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	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; küchenpsychologie</title>
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		<title>warum wir an verschwörungstheorien glauben</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 12:48:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[HIV wurde in einem CIA-Labor entwickelt, um in den USA ethnische Gruppen wie Afroamerikaner oder Minderheiten wie Homosexuelle auszurotten, das Attentat am 11. September haben die Amis selbst inszeniert, und Bill Gates ist in Wahrheit der Teufel]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>HIV wurde in einem CIA-Labor entwickelt, um in den USA ethnische Gruppen wie Afroamerikaner oder Minderheiten wie Homosexuelle auszurotten, das Attentat am 11. September haben die Amis selbst inszeniert, und Bill Gates ist in Wahrheit der Teufel. Denn korrekt heißt er William Henry Gates III. – und wenn man die Buchstaben seines Namens in ASCII-Werte umwandelt, erhält man folgendes: B 66 &#8211; I 73 &#8211; L 76 &#8211; L 76 &#8211; G 71 &#8211; A 65 &#8211; T 84 &#8211; E 69 &#8211; S 83 + 3 = 666. Manchmal ahnt man nichts Böses, unterhält sich mit einem Menschen, den man vielleicht schon Jahre kennt, und plötzlich traut man seinen Ohren kaum, weil der mal eben aus der Hüfte eine Verschwörungstheorie abfeuert, die man seinem guten Freund mit ansonsten gesundem Menschenverstand niemals zugetraut hätte.</p>
<p>Nein, sagt man dann, ich glaube nicht, dass sich ein Zusammenschluss von Solarenergie-Unternehmen den Klimawandel ausgedacht hat. Das Problem ist nur, dass man solche Theorien äußerst schlecht widerlegen kann. Und entsprechend hat man mit seinen Argumenten kaum eine Chance. Meistens enden solche Gespräche mit einem enttäuschten Verschwörungstheoretiker. Nicht weil man seine Theorie widerlegen konnte, sondern weil man unfähig ist, das Offensichtliche zu erkennen. „Dir haben sie auch schon das Gehirn gewaschen“, sagt der Verschwörungstheoretiker dann noch zum Abschied. „Wie kann man nur so blind sein.“ Und der Ungläubige bleibt zurück mit einer ganz anderen Frage: Wie kann man nur so dämlich sein und diesen Mist tatsächlich glauben?</p>
<p>Eine einleuchtende Erklärung ist schnell zur Hand: Die Welt ist einfach verflucht unübersichtlich geworden. Niemand steigt mehr so richtig durch, außer vielleicht Peter Scholl-Latour, aber der spricht immer so undeutlich. Man sitzt Tag für Tag fassungslos vor dem Fernseher und staunt über die ungerechte Welt. Überall nur Krieg, Elend und Hunger. Wo verbirgt sich bloß der Bösewicht, der hinter all dem steckt? Wenn dieses ganze ungeheuerliche Leid wirklich passiert, dann muss doch irgendjemand schuld sein. Dann muss es doch eigentlich jemanden geben, auf den man mit dem Finger zeigen kann. Aber auf wen? Die großen Unternehmen? Die Märkte? Amerika? Die FDP? Und dann erfährt man aus der Zeitung, dass man mit dem Geld, das man in die eigene Riester-Rente investiert hat, über irgendwelche Fonds an Unternehmen beteiligt ist, die Streubomben produzieren. Oder man entdeckt, dass das T-Shirt mit dem Anti-AKW-Slogan irgendwo auf der Welt von kleinen Kinderhänden genäht worden ist. Muss man jetzt also auf sich selbst zeigen? Natürlich nicht! Denn man hat es ja nicht besser gewusst. Man kann ja gar nicht alles wissen, wenn die Bösewichte bewusst täuschen. Man ist ja nur ein kleines Rad im großen Getriebe, man sitzt mit im Zug, aber die Weichen werden woanders gestellt. Und doch beschleicht einen ab und zu das schlechte Gewissen.</p>
<p>Exportiert Deutschland wirklich so viele Waffen in die Welt? Darf man sich über ein gutes Geschäft mit China freuen, weil das den eigenen Arbeitsplatz sichert? Darf man noch Fleisch essen? Sich ein großes Auto kaufen? Und im Winter die Heizung bis zum Anschlag aufdrehen, weil einem kalt ist? Es ist wie mit dieser Geschichte von dem Schmetterling, der mit seinem Flügelschlag irgendwo auf der Welt an ganz anderer Stelle einen Sturm erzeugt. Man will niemandem etwas Böses, und doch kann man sich kaum noch bewegen, ohne irgendwo für Not und Elend zu sorgen.</p>
