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	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; el kurdi</title>
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	<description>Ein weiteres tolles WordPress-Blog</description>
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		<title>vorwärts in die vergangenheit</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 11:57:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2011-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir Kenner und Liebhaber der Populärkultur wissen, dass Zeitreisen unkalkulierbare Risiken bergen. Zum Beispiel ist nach wie vor unklar, ob man in der Vergangenheit etwas verändern darf, und wenn ja, was das für Folgen haben kann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13198" title="Hartmut El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Wir Kenner und Liebhaber der Populärkultur wissen, dass Zeitreisen unkalkulierbare Risiken bergen. Zum Beispiel ist nach wie vor unklar, ob man in der Vergangenheit etwas verändern darf, und wenn ja, was das für Folgen haben kann. Vertauscht man zum Beispiel aus Versehen auf einer Hochzeitsfeier im Jahre 1929 zwei Tischkärtchen, lernt sich vielleicht ein potenzielles Ehe- und Elternpaar nicht kennen, jemandes Geburt fällt möglicherweise aus, deswegen wird logischerweise die Mondlandung abgeblasen, dafür aber gewinnt Franz Josef Strauß 1980 die Wahlen, der Frankfurter Kneipenschwadroneur Joschka Fischer tritt nie den Grünen bei, lässt sich aber 1993 fürs Showbusiness entdecken und moderiert als Nachfolger von Wolfgang Lippert „Wetten dass&#8230;“ bis er am 7. Juli 2012  in der TUI-Arena in Hannover explodiert und damit das Ende des öffentlich-rechtlichen Fernsehens besiegelt. Alles hängt mit allem zusammen.</p>
<p>Oder ein anderes Zeitreisen-Problem: Man reist rückwärts – wie dies Stanislaw Lem in seinen „Sterntagebüchern“ beschreibt – existiert dann aber aufgrund technischer Komplikationen parallel auf zwei Zeitebenen, die sich überraschend kreuzen und überlagern, begegnet sich so selbst und endet im schlimmsten Fall in einer sich stetig wiederholenden Zeitschleife. Wie genau das funktioniert, kann ich nicht mehr genau erklären und leider kann ich es auch nicht nachlesen, weil ich die „Sterntagebücher“ offensichtlich in einem dieser Paralleluniversen vergessen habe. Oder in Braunschweig. Was übrigens ungefähr das Gleiche ist.</p>
<p>Aber trotz aller möglichen Gefahren würde ich gerne mal mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen. Allerdings eher zum Kurzstreckentarif: In die Endsechziger/Anfangsiebziger des zwanzigsten Jahrhunderts.  Reisen in richtig ferne Zeiten interessieren mich nämlich nicht die Bohne. Das alte Rom, Kaiser Barbarossa, der wilde Westen, Bismarck, Stalin, Hitler, die Azteken, einen Abend mit Jesus und seinen Kumpels – alles nix für mich, sowas schau ich mir lieber bei „Terra X“ im ZDF an. Was mich brennend interessiert, ist Folgendes: Ich möchte die Zeit, in der ich Kind war, mit Erwachsenenaugen betrachten. Richtig kann ich mich schließlich nur an Bonanzafahrräder, den Hasen Cäsar, Olympia-Dackel Waldi, Gerd Müller und an die Einführung des Instant-Erfrischungsgetränks „Cefrisch“ erinnern, kulturgeschichtlich nicht uninteressant und heutzutage retromäßig enorm verwertbar – sogar kleines dickes Müller macht wieder Fernsehwerbung –, aber mich treiben eher die großen Lifestyle-Mythen und Alltagslegenden jener Zeit um.</p>
<p>Wie gerne säße ich beispielsweise mal im Jahr 1972 in der Redaktion einer großen deutschen Tages- oder Wochenzeitung, um zu überprüfen, ob da wirklich regelmäßig Leute bei der Morgenkonferenz seitlich vom Stuhl kippten, weil schon vormittags zur Kreativitätsbeförderung wie selbstverständlich Whiskey und Cognac gereicht wurde. Der Fama zufolge könnte ich diese alkoholbedingten Berufsunfälle allerdings nur akustisch wahrnehmen, weil aufgrund des verpflichtenden journalistischen Rothändle-Kettenrauchens die Sichtweite keine 30 Zentimeter betrug.</p>
<p>Gerne würde ich auch mal in den Siebzigern einen Blick hinter die Kulissen eines Stadt- oder Staatstheaters werfen. Heute noch lebende Augenzeugen berichten, dass sich dort das darstellende Personal neben, hinter und unter der Bühne ununterbrochen den Freuden der körperlichen Liebe hingegeben hat. Keine Bühnendeko, kein Vorhang, keine Tür hinter der nicht geschnakselt wurde. Nicht, dass ich an diesen quasi staatlich subventionierten Orgien teilnehmen wollte, ich bin da ja eher dezent, aber wenn dem wirklich so gewesen ist, würde diese schlichte Triebhaftigkeit tatsächlich einen schönen Kontrast zum  wichtigtuerisch vor sich ernstelnden 70s-Theater bilden und mich auf eine ironisch-dialektische Art sehr erheitern.</p>
<p>Apropos hemmungsloses Rumgeknatter: Am liebsten würde ich in jenen wilden Zeiten mal einen Tag lang in der Redaktion der St. Pauli Nachrichten verbringen und Leuten wie dem späteren „Spiegel“-Chef Stefan Aust und dem heutigen Springer-Reporter Henryk M. Broder beim Herstellen ihres linksradikalen Schmuddelsexheftchens zuschauen. Ich lächelte dabei milde und altväterlich und stieße mit ihnen auf die Weisheit der Jugend an, weil ich wüsste, dass alles, was sie da an wirrem Kokolores produzierten, harmlos wäre im Vergleich zu dem, was sie 40 Jahren später von sich geben würden. Und für einen Moment wäre alles gut.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>das laberstromnetz</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 10:57:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Bevor mich jemand altklug anraunzt und sagt „Ja, dann meld dich doch ab“, erkläre ich hiermit an Eides statt: Klar, mach ich auch. Demnächst. Oder vielleicht doch nicht. Mal gucken. Schließlich ist es ja so: Wenn man eine Haltung zum Geruckel ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-13198" title="Hartmut El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Bevor mich jemand altklug anraunzt und sagt „Ja, dann meld dich doch ab“, erkläre ich hiermit an Eides statt: Klar, mach ich auch. Demnächst. Oder vielleicht doch nicht. Mal gucken. Schließlich ist es ja so: Wenn man eine Haltung zum Geruckel des Weltenlaufes entwickeln will, kann man nicht immer abseits stehen, sondern muss sich mitunter auch mit wackeligen Knien mitten hinein begeben. Oder wie es im Sportreportersprech heißt: „Man muss dahin gehen, wo es weh tut!“  Zum Beispiel in die sogenannten „sozialen“ Netzwerke.</p>
<p>Da ich zu alt für Studi-, Schüler-, KiTa- und Krabbelgruppen-VZ bin, begann für mich alles mit MySpace. Das gehört zwar dem reaktionären Super-Kapitalisten Rupert Murdoch – eine Art australisch-amerikanischer Axel Springer, nur leider in lebendig – hatte aber für mich einen großen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern, nämlich einen veritablen Inhalt. Bei MySpace  ging es eine Zeit lang hauptsächlich um Musik. Man konnte sich von einer Bandseite auf die nächste klicken, skurrile Indie-Folk-Blues-Garagenbeat-Bands aus Minnesota, Rio, Wattenscheid oder Peine entdecken und so auf angenehme Weise seine Zeit verplempern.</p>
<p>Dass nebenbei auch Menschen darum baten, meine „Freunde“ werden zu dürfen, war okay. Meistens  war ich mit denen schon im echten Leben befreundet, bekannt oder verschwägert – oder es waren interessierte Fremde, die mal was von mir gelesen hatten. Auch sowas freut den zur Vereinzelung neigenden Autoren mitunter.  Außerdem lebt man ja als Schreibender in einer Art Halböffentlichkeit, muss erreichbar und zum Beispiel auch für Lesungen buchbar sein – und da war MySpace eine gute Möglichkeit, sich „im Netz“ zu präsentieren.</p>
<p>Irgendwann stellte ich aber erstens fest, dass die meisten MySpace-Seiten vollkommen unleserlich geworden waren, weil sich da jeder sein eigenes Layout „designen“ konnte, beziehungsweise eben nicht konnte. Bei manchen Seiten hatte man Angst, schlagartig zu erblinden ob der irren Farbgestaltung, die man sonst nur auf Leggins aus dem „kik“-Sortiment findet. Und zweitens: Plötzlich war niemand mehr bei MySpace, alle waren bei Facebook. Und wie man heute sogar in Romanen schreibt: Ich also auch hin.</p>
<p>Und was soll ich sagen: Was meine echten Freunde und die anderen Menschen angeht, mit denen ich mich dort höflich, dezent und sparsam austausche, verhält sich Facebook für mich wie sein Vorgänger MySpace: unspektakulär. Um Musik geht es leider kaum, was schade ist. Obwohl neuerdings immer mehr Leute irgendwelche YouTube-Musik-Videos posten, aber meist handelt es sich dabei um Künstler, die man schon kennt und nicht um schrullige Geheimtipps. Schlimm aber ist der nie abreißende Laberstrom mancher Facebook-Netzwerker. Was treibt jemanden dazu, stündlich zu posten, wo er ist oder mit wem er sich trifft? Diese Informationen könnten doch höchstens Leute interessieren, die sie niemals preisgeben wollen: Auftragskiller, Geheimagentinnen oder blutrünstige Diktatoren. Obwohl selbst bei denen vermutlich siebzig Prozent der Einträge langweilig wären: „Café Latte bei Starbucks – Mhm lecker“ oder „Strumpfhose gekauft – Mist und schon ‘ne Laufmasche drin.“</p>
<p>Am gruseligsten aber sind die in Büros arbeitenden Menschen, die Facebook im Hintergrund laufen lassen, während sie schludrig ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen. Da kann man nur hoffen, dass es sich dabei um Werbetexter, Eventmanager oder Trendforscher handelt und nicht um Sicherheitsbeauftragte der Deutschen Bahn, Krebsforscher oder Risikocontroller der „Hypo Real Estate“, falls die sowas überhaupt haben. Wenn dann aber im dritten Fenster noch ein Nachrichtenportal geöffnet ist, wird’s unterirdisch: Da werden dann aus der Hüfte politische Kommentare in der Welt geschossen, gegen die sogar Mario Barths Analysen der Geschlechterbeziehungen philosophisches Niveau erreichen. Und wenn man diesen Menschen sachlich widerspricht, hört, beziehungsweise liest man diesen typisch patzigen, geist- und witzfreien Internet-Ton, den früher nur schlecht erzogene Menschen in meist anonymen Leserbriefen benutzten. Aber vermutlich handelt es sich bei diesen Meinungspostern sowieso um charakterlich verkrachte Existenzen, denen aufgrund ihrer ungehobelten Art im Privat- und Berufsleben schon lange keiner mehr zuhört und die deswegen im Netz rumstänkern müssen.</p>
<p>Gradezu mysteriös aber ist das Phänomen der frisch verliebten Pärchen, die über ihre Facebook-Pinnwand miteinander turteln. Filmen sich solche Leute auch beim Römpömpeln und laden das dann bei YouPorn hoch? Was nur konsequent und vermutlich sogar unterhaltsamer wäre. Taten sagen ja oft mehr als Worte.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>rein in die puschen, raus aus die puschen</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 14:57:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Als seriöser Freizeit-Kulturwissenschaftler und Gelegenheitsethnologe ist man verpflichtet, dorthin zu gehen, wo es weh tut, eng und dunkel ist und mitunter streng riecht. So erfährt man bekanntlich in Theatern, Museen und auf der Frankfurter Buchmesse nur wenig über unsere Gesellschaft. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13198" title="Hartmut El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Als seriöser Freizeit-Kulturwissenschaftler und Gelegenheitsethnologe ist man verpflichtet, dorthin zu gehen, wo es weh tut, eng und dunkel ist und mitunter streng riecht. So erfährt man bekanntlich in Theatern, Museen und auf der Frankfurter Buchmesse nur wenig über unsere Gesellschaft. Erhellender sind die Informationen, die aus Vereinsheimen, gymnasialen Lehrerzimmern, Betriebskantinen oder von Kinderspielplätzen mit gegenüberliegenden Trinkhallen herüberwehen. Oder auch aus Schuhschränken. Was trägt der Deutsche am Fuß? Hier verweist der Mikro- auf den Makrokosmos.</p>
<p>Unbedeutend ist dabei jedoch, was die Bevölkerung außerhalb ihrer Wohnungen untenrum spazieren führt. Hier regieren die langweiligen, ungleichen Stiefgeschwister „Mode“ und „Praktikabilität “. Wobei das hässliche Entlein Praktikabilität meist die Oberhand behält. Zumindest in Deutschland: Wenn es kalt ist, sind dicke Botten angesagt, im Sommer Sandalen. Der Mode bleibt nur, diese Konstanten auszugestalten und zu variieren.</p>
<p>Woanders ist es anders: So tragen die sympathisch irren englischen Frauen bei Schneeregen gerne zehfreie Riemenstöckler und im höchsten Hochsommer kniehohe, derbe Lederstiefel zu pornofähigen Kurzröcken. Da ist man einen Moment lang verwirrt, freut sich dann aber darüber, dass sich echte Menschen benehmen können wie Romanfiguren – in diesem Fall wie die „Contras“ aus „Little Big Man“, die bekanntlich alles verkehrt herum machen.</p>
