wählen, dann hab ich mehr Stimmen als die FDP. Das heißt, Außenminister werde ich auf jeden Fall!“ Watch out, Guido.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/slumdog-westerwelle-und-seine-battle-rhymes/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>hintenrum-talibanisierung durch wintereinbruch</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/03/hintenrum-talibanisierung-durch-wintereinbruch/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/03/hintenrum-talibanisierung-durch-wintereinbruch/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 22:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-03]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=6065</guid>
		<description><![CDATA[Seit bestimmt sechs Wochen habe ich außerhalb meiner Wohnung kein offenes Frauenhaar mehr gesehen. Mit Hilfe des Winters haben die Taliban in Niedersachsen die Macht übernommen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Ich hoffe ja nur, dass zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Kolumne der Winter im sibirisch-brutalen Wintersinne vorbei ist. Im Moment herrscht aber leider immer noch Professor Dr. Fucking Bofrost. Jedes Mal, wenn ich zur Haustür heraustrete, spüre ich einen überraschend schmerzhaften Kälteschock auf der Haut – so als schlüge mir jemand mit voller Wucht ins Gesicht und zischte mir dann mit französischem Akzent zu: Isch forrdere Satisfaction, Monsieur!<br />
Wäre dem so, würde ich die Aufforderung zum Duell sofort annehmen, um dem Elend ein Ende zu bereiten – so oder so. Aber in der Realität ist ja niemand zum Schießen oder Fechten da.</p>
<p>In der Wirklichkeit steht ja nur der Winter vor mir und hält grinsend ein Thermometer hoch, das minus 15 Grad anzeigt. Und so schlittere ich weiter auf dem vereisten Bürgersteig meiner jeweiligen Destination entgegen, mich dabei fragend, wie sich die Verantwortlichen eigentlich das Leben von alten gehbehinderten Rollator-Omis bei diesem Wetter vorstellen&#8230;</p>
<p>Kann mir irgendsoein Schlaumeierchen eigentlich mal den Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und den aktuellen Kälteeinbrüchen erklären? Eine Zeitlang sah es ja ganz erwärmungstheoriekonform so aus, als würde es das ganze Jahr über immer kuscheliger. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor zehn Jahren mit jemandem eine ausschweifende Unterhaltung darüber führte, in der es darum ging, dass es eben gar keine richtigen Winter mehr gäbe. Ja, früher, da habe man von Ende November bis Anfang März Schlitten fahren können. Heutzutage aber gäbe es nix als Matsch und Regen und feuchte Schleim-Füße. Und dann jammerten wir und beklagten uns. Es war eine langatmige Klima- und Wetter-Kritik mit sentimentalen Einschüben. Wir tauschten Schnee-Anekdoten aus und wärmten uns an Frosterinnerungen.</p>
<p>Mit feuchten Augen erzählte ich, dass ich damals meinem Schlitten sogar einen Namen gegeben hatte: „Iltschi&#8221;. Was insofern logisch war, als dass ich mich zwei Jahre lang nur mit „Winnetou&#8221; anreden ließ. Ich weiß zwar nicht, ob es tatsächlich einen Winnetou-Roman gibt, der in Schneelandschaften spielt – ich glaube, ich verwechsele das mit den Winterimpressionen aus der Lederstrumpf-Serie mit Helmut Lange –, aber das ist ja auch wurscht. Jedenfalls waren mein Gesprächspartner und ich uns einig, dass diese – in unserer Erinnerung schön gefärbten – kalten Zeiten nie wieder kommen würden. Und was ist jetzt? Seit Jahresanfang gehe ich nur noch am äußersten Rand des Bürgersteigs, damit keine herabfallenden Eiszapfen meinen Schädel durchbohren. Und gestern dachte ich kurz darüber nach, ob ich mir nicht zwei Huskies zulegen sollte, die mich auf „Iltschi“ – meinem sich inzwischen im Besitz meiner Tochter befindlichen Gefährten – zum Einkaufen ziehen könnten.</p>
<p>Kurzum, vielleicht habe ich es schon erwähnt: Der Winter geht mir tierisch auf den Senkel! Das Schlimmste sind die ästhetischen Katastrophen, die die Kälte verursacht. Seit bestimmt sechs Wochen habe ich außerhalb meiner Wohnung kein offenes Frauenhaar mehr gesehen. Mit Hilfe des Winters haben die Taliban in Niedersachsen die Macht übernommen. Selbst die weiblichen deutschen Teenager, die ihrer Umwelt sonst bei jeder Temperatur ihre leider nicht immer ansehnlichen Bauchnabel und ihre mit Stringtangas durchfurchten Arschansätze präsentieren, sind komplett verhüllt. Oben auf dem Kopf tragen sie bis zu den Augenbrauen heruntergezogene Strickmützen, und unten im Gesicht zuppeln sie ihre Wollschals so weit über die triefenden Nasen, dass nur noch ein Augenschlitz übrig bleibt. Zum Abschluss wird das ganze Ensemble dann noch mit Hilfe einer zusammengeschnürten Kapuze endgültig burkaisiert.</p>
<p>Aber ich gestehe: Ich bin auch nicht besser. Ich trage bei allen Außenerledigungen einen grauen „Herren-Mantel“. Obwohl ich Mäntel hasse. Damit sieht man immer aus, als wolle man bald in Pension gehen, um sich nach 45 Jahren hartem Arbeitsleben seinem Hobby, der Verschönerung des Vorgartens mittels Waschbeton, widmen zu können. Aber was soll ich machen, es ist doch so finster und auch so bitterkalt? Gerne hätte ich auch eine Angora-Unterhose, aber seit ich mal im TV gesehen habe, dass man, um Angora-Wolle zu gewinnen, den armen Hasen die Haare bei lebendigem Leibe brutal ausreißt, habe ich von diesem Wunsch Abstand genommen. Ich bin mir sicher, dass Winnetou das nicht gutgeheißen hätte.</p>
<p>In diesem Sinne: Hough! Und möge die wiederkehrende Sonne unser aller harten, gefriergetrockneten Gedanken in softeisförmige, geschmeidige Visionen voller Love, Peace and Happiness verwandeln! Hä? Egal, mir fröstelt, da darf man auch mal verbal schwächeln&#8230;</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/03/hintenrum-talibanisierung-durch-wintereinbruch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>wahnsinn: in china fällt ein papst um</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/wahnsinn-in-china-fallt-ein-papst-um/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/wahnsinn-in-china-fallt-ein-papst-um/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 22:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-02]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=5999</guid>
		<description><![CDATA[Überrascht war ich jedoch, dass es inzwischen auch ein Winterloch gibt, während dessen man es für nötig hält, Banalitäten zu „News“ aufzublasen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Das „Sommerloch“ kennt jeder. Das ist die Zeit, in der alle im Urlaub sind, auch die Politiker. Und weil in dieser Zeit angeblich nichts Bedeutendes passiert, berichten die Medien dann über Pipifax, zum Beispiel über Puffbesuche von Ottfried Fischer oder neue Bücher von Frank Schirrmacher.<br />
In kleineren Städten bringen die Lokalzeitungen dann gerne lustlose Portrait-Serien über vorbildlich integrierte Migranten oder über das soziale Engagement der örtlichen Kommunalpolitiker-Gattinen. Daran hat man sich gewöhnt, auch wenn jeder weiß, dass dies Pseudonachrichten sind.</p>
<p>Denn selbstverständlich könnte man auch im Sommer über reale Ereignisse berichten. Der Mist in der Welt hört ja nicht auf, bloß weil in Baden-Württemberg und NRW Schulferien sind. Oder in Niedersachsen. Selbst der Mist in NRW, Hessen und Niedersachsen hört nicht auf, bloß weil die Politiker im Urlaub sind. Schön wär’s.</p>
<p>Überrascht war ich jedoch, dass es inzwischen auch ein Winterloch gibt, während dessen man es für nötig hält, Banalitäten zu „News“ aufzublasen. Zum Beispiel, dass in Rom ein verwirrter Fan eine Absperrung überwindet und auf das Objekt seiner Begierde zustürmt, um es zu umarmen. Ein geradezu alltäglicher Vorgang für Lady Gaga und Bill Kaulitz von „Tokio Hotel“ und deswegen höchstens für die RTL-2-News von Interesse. Heißt der Star aber Joseph Ratzinger – und mit Künstlernamen „Benedikt XVI.“ – wird dafür ein Platz in der Tagesschau frei geräumt und die Zeitungen überschlagen sich. Allerdings: Die Tatsache, dass Sie, werter Leser respektive werte Leserin, sich schon jetzt, gerade mal ein, zwei Monate danach, kaum noch dran erinnern, zeigt ja nur, wie unbedeutend das eigentliche Ereignis war.</p>
<p>Natürlich wussten das die Journalisten in diesem Moment auch schon, aber wenn der Heiligen Mediengeist beschließt zu berichten, dann wird eben berichtet. Nicht, dass die Kollegen senden und drucken und man selbst steht schweigend daneben! Und dann fallen grotesk inhaltlose Sätze wie der folgende aus der „Tagesschau“: „Der Papst verlor seine Mitra und seinen Bischofsstab, blieb aber unverletzt.“ Mit anderen Worten: Nichts ist passiert. Oder wie es auf RTL 2 heißen würde: „Jimi Blue Ochsenknecht wurde von einem jugendlichen Fan umarmt und zu Boden gerissen, er verlor dabei seine Basecap und seinen ipod, stand aber gleich wieder auf und gab gutgelaunt ein Interview“.</p>
<p>Die Papst-Verehrerin bekam den gleichen Nachrichtenwert zugebilligt wie der missglückte Terroranschlag auf einen Airbus in den USA, bei dem – hätte der Anschlag geklappt – fast 300 Leute gestorben wären. Bei dem Zwischenfall in Rom hatte nicht nur niemand vor, jemanden zu töten, nein, hätten die Sicherheitskräfte die Frau nicht zu Boden gerissen, wäre der Papst noch nicht mal umgefallen, sondern nur geküsst worden. Dass „Knutschen mit dem Papst“ in der katholischen Theologie vermutlich eine größere Sünde als der Tod von 300 Menschen ist, steht auf einem anderen Blatt. Sehr schön auch, dass die Presse gleich eine „Attentatsserie“ in Italien konstruiert und das Papst-Hugging in Zusammenhang mit dem Angriff auf den Ministerpräsidenten und Medien-Mogul Silvio Berlusconi stellt, bei dem letztlich auch nichts passierte, außer, dass ein armer Irrer einem mächtigen und korrupten Größenwahnsinnigen auf hilflose Weise eine auf die Omme gehauen hat.</p>
<p>Nochmal ganz deutlich: Bei Attentaten wird geschossen, gesprengt oder mit einem großen Messer auf jemanden eingestochen, Menschen sterben dabei oder werden zumindest schwer verletzt. Wenn jemand seine Mütze verliert oder bloß eine weitere Schönheitsoperation braucht, ist das kein Attentat, sondern politisch bedeutungslos und nachrichtentechnisch eine Bagatelle. Aber im Winterloch ist das wurscht.<br />
Da merkt ja auch niemand, wie ballaballa und geschmacklos es ist, wenn davon berichtet wird, dass die deutschen Soldaten im afghanischen Masar-i-sharif zu Weihnachten ein Krippenspiel aufführen, während man sich Zuhause fragt, warum die Bundeswehr in Kundus Zivilisten bombardieren lässt.<br />
Die Meldung, dass im gleichen Camp kurz nach dem Bombenangriff T-Shirts mit brennenden Tanklastwagen und der Aufschrift „Du sollst nicht stehlen“ auftauchten, hat es übrigens nicht in die Tagesschau geschafft.</p>
