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	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; kolumnen</title>
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		<title>96 Sonderkolumne zur Euro- und DFB Pokalauslosung</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Aug 2011 09:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[* Ticker]]></category>
		<category><![CDATA[fußball - die 96-kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[2011-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Sevilla, Sevilla, Sevilla… Im typischen Olé/Fiesta-Style schmettert ein B-Placido Domingo die Vereinshymne des FC Sevilla. Und wir werden sie am 25. August live beim Euroleague Play Off-Rückspiel im „Estadio Sánchez Pizjuan“ zu hören bekommen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sevilla, Sevilla, Sevilla…</p>
<p>Im typischen Olé/Fiesta-Style schmettert ein B-Placido Domingo die Vereinshymne des FC Sevilla. Und wir werden sie am 25. August live beim Euroleague Play Off-Rückspiel im „Estadio Sánchez Pizjuan“ zu hören bekommen. Letzten Freitag ergab die im Vorfeld kaum logisch zu erfassende Auslosung im schweizerischen Nyon dieses Hammerlos. Zur Auswahl standen die Gegner      RB Salzburg, Dukla Prag, AZ Alkmaar, Brügge, Stoke City und eben der FC Sevilla.</p>
<p>Viele Fans werden ob dieser schweren Aufgabe sicher nicht so glücklich sein. Mein Kumpel Jens und ich jubelten aber kräftig, denn nun wird aus unserer Fahrt mit unserem viper-grünen VW-Käfer „Diddi“ ein richtig toller Trip, der dann vielleicht auch noch den Begriff Urlaub mit ins Spiel bringt. Ab Frankreich immer schön die Küste lang und nach ein bisschen mehr als 3000 km am Ziel in der „Bratpfanne Spaniens“.  Los geht es für uns direkt nach Abpfiff des Heimspiels am 18. August vom Niedersachsenstadion aus. Vielleicht kommt Ihr ja zum Winken…</p>
<p>Und sollte es aus irgendwelchen Gründen nichts werden mit der Gruppenphase, wäre es gegen eine Mannschaft dieser Klasse sicherlich keine Schande. Anders als zum Beispiel Mainz (schon geschehen) oder Schalke, die sich gegen drittklassige Teams wie Gaz Metan Medias oder Helsinki doch nur blamieren können. Wir haben einen Lauf. Erst der überzeugende Aufritt im Pokal gegen Wismar, dann dieses Hammerlos in der Euroleague, am nächsten Tag der Sieg gegen Hoffenheim und am Abend noch endlich mal wieder ein Heimspiel in der zweiten DFB Pokalrunde gegen durchaus attraktive Mainzer, die für uns aber auch schlagbar sind.</p>
<p>Was denn DFB-Verantwortlichen allerdings eingefallen ist, die DFB-Pokalauslosung an den PayTV-Sender Sky zu verhökern, muss mir mal jemand erklären. Da brillierten mit Hirnriss Oliver Pocher, der wortkarge Andy Köpke, Topmodell und Bayern Fan Sara Nuru, sowie die Sky-Blondine Jessica Kastrop (der ihr Lederunfall immer noch arg zusetzt – siehe http://www.youtube.com/watch?v=7McdjN3fKnA) in der Fußball-Show „Samstag LIVE“. Das gilt es zu verbessern, sonst ist alles Hammer!</p>
<p>Bis bald im Block oder irgendwo zwischen Hannover und Sevilla</p>
<p>Euer Peter</p>
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		<title>pause?</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 12:01:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[fußball - die 96-kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[2011-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerade hatten wir unseren vierten Platz „verdaut“, die Feierlichkeiten beendet und unsere europäischen Perspektiven ausgelotet, da kam schon der mediale Hype um die Frauen-WM. Und Fußballfan, der man(n) nun mal ist, schauten wir zumindest die Spiele des deutschen Frauenteams]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/46-89_Stadtkind_Mai_11_7211.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11586" title="Peter Staade, Dauerkartenbesitzer und Fußballexperte" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/46-89_Stadtkind_Mai_11_7211-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a>Gerade hatten wir unseren vierten Platz „verdaut“, die Feierlichkeiten beendet und unsere europäischen Perspektiven ausgelotet, da kam schon der mediale Hype um die Frauen-WM. Und Fußballfan, der man(n) nun mal ist, schauten wir zumindest die Spiele des deutschen Frauenteams oder man(n) lästerte zumindest drei Wochen lang auf mitunter niedrigem Niveau, welches zeitweise an Macho-Allüren der frühen 80er Jahre erinnerte. Es war ein eigener Wettbewerb ausgebrochen. Wer hatte den lustigsten Kommentar abzugeben? Wer traute sich in Ermangelung von Auslandsurlaub an Partien wie Schweden gegen Australien? Dazu  gab es für die wirklichen Nerds und Spätzubettgeher die U17-WM in Mexiko und sogar Live-Methadon mit Testspielen der Roten in der Stadt und Region. Beim 21-0 unserer Jungs in Letter gegen den TSV Limmer war ich zugegen. Es galt, die Neuerwerbungen zu begutachten.</p>
<p>Ohne Pause ging es weiter. Unerklärlich früh startete die 2. Liga Mitte Juli in die Saison, dann das „große“ Freundschaftspiel gegen Olympic Lyon und eine Woche später schon DFB-Pokal. Dazu die ganzen Comunio- und Kicker-Mangerspielmenschen um einen herum, die früh ihre Mannschaft zusammenkriegen wollen, um ihren Vorjahreserfolg mit Platz 135731 vielleicht sogar noch zu toppen. Neulich telefonierte einer dieser „Manager“ in aller Öffentlichkeit in sein Handy und verschob Millionenverträge, als sei er die Reinkarnation von Gordon Gekko, dem fiesen Börsenyuppie aus Wall Street. Die Faszination für das Aufstellen einer fiktiven Mannschaft, zusammengewürfelt aus allen Erstligateams, entzieht sich mir völlig. Wahrscheinlich haben sich das mal echte Fußballmanager und Spielerberater ausgedacht, um ungestört in Stadien und Cafés ihr Unwesen zu treiben, weil alle denken, der Mensch spielt nur.</p>
<p>Womit wir bei den Tippspielen sind. In dieser Saison werde ich mir die 34 Euro sparen, die ich beim Kicktipp über Jahre investiert habe. Jede Woche galt es, die Paarungen des kommenden Spieltags möglich korrekt zu tippen. Das hat doch, nicht nur wegen meiner sehr mittelmäßigen Endplatzierung, nichts mit Sachverstand zu tun. Häme wurde ausgeschüttet, reine Raterei mit breiter Brust als Erfolg verkauft. Dabei erinnert das Ganze doch eigentlich eher an die Geschichte vom malenden Affen und der modernen Kunst. Stumpfe Betrachtungsweise? Pah! Gerade die letzte Saison mit uns als Viertem und Mainz als Fünftem hat gezeigt, wie sehr der Sachverstand sich irren kann.</p>
<p>Es geht aber noch schlimmer: Die Klebebildchen-Fraktion. Da versenken erwachsene Menschen hunderte Euro, treffen sich zum Tauschen, sind frustriert, weil Panini ja nicht doof ist und manche Bilder einfach nicht so oft in die Tüte steckt. Neulich las ich eine mathematische Abhandlung über Wahrscheinlichkeiten und statistische Erhebungen über Panini. Es war erschütternd, gar mafiös erscheinen die Strukturen.</p>
<p>Okay, Schluss mit dem Lästern. Jedem sein Hobby. Eigentlich ging es mir darum aufzuzeigen, dass dem Fan ohne Urlaub bis dato (wir warten halt auf die Euro-Auslosung am 5. August) keine Pause vom Fußballzirkus gegönnt war. So ähnlich geht es wohl auch Henning Hauger, der norwegischen 96-Neuerwerbung. Der kommt aus einer Liga, die im Kalenderjahr spielt, sodass er keine Möglichkeit hatte, mal die Seele baumeln zu lassen. Wenn sich das mal nicht rächt! Ansonsten scheint die Mannschaft intakt und gut durchs Trainingslager gekommen zu sein. Hier und da ein paar Blessuren bei Neustürmer Sobiech, unserem Wieder-Kapitän Cherundolo und Ya Konan. Aber es wird! Speziell zur Auslosung, dem Saisonstart und unseren Neueinkäufen, wird es am 7. August eine Sonderkolumne auf der Stadtkind-Homepage unter www.stadtkind-hannover.de geben.</p>
<p>Bis bald bei einem Testspiel!</p>
<p><strong>Euer Peter</strong></p>
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		<title>vorwärts in die vergangenheit</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 11:57:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2011-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir Kenner und Liebhaber der Populärkultur wissen, dass Zeitreisen unkalkulierbare Risiken bergen. Zum Beispiel ist nach wie vor unklar, ob man in der Vergangenheit etwas verändern darf, und wenn ja, was das für Folgen haben kann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13198" title="Hartmut El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Wir Kenner und Liebhaber der Populärkultur wissen, dass Zeitreisen unkalkulierbare Risiken bergen. Zum Beispiel ist nach wie vor unklar, ob man in der Vergangenheit etwas verändern darf, und wenn ja, was das für Folgen haben kann. Vertauscht man zum Beispiel aus Versehen auf einer Hochzeitsfeier im Jahre 1929 zwei Tischkärtchen, lernt sich vielleicht ein potenzielles Ehe- und Elternpaar nicht kennen, jemandes Geburt fällt möglicherweise aus, deswegen wird logischerweise die Mondlandung abgeblasen, dafür aber gewinnt Franz Josef Strauß 1980 die Wahlen, der Frankfurter Kneipenschwadroneur Joschka Fischer tritt nie den Grünen bei, lässt sich aber 1993 fürs Showbusiness entdecken und moderiert als Nachfolger von Wolfgang Lippert „Wetten dass&#8230;“ bis er am 7. Juli 2012  in der TUI-Arena in Hannover explodiert und damit das Ende des öffentlich-rechtlichen Fernsehens besiegelt. Alles hängt mit allem zusammen.</p>
<p>Oder ein anderes Zeitreisen-Problem: Man reist rückwärts – wie dies Stanislaw Lem in seinen „Sterntagebüchern“ beschreibt – existiert dann aber aufgrund technischer Komplikationen parallel auf zwei Zeitebenen, die sich überraschend kreuzen und überlagern, begegnet sich so selbst und endet im schlimmsten Fall in einer sich stetig wiederholenden Zeitschleife. Wie genau das funktioniert, kann ich nicht mehr genau erklären und leider kann ich es auch nicht nachlesen, weil ich die „Sterntagebücher“ offensichtlich in einem dieser Paralleluniversen vergessen habe. Oder in Braunschweig. Was übrigens ungefähr das Gleiche ist.</p>
<p>Aber trotz aller möglichen Gefahren würde ich gerne mal mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen. Allerdings eher zum Kurzstreckentarif: In die Endsechziger/Anfangsiebziger des zwanzigsten Jahrhunderts.  Reisen in richtig ferne Zeiten interessieren mich nämlich nicht die Bohne. Das alte Rom, Kaiser Barbarossa, der wilde Westen, Bismarck, Stalin, Hitler, die Azteken, einen Abend mit Jesus und seinen Kumpels – alles nix für mich, sowas schau ich mir lieber bei „Terra X“ im ZDF an. Was mich brennend interessiert, ist Folgendes: Ich möchte die Zeit, in der ich Kind war, mit Erwachsenenaugen betrachten. Richtig kann ich mich schließlich nur an Bonanzafahrräder, den Hasen Cäsar, Olympia-Dackel Waldi, Gerd Müller und an die Einführung des Instant-Erfrischungsgetränks „Cefrisch“ erinnern, kulturgeschichtlich nicht uninteressant und heutzutage retromäßig enorm verwertbar – sogar kleines dickes Müller macht wieder Fernsehwerbung –, aber mich treiben eher die großen Lifestyle-Mythen und Alltagslegenden jener Zeit um.</p>
<p>Wie gerne säße ich beispielsweise mal im Jahr 1972 in der Redaktion einer großen deutschen Tages- oder Wochenzeitung, um zu überprüfen, ob da wirklich regelmäßig Leute bei der Morgenkonferenz seitlich vom Stuhl kippten, weil schon vormittags zur Kreativitätsbeförderung wie selbstverständlich Whiskey und Cognac gereicht wurde. Der Fama zufolge könnte ich diese alkoholbedingten Berufsunfälle allerdings nur akustisch wahrnehmen, weil aufgrund des verpflichtenden journalistischen Rothändle-Kettenrauchens die Sichtweite keine 30 Zentimeter betrug.</p>
<p>Gerne würde ich auch mal in den Siebzigern einen Blick hinter die Kulissen eines Stadt- oder Staatstheaters werfen. Heute noch lebende Augenzeugen berichten, dass sich dort das darstellende Personal neben, hinter und unter der Bühne ununterbrochen den Freuden der körperlichen Liebe hingegeben hat. Keine Bühnendeko, kein Vorhang, keine Tür hinter der nicht geschnakselt wurde. Nicht, dass ich an diesen quasi staatlich subventionierten Orgien teilnehmen wollte, ich bin da ja eher dezent, aber wenn dem wirklich so gewesen ist, würde diese schlichte Triebhaftigkeit tatsächlich einen schönen Kontrast zum  wichtigtuerisch vor sich ernstelnden 70s-Theater bilden und mich auf eine ironisch-dialektische Art sehr erheitern.</p>