<p>Wirklich faszinierend wird es, wenn man tief in die Privatsphäre der Menschen eindringt und erkundet, in was sie zu Hause, in ihren eigenen vier Wänden, hineinfüßeln. Mein Forscherdrang bezüglich dieses Phänomens wurde von einem persönlichen Schlüsselerlebnis ausgelöst. In meinem frühkindlichen Umfeld gab es nämlich keine Hausschuhe. Der eine Teil meiner Familie stammte aus dem orientalischen Kulturkreis, wo man in der Wohnung einfach die Schuhe auszieht und auf Socken herumläuft und der andere Teil entwuchs einem oberhessischen Bauerngeschlecht, in deren Behausung die Unterscheidung zwischen Stall und Wohnküche nur marginal war – und es insofern überhaupt keinen Sinn hatte, das Schuhwerk zu wechseln. Weil sowieso alles speckig war. Letztlich ist die Idee vom Fußboden, der so sauber zu sein hat, dass man von ihm essen können muss, ja auch nur das Ergebnis einer schlimmen 50er-Jahre-Neurose. Wozu gibt’s schließlich Tische und Teller?</p>
<p>Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, mein Schlüsselerlebnis. Als ich dann irgendwann zum ersten Mal bei einem Schulfreund nicht nur aufgefordert wurde, meine Schuhe auszuziehen, sondern auch noch in ein bereit gestelltes Paar „Gästeschlappen“ (das Ereignis fand im Hessischen statt) schlüpfen sollte, war ich verwirrt und angewidert. Ich wollte keine fremden Schuhe tragen! Ich tausche ja schließlich auch nicht meine Unterwäsche mit irgendwem. Außerdem sahen die mir angebotenen Schlappen doof aus. Opaesk, rentneroid, und sie rochen nach Moder und Tod &#8230; Kurzum, das Konzept „Hausschuh“ war mir ein fremdes.</p>
<p>Aber offensichtlich war ich der Einzige, der Probleme mit dieser Fußbekleidungskatastrophe hatte. Im Laufe der Jahre begegnete ich immer wieder Menschen, die outdoor die coolsten Säue waren und in Wildleder-Fransenstiefeln, Cowboyboots, hippen Sneakern oder rahmengenähten italienischen Maßschuhen herumliefen, indoor aber einem Spießertum und ästhetischen Selbsthass unbeschreiblichen Ausmaßes huldigten. Was musste ich da alles sehen: Filzpantoffeln, unförmige Wollstrümpfe, vom Fußschweiß verfärbte Birkenstocksandalen, Hüttenschuhe, fleckige, hinten heruntergetretene Espadrilles &#8230; Aber wann immer ich dieses Thema aufbrachte, schlug mir vollkommenes Unverständnis und Aggression entgegen. Natürlich trüge man in der Wohnung Hausschuhe, was denn sonst? Ob ich mit meinen Straßenschuhen etwa auch ins Bett ginge? Und das waren noch die freundlicheren Fragen, die man mir stellte &#8230;</p>
<p>Ein einziges Mal zog ich aus meiner Hausschuh-Skepsis einen persönlichen Nutzen. Als sich eine junge Dame dereinst zwischen mir und einem Mitbewerber entscheiden musste, gab sie ihm den Vorzug, verließ meine Wohnung, um direkt zu ihm zu gehen. Nach einer halben Stunde klingelte es an meiner Tür. Ich öffnete und sah überraschenderweise die Frau meines Herzens vor mir stehen. Sie schüttelte den Kopf und sagte: „Es ging nicht. Als er die Tür aufgemacht hat, hatte er Cordpuschen an den Füßen!“ Ich sagte: „Verstehe. Komm rein. Die Schuhe kannst du übrigens anlassen.“ Sie lächelte. Dann waren wir acht hausschuhlose Jahre lang ein Paar.</p>
<p><em><strong>Hartmut El Kurdi</strong></em></p>
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		<title>mein leben als knallcharge</title>
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		<pubDate>Sun, 01 May 2011 11:41:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2011-05]]></category>

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		<description><![CDATA[Kowalski spielt 1A, und ich chargiere so tiefgaragig schlecht, dass ich mit diesem Bewerbungsvideo wahrscheinlich sogar bei „Barbara Salesch“ ausgelacht würde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-10246" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Immer, wenn ich Auskunft über meinen Beruf geben muss und ich wahrheitsgemäß antworte, dass ich unter anderem auch Schauspieler bin, werde ich gefragt, ob ich denn auch schon „im Fernsehen“ gespielt habe. Dann antworte ich meist schnell und deutlich „nein“ und lenke vom Thema ab. Weil es gelogen ist. Zwar habe ich tatsächlich fast ausschließlich Theater gespielt – aber eben nur fast. Ein einziges Mal stand ich doch in einem Fernsehfilm vor der Kamera. Leider aber war dies auch gleichzeitig die größte künstlerische Blamage meines Lebens. Und das Gnadenlose daran ist, dass der schlimme Film mit dem schlimmen Titel „Mord im Hause des Herrn“ regelmäßig, ständig, dauernd, immerfort – im Jahr geschätzte 83 Mal – wiederholt wird. Und jedes Mal sieht ihn irgendeiner meiner Freunde oder Bekannten, und leider schauen auch meine Feinde nicht weg.</p>
<p>In „Mord im Hause des Herrn“ spielt der bewundernswert großnasige Rudolf Kowalski den verheirateten 68er-Halligalli-Pfarrer Christoph Wagner, der es ständig mit anderen Weibern hat und konsequenterweise irgendwann seine eigene störende Frau tot macht. Also Sex and God and Rübe ab. Dieser Schmuddelmord-Story liegt der echte Kriminalfall „Geyer“ zugrunde, der sich vor ein paar Jahren in und um Braunschweig ereignete, weswegen der Film auch zum Teil dort gedreht wurde. Und damit komme ich ins Spiel. Damals lebte ich ja noch nicht im charmanten Linden, sondern in der Demnächstmalwiederzweitligastadt kurz hinter Peine.</p>
<p>Es gibt eine Szene im Film, in der der durchgeknallte Pfarrer in einem Laden CDs klaut und dabei erwischt wird. Von einem Ladendetektiv. Und der bin ich. Tja und eben dieser Auftritt ist leider einer der ganz großen peinlichen Momente der Fernsehgeschichte. Ausgewählt wurde ich für die Rolle, weil ich damals am Staatstheater Braunschweig einen Monolog über meine Prollsiedlungs-Kindheit spielte und daher mit Foto im Spielzeitheft abgedruckt war. Und oberflächlich wie Fernsehfritzen sind, dachte wohl irgendjemand der Verantwortlichen beim Durchblättern: Hey, die Fresse passt, den nehmen wir.</p>
<p>Ich wurde zum örtlichen Media-Markt bestellt. Eigentlich sollte ich einen „freakigen“ Plattenmaniac geben, der großflächige Tätowierungen, Geschlechtskrankheiten und Intim-Piercings sammelt und nur nebenbei CDs verkauft und kleptomanische Pfarrer Hopps nimmt. Bis der Regisseur feststellte, dass es solche Typen in Media-Märkten gar nicht gibt.</p>
<p>Stattdessen hatte er ein überraschendes Rendezvous mit der Realität und entdeckte einen  bodygebildeten, einmeterfünfundneunzig großen Security-Fritzen im dunklen Anzug.  Er geriet in Verzückung: „So muss er aussehen! Genau so!“</p>
<p>Und sofort fiel die Kostüm- und Maskenabteilung über mich her, dabei ignorierend, dass ich Schultern wie Kermit der Frosch habe und die „180 cm“ in meinem Personalausweis leider eine traurige Lebenslüge sind, weil ich mit sechzehn fand, dass der Eintrag „178,5 cm“ hochgradig popelig aussieht. Egal, ich wurde rasiert, bekam einen kostenlosen Haarschnitt, einen Anzug, wurde vom Regisseur angeekelt abgelehnt, mit heiligem Ernst neu gestylt, wieder abgelehnt, bis sich der Drehtag dem Ende zuneigte und man mich vor die Kamera schubste.</p>
<p>Dort begegnete ich Rudolf Kowalski, mit dem ich die Szene sage und schreibe zweimal proben durfte und der mir dabei wie der schlechteste Schauspieler der Welt vorkam, was nur daran lag, dass er als erfahrener Fernsehhase im Gegensatz zu mir genau das Richtige tat, nämlich: nichts. Er trug sein Kostüm, stand rum, ging, sackte CDs ein und sagte seinen Text auf. Das wirkte sehr unmotiviert und dilettantisch. Ich dagegen versuchte zu spielen, wie ich es aus dem Theater gewohnt war: zurückhaltend, aber doch mit Schmackes, um auch Reihe fünfzehn noch zu erreichen. Dabei aber wurde ich ständig ermahnt, mich doch bitte innerhalb des handtuchschmalen 15-Grad-Winkels der Kamera zu bewegen, dabei weder die Lampen umzuschmeißen noch die Tonleute mit dem Hintern anzuditschen. Und überhaupt solle ich doch bitte spielerisch ein bisschen „runterschrauben“. Über die doofen Sätze, die ich zu sagen hatte, wurde gar nicht geredet. Was vor allem daran lag, dass sie der Regisseur selbst geschrieben hatte.</p>
<p>Im fertigen Film wirkt die Szene jedoch wie ein Negativ meiner Empfindungen am Set: Kowalski spielt 1A, und ich chargiere so tiefgaragig schlecht, dass ich mit diesem Bewerbungsvideo wahrscheinlich sogar bei „Barbara Salesch“ ausgelacht würde.</p>
<p>Also, falls Ihr mich demnächst mal wieder auf dem Bildschirm seht, bitte sprecht mich nicht darauf an. Ich weiß es doch&#8230;<br />
<strong><br />
Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>wie ich den groove entdeckte&#8230;</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2011/04/wie-ich-den-groove-entdeckte/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 12:10:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2011-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine Mutter hatte ihn nicht. Den Groove. Oder sagen wir mal so: Eine gewisse Art von Groove ist ihr schon eigen, bis heute...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Mutter hatte ihn nicht. Den Groove. Oder sagen wir mal so: Eine gewisse Art von Groove ist ihr schon eigen, bis heute: Der deutsche, der originale, der urgermanische Marsch-Groove: Einszwodreivier, einszwodreivier. Aber dieser Groove groovt ja nicht. Der rumpelt ja, der humpelt ja und holt der Königin ihr Kind.</p>
<p>Mein Vater hätte als Araber theoretisch etwas heftiger Hüftbewegendes in sich haben und lieben können. Immerhin wird im Nahen Osten durchaus getrommelt, zwar nicht so exzessiv wie im allseits bekannten Klischee-Afrika, aber doch immer wieder und mit Freude. Und glücklicherweise betont man dabei nicht immer nur die „1“ im 4/4-Takt, wie es Deutsche Konzertbesucher tun, wenn sie enthemmt im vermeintlichen Rhythmus der Musik mitklatschen, egal, ob sie in einem Funk-, Reggae- oder Rockabilly-Konzert sitzen. Immer auf die Eins! Auch wenn die ganze Band hypnotisch auf die 2 oder 3 drischt.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-10246" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Aber zurück zu meinem Vater: Obwohl Araber, war er doch kein rhythmisch begabter Sufi-Trommler, sondern ein Fan der ägyptischen Schlager-Sängerin Umm Kulthum, die den sentimentalen arabischen Jammergesang pflegte, der relativ arhythmisch frei vor sich hin eiert. Also auch nichts mit echtem Groove. Aber einen kleinen biografischen Vorteil habe ich dennoch: Als kleines Kind durfte ich in London leben. Von 1965 bis 1970. In „Swinging London“. Im United Kingdom der Majestäten Beatles, Stones, Hollies, Who und wie die tausend anderen Beat-Bands hießen. Und die ganz anders als in Deutschland zu diesem Zeitpunkt regelmäßig im Radio gespielt wurden. Diese prähistorische Pop-Berieselung war meine musikalische Früherziehung. Inklusive eines veritablen Erweckungserlebnisses.</p>
<p>Selbst weiß ich nicht mehr, wie es über mich kam. Familienmitglieder berichten nur, dass es sich folgendermaßen zugetragen haben soll: Ungefähr zweijährig spielte ich im Wohnzimmer mit meinen Matchbox-Autos. Nebenbei lief das Radio. Plötzlich konnte man darin einen Song hören, der in mir eine Art positiven Krampfanfall auslöste. Angeblich sollen sich meine Augen geweitet haben, ich musste nach Luft schnappen, das Spielzeugauto fiel mir aus der Hand, ich zeigte auf den Rundfunkapparat, schüttelte ungläubig den Kopf und stammelte irgendetwas, das  wie  „Baby Baby“ geklungen haben muss.</p>
<p>Der Song, der mich so erfreute war nämlich: „My Baby Baby Balla Balla“ von den „Rainbows“, die – wie ich erst viel später erfuhr – kurioserweise eine der wenigen deutschen Beat-Bands mit einer international erfolgreichen Hitsingle war. Zu Hause hatten die Rainbows noch ein paar andere Hits mit so blumigen, nichtenglischen Titeln wie  „Rotkarierte Petersilie“ und „Kommando Pimperle“. Das können Sie gern googeln, wenn sie wollen. Oder einen Zeitzeugen befragen. Noch weilen sie ja unter uns. Und erfahrungsgemäß erzählen die auch gerne von ihrer wilden Zeit damals in den 60er Jahren, als die Pille gerade erfunden und „die Welt noch ein Toastbrot“ war (Matthias Günther).</p>
<p>Auf alle Fälle liebte ich „My Baby Baby Balla Balla“, das Lied hatte sich in meinem Hirn festgebissen, denn meine Mutter behauptet noch heute, ich hätte wochenlang immer wieder „Balla Balla“ gebrabbelt und mich dazu im Kreis gedreht und in die Hände geklatscht. Und als ich dann eines morgens noch einmal die letzten dreißig Sekunden des Liedes im Radio erwischte, hatte ich augenblicklich wieder mitgesungen und zu tanzen begonnen und bitterlich geweint, als der Song zu Ende war. Meine Eltern waren sehr verstört, andererseits aber auch beeindruckt. Sie müssen wohl gespürt haben, dass da etwas Metaphysisches, Mystisches passierte. Etwas zu dem sie nie Zugang haben würden: Ich hatte eine verschlossene Tür aufgestoßen. Ich hatte den Groove entdeckt. Keinen komplexen, keinen polyrhythmisch vertrackten, nur einen treibenden Rock-n-Roll-Bubblegum-Groove. Aber immerhin&#8230;</p>