<p>Mal schauen, was im nächsten Jahr die große Winterschlagzeile wird. Vielleicht: „Queen Elisabeth verbrüht sich beim Fünf-Uhr-Tee die Zunge!“ oder „Horst Köhler abends im Bett eingeschlafen!“</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/wahnsinn-in-china-fallt-ein-papst-um/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>the queen and i</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/01/the-queen-and-i/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/01/the-queen-and-i/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 22:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-01]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=5994</guid>
		<description><![CDATA[Das einzige, was mich in letzter Zeit leicht verstört, mir sogar immer wieder eine regelrechte Gänsehaut verpasst, ist mein Morgentee beziehungsweise seine Darreichungsumstände.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Ich bin ein zähes Bürschlein und lasse mich von nichts so schnell aus der Bahn werfen. Zwar bin ich am frühen Morgen etwas empfindlicher, aber selbst in diesem fragilen Zustand immer noch in der Lage, einiges auszuhalten, seien es nun großflächige Schimmelkolonien auf der Marmelade, dummdünkelhafte Kulturschnatzen-Interviews im Radio oder – in bestimmten Phasen meines Lebens – bis zum Anschlag vollgeschissene Kleinkinder-Windeln. Das einzige, was mich in letzter Zeit leicht verstört, mir sogar immer wieder eine regelrechte Gänsehaut verpasst, ist mein Morgentee beziehungsweise seine Darreichungsumstände.</p>
<p>Traditionell trinke ich das edle, mahagonifarbene, aber in Deutschland tragischerweise durch die 80er-Jahre-Alternativbewegung in sockige Zusammenhänge gestellte und somit übel beleumundete Getränk aus einem englischen “mug”, einem becherähnlichen, aber behenkelten Gefäß, das ich einmal von meiner in London lebenden Schwester geschenkt bekommen habe. Im Jahre des Herrn 1992. Normalerweise merke ich mir nicht, wann mir wer was geschenkt hat. Für sowas habe ich keinen Speicherplatz. In diesem Fall ist es jedoch anders und einfach. Auf der Tasse steht: “40th Anniversary of HM Queen Elisabeth II. 1952 &#8211; 1992”, und ein Bild der frostig-tantigen, inzwischen schon über ein halbes Jahrhundert auf dem Thron sitzenden Königin prangt mittig auf dem Trinkbecher. Vielleicht sollte ich besser im Imperfekt sagen: prangte. Denn vor einiger Zeit schaffte ich mir eine Geschirrspülmaschine an, weil ich ahnte, dass diese Maschinen eine Art materialisiertes, technikgewordenes Glück sind. Und ich muss sagen: Selten wurde eine Ahnung – oder wie es so unschön heißt: ein &#8220;Bauchgefühl&#8221; – durch die Realität so uneingeschränkt bestätigt wie in diesem Fall. Befreit von der täglichen Last des Soßenkrustenlösens und Angetrocknetenmilchschaumabschrubbens und vor allem Überdenabwaschstreitens lässt es sich befreit aufleben, und die eigene Existenz wird zu einem nimmerendenwollenden Kindergeburtstag. Aber dieses küchenhygienische Prozac hat auch seine Tücken.</p>
<p>Eigentlich neige ich nicht zu esoterischem Kokolores, glaube weder an Horoskope noch an Hellsichtigkeiten und Kaffeesatzlesereien, und selten habe ich so herzhaft gelacht wie über die Rudolf Steinersche Theorie vom “zweiten Jesus”, aber dennoch werde ich das Gefühl nicht los, langsam aber sicher zum Königinnen-Mörder zu werden.</p>
<p>Mit jeder Geschirrspülmaschinenwäsche verblasst das Bild der Queen um mehrere Grade. Zunächst wurde es einfach nur gleichmäßig heller, dann aber verwandelte sich “E II” aufgrund des unterschiedlichen Ausbleichungspotentials der benutzten Farben in eine Stammeschefin aus einem fernen Südseeinselreich. Sowohl ihr ehemals blaues Kleid als auch das sorgfältig um das Kissengesicht drapierte Haupthaar waren kaum noch zu erkennen, die einst rosafarben angelegte Gesichts- und Dekolletéfarbe dunkelte aber dagegen ins Braune spielend nach. Doch auch diese exotische, körperlose, geisterhaft schwebend wirkende Erscheinung wird nun stetig undeutlicher. Irgendwann wird auch sie verschwinden. Und dann wird sie von uns gegangen sein, Elisabeth Windsor, Königin von Großbritannien und Nordirland, Haupt des Commonwealth. Und ihre Corgis werden verwaist sein. Und Handtaschen so groß wie Überseekoffer werden aus der Welt der Modeaccessoires verschwinden. Prinz Charles, das menschliche Tampax, wird den Thron besteigen, sein Pferd zur Königin machen, England zum bio-dynamischen Landbau bekehren und die Architektur der Moderne in Schutt und Asche legen.</p>
<p>Wenn ich ehrlich bin, ist mir das eigentlich alles relativ egal – ich neige sogar dazu, Letzteres zu begrüßen – , was mich aber doch frösteln lässt, ist der Gedanke, dass es in meiner Macht steht, diese Ereignisse zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Manchmal denke ich darüber nach, die Tasse einfach in die hinterste Ecke meines Ikea-Hängeschränkchens zu stellen und der Angelegenheit ein Moratorium zu verordnen. Aber ich kann nicht anders: Ich muss ihn allmorgendlich benutzen, den “killing mug”. Fragen Sie mich bloß nicht, warum. Zur Hochzeit von Charles und Diana im Jahr 1981 schenkte mir meine Schwester übrigens auch eine Tasse. Kein Wort über das Schicksal dieses Trinkgefäßes! Schließlich kann ich nicht an allem schuld sein. Hin und wieder muss man auch ein wenig Hoffnung zulassen&#8230;</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/01/the-queen-and-i/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>die reaktion der reaktion</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/12/die-reaktion-der-reaktion/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/12/die-reaktion-der-reaktion/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Nov 2009 22:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2009-12]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=6010</guid>
		<description><![CDATA[Meine Güte, was wurde und wird sich da ob der Tatsache, dass Sarrazin für seinen rassistischen Verbalamoklauf nicht sofort das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, in die Tasche geheult...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Kommen wir noch mal zurück auf Sarrazin. So schnell sollte man bei sowas nicht zum Alltag übergehen. Nachdem ich zunächst überrascht war, wie schnell ein Teil der medialen Öffentlichkeit von Empörung auf Eigentlich-hat-er-ja-Recht umschwenkte, musste ich mich in den vergangenen Wochen vor allem darüber wundern, wie der Herrenreiter Sarrazin auf einmal zum Märtyrer stilisiert wurde. Ich hätte nicht vermutet, dass sich Deutschlands Konservative und Reaktionäre in einem solch bedauernswerten Zustand des verschärften Selbstmitleids befinden. Ausnahmsweise stimmt hier mal das Klischee von den Deutschen als Jammer-Weltmeister.</p>
<p>Meine Güte, was wurde und wird sich da ob der Tatsache, dass Sarrazin für seinen rassistischen Verbalamoklauf nicht sofort das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, in die Tasche geheult: „Im Lande der Leisetreter und der politischen Korrektheit wird jeder, der Klartext redet, gleich niedergemacht. Erbärmlich!&#8221;, schluchzt der Historiker Arnulf Baring der Bildzeitung in den PC. Damit bedauert er sich zu allererst selbst, denn auch er wurde ja „nieder gemacht&#8221;, als er in einer Fernsehsendung feststellte: „Der Hitler hat ja in einem Maße dieses Land in Bewegung gebracht, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Er hat in den 30er Jahren, was bis in die 40er, 50er &#8211; man kann sagen &#8211; in die 60er Jahre weitergewirkt hat, den Leuten einen Elan vermittelt, der vollkommen von uns gewichen ist.&#8221; Wie allgemein bekannt ist, wurde Baring danach enteignet, zwangsbeschnitten, seine Pensionsansprüche wurden ihm gestrichen, und die geschätzten siebentausend gut bezahlten Fernsehauftritte nach dieser Äußerung konnte er nur in Anwesenheit einer Hundertschaft Bereitschaftspolizisten aus Mecklenburg-Vorpommern absolvieren. Mal abgesehen davon, dass Brad Pitt ihm eigenhändig ein Hakenkreuz in die Stirn ritzte.</p>
<p>Auch Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und nun Honorarprofessor und freischaffender Schwadroneur, beklagt in einem Radio-Interview weinerlich, der ehemalige Berliner Finanzsenator werde „fertig gemacht&#8221; und beschreibt in einem offenen Brief an Sarrazin den Zustand unserer Demokratie folgendermaßen: „Die Art der an Ihnen geübten Kritik aus dem politisch korrekten Milieu aus Politik und Medien stellt ein Armutszeugnis für den Zustand der Meinungsfreiheit in unserem Land dar. Ich kenne keine Demokratie, in der das Aussprechen gewisser Wahrheiten solche Konsequenzen hat.&#8221; Wenn man die Angelegenheit auch nur eine Sekunde aus Henkels Perspektive betrachtet, muss man ihm sofort zustimmen: Es ist auf keinen Fall einzusehen, warum diejenigen, die die politische und wirtschaftliche Macht in diesem Land haben, nicht unkritisiert, unwidersprochen und von Medien unbehelligt ihre Meinung sagen dürfen. Ja, wo sind wir hier eigentlich?</p>
<p>Auch Henryk M. Broder, der weiß, wie hart es sein kann, wegen kulturalistischem Eindreschen auf Minderheiten mit einem Job als Spiegel-Autor bestraft zu werden, ist wie üblich empörter als empört: „Wenn einer bei uns das Kind beim Namen nennt, dann schreit halb Deutschland: Stopft ihm das Maul!&#8221;</p>
<p>In diesem Reigen der üblichen Wirrredner fehlt eigentlich nur noch die hektische Konservative Bettina Röhl, die vor Jahren Joschka Fischer als &#8211; huch, wer hätte das vermutet? &#8211; gewalttätigen, machtgeilen Parvenü entlarvte. Röhl leitet offensichtlich aus der Tatsache, dass sie die Tochter Ulrike Meinhofs ist, eine Art negative Verpflichtung ab, auf alles einzudreschen, was irgendwie nach „links&#8221; und „68&#8243; riecht. Als konservative Widerstandskämpferin versteckt sie Sarrazin jetzt verbal in ihrem Wandschrank, damit er nicht den totalitären, mordlustigen Häschern der ‚political correctness&#8217; in die Hände fällt: „Was Sarrazin gesagt hat, muss jemand sagen dürfen, ohne, dass er persönlich vernichtet wird. Der Weg von der Heuchelei zur Hatz, zur Menschenjagd, ist nicht weit.&#8221; Auch sie wird ihren Mut zwangsläufig damit bezahlen müssen, weiterhin gut honorierte Artikel für „Die Welt&#8221; und andere große, überregionale Zeitungen zu schreiben. Und Sarrazin selbst muss jetzt bei vermutlich gleichen Bezügen weniger arbeiten und darf in Zukunft als Experte für gescheiterten Multikulturalismus über die Diskussionsbühnen der Republik tingeln, um sich von der selbstgerechten Stammtisch-Elite des Landes auf die Schulter klopfen zu lassen.</p>
<p>Es ist schon ein hartes Schicksal, ein Märtyrer für die deutsche Sache zu sein.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/12/die-reaktion-der-reaktion/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>kalt erwischt</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/11/kalt-erwischt/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/11/kalt-erwischt/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 31 Oct 2009 22:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2009-11]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=6007</guid>