<p>Selbst wenn man ganz bewusst Gutes tun will, kann der Schuss nach hinten losgehen. Am Ende spendet man Geld für ein unterdrücktes Volk, und dieses Volk kauft sich davon Waffen und bringt die Unterdrücker (samt Familien) um. Es ist zum Verzweifeln. Unsere Welt ist nicht mehr unterteilt in Gut und Böse oder Schwarz und Weiß. Überall nur noch Grautöne. Die Zusammenhänge zu durchschauen, das ist fürchterlich kompliziert, fast unmöglich. Dazu würde man Zeit brauchen – und wer hat die schon? Für Menschen mit wenig Zeit und schlechtem Gewissen ist die Verschwörungstheorie daher wie ein Kurzurlaub. Plötzlich gibt es jemanden, auf den man mit dem Finger zeigen kann, der verantwortlich ist. Plötzlich klärt sich fast alles. Und wenn das Böse nun mit einer Theorie entlarvt ist, dann besteht sogar Hoffnung, dass sich über kurz oder lang etwas ändert, wenn nur endlich genug Menschen die „Wahrheit“ durchschauen.</p>
<p>Das alles klingt einleuchtend. Ist es aber nicht, weil Verschwörungstheorien trotzdem bleiben, was sie sind: an den Haaren herbeigezogener Unsinn! Und Menschen mit gesundem Verstand müssten diesen Unsinn eigentlich durchschauen, trotz aller Sehnsucht nach Denk-Urlaub. Nein, hinter der Affinität zu Verschwörungstheorien steckt etwas ganz anderes: Die CIA hat schon in den 50er Jahren ein Virus entwickelt, dass in den Hirnen der Menschen dafür sorgt, an hanebüchene Theorien zu glauben, damit sie nicht hinter die echte Wahrheit kommen. Und wer hat der CIA dabei geholfen? Richtig! Außerirdische!</p>
<p><strong>VA</strong></p>
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		<title>danke, dieter!</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 08:21:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist doch seltsam, dass man trotzdem immer wieder reinschaltet, oder? Zum Beispiel bei DSDS. Irgendeine Faszination scheinen diese Casting-shows zu haben, allen voran jene mit Dieter Bohlen in der Jury. Aber welche? Es ist die Faszination, live dabei zu sein, wenn sich für einen Menschen wie du und ich ein Traum erfüllt,...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist doch seltsam, dass man trotzdem immer wieder reinschaltet, oder? Zum Beispiel bei DSDS. Irgendeine Faszination scheinen diese Casting-shows zu haben, allen voran jene mit Dieter Bohlen in der Jury. Aber welche? Es ist die Faszination, live dabei zu sein, wenn sich für einen Menschen wie du und ich ein Traum erfüllt, so sagen manche, meistens wenn es darum geht, diese Formate vor den Angriffen des Feuilletons auf das Unterschichtenfernsehen zu verteidigen. Es ist die Faszination, zu sehen, wie sich irgendwelche untalentierten Vollpfosten in aller Öffentlichkeit zum Gespött machen, um sich dann von Dieter Bohlen entsprechend demütigen zu lassen, behaupten andere. Was stimmt denn nun?</p>
<p>Wir tendieren in gewissem Sinne in die zweite Richtung. Aber nur in gewissem Sinne. Auf den ersten Blick scheinen die Argumente für Faszination II ja recht einleuchtend. Längst weiß man, dass der Traum vom Star jeweils nur eine gewisse Halbwertszeit hat. Meistens sind die Gewinner dieser Shows pünktlich zum Start der nächsten Staffel wieder von der Bildfläche verschwunden. Faszination I kann es demnach also eigentlich nicht sein. Doch die Folgerung, dass es nur der profane Genuss am Elend der ewig Scheiternden ist, scheint uns trotzdem zu kurz gegriffen. Wir sind tatsächlich ganz anderer Meinung. Mit niederen Instinkten hat der Erfolg dieser Shows rein gar nichts zu tun. Eher im Gegenteil.</p>