<p>Eines Abends kam mein Vater von der Arbeit nach Hause, rief mich ins Wohnzimmer und winkte mit etwas Flachem, Quadratischem, Praktischem: es war selbstverständlich die Balla-Balla-Single, die erste Vinyl-Single meines Lebens, der Tonträger meiner rhythmischen Erleuchtung. Mein Vater legte sie auf den Plattenteller, setze den Tonarm behutsam auf, ich spürte den Rhythmus und mein noch gewindelter Po begann, sich in Bewegung zu setzen und ich wusste: Hier lag die Zukunft.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>aktenzeichen xy reloaded</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 14:24:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2011-03]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal ist man eine Zeitlang weg, kommt zurück und ist überrascht, dass sich eigentlich nichts geändert hat. Die Betonung liegt auf „eigentlich“, denn zunächst einmal sieht ja alles ganz anders aus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10246" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Manchmal ist man eine Zeitlang weg, kommt  zurück und ist überrascht, dass sich eigentlich nichts geändert hat. Die Betonung liegt auf „eigentlich“, denn zunächst einmal sieht ja alles ganz anders aus. Jeder kennt das vom Heimaturlaub: Wie ein Spätheimkehrer aus russischer Kriegsgefangenschaft irrt man durch die Straßen der Kindheit und wundert sich über  Zerstörung und Wiederaufbau: Über potthässliche Multiplexe oder Cinemaxxe zum Beispiel &#8211; oder wie diese gigantischen Popcornbuden mit Schmodderfilmbetrieb auch jeweils heißen. Oder über das runtergeranzte Sonnenstudio, dass sich in den Räumen des damals auch schon runtergeranzten Tanzlokals befindet, in dem man zum ersten Mal hirnverflüssigende Rauchdrogen inhalierte. Nichts ist mehr so wie es war.</p>
<p>Aber irgendwann kommt man immer an die eine Parkbank, erinnert sich an hakelige Zahnklammerküsse und ist verwundert, dass die Bank immer noch existiert. Ob es wirklich die selbe ist, lässt sich natürlich nicht überprüfen und ist eher unwahrscheinlich. Aber sie steht an der selben Stelle und sieht auch genau so aus. Insofern stimmt der  erinnerungsbefördernde Eindruck. Das reicht. Und dann wird man ruhig.</p>
<p>Ähnlich geht es mir auch mit medialen Phänomen wie  “Aktenzeichen XY ungelöst”, das ich mir kürzlich nach geschätzten 30 Jahren Abstinenz mal wieder anschaute.  Schon als Kind rezipierte ich die Sendung als reines Humorprodukt. In einer Reihe mit Schweinchen Dick, Klimbim, der Otto-Show und Loriot, dessen XY-Parodie übrigens  leider nur halb so komisch wie das Original ist. Das war damals wirklich Schrullen-Comedy pur:  Der XY-Mastermind Eduard Zimmermann sah aus wie der Schwippschwager von Heinz Erhardt und sprach wie ein hastig zusammengelöteter Roboter. Und selbst als Siebenachtneunjährigem war mir klar, dass die nachgespielten Einbruchs- und Totmachszenen in ihrer schwarzweißen Schlichtheit nichts mit der Realität, aber auch nichts den mir bekannten Fernseh-Krimis zu tun hatten, sondern eigenen ästhetischen Gesetzen folgten, die aber sicherheitshalber niemandem verraten wurden.</p>
<p>Ich kenne allerdings Menschen, denen die handgeschnitzten  XY-Filmchen wochenlang Angst einjagten. Schon ein aus dem Off gesprochener Einstieg wie: „2. Juli 1974, ein Montag: In Altenritte, einem kleinen Ort bei Baunatal, sitzt die Familie Warnke wie jeden Morgen beim Frühstück. Doch etwas ist anders an diesem Tag“ beschrieb eine von einer schwarzen Wolke verdunkelte Normalität, die manch einem das Blut in den Adern gefrieren ließ. Mir nicht. Obwohl ich sonst vor vielem Angst hatte. Aber nicht vor Onkel Ede.</p>
<p>Ich wartete stets auf den ersten schlecht nachgemachten Dialekt, die erste Liveschaltung zu Werner Vetterli in die Schweiz oder  Peter Nidetzky in Wien, auf Sätze  wie „Vermutlich hat der Täter sein Aussehen inzwischen verändert und sieht jetzt so aus“ und auf das dann folgende Foto, auf dem man einen Mann mit fetten Koteletten sah, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit meinem Cousin Walter hatte. Und mit zwanzig anderen Halbstarken aus unsere Siedlung.</p>
<p>Und genau so ein Foto bereitete mir auch beim Anschauen des neuen “XY” wieder große Freude. Zwar ist jetzt sonst alles anders: Ede ist tot und heißt jetzt Rudi Cerne, das Studio ist groß und bunt und sieht aus wie die Kommandobrücke der „USS Enterprise“, aber die Fotos&#8230;</p>
<p>In diesem Fall zeigte man zwei Bilder des ostfriesischen Tresorknackers Dietmar Linke. Eins von 1996 und dann das gleiche Foto, das – so der Beamte vom LKA Niedersachsen – mithilfe einer aufwendigen „Aging“-Computersoftware  bearbeitet worden wäre. Damit könne man den Alterungsprozess simulieren und darstellen, wie Linke wohl heute aussehe. Die einzige  Differenz zwischen beiden Bildern war allerdings, dass Linke auf dem neuen Foto leicht graue Haare hatte. Für die hätte man jedoch kein Computerprogramm gebraucht – da hätte es auch ein Filzstift getan.  Das fiel dann auch Herrn Cerne auf, der grummelte, dass da … naja kein großer Unterschied zu sehen sei, um schnell zum nächsten Punkt überzuleiten: Dietmar Linkes Lache. Die sei nämlich so auffällig, dass man ihn gut daran erkennen könne. Und dann wurde sie eingespielt: Mindestens eine Minute hysterisches Gewieher (hier der Link: http://www.lka.niedersachsen.de/fahndung/linke/linke2.htm ). Der Kriminaler versuchte ernst zu kucken und Rudi Cerne tat so als sein er ein seriöser Moderator. Und ich lachte mit Dietmar Linke um die Wette. So wie ich eigentlich immer schon bei “XY” gelacht hatte. Und alles war gut&#8230;  <strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>die drolligkeit des italieners</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 12:36:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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Apropos Fremdsprachen: Warum fordern ausgerechnet die diesbezüglich maulfaulen Deutschen ständig, die zugezogenen Orientalen sollten gefälligst besser Deutsch lernen? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/06-11_Februar_20111.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-11725" title="06-11_Februar_2011" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/06-11_Februar_20111-300x165.jpg" alt="" width="300" height="165" /></a>Sprache ist schon was Schönes. Gäbe es sie nicht, müssten wir morgens beim Bäcker unsere Brötchen mit dumpfem Gegrunze und wildem Gestikulieren bestellen. Zugegeben, in manchen Regionen Deutschlands machen die Ureinwohner, die beim Backwarenkauf die lokalen Dialekte benutzen und sich an den örtlichen Verhaltenskodizes orientieren genau einen solchen archaischen neandertaleresken Eindruck, aber mit ein wenig ethnologischem Wissen und den entsprechenden Fremdsprachenkenntnissen kann man sogar die spezielle Freundlichkeit der Oberbayern und Thüringer dechiffrieren und würdigen.</p>
<p>Apropos Fremdsprachen: Warum fordern ausgerechnet die diesbezüglich maulfaulen Deutschen ständig, die zugezogenen Orientalen sollten gefälligst besser Deutsch lernen? Nicht, dass man mich falsch versteht: Kaum etwas ist mir rätselhafter als Menschen, die in ein fremdes Land ziehen und nach fünf, zehn, zwanzig Jahren immer noch nicht ordentlich die Landessprache beherrschen. Obwohl ich ansonsten grundsätzlich keinen Hang habe, mich irgendwem anzupassen, wäre es doch mein Bestreben, möglichst nicht an meiner Sprache als Ausländer erkannt zu werden. Meinetwegen an meinen lustigen Kopfbedeckungen oder meinem exotischen Tanzstil, aber bitte nicht an der Sprache! Das wäre mir zu eindeutig und würde es den Idioten, die es ja nun mal überall gibt, zu einfach machen, einen schlecht zu behandeln.</p>
<p>Das geht hierzulande einem gewissen Prozentsatz von Türken und Arabern angeblich nicht so. Das behaupten zumindest Sarrazin und seine depperten Adepten – und dass dieser gewisse Prozentsatz der deutschunkundigen Orientalen unglaublich sehr hoch wäre. Eine neue und seriöse Studie der Humboldt-Universität sagt übrigens nahezu das Gegenteil. Da fragt man sich doch, warum S. – ja wie soll man es nennen: lügt? Eine andere Frage ist aber, warum – selbst wenn es so wäre –  schlechtes Deutsch bei zugewanderten Muselmanen offensichtlich ein größeres Problem ist als beim lustigen Eisdielen- oder Pizza-Italiener, der auch nach 30 Jahren Deutschland oft redet, als parodiere er sich selber auf einer drittklassigen Stand-up-Comedy-Bühne. Den aber alle lieb haben, weil er dabei eben so drollig ist.</p>
<p>Aber das hat einfach mit den üblichen Mechanismen des Rassismus zu tun. Der fremde Fremde ist natürlich schlimmer als der nicht ganz so fremde Fremde. Will sagen: Solange es keine Türken und Araber in Deutschland gab, galten die „Spaghettifresser“, die „Itaker“ als rückständige Wilde, die zum Beispiel als Gastarbeiter in Wolfsburg in einem eingezäunten Barackenlager leben mussten. Und das in den 60er Jahren! Als aber die Orientalen kamen, fiel der deutschen Öffentlichkeit ein, dass die Italiener ja Europäer und Christen und damit nicht so schlimm sind. Schließlich gehören sie ja zu unserem Kulturkreis. Pech für die Türken. Die müssen nun warten, bis Millionen von Chinesen oder Afrikanern kommen, dann sind sie uns plötzlich doch näher, als im Moment jemand vermuten möchte. Und auch die Schwarzen und Gelben gehören spätestens bei der ersten „grünen“ Einwanderungswelle zu uns, wenn nämlich massenhaft Marsmännchen und -weibchen in Langenhagen landen. So sindse die Menschen.</p>
<p>Aber zurück zur Sprache: Komplett unverständlich ist mir das Phänomen der kulturtreibenden Briten und Amerikaner in Berlin-Prenzlauer Berg, die auch schon seit zehn Jahren in Deutschland wohnen und oft so schlecht Deutsch sprechen, dass sie, setzte man sie in einem ostzonalen Dorf aus, verdursten müssten, weil sie noch nicht mal nach einem Glas Wasser fragen könnten. Schuld sind in diesem Fall allerdings die mit ihnen verkehrenden Deutschen aus dem Kunst- und Theatermilieu, die mit den Englischsprachlern grundsätzlich nur Englisch sprechen, weil sie selbst ja das neue, moderne, das polyglotte Deutschland repräsentieren. Schade nur, dass jeder schwedische Busfahrer besser Englisch spricht als diese Plappergermanen mit Abitur, was mal wieder beweist, dass Fernsehen mehr bringt, als in einem deutschen Gymnasium rumzusitzen. Zumindest wenn man Filme nicht der Unsitte des Synchronisierens unterzieht. In keinem anderen Land der Erde weigern sich die Menschen zum Beispiel so hartnäckig, das „th“ richtig auszusprechen, obwohl jeder Deutsche das selbstverständlich könnte – man muss ja nur die Zunge zwischen die Zähne klemmen. Und kurz und entspannt lispeln. Mehr nicht.  Aber nein, hier spricht man immer noch gerne ein scharfes Nazi-Film-s,  lacht aber andererseits über das Alder-isch-mach-disch-Krankenhaus-Deutsch der Jungtürken. Sachen gibt’s&#8230;</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>„schluss mit lügen!“ &#8211; exklusiv im stadtkind: die sarrazin-homestory</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 12:42:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
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		<description><![CDATA[Als Thilo Sarrazin mir die Tür öffnet, macht er einen gelösten Eindruck. „Salam aleikum, junger Mann, kommen se rein, können se rausgucken. Aber Schuhe ausziehen!“, zischelt er milde. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10246" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Als Thilo Sarrazin mir die Tür öffnet, macht er einen gelösten Eindruck. „Salam aleikum, junger Mann, kommen se rein, können se rausgucken. Aber Schuhe ausziehen!“, zischelt er milde. Dabei sieht man einen kleinen Nasreddin Hodscha aus seinen Augen blitzen. „Aleikum Salam, tach auch“, antworte ich leicht verstört und entledige mich meiner Stiefelletten.</p>
<p>Sarrazin führt mich ins komplett mit persischen Teppichen ausgelegte Wohnzimmer. Bevor er sich auf einem orientalischen Sitzkissen, einem sogenannten „Puff“,  niederlässt, zieht er seine geräumige Pumphose noch einmal bis unter die Achseln, schiebt seinen Turban zurecht und fragt:  „Teechen?“ Ich nicke, und er winkt beiläufig in Richtung Küche.</p>
<p>„So, jetzt erstma&#8217; schön eine schmöckeln!“, brummt er während er eine große Shisha anzündet. Als sie brennt, nimmt er einen tiefen, blubbernden Zug und streicht versonnen über seinen Schnurrbart. „Aumaziehn?“ – „Nee, danke.“ Sarrazin zuckt mit den Schultern. „Is’ aber lecker! Doppelapfel &#8230; Egal, kommen wir zur Sache“.</p>