		<description><![CDATA[Empörenderweise ist es nicht die mitteleuropäische Witterung allein, die versucht, mich schockzufrosten. Nein, der Kältefeind hat nur allzu oft ein menschliches Gesicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Auch wenn die Winter schon lange nicht mehr das sind, was sie mal waren: Deutschland ist und bleibt ein kaltes Land. Und das eben nicht nur im metaphorischen Mentalitäts-Befindlichkeits-Sinne, nein wortwörtlich, eins zu eins. Ich muss es wissen, denn ich habe hier Zeit meines Lebens nur gefroren. Ich bin sozusagen ein Zitterexperte, ein jämmerliches, bemitleidenswertes Frostbeulchen. Ich muss mich ständig aufheizen und versuchen, die Wärme solange wie möglich in mir zu halten. Ich besitze zu diesem Zweck u.a. isländische Thermo-Unterwäsche, vierfach um den Hals zu wickelnde, abstoßend anthroposophisch aussehende Strick-Schals, mehrere Walkwollepullover mit Walkwollekapuzen, schaffellgefütterte Stiefelchen und eine gigantische russische Fellmütze, eine sogenannte Schapka, die ich mich aber nicht traue aufzusetzen, weil ich dann aussehe, als wohnte ein ungepflegter, langhaariger Biber auf meinem Kopf. Gerne würde ich mir auch den Taschenofen aus dem Anzeigenteil der „ADAC-Motorwelt“ bestellen, aber ich befürchte, dass mich dann Personen aus meinem näheren Umfeld ins betreute Wohnen einweisen lassen.</p>
<p>Obwohl allein schon das Wort „Taschenofen“ ganz eindeutig nach einer epochalen Erfindung, einem Lifestyle- und Survival-Kracher klingt: Wer braucht schon ein Handy? Einen iPod? Einen Hund an der Leine? Musik hören, kommunizieren und Tiere liebhaben muss ich unterwegs nicht wirklich – gewärmt werden will ich jedoch auf Schritt und Tritt.</p>
<p>Empörenderweise ist es nicht die mitteleuropäische Witterung allein, die versucht, mich schockzufrosten. Nein, der Kältefeind hat nur allzu oft ein menschliches Gesicht. Und er sagt Dinge wie: „Kann ich mal das Fenster aufmachen, isso stickig hier drin!“ oder „Wieso heizen? Ist doch erst November!“ oder „Bei dem schönen Wetter setzen wir uns aber raus, ja?!“</p>
<p>Meist antworte ich dann: „Nein, Pardon, das Fenster bleibt zu, die Heizung drehen wir mal schön auf Anschlag – und wenn Gott, der alte Freizeitgärtner, gewollt hätte, dass ich im Herbst in einem Straßencafé sitze, dann hätte er mich in Italien eingepflanzt, wenn nicht sogar in Kuba – aber bestimmt hätte er mich nicht in einem Land aufwachsen lassen, in dem selbst die Dackel karierte Wollmäntelchen tragen!“</p>
<p>Aber die Frostdämonen nehmen mich leider nicht ernst. Sie lachen mich nur aus und keckern mir ins Ohr, ich wäre zu empfindlich, ich stellte mich an; oft fallen sogar unschöne Hitlerjugend-Begriffe wie „verweichlicht“ und „verzärtelt“! Immer wieder schlägt man mir vor&#8230; ach was: man befiehlt mir, ich müsse mich „abhärten“, als sei das Leben nicht hart genug, wie wir spätestens seit Extrabreits Polizistensong wissen. Ich versuche den Menschen zu erklären, dass das Unsinn ist, dass es mich nicht „abhärtet“, in kalter Zugluft zu sitzen, im Nieselregen spazieren zu gehen oder in feuchten Herbstnächten auf Rügen zu biwakieren. „Kapiert doch endlich, ihr Deppen“, argumentiere ich sachlich, „ich werde davon nicht härter, sondern einfach nur krank!“ Aber Argumenten ist der Naturburschenschaftler nicht zugänglich. Kälte schadet offensichtlich dem Bregen. Nicht umsonst entstanden die ersten Hochkulturen in den warmen Regionen dieser Welt. Der Norden holte später zivilisatorisch nur auf, weil er erst das Lagerfeuer importierte und auf dieser Grundlage die Gasetagenheizung, den Badezimmer-Heizstrahler und die Käpt’n-Blaubär-Wärmflasche erfinden konnte. Deswegen, verehrte Leserschaft, im Sinne des Fortschritts und gemeinsam gegen die Barbarei gerichtet – jetzt einmal alle zusammen: TÜR ZU, ES ZIEHT!</p>
<p>PS: Es ist übrigens kein Widerspruch, dass die radikalsten und frostigsten Kaltluftfanatiker sich in unschöner Regelmäßigkeit in einen muffigen, dampfigen Raum zurückziehen und dann – meist im Rudel – freiwillig und konzentriert vor sich hin schwitzen. Sie tun dies nicht etwa, weil sie vielleicht doch ein menschliches Bedürfnis nach Wärme hätten, sondern nur, um sich hinterher – nachdem sie ihre gestählten Körper auf ca. 147 Grad Celsius aufgeheizt haben – wie hartgekochte Eier in eiskaltem Wasser abzuschrecken oder sich nordisch-rustikal in Neuschnee zu wälzen. Nur um dieser Kontrastwirkung Willen wurde die Sauna erfunden: Erst die vorher genossene Hitze lässt die Kälte so richtig knackig kalt erscheinen. Sowas findet der extremistische Gesinnungswikinger sexy. Was ist das bloß für eine Welt?</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/11/kalt-erwischt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>schweizer socken satt</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/10/schweizer-socken-satt/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/10/schweizer-socken-satt/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 22:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2009-10]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=5512</guid>
		<description><![CDATA[Eigentlich sind Kolumnen über Socken seit dem 4. Deutschen humorpäpstlichen Konzil, abgehalten vom 18. bis 23. März 2001 in Wuppertal-Barmen, offiziell und strengstens verboten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="size-medium wp-image-4142 alignleft" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="El Kurdi" width="300" height="239" /></a>Eigentlich sind Kolumnen über Socken seit dem 4. Deutschen humorpäpstlichen Konzil, abgehalten vom 18. bis 23. März 2001 in Wuppertal-Barmen, offiziell und strengstens verboten. Die härteste Strafe – das Anschauen einer Live-DVD „Mario Barth liest Erna Brombeck“ in Endlosschleife– steht übrigens auf Kolumnen über Waschmaschinen, die einzelne Socken „verschwinden lassen“, „fressen“ oder in „Parallel-Universen voller einsamer, einzelner Socken teleportieren“. Grund für das Verbot ist die angebliche Häufung von Kolumnen über solchermaßen perdu gegangene Fußkleider in den Jahren zuvor. Ich schreibe „angeblich“, weil ich zwar mehrmals Menschen über das Socken-Problem habe plappern hören, auch im Fernsehen, aber mir lediglich eine einzige Zeitungs-Kolumne zu diesem Thema vor die Lesebrille gekommen ist. Und die war noch nicht mal unlustig. Vermutlich handelt es sich bei der Mär von der Kolumnen-Schwemme über sich dematerialisierende Socken um einen typischen Fall von urbanem Medien-Mythos, erfunden von frustrierten Redakteuren in der journalistischen Midlife-Krise.</p>
<p>Schlimm ist allerdings, dass es durch das Verschwundene-Socken-Kolumnen-Tabu inzwischen so weit gekommen ist, dass man gar nicht mehr über Socken schreiben darf. Dabei gäbe es über dieses Themenfeld auch jenseits des Waschmaschinen-Phänomens so viel zu berichten: Die hässlichen Sockenbündchendruckränder an wabbeligen weißen Waden oder die nachlässig geschnittenen, teils scharfkantigen Fußnägel, die niegelnagelneue Socken brutal aufschlitzen. Oder sprechen wir von den armen geschändeten Einzelsocken, die von pubertierenden männlichen Jugendlichen als Masturbationshilfe oder von Bauchrednern als Dialogpartner missbraucht werden – überall kolumnenwerte Sockenthemen! Egal ob Socken einfach nur scheiße aussehen, weil man zu geizig ist, mehr als 99 Cent für ein Paar auszugeben. Oder ob sie, wie in meinem Fall, über ein Socken-Abo aus der Schweiz importiert werden. Jawoll, da ist es nun, das Kolumnenthema, über das ich – Verbot hin, Verbot her – jetzt einfach schreibe: Ich gestehe, ich lasse mir meine Socken aus dem Ausland schicken. Dieses Socken-Abo ist meine Art, „Ja“ zum bürgerlichen Alter-Sack-Dasein zu sagen.</p>
<p>Obenrum mag ich aussehen wie ein berufsjugendlicher  Dauerschlunzstudent – am Fuß aber bin ich tippitoppi Gentleman. In diesem Zusammenhang muss ich doch mal das deutsche Kulturfernsehen loben. Denn dort, auf „arte“, sah ich im Jahr 2004 einen Bericht über die damals noch kleine Schweizer Firma „Blacksocks“, welche die prima Idee hatte,Menschen mit regelmäßig zugesandten Sockenpäckchen zu beglücken. Das Geld dafür wird abgebucht, man muss sich also um nichts kümmern. Ehrlich gesagt, habe ich dann, nachdem ich selbst den Vertrag abgeschlossen hatte, alle Rahmenbedingungen komplett vergessen: Ich weiß nicht mehr, was die Socken kosten und wie oft sie geliefert werden, ob ich das Abo irgendwann kündigen oder verlängern muss&#8230; Das Einzige, was ich weiß, ist, dass ab und zu eine flache Pappschachtel in meinem Briefkasten steckt. Meist denke ich dann: „Och nee, nicht schon wieder ein unaufgefordert zugeschicktes Rezensions-Exemplar eines Wellnessbuches aus der Feder einer menopausierenden ZDF-Moderatorin!“, dann aber sehe ich den Absender und weiß: „Hidiho, it’s Socken-Time again!“ Die Socken sind immer die gleichen: Schwarz, Baumwolle, Made in Italy. Und deswegen sind sie auch, ohne das Waschmaschinen-Motiv nochmals eskalieren zu lassen, untereinander kombinierbar und kompatibel. Und das Schönste ist: Sie werden immer mehr!</p>
<p>Inzwischen kann ich wochenlang neue Socken anziehen, ohne auch nur einmal ans Waschen zu denken. Ich bin der Besitzer eines nicht versiegen wollenden Socken-Quells! Ich bin die Socken-Marie! Nur in einem Punkt muss ich die Schweizer Sockenverschicker kritisieren: Liebe Sockenverschicker, jetzt habt Ihr mir schon zum zweiten Mal als lustigen Werbegag ein Tütchen mit zwei – ich zitiere – „Gummisocken mit original Schweizer Käsegeschmack“ beigelegt. Habt Ihr sie noch alle? Beim ersten Mal habe ich die kleinen sockenförmigen Weingummis noch probiert – und, bei Gott, ich schwöre, sie schmeckten wirklich nach altem, hornigen Männerfuß! Ich will gar nicht wissen, was ich als Werbegeschenk bekomme, wenn ich mich endlich dazu hinreißen lasse, mir Euer neues Unterhosen-Abo zu gönnen. Also hört um Himmelswillen auf mit diesem Quatsch!</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/10/schweizer-socken-satt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>aus sparschweinchens oktavheft</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/aus-sparschweinchens-oktavheft/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/aus-sparschweinchens-oktavheft/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 22:15:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2009-09]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=5310</guid>
		<description><![CDATA[Als freischaffender Künstler hat man ständig Angst vorm Verarmen. Immer, wenn ich einen Obdachlosen sehe, denke ich: So könntest du auch mal enden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: RotisSemiSerif,sans-serif;"><span style="font-size: small;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="size-medium wp-image-4142 alignleft" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="El Kurdi" width="300" height="239" /></a></span></span>Als freischaffender Künstler hat man ständig Angst vorm Verarmen.</p>
<p>Immer, wenn ich einen Obdachlosen sehe, denke ich: So könntest du auch mal enden. Und das ist kein Spaß. Deswegen werfe ich auch jedem Bettler etwas in den Plastikkaffeebecher. Und das, obwohl ich zur extremen Sparsamkeit erzogen worden bin.</p>