<p>Apropos hemmungsloses Rumgeknatter: Am liebsten würde ich in jenen wilden Zeiten mal einen Tag lang in der Redaktion der St. Pauli Nachrichten verbringen und Leuten wie dem späteren „Spiegel“-Chef Stefan Aust und dem heutigen Springer-Reporter Henryk M. Broder beim Herstellen ihres linksradikalen Schmuddelsexheftchens zuschauen. Ich lächelte dabei milde und altväterlich und stieße mit ihnen auf die Weisheit der Jugend an, weil ich wüsste, dass alles, was sie da an wirrem Kokolores produzierten, harmlos wäre im Vergleich zu dem, was sie 40 Jahren später von sich geben würden. Und für einen Moment wäre alles gut.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>ohrensausen</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 13:43:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[stadtkinder bewältigen den alltag]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Städte sind eine laute Angelegenheit. Eine sehr laute. Das muss man mögen. Und ich mag das. Sehr sogar. Bestimmte Geräusche gehören einfach in die Stadt. Autos, die fahren, Leute, die reden, Musik von irgendwelchen Festen, gerne länger. Laute Nachbarn sind auch okay, was immer sie treiben]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Städte sind eine laute Angelegenheit. Eine sehr laute. Das muss man mögen. Und ich mag das. Sehr sogar. Bestimmte Geräusche gehören einfach in die Stadt. Autos, die fahren, Leute, die reden, Musik von irgendwelchen Festen, gerne länger. Laute Nachbarn sind auch okay, was immer sie treiben. Lautstärke folgt in Städten der Bewegung der Menschen. Morgens ist es ganz früh vielleicht ein klappriges Fahrrad, von einem, der Brötchen holt, dann lärmen die Schulkinder auf der Straße und die ersten Autos sind unterwegs, dann werden es immer mehr Autos, immer mehr Menschen. Und dann bleibt es irgendwann auf einem Level, das städtische Grundrauschen, bis es nachts allmählich wieder abklingt.</p>
<p>Am Wochenende haben Städte dann einen anderen Rhythmus. Der mit dem Fahrrad kommt später, die Schulkinder gar nicht, alles wird ein bisschen leiser und abends vielleicht ein bisschen lauter. So muss das sein in einer Stadt. Menschen, die diesen Lärm nicht mögen, sollen sich irgendwas in die Ohren stecken oder aufs Land ziehen. Aber bitte keine Bürgerinitiativen gründen und den anderen den Spaß verderben. Bürgerinitiativen gegen Lärm in der Stadt sind ein ähnlicher Unsinn wie Bürgerinitiativen gegen ein schlechtes Fernsehprogramm. Wobei solche Bürgerinitiativen vielleicht sogar Sinn machen würden. Bringen würden sie natürlich nichts, weil das Fernsehprogramm sich durch die Nachfrage bestimmt. Und an der Stelle ist Hopfen und Malz längst verloren. Es gibt ja inzwischen sogar Thomas-Gottschalk-Fanclubs oder Menschen, die sich für Aiman Abdallah erwärmen. Gibt es eine Bürgerinitiative gegen Aiman Abdallah und Thomas Gottschalk? Wenn es eine gibt, bitte melden. Da würde ich mich ausnahmsweise beteiligen. Man könnte noch Ulrich Meyer dazunehmen.</p>
<p>Es gibt zwei weitere Bürgerinitiativen, an denen ich mich sofort beteiligen würde. Wie gesagt, in der Stadt  folgt die Lautstärke der Bewegung der Menschen. Zwei Institutionen allerdings, die folgen ihren eigenen Regeln. Nummer 1 ist die Stadt selbst. Warum, verdammt noch mal, müssen die mit der Reinigung der Straßen so früh morgens anfangen, sodass man nicht mal das erste klapprige Fahrrad hört. Warum müssen sie mit diesen seltsamen Blasgeräten durch die Stadt ziehen und alle aufwecken, die gut und gerne noch ein Stündchen länger schlafen dürften? Das versteht doch wirklich niemand. Schon zwei Stunden später würde sich der Straßenreinigungslärm ohne Schwierigkeiten im allgemeinen Straßenlärm verflüchtigen, dann wäre es egal. Aber nein, noch vor sechs Uhr geht es in die Vollen. Das passt nicht zum allgemeinen Lärmrythmus der Stadt. Kann das nicht einfach ein bisschen auf später verlegt werden, bis ein paar Menschen die Gelegenheit hatten, aufzustehen, sich zu waschen und zu frühstücken, um dann beim Lärm mitzumachen, damit der Straßenreinigungslärm nicht so alleine ist?</p>
<p>So, und jetzt zu Institution Nummer 2, auch wenn ich mich damit wahrscheinlich weit aus dem Fenster lehne. Das Kirchengebimmel geht mir ungeheuer auf die Nerven. Vor allem an Sonntagen. Und jetzt höre ich schon die Rufe, dass ich mir dann gefälligst Stöpsel in die Ohren stecken soll, wenn mich das stört, und dass die Kirchen und damit auch die Glocken uraltes Brauchtum sind und zum deutschen Kulturgut gehören. Kann man das auch sachlich diskutieren? Es gibt Geräusche, die Menschen durch ihr Dasein verursachen, durch ihre Bewegungen in der Stadt. Das sind natürliche Lebensgeräusche, auch wenn sie mit dem Auto unterwegs sind. Kirchenglocken sind keine natürlichen Lebensgeräusche. Sie mögen für manche Menschen zum Lebensentwurf gehören, aber für die Mehrheit gilt das heute nicht mehr. Für die ist das Kirchengeläut ungefähr so wichtig wie das Röhren dieser Blasgeräte. Einfach eine lärmende Unterbrechung zu Tageszeiten, an denen es nicht passt. Wenn man zum Beispiel sonntags mit der Familie beim Frühstück sitzt, und sich unterhalten will, nachdem man unter der Woche kaum Zeit gefunden hat, mal ein Wort miteinander zu wechseln. Dann geht es los, so etwa zehn Minuten, gefühlte zehn Stunden. Ich meine, man kann ja darüber streiten, ob das nun gut oder schlecht ist, dass die Kirchen in unserer Gesellschaft zunehmend an Einfluss verlieren, aber mit dem Glockengeläut wird es doch auch nicht besser. Eher schlimmer. Das wirkt doch eher wie ein aufdringlicher Telefonverkäufer, und man kann nicht mal auflegen. Vielleicht sollte die Kirche den Menschen einfach mal ein bisschen Ruhe gönnen. Eventuell kommen sie dann mit der Zeit ja von ganz allein zurück.</p>
<p><strong>MS</strong></p>
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		<title>frauen mit kleinen hunden</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 13:11:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[„Liebe Frau K., wir sagen es jetzt zum letzten Mal: Es tut uns leid, und es war keine Absicht. Wir werden den Schaden auf jeden Fall ersetzen, wobei wir natürlich wissen, dass Geld allein das Vorgefallene nicht ungeschehen machen kann. Und deswegen entschuldigen wir uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich. Unsere Redakteurin hat es wirklich nur gut gemeint...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Liebe Frau K., wir sagen es jetzt zum letzten Mal: Es tut uns leid, und es war keine Absicht. Wir werden den Schaden auf jeden Fall ersetzen, wobei wir natürlich wissen, dass Geld allein das Vorgefallene nicht ungeschehen machen kann. Und deswegen entschuldigen wir uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich. Unsere Redakteurin hat es wirklich nur gut gemeint. Sie wollte helfen. Aber damit muss es jetzt auch mal gut sein! Bitte bombardieren Sie uns nicht weiter mit ihren E-Mails. Und falls Sie uns doch noch schreiben müssen, im Rahmen ihrer Trauerarbeit, achten Sie bitte auf ihre Wortwahl. Unsere Redakteurin hat auch Gefühle. Sie zu beschimpfen, sie mit Kraftausdrücken zu belegen, die selbst unserem Chefredakteur in der Redaktionsrunde nicht über die Lippen kommen würden, das geht einfach zu weit. Sie hat es einfach nicht besser gewusst.“</p>
<p>Diese E-Mail stammt aus dem letzten Jahr, doch bis heute schreibt uns Frau K. fast täglich E-Mails samt Kraftausdrücken, obwohl der Schaden längst beglichen ist, und trotz zahlreicher weiterer Entschuldigungs-E-Mails von unserer Seite. Kurz, es ist an der Zeit, Tacheles zu reden. Man kann diese kleinen Viecher eben nicht so leicht von Ratten unterscheiden, zumal wenn sie gerade mal nicht bellen. Außerdem gehören Hunde nicht in Handtaschen, auch wenn sie sehr klein sind. Jedem könnte passieren, was unserer Redakteurin passiert ist.</p>
<p>Man sitzt im Sommer in einem Kaffee, führt ein Interview, denkt an nichts Böses, und plötzlich regt sich etwas in einer Handtasche am Nachbartisch, während die Besitzerin gerade nicht am Platze ist. Natürlich schaut man als verantwortungsvolle Mitbürgerin in solchen Fällen mal genauer hin. Und natürlich schüttelt man das Vieh aus dieser Tasche und rückt dem Schadnager mit dem Schuhwerk zuleibe. Wer kann denn ahnen, dass die Ratte ein Hund ist? Ein Chihuahua, Havaneser, Jack Russell Terrier, Lhasa Apso, Malteser, Pekinese, West Highland White Terrier oder Yorkshire Terrier? Wir wissen es nicht so genau, denn der kleine Racker war danach nicht mehr zu identifizieren und die Dame mit dem Hut hat in ihren E-Mails immer nur von ihrem Liebling gesprochen. Jetzt mal unter uns, Liebe Frau K., einen Liebling sperrt man nicht in eine Handtasche! Und schon gar nicht in eine Handtasche mit der gleichen Farbe. Und dann auch noch mausgrau. Aber wahrscheinlich war diese farbliche Abstimmung ja Programm, und ihr kleiner Liebling nichts weiter als ein Modeaccessoire. Wozu sonst kauft man sich so einen „Hund“? Ein Hund und ist nach unserer Definition ein Tier, dass man aussetzen kann (was man natürlich nicht sollte), weil es nicht gleich verhungert oder sich bei Regen erkältet und an Lungenentzündung stirbt, sondern noch so viel Wolf ist, dass es sich zumindest einige Tage lang über Wasser halten kann.</p>
<p>Sie beschreiben sich in ihren E-Mails als Hundefreundin und bezeichnen unsere Redakteurin als eine Hunde hassende Mörderin. Aber eine echte Hundefreundin würde doch wohl darauf verzichten, Qualzuchten für die Handtasche zu kaufen. Gäbe es nur echte Hundefreundinnen, gäbe es sicherlich keine Qualzuchten mehr.</p>
<p>Und jetzt kommen Sie uns bloß nicht damit, dass Ihr Liebling sich in Ihrer Handtasche immer wohl gefühlt hat. Wären Sie eine echte Hundefreundin, hätten sie ihrem Liebling auch nur ein einziges Mal ins Gesicht geschaut, dann hätten Sie seine Qualen bemerkt. Solche Hunde haben durchaus Verstand. Die können sich sehr gut vorstellen, was die anderen, echten Hunde sich bei ihrem Anblick denken und was hinter ihrem Rücken so erzählt wird. Man muss sich das ähnlich vorstellen, wie im Film „Alien &#8211; Die Wiedergeburt“, als Ripley ihre geklonten und leider ziemlich missglückten Vorgänger entdeckt. Genau so fühlen sich diese kleinen Hunde.</p>
<p>Betrachtet man es von der Seite, hat sich unsere Redakteurin vielleicht sogar vorbildlich verhalten. Nennen wir es doch einfach Gnadentod. Jetzt muss der Kleine seinen Anblick wenigstens nicht mehr in den Schaufensterscheiben ertragen. Immer von der Angst begleitet, dass Sie im Schaufenster eine grüne oder gelbe Handtasche entdecken und ihn beim Hundefriseur entsprechend umgestalten lassen. Also liebe Frau K., lassen Sie es gut sein, sonst knöpfen wir uns in unserer Randgruppenbeleidigung demnächst mal Frauen vor, die keinen Stil haben und dann sind Sie so richtig dran.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>langweiliges grundrauschen</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 13:06:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[politisches]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Was steckt eigentlich dahinter, wenn gesagt wird, dass die Politik sich von den Menschen entfernt oder entfremdet habe? Und sich darum die Menschen im Umkehrschluss nun nicht mehr für die Politik interessieren würden? Heißt das, die Politiker kümmern sich sowieso nicht mehr um die Belange ihrer Wähler]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was steckt eigentlich dahinter, wenn gesagt wird, dass die Politik sich von den Menschen entfernt oder entfremdet habe? Und sich darum die Menschen im Umkehrschluss nun nicht mehr für die Politik interessieren würden? Heißt das, die Politiker kümmern sich sowieso nicht mehr um die Belange ihrer Wähler, sie diskutieren abgehoben von der Realität in ihrem Elfenbeinturm mit Glaskuppel und wissen dabei gar nicht, was draußen, außerhalb des politischen Tagesbetriebs, so vor sich geht? Heißt das, sie reden nur noch und entscheiden gar nichts mehr, weil der Kompromiss am Ende aller Auseinandersetzungen immer derart groß gerät, dass sich im Grunde auch mit einem neuen Gesetz nichts verändert. Heißt das, die Politik ist gelähmt in ihren Entscheidungsstrukturen, schwach, ohnmächtig im Umgang beispielsweise mit großen Unternehmen, weil sie sich längst abhängig gemacht hat von diesen Unternehmen? Heißt dass, Politiker sind am Ende gar keine Menschen mehr, sondern „Die-da-oben-Lebewesen“? An all dem mag in Teilen etwas dran sein, aber damit das Desinteresse vieler Bürger am politischen Betrieb zu erklären, greift nicht nur zu kurz, sondern vollkommen daneben.</p>