<p>Es dreht sich natürlich schon um die Vorführung der Vollpfosten, aber nicht im Sinne einer simplen Freude am Versagen anderer. Es geht um viel mehr. Es geht um eine menschliche, eine tiefe und sehr lobenswerte Sehnsucht. Und in diesem Zusammenhang spielt Dieter Bohlen (sowie alle Jury-Kollegen, die mit ihrer Kritik nicht sparsam umgehen) eine wichtige Rolle. Bohlen trägt für uns alle eine schwere Last auf seinen eher schmächtigen Schultern. Mit Sprüchen wie „Im Recall würdest du nicht länger überleben als ein Tampon im Piranhabecken!“ oder „Dein Stimme klingt wie Verona zu ihrer besten Zeit. Das ist musikalische Inkontinenz!“ oder „Arbeite als Domina. Du brauchst keine Peitsche, du kannst deine Stimme nehmen!“ oder „Du hast ’ne Intensität wie ein Flohrülpser!“ oder „Das ist fast aktive Sterbehilfe, wenn du singst!“ oder „Deine Art zu singen, das klingt irgendwie wie Darmverschluss!“ oder „Das Einzige, was du hier zu suchen hast, ist der Ausgang!“, mit solchen Sprüchen erfüllt Dieter Bohlen selbstlos seinen Dienst an der Menschheit. Einen Dienst, den man gar nicht hoch genug schätzen kann.</p>
<p>Wir alle kennen das Problem: Man steht mit der besten Freundin im Klamottenladen, die Gute hat sich über die Wintermonate wirklich sehr gehen lassen und zwängt sich gerade trotzdem in einen Minirock, der ihr drei Nummern zu klein ist. „Was meinst du?“, fragt sie. Was antwortet man? „Du siehst aus wie eine Presswurst in der Pelle, dein Arsch quillt ähnlich bedrohlich durch die Gegend wie einst der Blobb in diesem Splattermovie.“ Nein, das sagt man nicht. „Schon ganz schick“, sagt man, „aber nicht deine Farbe.“ Gelogen, alles gelogen! „Weißt du, was die anderen gegen mich haben?“, fragt ein Kollege. „Keine Ahnung, haben die was gegen dich?“, fragt man zurück. Obwohl er zum Himmel nach Schweiß stinkt und sein Atem nach Marke Jauchegrube duftet.</p>
<p>Wir alle lügen, jeden Tag. Wir würden natürlich am liebsten die Wahrheit in die Welt schreien, aber wir halten uns zurück, nicht, weil wir die anderen schonen wollen, sondern weil wir uns nicht trauen, die Wahrheit zu sagen, weil wir Angst vor den Konsequenzen haben, im Großen wie im Kleinen. Du stinkst, du bist langweilig, du ödest mich an, du kannst gar nichts – es liegt uns jeden Tag auf der Zunge, vor allem, wenn sich jemand überschätzt, wenn jemand von seinen angeblichen Talenten schwafelt, wo eigentlich gähnende Leere herrscht. Ach, wenn man diesen Menschen doch einfach mal die Wahrheit sagen könnte. Würde das unsere Welt am Ende nicht doch ein kleines Stückchen besser machen? (Natürlich nicht, das gäbe Mord und Totschlag, genau das ist es ja &#8230;) Und dann setzen wir uns vor den Fernseher, bleiben bei DSDS hängen, und Dieter Bohlen sagt all das für uns. Er traut sich, er pfeift auf die Konsequenzen. Ihm scheint vollkommen egal zu sein, ob so ein untalentierter Teenager nach der Show an seinen Pulsadern herumspielt. Bohlen sagt einfach die Wahrheit. Ohne Gnade. Und er befriedigt damit in uns nicht nur die Sehnsucht nach einer ehrlicheren Welt, er befreit uns gleichsam von der Last des schlechten Gewissens. Für unsere täglichen Lügen, unsere permanente Heuchelei. Denn es gibt wenigstens diesen einen, es gibt den Bohlen, der die Wahrheit sagt. Stellvertretend für uns alle. Bohlen übernimmt diese Bürde nicht ohne eigenes Opfer. Denn er lädt all den Hass auf sich, den die Zurückgewiesenen für ihn empfinden und man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass ihm irgendwann einer dieser Irren den Garaus machen wird. Doch bis dahin sorgt er für Frieden in unserer schönen Welt. Danke, Dieter!</p>
<p><strong>VA</strong></p>
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		<title>schreibblockaden</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 15:08:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2011-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe herausgefunden, wie Schreibblockaden entstehen. Und deswegen habe ich mal unsere Küchenpsychologie-Rubrik geentert, um das hier kurz aufzuklären.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da denkt man jahrelang, die Schreiberei wäre gar nicht so schwer, man hätte das mit den Worten ganz gut im Griff, die Leute sagen, ja ja, ist ganz okay, was du da so verzapfst, hat mir gefallen, ist manchmal ganz lustig, letzten Monat war’s zwar besser, aber man kann ja auch nicht immer in Höchstform sein, man lebt also im Grunde ganz zufrieden sein kleines, bescheidenes Schreiberleben, und dann erwischt es einen plötzlich und unerwartet ganz frontal via Leserbrief im E-Mail-Postfach.</p>