<p>Diese Knauser-Erziehung wiederum bewahrt mich davor, permanent panisch zu sein, weil ich weiß, dass ich zur Not auch mit wenig auskomme.</p>
<p>Ich bin nämlich ein Kriegskind. Naja, nicht wirklich, also alterstechnisch, sondern in der Generationenfolge. Da meine Mutter 1924 geboren wurde, hätte ich theoretisch auch 1942 auf die Welt kommen können. Oder gar 1940. Praktisch erblickte ich aber erst 1964 das Licht der Welt, weil sich meine Eltern im hohen Alter dann doch noch einmal zum Geschlechtsverkehr entschlossen. Ich hoffe, sie taten es nicht nur um meiner Willen, sondern hatten auch ein wenig Spaß dabei. So wurde ich aber quasi von der Generation der Großeltern meiner Schulkameraden aufgezogen. Einer Generation, die noch von den harten Entbehrungen des Krieges und der Nachkriegszeit geprägt war und diese Erfahrungen an ihre Kinder weitergab.</p>
<p>Während meine Altersgenossen Tri-Top tranken, Kinderschokolade mampften, kaputtes Spielzeug einfach wegschmissen und im Sommer auf dem Rücksitz des neuen VW-Jahreswagens nach Italien in den Urlaub fuhren, sahen meine 70er-Jahre folgendermaßen aus: Schimmel wurde einfach vom Brot weggeschnitten oder von der Marmelade abgelöffelt und dann: rein mit dem Zeugs! Alte Seifenreste sammelte meine Mutter mit der Passion eines manischen Eichhörnchens und presste sie unter Hochdruck zu neuen kunterbunten und olfaktorisch verwirrenden Patchwork-Waschklötzen. Restaurant-, selbst Stehimbissbesuche kannte ich nur aus dem Fernsehen – wenn man aus dem Haus ging und befürchtete, von Hunger und Durst überrascht zu werden, dann hatte man gefälligst eine Schmalzstulle und eine Thermoskanne mit ungesüßtem Hagebuttentee mitzuführen. Ach, und &#8220;UHU&#8221; war für mich ein Begriff aus der Ornithologie – für Bastelarbeiten, zum Papierkleben rührte ich in einem ausgewaschenen Joghurtbecher („ohne Geschmack&#8221;!) ein wenig Mehl mit Wasser an&#8230;</p>
<p>So nützlich solche Low-Budget-Erfahrungen letztlich sind, um die irrationale Angst vorm Verhungern zu vertreiben, so schwierig machen sie aber auch oft den Alltag. Eine Zeitlang musste ich aktiv gegen die Unfähigkeit Dinge wegzuschmeißen angehen. Sowas kann ja schnell zum Messietum eskalieren, wie man aus den diversen Sendungen des Privatfernsehensweiß. Deswegen schmeiße ich neuerdings alles weg, was ich nicht innerhalb des nächsten Monats gebrauchen kann. Naja&#8230; das würde ich gerne&#8230; Aber schon das Formulieren einer solch radikalen Ausmist- Haltung macht frei und gibt Mut für den nächsten beherzten Wegschmiss. Genauso wie vollkommen haltlose öffentliche Geständnisse. So behauptete ich kürzlich in einer Kolumne, dass ich alle Teebeutel sieben bis neun Mal benutze, um sie anschließend auf der Wäscheleine zu trocknen, mit einem Überzug aus den Resten dünngeschneuzter Stoff- Taschentücher zu versehen und als Federdeckchen für die Playmobilfiguren meiner Tochter zu verwenden. Meine inzwischen des Lesens kundige Tochter schüttelte nur den Kopf über diesen Unsinn. Vor allem, weil sie gar keine Playmobilfiguren besitzt. Die sind nämlich zu teuer. Nein, war nur Quatsch, natürlich hat sie Playmo, so schlimm bin ich auch nicht.</p>
<p>Interessant ist allerdings, dass das Thema Sparsamkeit eine sehr widersprüchliche gesellschaftliche Komponente hat: Einerseits funktioniert unser Wirtschaftssystem nur durch hemmungslosen Konsum. Indem der Bürger das verdiente Geld augenblicklich mit schaufelbaggerartigen Gesten zurück in den Umlauf bringt. Sonst schwächelt die Konjunktur, die Wirtschaft krankt. Folge: Verlust des Wohlstands, gesellschaftliche Destabilisierung, Abendland kopfunter! Asketischer Lebenswandel ist somit Subversion, Sparsamkeit ist Sabotage, Geiz ist Terrorismus. Andererseits verherrlichen die gleichen neoliberalen Politiker, die mich zum Konsumieren auffordern, den öffentlichen Geiz. Dann heißt es, der Staat müsse sparen, vorzugsweise an der Kultur und am Sozialen. Da meine Einnahmen als Künstler allerdings oft von genau diesen weggesparten Subventionen abhängen, katapultieren sie mich damit in ein klassisches Dilemma. Was soll ich denn dann ausgeben? Das soll man einer verstehen. Da presse ich doch gleich wieder revolutionäre Seifenklötzchen&#8230;<strong></p>
<p>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/aus-sparschweinchens-oktavheft/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>hopsi lässt&#8217;s krachen</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/hopsi-lassts-krachen/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/hopsi-lassts-krachen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 22:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2009-08]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://skneu.d-1.com/?p=4138</guid>
		<description><![CDATA[Mein erstes eigenes Buch jenseits der Schulpflicht-Lektüre machte mir also eine Höllenangst, oder drehen wir es mal ins Positive: es machte einen so starken Eindruck auf mich, dass ich augenblicklich mein Leben um 180 Grad änderte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="El Kurdi" width="300" height="239" /></a>Als ich kürzlich gefragt wurde, was denn eigentlich mein Lieblingsbuch aus Kinderzeiten gewesen sei, begann ich zu grübeln, kam dann aber zu dem Ergebnis, dass es ein einzelnes „Lieblingsbuch“, einen persönlichen literarischen Nummer-Eins-Hit, in meiner Kindheit gar nicht gegeben hatte.</p>
<p>Aber es gab viele Bücher, die mich beeindruckten. Zum Beispiel meine ABC-Fibel. Gerne behaupte ich, der Name dieser Fibel sei „Hopsi lässt’s krachen“ gewesen, aber das ist leider unwahr. Ganz gelogen ist es aber auch nicht.</p>
<p>„Hopsi“ war nämlich der Name des etwas durchgeschepperten, funky Siebzigerjahre-Cartoon-Eichhörnchens, das als Buchstaben-Protagonist beschwingt durch das Buch tänzelte und mich so in den Alphabetismus einführte. Eigentlich ein schöner Anfang.</p>
<p>Eineinhalb Jahre später bekam ich ein weniger erfreuliches Druckwerk geschenkt. Es hieß „Auf den großen Lehrer hören“ und war ein gediegen irres Kindereinschüchterungsbuch der Zeugen Jehovas. Es wurde mir von einem grauen Männlein, einem Holländer mit Rudi-Carrell-Akzent, überreicht, der meine Mutter an der Haustür für diesen asketischen Endzeit-Club akquirierte. Ich las das Büchlein auf einen Sitz durch und beschloss erschrocken und augenblicklich, nicht mehr zu lügen, das „Rauchen“ von Kaugummizigaretten aufzugeben, keine sündige Beatlesmusik mehr zu hören, nicht mehr in der Badewanne mit meinem Pullermann zu spielen und mein Leben fortan Gott beziehungsweise „Jehova“ und Jesus Christus zu weihen, damit ich nicht am Tage des Gerichts, an „Harmageddon“, von der Erde gefegt würde. Mein erstes eigenes Buch jenseits der Schulpflicht-Lektüre machte mir also eine Höllenangst, oder drehen wir es mal ins Positive: es machte einen so starken Eindruck auf mich, dass ich augenblicklich mein Leben um 180 Grad änderte. Und das als Achtjähriger. Immerhin weiß ich seitdem, dass Literatur etwas bewirken kann. Wenn auch nicht immer Gutes.</p>
<p>Glücklicherweise verlor ich mich literarisch nicht im Theologischen. In unserer Klassenbibliothek lieh ich mir geschätzte zwölf Mal „Die Reiherinsel“ aus. Ich habe keine Ahnung mehr, worum es darin ging. Um Reiher? Sicher. Und vermutlich um eine Insel. Aber sonst? Dahin, dahin&#8230;</p>
<p>Dann fand ich irgendwo ein Bändchen, eher ein Broschüre, über Dachse. Meles meles. So heißt der Dachs auf Latein. Und auf onkelmuffig heißt er „Meister Grimbart“. So wie der Fuchs „Meister Reinecke“ heißt. Das stand alles in diesem Bändchen. Und dass Dachse kleine Junghasen aus dem Nest fressen. Ausgerechnet dieses Werk tippte ich Kapitel für Kapitel auf unserer alten Reiseschreibmaschine ab, heftete die 50 Seiten zusammen und überreichte das so entstandene „Buch“ meiner Klassenlehrerin Frau John mit den stolzen, wenn auch nur formal wahren Worten „Hier, das hab ich geschrieben!“. Eindeutig ein früher Schub von Publikationsdrang (oder -zwang). Ein Phänomen, das auch manchen Berufsautoren noch heimsucht: Egal, was man sich da übers Jahr aus dem Hirn gewrungen, zusammendeliriert oder, wie ich damals, irgendwo abgeschrieben hat – Hauptsache, man hat zur Buchmesse in Frankfurt eine Neuerscheinung. Sonst kann man sich ja bei keiner Verlagsparty blicken lassen&#8230;</p>
<p>Aber zurück zu meinen Leserfahrungen: Als ich von einer Mitschülerin erfuhr, dass man sich für 1 DM in der Stadtteilbücherei einen Leseausweis ausstellen lassen konnte, um dann damit Bücher auszuleihen – so viele wie man wollte, so oft wie man wollte – glaubte ich, im Paradies angekommen zu sein. Ich plünderte die Regale, und ignorierte dabei selbstverständlich jegliche Altersempfehlungen und gut gemeinten Ratschläge der Bibliothekarinnen. Ich las alles kreuz und quer, konsequent eklektizistisch, ganz Kind der Postmoderne: Stevensons „Schatzinsel“, Coopers „Wildtöter “, die „Drei ???“, „Wickie und die starken Männer“, Jungs-Fußballbücher („Elf Freunde müsst ihr sein“), Mädchen-Pferdebücher („Black Beauty“) und etwas später, leicht frühreif, Kishon und Böll, in der wirren Annahme, das sei „echte“ Literatur. Die Bibliothekarinnen zuckten noch nicht mal mit Wimper, als ich mir dreizehnjährig die „Blechtrommel“ auslieh. Das nehme ich ihr heute noch übel. Vor so was Langweiligem sollte man sowohl Kinder wie auch Erwachsene dringend bewahren.</p>
<p>Davon abgesehen halte ich es eigentlich heute noch so: Gelesen wird, was rumliegt. Jenseits von Qualitäts- und Stildiskussionen. Irgendwann kann man schließlich alles gebrauchen.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/hopsi-lassts-krachen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>serienmörder auf schloss windsor</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/serienmorder-auf-schloss-windsor/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/serienmorder-auf-schloss-windsor/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 22:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2009-07]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=4814</guid>
		<description><![CDATA[Unser Rektor allerdings sah in mir einen künftigen Gewaltverbrecher und so landete ich bei einem Kinderpsychologen, auf dessen Nasenrücken sich ein riesiges Mitesserloch auftat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meine persönlichen Erfahrungen mit Psychologen sind glücklicherweise begrenzt und beschränken sich auf zwei Begegnungen: Das erste Mal wurde ich als Grundschüler nach gewissen&#8230; äh&#8230; Verhaltensvariationen&#8230; zu einem für mich sehr verstörenden Vertreter dieser Zunft geschickt, obwohl Bernd Pazeck, der speckige Fiesling, angefangen hatte und mein Tritt in sein Gemächt mit anschließendem halbstündigen Muckireiten ein Akt reiner Notwehr war.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-150x150.jpg" alt="El Kurdi" width="150" height="150" /></a>Unser Rektor allerdings sah in mir einen künftigen Gewaltverbrecher und so landete ich bei einem Kinderpsychologen, auf dessen Nasenrücken sich ein riesiges Mitesserloch auftat.<br />