<p>Die Politik trifft sehr wohl noch Entscheidungen, sie hat beispielsweise gerade erst den Atomausstieg beschlossen. Sie hat sich gegen eine militärische Intervention in Libyen entschieden, sie hat sich durchgerungen, die Bundeswehr zu reformieren. Man mag bei all diesen Entscheidungen dafür oder dagegen sein, aber Untätigkeit kann man der Politik zumindest im Augenblick nicht vorwerfen. Nach wie vor geht es im politischen Betrieb auch um echte Entscheidungen – mit echten Konsequenzen für die Bürger. Und immer, wenn solche Entscheidungen anstehen, wächst das Interesse an der Politik. Ein Indiz dafür, dass den Menschen beileibe nicht egal ist, was passiert. Doch leider verabschiedet sich dieses Interesse meistens schnell, wenn das politische Tagesgeschäft folgt. Dann herrscht galoppierendes Desinteresse. Obwohl es natürlich auch im Tagesgeschäft ständig um Entscheidungen geht – oder gehen sollte. Wenn dort in den Gremien über irgendeinen richtigen Weg gestritten wird, dann geht es ja nicht um heiße Luft. Die Menschen, die dort zusammensitzen, sind auch keine „Die-da-oben-Lebewesen“. Es sind einfach Menschen, die sich für eine politische Laufbahn entschieden haben, im Idealfall, um die Gesellschaft mitzugestalten. Klar, es gibt auch andere, Karrieristen, denen es eigentlich nur um den eigenen Aufstieg geht, die die politische Bühne nutzen, um ihr Gesicht bekannter und damit wertvoller zu machen. Aber sie sind in der Minderheit. Den meisten Politikern geht es tatsächlich noch um etwas mehr. Die Unterstellung, dass sie ideenlos und ohne jede Vision ihre Zeit im Bundestag absitzen, gehört eher in den Bereich der Legende.</p>
<p>Aber warum dann das allgemeine Desinteresse an der Politik? Es geht permanent um Inhalte, um echte Inhalte, auch jenseits der großen aktuellen Themen, und auch diese Inhalte sind den Menschen nicht egal. Warum wird die Wahlbeteiligung trotzdem wieder sinken, spätestens wenn Fukushima halbwegs vergessen ist? Warum wenden sich die Menschen ab? Das hat etwas mit der Lautstärke zu tun. Das Thema Atomausstieg war sehr laut, die Reform der Bundeswehr ist gerade ebenfalls kein Leisetreter, die Enthaltung in Sachen Libyen erst recht nicht. Und damit konnten diese echten Themen durchdringen, in der Kakophonie der üblichen politischen Auseinandersetzung. Diese Kakophonie ist auf der anderen Seite eine Mischung aus politischem Geplänkel innerhalb der Parteien und zwischen den Parteien. Sie ist der alltägliche politische Boulevard, ein Grundrauschen. Es gibt also das politische Tagesgeschäft, bei dem es tatsächlich um etwas geht, und dieses Grund-</p>
<p>rauschen, bei dem es um rein gar nichts geht. Leider ist Letzteres meistens wesentlich lauter. Wie erhält sich Angela Merkel die Macht in ihrer Partei, wird Rösler die FDP retten, ist er jetzt ein schwacher Chef der Liberalen, und kann Merkel deswegen mit ihm machen, was sie will? Wer wird Kanzlerkandidat der SPD? Und werden die Grünen nach ihrem Höhenflug demnächst eine Bauchlandung hinlegen, weil die Erwartungshaltung doch ein bisschen zu groß war? Das alles, so könnte ein genervter Bürger sagen, interessiert doch nicht die Bohne. Und recht hat er. Es interessiert nur innerhalb der politischen Welt, nimmt darin aber derart viel Raum ein, dass die Berichterstattung diesen Fragestellungen folgt. Die Medien berichten also über die eigentlich wichtigen politischen Fragestellungen, aber eben auch und gerne über den politischen Boulevard. Während sich die Wähler ständig fragen, ob die Damen und Herren Politiker nichts Besseres zu tun haben. So schädigt der politische Boulevard das Interesse. Immer dann, wenn die Politik sich um sich selbst dreht, genau dann entfernt oder entfremdet sie sich von den Menschen. Dann langweilt sie. Und wenn dann am Ende bei all der Taktik, bei all den Intrigen, Entscheidungen auf der Strecke bleiben, wenn aus parteiinternen Erwägungen sogar blockiert und verhindert wird, obwohl man es eigentlich besser weiß, dann bleibt dem Wähler nur die enttäuschte Abkehr von der Politik. Wollen wir eine andere, bessere politische Kultur in Deutschland, muss es gelingen, das Grundrauschen auszuschalten. Das können nur die Parteien selbst. Die Wähler werden es ihnen mit dem Gang zur Urne danken.</p>
<p><strong>Pol</strong></p>
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		<title>&#8230;an alice schwarzer</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 12:57:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[ein offener brief an...]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Alice, der Prozess mag verloren sein, aber der Kampf geht weiter. Lass dich jetzt bitte nicht beirren! Wir sind voll auf deiner Seite. Kachelmann ist ein Mann, was ja an sich schon reichen würde, aber er ist darüber hinaus auch noch einer von dieser speziellen Sorte]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Alice, der Prozess mag verloren sein, aber der Kampf geht weiter. Lass dich jetzt bitte nicht beirren! Wir sind voll auf deiner Seite. Kachelmann ist ein Mann, was ja an sich schon reichen würde, aber er ist darüber hinaus auch noch einer von dieser speziellen Sorte, einer der Frauen das Blaue vom Himmel verspricht, nur um sie ins Bett zu kriegen. Genau deswegen ist er so oder so schuldig, vielleicht nicht schuldig wegen Vergewaltigung, aber auf jeden Fall schuldig, ein Arschloch zu sein. Und das hast du mit phänomenaler Menschenkenntnis und vor allem Männerkenntnis von Anfang an gewusst – und geschrieben. Dazu brauchtest du gar nicht den Prozess, all die Aussagen der getäuschten und enttäuschten Ex-Kachelmann-Freundinnen über die diversen sexuellen Vorlieben des Wettermanns, über seine psychischen Macken.</p>
<p>Kachelmann hat jahrelang mit den Frauen gespielt, er hat ihnen die Ehe versprochen, ein Häuschen im Grünen, ein gemeinsames Leben. Reihenweise sind sie auf ihn hereingefallen. Er hat eine Schneise der Enttäuschung durch die Frauenwelt geschlagen. Und so einer gehört eingesperrt, auch wenn er nicht im Sinne der Anklage schuldig ist. Allein schon deshalb, weil jetzt andere Frauen, die tatsächlich eine Vergewaltigung erleben müssen, diese nun wahrscheinlich nicht mehr anzeigen werden, aus Angst, dass ihnen niemand glaubt. Besser einen Wettermann unschuldig in den Knast stecken, als künftig all die Vergewaltiger Deutschlands ungeschoren davonkommen lassen, so deine einfache Gleichung. Sie ist nicht aufgegangen. Stattdessen ist das Worst-Case-Szenario eingetreten. Kachelmann ist frei, aus Mangel an Beweisen. Und hunderttausende Männer in Deutschland reiben sich bereits die Hände und planen Böses. Männer sind so, das weiß man.</p>
<p>„Und übrigens: Auch nette Männer vergewaltigen manchmal, Kollege Kachelmann“, hast du auf deiner Internetseite geschrieben. Ja, liebe Alice, so sieht’s aus. Männer sind im Grunde ihres Herzens böse, die nette Seite ist immer nur Maskerade, sie sehnen sich permanent danach, Frauen zu unterdrücken, sie zu erniedrigen. So sind Männer. Wir sind da ganz bei dir. Deswegen gehören sie auch eigentlich alle in den Knast, nicht nur der Kachelmann. Sie sind alle potenzielle Vergewaltiger, genauso wie Soldaten potenzielle Mörder sind. Aber die Justiz hat mal wieder versagt. Mal wieder hat das Opfer die Vergewaltigung beweisen müssen, und nicht der Täter, dass er es nicht war. Genau wegen dieser einseitigen Herangehensweise bei solchen Prozessen werden die Herren der Schöpfung dann freigesprochen. Ist das gerecht?</p>
<p>Mal ehrlich, dieser Kachelmann-Prozess hat sich doch nun wirklich im Klein-Klein verloren. Nur weil keine DNA zu finden war, dort wo man unbedingt welche hätte finden müssen, nur weil die Verletzungen am Körper der Frau ihren Erzählungen vom Tathergang widersprachen, nur weil ein paar Gutachter der Meinung waren, sie hätte sich die Verletzungen selbst zugefügt, nur weil sie ein bisschen hier und ein bisschen da gelogen hat, nur deshalb ist Kachelmann jetzt frei, nur wegen solcher Lappalien. Das ist ein Skandal. Was ist mit der Kernaussage des Opfers? Wenn eine Frau sagt, dass sie vergewaltigt worden ist, dann ist sie auch vergewaltigt worden. Frauen denken sich so was doch nicht einfach aus. Und wenn sie sich so etwas ausdenken, dann haben sie dafür einen triftigen Grund, der allemal ausreichen sollte, einen Mann auch ganz ohne Beweise hinter Gitter zu bringen.</p>
<p>Kachelmann hätte auf jeden Fall verurteilt werden müssen, so oder so. Aber nicht in Deutschland und nicht mit dieser Justiz. Da werden nur die Männer geschützt. Und du, liebe Alice, hast all das kommen sehen, den medialen Budenzauber, den Kachelmann veranstalten würde, all die einseitigen Kommentare in den Schmierenblättern Spiegel und ZEIT, eindeutig pro Kachelmann, nur wegen ein paar nebensächlicher Fakten. Es war richtig, über deinen Schatten zu springen, und für deine Sache die BILD zu instrumentalisieren, trotz der nackten Mädchen auf Seite 1. Es war richtig, mit der Angeklagten zu mailen und ihr zu einem Medienanwalt zu raten, der auf Kachelmann mit gleicher Münze hätte antworten können. „Sie brauchen dringend noch einen Medienanwalt, der eine knallharte Medienstrategie für Sie entwirft“, hast du ihr geschrieben. Es ist richtig, jetzt ein Buch über die ganze Geschichte zu schreiben, um noch einmal klarzustellen, dass es in diesem Prozess um weit mehr gegangen ist als um die Wahrheit. Und deswegen ist es auch richtig und wichtig, das Opfer – ja, wir sagen ausdrücklich und auch nach dem Freispruch immer noch Opfer – im Buch zu zitieren, einfach damit sich zu deinem objektiven Blickwinkel noch ein weiterer objektiver Blickwinkel hinzugesellt. Liebe Alice, wir wiederholen es gerne noch einmal: Lass dich nicht beirren. Du bist auf dem richtigen Weg. Der Kampf muss weitergehen!</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>Traum-Haft</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 12:52:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[mein gel(i)ebtes hannover]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie sind nicht in den Urlaub gefahren? Kompliment! Sie sind ein echter Urlaubsfreak und tragen dazu bei, dass Hannover einen neuen Trend in die Welt setzt. Obwohl Sie allzu gut wissen, dass Reisen bildet, erholsam ist und so viel Freude macht, sitzen Sie zu Hause und lesen in aller Ruhe das Stadtkind]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/30-43_SK_Juni_2011_721.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-13250" title="Erwin Schütterle" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/30-43_SK_Juni_2011_721-265x300.jpg" alt="" width="265" height="300" /></a>Sie sind nicht in den Urlaub gefahren? Kompliment! Sie sind ein echter Urlaubsfreak und tragen dazu bei, dass Hannover einen neuen Trend in die Welt setzt. Obwohl Sie allzu gut wissen, dass Reisen bildet, erholsam ist und so viel Freude macht, sitzen Sie zu Hause und lesen in aller Ruhe das Stadtkind. Die Urlaubsfreude beginnt doch schon mit der anregenden Suche eines ungefährlichen Reiseziels, dem fröhlich-leichten Kofferpacken, dem wohltuenden Absichern des Hauses, der beruhigenden, gründlichen Leibesvisitation am Flughafen, dem bequemen Flug in geräumigen Flugzeugen – oder der noch viel erholsameren stauvollen Autofahrt zum Reiseziel. Dann das Vergnügen, endlich einmal für zwei oder sogar drei Wochen mit Kind und Kegel in einem kleinen Zimmer verbringen zu dürfen, sich von ungewohnten Speisen zu ernähren und seine bescheidenen Fremdsprachenkenntnisse mal wieder einsetzen zu können. Schöner ist Campen oder das Anmieten einer Ferienwohnung: Endlich darf man mal jeden Tag unter erschwerten Bedingungen kochen, und wenn man Glück hat, darf man sein Geschirr sogar von Hand spülen.<br />
Die Krönung ist jedoch eine Kreuzfahrt: Man lernt so viele fremde Länder kennen, ohne sich mit den fremden Menschen einlassen zu müssen und unter den fremden Sitten und Gebräuchen zu leiden. Es macht einfach Spaß, sich über das eigenartige Benehmen der In- und Ausländer (wer ist im Ausland eigentlich der Inländer und wer der Ausländer?) zu amüsieren und man wird auch nicht von seinen Freunden und Bekannten belästigt (vorausgesetzt, man nimmt sein Handy nicht mit an den Strand). Stattdessen hat man im Urlaub endlich mal die Möglichkeit, nur mit seiner Frau/seinem Mann den ganzen lieben Tag lang ohne Unterbrechung zu reden. Ist das nicht traum-haft?</p>