<p>Kritik ist eine wunderbare Sache, nicht dass wir uns missverstehen. Kritik ist wirklich schön. Überhaupt ist es schön, wenn mal jemand schreibt. Lob ist natürlich besonders willkommen. Schreiberlinge sind eitel. Wenn Lob ins Haus flattert, dann ist der Tag gerettet. Das passiert sogar manchmal. Leider veröffentlicht unser Herausgeber ungerne positive Leserbriefe, weil er meint „dass das sowieso niemand glaubt“. Die kritischen Leserbriefe sind natürlich auch weitaus häufiger. Man neigt ja eher dazu, sich mitzuteilen, wenn man sich über irgendwas aufgeregt hat. Aber das ist gar nicht schlimm. Wenn zum Beispiel jemand schreibt, hier, dein letzter Artikel, der war aber mal nichts, das war der gescheiterte Versuch, einen altbackenen Witz neu anzustreichen, wobei dir auf halber Strecke die Farbe ausgegangen ist, dann ist das vollkommen in Ordnung.</p>
<p>Schreiberlinge müssen mit Kritik umgehen können, zumal, wenn sie berechtigt ist. Man darf Schreiberlinge ruhigen Gewissens beleidigen, man kann sie langweilig und talentfrei nennen, man darf eigentlich alles zu ihnen sagen. Es gibt aber etwas, das setzt Schreiberlingen sehr zu. Die Qualität von Texten misst sich immer auch an ihrer Verständlichkeit. Ein Schreiberling sollte dazu seine Zielgruppe kennen oder zumindest eine ungefähre Vorstellung davon haben, wer seine Texte liest. Beim Stadtkind sind das in erster Linie sehr gebildete, weltoffene, gut situierte, kommunikative und kaufkraftstarke Menschen – jedenfalls fallen diese Adjektive recht häufig nebenan in der Anzeigenabteilung.</p>
<p>Deswegen strengen wir uns hier alle unglaublich an, versuchen den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen und achten darauf, uns möglichst klar und unmissverständlich auszudrücken. Und deswegen versuchen wir uns manchmal auch an der schwierigsten Disziplin im Bereich der Texterei, an der Ironie.</p>
<p>Ironie ohne Gesicht vor der Nase ist unglaublich schwer. Sie muss wirklich gut formuliert sein, damit sie im Text klar erkennbar wird. Aber wenn das funktioniert, dann kann man einen sehr gebildeten, weltoffenen, gut situierten, kommunikativen und kaufkraftstarken Menschen durchaus mal zum Lachen oder Schmunzeln bringen. Und das ist dann sehr schön.</p>
<p>Bei unserem letzten offenen Brief an Kristina Schröder erreichte mich nun aber folgender Leserbrief. Ich habe soeben Ihren offenen Brief an Kristina Schröder gelesen. Sie schreiben u.a.: „Außerdem können Menschen sich ändern. Du gehst regelmäßig laufen, unsportlich bist du also nicht mehr.” Es gibt Menschen, die nicht laufen können, sich aber trotzdem sportlich betätigen, z.B. Querschnittsgelähmte, die mit einem Rollstuhl an den Paralympics teilnehmen. Wollten Sie die vielleicht als „unsportlich” bezeichnen? Das wäre ja wohl wirklich makaber.“</p>
<p>Dieser Brief hat mich sehr durcheinander gebracht. Ich hatte dort geschrieben: Sie haben sogar in deiner Vergangenheit gewühlt. „Ich bin verfressen, selbstverliebt, unsportlich, streberhaft, skrupellos, arrogant, geltungssüchtig, egoistisch, eitel, karrieregeil, maßlos, spießig, dekadent und irgendwie einfach liebenswert“, hast du über dich selbst in der Abiturzeitung von 1997 geschrieben. So what? Ein bisschen Selbstironie wird ja wohl noch erlaubt sein. Außerdem können sich Menschen ändern. Du gehst regelmäßig laufen, unsportlich bist du also nicht mehr. Ich habe mich und alle anderen in der Redaktion wieder und wieder gefragt, ob es irgendeinen Hinweis darauf gibt, dass ich mit dieser Formulierung z.B. Querschnittsgelähmte als unsportlich bezeichnen wollte. Sie fanden das nicht. Ich habe meinen gesamten Bekanntenkreis gezwungen, diesen offenen Brief zu lesen. Alle meinten, dass der Einwand, ich wolle dort Menschen im Rollstuhl diskreditieren, vollkommen abwegig sei, dass in dem Zusammenhang wirklich keine Silbe in diese Richtung weist. Alle haben gerätselt, wie man diesen Text überhaupt, und dann auch noch in dieser Lesart missverstehen könne.</p>