Immer wenn sich das Psychologengesicht mir zuwendete, musste ich auf bzw. in den Krater starren und glaubte nach einer gewissen Zeit sogar, eine Art Sog zu verspüren. Nach 20 panischen Minuten war mir klar, ich musste aus dem Psychologensprechzimmer verduften, sonst würde ich in das dritte Nasenloch des Psychologen hineinrutschen und für immer im subkutanen Nirwana verschwinden.</p>
<p>Und so verabschiedete ich mich wortlos und setzte meine Schullaufbahn untherapiert fort, was eigentlich auch ganz gut funktionierte.</p>
<p>Meiner zweiten psychologischen Fachkraft begegnete ich im Alter von 16 Jahren. Die alte kettenrauchende Lady hieß wirklich – ich schwöre – Dr. Fimmel und schlief während unserer Sitzungen immer ein. Vorher fragte sie mich stets: „Worüber möchtest Du reden?“ Da ich schon damals unter Kreativitätsdruck schlagartig blockierte, sagte ich dann wahrheitsgemäß: „Das weiß ich grad nicht.“ Sie nickte dann und sagte: „Dann warten wir mal, ob dir noch was einfällt.“ Und nach zehn Minuten Schweigen nickte sie dann habituell ein. Ihre Zigarette glühte zwischen ihrem Zeige- und Mittelfinger weiter. Einmal weckte ich sie und sagte: „Sie sind eingeschlafen!“ – „Bin ich nicht“, murmelte sie trotzig. „Doch doch“, sagte ich, „sie haben sogar geschnarcht!“ – „Quatsch, ich weiß doch, ob ich schlafe oder nicht&#8230; Ist dir jetzt eingefallen, worüber du reden möchtest?“ Uff&#8230;</p>
<p>Seitdem habe ich nie wieder einen Psychologen aufgesucht. Im Fernsehen mag ich Psychologen allerdings sehr gerne. Nicht nur Fitz und Konsorten, sondern auch echte: Experten, die ihre Expertenmeinung zum Besten geben. Am tollsten finde ich Dr. Thomas Müller, seines Zeichens Kriminalpsychologe und Profiler. Müller kommt aus Innsbruck, und so klingt er auch. In seinem archaisch krachenden österreichischen Bergdialekt erklärt Müller in Talkshows, warum Menschen anderen Menschen Köpfe und Pimmelchen absäbeln, ihre Nachbarn kochen und aufessen oder ihre Verwandtschaft in den Keller sperren. Als Beweis für seine Kompetenz und sein Spezialistentum wird dann stets erwähnt, dass Müller einen Teil seiner Ausbildung beim FBI absolviert habe und dort im Knast auch mit richtigen, nämlich amerikanischen Serienmördern sprechen durfte.</p>
<p>Nun aber war ich überrascht, als ich meinen Lieblingspsycho als Experten im ZDF-Dreiteiler „Die Windsors“ entdeckte. Zwischen alten Schwarz-Weiß-Doku-Aufnahmen und liebevoll dilettantisch nachgestellten Spielszenen aus dem Leben der Royals, erklärte der Profiler Müller zum Beispiel, warum Prinz Charles so meschugge ist – weil er nämlich von Mutti nie lieb gehabt und im Internat von Mitschülern gefoltert wurde. Müller gibt küchenpsychologische Weisheiten zum Besten, die so doof sind, dass sie sich nur ein ZDF-Doku-Redakteur aus der Guido-Knopp-Klippschule ausgedacht haben kann.</p>
<p>Ganz kurz hatte ich gehofft, das ZDF habe Thomas Müller verpflichtet, um klarzustellen, dass die Windsors komplett besemmelt sind und einiges auf dem Kerbholz haben – steht nicht auch einervon denen auf der Jack-the-Ripper-Verdächtigenliste? – und dass man von dieser Familie auch in Zukunft noch den einen oder anderen Ritualmord zu erwarten habe. Aber offensichtlich brauchte man Müller nur als textaufsagenden Pychologen-Dummy.</p>
<p>Im Sinne des aktuellen Event- und Action-Fernsehexpertums wäre es allerdings konsequent gewesen, wenn man ganz auf den Psycho-Quatsch verzichtet und stattdessen den ultimativen deutschen Fernseh-Experten engagiert hätte: den forensischen Biologen Mark Benecke, in TV-Kreisen auch „Maden-Mark“ genannt. Dieser hätte mit einer Analyse über den Verwesungsgrad der britischen Monarchie anhand des Insektenlarvenbefalls von Prinz Philips Hirn der Sendung zumindest einen winzigen überraschenden Aspekt abgewinnen können. Aber gut, man kann nicht alles haben.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/serienmorder-auf-schloss-windsor/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Kanakenkinder-Subversion</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/02/die-kanakenkinder-subversion/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/02/die-kanakenkinder-subversion/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 20:34:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>annika</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2009-03]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3881</guid>
		<description><![CDATA[Migrantenkinder sind vor allem eins: ein lästiges, nerviges Problem. Ein „pain in the ass“ der deutschen Gesellschaft. Das ist zumindest der Eindruck, den das öffentliche Delirieren der um Stimmen bettelnden Politiker und vieler Medien – vom Boulevard bis hin zu vielen seriösen Zeitungen – vermittelt. An was die Ausländer-Gören nicht alles Schuld sein sollen! Dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Migrantenkinder sind vor allem eins: ein lästiges, nerviges Problem.</p>
<p>Ein „pain in the ass“ der deutschen Gesellschaft. Das ist zumindest der Eindruck, den das öffentliche Delirieren der um Stimmen bettelnden Politiker und vieler Medien – vom Boulevard bis hin zu vielen seriösen Zeitungen – vermittelt.</p>
<p>An was die Ausländer-Gören nicht alles Schuld sein sollen! Dass einige Bundesländer wieder bei der Bildungsspartakiade „PISA“ versagt haben, liegt etwa nicht an der deutschen Discounter-Schulpolitik und einer Klassen- und Rassensegregation nach der Grundschule, sondern an der Unfähigkeit der kleinen Alis und Fatmas mitzuhalten. Die Jugendkriminalität, das wissen wir seit Roland Koch, entsteht ebenfalls fast ausschließlich im nichtarischen Millieu, und selbst linke und liberale Journalisten tun so, als ob man als Jude oder Schwuler in einer national befreiten Zone in Ostdeutschland weniger gefährlich lebt als im von Orientkids bewohnten Neukölln.</p>
<p>Mit einer Selbstgerechtigkeit sondergleichen inszeniert sich das urdeutsche Deutschland als liberale Zivilgesellschaft, die von den bildungsfernen, kulturell auf Hass und Unterdrückung abonnierten asiatischen Horden bedroht wird. Dieses deutsche Selbstbild, das in den bürgerlichen Vororten und Mittelschichts-Altbau-Vierteln der Großstädte generiert wird, hat natürlich nichts mit der Realität in der sächsischen, niedersächsischen oder oberbayerischen Provinz zu tun, wo oft eine Intoleranz gegenüber jeder Abweichung herrscht, die sich hervorragend mit jedem Islamismus-Irsinn vertragen würde. Aber wen interessiert schon die Wirklichkeit, wenn man auf der Suche nach potentiellen Wahlkampf-Hetz-Themen ist.<br />
Da stürzt man sich doch lieber auf die kleinsten Sündenböcke, deren Hörner – um im Bild zu bleiben &#8211; noch zu klein sind, um sich zu wehren. Politisch und medial kleine Orientalen zu mobben, ist eben eine relativ ungefährliche Angelegenheit und erzeugt kaum Widerspruch. Und das, obwohl wir in einer Gesellschaft leben, in der „Kinderfreundlichkeit“ auf einmal einen hohen Propagandawert hat und die Werbung gerne mal mit großen Kinderkulleraugen Geld verdient. Aber der Umstand, dass auch die kleinen Migrantenkinder –­ die ja meist hier geboren, also eigentlich Deutsche sind ­– vor allem eins sind, nämlich Kinder, wird gerne ignoriert. Und diese Kinder sind eben wie alle anderen auch: manche nett, manche pestig, manche klüger, manche döofer. Offensichtlich sind wir schon soweit, dass man solche Selbstverständlichkeiten wieder aussprechen muss. Schon lange schaut niemand mehr auf das Potential dieser Kinder, dass sie  zum Beispiel, um nur das offensichtlichste zu nennen, oft zwei Sprachen beherrschen. Ach was, heißt es da, die könnten ja keine der Sprachen richtig. Darauf kann man nur sagen: Selbst wenn dem so wäre &#8211; immerhin! Wie viele Immerschon-Deutsche können noch nicht mal eine Sprache richtig?</p>
<p>Interessanterweise passiert  trotz der zum Teil echten, zum Teil konstruierten Probleme mit den Kanakenkindern jetzt auch in Deutschland das, was man in angelsächsischen Ländern schon länger beobachten kann: Die Kulturlosen entern die Kultur. So wäre eine relevante deutsche Popmusik ohne die Ausländerkinder kaum denkbar und die unsäglichen Castingsshows noch unerträglicher. Hier funktioniert die alte Regel: Wer ansonsten keine Chancen bekommt, der muss es eben im Sport oder Showbusiness schaffen. Aber auch für Literatur, Theater und Film werden die Parias immer wichtiger. Kunst braucht eben Reibung. Dass der erfolgreichste und interessanteste deutsche Filmemacher Fatih Akin türkische Eltern hat, ist kein Zufall, sondern nur konsequent. Und während mancher deutscher Literaturkritiker zwanzig Jahre nach Ende der DDR immer noch gen Osten starrt und auf den großen deutschen Wenderoman wartet, entstehen im Westen auf einmal Bücher, die zum Teil  in der Türkei, zum Teil in Deutschland spielen und grade aus diesem Konflikt großen erzählerischen Gewinn ziehen. Die Autoren, die Namen wie Zaimoglu und Özdogan tragen, sind natürlich deutsche Schriftsteller.</p>
<p>Bleibt nur zu hoffen, dass solche Erfolgsgeschichten auch zur Folge haben, dass immer mehr Migrantenkinder sich weigern, die Berufsvorschläge, die die deutsche Medien-Öffentlichkeit ihnen macht anzunehmen: Man muss kein Drogenhändler, islamistischer Terrorist und keine zwangsverheiratete Massenmutter werden. Nee, man kann auch Filme machen, Bücher schreiben. Oder sich meinetwegen zur Partei-Chefin wählen lassen.</p>
<p>Hartmut El Kurdi</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/02/die-kanakenkinder-subversion/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Howard x und die schwarze Macht des ZDF</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/02/howard-x-und-die-schwarze-macht-des-zdf/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/02/howard-x-und-die-schwarze-macht-des-zdf/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 31 Jan 2009 22:23:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>annika</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2009-02]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3862</guid>
		<description><![CDATA[Das Jahr 2009 ist inzwischen zwar schon einen ganzen Monat alt, aber dennoch habe ich mich immer noch nicht vom Hammer des Jahres 2008 erholt. Eigentlich wirkte dieses vergangene Jahr ja eher aufregungsarm und öde. Doch vermutlich hatte nur irgendeine höhere Macht versucht, mich in einer Art lethargischer Sicherheit zu wiegen, um mir dann auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jahr 2009 ist inzwischen zwar schon einen ganzen Monat alt, aber dennoch habe ich mich immer noch nicht vom Hammer des Jahres 2008 erholt. Eigentlich wirkte dieses vergangene Jahr ja eher aufregungsarm und öde. Doch vermutlich hatte nur irgendeine höhere Macht versucht, mich in einer Art lethargischer Sicherheit zu wiegen, um mir dann auf den letzten Metern doch noch einen dumpfen Schlag auf den Hinterkopf zu verpassen.</p>