<p>Da ist das Ferienleben zu Hause in Hannover erheblich anstrengender: Es fängt schon damit an, den Wecker ausgeschaltet zu lassen, zum Spätstück in aller Ruhe die HAZ (oder die NP) und am Donnerstag die ganze ZEIT (schweigend) zu lesen und (gemeinsam) sämtliche Kreuzworträtsel (mithilfe von Google) vollständig zu lösen. Dann die Qual der Wahl: Fahren wir mit dem Fahrrad durch die Eilenriede zum Erlebnis-Zoo oder weiter über den Pferdeturm, Bischofshol und Döhrener Turm zum Maschsee. Oder biegen wir nach Bischofshol links ab zum Kronsberg und genießen dessen hochgelegene Fahrradallee, fahren dann steil bergab zum Expo-Wal, von dort an die Leine, beobachten kurz das Storchennest und fahren dann am urigen Leineufer entlang zum Maschsee? Oder fahren wir lieber in die Herrenhäuser Gärten und dann durch die Leinemasch (solange sie noch kein See ist), nach Marienwerder und am Kanal entlang zurück nach Linden? Oder sollen wir bei dem schönen Wetter nicht einfach schnell in einen Ricklinger Teich oder ins Steinhuder Meer springen? Klar, wir könnten auch einfach mit der S 5 mal schnell nach Hameln, Bad Pyrmont oder Paderborn fahren oder mit dem Regionalzug schnell mal nach Schwarmstedt rauschen und in Heidruns Antiquitäten-Café oder in ihrem lauschigen Garten über dem Leineknie ein Käffchen und eine leckere Buchweizentorte genießen.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/36-42_SK_Juli_2011-1_721.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13395" title="lecker" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/36-42_SK_Juli_2011-1_721-300x261.jpg" alt="" width="300" height="261" /></a>Noch größer ist die Qual der Wahl des Unterhaltungsprogrammes: In welchen Biergarten gehen wir heute? Waterloo, Lindener Turm, Ricklingen, Uni, Lister Turm oder lieber in die Leine Suite? Oder sollen wir unsere Füße in den Sand stecken auf dem Oberdeck der Parkäuser in der Mehl- und Röselerstraße oder am Lindener Weddigenufer und in bequemen Strandliegen einen Cocktail schlürfen oder uns mit Freunden, Mann, Frau einfach vor oder hinter eines der etwa 400 Lokale mit Außenbewirtschaftung setzen? Sollen wir mal schauen, was sich auf dem Schützenfest Neues tut, versuchen, eine Karte für das „Kleine Fest im Großen Garten“ zu ergattern, (ohne Kinder) zum Maschseefest oder zu Heinz Rudolf Kunzes und Heiner Lürigs „Sturm“ nach Herrenhausen pilgern? Welchen Film schauen wir beim Seh-Fest (Picknick-Kino an der Gilde-Parkbühne) an – oder gehen wir doch lieber zum BootBooHook-Festival aufs Faustgelände? Wenn&#8217;s regnet wird es einfacher: Da lesen wir endlich das Buch, das wir schon lange lesen wollten. Da spielen wir wieder mal „Mensch ärgere dich nicht“ (verschärft: die Einsen haben die gleiche Auswirkungen wie die Sechsen). Da wollen wir „The Rocky Horror Show“ im Opernhaus krachen sehen oder junge Talente im GOP bewundern oder mal wieder ins Apollo-Kino gehen und bei der Gelegenheit auf der Limmerstraße mit Menschen aus aller Welt locker ins Gespräch kommen. Danach schlendern wir glücklich und zufrieden nach Hause in unsere eigenen vier Wände und flüstern im Treppenhaus der Liebsten oder dem Liebsten ins Ohr: „Weißt du noch, was wir damals immer gesagt haben, wenn wir von der Ferienreise zurückgekehrt sind? Schön, dass wir wieder zu Hause sind!“</p>
<p><strong>Erwin Schütterle</strong></p>
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		<title>warum wir an verschwörungstheorien glauben</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 12:48:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[HIV wurde in einem CIA-Labor entwickelt, um in den USA ethnische Gruppen wie Afroamerikaner oder Minderheiten wie Homosexuelle auszurotten, das Attentat am 11. September haben die Amis selbst inszeniert, und Bill Gates ist in Wahrheit der Teufel]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>HIV wurde in einem CIA-Labor entwickelt, um in den USA ethnische Gruppen wie Afroamerikaner oder Minderheiten wie Homosexuelle auszurotten, das Attentat am 11. September haben die Amis selbst inszeniert, und Bill Gates ist in Wahrheit der Teufel. Denn korrekt heißt er William Henry Gates III. – und wenn man die Buchstaben seines Namens in ASCII-Werte umwandelt, erhält man folgendes: B 66 &#8211; I 73 &#8211; L 76 &#8211; L 76 &#8211; G 71 &#8211; A 65 &#8211; T 84 &#8211; E 69 &#8211; S 83 + 3 = 666. Manchmal ahnt man nichts Böses, unterhält sich mit einem Menschen, den man vielleicht schon Jahre kennt, und plötzlich traut man seinen Ohren kaum, weil der mal eben aus der Hüfte eine Verschwörungstheorie abfeuert, die man seinem guten Freund mit ansonsten gesundem Menschenverstand niemals zugetraut hätte.</p>
<p>Nein, sagt man dann, ich glaube nicht, dass sich ein Zusammenschluss von Solarenergie-Unternehmen den Klimawandel ausgedacht hat. Das Problem ist nur, dass man solche Theorien äußerst schlecht widerlegen kann. Und entsprechend hat man mit seinen Argumenten kaum eine Chance. Meistens enden solche Gespräche mit einem enttäuschten Verschwörungstheoretiker. Nicht weil man seine Theorie widerlegen konnte, sondern weil man unfähig ist, das Offensichtliche zu erkennen. „Dir haben sie auch schon das Gehirn gewaschen“, sagt der Verschwörungstheoretiker dann noch zum Abschied. „Wie kann man nur so blind sein.“ Und der Ungläubige bleibt zurück mit einer ganz anderen Frage: Wie kann man nur so dämlich sein und diesen Mist tatsächlich glauben?</p>
<p>Eine einleuchtende Erklärung ist schnell zur Hand: Die Welt ist einfach verflucht unübersichtlich geworden. Niemand steigt mehr so richtig durch, außer vielleicht Peter Scholl-Latour, aber der spricht immer so undeutlich. Man sitzt Tag für Tag fassungslos vor dem Fernseher und staunt über die ungerechte Welt. Überall nur Krieg, Elend und Hunger. Wo verbirgt sich bloß der Bösewicht, der hinter all dem steckt? Wenn dieses ganze ungeheuerliche Leid wirklich passiert, dann muss doch irgendjemand schuld sein. Dann muss es doch eigentlich jemanden geben, auf den man mit dem Finger zeigen kann. Aber auf wen? Die großen Unternehmen? Die Märkte? Amerika? Die FDP? Und dann erfährt man aus der Zeitung, dass man mit dem Geld, das man in die eigene Riester-Rente investiert hat, über irgendwelche Fonds an Unternehmen beteiligt ist, die Streubomben produzieren. Oder man entdeckt, dass das T-Shirt mit dem Anti-AKW-Slogan irgendwo auf der Welt von kleinen Kinderhänden genäht worden ist. Muss man jetzt also auf sich selbst zeigen? Natürlich nicht! Denn man hat es ja nicht besser gewusst. Man kann ja gar nicht alles wissen, wenn die Bösewichte bewusst täuschen. Man ist ja nur ein kleines Rad im großen Getriebe, man sitzt mit im Zug, aber die Weichen werden woanders gestellt. Und doch beschleicht einen ab und zu das schlechte Gewissen.</p>
<p>Exportiert Deutschland wirklich so viele Waffen in die Welt? Darf man sich über ein gutes Geschäft mit China freuen, weil das den eigenen Arbeitsplatz sichert? Darf man noch Fleisch essen? Sich ein großes Auto kaufen? Und im Winter die Heizung bis zum Anschlag aufdrehen, weil einem kalt ist? Es ist wie mit dieser Geschichte von dem Schmetterling, der mit seinem Flügelschlag irgendwo auf der Welt an ganz anderer Stelle einen Sturm erzeugt. Man will niemandem etwas Böses, und doch kann man sich kaum noch bewegen, ohne irgendwo für Not und Elend zu sorgen.</p>
<p>Selbst wenn man ganz bewusst Gutes tun will, kann der Schuss nach hinten losgehen. Am Ende spendet man Geld für ein unterdrücktes Volk, und dieses Volk kauft sich davon Waffen und bringt die Unterdrücker (samt Familien) um. Es ist zum Verzweifeln. Unsere Welt ist nicht mehr unterteilt in Gut und Böse oder Schwarz und Weiß. Überall nur noch Grautöne. Die Zusammenhänge zu durchschauen, das ist fürchterlich kompliziert, fast unmöglich. Dazu würde man Zeit brauchen – und wer hat die schon? Für Menschen mit wenig Zeit und schlechtem Gewissen ist die Verschwörungstheorie daher wie ein Kurzurlaub. Plötzlich gibt es jemanden, auf den man mit dem Finger zeigen kann, der verantwortlich ist. Plötzlich klärt sich fast alles. Und wenn das Böse nun mit einer Theorie entlarvt ist, dann besteht sogar Hoffnung, dass sich über kurz oder lang etwas ändert, wenn nur endlich genug Menschen die „Wahrheit“ durchschauen.</p>
<p>Das alles klingt einleuchtend. Ist es aber nicht, weil Verschwörungstheorien trotzdem bleiben, was sie sind: an den Haaren herbeigezogener Unsinn! Und Menschen mit gesundem Verstand müssten diesen Unsinn eigentlich durchschauen, trotz aller Sehnsucht nach Denk-Urlaub. Nein, hinter der Affinität zu Verschwörungstheorien steckt etwas ganz anderes: Die CIA hat schon in den 50er Jahren ein Virus entwickelt, dass in den Hirnen der Menschen dafür sorgt, an hanebüchene Theorien zu glauben, damit sie nicht hinter die echte Wahrheit kommen. Und wer hat der CIA dabei geholfen? Richtig! Außerirdische!</p>
<p><strong>VA</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Der Plan</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 11:01:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[fußball - die 96-kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf die wichtigste Auslosung muss der geneigte 96-Fan leider noch bis zum 5. August warten. Da wird im schweizerischen Nyon der Euro-League-Quali-Gegner der Roten für den 18. und 25. August zugelost. Und es kann knüppeldick kommen mit Gegnern wie...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/45-49_SK_Juni_2011_722.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13201" title="Peter" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/45-49_SK_Juni_2011_722-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a>Auf die wichtigste Auslosung muss der geneigte 96-Fan leider noch bis zum 5. August warten. Da wird im schweizerischen Nyon der Euro-League-Quali-Gegner der Roten für den 18. und 25. August zugelost. Und es kann knüppeldick kommen mit Gegnern wie Lazio Rom, PSV Eindhoven, Tottenham oder Spartak Moskau, weil unsere Jungs aufgrund fehlender internationaler Erfolge  in den letzten fünf Jahren wohl in den Lostopf der ungesetzten Mannschaften kommen werden.  Bleibt also zu hoffen, dass vielen „kleinen“ Mannschaften in den ersten beiden Runden Überraschungen gelingen, damit man den Brocken doch noch irgendwie aus dem Weg gehen kann.</p>
<p>Am Wochenende vor dieser urlaubsplanerisch wichtigen Auslosung beginnt allerdings die Saison schon mit diesem vermaledeiten DFB-Pokal. Das ist dieser seit 1993 überbewertete Wettbewerb, wo vermeintlich kleine Vereine vermeintlich großen Bundesligamannschaften ein Bein stellen wollen, um für alle Zeiten in den TV-Trailern vor jeder Auslosung verewigt zu werden. Nach den Gruselgegnern der letzten Jahre Trier und Elversberg wartet nun der ostdeutsche Fünftligist Anker Wismar. Nicht nur, dass man an die verrückte Ankerklause in Limmer (R.I.P.) erinnert wird, zu aller Tragikomik haben wir dort schon mal in einem Testspiel 1:2 verloren. Das war dann in Kombination mit dem folgenden Pokalaus in Trier das Ende von Dieter Hecking. Die Zeichen für die nächste Blamage stehen also gut. Aber wie gesagt, wenn die dann folgende Saison so verläuft  wie die letzte, will ich an dieser Stelle mal gönnen. Die haben es ja nicht leicht im Osten, und die Entwicklungshilfe eines Global Players steht uns ganz gut zu Gesicht. Es hätten auch Chaotentruppen wie der BFC Dynamo Berlin oder der liebste Feind aus der verbotenen Stadt werden können. So betrachtet ist alles gut gelaufen, egal was passiert. Auch der Bundesliga-Spielplan der neuen Saison meint es (wie ich finde) gut mit uns. Wir starten erneut mit einem Heimspiel gegen die Wundertüte Hoffenheim und beenden die Runde, ebenfalls wie in der letzten Saison wieder mit einem Match in unserer Arena, diesmal gegen Kaiserslautern.</p>
<p>Kurz nach der Verkündung des aktuellen Spielplans habe ich mit dem famosen Tabellenrechner auf der Kicker-Online-Seite die Saison (sehr realistisch) durchgespielt. Und jetzt haltet Euch fest: Ich bin auf 60 Punkte zu Saisonende gekommen. Also exakt das Ergebnis vom 14. Mai 2011. Nach meiner Rechnung werden wir – entgegen aller Unkenrufe, dass die Doppelbelastung zu einem Absturz im Bundesligaalltag führt – wieder Vierter. Der Clou wäre diesmal, dass unsere 96er nicht in die Euro-League-Quali müssten, sondern in einem Hin- und Rückspiel die Champions League erreichen könnten. Und sollte das nicht funktionieren, ist Hannover dann aber automatisch für die Euro-League-Gruppenphase qualifiziert. Spänne man dann noch weiter, könnte man hoffen, dass niemand unserer Jungs zur Euro 2012 in irgendeinem Kader steht. So hätten wir dann nämlich den Vorteil, einer parziellen Dreifachbelastung aus dem Weg zu gehen.</p>
<p>Sehr, sehr gute Aussichten am schwarz-weiß-grünen Firmament also. Eine negative Sache habe ich aber noch anzumerken: Den Auftritt des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger beim Klischee triefenden und total behämmerten Frauenfußball-Tatort letzten Monat empfand ich als Zumutung. Als Zwanziger vor einer fiktiven Frauenbundesligamannschaft zur Ermordung einer Spielerin tröstende Worte sagte, fühlte ich mich sehr an seine  Rede in unserem Stadion vor Enkes Sarg erinnert. Damals habe ich seine Worte sehr geschätzt, das hat er aber nun mit Betroffenheit auf schauspielerischen Knopfdruck (bei mir zumindest) kaputt gemacht.</p>
<p><strong>Bis bald bei einem Testspiel!</strong></p>
<p><strong>Euer Peter</strong></p>