<p>Und ich habe trotzdem ganz plötzlich kein Wort mehr zu Papier bringen können. Ich war wie gelähmt. Nein, sagen wir besser gehemmt. Oh Gott, es geht schon wieder los. Ich lege seit diesem Leserbrief wirklich jedes Wort auf die Goldwaage. Aber all das hat auch sein Gutes. Ich habe herausgefunden, wie Schreibblockaden entstehen. Und deswegen habe ich mal unsere Küchenpsychologie-Rubrik geentert, um das hier kurz aufzuklären.</p>
<p>Es ist nicht die Angst vor Misserfolg und Ablehnung oder umgekehrt die Angst vor Erfolg, und es sind auch nicht unerledigte, persönliche Probleme. All diese gerne bemühten Ursachen für Schreibblockaden sind Unsinn. Es ist einzig und allein die Angst vor dem Platz zwischen den Zeilen, es ist die Angst vor dem Potenzial der Zwischenräume. Jeder Text kann irgendwie alles bedeuten, wie soll man mit dieser Gewissheit noch schreiben? Ich habe übrigens nichts gegen Rollstuhlfahrer. Und nichts gegen Ausländer. Wollte ich zum Schluss nur noch kurz erwähnen. Könnte ja sein, dass das irgendwo hier oben steht. Sicher ist sicher.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>dauerknipser</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 15:40:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2011-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Man kennt ja diese Geschichte von den Chinesen, die eine Weltreise machen und unterwegs alles fotografieren, was ihnen vor die Linse kommt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>warum manche eltern ihre kinder so häufig fotografieren</p>
<p>Man kennt ja diese Geschichte von den Chinesen, die eine Weltreise machen und unterwegs alles fotografieren, was ihnen vor die Linse kommt. Wobei ihnen die Sehenswürdigkeiten ganz offensichtlich vollkommen egal sind. Hauptsache, die Aufnahme ist im Kasten. Die Motivation für diese besondere Art von Fotowut lässt sich küchenpsychologisch recht leicht ergründen. Sie sammeln Trophäen ihres Erfolgs, denn eine Auslandsreise können sich trotz Boom in China nur wenige Chinesen leis-ten, obwohl „wenig“ natürlich relativ ist bei ca. 1,3 Milliarden Chinesen. Insofern sind es dann wahrscheinlich doch eine ganze Menge Chinesen, die sich so eine Reise leisten können. Wie auch immer, sie sammeln ihre Trophäen, um sie später den Daheimgebliebenen zu zeigen. Was sie da so alles fotografiert haben, wird natürlich vorher noch mal kurz gegoogelt, damit man auch weiß, wo man überall war, falls China die entsprechenden Seiten nicht gerade gesperrt hat. Obwohl die Chinesen ja solche Tourismus-Seiten wohl kaum sperren, eher die von Amnesty International – aber ich schweife schon wieder ab. Wie gesagt, küchenpsychologisch lässt sich der Fall leicht abhandeln, jedes einzelne Foto ist eine Art von Währung, die man sich zu Hause in Form von Anerkennung auszahlen lassen kann. Die Chinesen sind ja generell ziemlich gut im Sammeln von Währungen, doch das ist nun wirklich eine ganz andere Geschichte.</p>
<p>Wie ist es nun aber mit fotosüchtigen Müttern und Vätern oder Großmüttern und Großvätern, die auf Teufel komm raus jede Bewegung des heranwachsenden Familienerben digital ablichten? Ich habe da gerade erst vor ein paar Tagen im Schwimmbad so eine Szene beobachtet. Mutter und Großmutter saßen am Beckenrand und haben um die Wette den kleinen Engel mit den Schwimmflügeln fotografiert, um sich nach jedem Abschuss jeweils die Kamera unter die Nase zu halten. Und dann hatten sie anscheinend ein Motiv, das besonders gut gelungen war. Sie konnten sich gar nicht mehr losreißen vom digitalen Display, während sich bei dem kleinen Engel der eine Schwimmflügel verabschiedete, was die beiden nicht bemerkten. Auch nicht, dass er zu ertrinken drohte, was ich mit einem beherzten Sprung verhinderte, was mir aber niemand dankte, weil ich für die beiden kurz darauf einfach ein Mann war, der ihr Kind gepackt hatte, das natürlich ungeheuer plärrte.</p>