<p>Und das kam so: Kurz vor dem Fest der Liebe hatte ich mich desorientiert in Carmen Nebels ZDF-Weihnachtsshow hinein gezappt und hörte plötzlich ein Lied von Howard Carpendale beginnen. Carpendale nennt seinen Sound in Interviews gerne „internationale Popmusik“, wir anderen, die wir nicht in Howies kleiner Parallelwelt leben, nehmen den Klang anders war: Es ist eine erbsensuppige, urdeutsche 80er-Jahre-Geräusch-Matschepampe. Wenn man ganz still ist und sich mit einer superheldenartigen Energie konzentriert, glaubt man zwar mitunter, echte Musikanteile heraushören zu können, die aber so verkocht und mit dem ESGE-Zauberstab püriert wurden, dass nur noch Moleküle davon übrig geblieben sind.<br />
Das Intro des Songs wurde von einer jungschnatzigen, durchschnittsattraktiven Mietmusikerin gespielt, die in einem schulterfreien Abendkleid am Flügel saß und so einen schönen Gegensatz zum verlebten, bernhardinergesichtigen Carpendale bildete, der das unglaubliche Lied gesanglich mit folgenden Worten eröffnete: „Ich kenn ihn aus dem Fernsehen / Seit über einem Jahr / Am Anfang war ich skeptisch / Doch am Ende war mir klar / Wenn einer etwas ändert / Dann ist es sicher er&#8230;“ Und spätestens jetzt wusste ich, worum es ging, und hatte Angst vor jeder weiteren Zeile. Das konnte der doch nicht wirklich ernst meinen, oder doch? Der Schweiß lief mir den Rücken hinunter in die Poritze. Doch Howie kannte keine Gnade: „Und ich hätt auch mitgeschrien / Wenn ich dabei gewesen wär: Yes we can!“</p>
<p>Oh mein Gott! Howard Carpendale, der weiße Bub aus dem ehemaligen Rassistenland Südafrika, versuchte hier offensichtlich ein Lebenstrauma aufzuarbeiten. Oder einfach nur die Obama-Besoffenheit der Deutschen finanziell zu verwerten. Beides kann einem eigentlich egal sein, aber in der direkten Konfrontation schmerzte das Lied doch sehr. Selbstverständlich stammt der Text dieser „Hymne der Superlative im orchestralen Soundgewand“ (Presseinfo) nicht von Carpendale selbst, sondern von seinem „Freund und Texter“ Joachim Horn-Bernges, auch „liebevoll Knibbel genannt“ (Carpendale-Fan-Seite), der den Song allerdings auf Carpendales Aufforderung hin schrieb. Dazu Carpendale:  „Ich habe in letzter Zeit mit vielen Freunden in Deutschland gesprochen und konnte die negative Stimmung nur noch schwer ertragen. Also habe ich Joachim angerufen und ihm gesagt, wir brauchen für die Weihnachtstour noch einen Song, der nach vorne geht, der den Menschen in dieser schweren und unsicheren Zeit wieder Mut macht. Ich sagte ihm einfach &#8216;Yes We Can&#8217; und der Song war geboren.&#8221; Und so textete Knibbel, von Howie aufgepeitscht, gehorsam und vollrohr nach vorne: „Es war die Nacht der Nächte / Und ich war bis morgens wach / Und ich wünschte mir nichts mehr / als dass dieser schwarze Mann es schafft&#8230;“</p>
<p>In Carmen Nebels Fernsehshow kam dann passend zu dieser Textzeile der schwarze Mann ins Bild beziehungsweise eine Gruppe schwarzer Menschen, die man für die Fernsehkamera in wallende Gospelkostüme gesteckt hatte. Um das Wohlwollen des weißen Mannes am Mikrofon zu illustrieren, mussten die Chormitglieder dann im Refrain „Yes we can“ playbacken und dazu ihre Fäuste in die Luft recken, wie dereinst die schwarzen Lauf-Helden Tommie Smith und John Carlos bei der Olympiade in Mexiko. Zum großen Finale dieses verstörenden Black-Power-Mini-Musicals ließ der Regisseur den Chor dann auch noch nach vorne zum Bühnenrand stampfen als befänden sie sich auf dem Marsch nach Washington. Und Howard Luther King hob an zur Moral des Songs: „Schreibt es groß auf Häuserwände / Malt die Straßen damit voll&#8230;“ Ja, was denn, womit denn? Keine Macht für Niemand? Neue Männer braucht das Land? Nein: „Wir können alles, wenn wir’s woll’n“.</p>
<p>Wer würde da widersprechen wollen? Selbstverständlich können wir alles! Sogar einen FDP-Schlager über Obama schreiben, damit im Fernsehen auftreten und im Hintergrund einen Gospelchor als Schmonzettenhopse missbrauchen. Man muss nur abgefuckt genug sein.</p>
<p>Hartmut El Kurdi</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/02/howard-x-und-die-schwarze-macht-des-zdf/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Schraubstockeier zum Kaffee</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/schraubstockeier-zum-kaffee/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/schraubstockeier-zum-kaffee/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 16:15:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2008-10]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3620</guid>
		<description><![CDATA[Klar kann man sich’s auch einfach machen. Musik hören und nicht drüber nachdenken. Ruhe ist. Aber kaum lässt man das Hirn anlaufen, befindet man sich als deutschsprachiger Popmusikkonsument in einem Dilemma, das so alt ist wie die Welt oder zumindest wie Udo Lindenberg. Was fast das Gleiche ist. Wenn man zum Bespiel Musik mit englischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Klar kann man sich’s auch einfach machen. Musik hören und nicht drüber nachdenken. Ruhe ist. Aber kaum lässt man das Hirn anlaufen, befindet man sich als deutschsprachiger Popmusikkonsument in einem Dilemma, das so alt ist wie die Welt oder zumindest wie Udo Lindenberg. Was fast das Gleiche ist.</p>
<p>Wenn man zum Bespiel Musik mit englischen Texten hört, versteht man entweder gar nix oder kaum was, weil Deutsche nun mal, trotz ständigem Denglisch-Geplapper und „Du ich flieg im Oktober wieder nach New York“, in den seltensten Fällen richtig, ‚in echt’ Englisch können. Oder weil die Vortragenden auf Heroin, Strohrum oder Chrystal Meth sind und nuscheln wie Gerd Ruge. Wenn man aber wirklich Pech hat, versteht man alles, und dann kann man textlich gesehen oft auch gleich „Pur“ hören. Nein, sorry, da bin ich etwas übers Ziel hinaus geschossen. Sowas wie „Pur“ und ihre besinnungslosen lyrischen Meditationen gibt es nur einmal. Oder sagen wir so: Sollte es nur einmal geben. Aber leider: Kürzlich machte ich – live auf einem niedersächsischen Stadtfest – die Entdeckung, dass es tatsächlich eine „Pur-Coverband“ gibt. EINE PUR-COVERBAND! Und augenblicklich fragte ich mich, wie man so leichtfüßig die Grenzen nicht nur des guten Geschmacks, sondern auch jeglicher moralischen Integrität überschreiten kann. Ich meine, wie sprechen hier von Hartmut Engler, dem Meister spießigen Anwanzerei an ein konservatives, aber doch „irgendwie empfindsames“ CD-Käufer-Klientel. Hartmut Engler, der Zeilen textet wie: „Wie sie durch die Küche tanzt oder Atmosphäre schafft“ oder „Komm mit ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand“. Gegen Engler ist Peter Maffay eine gradlinige, ehrliche 1:1-Haut. Aber davon abgesehen, sollen Engler und seine Kumpanen machen, was sie wollen, aber diesen Schmonzes auch noch zu covern? Da wünscht sich selbst ein Atheist wie ich, dass es doch eine Hölle geben möge. Aber zurück zum eigentlichen Thema: Selbst englischsprachige Lieder, die man inhaltlich mittelokay bis großartig findet, würden auf Deutsch meist doof und/oder prätentiös klingen. Wer mir das nicht glaubt, kann ja mal hilfsweise ein Lied von &#8230; sagen wir: Neil Young übersetzen. Songtexte bestehen ja nicht nur aus dem inhaltlichen „was“ sondern auch aus dem formalen „wie“. Und das „wie“ ist oft ziemlich klischeebeladen. Ich kann mich noch erinnern, als ich zum ersten Mal „My my hey hey“ von Mr. Young hörte. Ich war sehr angetan, gradezu gerührt, und bis heute finde ich, dass es ein wunderschönes Lied ist. Voller Weisheit. Und peinlichster Rock’n’Roll- Banalitäten! Nicht nur, dass es dort heißt: „Hey hey my my, Rock’n’Roll can never die“, nee, Young singt da auch noch: „Der König ist weg, aber nicht vergessen. Dies ist die Geschichte von Johnny Rotten. Es ist besser zu verbrennen als zu verrosten. Dies ist die Geschichten von Johnny Rotten“. Mhm &#8230; und plötzlich hat man den Verdacht, dass Gunther Gabriel viel Unrecht getan wurde. Beschwerdebriefe bitte nicht an mich oder das „Stadtkind“, sondern direkt an Neil Young schicken. Danke. <a href="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2008/10/elkurdijpg1.jpg"><img class="size-medium wp-image-3621 alignleft" title="elkurdijpg1" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/10/elkurdijpg1-196x300.jpg" alt="" width="196" height="300" /></a><a href="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2008/10/elkurdijpg1.jpg"><img class="size-medium wp-image-3621 alignnone" title="elkurdijpg1" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/10/elkurdijpg1-196x300.jpg" alt="" width="196" height="300" /></a></p>
<p>Und wenn man dann deutsche Songs hört, die man nicht als peinlich empfindet – egal ob die nun, je nach Geschmack und soziologischer Gruppenzugehörigkeit, von Johanna Zeul, Rio Reiser, Danny Dziuk, Slime, Abwärts oder den Ärzten stammen – dann stellt man fest, dass man den Texten nicht entrinnen kann. Es ist unmöglich, deutschsprachige Musik holistisch, als Synthese von Text, Musik und Darbietung wahrzunehmen. Oder als angenehmes Trallala im Hintergrund. Immer drängt sich der Text nach vorne und schreit: „Hör mir zu!“</p>
<p>Ob Amerikaner oder Engländer ein ähnliches Problem haben, weiß ich nicht. Vielleicht finden die diese Textdominanz auch normal, weil sie nie Lieder hören, bei denen sie ums Verrecken nicht wissen, worum es geht. Außer „Whiter Shade of Pale“ von Procul Harum. Das hat noch niemand verstanden. Ist aber die große Ausnahme. Und deswegen liefe in Amerika auch nie „Bobby Brown“ von Frank Zappa im Radio. Wie neulich im Sonntagnachmittagsprogramm vom NDR. Ich saß mit meiner mich besuchenden Tante Magda bei Kaffee und Kuchen und Zappa sang dazu: „Sie steckte meine Eier in den Schraubstock, aber den Schwanz ließ sie draußen, er hängt zwar noch dran, aber jetzt komme ich zu früh“. Tja, da nahm ich mir dann noch ein Mandarinenschnittchen mit Schlagsahne und lächelte Tante Magda freundlich an. Und sie lächelte ahnungslos zurück.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/schraubstockeier-zum-kaffee/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Automatenabitur an der Volkshochschule</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/automatenabitur-an-der-volkshochschule/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/automatenabitur-an-der-volkshochschule/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2008 15:44:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2008-11]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3457</guid>
		<description><![CDATA[Volkshochschulen und ihr Angebot werden oft als lächerlich dargestellt. Vor allem von Menschen, die sich als Elite der gebildeten Schichten sehen, obwohl sie tatsächlich nur mittelmäßig was auf dem Hirnkasten haben. Aber das ist die Crux des deutschen Bildungssystems: Es selektiert nicht nur sozial und rassistisch und verhindert so, dass Arbeiter-, Hartzvier- und Migrantenkinder eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2008/10/elkurdijpg.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-3458" title="elkurdijpg" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/10/elkurdijpg-196x300.jpg" alt="" width="196" height="300" /></a></p>