<p>Während seine mit einem bodenlangen Hidschab bekleidete Frau den Tee serviert, greift Sarrazin hinter sich und holt ein dickes Manuskript aus seiner  Aktentasche. „So, das ist … das ist die ganze Wahrheit!“ An seinen bekannten, zwanghaften Wortwiederholungen merkt man, dass er nun doch etwas nervös ist. „Es musste einfach raus. Eigentlich war ich ja auch … war ich ja auch froh, als mich Tarek Al-Wazir bei Anne Will als Araber geoutet hat. Gerüchte gab es ja schon lange, nicht nur wegen des Schnäuzers und des Namens. Aber der Tarek als &#8230; als Halbjemenit, der hat das innerlich gespürt. Außerdem bin ich ihm zweimal im Hammam begegnet.“ Leise lacht Sarrazin in sich hinein. Und dann erzählt er seine Geschichte. Blumig beschreibt er, wie er damals in den 60er Jahren vom Libanon nach Deutschland kam, und wie ihm klar wurde, dass er „eine neue Legende“ brauchte, wie er sich ausdrückt. „Araber waren schon damals nicht so beliebt. Ich hab’ mir dann erst mal einen italienischen Akzent zugelegt und in Wolfsburg im VW-Werk malocht. Aber schnell hab’ ich gemerkt, dass man hier nur als Deutscher was werden kann.“</p>
<p>Tag und Nacht paukte er dann Grammatik und Aussprache, konstruierte die Geschichte vom Hugenotten-Arztsohn aus Recklinghausen, fälschte Dokumente, trat in die SPD ein und erfand eine Ausbildung. „Ich habe behauptet, ich hätte Volkswirtschaft studiert.“ Er kichert. „Volkswirtschaft! Das kann keine Sau kontrollieren. Da kann man ja nix. Hätte ich gesagt, ich bin Arzt, hätte mir jemand einen entzündeten Blinddarm auf den Tisch gelegt und ein Skalpell in die Hand gedrückt. Sogar als Jurist muss man wenigstens ein paar Paragrafen kennen. Aber als Volkswirt? Da stört es noch nicht mal, dass ich diese schlimme Rechenschwäche habe.“</p>
<p>Ob er denn keine Angst gehabt habe, dass die Geschichte auffliegt? „Klar, logo, täglich. Vor allem als mich Wowi in den Senat geholt hat. Da wusste ich, jetzt wird’s ernst. Jetzt nur keine Klientelpolitik machen. Also immer druff uff den Muselmann!“</p>
<p>„Und jetzt?“, frage ich. Sarrazin blättert in seinem Manuskript. „Jetzt ist Schluss mit den Lügen. Jetzt wird Klartext geredet. Hier steht alles drin. Es sind nämlich gar nicht die Muslime, die Deutschland und den Westen in die Scheiße reiten. Ich hab’ neues Zahlenmaterial. Wussten Sie zum Beispiel das 99,9 Prozent der NPD-Mitglieder deutschstämmig sind?“</p>
<p>Ich antworte, dass das nicht wirklich überrascht, aber Sarrazin setzt nach: „Und das FBI hat herausgefunden, das 85 Prozent der Serienmörder Weiße sind, verstehen sie? Weiße, europäischer Herkunft! Und was sagen Sie dazu: In Saudi-Arabien gibt es so gut wie keine Alkoholiker und keine Männer mit Vorhautverengung!“ Sarrazin flüstert verschwörerisch: „Das habe ich alles auf dieser Internetseite gefunden: WikiLeaks. Das sind Geheiminformationen!“</p>
<p>Ich überlege, wie ich es ihm beibringe. „Sie meinen wahrscheinlich Wikipedia, das Online-Lexikon.“ Sarrazin macht eine abwertende Handbewegung und wird unwirsch. „Das sind knallharte Zahlen. Die können Sie nicht so einfach vom Tisch wischen! Aber das werden Sie auch noch kapieren, spätestens wenn in Deutschland alle Lederhosen und Lodenmäntel tragen. So und jetzt ist Zappo. Fatma? Bringst du unseren Gast mal raus?!“</p>
<p>Schnell noch drückt mir Sarrazin das Manuskript in die Hand, und dreißig Sekunden später stehe ich vor der Tür. Es ist dunkel geworden. Und über Sarrazins Zwiebeldach-Villa geht der Halbmond auf.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>brandykränzchen im park</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 10:20:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Deutschland ist eine feministische Republik. Wir haben eine Kanzlerin, wir haben die Superheldin Uschi von der Leyen, und Alice Schwarzer darf neuerdings sogar Werbung für BILD machen. Aber das reicht uns nicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-10246" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Deutschland ist eine feministische Republik. Wir haben eine Kanzlerin, wir haben die Superheldin Uschi von der Leyen, und Alice Schwarzer darf neuerdings sogar Werbung für BILD machen. Aber das reicht uns nicht. In bester Kreuzfahrer-Tradition werden wir nun auch den Rest der Frauenwelt befreien. Nicht nur in Afghanistan, sondern vor allem die Frauen und Töchter der islamischen Zuwanderer in Deutschland. Denn, so hört man ja immer wieder, zur „deutschen Leitkultur“ gehöre auch, dass Männer und Frauen gleichberechtigt seien, und das hätten insbesondere die Muslime gefälligst zu kapieren. Recht so, möchte man zustimmen, wenn nicht auch dieses heuchlerische Argument eigentlich nur dazu diente, um Stimmung gegen Migranten zu machen und rassistische Wähler  aus der nationalen Kloakenbrühe zu fischen.</p>
<p>Zwar hat die „Mutter des Grundgesetzes“ Elisabeth Selbert, 1948/49 gegen den erbitterten Widerstand vieler Männer aus allen Fraktionen den Artikel 3, Absatz 2 in das Grundgesetz schreiben lassen, aber richtig gejuckt hat dieses Sätzlein das Macho-Establishment in den letzten 60 Jahren eigentlich nie. Die gesellschaftliche Realität wich immer entschieden von diesem Ideal ab.</p>
<p>Wenn der Muselmane sich am deutschen Frauenbild orientieren wollte, dann hätte er vor allem Folgendes zu lernen: Frauen dürfen zur Schule gehen und eine Ausbildung machen, auch mal &#8216;n bisschen arbeiten, oft für weniger Geld, am liebsten subaltern, ungern in der Chefetage, aber wenn Kinder ins Spiel kommen, fängt das richtige Leben an. Dann wachsen bei den Frauen die Brüste, die Milch schießt ein und ergo bleiben sie fürderhin zu Hause und kümmern sich um die Brutpflege.</p>
<p>Ich weiß, wovon ich rede, denn nur allzu oft war ich allein unter Frauen. Da ich mir, ganz undeutsch, mit meiner Freundin die Betreuung unserer Tochter teile, habe ich in den letzten 11 Jahren so einiges erlebt, vor allem, als meine Tochter noch im Baby- und Kleinkindalter war: Ich ging mit der kleinen Komikerin zum Kinderarzt, zur Spielgruppe, latschte mit ihr am helllichten Tage im Park herum und machte auch sonst alles, was man mit diesen wundersamen kleinen Wesen eben machen muss. Und wo immer kleine Kinder waren, waren Frauen. Und nur Frauen. Nirgends ein Kerl. Kein einziger.</p>
<p>Ein polygam veranlagter Hausmann könnte in einem solchen Umfeld sicher den einen oder anderen Beischlaf abstauben – bei dem Frustrationspotenzial, das sich bei der durchschnittlichen deutschen Mutter im Laufe eines mit Kindergeplapper, schmutzigen Windeln und Breichen gefüllten zwölf- bis vierzehnstündigen Arbeitstages ansammelt, wäre es nur zu verständlich, wenn sie das unmoralische Angebot des netten Papis, den man auf der Spielplatz-Parkbank kennengelernt hat, einfach mal annehmen würde. Während die Kinder zum Mittagsschlaf abgelegt werden, könnte man die dreiviertel Stunde nutzen, und den Alltag mal Alltag sein lassen und ehebrecherisch das Wohnzimmersofa bekleckern!</p>
<p>Ich allerdings sehnte mich damals nach anderem, nach Folgendem: Es ist Sommer und täglich treffe ich mich mit einer Gruppe junger Väter im Park. Während unsere Kinder sich gegenseitig auf den Kopf hauen und sich mit Gegenständen im Ohr herumpulen, sitzen wir gesellig beisammen und plaudern, wie es sich für Männer gehört, über Literatur, Politik und Rockmusik. Viel zu süßes orientalisches Gebäck kreist, gute Zigarren werden herumgereicht und zwischendurch auch mal ein kleiner Brandy aus dem versilberten Flachmann gekippt, natürlich nur um eine lockere, vitale Gesprächsatmosphäre zu erzeugen, niemals so viel, dass Kinderkarren-Fahruntüchtigkeit einträte. Fertig. Ende der bescheidenen Idylle. Mehr will man doch gar nicht&#8230;</p>
<p>Aber Pustekuchen! Wenn mir tatsächlich mal beim Baby-Park-Cruising ein anderer Mann Kinderwagen schiebend entgegenkam, dann war das ein so seltenes Ereignis, dass ich mich jedesmal fragte, ob ich ihn vielleicht mit einem lässigen Fingerzeig hätte grüßen sollen, so wie sich die Fahrer von seltenen Automodellen auf der Landstraße grüßen, um sich damit in ihrer gemeinsamen exzentrischen Leidenschaft zu bestärken.</p>
<p>Ja, wo sind se denn, verdammt noch mal, all die neuen deutschen Väter, von denen der Muslim was lernen könnte? Kinderbetreuung ist in Deutschland Pipikram und damit Frauensache, richtig Arbeiten und Geldverdienen gehen die Männer – in so ein Land passt der von Seehofer, Sarrazin und Konsorten gebaute Mega-Macho-Türke doch wie der sprichwörtliche Arsch auf Eimer. Erklär mir mal einer, was die eigentlich wollen&#8230;  Hartmut El Kurdi</p>
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		<title>die große 80er-jahre-show</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Nov 2010 10:50:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2010-11]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Leben ist ein Zombiefilm. Ständig kehren irgendwelche Untoten zurück. Da sitzt man ganz unschuldig vor dem TV-Gerät und versucht wie üblich, in der Werbepause nicht den Verstand zu verlieren – da erscheint doch tatsächlich ein Spot, der eine neue Platte von „OMD“ ankündigt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10246" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Das Leben ist ein Zombiefilm. Ständig kehren irgendwelche Untoten zurück. Da sitzt man ganz unschuldig vor dem TV-Gerät und versucht wie üblich, in der Werbepause nicht den Verstand zu verlieren – da erscheint doch tatsächlich ein Spot, der eine neue Platte von „OMD“ ankündigt. OMD? Orchestral Manoeuvres in the Dark? Wo zum Teufel hat man die denn ausgegraben? Doch bevor man sich im Detail erinnern kann, mit welchem pappigen Syn-thie-Streichkäse OMD damals in den Achtzigern die Ohren der Menschheit zugespachtelt hat (aua, Mist, schon isses wieder da: „Enola Gay“!), sieht man die nächste Werbung: Kim Wilde mit ihrem neuen, „dem vielleicht besten Album ihrer Karriere“ – so die Plattenfirma! Na, wenn sich da die PR-Abteilung von Sony selbst noch nicht mal sicher ist&#8230; Egal, davon aufgewühlt googelt man los. Und ja, es ist wahr: Sie kommen alle zurück. Alphaville, Ultravox und sogar „Culture Club“ mit Boy George kündigen ein neues Album an.</p>
<p>Und bevor man nun in Panik ausbrechen kann, weil als nächstes folgerichtig das flächendeckende Revival der Schulterpolster und weißen Tennissocken ansteht, bemerkt man durch einen Blick in die Zeitung, dass wir politisch schon längst wieder knietief in den Achtzigern stehen: In Stuttgart haut die Polizei friedlichen Demonstranten wieder richtig in die Fresse und spritzt Jugendliche und Rentner mit Wasserwerfern aus ihren Unterhosen, wie damals wird gegen Migranten gehetzt, dass die Schwarte kracht und man eigentlich nur noch darauf warten darf, bis die Häuser brennen – und sogar die Atomkraft, die dümmste und in der Konsequenz teuerste aller Energiearten, wird aus dem politischen Endlager geholt!</p>
<p>Wenn es nicht so nervig wäre, könnte man sich fast darüber freuen: Weil dadurch nun hoffentlich endlich diese verlogene Nullerjahre-Eia-Popeia-Konsenssoße vom Tisch ist. Zum Beispiel diese Irrenidee der Grünen, man könne mit der CDU koalieren – als ob die rotgrüne Koalition mit ihren Kriegseinsätzen und Hartzereien noch nicht schlimm genug gewesen wäre. Man konnte sie ja kaum noch ertragen, diese Propagandamaschinerie, die behauptete, es gäbe eine „moderne“ CDU, wie man doch an Röttgen, Wulff, von Beust und Uschi von der Leyen sehen könne&#8230; Leider wurde dabei immer geschickt die Realität ausgeblendet, zum Beispiel dass der inzwischen ausgestiegene von Beust mit Hilfe des Rechtspopulisten Schill an die Macht gekommen ist oder dass Wulff und sein Innenminister Schünemann in Niedersachsen politisch so einiges auf dem Kerbholz haben: die Abschiebung von Roma-Kindern und den einen oder anderen gepflegten Polizei-Knüppeleinsatz zum Beispiel. Von der ideologischen, sozial ungerechten und im Effekt Migrantenkinder diskriminierenden Anti-Gesamtschulpolitik mal freundlich geschwiegen.</p>
<p>Aber aus der Nummer ist Wulff ja nun raus. Jetzt kann er den Softie geben und von morgens bis abends vernünftige Dinge sagen, muss sich aber nicht mehr an seiner praktischen Politik messen lassen. Glückwunsch. Eigentlich ein Idealzustand.</p>