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		<title>das laberstromnetz</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 10:57:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Bevor mich jemand altklug anraunzt und sagt „Ja, dann meld dich doch ab“, erkläre ich hiermit an Eides statt: Klar, mach ich auch. Demnächst. Oder vielleicht doch nicht. Mal gucken. Schließlich ist es ja so: Wenn man eine Haltung zum Geruckel ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-13198" title="Hartmut El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Bevor mich jemand altklug anraunzt und sagt „Ja, dann meld dich doch ab“, erkläre ich hiermit an Eides statt: Klar, mach ich auch. Demnächst. Oder vielleicht doch nicht. Mal gucken. Schließlich ist es ja so: Wenn man eine Haltung zum Geruckel des Weltenlaufes entwickeln will, kann man nicht immer abseits stehen, sondern muss sich mitunter auch mit wackeligen Knien mitten hinein begeben. Oder wie es im Sportreportersprech heißt: „Man muss dahin gehen, wo es weh tut!“  Zum Beispiel in die sogenannten „sozialen“ Netzwerke.</p>
<p>Da ich zu alt für Studi-, Schüler-, KiTa- und Krabbelgruppen-VZ bin, begann für mich alles mit MySpace. Das gehört zwar dem reaktionären Super-Kapitalisten Rupert Murdoch – eine Art australisch-amerikanischer Axel Springer, nur leider in lebendig – hatte aber für mich einen großen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern, nämlich einen veritablen Inhalt. Bei MySpace  ging es eine Zeit lang hauptsächlich um Musik. Man konnte sich von einer Bandseite auf die nächste klicken, skurrile Indie-Folk-Blues-Garagenbeat-Bands aus Minnesota, Rio, Wattenscheid oder Peine entdecken und so auf angenehme Weise seine Zeit verplempern.</p>
<p>Dass nebenbei auch Menschen darum baten, meine „Freunde“ werden zu dürfen, war okay. Meistens  war ich mit denen schon im echten Leben befreundet, bekannt oder verschwägert – oder es waren interessierte Fremde, die mal was von mir gelesen hatten. Auch sowas freut den zur Vereinzelung neigenden Autoren mitunter.  Außerdem lebt man ja als Schreibender in einer Art Halböffentlichkeit, muss erreichbar und zum Beispiel auch für Lesungen buchbar sein – und da war MySpace eine gute Möglichkeit, sich „im Netz“ zu präsentieren.</p>
<p>Irgendwann stellte ich aber erstens fest, dass die meisten MySpace-Seiten vollkommen unleserlich geworden waren, weil sich da jeder sein eigenes Layout „designen“ konnte, beziehungsweise eben nicht konnte. Bei manchen Seiten hatte man Angst, schlagartig zu erblinden ob der irren Farbgestaltung, die man sonst nur auf Leggins aus dem „kik“-Sortiment findet. Und zweitens: Plötzlich war niemand mehr bei MySpace, alle waren bei Facebook. Und wie man heute sogar in Romanen schreibt: Ich also auch hin.</p>
<p>Und was soll ich sagen: Was meine echten Freunde und die anderen Menschen angeht, mit denen ich mich dort höflich, dezent und sparsam austausche, verhält sich Facebook für mich wie sein Vorgänger MySpace: unspektakulär. Um Musik geht es leider kaum, was schade ist. Obwohl neuerdings immer mehr Leute irgendwelche YouTube-Musik-Videos posten, aber meist handelt es sich dabei um Künstler, die man schon kennt und nicht um schrullige Geheimtipps. Schlimm aber ist der nie abreißende Laberstrom mancher Facebook-Netzwerker. Was treibt jemanden dazu, stündlich zu posten, wo er ist oder mit wem er sich trifft? Diese Informationen könnten doch höchstens Leute interessieren, die sie niemals preisgeben wollen: Auftragskiller, Geheimagentinnen oder blutrünstige Diktatoren. Obwohl selbst bei denen vermutlich siebzig Prozent der Einträge langweilig wären: „Café Latte bei Starbucks – Mhm lecker“ oder „Strumpfhose gekauft – Mist und schon ‘ne Laufmasche drin.“</p>
<p>Am gruseligsten aber sind die in Büros arbeitenden Menschen, die Facebook im Hintergrund laufen lassen, während sie schludrig ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen. Da kann man nur hoffen, dass es sich dabei um Werbetexter, Eventmanager oder Trendforscher handelt und nicht um Sicherheitsbeauftragte der Deutschen Bahn, Krebsforscher oder Risikocontroller der „Hypo Real Estate“, falls die sowas überhaupt haben. Wenn dann aber im dritten Fenster noch ein Nachrichtenportal geöffnet ist, wird’s unterirdisch: Da werden dann aus der Hüfte politische Kommentare in der Welt geschossen, gegen die sogar Mario Barths Analysen der Geschlechterbeziehungen philosophisches Niveau erreichen. Und wenn man diesen Menschen sachlich widerspricht, hört, beziehungsweise liest man diesen typisch patzigen, geist- und witzfreien Internet-Ton, den früher nur schlecht erzogene Menschen in meist anonymen Leserbriefen benutzten. Aber vermutlich handelt es sich bei diesen Meinungspostern sowieso um charakterlich verkrachte Existenzen, denen aufgrund ihrer ungehobelten Art im Privat- und Berufsleben schon lange keiner mehr zuhört und die deswegen im Netz rumstänkern müssen.</p>
<p>Gradezu mysteriös aber ist das Phänomen der frisch verliebten Pärchen, die über ihre Facebook-Pinnwand miteinander turteln. Filmen sich solche Leute auch beim Römpömpeln und laden das dann bei YouPorn hoch? Was nur konsequent und vermutlich sogar unterhaltsamer wäre. Taten sagen ja oft mehr als Worte.</p>
<p><strong>Hartmut El Kurdi</strong></p>
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		<title>Lebenserfahrung</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 10:30:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Kohn</dc:creator>
				<category><![CDATA[40plus]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon gut, schon gut, ich habe gelernt seit der letzten Ausgabe. Es gibt Partys für meine Generation in Hannover. Und das schon ziemlich lange, zum Beispiel im Capitol. Nennt sich „Forever Young“. Jetzt zerbreche ich mir natürlich den Kopf, warum ich davon nichts gewusst habe. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/03/06-43_Stadtkind_Feb_10.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-6033" title="Regina Kohn" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/03/06-43_Stadtkind_Feb_10-300x205.jpg" alt="" width="300" height="205" /></a>Schon gut, schon gut, ich habe gelernt seit der letzten Ausgabe. Es gibt Partys für meine Generation in Hannover. Und das schon ziemlich lange, zum Beispiel im Capitol. Nennt sich „Forever Young“. Jetzt zerbreche ich mir natürlich den Kopf, warum ich davon nichts gewusst habe. Vielleicht weil ich nicht nach Ü-Partys Ausschau halte. Denn im Grunde möchte ich ja kein Ü-Irgendwas sein. Und ich möchte auch gar nicht „Forever Young“ sein. Das wäre ja ganz schrecklich. Eigentlich möchte ich Sex and Cake all Areas. Aber ich werde mir diese „Forever Young“-Party jetzt mal ansehen – wehe, es gibt dort keinen Kuchen!</p>
<p>Ich lasse mich ja gerne überraschen. Vor allem, weil man ab einem gewissen Alter kaum noch Überraschungen erlebt. Wenn man mal ehrlich ist. Wenn Frauen meiner Generation ihr Single-Dasein beenden und mal wieder einen Mann in ihre Wohnung lassen, dann tun sie ja manchmal ganz überrascht, dass Männer so sind, wie sie sind. Und erzählen zuerst ständig davon, was die Herren der Schöpfung so treiben, den lieben langen Tag. Wobei sie eigentlich ganz genau wissen, dass Männer eben sind, wie sie sind. Sonst wären die Frauen ja wohl kaum (manchmal jahrelang) als Singles unterwegs gewesen. Aber klar, ein neuer Mann, das ist so ein bisschen wie ein neues Haustier, wenn man lange kein Haustier hatte. Man muss sich einfach erst wieder dran gewöhnen, und das ist natürlich immer wieder spannend. Obwohl es, wie gesagt, letztlich immer gleich ist. Männer haben halt so ihre Eigenarten. Sie drehen zum Beispiel niemals die Zahnpastatube richtig zu. Und wenn sie duschen gehen, wird sich zuerst irgendwo in der Wohnung splitterfasernackt ausgezogen, die Klamotten landen dort, wo gerade Platz ist, dann geht es im Adamskostüm durch die Wohnung zum Badezimmer, und wenn sie unterwegs auf Frau oder Freundin treffen, kann man ziemlich sicher mit einladenden, kreisenden Hüftbewegungen rechnen. Wenn sie unterwegs einen Spiegel treffen, kann man ebenfalls mit diesen Bewegungen rechnen, wobei der Blick sich dabei auf das „Gemächt“ fixiert. Meistens folgt dann noch ein ausgiebiges Kratzen an eben dieser Stelle.</p>
<p>Und – jetzt wird es ein bisschen widerlich – 99 Prozent aller Männer riechen danach an ihren Fingern, um sich an ihrem herben, männlichen Duft zu berauschen. Im Badezimmer angekommen fällt den Männern meistens ein, dass sie vor der Dusche noch etwas anderes erledigen könnten, und es folgt die Suche nach der Tageszeitung, bis erledigt werden kann, was erledigt werden muss. Da Männer gerne andere Menschen an ihrem Tagewerk teilhaben lassen und sogar ein bisschen stolz sind auf das, was sie während der ausgedehnten Lektüre der Zeitung produzieren, lassen sie meistens die Badezimmertür offen. Eventuelle Geräusche werden dabei mit staunenden Ausrufen kommentiert. Danach folgt der Gang unter die Dusche und die rituelle Waschung, wobei wieder das „Gemächt“ eine Hauptrolle spielt. Falls nach dem Toilettengang noch Luft im Körper verblieben ist, entledigen sich Männer dieser Restluft spätestens unter der Dusche – und freuen sich über die phänomenale Resonanz in der Duschkabine. Nach dem Ignorieren eventueller Haarrückstände im Abfluss folgt ein flüchtiges Abtrocknen und das Handtuch landet irgendwo. Je nach Typ folgt im Anschluss die Rasur nass oder trocken, auf jeden Fall verbunden mit einer Riesensauerei im Waschbecken samt Stoppeln in der Seife. Zuletzt betrachten sich Männer noch einmal ausgiebig im Spiegel, spannen dabei ihre Muskeln an und ziehen den Bauch ein, ignorieren alle körperlichen Makel, zwinkern sich zufrieden zu, kehren zurück zum Kleiderhaufen und stellen durch ausgiebiges Riechen fest, welche Kleidungsstücke noch einmal tragbar sind – und fertig ist der Mann für den Tag.</p>
<p>Wenn man als Single lange keinen Mann in der Wohnung hatte, ist das alles schon bemerkenswert. Aber dieser anfängliche Zauber verfliegt schnell. Schon nach ein paar Tagen hat man sich daran gewöhnt und ein paar Wochen später fällt einem auch wieder ein, warum man sich von seinem ersten und zweiten Mann hat scheiden lassen. Es ist immer aufs Neue die Summe aller Kleinigkeiten, verbunden mit dem nicht gelöschten Verlauf auf dem Computer, „harmlosen“ nächtlichen Touren mit den besten Freunden und dem vorprogrammierten Sündenfall, wenn er mit deiner besten Freundin ins Bett steigt. Schön ist, dass man all das ab einem gewissen Alter nicht mehr so schlimm findet. Das nennt man Lebenserfahrung. Und mit dieser Erfahrung kann man auch ganz beruhigt für eine Weile kein Single mehr sein, vielleicht sogar nie wieder. Man muss nur seine Erwartungen entsprechend anpassen. Und vielleicht zwischendurch mal mit dem besten Freund des Mannes ins Bett steigen. Danach ein leckeres Stück Kuchen, und alles ist schön.</p>
<p><strong>VA in Vertretung für Regina Kohn</strong></p>
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		<title>im stress</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 15:05:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[fußball - die 96-kolumne]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist vollbracht. Hannover 96 beendet die erfolgreichste Saison seit Gründung der Fußball-Bundesliga im Jahr 1963 auf einem sensationellen vierten Platz und zieht in die UEFA Euro League ein. Auch die selbsternannte Partybremse Dieter Hecking mit seinen (ebenfalls überraschend gut platzierten) Nürnbergern konnte am letzten Spieltag...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/45-49_SK_Juni_2011_722.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13201" title="Peter" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/45-49_SK_Juni_2011_722-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a>Es ist vollbracht. Hannover 96 beendet die erfolgreichste Saison seit Gründung der Fußball-Bundesliga im Jahr 1963 auf einem sensationellen vierten Platz und zieht in die UEFA Euro League ein. Auch die selbsternannte Partybremse Dieter Hecking mit seinen (ebenfalls überraschend gut platzierten) Nürnbergern konnte am letzten Spieltag den schwarz-weiß-grünen Express nicht stoppen. In der zweiten Halbzeit kochte die Stimmung im Rund über, zumal die Resultate aus den anderen Stadien den VWFL Wolfsburg zwischenzeitlich in der Zweiten Liga sahen. Die Vorlage der Fans an Führung und Mannschaft war also fast so präzise wie der Pass von Altin Lala auf Schlaufi beim 3-1 in Freiburg. Doch statt neben diesem historischen Erfolg die Party des Jahrzehnts zu setzen, gab es eine recht unkoordinierte Inszenierung mit einem lauen Fury-Vollplayback-Song, kleinen Bällen und T-Shirts, die ins Rund geschleudert wurden, ein bisschen Slomka-Gesang und dem an solchen Stellen üblichen Traraa. War natürlich trotzdem schön, aber als Dauernörgler, der ich nun mal bin, möchte ich das erwähnen. Der Hit der Party war die Saison selbst. Auch drei Wochen später antwortet der geneigte 96-Fan noch auf die Frage „Wie geht’s?“ mit „ 4. Platz!!!“. Das sagt alles.</p>