<p>Volkshochschulen und ihr Angebot werden oft als lächerlich dargestellt. Vor allem von Menschen, die sich als Elite der gebildeten Schichten sehen, obwohl sie tatsächlich nur mittelmäßig was auf dem Hirnkasten haben. Aber das ist die Crux des deutschen Bildungssystems: Es selektiert nicht nur sozial und rassistisch und verhindert so, dass Arbeiter-, Hartzvier- und Migrantenkinder eine höhere Bildung erlangen, sondern lässt auch gleichzeitig atemberaubend viel Doofes und Selbstgerechtes aus den Mittel- und Oberschichten bis zum Universitätsabschluss durchrutschen. Irgendjemand muss ja die Seminarräume überfüllen.</p>
<p>Jahrelang machten Kabarettisten, wenn ihnen nix mehr einfiel, Witze über vermutlich erfundene VHS-Kurse wie „Waldbodenatmung für Anfänger“ oder „Hatha-Yoga für Hausfrettchen“. Lustigerweise haben diese Kabarettisten ihre ersten Bühnenerfahrungen meist Ende der Siebzigerjahre in VHSTheaterkursen wie „Finde deinen eigenen Clown“ oder „Phantasieren, probieren, entdecken – Stuhlimpro I“ gemacht. Aber das Gedächtnis ist nun mal kurz.</p>
<p>Dabei ist die Volkshochschule schon allein deswegen eine prima Erfindung, weil sie von der schönen Prämisse ausgeht, dass man immer etwas dazu lernen kann. Und grade das traditionell zwischen absolut praktisch und angenehm abseitig changierende Kursangebot ist eine große Stärke dieser Einrichtungen. Ob es die „Waldbodenatmung“ jemals gegeben hat – wer weiß, aber wie schade wäre es eigentlich, wenn niemand je auf eine solch besemmelte Idee gekommen wäre? Aber vermutlich fehlt den Deutschen einfach der Respekt vor dem Exzentrischen und sinnlos Besonderen. Wobei ich vermute, dass die kreativen Kursbenennungen in der Regel lustiger als die Kurse selbst sind. Zum Beispiel bietet die VHS Dortmund in diesem Halbjahr die Koch- und Alliterationskurse „Fingerfood mit Pfiff“, „Häppi Häppchen – Rezeptideen für die Silvesterparty“ und den Nähkurs „Mützen, Taschen und Co. KG“ an. Das ist wirklich schön: „&#8230;und Co. KG“ in Zusammenhang mit Nadelarbeiten!</p>
<p>(Kleine Abschweifung: Bei „Häppi Häppchen“ musste ich sofort daran denken, wie ich dereinst gegenüber eines Imbisses mit dem Namen „Happi Happi Grill“ wohnte und mich jeden Tag beim Ausdemfensterschauen über diesen Namen freute. Fast so wie zu der Zeit, als ich gegenüber von „MacSchnatter“ lebte, dem ersten Burgerimbiss meiner Heimatstadt, lange bevor die anderen „Mac“-Verbrecher das Land eroberten. Ob der Besitzer „Schnatter“ hieß oder wie man sonst auf sowas kommt – fragt mich nicht. Auf alle Fälle gab es dort einen üppigen, lecker handgeformten Cheeseburger und einen mit Frischfrucht hergestellen Mango-Milkshake. Man möchte glatt wehmütig werden&#8230; Wo wir schon einmal beim Thema Essen sind: Die Volkshochschule Hannover bietet einen Kurs „Kochen mit Insekten“ an und bewirbt ihn mit folgenden Fragen: „Warum sind Weinbergschnecken eine Delikatesse, während uns der Gedanke an Nacktschnecken erschaudern lässt? Warum verzehren wir Garnelen und lassen Heuschrecken links liegen? Also haben Sie Mut und probieren Sie mit mir Grillen, Mehlwürmer und Heuschrecken.“ Eben! Und jetzt zurück ins Ruhrgebiet &#8230;.)</p>
<p>Aber auch inhaltlich leistet die Volkshochschule Dortmund Bedeutendes und springt in Bildungsbreschen, die von anderen mit großer krimineller Energie und hirnloser Wucht geschlagen werden. Mein Lieblingskurs im Bereich „Technik“ ist: „Automatenschulung Deutsche Bahn“. Und genau darum geht es: Da der größte Bahnchef aller Zeiten, Hartmut Mehdorn, alles tut, um das Benutzen von Zügen möglichst unattraktiv und schwierig zu gestalten, bietet die VHS nun einen Kurs an, in dem man „gemeinsam mit einem Experten am Automaten trainieren“ kann, um „das Beste aus dem Automaten herauszuholen, Fahrkarten schnell und unkompliziert auszudrucken, sich die günstigsten Zugverbindungen anzeigen zu lassen und Platzreservierungen vorzunehmen. Nah- und Fernverkehrsautomaten werden für Sie dann keine Geheimnisse mehr sein!“</p>
<p>Der Kurs wird interessanterweise nicht von einem verschrobenen, hornbebrillten Computernerd durchgeführt, sondern von „Dirk Haferkemper, Empfangschef im Reisenzentrum Dortmund Hbf“. Der Kurs dauert zwei Stunden und kostet 2 Euro. Und – was soll man sagen – damit liegt die Gebühr immer noch 50 Cent unter dem wieder zurückgezogenen Beratungsaufschlag der DB beim Kauf einer Fahrkarte am Schalter. Wenn nicht auch das wieder für die Volkshochschulen spricht&#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/automatenabitur-an-der-volkshochschule/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Schmeiß die Oma auf den Teller</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/schmeis-die-oma-auf-den-teller/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/schmeis-die-oma-auf-den-teller/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Aug 2008 11:41:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2008-06]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=198</guid>
		<description><![CDATA[Als freischaffender Theaterregisseur ist man oft auf Montage und lebt aus dem Rollköfferchen. So habe ich dereinst sieben Wochen in einem Gästezimmer des Volkstheaters Rostock verbracht, das intern „die Suite“ genannt wird, weil es im Gegensatz zu den anderen Zimmern über ein Doppelbett verfügt. Gegen „die Suite“ ist nichts zu sagen: sie ist günstig, man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;">Als freischaffender Theaterregisseur ist man oft auf Montage und lebt aus dem Rollköfferchen. So habe ich dereinst sieben Wochen in einem Gästezimmer des Volkstheaters Rostock verbracht, das intern „die Suite“ genannt wird, weil es im Gegensatz zu den anderen Zimmern über ein Doppelbett verfügt. Gegen „die Suite“ ist nichts zu sagen: sie ist günstig, man hat seine Ruhe, ein eigenes Waschbecken und ein Telefon. Und morgens kann man den Chirurgen im Krankenhaus gegen-über auf den OP-Tisch kucken. Um Details zu erkennen bräuchte man allerdings ein Fernglas, womit man sich wahrscheinlich aber den Frühstückshunger verderben würde. Gegessen habe ich übrigens ausschließlich in der Theaterkantine. Morgens, mittags und abends. Ich kenne einige Theaterkantinen und jede ist ein bizarres Erlebnis für sich, aber die Rostocker Kantine bedeutete für mich unwissenden Westler Exotik pur, da man mich hier liebevoll und gnadenlos mit der ganzen Bandbreite der DDR-Kulinarik bekannt gemacht hat.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">So stand eines Tages „Jägerschnitzel“ auf der Karte und ich erwartete, wie ich es aus tausend schmierigen West-Autobahnraststätten kannte, ein fies frittiertes Schweineschnitzel mit gallertartiger Tüten-Pilzsoße. Was mir aber Waltraud, die von allen zu Recht verehrte Kantinengöttin, auf den Teller legte, war etwas paniertes Rundes. Da ich mich grundsätzlich nicht sofort beschwere, sondern gerne mal überraschen lassen, sagte ich nichts. Vielleicht stand da ja ein Geometrie-Freund in der Küche und schnitt mit einer großen Fleisch-Schere die amöbenförmig in alle Richtungen lappenden Schnitzel schön kreisförmig. Weil er es so ästhetischer findet. Oder man war hier im Besitz einer jener womöglich sagenumwobenen „Rundschnitzelstanzen“, deren Existenz mir einfach nur noch nicht zu Ohren gekommen war. Und wer wollte angesichts einer solchen brillanten Erfindung doof rummaulen?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ich setze mich zu Herrn Donat, seines Zeichens Schauspieler und Exil-Berliner und seit zwei Jahrzehnten am Volkstheater Rostock engagiert,  und begann zu essen. Irgendwann wurde ich nachdenklich: „Sachma, kann das sein, dass das Jägerschnitzel &#8230; ’ne dicke Scheibe Wurst ist?“ –  „Watt’n sonst?“, antwortete Herr Donat. „Ditt is ’ne panierte Scheibe Jagdwurst. Jägerschnitzel eben.“ Er tat unschuldig, aber seinen belustigt blitzenden Augen konnte ich ansehen, dass er sehr wohl den Grund meiner Verwirrung kannte. Ich nickte und kaute weiter. Warum auch nicht? Vom Prinzip her war das „Jägerschnitzel“ nichts anderes als warmer „Leberkäse“. Und der hat ja auch weder was mit Leber noch mit Käse zu tun. Und hat sich da je jemand beschwert? Ebend.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Herr Coenen, ein ehemals im Niedersächsischen beheimateter Schauspieler, der zur Zeit in Eisenach engagiert ist, machte übrigens eine ähnliche Erfahrung. Nur beging er den Fehler, an der Eisenacher Kantinen-Theke darauf zu bestehen, dass „das Runde da“ kein Jägerschnitzel sei, was bei der dortigen Belegschaft nicht gut ankam. Als er dann auch noch „Letscho“, die in der Ex-DDR inflationär gereichten Paprikastückchen in Tomatensoße, freundlich ironisch mit „Oh Letscho, die Antipasti des Ostens!“ auf seinem Teller begrüßte, bekam er den „Arroganter Wessi“-Stempel auf die Stirn, was in seinem Fall eigentlich nicht fair ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Zurück in die Rostocker Kantine: Ein anderes Mal bestellte ich dort „Grützwurst“. Ich bekam einen Teller mit Kartoffeln, Sauerkraut und einem rötlich-braunen Wurstbrei. Als ich mich setzte, nickte mir Herr Hückler wissend zu. Herr Hückler war der für mich zuständige Dramaturg und somit verpflichtet, mir die Welt zu erklären: „Sieht ja nicht gut aus, die alte Dame“, sagte er. Ich schaute mich um. Welche „Dame“ meinte er? „Da auf deinem Teller“, sagte er und zeigte auf die Grützwurst, „das nennt man ‚Tote Oma’, das gibt’s auch ohne Blutanteil, dann ist die Oma grau&#8230;“ Ein wenig kam es mir so vor, als wolle er mich damit schockieren. Aber als aufgewachsener Nordhesse, also als jemand, der aus der Heimat Armin Meiwes stammt, kenne ich diesbezüglich keinen Schmerz. Da isst man auch Omas.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Zwei Tage nach meiner ersten Grützwurstbegegnung verkündeten übrigens Frau Czesienski und Frau Schall, beide ebenfalls gelernte DDR-Bürgerinnen, in ihrem Umfeld sei die „Tote Oma“ unter dem Pseudonym „Verkehrsunfall“ serviert worden. Und ehrlich gesagt, beim Blick auf den Teller mag man gar nicht entscheiden, welcher Name der treffendere ist&#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/schmeis-die-oma-auf-den-teller/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Bastian Sicks Unterhaltungsfallobst</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/bastian-sicks-unterhaltungsfallobst/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/bastian-sicks-unterhaltungsfallobst/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Aug 2008 09:54:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2008-07]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=125</guid>