<p>Dafür spielen aber Mappus, Seehofer und sogar Angela Merkel gnadenlos die Achtzigerjahre-Karte. Muckt der Bürger auf, gibt’s was auf den Deckel. Egal, ob es um versteckte Immobiliendeals in Stuttgart oder Atomkraft geht. Und in den Ghettos der Großstädte wird es zusehends ungemütlich, aber den anachronistischen Politik-Mumien fällt dazu nur ein, die sozialen Probleme zu ethnisieren. Als ob es in Deutschland irgendwo Schwierigkeiten mit gut ausgebildeten, gut verdienenden Türken oder Arabern gäbe. Jedenfalls nicht mehr als mit den entsprechenden Urdeutschen. Aber die Probleme unvoreingenommen zu analysieren, hieße ja, sich einzugestehen, dass die eigene Politik verantwortlich ist: Für das Eindreschen auf die sozial Schwachen genauso wie für die ungleichen Bildungschancen und das Verteidigen von Oberschichten-Privilegien. Ernsthafte Probleme mit perspektivlosen Jugendlichen gibt es eben nicht nur in Neukölln, sondern auch im quasi ausländerfreien Sachsen. Aber wenn man vor zwanzig, dreißig Jahren mit Rassismus von wirtschaftlichen Problemen ablenken konnte, warum soll man es heute nicht wieder tun? Und Sarrazin beweist, dass dies kein CDU-Privileg ist.</p>
<p>Ich bin gespannt, was da noch an Achtzigerjahre-Schmodder auf uns zukommt. Die Modern-Talking-Reunion haben wir ja schon hinter uns. Und die Deutschland-Reunion war glücklicherweise auch einzigartig. Obwohl: Wenn die Entwicklung so weiter geht, dann ist auch Erika Steinbach bald wieder mehrheitsfähig&#8230;</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>sarrazin schafft sich ab oder the return of the rechenritter</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 22:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-10]]></category>

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		<description><![CDATA[Thilo Sarrazin, Deutschlands beliebtester Quartalsirrer, will es mal wieder wissen. Diesmal hat er sogar ein richtiges Buch geschrieben,...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Thilo Sarrazin, Deutschlands beliebtester Quartalsirrer, will es mal wieder wissen. Diesmal hat er sogar ein richtiges Buch geschrieben, das er von „Spiegel“ und „Bild“ auszugsweise vorabdrucken ließ, vermutlich weil ihm die Auflage der „Jungen Freiheit“ zu gering war. Der „Spiegel” bekam dabei die etwas weniger saftigen Stellen, „Bild“ hingegen durfte richtig holzen.</p>
<p>So behauptete der „Spiegel“ dann auch pseudoseriös, Sarrazin versuche in diesem Buch seine bekannten Thesen „auf eine breite statistische Basis zu stellen“.</p>
<p>Das sieht zum Beispiel so aus: „Belastbare empirisch-statistische Analysen, ob die Gastarbeiter und deren Familien für Deutschland überhaupt einen Wohlstand erbracht haben oder erbringen werden, gibt es nicht.“ Mit anderen Worten: Nix Genaues weiß man nicht. Trotzdem stellt Sarrazin vier Sätze später einfach mal das Gegenteil fest: „In jedem Land Europas kosten die muslimischen Migranten aufgrund ihrer niedrigen Erwerbsbeteiligung und hohen Inanspruchnahme von Sozialleistungen mehr als sie an wirtschaftlichem Mehrwert einbringen.“ Das nennt man dann wohl eine Gleichung mit drei Unbekannten: x + y = irgendwas!</p>
<p>Sehr interessant auch das folgende Rechenbeispiel: Nur 33,9 Prozent der muslimischen Migranten bezögen ihren Lebensunterhalt aus Erwerbsarbeit, bei den Deutschen seien es 43 Prozent. Daraus zieht Thilo S. den Schluss: „Relativ zur Erwerbsbevölkerung leben bei den muslimischen Migranten viermal so viele Menschen von Arbeitslosengeld und Hartz IV wie bei der Deutschen Bevölkerung.“ So so: 66,1 Prozent sind also viermal so viel wie 57 Prozent. Oder meint er mit seiner esoterischen Zahlenmystik etwas anderes? Wenn ja, erfahren wir es nicht. Diese Mathe- und Formulierungsschwäche überrascht selbst bei einem Banker. Aber glücklicherweise ließ sich xenophober Unsinn noch nie rational begründen, auch nicht mit schlichten Kosten/Nutzenrechnungen.</p>
<p>Denn von welchen paranoiden Bildern der menschgewordene Rechenschieber Sarrazin eigentlich geplagt wird, versucht er bei allen lustigen Zahlenspielen gar nicht zu verheimlichen: „Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken Türkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf des Muezzin bestimmt wird.“ Womit er schön anschaulich alle rechtsradikalen Klischees von Überfremdung und „Durchrassung“ in einem Satz zusammenfasst. Dass diese kruden, verschwörungstheoretischen Horrorszenarien – bei allen realen Problemen und Herausforderungen – mit der Realität nur entfernt etwas zu tun haben, stört Sarrazin wohl genauso wenig, wie die Zustimmung der NPD. Der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Gansel sagte dazu: „Dem Bundesbank-Vorstand kommt das große Verdienst zu, die Überfremdungskritik der NPD endgültig salonfähig zu machen. Richtet man den Fokus auf seine bevölkerungs- und ausländerpolitischen Aussagen, kann man nur feststellen: Hier hat jemand ein regelrechtes NPD-Buch geschrieben, das die Deutschen zum politischen und zivilen Widerstand gegen Landraub und Überfremdung aufruft.&#8221;</p>
<p>Oder, um es anders zu sagen: Ein Land, in dem Hans Olaf Henkel, die NPD und der geistig schon immer schlichte Oscar-Preisträger Volker Schlöndorf („Sarrazin hat mir aus der Seele gesprochen!“) sich in Bezug auf Migranten einig sind und der Spiegel dieses intellektuelle Quarkwasser auch noch abdruckt, kann einem mindestens soviel Angst machen wie die dreieinhalb Burkas, die bis jetzt in Deutschland gesichtet wurden.</p>
<p>Und die Tatsache, dass jetzt die gleichen Mechanismen ablaufen wie vor einem Jahr nach Sarrazins rassistischem „Kopftuchmädchen“-Interview, lässt erhebliche Zweifel an der Rationalität und Funktionstüchtigkeit der demokratischen Öffentlichkeit aufkommen: Schnelle Verurteilung von Seiten der Medien und Politik, dann verstohlene Zustimmung („viel Wahres dran“) und schließlich die Stilisierung Sarrazins als Märtyrer der Meinungsfreiheit. Man lernt ja nie aus: Die Meinungsfreiheit ist also in Gefahr, wenn ein verbitterter, elitärer Menschenfeind seinen irrationalen Unsinn in unzähligen Interviews in Zeitungen, Radio und TV verbreiten darf, ein Buch schreiben und einen Bestseller landen kann, damit also sehr viel Geld verdient, und sich dann auch seinen Rücktritt als Bundesbanker mit einer Erhöhung seiner Pension auf 10.000 Euro pro Monat versüßen lässt. Eine Pension übrigens, die von allen Steuerzahlern – auch dem türkischen Gemüsehändler – bezahlt wird.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>aus dem rassisten-thinktank: dümmer geht’s ümmer</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Aug 2010 11:54:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass der Rassismus die Ideologie für die Doofen ist, weiß man. Aber manchmal ist man überrascht wie doof da argumentiert wird. Mancher Gedanke ist so intelligenzfrei, dass man sich wundert, wie das Gehirn, welches ihn sich ausgedacht hat, überhaupt in der Lage war, ihn in einem vollständigen Satz zu formulieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-10246" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/El-Kurdi-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Dass der Rassismus die Ideologie für die Doofen ist, weiß man. Aber manchmal ist man überrascht wie doof da argumentiert wird. Mancher Gedanke ist so intelligenzfrei, dass man sich wundert, wie das Gehirn, welches ihn sich ausgedacht hat, überhaupt in der Lage war, ihn in einem vollständigen Satz zu formulieren. Oft sind die Produzenten dieser Gedanken sogar so ömmelig, dass sie noch nicht mal den xenophoben Gehalt ihrer Hirnschwurbeleien bemerken: „Wir und rassistisch? Nee, nee, das sind doch nur die Nazis!“</p>
<p>So forderten vor kurzem zwei Unions-Politiker – der innenpolitische Sprecher der Berliner CDU, Peter Trapp, und der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber –, man müsse Zuwanderer und deren Kinder IQ-Tests unterziehen, damit nur noch die reinkommen, die „uns“ auch nützen. Kanada würde das auch so machen. Diese beiden sind übrigens in der gleichen Partei wie Christian Wulff bzw. in der Schwesterpartei. Wulff hingegen ließ sich ja schon vor seiner Wahl zum Dochnoch-Bundespräsidenten als großer Integrator feiern, unter anderem weil er als Erster eine Deutsche mit türkischen Eltern zur Ministerin zu machte. Auch die Antrittsrede der „politischen Bananenmilch“ Wulff (Silke Burmester in der „taz“), als BuPrä handelte in weiten Teilen von der Integration der Migranten und dass man da viel mehr tun müsste, auch für die Bildungschancen der Kinder etc.pp. Eigentlich großartig, wenn da nur nicht die lästige Realität wäre. Zum Beispiel die Politik der niedersächsischen Landesregierung, die Wulff ja bis vor fünf Sekunden noch zu verantworten hatte. Denn auch und besonders im vorgeblichen „Integrationsland“ Niedersachsen werden in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder gnadenlos abgeschoben. Ins Ungewisse. Kinder, die aus Kanada gar nicht abgeschoben werden dürften, wären sie dort auf die Welt gekommen – sie besäßen nämlich durch die Geburt auf kanadischem Boden automatisch die kanadische Staatsbürgerschaft! Dieses fortschrittliche Staatsbürgerrecht, das „jus soli“,  gilt übrigens in vielen zivilisierten Ländern dieser Erde. Unter anderem in den sonst nicht zimperlichen USA. Aber wir schieben solche Kinder ab, mit kafkaesk-bürokratischen und völkischen Begründungen – egal wie gut die Kinder integriert sind, egal wie gut sie unsere und wie schlecht sie die Sprache des Ziellandes sprechen, egal ob sie sich hier Zuhause fühlen oder nicht. Und – um nur mal in der fiesen IQ-Nützlichkeits-Logik zu bleiben &#8211; egal wie ihre Noten sind, egal ob wir sie gebrauchen können und egal wie intelligent sie sind. Aber was soll man von CDU-Politikern erwarten, wenn noch nicht mal die (sich jetzt pflichtschuldig über die beiden hochbegabten Unionisten empörende) SPD es schafft, einen wirren Rassentheoretiker wie Thilo Sarrazin aus der Partei zu schmeißen.</p>
<p>Aber zurück zu Ferbers und Trapps persönlichen Intelligenz-Quotienten. Um zu verstehen, warum die Herren bei einem IQ-Test vermutlich sogar einer Packung Lidl-Halbfett-Schmelzkäse unterliegen würden, müssen wir ganz schlicht fragen: Was wollen die Herren? Ganz klar: Weniger Ausländer! Wie wollen sie das erreichen? Indem sie weniger, nämlich nur noch die Klugen reinlassen, was aber auch bedeutet, dass sich hier nur die Klugen vermehren können. Da liegt ja das andere Problem, welches auch schon der Reichsoberschwadroneur Sarrazin erkannt hat: Die deutschen Akademiker weigern sich standhaft, sich fortzupflanzen! Kinder kriegen hier nur noch die Ausländer und die deutsche Unterschicht. Folgt man aber dem Vorschlag des rassendynamischen Duos, dann bedeutet das: Die klugen Deutschen werden wegen mangelnder Fortpflanzungsbereitschaft immer weniger, während sich die klugen Zuwanderer mit den doofen Unterschichtdeutschen einen Gebärwettkampf liefern. Den am Ende logischerweise die Migranten gewinnen, weil die ja dann nur noch klug sind und sich ihre Spermien nicht kaputt saufen oder ihre Kinder im Blumenkasten vergraben. Ergebnis: In Deutschland übernehmen auf lange Sicht die klugen Einwanderer die Macht. Mir ist das wurscht, aber ob das Ferber und Trapp und die Lebewesen im rechtsradikalen Schmodder, nach denen die beiden offensichtlich fischen, wirklich so wollen?</p>
<p>PS: Kanada dementiert übrigens heftigst, dass es Einwanderer oder deren Kinder einem IQ-Test unterwirft. Allerdings muss jeder Einwanderer einen „intelligence check“ bestehen. „Intelligence check“ bedeutet aber „Sicherheits-Überprüfung“ und der dient dazu, Terroristen aus dem Land herauszuhalten. Um das zu verstehen, müsste man allerdings Englisch können.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>der hamster – ein leben zwischen frust und furor</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 22:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Und genauso hört sich ihr Gekläffe auch an: aggressiv, keifend, wütend bis zur Hysterie – im Sound nur vergleichbar mit dem Redestil des aktuellen FDP-Vorsitzenden und Vizekanzlers.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Es gibt ein paar große Missverständnisse in der Haustierwelt. Etwa, dass  der Besitz eines Pitbulls (oder meinetwegen klassisch: eines Rottweilers) ein mental schlichtes, menschliches Tätowationsobjekt mit zu hohem Steroid-Verbrauch zu einem Respekt einflößenden Menschen macht. Oder – apropos gefährliche Hunderassen – dass es dem Wesen des Yorkshire Terriers entspricht, ihm rosa Schleifen ins Haar  zu binden und ihn mit Pralinen zu füttern. Zum letzten Mal: Yorkshire Terrier sind nicht niedlich! Nicht im Geringsten. Und vor allem sind sie keine Kuscheltiere für die menopausierende Society-Dame oder den Modezaren mit  schockschwarzem Haubenfifi auf dem Kopf! Yorkshire Terrier sind tatsächlich Kampfhunde. Nichts anderes. Sie wurden gezüchtet, um in nordenglischen Arbeiterquartieren gegen Ratten und Mäuse eingesetzt zu werden. Und genauso hört sich ihr Gekläffe auch an: aggressiv, keifend, wütend bis zur Hysterie – im Sound nur vergleichbar mit dem Redestil des aktuellen FDP-Vorsitzenden und Vizekanzlers. Müsste man in einem Tiermusical einen Yorkshire Terrier besetzen, sollte man aber neben Guido W. auf alle Fälle auch noch Martin Semmelrogge oder Cindy von Mahrzahn  zum Casting einladen. Wobei Cindy von Mahrzahn auch großartig für die Rolle des Goldhamsters wäre – womit wir bei einem anderen Mitgeschöpf wären, dem mindestens so viel Unrecht getan wurde wie dem Rattenkiller aus England.</p>