<p>Gegen jede Urlaubsplanungssicherheit bekommen wir unseren Gegner für die beiden Euro-Quali-Spiele am 18. und 25. August allerdings erst am 5. August zugelost. Und wenn ich es richtig verstanden habe, wird auch erst beim Losen in Nyon geklärt, ob wir zuerst auswärts oder zu Hause ran müssen. Für alle, die wie wir einen Trip mit dem Auto planen, bedeutet das bei Losentscheid  Hannover versus z. B. Gaziantepspor Kulübü (inzwischen von mir erklärter Wunschgegner aus Südostanatolien), dass man wahrscheinlich das 96-Spiel des dritten Spieltages, aber ganz sicher das schöne BootBooHook-Festival auf der Faustwiese verpasst.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/45-49_SK_Juni_2011-1_721.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-13202" title="Pokal" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/45-49_SK_Juni_2011-1_721-243x300.jpg" alt="" width="243" height="300" /></a>Zu dem ganzen Terminstress im Hochsommer gesellt sich für mich möglicherweise noch ein weiteres Problem, weil ein guter Freund eine spinnerte Idee aus den Zeiten des Bundesligaaufstiegs 2002 wiederbelebt hat: Sollten unsere Roten im August nach Bremen zum Ligaspiel müssen, will er vom Niedersachsenstadion/Leine zum Weserstadion schwimmen! Nicht nur, dass er schon fleißig für den Leine-Aller-Weser-Marathon trainiert, nein, ich versprach damals, im Boot hinterher zu fahren und den Quartiermeister der einzelnen Etappen zu mimen. In der nächsten Saison gern, aber diesmal bitte nicht, liebe Bundesligaspielplan-Planer. By the way, die Erstellung eines Planes für die ganze Saison ist eine höchst interessante Sache. Wer Lust hat, sich damit mal zu beschäftigen, kann sich ja beim DFB folgendes PDF herunterladen: http://portal.dfbnet.org/fileadmin/content/downloads/faq/SZ_1-L.pdf!</p>
<p>Aber nicht nur die Fans sind im Stress, sondern  natürlich auch die Mannschaft. So steht Ende Juli schon die erste Runde im DFB-Pokal an. Nach den guten Erfahrungen mit dem Erstrundenaus vom letzten Jahr, sollten wir eigentlich ein Gesuch beim DFB auf freiwilligen Verzicht einreichen. Mein Vorschlag: Die SV 07 Elversberg, jene Regionalligatruppe aus dem Saarland, die mit ihrem aufopferungsvollem Kampf auch dem letzten 96er die Augen geöffnet hat, tritt anstelle von Hannover 96 an und kann einem anderen kriselnden Bundesligaverein (z. B. Bremen) helfen, sich von Grund auf zu reinigen. Die gleiche Paarung wie im letzten Jahr ist nämlich leider nicht möglich. Elversberg schied im Landespokal des Saarlandes im Viertelfinale gegen den späteren Sieger Saarbrücken aus. Ein möglicher Gegner also, solltet ihr da nicht Euer Veto einlegen. Aber bitte beeilen, die Auslosung ist bereits am 11. Juni live in der ARD Sportschau.</p>
<p>Bis bald irgendwo in Europa!</p>
<p><em><strong>Euer Peter</strong></em></p>
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		<title>rein in die puschen, raus aus die puschen</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 14:57:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[el kurdi]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Als seriöser Freizeit-Kulturwissenschaftler und Gelegenheitsethnologe ist man verpflichtet, dorthin zu gehen, wo es weh tut, eng und dunkel ist und mitunter streng riecht. So erfährt man bekanntlich in Theatern, Museen und auf der Frankfurter Buchmesse nur wenig über unsere Gesellschaft. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13198" title="Hartmut El Kurdi" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/08-21_SK_Juni_2011_722-300x166.jpg" alt="" width="300" height="166" /></a>Als seriöser Freizeit-Kulturwissenschaftler und Gelegenheitsethnologe ist man verpflichtet, dorthin zu gehen, wo es weh tut, eng und dunkel ist und mitunter streng riecht. So erfährt man bekanntlich in Theatern, Museen und auf der Frankfurter Buchmesse nur wenig über unsere Gesellschaft. Erhellender sind die Informationen, die aus Vereinsheimen, gymnasialen Lehrerzimmern, Betriebskantinen oder von Kinderspielplätzen mit gegenüberliegenden Trinkhallen herüberwehen. Oder auch aus Schuhschränken. Was trägt der Deutsche am Fuß? Hier verweist der Mikro- auf den Makrokosmos.</p>
<p>Unbedeutend ist dabei jedoch, was die Bevölkerung außerhalb ihrer Wohnungen untenrum spazieren führt. Hier regieren die langweiligen, ungleichen Stiefgeschwister „Mode“ und „Praktikabilität “. Wobei das hässliche Entlein Praktikabilität meist die Oberhand behält. Zumindest in Deutschland: Wenn es kalt ist, sind dicke Botten angesagt, im Sommer Sandalen. Der Mode bleibt nur, diese Konstanten auszugestalten und zu variieren.</p>
<p>Woanders ist es anders: So tragen die sympathisch irren englischen Frauen bei Schneeregen gerne zehfreie Riemenstöckler und im höchsten Hochsommer kniehohe, derbe Lederstiefel zu pornofähigen Kurzröcken. Da ist man einen Moment lang verwirrt, freut sich dann aber darüber, dass sich echte Menschen benehmen können wie Romanfiguren – in diesem Fall wie die „Contras“ aus „Little Big Man“, die bekanntlich alles verkehrt herum machen.</p>
<p>Wirklich faszinierend wird es, wenn man tief in die Privatsphäre der Menschen eindringt und erkundet, in was sie zu Hause, in ihren eigenen vier Wänden, hineinfüßeln. Mein Forscherdrang bezüglich dieses Phänomens wurde von einem persönlichen Schlüsselerlebnis ausgelöst. In meinem frühkindlichen Umfeld gab es nämlich keine Hausschuhe. Der eine Teil meiner Familie stammte aus dem orientalischen Kulturkreis, wo man in der Wohnung einfach die Schuhe auszieht und auf Socken herumläuft und der andere Teil entwuchs einem oberhessischen Bauerngeschlecht, in deren Behausung die Unterscheidung zwischen Stall und Wohnküche nur marginal war – und es insofern überhaupt keinen Sinn hatte, das Schuhwerk zu wechseln. Weil sowieso alles speckig war. Letztlich ist die Idee vom Fußboden, der so sauber zu sein hat, dass man von ihm essen können muss, ja auch nur das Ergebnis einer schlimmen 50er-Jahre-Neurose. Wozu gibt’s schließlich Tische und Teller?</p>
<p>Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, mein Schlüsselerlebnis. Als ich dann irgendwann zum ersten Mal bei einem Schulfreund nicht nur aufgefordert wurde, meine Schuhe auszuziehen, sondern auch noch in ein bereit gestelltes Paar „Gästeschlappen“ (das Ereignis fand im Hessischen statt) schlüpfen sollte, war ich verwirrt und angewidert. Ich wollte keine fremden Schuhe tragen! Ich tausche ja schließlich auch nicht meine Unterwäsche mit irgendwem. Außerdem sahen die mir angebotenen Schlappen doof aus. Opaesk, rentneroid, und sie rochen nach Moder und Tod &#8230; Kurzum, das Konzept „Hausschuh“ war mir ein fremdes.</p>
<p>Aber offensichtlich war ich der Einzige, der Probleme mit dieser Fußbekleidungskatastrophe hatte. Im Laufe der Jahre begegnete ich immer wieder Menschen, die outdoor die coolsten Säue waren und in Wildleder-Fransenstiefeln, Cowboyboots, hippen Sneakern oder rahmengenähten italienischen Maßschuhen herumliefen, indoor aber einem Spießertum und ästhetischen Selbsthass unbeschreiblichen Ausmaßes huldigten. Was musste ich da alles sehen: Filzpantoffeln, unförmige Wollstrümpfe, vom Fußschweiß verfärbte Birkenstocksandalen, Hüttenschuhe, fleckige, hinten heruntergetretene Espadrilles &#8230; Aber wann immer ich dieses Thema aufbrachte, schlug mir vollkommenes Unverständnis und Aggression entgegen. Natürlich trüge man in der Wohnung Hausschuhe, was denn sonst? Ob ich mit meinen Straßenschuhen etwa auch ins Bett ginge? Und das waren noch die freundlicheren Fragen, die man mir stellte &#8230;</p>
<p>Ein einziges Mal zog ich aus meiner Hausschuh-Skepsis einen persönlichen Nutzen. Als sich eine junge Dame dereinst zwischen mir und einem Mitbewerber entscheiden musste, gab sie ihm den Vorzug, verließ meine Wohnung, um direkt zu ihm zu gehen. Nach einer halben Stunde klingelte es an meiner Tür. Ich öffnete und sah überraschenderweise die Frau meines Herzens vor mir stehen. Sie schüttelte den Kopf und sagte: „Es ging nicht. Als er die Tür aufgemacht hat, hatte er Cordpuschen an den Füßen!“ Ich sagte: „Verstehe. Komm rein. Die Schuhe kannst du übrigens anlassen.“ Sie lächelte. Dann waren wir acht hausschuhlose Jahre lang ein Paar.</p>
<p><em><strong>Hartmut El Kurdi</strong></em></p>
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		<title>Sex and Cake all Areas</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 14:13:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Regina Kohn</dc:creator>
				<category><![CDATA[40plus]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Man gewöhnt sich ja an alles. Auch an die Diskriminierung. Nein, nicht generell als Frau. Wer damit Probleme hat, der sollte sich in munteren Teezirkeln treffen und sich gegenseitig sein Leid klagen. Ich meine die schleichende Diskriminierung nach Jahresringen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/03/06-43_Stadtkind_Feb_10.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-6033" title="Regina Kohn" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/03/06-43_Stadtkind_Feb_10-300x205.jpg" alt="" width="300" height="205" /></a>Man gewöhnt sich ja an alles. Auch an die Diskriminierung. Nein, nicht generell als Frau. Wer damit Probleme hat, der sollte sich in munteren Teezirkeln treffen und sich gegenseitig sein Leid klagen. Ich meine die schleichende Diskriminierung nach Jahresringen. Und will jetzt gar nicht von all den Zeitschriften mit den Treppenlifteranzeigen sprechen, obwohl man sich schon fragen darf, wer solche Konzepte für die älteren Generationen erfindet. Irgendwann muss irgendjemand festgestellt haben, dass Menschen mit zunehmendem Alter automatisch verblöden. Wie sonst soll man solche Machwerke erklären?</p>
<p>Ich vermute, dass all diese Ü-Irgendwas-Konzepte von sehr jungen Menschen gemacht werden, die bei Google mal was über ältere Menschen gelesen haben. Obwohl, bei Google findet man zum Beispiel kaum etwas darüber, dass ältere Menschen sich nicht mehr für Sex interessieren (eher im Gegenteil), sondern nur noch für Königshäuser und Krankheiten. Das steht da nirgends. Ich habe nachgesehen. Eigentlich steht da fast überall, dass sich ältere Menschen (für jüngere Menschen geht es mit den älteren Menschen bekanntlich ab 40 los) recht heftig und immer heftiger für Sex interessieren, manche auch für Politik oder Tiere, aber das müssen sie ja selbst wissen.</p>
<p>Natürlich interessieren sie sich auch für Kuchen. Also: Kuchen und Sex, ihr lieben Ü-Irgendwas-Konzepte-Macher, das wäre ein echtes Erfolgsmodell. Ein paar leckere Rezepte, sowohl als auch, damit könnte man Auflage machen. Und wo wir gerade bei Erfolgsmodellen sind: Ein Partykonzept für die Ü-40er, Ü-50er, Ü-60er und so weiter, wäre auch mal was. Hannover (und nicht nur Hannover) ist für diese Generationen eine Partywüste.</p>
<p>Ich höre oft, dass die älteren Generationen nicht mehr so gerne vor die Tür gehen, schon gar nicht auf Partys, sondern lieber zu Hause vor dem Fernseher sitzen. Ja, viele sitzen vor dem Fernseher – und müssen sich all die Formate gefallen lassen, die sich irgendwelche jungen Spinner für ältere Zielgruppen ausgedacht haben. Notgedrungen. Denn es macht noch viel weniger Spaß, auf die Partys in Hannover zu gehen. Wenn man dort von alkoholisierten Ü-18-Menschen angeglotzt wird und jemand „Ist das ekelhaft!“ flüstert, nur weil man seinen Liebsten an der Theke mal kurz küsst, dann verzichtet man lieber. Natürlich nicht aufs Knutschen, aber auf die nächste Party.</p>
<p>Es gibt keine Party-Location für die älteren Semester. Für die Partymacher in Hannover scheinen alle Menschen Ü-40 bereits tot zu sein. Oder zumindest scheintot. Was einem in unserer geliebten Stadt bleibt, sind eine Handvoll Ü-30-Partys – und da gaffen und flüstern dann die Ü-30er. Wenn man in Begleitung da ist, dann allerdings meistens eher aus Neid, weil diese Veranstaltungen sich ja hauptsächlich an die frustrierte Ich-habe-ewig-nicht-mehr-gevögelt-Gemeinde richten. Ich will eine Party für meine Generation, auf der niemand flüstert, sondern auf der alle nach Herzenslust überall knutschen dürfen! Mit guter Musik und netten Leuten in meinem Alter. Sofort!</p>