		<description><![CDATA[Deutschland braucht offensichtlich mal eine ordentliche Katastrophe: eine Eiszeit oder einen kombinierten stalinistisch-satanistischen Militärputsch. Man wird nämlich das Gefühl nicht los, dass es zumindest den angeblich gebildeten Schichten immer noch zu gut geht. Anders kann man nicht erklären, warum diese sich hier zunehmend mit nebensächlichem Unsinn befassen. Wie zum Beispiel mit der Reinerhaltung und Korrektheit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;">Deutschland braucht offensichtlich mal eine ordentliche Katastrophe: eine Eiszeit oder einen kombinierten stalinistisch-satanistischen Militärputsch. Man wird nämlich das Gefühl nicht los, dass es zumindest den angeblich gebildeten Schichten immer noch zu gut geht. Anders kann man nicht erklären, warum diese sich hier zunehmend mit nebensächlichem Unsinn befassen. Wie zum Beispiel mit der Reinerhaltung und Korrektheit der deutschen Sprache.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wir erinnern uns: Vor einigen Jahren liefen alle nationalen Schriftwichtigtuer von Grass bis Walser Sturm gegen die Rechtschreibereform. Günther Grass versuchte sich sogar als Werbetexter, indem er einfach mal so in die Welt neonreklamte: &#8220;Klassisch schreiben heißt richtig schreiben.&#8221; Wieso, weshalb, warum, möchte man da fragen, denn selbstverständlich wohnt diesem Satz, wie vielen Grass&#8217;schen Sätzen, keinerlei Logik inne.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Aber wurscht, die Reform wurde gemacht, ein bisschen korrigiert, die Kinder lernen jetzt die neue Rechtschreibung in der Schule und komischerweise ist weder die Welt untergegangen noch das Abendland der Barbarei anheim gefallen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Doch kaum atmet man auf, da erscheint die nächste Sprachdomina im Grammatik-Latex-Dress und mit Apostroph-Peitsche auf der Bildfläche: Bastian Sick. Bevor mich jemand falsch versteht: Korrektes Deutsch ist durchaus eine feine Sache. Vor allem für Menschen, die ihr Geld mit Schreiben verdienen. Sehr unfein ist es aber, wenn man sein Geld mit der Produktion von Büchern verdient, deren einziger Nutzwert darin besteht, halbgebildeten Gockeln zu einer Gelegenheit  zu verhelfen, andere Menschen auszulachen. Genau das macht Bastian Sick. Das Schlimmste daran ist aber, dass er auch noch behauptet, seine denunzierende, altkluge Erbsenzählerei wäre &#8220;lustvoll&#8221; und &#8220;unterhaltend&#8221;.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Was Sick unter &#8220;lustvoll&#8221; und &#8220;unterhaltend&#8221; versteht, kann man übrigens sehr schön bei seinen Bühnenshows beobachten. Bis vor kurzem konnte ich dazu nichts sagen, weil ich schreckliche Angst davor habe, jemand anderem beim Peinlichsein zuschauen zu müssen. Das ist mir dann selbst so peinlich, dass ich augenblicklich im Erdboden versinken oder spontan Selbstmord begehen möchte, obwohl ich ja im Peinlichkeitsverantwortungssinne vollkommen schuldlos bin. Und da ich befürchtete, bei einer Sick-Performance in genau diese Situation zu geraten, blieb ich dieser Art der Mittelschichtsbelustigung gerne und ohne Zwang fern.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Aber wie&#8217;s manchmal so kommt, zappte ich neulich durch das Fernsehprogramm und erwischte leider in irgendeinem Kulturmagazin einen Ausschnitt aus Sicks Live-Show. Es handelte sich um das Opening der lustigen Deutsch-Sause. Sick begrüßte das Publikum: &#8220;Meine Name ist Bastian Sick. Einige werden jetzt sagen, das ist doch der mit dem Dativ, andere werden sagen, das ist der mit dem Genitiv. Aber ich kann Ihnen versichern: Ich bin ein Mann für alle Fälle!&#8221; Inhaltlich ist das grottig und beschämend genug, schlimmer aber noch war der laienspielhafte Aufsageton, der dennoch eine vollkommen grundlose Stolz-wie-Oskar-Selbstsicherheit demonstrierte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">So geriet Sicks Showanfang ganz mühelos zu einem Akt der Selbstentblößung, wie man ihn sonst nur von talentlosen DSDS-Kandidaten kennt. Nur dass man mit diesen Mitleid em-pfindet, weil man weiß, dass sie keine Chance haben und im nächsten Moment vom pöbelnden Ein-Mann-Mob Bohlen auf unterstem Niveau beleidigt werden. Wenn allerdings irgendein Mensch einen Bohlen-Kommentar verdient hätte, wäre es Sick. Aber wahrscheinlich würde der dann doch nur einen Text über Bohlens Grammatik-Fehler schreiben, gegen den man selbst den stuhldoofen Dieter in Schutz nehmen müsste.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Letztlich ist Sick nur ein tantenhafter Bildungskleinbürger. Das Sicks Sprach-Konservatismus auch mit einem gesellschaftlichen Lifestyle-Konservatismus korrespondiert, ist an einer Antwort abzulesen, die er in einem Interview auf die Frage gab, warum er glaube, dass das, was er tue, auch Jugendliche interessieren könne: &#8220;Viele wollen tatsächlich etwas erreichen. Und dazu gehören eben nicht nur eine solide Ausbildung und eine gepflegte Erscheinung, sondern auch eine gute Wortwahl, korrekte Sprache. Das ist meiner Meinung nach auch das beste Rüstzeug, das man mit in ein erfolgreiches, glückliches und erfülltes Leben nehmen kann.&#8221;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Muffiger hätte auch ein Ecki von Klaeden diese Binsen- und Halbwahrheit nicht formulieren können.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Hartmut El Kurdi</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/bastian-sicks-unterhaltungsfallobst/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Taxidriver reloaded</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/el-kurdi-im-august/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/el-kurdi-im-august/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 Aug 2008 14:42:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2008-08]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=50</guid>
		<description><![CDATA[Als Mensch ohne Führerschein bin ich ein zwangläufiger Nutzer des Öffentlichen Personennah- und -fernverkehrs. Ich steige überall ein, wild und wahllos: In Busse, U-Bahnen, Straßenbahnen und Züge. Und in Taxis. Taxis entsprechen exakt meiner Vorstellung von Luxus: Wenn man sie braucht, werden sie bestellt, benutzt und bezahlt, ansonsten gehen sie einen nichts an. Man muss [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;">Als Mensch ohne Führerschein bin ich ein zwangläufiger Nutzer des Öffentlichen Personennah- und -fernverkehrs. Ich steige überall ein, wild und wahllos:  In Busse, U-Bahnen, Straßenbahnen und Züge. Und in Taxis.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Taxis entsprechen exakt meiner Vorstellung von Luxus: Wenn man sie braucht, werden sie bestellt, benutzt und bezahlt, ansonsten gehen sie einen nichts an. Man muss sie nicht versichern, waschen, voll tanken oder – nachdem das Töchterlein eine komplette Bananenmilchtüte auf der Rückbank ausgedrückt hat – verschrotten lassen, weil man den Geruch von saurer, verranzter, sich im Polster zersetzender Milchprodukte nie wieder aus einem Auto rauskriegt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Taxis sind ein anderes Wort für Seligkeit. Wenn man nicht grade Pech mit dem Fahrer hat. Meiner Erfahrung nach kommt das aber viel seltener vor, als die vielen Klischee-Comedy-Gags über schlechtgelaunte, ortsunkundige Taxifahrer behaupten. Die meisten Taxifahrer sind wirklich okay. Feine Kerle und Kerlinnen. Durchaus. Aber manchmal passiert es dann eben doch, dann  begegnet man IHM oder in meinem Fall IHR, und wenn sie Glück haben, ist sie einfach nur BÖSE, wenn sie Pech haben ist sie (hier setzt in der Hörbuchversion dieses Textes das fiese Unterderdusche-Totstech-Geräusch aus „Psycho“ ein): DIE IRRE TAXIFAHRERIN.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das Erste, was ich damals von ihr wahrnahm, war eine Stimme wie ein Hodentritt. Ich wartete in meiner Küche auf den bestellten Wagen, da hörte ich einen akustischen Reiz irgendwo zwischen Kampfhundgekläffe, kehligem Catcher-Gegröle und dem Geräusch einer Flex, mit der auf einem bankrotten Bauernhof ein alter Mähdrescher zerlegt wird.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ich schaute aus dem Fenster. Vor dem Haus stand das leere Taxi mit geöffneter Fahrertür, dahinter das Auto eines meiner Nachbarn und daneben eine nikotingegerbte Frau Ende 40, die den völlig perplexen Fahrer durch die Windschutzscheibe anschrie, als wolle sie das Sicherheitsglas zum Bröseln bringen: Er solle sich verpissen, sie müsse gleich hier raus, so Typen wie ihn habe sie gefressen, und dann schlug sie mehrmals mit der flachen Hand auf seine Motorhaube.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Er stieg reflexartig aus, um seinen VW-Jahresgolf zu schützen, da schoss DIE IRRE TAXIFAHRERIN auf ihn zu und brüllte ihm im Einzentimeterabstand ins Gesicht, so wie das amerikanische Soldatenausbilder mit amerikanischen Soldaten in amerikanischen Soldatenfilmen tun. Er zögerte kurz, schluckte dann defensiv, stieg ins Auto und setzte zurück. Ich beeilte mich nach unten zu kommen und schlüpfte ängstlich ins Taxi.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die IRRE TAXIFAHRERIN krawallte die ganze Fahrt weiter, über „diesen Bekloppten, kennen Sie den?“, über die Ampelschaltungen und über den „Scheiß-Weihnachtsverkehr“: „Da kommen diese ganzen dummen Landeier in die Stadt, die fahr’n sonst ja nur Trecker, die muss man alle zum Idiotentest schicken“.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das fand ich fast schon wieder komisch, aber dann hob sie zu einer langen Anti-Weihnachts-Suada an und verfluchte den Konsumwahn: „Feiern Sie Weihnachten?“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ich sagte, ja, schon wegen meiner fünfjährigen Tochter, da müsse man&#8230;</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">„Ach was“, knarzte sie düster, “das kann die nicht früh genug lernen, dass das alles Schwachsinn ist! So ist das nun mal im Leben, ist doch alles Scheißdreck!“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ich schwieg verstört. Als wir angekommen waren, stellte ich fest, dass ich nur einen Fünfziger hatte. Die IRRE TAXIFAHRERIN schaute mir in die Augen. Ihr hirnentsichernder Blick sagte: „Das meinst Du doch nicht ernst, oder? Du kannst Dir doch vorstellen, was jetzt passiert! “ Wörtlich sagte sie kalt und verheißungsvoll: „Jetzt hamwer’n Problem, Freundchen!“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ja, sie sagte wirklich “Freundchen“ zu mir, und ich ließ es mir gefallen. Und hörte mir dann in Death-Metal-Konzert-Lautstärke an, dass das eine Unverschämtheit sei, ich ja wohl überhaupt nicht nachdenken würde, und ob sie eine Bank wäre&#8230;  Ich hatte mit meinem Leben schon abgeschlossen und rechnete mit allem inklusive eines Pistolenlaufs in meinem Mund. Irgendwann aber atmete sie tief durch und gab mir problemlos die 35 Euro raus. Auf eine Quittung verzichtete ich aus verständlichen Gründen. Gestern bestellte ich nach Monaten mal wieder ein Taxi. Als ich die Wagentür öffnete, brüllte Sie: „Wenn ich noch einmal so’n Radfahrer in der Einbahnstraße erwische, dann fahr ich den an die Wand!“ Mir brach der Schweiß aus. Panisch griff ich zum Portemonnaie.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Und augenblicklich war mir klar: Ich hatte nur diesen blöden Hunderter in der Tasche.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/el-kurdi-im-august/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