<p>Nachdem man mich recht unschön aus dem Schwimmbad vertrieben hatte, blieb mir noch ein bisschen Zeit für einen Spaziergang, denn mein übliches Kontingent an Bahnen hatte ich ja nicht mehr bewältigen dürfen, genug Zeit also, um über dieses Phänomen nachzudenken. Hat dieses familiäre Dauerablichten ähnliche Gründe wie die Fotowut der Chinesen? Oder geht es hier um etwas anderes? Man will halt möglichst viele Fotos haben, damit man sich später mal an die schönen Zeiten erinnern kann, als die lieben Kleinen noch harmlos waren, ist doch ganz einfach, so werden nun manche sagen. Ja, das war mal so, vor wenigen Jahrzehnten, als man noch analog fotografiert hat. Aber heute? Früher haben die Eltern liebevoll ein oder zwei Fotoalben zusammengetragen und später hat man dann mal drin geblättert, um zu sehen, wie süß man war – oder auch nicht. Und heute? „Guck mal in den Ordner Januar 2001, da kannst du auf 3.000 Schnappschüssen sehen, was für ein liebes Kind du mal warst.“ „Dass ich heute kein liebes Kind mehr bin, liegt vielleicht daran, dass ihr mich immer nur fotografiert habt, statt euch mal wirklich mit mir zu beschäftigen, ihr Hirnis“, könnte der undankbare Nachwuchs antworten.</p>
<p>Die Frage ist, was Eltern und Großeltern mit diesen Terabytes an Datenmaterial eigentlich wollen. Gut, werden nun einige sagen, so viele Fotos werden sie ja gar nicht behalten, sie knipsen den Speicher voll, und zu Hause werden dann die schönsten Fotos aussortiert und der Rest wandert in den Müll. Ein kluger Einwand, denn er führt uns auf direktem Wege zu einer küchenpsychologischen Theorie, die das Phänomen der Dauerknipser erklären könnte. Es geht gar nicht darum, möglichst viele Fotos zu machen, es geht darum, genau ein gutes Foto zu machen. Diesen einen Schnappschuss, auf dem der kleine Engel verdammt noch mal nicht so grenzdebil aussieht wie seine Mutter oder sein Vater, sondern ein bisschen mehr wie diese Kinder in der Fernsehwerbung. Es geht da-rum, mit diesem einen Foto auszugleichen, was die Natur ganz offensichtlich verbockt hat. Das Kind im Schwimmbad war jedenfalls – um es mal geradeheraus zu sagen – ein verdammt hässliches Kind mit allen Anlagen, später ein ebenso hässlicher Erwachsener zu werden. Wobei, Schönheit liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. So sagt man. Das ist natürlich gelogen. Jeder Mensch kann zwischen schön und häss-lich unterscheiden – und dieses Kind im Schwimmbad war hässlich. Und wenn ich mich recht an Mutter und Großmutter erinnere, war diese Anlage eindeutig vererbt. Die Dauerknipser sind sich vielleicht gar nicht darüber bewusst, aber sie tragen diese Ahnung von der eigenen Hässlichkeit und der ihres Nachwuchses mit sich herum, und deswegen sind sie ständig auf der Suche nach diesem einen Schnappschuss, der ihnen zeigt, wie es hätte sein können, der sie träumen lässt. Das ist die Theorie. Ist was dran, würde das wohl bedeuten, dass hässliche Eltern ihre Kinder häufiger fotografieren als hübsche Eltern. Wir werden das mal beobachten, sind uns aber schon jetzt ziemlich sicher, dass wir Recht haben. Deswegen rufen wir allen hässlichen Eltern zu: Fotografiert sie nicht, beschäftigt euch mit ihnen, denn das macht Kinder schlau. Und wenigstens schlau sollen sie doch sein. Denn mit den äußeren Qualitäten werden sie es wohl kaum jemals zu irgendwas bringen. <strong> GAH</strong></p>
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		</item>
		<item>
		<title>die quittung für die geschichte mit dem weihnachtsmann</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2011/01/die-quittung-fur-die-geschichte-mit-dem-weihnachtsmann/</link>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 14:19:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2011-01]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie kommt es eigentlich, dass Kinder mit der Pubertät so aufsässig werden, gute Ratschläge nicht mehr annehmen, ihren Eltern auf der Nase herumtanzen, sich häufig sogar in regelrechte Monster verwandeln]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie kommt es eigentlich, dass Kinder mit der Pubertät so aufsässig werden, gute Ratschläge nicht mehr annehmen, ihren Eltern auf der Nase herumtanzen, sich häufig sogar in regelrechte Monster verwandeln, wo sie doch gerade noch sanfte Engel waren, an denen man seine Freude hatte, nicht nur, weil sie widerspruchslos die Spülmaschine ausgeräumt haben. Wie eine Raupe verkriechen sie sich in ihren Kokon, genannt Kinderzimmer, in dem Eltern plötzlich keinen Zutritt mehr haben, und wenn sie dann nach langer familiärer Abwesenheit wieder auftauchen, dann sind sie keine Schmetterlinge, sondern picklige Ungeheuer, denen man besser aus dem Weg geht.</p>