<p>Der Goldhamster: Wer auch immer auf die Idee kam, diese schlechtgelaunte dickliche Mops-Diva als ideales Haustier für Kinder zu empfehlen, sollte sofort im nächstgelegenen schlecht geführten Tierheim abgegeben und nie mehr abgeholt werden. Und ich weiß, wovon ich rede. Als Kind war ich Besitzer von mindestens zwanzig stinkmuffligen Goldhamstern. Genau weiß ich es nicht mehr, weil ich irgendwann den Überblick verloren habe: ständig hatten die Viecher Sex miteinander, Babys wurden geboren, andere verschwanden hinterm Kleiderschrank, wurden von mir verschenkt oder gegen Schildkröten eingetauscht, die etwas schwächlichen wurden von ihrer Mutti aufgefressen, kurzum: In unserer Zweieinhalb-Zimmer-Sozialwohnung herrschte ein Nagetier-Sodom-und-Gomorrha &#8230;</p>
<p>Angefangen hatte es alles mit Hopsi, meinem ersten Hamster, also dem Stammvater der Dynastie, den ich zur Einschulung bekam und der mich zu meinem wachsenden Kummer die ersten drei Wochen jeden Tag zweimal herzhaft in den Finger biss. Die Narben habe ich immer noch. Ich gab jedoch nicht auf und hielt meine Hand immer wieder hin, bis er irgendwann keine Lust mehr hatte oder fatalistisch wurde und ich ihn mir schnappte und endlich offensiv streicheln konnte. Ich möchte mich hiermit noch einmal offiziell und stellvertretend für alle Kinder dieser Welt bei allen Hamstern des Erdballs entschuldigen: Ich wusste es nicht besser! Kein Kind weiß es besser. Die ZoogeschäftsVerkäufer sind schuld, weil sie den Kunden folgende entscheidende Info vorenthalten. Erstens: Goldhamster sind nachtaktiv und das im wahren Sinne des Wortes – „Nacht“ im Sinne von dunkel! Und Zweitens: Goldhamster stammen aus Syrien, sind also Araber. Was es bedeutet, einen um die Hüften leicht dicklichen Araber zu einer bei ihm genetisch nicht programmierten Tageszeit zu wecken, kann gerne in meinem familiären Umfeld erfragt werden. Und dabei habe ich nur den halben orientalischen DNA-Satz&#8230; Aber bevor mir jetzt jemand vorwirft, ich wäre sowohl dem Goldhamster als auch mir selbst gegenüber rassistisch: Das mit dem arabischen Wesen des Goldhamsters stimmt auch nur bedingt. Schließlich gibt es ja auch den Europäischen Feldhamster und der soll ja, was Aggression und Haudrauf, beziehungsweise Beißrein-Mentalität angeht, dem Morgenländer in nichts nachstehen, aber hallo! In manchen ländlichen Gegenden Niedersachsens erzählt man sich heute noch die Geschichten von den liebestollen Pärchen, die ihrer Zuneigung nackt im sommerlichen Getreidefeld Ausdruck verliehen und dabei zu nahe an einen Feldhamsterbau gerieten&#8230; Viele von diesen Beziehungen blieben dann ja auch später kinderlos. Da fällt mir übrigens für das Tiermusical noch eine schöne Besetzung für die Goldhamsterrolle ein: der fränkische Komiker Matthias Egersdörfer. Einfach mal bei YouTube nachschauen. Mein lieber Hamster, ist der schlecht drauf! Wie frisch geweckt. Und wenn der nicht kann, dann muss eben Henryk M. Broder einspringen. Das hätte irgendwie auch etwas Versöhnliches. In diesem Sinne: Shukran – Danke für die Aufmerksamkeit.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>außen schwarz, innen blutig</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 22:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Jeder "Vatti" hat seine eigene Opfer-Technik. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie jeder weiß, unterscheidet sich unser Genmaterial nur zu wenigen Prozenten von dem eines Schimpansen. Und mit dem Höhlenmenschen sind wir genetisch quasi identisch. So nimmt es nicht Wunder, wenn auch in Niedersachsen mindestens die Hälfte der Bevölkerung Rituale praktiziert, die im anthropologischen Verständnis zutiefst primitive Züge tragen.</p>
<p>Kaum werden die Temperaturen in einer der lang ersehnten norddeutschen Nieselregenpausen auch nur annähernd frühlingshaft, da holt der moderne Neandertaler seinen Klapp-Grill aus der Garage und opfert, wie schon seit Jahrtausenden, dem Sonnengott ein schönes saftiges Nackensteak. Oft auch derer zwölf und Brat-Maxe ungezählter Stückzahl dazu. Ein wenig traurig ist er schon, dass er die Sau nicht mehr selbst jagen, töten und aufbrechen darf, sondern dies der Zunft der Schlachter und Knochenhauer überlassen muss, aber umso gewissenhafter und penibler zelebriert er das eigentliche Brandopfer.</p>
<p>Der ganze Stamm, bestehend aus der leiblichen Familie, einigen Nachbarn und ein bis zwei Trinkhallenbekanntschaften namens Günni, Manni oder Hotte, wird um die Opferstätte versammelt, und dann versetzt das Familienoberhaupt, der Schamane, die Gehirne aller Anwesenden mithilfe von Dummgelaber und gegorenem Gerstensaft in einen todesschlafähnlichen Trancezustand. Äußerlich bleiben sie jedoch wach. Früher war es Brauch, dass der Stamm rituelle Gesänge anstimmte, dabei die Oberkörper autistisch hin und her wiegend, während sich der Grillmeister wie man den Schamanen auch nennt (oder auch kurz: &#8220;Vatti&#8221;), um das Opferfleisch kümmerte. Heute begnügt sich die Mehrheit damit, einen eigens zu diesem Zwecke eingerichteten Radiosender einzuschalten (zum Beispiel &#8220;Hitradio Antenne“ oder weiter östlich die &#8220;Sachsen-Anhalt-Welle“), den von Fachleuten sorgfältig zusammengestellten sakralen Schweinefleisch-Vertilgungssoundtrack im Hintergrund laufen zu lassen, und sich – dies betrifft vor allem die männlichen Mitglieder des Stammes – über die Benzinpreise zu unterhalten. Dieses stetig wiederholte Lamento entspricht in seiner Eintönigkeit, Redundanz und sprirituellen Wirkung in etwa der eines buddhistischen Mantras.</p>
<p>Jeder &#8220;Vatti&#8221; hat übrigens seine eigene Opfer-Technik. Der eine legt das Fleisch vor der Zeremonie sorgfältig in eine Art Salb-Öl ein, der andere besprüht es, schon auf dem Opfergrill liegend, immer wieder mit der heiligen Gersten-Flüssigkeit, und der dritte scheint es dem Geruch nach in Kuhdung zu wälzen.</p>
<p>Ist dann endlich geschehen, was geschehen soll, nämlich das Brandopfer verbrannt, erklingt das vielstimmige Credo aus den Mündern der Gläubigen. „Hmh, ist das lecker knusprig!&#8221; rufen sie, oft mehrmals hintereinander, und stopfen sich die schwarzkohligen Tierreste in den Schlund. Bei manchen ist die religiöse Verzückung so groß, dass sie beginnen, in Zungen zu reden. Wörter in Sprachen, die noch keines Menschen Ohr vernommen hat, entweichen den fetttriefenden Lippen – alles zur Ehre des großen himmlischen Feuerballs!</p>
<p>Oft ist die Ekstase so groß, dass das Ritual schließlich in einem ungezügelten Fruchtbarkeitsfest gipfelt. Mehrmals hintereinander wird ein als &#8220;Runde&#8221; bezeichnetes Aphrodisiakum ausgeteilt, die Stimmung steigt, Körperteile werden entblößt, irgendwer beginnt mit dem die Potenz und Zeugungsbereitschaft des Erpels verherrlichenden &#8220;Ententanz“ – und schließlich fallen die Kultanhänger dann wahllos übereinander her und kopulieren, nicht zuletzt um sicherzustellen, dass die Bruder- und Schwesternschaft des verkokelten Fleisches niemals ausstirbt.</p>
<p>Letztlich ist dies alles &#8220;natürlich&#8221; im eigentlichen Wortsinne und sollte daher nicht arrogant verurteilt werden, auch wenn es während dieser Feierlichkeiten immer mal wieder zu unentschuldbaren Exzessen kommt. Wie im letzten Jahr in einem 500-Seelen-Dorf am Fuße des Westharzes, als zu später Stunde, nach einigen &#8220;Runden&#8221;, okkulten Handlungen und vollzogener Paarung, der Fleischhunger wieder aufflammte, der Dorf-Metzger aber die Herausgabe frischen Grillgutes verweigerte und der Blick des Grillmeisters auf die prallen Waden seines fetten, pubertierenden Stiefsohns fiel &#8230;  Traurig, wozu Menschen fähig sind.</p>
<p><strong><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Hartmut El Kurdi</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>im mütterverwesungsheim</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 22:00:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-05]]></category>

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		<description><![CDATA[ERST SEIT ICH KINDER HABE, FÜHLE ICH MICH RICHTIG ALS FRAU!“ Wir starrten uns an. War dieser Satz eben wirklich gefallen? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal wird man Ohrenzeuge von Sätzen, die so sehr Klischee sind, dass man nicht glauben mag, ein echter, lebendiger Mensch könne sie wirklich ausgesprochen haben. Man vernimmt einen dieser abgerubbelten Allgemeinplätze und denkt, man habe einen spontanen Hörsturz erlitten. Oder sei Opfer eines Cannabis-Flashbacks mit assoziierter Akustik-Halluzination. Aber tatsächlich hat man in solchen Momenten einfach nur ein schreckliches Rendezvous mit der Realität. Zum Beispiel auf einem Abiturjahrgangstreffen.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="size-medium wp-image-4142 alignleft" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Ich hatte mir gerade einen angenehm leichten Dusel angesippt und plauderte mit einer netten Dame, die vor über zwanzig Jahren freundlicherweise mal mittelschweres Petting mit mir praktiziert hatte &#8211; da passierte es. Zwei Mitabiturientinnen stellten sich dazu und begannen mit der üblichen Dreisatz-Inquisition: Was machste? Wo wohnste? Wie viel Kinder? Eine kurzen Moment lang hatte ich das Bedürfnis, nervös mit dem Auge zu zucken, ein bisschen zu sabbern und stotternd zu behaupten, ich hätte extra für diesen Abend Freigang erhalten, käme jedoch wahrscheinlich nächste Weihnachten ganz raus. Aber da ich vermutete, dass das die Damen nicht im geringsten überrascht hätte, servierte ich ihnen die Wahrheit. Mein Bekenntnis zum Dasein als freier Autor erzeugte nur einen „Interessant, aber was soll man dazu sagen?“-Gesichtsausdruck, aber als ich erklärte, dass ich mich zwar spät, aber ordnungsgemäß fortgepflanzt habe, waren die beiden Penetranzen beruhigt, hakten mich lächelnd ab und wandten sich meiner Gesprächspartnerin zu. „Und Du?“, drangen sie blockwartartig in ihre Intimsphäre ein und bekamen ansatzlos die bewundernswert kalte und knappe Antwortet: „Werbeagentur, Karlsruhe, und Kinder sind überhaupt nicht mein Ding.“ Auf sowas hatten sie nur gewartet. Nach einer kurzen Schrecksekunde erhob das reaktionäre Klischee-Ungeheuer sein Haupt: „Also, das kann ich nicht verstehen, ERST SEIT ICH KINDER HABE, FÜHLE ICH MICH RICHTIG ALS FRAU!“ Wir starrten uns an. War dieser Satz eben wirklich gefallen? Oder hatte ein böser verwarzter Dämon uns da etwas ins Ohr gezischelt? Da legte die andere schon nach: „ICH HAB MICH JA NACH MEINEM EXAMEN GANZ BEWUSST DAFÜR ENTSCHIEDEN, ZU HAUSE BEI DEN KINDERN ZU BLEIBEN.“</p>
<p>Klar, dachte ich, und dein Wirtschaftsjuristen-Gemahl hat wahrscheinlich gesagt: „Okay, Honey, Du kannst es Dir aussuchen – wenn Du nicht willst, dann bleib’ ich eben zu Hause und versorg die Gören!“ Aber wie gesagt, das dachte ich nur, zum Sprechen kam ich gar nicht, denn die beiden Mutterkreuzler quakelten unverdrossen weiter. Wie erfüllend das Leben mit Kindern und wie komplex – Stichwort Multitasking – die Tätigkeit als Mutter und Hausfrau doch sei und wie ungerecht, dass man sich dafür heute ja schon fast rechtfertigen müsse: Gesellschaftlich akzeptiert sei ja nur die Karrierefrau. Hier nickte ich zustimmend und hob ermutigend meine Augenbrauen. Dieses ebenso reaktionäre wie durch und durch verlogene Gejammer wollte ich in seiner vollen Pracht bewundern, denn selten bekommt man eine astreine Paranoia so unverdünnt eingeschenkt. Und ich hatte Erfolg: Bereitwillig breiteten die Damen, die klangen wie alte patriarchalische Säcke, dann auch die komplette Verschwörungstheorie vor mir aus: Die Medien, und leider auch andere Frauen, eben der Typus kinderloses Karrieremonster, versuchten jeder Mutter, die sich „VON SICH AUS UND SEHR BEWUSST“ für die Familie entscheidet, ein schlechtes Gewissen zu machen und ihr Nutzlosigkeit zu unterstellen, dabei wisse doch jeder, der selbst Kinder habe, dass diese in den ersten Jahren vor allem die Mutter bräuchten.</p>