<p>Denn ich will mit meinem Liebsten demnächst mal abends angeben gehen. Das gehört einfach dazu, wenn man frisch verliebt ist. Man führt sich gegenseitig aus, fühlt sich sexy, und denkt, dass die ganze Welt einem bewundernde Blicke zuwirft. Was natürlich nicht so ist, aber wen interessiert das. Flaniert haben wir jetzt genug, mein Engländer und ich, die Märkte und Cafés in Hannover haben wir durch, was uns fehlt, ist das Nachtleben. Kann sich da bitte mal jemand was einfallen lassen? Nur, nennt es dann nicht Ü-40-Party oder Ü-50-Party. Sonst kommt keiner. Nennt es wegen mir „Sex and Cake all Areas“, das klingt verlockend für mich.</p>
<p><em><strong>VA in Vertretung für Regina Kohn</strong></em></p>
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		<title>Abschiedsmusik</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 09:21:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[stadtkinder bewältigen den alltag]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Abschiede und Musik gehören zusammen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Selbst dort folgt auf das letzte Amen immer noch ein Lied. Erst wenn Pfarrer und Messdiener längst ausgezogen sind (aus der Kirche in die Sakristei wohlgemerkt), erklingt der Schlussakkord auf der Orgel. Aus küchenpsychologischer Sicht wird das daran liegen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Abschiede und Musik gehören zusammen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Selbst dort folgt auf das letzte Amen immer noch ein Lied. Erst wenn Pfarrer und Messdiener längst ausgezogen sind (aus der Kirche in die Sakristei wohlgemerkt), erklingt der Schlussakkord auf der Orgel. Aus küchenpsychologischer Sicht wird das daran liegen, dass zum Abschied, ganz gleich welcher Art – ob Beerdigung, Rücktritt, Amtsabtritt – stets große Worte erwartet werden.</p>
<p>Da allerdings kaum ein Mensch dazu fähig ist, große Worte zu formulieren, hat die Menschheit sich irgendwann darauf geeinigt, sich in die Musik zu flüchten. Musik macht das Leben weitaus bequemer, nicht nur, wenn es um Abschiede geht. Je sperriger das Thema, desto praktischer ist es, im wahrsten Sinne auf Knopfdruck die passenden Worte parat zu haben. Warum noch sagen „Ich liebe dich“, wenn man mit einem Glas billigen Rotwein und Matthias Reims „Verdammt ich lieb dich“ die gleiche Wirkung erzielen kann, und nicht mal ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn man es letztlich doch nicht so meint. Denn „Ich lieb dich nicht“ singt Reim schließlich auch, und wenn der Partner zu dämlich ist, zwischen den Zeilen zu lesen respektive zu hören, dann ist das ja wohl sein Problem.</p>
<p>Natürlich liest niemand zwischen den Zeilen, denn Liebeslieder benebeln die Sinne, erst recht in Verbindung mit Kopfweh verursachenden Substanzen. Gleiches gilt für Lieder rund ums Abschiednehmen. Anders wäre wohl kaum zu erklären, warum eine ganze Nation zuweilen ergriffen vorm Fernseher hockt und sich kaum die Tränen verkneifen kann, wenn irgendjemand verabschiedet wird – ganz gleich, wie sie bislang zu dieser Person stand. Ein Griff in die alte Plattenkiste, ein bisschen am Text und an den richtigen Knöpfen gedreht, und schon werden aus einer bis dahin eher stiefmütterlich behandelten Prinzessin plötzlich „England’s Rose“, aus einem Treuenbrietzener Boxer ein Sir und aus aufgewärmten Songs Mega-Charterfolge.</p>
<p>Nun kann man natürlich nicht für jeden Abschied ein Special bei irgendeinem TV-Sender erwarten, und das ausgewählte Lied muss auch nicht immer gleich als Sonderedition auf CD gepresst werden. Aber dass mich meine Kollegen nicht mal mit einem Liedfragment in die Babypause verabschiedet haben, hat mich dann doch ein wenig erschüttert. Und es lässt natürlich nur zwei Thesen zu: Entweder ist es um meinen Beliebtheitsgrad nicht gerade zum Besten bestellt oder der angebliche vorübergehende Abschied mündet in einer Kündigung, sobald der Welpenschutz für mich endet. Möglich auch, dass beides zutrifft, was die Kollegenschaft allerdings nicht in besserem Licht erscheinen lässt. Denn selbst im Falle einer Kündigung hätte ich es doch wenigstens verdient, dass man mir zum Abschied den Marsch bläst. Sogar Karl-Theodor zu Guttenberg wurde noch der Marsch geblasen, und das nicht nur einmal, sondern zweimal. Wo bleibt da die Gerechtigkeit? Habe ich bei meiner Arbeit etwa weniger Texte geklaut als der? Wohl kaum! Ich habe mich mindestens genauso dreist und amateurhaft an fremdem Gedankengut bedient.</p>
<p>Aber klar, so ein adeliger Ex-Verteidigungsminister, der wird natürlich ganz anders behandelt. Sage und schreibe drei Wunschtitel durfte der sich für seine Verabschiedung aussuchen. Und dann gab&#8217;s nicht nur den großen Zapfenstreich, sondern auch den großen Zuckerschub in den Po und wie gewünscht den „König Ludwig II.-Marsch“ von Georg Seifert, „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“ von Kuno Graf von Moltke und „Smoke On The Water“ von Deep Purple, zum Besten gegeben vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr. So einen Staatsakt hätte ich gar nicht verlangt. Ich wäre wesentlich bescheidener gewesen. Der Chef auf der Gitarre, der Praktikant auf der Blockflöte, das hätte mir im Grunde schon genügt. Aber nicht mal ein schäbiges Musikvideo auf Youtube haben sie für mich abgespielt.</p>
<p>Mit Prinzessinnen, Profisportlern und Politikern kann ich einfach nicht mithalten. Und ich wette, dass selbst Osama bin Laden oder das, was von ihm übrig blieb, noch ein rührseliges Musikstück kredenzt wurde, bevor er oder es im Meer versenkt wurde (in Anbetracht der Verabschiedungsweise tippe ich auf irgendwas von Freddy Quinn, ob „Junge, komm bald wieder“, „Alo-Ahe“ oder „Vergangen, vergessen, vorüber“), wobei wir natürlich alle wissen, dass er längst in einem neuen Versteck hockt und sich dort ins Fäustchen lacht. Sofern dieses Fäustchen nicht gerade was umklammert und anderweitig beschäftigt ist &#8230; Dass Osama bin Laden ein Faible für Pornos hat, dürfte klar sein, seit bei der Erstürmung seines alten Anwesens eine riesige Pornosammlung entdeckt wurde. Ich ergänze: Mit Prinzessinnen, Profisportlern, Politikern und Popp-Terroristen kann ich einfach nicht mithalten.</p>
<p><strong>MS</strong></p>
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		<title>hilfsbereite zaungäste</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 08:55:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Marathon in Hannover ist schon eine tolle Sache. Ganz ehrlich! All die Läufer, Handbiker und Inliner auf den Straßen, all die jubelnden Menschen. Okay, manchen mag das nicht interessieren, bestimmt gibt es auch ein paar ewig Beleidigte, die der ganze Zauber nervt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Marathon in Hannover ist schon eine tolle Sache. Ganz ehrlich! All die Läufer, Handbiker und Inliner auf den Straßen, all die jubelnden Menschen. Okay, manchen mag das nicht interessieren, bestimmt gibt es auch ein paar ewig Beleidigte, die der ganze Zauber nervt und die sich beklagen, weil die Straßen gesperrt sind und sie keinen Parkplatz vor der eigenen Haustür gefunden haben. Die nun wieder böse Briefe an die Stadt schreiben, wie sie das immer tun, bei allen Großveranstaltungen in Hannover. Aber ein paar Spielverderber finden sich ja immer.</p>
<p>Nein, der Marathon ist klasse! Allein diese Spannung, wenn man hinter dem Fenster steht, sich die Zähne putzt und auf die ersten Läufer wartet, nach all den Inlinern und Handbikern. Und dann kommen sie endlich um die Ecke, begleitet vom Jubel der Frühaufsteher und Frührausgeher. Eine erste Gruppe (wahrscheinlich Kenianer), schnell unterwegs, dann wieder eine Weile nichts, der Wind treibt eine Papiertüte über die Straße, ein Hund bellt, der Wind treibt weitere Papiertüten über die Straße, dann noch ein Läufer (wahrscheinlich Kenianer), und noch einer (wahrscheinlich Kenianer) und wieder zwei (wahrscheinlich Kenianer). Dann wieder nichts, weitere Papiertüten, ein zweiter Hund bellt, ein Hubschrauber macht Krach, der nächste Läufer (wahrscheinlich Kenianer), und wieder zwei (wahrscheinlich Kenianer). Herrlich! Menschen mit Rasseln tauchen auf, einige haben Kochtöpfe mit und trommeln, ein paar Tröter sind auch unterwegs.</p>
<p>Jetzt aber unter die Dusche. Draußen tobt das Leben! Doch zuerst noch mal ans Fenster. Irgendwann gleich wird wahrscheinlich der erste Nicht-Kenianer vorbeikommen. Spannend! Werden die Zuschauer lauter jubeln? Schnell das Fenster auf. Wenn sie es tun, wäre das ein deutliches Indiz für den unterschwelligen Rassismus, den zahlreiche Studien der deutschen Bevölkerung immer wieder bescheinigen. Für ein bisschen kritische Sozialstudie sollte man sich immer Zeit nehmen. Sie tun es nicht. Jedenfalls nicht auffällig lauter. Erleichterung! Der Sport überwindet alle Gräben zwischen den Menschen. Hier in Hannover, direkt vor der Haustür. Noch einen Kaffee am Fenster und nebenbei ein bisschen Zeitung lesen. Immer mehr Nicht-Kenianer kommen vorbei. Verschwitzt, rot, angestrengt und glücklich, manche mit lustigen Hüten. Und dann der erste Geher. Unglücklich sieht er aus, er humpelt leicht. Der Arme.</p>
<p>Unsere Randgruppe, der hilfsbereite Zaungast, steuert von der anderen Straßenseite auf diesen Geher zu. Er war einer der ersten am Platz, in der einen Hand eine Flasche Bier, in der anderen eine rote Tröte, auf dem Kopf eine Volkswagen-Kappe, unter der Kappe ein rotes Gesicht, denn es ist mittlerweile nicht mehr das erste Bier. Jetzt wird er endlich gebraucht, jetzt wird nicht mehr aus der Ferne jubelnd unterstützt, sondern direkte Hilfe am Mann geleistet. „Lauf!“, schreit er den Geher an. Doch der schüttelt nur niedergeschlagen den Kopf. „Lauf! Gib alles! Komm schon! Du schaffst das!“ Der Geher humpelt weiter, etwas schneller. Offensichtlich ist ihm diese Begegnung recht unangenehm. Doch unser ambitionierter Fan gibt nicht auf. Er stellt die Bierflasche beiseite, hat den Geher mit ein paar Schritten eingeholt und legt ihm nun unterstützend einen Arm um die Schultern, während er mit der anderen seine Tröte in Stellung bringt. Und dann wird getrötet, was das Zeug hält. Und der Geher schreit irgendwas, aber man kann es nicht richtig verstehen, weil die Tröte alles übertönt.</p>
<p>Was schreit er denn? Er schreit und schreit. Sein persönlicher Fan macht eine kurze Pause, um neuen Atem für die Tröte zu schöpfen. „Ich habe mir die Wade gezerrt, du Arschloch!“ Jetzt war es zu verstehen. Doch leider scheint die Information nicht zu unserem Tröter durchgedrungen zu sein. Er trötet enthemmt weiter und immer weiter. Bis der Geher sich losreißt, seinen Verfolger abschüttelt, wieder zum Läufer wird, unter Schmerzen, rettende hundert Meter. „Geht doch!“, schreit ihm der hilfsbereite Zaungast hinterher und kehrt zufrieden zu seiner Flasche Bier zurück, um wieder auf der anderen Straßenseite in Stellung zu gehen. Der nächste Geher kommt bestimmt. Unterstützung wird ihm gewiss sein. Vorausgesetzt ich kann die anderen Zaungäste dort unten gleich nicht von meiner Idee überzeugen, diesen Menschen für eine Weile an der nächsten Bank festzubinden</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>die SPD auf der kippe</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 08:52:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[politisches]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Umfragen zeigen keinen neuen Trend, die SPD dümpelt bundespolitisch irgendwo unter 30 Prozent vor sich hin, landespolitisch teilweise hinter den Grünen. Von einer echten Konkurrenz zur CDU auf Augenhöhe ist man weit entfernt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Umfragen zeigen keinen neuen Trend, die SPD dümpelt bundespolitisch irgendwo unter 30 Prozent vor sich hin, landespolitisch teilweise hinter den Grünen. Von einer echten Konkurrenz zur CDU auf Augenhöhe ist man weit entfernt. Und das nach all den Mühen, nach Mitgliederbefragungen und Zukunftswerkstätten, und nach der erfolgreichen Wahl in Hamburg, die doch eigentlich das Signal zur Wende, zum Aufbruch sein sollte. Sigmar Gabriel hat sich unglaublich ins Zeug gelegt, hat flammende Reden gehalten – doch bei den Wählern scheinen er und die SPD trotzdem nicht mehr landen zu können. Woran liegt’s?</p>
<p>Vieles kommt da anscheinend zusammen, jenseits der ungeklärten Frage, wer Kanzler kann. Seit die CDU sich sozialer gibt, sich nicht mehr als neoliberale Partei aufstellt, fehlt für die SPD zunächst ganz generell der klare Trennstrich zur zweiten großen Volkspartei, zumal die SPD seit Hartz IV unter Schröder ohnehin nicht mehr als besonders soziale Instanz gilt. Zudem bezieht die Partei mit ihrem „Sowohl-als-auch“ bei zahlreichen Themen gerade einen vielleicht vernünftigen, aber nicht eindeutigen Standpunkt, so bei der Rente ab 67 mit unübersichtlich vielen Ausnahmeregelungen oder beim Afghanistan-Einsatz mit ihrem Ja zur Fortführung, aber nur im Rahmen der Perspektive eines baldigen Abzugs. Für ein neues und scharfes Profil reicht das nicht. Und zu all dem gesellt sich nun auch noch der Fall Sarrazin. Es ist für den gesunden Menschenverstand schlicht kaum nachzuvollziehen, warum man ihn nun doch nicht aus der Partei ausgeschlossen hat.</p>