<p>Lange wurde diese Phase als Prozess der Abnabelung verstanden, als natürliches Phänomen, sich von den Eltern zu lösen, um zu lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Die Kleinen, so wird behauptet, werden in diesem Lebensabschnitt erwachsen. Das leuchtet ein, zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick ist es dann aber schon erstaunlich, dass Mutter Natur für den menschlichen Nachwuchs eine derart heiße Phase vorgesehen hat. Es ist ja in Ordnung, irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen und auf dem Weg dahin die Vorgaben der Eltern infrage zu stellen, aber muss es denn gleich so extrem sein? Okay, die Kleinen wollen nun selbst entscheiden, welche Fehler sie machen. Aber gerade in diesem Lebensabschnitt lauert so manche Gefahr, der sie mit ein bisschen Vertrauen in die Lebenserfahrung ihrer Erzeuger und der einen oder anderen zielgerichteten Frage ganz einfach aus dem Weg gehen könnten. Von dem Genuss einer Flasche Wodka auf ex würden die meisten Eltern sicher abraten, genauso vom ungeschützten Geschlechtsverkehr mit dem Nachbarsjungen. Iss reichlich, bevor du dich betrinkst, könnte man ihnen raten. Oder: Nicht alles, was man bei Google findet, wenn der SafeSearch-Filter ausgeschaltet ist, gehört in den Bereich normaler menschlicher Sexualität. Oder: Es ist wenig ratsam, mit 14 Jahren ein Auto zu klauen und damit einen Ausflug nach Berlin zu unternehmen. Aber sie fragen nicht. Sie stürzen sich lieber ins Verderben. Das ist merkwürdig, denn Mutter Natur hat in erster Linie immer das Überleben ihrer Kinder im Sinn.</p>
<p>Kamikaze-Phasen findet man im gesamten Tierreich äußerst selten. Das Phänomen der Kamikaze-Pubertierenden kann also bei näherer Betrachtung unmöglich einen natürlichen Ursprung haben. Fast scheint es so, als würde der Nachwuchs die Eltern bestrafen wollen. Eltern lieben ihre Kinder, auch wenn sie Monster sind. Fügt sich das Kind Schaden zu, dann leiden die Eltern. Pubertierende fügen sich gerne Schaden zu. Wollen sie ihre Eltern leiden sehen? Diese Vermutung liegt zumindest nahe. Aber warum? Wenn es bei all dem um so etwas wie Rache geht, wofür rächen sich dann die Kinder? Die Antwort unseres Küchenpsychologen-Teams wird vermutlich verblüffen. Sie rächen sich für all die Lügen. Sie rächen sich, weil es den Weihnachtsmann doch nicht gibt. Die Lüge ist per Definition eine Aussage, von der der Lügner weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der Belogene sie trotzdem glaubt. Eltern erzählen ihren Kindern bereits in den ersten Monaten nach der Geburt Geschichten von fliegenden Elfen, von Riesen und Zwergen, von Hexen und Zauberern, sie erzählen auch die Geschichte vom Nikolaus, der Süßigkeiten in Socken oder Schuhe steckt, und vom Weihnachtsmann, der am 24. das neue Laufrad vorbeibringt. Und sie erfreuen sich daran, dass die lieben Kleinen all das glauben. Eine wunderbare Welt. Alles gelogen! Und irgendwann kommen die Kleinen dann dahinter.</p>
<p>Was diese Erkenntnis für den Nachwuchs bedeutet, wird anscheinend unterschätzt. Eben noch gab es einen dicken Mann mit Bart, der einem einfach so Geschenke macht, eben noch gab es sprechende kleine Wesen in Märchenwäldern, eben noch gab es in der Welt die Möglichkeit des Unmöglichen, und plötzlich ist da nur noch die Realität, plötzlich begreift das Kind, dass die Eltern jahrelang gelogen haben. Das ist eine Riesenenttäuschung und bedeutet eine tiefe Erschütterung des Vertrauens. Und das verlangt natürlich nach Rache. Nicht sofort. Die Kleinen lassen sich Zeit damit, aber sobald sie sich alt genug fühlen, so mit 13 oder 14 Jahren, gibt es die Quittung, dann konfrontieren sie ihre Eltern mit der Realität, dann wird es manchmal sehr unangenehm, dann wird der Nachbarsjunge schon mal frühzeitig zum Schwiegersohn.<strong> GAH</strong></p>