<p>Um einem Missverständnis vorzubeugen: Die beiden gehörten keiner Sekte an, trugen keine Kittelschürze, waren auch keine kopftuchbewehrten Islamistinnen, sondern deutsche Akademikerinnen, die regelmäßig Theaterpremieren und Vernissagen besuchen und – so befürchte ich – in Proseccolaune auch mal ganz kess Grün wählen. Oder wenigstens darüber nachdenken. Wegen der Umwelt natürlich. Aber leider waren ihre Gehirne in irgendeiner Nacht- und Nebelaktion gegen Gebärmütter ausgetauscht worden. Als der Satz des Abends fiel, gingen meine ehemalige Pettingpartnerin und ich einfach wortlos zur Theke, um uns schnell und final zu betrinken. Der Satz lautete: „MAN VERWENDET AUCH VIEL ZEIT DARAUF, SO’N RICHTIGES NEST ZU BAUEN, DIE MÄNNER BEMÜHEN SICH JA, ABER WIRKLICH HELFEN KÖNNEN SIE DABEI NICHT“. Ach Mutti&#8230;</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>slumdog westerwelle und seine battle-rhymes</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 22:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Big G. weiß wovon er redet, der Mann hat selbst Dreck gefressen. Oder mit anderen Worten: A hungry little guido with a runny nose, plays in the street as the cold wind blows, in the ghetto... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Jetzt isses endlich raus! Guido Westerwelle ist ein Ghettokind, ein Underdog. Beim politischen Aschermittwoch der FDP rappte er es in die aufgepeitschte Crowd: Nein, er komme nicht aus einer reichen Familie, krasser sogar noch: er sei auf der Realschule gewesen! Realschule. Oh Fuck! Wenn das keine street credibility ist. Und die Menge hängt ihm an den Lippen: Big G. weiß wovon er redet, der Mann hat selbst Dreck gefressen. Oder mit anderen Worten: A hungry little guido with a runny nose, plays in the street as the cold wind blows, in the ghetto&#8230; Umso glaubwürdiger kann er seine ehemaligen Homies dissen, die dumpf in den Nachmittag-Talkshows vor sich hinchillen und stolz verkünden, „sie leben vom Staat“ und „machen noch ein bisschen was schwarz nebenher“.</p>
<p>Vom Staat leben und nebenher noch was schwarz machen müssen? Wie blöd kann man eigentlich sein? Westerwelle ist empört. Wie er da so steht, in seinem maßgeschneiderten Pimp-Anzug, ist er der Schnösel gewordene Beweis, dass man sich vom Steuerzahler aushalten lassen kann und nicht noch parallel schuften muss. Oder wie er selbst über die Staatsknete sagt: „Wennde se mitnehmen kannst, nimmste se mit. Nix menschliches ist mir fremd. Schließlich bin ich Rheinländer!“ Und dann grinst er ins FDP-Publikum, als sei das ironisch gemeint. Und die grinsen zurück. Aber nichts liegt dieser Gang ferner als Ironie. Schließlich geht es hier um die eigene Bereicherung und da kennen die Wirtschaftliberalen keinen Spaß.</p>
<p>Einfach mal so grob und schlampig aus der kalten Baggie-Pants heraus recherchiert: Als Minister streicht Westerwelle rund 13.000 Euro ein, als Bundestagsabgeordneter sind noch mal ungefähr 3.500 fällig. Also schon ohne Nebentätigkeiten, Weihnachtsgeld und Spesen kommen da monatlich 16.500 Euro zusammen. Spätestens hier ist klar, wer wirklich cool ist. Dazu noch mal im Vergleich: Ein doofer Hartzer bekommt 359 Euro, dazu Miete und Heizung. Das war’s. Ghettoking Westerwelle rules! Alle anderen sind Opfer, Digger.</p>
<p>Aber nicht nur auf sein eigenes Wohl hat Guido ein Auge. Auch seine possy versorgt er großzügig, egal ob es sich um Geschäftskumpel seines Bruders oder großzügige FDP-Spender handelt – alle kriegen Sitzplätze im Außenminister-Jet, inklusive Klappstühlchen an den Tischen, wo die großen Deals gemacht werden.</p>
<p>Aber wer hätte auch anderes erwartet: Guido ist schließlich ein ganz harter Knochen: Wer es schafft, aus dem Elend einer Rechtsanwaltsfamilie herauszukommen – um Rechtsanwalt zu werden, wer das Trauma eines frühkindlichen Reitunterrichts  (O-Ton-Westerwelle:„Die erste Erinnerung an mein ganzes Leben ist, wie ich auf einem Pferd sitze!“) überwindet, dem kann keiner mehr was vormachen.</p>
<p>Auch nicht Guidos Soulmate Bushido. Der muss nämlich immer noch arbeiten, CDs volllabern, Bücher schreiben lassen und in Filmen sich selbst spielen, damit er in die Medien kommt und dort seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann: dem hirnfreien Dissen. Das alles braucht Westerwelle nicht. Der ist als cooler  Staatskneteabzieher sowieso ständig in den Medien und kann dort beschimpfen, wen er will und so oft er will. Und Guido beweist, dass seine Beleidigungen noch beschrubbter sind als die Bushidos. Der Tempelhofer Rapspießer, der mit bürgerlichem Vornamen „Anis“ heißt, beschränkt sich darauf, Alice Schwarzer ohne Anlass zuzurufen: „Fick dich ins Knie, du Fotze“, worauf Schwarzer, eitel und doof wie sie ist, auch noch stante pede antwortet, weil sie ja sonst einen Tag nicht in den Medien vorkäme und folglicherweise das Gefühl hätte, nicht mehr zu existieren. Bushido sei ein Muttersöhnchen, battled sie zurück, und ansonsten seien für ihn alle Frau wohl nur „Fotzen, die man von hinten ficken müsste“. Kurzum: die üblichen Revierkämpfe unter Kleinkriminellen.</p>
<p>Da hat Guido ganz was anderes auf Lager: Künstlich vor Wut schäumend bellt er seinen Kritikern entgegen, sie  seien linksextrem in der Birne, Hartzer sollten gefälligst Schnee schippen, der jämmerliche Restsozialstaat im Deutschland des Jahres 2010 sei wahlweise Sozialismus oder dekadentes Spät-Rom! Respekt, Alder, Respekt: Spätrömische Dekandez! Auf so was muss man erstmal kommen, während man sich selbst auf den Staatsbanketten dieser Welt herumtreibt.</p>
<p>Aber Bushido holt auf und lernt von seinem Vorbild Guido. Kürzlich verkündete er: „Ich werd mir demnächst mal alle Unterlagen besorgen, um ne Partei zu gründen. Wenn alle meine Fans mich wählen, dann hab ich mehr Stimmen als die FDP. Das heißt, Außenminister werde ich auf jeden Fall!“ Watch out, Guido.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>hintenrum-talibanisierung durch wintereinbruch</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 22:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-03]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit bestimmt sechs Wochen habe ich außerhalb meiner Wohnung kein offenes Frauenhaar mehr gesehen. Mit Hilfe des Winters haben die Taliban in Niedersachsen die Macht übernommen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Ich hoffe ja nur, dass zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Kolumne der Winter im sibirisch-brutalen Wintersinne vorbei ist. Im Moment herrscht aber leider immer noch Professor Dr. Fucking Bofrost. Jedes Mal, wenn ich zur Haustür heraustrete, spüre ich einen überraschend schmerzhaften Kälteschock auf der Haut – so als schlüge mir jemand mit voller Wucht ins Gesicht und zischte mir dann mit französischem Akzent zu: Isch forrdere Satisfaction, Monsieur!<br />
Wäre dem so, würde ich die Aufforderung zum Duell sofort annehmen, um dem Elend ein Ende zu bereiten – so oder so. Aber in der Realität ist ja niemand zum Schießen oder Fechten da.</p>
<p>In der Wirklichkeit steht ja nur der Winter vor mir und hält grinsend ein Thermometer hoch, das minus 15 Grad anzeigt. Und so schlittere ich weiter auf dem vereisten Bürgersteig meiner jeweiligen Destination entgegen, mich dabei fragend, wie sich die Verantwortlichen eigentlich das Leben von alten gehbehinderten Rollator-Omis bei diesem Wetter vorstellen&#8230;</p>
<p>Kann mir irgendsoein Schlaumeierchen eigentlich mal den Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und den aktuellen Kälteeinbrüchen erklären? Eine Zeitlang sah es ja ganz erwärmungstheoriekonform so aus, als würde es das ganze Jahr über immer kuscheliger. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor zehn Jahren mit jemandem eine ausschweifende Unterhaltung darüber führte, in der es darum ging, dass es eben gar keine richtigen Winter mehr gäbe. Ja, früher, da habe man von Ende November bis Anfang März Schlitten fahren können. Heutzutage aber gäbe es nix als Matsch und Regen und feuchte Schleim-Füße. Und dann jammerten wir und beklagten uns. Es war eine langatmige Klima- und Wetter-Kritik mit sentimentalen Einschüben. Wir tauschten Schnee-Anekdoten aus und wärmten uns an Frosterinnerungen.</p>
<p>Mit feuchten Augen erzählte ich, dass ich damals meinem Schlitten sogar einen Namen gegeben hatte: „Iltschi&#8221;. Was insofern logisch war, als dass ich mich zwei Jahre lang nur mit „Winnetou&#8221; anreden ließ. Ich weiß zwar nicht, ob es tatsächlich einen Winnetou-Roman gibt, der in Schneelandschaften spielt – ich glaube, ich verwechsele das mit den Winterimpressionen aus der Lederstrumpf-Serie mit Helmut Lange –, aber das ist ja auch wurscht. Jedenfalls waren mein Gesprächspartner und ich uns einig, dass diese – in unserer Erinnerung schön gefärbten – kalten Zeiten nie wieder kommen würden. Und was ist jetzt? Seit Jahresanfang gehe ich nur noch am äußersten Rand des Bürgersteigs, damit keine herabfallenden Eiszapfen meinen Schädel durchbohren. Und gestern dachte ich kurz darüber nach, ob ich mir nicht zwei Huskies zulegen sollte, die mich auf „Iltschi“ – meinem sich inzwischen im Besitz meiner Tochter befindlichen Gefährten – zum Einkaufen ziehen könnten.</p>
<p>Kurzum, vielleicht habe ich es schon erwähnt: Der Winter geht mir tierisch auf den Senkel! Das Schlimmste sind die ästhetischen Katastrophen, die die Kälte verursacht. Seit bestimmt sechs Wochen habe ich außerhalb meiner Wohnung kein offenes Frauenhaar mehr gesehen. Mit Hilfe des Winters haben die Taliban in Niedersachsen die Macht übernommen. Selbst die weiblichen deutschen Teenager, die ihrer Umwelt sonst bei jeder Temperatur ihre leider nicht immer ansehnlichen Bauchnabel und ihre mit Stringtangas durchfurchten Arschansätze präsentieren, sind komplett verhüllt. Oben auf dem Kopf tragen sie bis zu den Augenbrauen heruntergezogene Strickmützen, und unten im Gesicht zuppeln sie ihre Wollschals so weit über die triefenden Nasen, dass nur noch ein Augenschlitz übrig bleibt. Zum Abschluss wird das ganze Ensemble dann noch mit Hilfe einer zusammengeschnürten Kapuze endgültig burkaisiert.</p>
<p>Aber ich gestehe: Ich bin auch nicht besser. Ich trage bei allen Außenerledigungen einen grauen „Herren-Mantel“. Obwohl ich Mäntel hasse. Damit sieht man immer aus, als wolle man bald in Pension gehen, um sich nach 45 Jahren hartem Arbeitsleben seinem Hobby, der Verschönerung des Vorgartens mittels Waschbeton, widmen zu können. Aber was soll ich machen, es ist doch so finster und auch so bitterkalt? Gerne hätte ich auch eine Angora-Unterhose, aber seit ich mal im TV gesehen habe, dass man, um Angora-Wolle zu gewinnen, den armen Hasen die Haare bei lebendigem Leibe brutal ausreißt, habe ich von diesem Wunsch Abstand genommen. Ich bin mir sicher, dass Winnetou das nicht gutgeheißen hätte.</p>
<p>In diesem Sinne: Hough! Und möge die wiederkehrende Sonne unser aller harten, gefriergetrockneten Gedanken in softeisförmige, geschmeidige Visionen voller Love, Peace and Happiness verwandeln! Hä? Egal, mir fröstelt, da darf man auch mal verbal schwächeln&#8230;</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>wahnsinn: in china fällt ein papst um</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 22:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Überrascht war ich jedoch, dass es inzwischen auch ein Winterloch gibt, während dessen man es für nötig hält, Banalitäten zu „News“ aufzublasen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Das „Sommerloch“ kennt jeder. Das ist die Zeit, in der alle im Urlaub sind, auch die Politiker. Und weil in dieser Zeit angeblich nichts Bedeutendes passiert, berichten die Medien dann über Pipifax, zum Beispiel über Puffbesuche von Ottfried Fischer oder neue Bücher von Frank Schirrmacher.<br />
In kleineren Städten bringen die Lokalzeitungen dann gerne lustlose Portrait-Serien über vorbildlich integrierte Migranten oder über das soziale Engagement der örtlichen Kommunalpolitiker-Gattinen. Daran hat man sich gewöhnt, auch wenn jeder weiß, dass dies Pseudonachrichten sind.</p>
<p>Denn selbstverständlich könnte man auch im Sommer über reale Ereignisse berichten. Der Mist in der Welt hört ja nicht auf, bloß weil in Baden-Württemberg und NRW Schulferien sind. Oder in Niedersachsen. Selbst der Mist in NRW, Hessen und Niedersachsen hört nicht auf, bloß weil die Politiker im Urlaub sind. Schön wär’s.</p>
<p>Überrascht war ich jedoch, dass es inzwischen auch ein Winterloch gibt, während dessen man es für nötig hält, Banalitäten zu „News“ aufzublasen. Zum Beispiel, dass in Rom ein verwirrter Fan eine Absperrung überwindet und auf das Objekt seiner Begierde zustürmt, um es zu umarmen. Ein geradezu alltäglicher Vorgang für Lady Gaga und Bill Kaulitz von „Tokio Hotel“ und deswegen höchstens für die RTL-2-News von Interesse. Heißt der Star aber Joseph Ratzinger – und mit Künstlernamen „Benedikt XVI.“ – wird dafür ein Platz in der Tagesschau frei geräumt und die Zeitungen überschlagen sich. Allerdings: Die Tatsache, dass Sie, werter Leser respektive werte Leserin, sich schon jetzt, gerade mal ein, zwei Monate danach, kaum noch dran erinnern, zeigt ja nur, wie unbedeutend das eigentliche Ereignis war.</p>