<p>Die SPD hat sich damit absolut keinen Gefallen getan. Es ist kein großes Wunder, wenn nun weitere Austritte an der Basis die Folge sind. Aber reichen diese Gründe, um den desolaten Abstieg der Partei zu erklären? Vor allem, wenn man bedenkt, das Schwarz-Gelb seit Anbeginn der Koalition einen eher kläglichen Eindruck macht. Müsste die SPD in der Opposition davon nicht wenigstens ein bisschen profitieren? Das Gegenteil ist der Fall, sie ist auf dem besten Wege, in der Parteienlandschaft dauerhaft auf Platz 3 abzurutschen. Allein mit der politischen Unschärfe und der dummen Kehrtwende bei Sarrazin ist das nicht zu verstehen. Das ist es erst, wenn man einen Blick auf die denkbare neue Nummer 2 wirft. Dass die Grünen immer mehr zur Volkspartei werden, liegt nicht allein an Fukushima, es hat auch eine Menge mit der Authentizität dieser Partei zu tun. Man nimmt ihr einfach ab, dass sie es ernst meint. Und darüber hinaus, dass in ihren Reihen durchaus vernünftige und realistische Menschen am Werk sind, die über das eigene politische Amt hinausdenken, die nicht kurzfristig auf Wahlergebnisse schielen, sondern langfristig einer Idee folgen. Dazu muss man lediglich die Parteiprogramme der vergangenen Jahre vergleichen. Grundsätzliche Veränderungen findet man kaum. Neu ist, dass die Wähler genau diese teilweise überaus unpopulistische Haltung in kaum gekanntem Maße goutieren. Man könnte nun daraus schließen, dass sich nicht die Grünen, aber die Wähler in den vergangenen Jahren verändert haben. Vielleicht reicht es ihnen einfach, vielleicht haben sie einmal zu oft die Erfahrung gemacht, dass bei den großen Volksparteien kurzfristige Interessen die Richtung diktieren. Möglicherweise sind viele Wähler inzwischen einfach einen Schritt weiter.</p>
<p>Die Sehnsucht nach echter Nachdenklichkeit, nach Tiefe und nicht zuletzt nach Ehrlichkeit, vielleicht ist es genau das, was sich augenblicklich im Umfragehoch der Grünen widerspiegelt. Falls das so ist, sollte die SPD daraus Konsequenzen ziehen. Sie tut sich schwer damit. Wenn beispielsweise Nils Schmid während der Koalitionsverhandlungen in Baden-Württemberg sagt, dass die Grünen nun lernen müssten, was es bedeute, Verantwortung zu übernehmen, was zum Beispiel auch heißen würde, die Parkschützer von den Bäumen zu holen, dann schießt er ein Eigentor. Denn für die Wähler der Grünen (und nicht nur für die) steht längst außer Frage, dass diese Partei Verantwortung übernehmen will – und kann.</p>
<p>Die SPD sollte sich hüten, nun gegen die Grünen mit den alten Argumenten der angeblichen Realitätsferne zum Angriff zu blasen (zumal wenn der Angegriffene durchaus der Vater des Angreifers sein könnte). Die alte Dame muss über ihren Schatten springen, sie muss im Zweifel die bittere Pille schlucken und die Rolle des Juniorpartners einnehmen, sie muss der Versuchung widerstehen, gegen den neuen, grünen Konkurrenten zu kämpfen. Sie sollte sich im Gegenteil darauf konzentrieren, beispielsweise in Baden-Württemberg, einen richtig guten Job zu machen. Kein politisches Geplänkel, konzentrierte Arbeit im engen Schulterschluss mit den Grünen. Nur so kann sie dauerhaft Vertrauen zurückgewinnen – und Volkspartei bleiben. Schießt sie sich jetzt auf die Grünen ein, wird sie noch weiter abrutschen.</p>
<p><strong>Pol</strong></p>
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		<title>&#8230;an rainer brüderle</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 08:49:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[ein offener brief an...]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[„Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu geh’n“, textete einst Reinhard Mey, und wie man hört, ist dieses Lied inzwischen zwar nicht zur Hymne des FDP-Nachwuchses geworden, aber ein paar jüngere Mitglieder sollen die Melodie in deinem Beisein...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu geh’n“, textete einst Reinhard Mey, und wie man hört, ist dieses Lied inzwischen zwar nicht zur Hymne des FDP-Nachwuchses geworden, aber ein paar jüngere Mitglieder sollen die Melodie in deinem Beisein, lieber Rainer, beim letzten Parteitag gepfiffen haben. Was mit Verlaub gesagt eine unglaubliche Unverschämtheit ist. Was bilden sich all diese gelbschlipsigen Ex-Jurastudenten eigentlich ein? Die FDP kann doch froh sein, dass sie dich noch hat. Einen Altgedienten, einen erfahrenen Politik-Profi. So jemanden verbannt man nicht einfach in den Ruhestand. Das wäre ja so, als würde Lothar Matthäus sich herablassen, in der 3. Kreisklasse zu kicken, um dann schon vor Ende der ersten Halbzeit ausgewechselt zu werden. So geht’s ja nun nicht! Ein bisschen Kompetenz sollte sich die FDP bei allen Umbauplänen dann doch erhalten. Zumal mit Rösler an der Spitze, … aber das ist ein anderes Thema.</p>
<p>Nein, lieber Rainer, wir sind heilfroh, dass du bleibst, dass alle politischen Lösungsmittel dem Kleber zwischen dir und deinem Stuhl in der FDP nichts anhaben konnten. Sie haben es ja versucht, all die jungen, karrieregeilen, gelbgestrichenen Nachwuchsstrategen in deiner Partei. Ausgerechnet deine Äußerungen zum Atomausstieg haben sie kritisiert. Da kann man mal sehen, wessen Geistes Kind die sind. So kurz vor einer Wahl könne man doch nicht in der Öffentlichkeit, – ja, was denn eigentlich? Die Wahrheit sagen? Ist das etwa Politik, wie sie heute modern ist? Muss man jetzt als Politiker seinen Hut nehmen, weil man ehrlich ist? Das Atom-Moratorium sei reines Wahlkalkül, sollst du gesagt haben. Ja, und? Was denn sonst? Natürlich war die Zustimmung der FDP zum Atom-Moratorium kurz vor der Wahl in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz reines Wahlkalkül. Weiß doch jeder. So dämlich sind die Wähler nun auch wieder nicht. Offensichtlich fehlte der jungen Riege bei all dem einfach der Weitblick. Was ist denn bitte ein grüner Ministerpräsident gegen die nächste gewonnene Bundestagswahl? Schon jetzt zeigt sich in den Umfragen, dass die nach Fukushima breite Mehrheit für einen schnellen Ausstieg allmählich bröckelt. Jetzt wo offenbar wird, dass all das auch Geld kostet. Du, lieber Rainer, kennst deine Klientel, du hast es kommen sehen. Du hast geahnt, dass sich viele, sehr viele, eines Besseren besinnen würden, wenn erst das eigene Portemonnaie ins Spiel kommt. Das Potenzial ist riesengroß. Und es braucht zumindest eine Partei, die nun nicht einknickt, die der Kernkraft die Treue hält und nicht hysterisch umsteuert.</p>
<p>Keiner kann im kommenden Wahlkampf sagen, dass du irgendwann nicht für die Atomenergie gewesen bist. Du warst gegen das Moratorium, du bist gegen den schnellen Ausstieg – so etwa 30 Prozent Zustimmung müssten damit locker drin sein. Du hast alles richtig gemacht. Man kann nur hoffen, dass das irgendwann auch die junge Riege begreift. Dass sie jetzt nicht weiter an deinem Stuhl sägen. Denn es geht nun im Grunde nur noch darum, die FDP als Garant für den „vernünftigen Weg“ aufzustellen, rechtzeitig zur nächsten Bundestagswahl. Sicher, mit Rösler an der Spitze wird das … – doch das ist wieder ein anderes Thema. Aber sie haben ja immerhin noch dich. Sie sollten drei Kreuze machen, diese jungen Wirrköpfe.</p>
<p>Wir jedenfalls sind froh, dass deine Vertreibung nicht gelungen ist, trotz aller Spatzenpfiffe. Dank dir, lieber Rainer, hat die FDP nun wieder eine echte Chance als feste Größe in der Parteienlandschaft. Vielleicht wird sie bei den anstehenden kleineren Wahlen Leidensfähigkeit beweisen müssen, aber spätestens wenn es im Bund zur Sache geht, sollte das Profil wieder ausreichend geschärft sein, um für eine echte Überraschung zu sorgen. Wie Phönix aus der Asche wird die FDP sich dank dir erheben und – natürlich als Ein-Themen-Partei – all den sparfüchsigen Atomkraftfreunden eine politische Heimat geben. Was daran liberal ist? Gar nichts! Aber das macht nichts. Liberal sind sie ja inzwischen alle, damit kann man eh nicht mehr punkten. Wahlen gewinnt man mit klaren Ansagen. „Günstiger Strom ist mehr netto vom brutto für alle“, so muss der kommende Slogan lauten. Hoffentlich begreifen das demnächst auch deine Junior-Parteifreunde. Wir drücken die Daumen!</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>Nichtarbeitserlaubnis</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 08:46:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[mein gel(i)ebtes hannover]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Kennen Sie das? Man sitzt gemütlich am Frühstückstisch, liest die Tageszeitung – und dann kommt sie, aus heiterem Himmel, die knallharte Grundsatzfrage. „Und was hältst du vom Tanzverbot am Karfreitag?“ Da bleibt dir zunächst das Brötchen fast im Halse stecken...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/30-43_SK_Juni_2011_721.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-13250" title="Erwin Schütterle" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/08/30-43_SK_Juni_2011_721-265x300.jpg" alt="" width="265" height="300" /></a>Kennen Sie das? Man sitzt gemütlich am Frühstückstisch, liest die Tageszeitung – und dann kommt sie, aus heiterem Himmel, die knallharte Grundsatzfrage. „Und was hältst du vom Tanzverbot am Karfreitag?“ Da bleibt dir zunächst das Brötchen fast im Halse stecken, und dann stotterst du „Ttttjjaaaaa  – darüber habe ich mir bis jetzt keine Gedanken gemacht. Also ich glaube, ich glaube, es ist kein Weltuntergang, wenn an einem Tag im Jahr – auch wenn’s ein Freitag ist –, nicht getanzt werden darf.“</p>
<p>Anlass für diese pikante  Frühstücksfrage war der Bericht über Jugendliche, die gegen das karfreitägliche Tanzverbot demonstrierten mit dem Argument, dass dieses christlich motivierte Verbot längst nicht mehr in die Zeit passe. Zwei Tage später würze ich das Frühstück mit dem Vorlesen eines Leserbriefes zu diesem prekären Thema: „Ihr Heuchler, ist euch eigentlich klar, dass außer dem 1. Mai und dem 3. Oktober alle unsere Feiertage christlichen Ursprungs sind?“ Ich habe es nachgeprüft: Von neun staatlich garantierten Feiertagen (Oster- und Pfingstsonntag ausgenommen) sind sieben Feiertage rein christlichen Ursprungs – im Süden Deutschlands sogar noch zwei mehr. Und jetzt kam ich ins Grübeln: Was ist eigentlich los mit unserem christlichen Abendland, das sich mit diesem Attribut doch so vehement und in gewisser Weise auch mit einer gewissen Überheblichkeit von den vom Islam geprägten Ländern abhebt.</p>
<p>Kann es sein, dass nur noch die wenigen praktizierenden Christen (zugegeben: dazu gehöre auch ich nicht – mehr) und die traditionellen Heilig-Abend-Christmette-Besucher den wahren Grund für unsere arbeitsfreien Feiertage bewusst zu spüren bekommen und lediglich die erwähnten karfreitäglichen Zwangsnichttänzer deren Einschränkungen? Keine Frage, es ist ein gutes Recht, aus der Kirche auszutreten. Auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt bei 261.574 Hannoveranern extrem unbeliebt mache, muss ich diese Nichtkirchensteuerzahler fragen: Ist es konsequent, aus der Kirche auszutreten, aber jährlich sieben bezahlte Feiertage, die die Kirche dem Staat abgerungen und gegen massive Begehrlichkeiten seitens der Wirtschaft verteidigt hat, zu genießen, bzw. sich auch noch zu beschweren, wenn man an einem dieser Tage nicht tanzen darf? Müssten diese Ausgetretenen nicht mit Nachdruck darauf bestehen, am Oster- und Pfingstmontag, Karfreitag, Weihnachten, Neujahr und Christi Himmelfahrt arbeiten zu dürfen?</p>
<p>Spätestens jetzt fragen Sie sich, was hat dieses Thema mit unserem gel(i)ebten Hannover zu tun? Nun ja, wissen Sie, dass speziell unser Stadtkirchenverband verdammt knapp bei Kasse ist und wohl nicht mehr umhin kommt, unter anderem Jugendeinrichtungen (die nicht nur von eingetragenen Christen frequentiert werden) schließen und schlimmstenfalls sogar Mitarbeiter entlassen zu müssen? Ich hätte da eine Lösung: Alle Nichtchristen, die an diesen rein christlichen Feiertagen (sofern sie nicht auf einen Sonntag fallen) nicht arbeiten wollen, beantragen eine „Nichtarbeitserlaubnis für Nichtchristen an christlichen Feiertagen“. Pro Feiertag kostet diese Erlaubnis lediglich 1 Euro. Ergibt allein in Hannover für unsere notleidenden Kirchen jährlich 1.831.018 wohltuende Euro. Tanzgenehmigungen für Karfreitag sind natürlich teurer. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen geistreiche Pfingsten und (ganz zum Schluss) frohe Himmelfahrt!</p>
<p><strong>Erwin Schütterle</strong></p>
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