<p>Natürlich wussten das die Journalisten in diesem Moment auch schon, aber wenn der Heiligen Mediengeist beschließt zu berichten, dann wird eben berichtet. Nicht, dass die Kollegen senden und drucken und man selbst steht schweigend daneben! Und dann fallen grotesk inhaltlose Sätze wie der folgende aus der „Tagesschau“: „Der Papst verlor seine Mitra und seinen Bischofsstab, blieb aber unverletzt.“ Mit anderen Worten: Nichts ist passiert. Oder wie es auf RTL 2 heißen würde: „Jimi Blue Ochsenknecht wurde von einem jugendlichen Fan umarmt und zu Boden gerissen, er verlor dabei seine Basecap und seinen ipod, stand aber gleich wieder auf und gab gutgelaunt ein Interview“.</p>
<p>Die Papst-Verehrerin bekam den gleichen Nachrichtenwert zugebilligt wie der missglückte Terroranschlag auf einen Airbus in den USA, bei dem – hätte der Anschlag geklappt – fast 300 Leute gestorben wären. Bei dem Zwischenfall in Rom hatte nicht nur niemand vor, jemanden zu töten, nein, hätten die Sicherheitskräfte die Frau nicht zu Boden gerissen, wäre der Papst noch nicht mal umgefallen, sondern nur geküsst worden. Dass „Knutschen mit dem Papst“ in der katholischen Theologie vermutlich eine größere Sünde als der Tod von 300 Menschen ist, steht auf einem anderen Blatt. Sehr schön auch, dass die Presse gleich eine „Attentatsserie“ in Italien konstruiert und das Papst-Hugging in Zusammenhang mit dem Angriff auf den Ministerpräsidenten und Medien-Mogul Silvio Berlusconi stellt, bei dem letztlich auch nichts passierte, außer, dass ein armer Irrer einem mächtigen und korrupten Größenwahnsinnigen auf hilflose Weise eine auf die Omme gehauen hat.</p>
<p>Nochmal ganz deutlich: Bei Attentaten wird geschossen, gesprengt oder mit einem großen Messer auf jemanden eingestochen, Menschen sterben dabei oder werden zumindest schwer verletzt. Wenn jemand seine Mütze verliert oder bloß eine weitere Schönheitsoperation braucht, ist das kein Attentat, sondern politisch bedeutungslos und nachrichtentechnisch eine Bagatelle. Aber im Winterloch ist das wurscht.<br />
Da merkt ja auch niemand, wie ballaballa und geschmacklos es ist, wenn davon berichtet wird, dass die deutschen Soldaten im afghanischen Masar-i-sharif zu Weihnachten ein Krippenspiel aufführen, während man sich Zuhause fragt, warum die Bundeswehr in Kundus Zivilisten bombardieren lässt.<br />
Die Meldung, dass im gleichen Camp kurz nach dem Bombenangriff T-Shirts mit brennenden Tanklastwagen und der Aufschrift „Du sollst nicht stehlen“ auftauchten, hat es übrigens nicht in die Tagesschau geschafft.</p>
<p>Mal schauen, was im nächsten Jahr die große Winterschlagzeile wird. Vielleicht: „Queen Elisabeth verbrüht sich beim Fünf-Uhr-Tee die Zunge!“ oder „Horst Köhler abends im Bett eingeschlafen!“</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>the queen and i</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 22:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2010-01]]></category>

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		<description><![CDATA[Das einzige, was mich in letzter Zeit leicht verstört, mir sogar immer wieder eine regelrechte Gänsehaut verpasst, ist mein Morgentee beziehungsweise seine Darreichungsumstände.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Ich bin ein zähes Bürschlein und lasse mich von nichts so schnell aus der Bahn werfen. Zwar bin ich am frühen Morgen etwas empfindlicher, aber selbst in diesem fragilen Zustand immer noch in der Lage, einiges auszuhalten, seien es nun großflächige Schimmelkolonien auf der Marmelade, dummdünkelhafte Kulturschnatzen-Interviews im Radio oder – in bestimmten Phasen meines Lebens – bis zum Anschlag vollgeschissene Kleinkinder-Windeln. Das einzige, was mich in letzter Zeit leicht verstört, mir sogar immer wieder eine regelrechte Gänsehaut verpasst, ist mein Morgentee beziehungsweise seine Darreichungsumstände.</p>
<p>Traditionell trinke ich das edle, mahagonifarbene, aber in Deutschland tragischerweise durch die 80er-Jahre-Alternativbewegung in sockige Zusammenhänge gestellte und somit übel beleumundete Getränk aus einem englischen “mug”, einem becherähnlichen, aber behenkelten Gefäß, das ich einmal von meiner in London lebenden Schwester geschenkt bekommen habe. Im Jahre des Herrn 1992. Normalerweise merke ich mir nicht, wann mir wer was geschenkt hat. Für sowas habe ich keinen Speicherplatz. In diesem Fall ist es jedoch anders und einfach. Auf der Tasse steht: “40th Anniversary of HM Queen Elisabeth II. 1952 &#8211; 1992”, und ein Bild der frostig-tantigen, inzwischen schon über ein halbes Jahrhundert auf dem Thron sitzenden Königin prangt mittig auf dem Trinkbecher. Vielleicht sollte ich besser im Imperfekt sagen: prangte. Denn vor einiger Zeit schaffte ich mir eine Geschirrspülmaschine an, weil ich ahnte, dass diese Maschinen eine Art materialisiertes, technikgewordenes Glück sind. Und ich muss sagen: Selten wurde eine Ahnung – oder wie es so unschön heißt: ein &#8220;Bauchgefühl&#8221; – durch die Realität so uneingeschränkt bestätigt wie in diesem Fall. Befreit von der täglichen Last des Soßenkrustenlösens und Angetrocknetenmilchschaumabschrubbens und vor allem Überdenabwaschstreitens lässt es sich befreit aufleben, und die eigene Existenz wird zu einem nimmerendenwollenden Kindergeburtstag. Aber dieses küchenhygienische Prozac hat auch seine Tücken.</p>
<p>Eigentlich neige ich nicht zu esoterischem Kokolores, glaube weder an Horoskope noch an Hellsichtigkeiten und Kaffeesatzlesereien, und selten habe ich so herzhaft gelacht wie über die Rudolf Steinersche Theorie vom “zweiten Jesus”, aber dennoch werde ich das Gefühl nicht los, langsam aber sicher zum Königinnen-Mörder zu werden.</p>
<p>Mit jeder Geschirrspülmaschinenwäsche verblasst das Bild der Queen um mehrere Grade. Zunächst wurde es einfach nur gleichmäßig heller, dann aber verwandelte sich “E II” aufgrund des unterschiedlichen Ausbleichungspotentials der benutzten Farben in eine Stammeschefin aus einem fernen Südseeinselreich. Sowohl ihr ehemals blaues Kleid als auch das sorgfältig um das Kissengesicht drapierte Haupthaar waren kaum noch zu erkennen, die einst rosafarben angelegte Gesichts- und Dekolletéfarbe dunkelte aber dagegen ins Braune spielend nach. Doch auch diese exotische, körperlose, geisterhaft schwebend wirkende Erscheinung wird nun stetig undeutlicher. Irgendwann wird auch sie verschwinden. Und dann wird sie von uns gegangen sein, Elisabeth Windsor, Königin von Großbritannien und Nordirland, Haupt des Commonwealth. Und ihre Corgis werden verwaist sein. Und Handtaschen so groß wie Überseekoffer werden aus der Welt der Modeaccessoires verschwinden. Prinz Charles, das menschliche Tampax, wird den Thron besteigen, sein Pferd zur Königin machen, England zum bio-dynamischen Landbau bekehren und die Architektur der Moderne in Schutt und Asche legen.</p>
<p>Wenn ich ehrlich bin, ist mir das eigentlich alles relativ egal – ich neige sogar dazu, Letzteres zu begrüßen – , was mich aber doch frösteln lässt, ist der Gedanke, dass es in meiner Macht steht, diese Ereignisse zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Manchmal denke ich darüber nach, die Tasse einfach in die hinterste Ecke meines Ikea-Hängeschränkchens zu stellen und der Angelegenheit ein Moratorium zu verordnen. Aber ich kann nicht anders: Ich muss ihn allmorgendlich benutzen, den “killing mug”. Fragen Sie mich bloß nicht, warum. Zur Hochzeit von Charles und Diana im Jahr 1981 schenkte mir meine Schwester übrigens auch eine Tasse. Kein Wort über das Schicksal dieses Trinkgefäßes! Schließlich kann ich nicht an allem schuld sein. Hin und wieder muss man auch ein wenig Hoffnung zulassen&#8230;</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		</item>
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		<title>die reaktion der reaktion</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Nov 2009 22:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2009-12]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4142" title="El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/08/el-kurdi_net-300x239.jpg" alt="" width="300" height="239" /></a>Kommen wir noch mal zurück auf Sarrazin. So schnell sollte man bei sowas nicht zum Alltag übergehen. Nachdem ich zunächst überrascht war, wie schnell ein Teil der medialen Öffentlichkeit von Empörung auf Eigentlich-hat-er-ja-Recht umschwenkte, musste ich mich in den vergangenen Wochen vor allem darüber wundern, wie der Herrenreiter Sarrazin auf einmal zum Märtyrer stilisiert wurde. Ich hätte nicht vermutet, dass sich Deutschlands Konservative und Reaktionäre in einem solch bedauernswerten Zustand des verschärften Selbstmitleids befinden. Ausnahmsweise stimmt hier mal das Klischee von den Deutschen als Jammer-Weltmeister.</p>
<p>Meine Güte, was wurde und wird sich da ob der Tatsache, dass Sarrazin für seinen rassistischen Verbalamoklauf nicht sofort das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, in die Tasche geheult: „Im Lande der Leisetreter und der politischen Korrektheit wird jeder, der Klartext redet, gleich niedergemacht. Erbärmlich!&#8221;, schluchzt der Historiker Arnulf Baring der Bildzeitung in den PC. Damit bedauert er sich zu allererst selbst, denn auch er wurde ja „nieder gemacht&#8221;, als er in einer Fernsehsendung feststellte: „Der Hitler hat ja in einem Maße dieses Land in Bewegung gebracht, was man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Er hat in den 30er Jahren, was bis in die 40er, 50er &#8211; man kann sagen &#8211; in die 60er Jahre weitergewirkt hat, den Leuten einen Elan vermittelt, der vollkommen von uns gewichen ist.&#8221; Wie allgemein bekannt ist, wurde Baring danach enteignet, zwangsbeschnitten, seine Pensionsansprüche wurden ihm gestrichen, und die geschätzten siebentausend gut bezahlten Fernsehauftritte nach dieser Äußerung konnte er nur in Anwesenheit einer Hundertschaft Bereitschaftspolizisten aus Mecklenburg-Vorpommern absolvieren. Mal abgesehen davon, dass Brad Pitt ihm eigenhändig ein Hakenkreuz in die Stirn ritzte.</p>
<p>Auch Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und nun Honorarprofessor und freischaffender Schwadroneur, beklagt in einem Radio-Interview weinerlich, der ehemalige Berliner Finanzsenator werde „fertig gemacht&#8221; und beschreibt in einem offenen Brief an Sarrazin den Zustand unserer Demokratie folgendermaßen: „Die Art der an Ihnen geübten Kritik aus dem politisch korrekten Milieu aus Politik und Medien stellt ein Armutszeugnis für den Zustand der Meinungsfreiheit in unserem Land dar. Ich kenne keine Demokratie, in der das Aussprechen gewisser Wahrheiten solche Konsequenzen hat.&#8221; Wenn man die Angelegenheit auch nur eine Sekunde aus Henkels Perspektive betrachtet, muss man ihm sofort zustimmen: Es ist auf keinen Fall einzusehen, warum diejenigen, die die politische und wirtschaftliche Macht in diesem Land haben, nicht unkritisiert, unwidersprochen und von Medien unbehelligt ihre Meinung sagen dürfen. Ja, wo sind wir hier eigentlich?</p>
<p>Auch Henryk M. Broder, der weiß, wie hart es sein kann, wegen kulturalistischem Eindreschen auf Minderheiten mit einem Job als Spiegel-Autor bestraft zu werden, ist wie üblich empörter als empört: „Wenn einer bei uns das Kind beim Namen nennt, dann schreit halb Deutschland: Stopft ihm das Maul!&#8221;</p>
<p>In diesem Reigen der üblichen Wirrredner fehlt eigentlich nur noch die hektische Konservative Bettina Röhl, die vor Jahren Joschka Fischer als &#8211; huch, wer hätte das vermutet? &#8211; gewalttätigen, machtgeilen Parvenü entlarvte. Röhl leitet offensichtlich aus der Tatsache, dass sie die Tochter Ulrike Meinhofs ist, eine Art negative Verpflichtung ab, auf alles einzudreschen, was irgendwie nach „links&#8221; und „68&#8243; riecht. Als konservative Widerstandskämpferin versteckt sie Sarrazin jetzt verbal in ihrem Wandschrank, damit er nicht den totalitären, mordlustigen Häschern der ‚political correctness&#8217; in die Hände fällt: „Was Sarrazin gesagt hat, muss jemand sagen dürfen, ohne, dass er persönlich vernichtet wird. Der Weg von der Heuchelei zur Hatz, zur Menschenjagd, ist nicht weit.&#8221; Auch sie wird ihren Mut zwangsläufig damit bezahlen müssen, weiterhin gut honorierte Artikel für „Die Welt&#8221; und andere große, überregionale Zeitungen zu schreiben. Und Sarrazin selbst muss jetzt bei vermutlich gleichen Bezügen weniger arbeiten und darf in Zukunft als Experte für gescheiterten Multikulturalismus über die Diskussionsbühnen der Republik tingeln, um sich von der selbstgerechten Stammtisch-Elite des Landes auf die Schulter klopfen zu lassen.</p>
<p>Es ist schon ein hartes Schicksal, ein Märtyrer für die deutsche Sache zu sein.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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