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		<title>warum manche menschen so viel platz beanspruchen (dürfen)</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Nov 2010 11:23:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2010-11]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man in einer Runde zusammensitzt und etwas besprechen muss, sei es nun am Arbeitsplatz oder privat, dann haben sich gewisse Verhaltensregeln bewährt. Beispielsweise ist es durchaus vorteilhaft, wenn man sich gegenseitig ausreden lässt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man in einer Runde zusammensitzt und etwas besprechen muss, sei es nun am Arbeitsplatz oder privat, dann haben sich gewisse Verhaltensregeln bewährt. Beispielsweise ist es durchaus vorteilhaft, wenn man sich gegenseitig ausreden lässt. Wenn man im Ton eher ruhig bleibt. Wenn man dem jeweiligen Gegenüber ein bisschen Respekt entgegenbringt. Und wenn man zwischendurch mal versucht, auch die Argumente des anderen nachzuvollziehen. All das macht Sinn, und wo immer diese Verhaltensregeln eingehalten werden, finden Menschen gewöhnlich recht schnell einen gemeinsamen Kompromiss, der für alle erträglich ist. Nun gibt es natürlich Menschen, die von solchen Verhaltensregeln nicht viel halten. Sie fallen einem ins Wort, schreien ihren Diskussionsgegner gerne auch mal nieder, halten die andere Seite generell für völlig unterbelichtet und sind mit ihrer Meinung derart fertig, dass sie gar nicht in der Lage wären, sich auch nur für eine Sekunde die Argumente der anderen durch den Kopf gehen zu lassen. Ein solches, nennen wir es ruhig dominantes Verhalten kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Manchmal sind es schlicht persönliche Interessen. Es geht um einen Vorteil, den man sich ohne Abstriche sichern will. Würde man auch nur einen Zentimeter von seiner Meinung abrücken, wäre dieser Vorteil in Gefahr. Nicht schön, aber nachvollziehbar. Wahrscheinlich hat sich fast jeder schon mal in so einer Situation erwischt.</p>
<p>Manchmal ist es auch nur die berühmte Profilneurose, die solche Menschen treibt, und es zieht sie dann vornehmlich in Vereine und andere Gruppen, auch mal eine Partei, um dort allen zu zeigen, dass allein sie den Durchblick für die Lösung aller Probleme haben. Solche Zeitgenossen sind sehr unangenehme Gesprächspartner, denen man die eigene Idee am besten als ihre Idee verkauft. Worum es inhaltlich geht, spielt für den Profilneurotiker nämlich keine Rolle, es geht ausschließlich darum, dass er sich mit „seiner“ Idee durchsetzt.</p>
<p>Der wohl schlimmste Typus von allen ist aber der Fundamentalist, nicht allein der religiöse, sondern auch der weltanschauliche. Der Fundamentalist hat den Stein der Weisen gefunden, er beruft sich auf die Grundsätze einer Ideologie oder Religion und lässt keinen Widerspruch zu. Für ihn gibt es keine Kompromisse, sein Weltbild ist geschlossen, und andere Ideen oder Argumente haben keinen Platz. Glücklicherweise sind Fundamentalisten meistens recht leicht zu identifizieren, sie neigen zur Uniform, tragen lange Bärte oder Hakenkreuze auf dem Oberarm. Man kann ihnen also relativ leicht aus dem Weg gehen. Schwieriger ist das beispielsweise bei den Fundamentalisten im linken politischen Spektrum. Auch bei dieser Klientel haben sich die zahlreichen gelesenen Bücher zu einer allgemeingültigen Welttheorie verbunden, die nur hermetisch funktioniert. Bezeichnend ist, dass solche Fundamentalisten häufig genau jene Toleranz und Weltoffenheit predigen, die bei ihnen selbst längst auf der Strecke geblieben ist. Oder anders: Sie halten schlicht jeden, der eine andere Meinung hat, einfach nur für zu blöd, um die wahren Zusammenhänge zu erkennen.</p>
<p>Nun aber schnell zu dem Phänomen, dass uns hier eigentlich interessiert. Wie kommt es, dass solche Fundamentalisten in einer Gruppe, beispielsweise einer Elterninitiative, die als Verein eine Kindertagesstätte betreibt, allzu oft unglaublich viel Raum einnehmen, obwohl eigentlich alle beteiligten Eltern wissen, dass man sich niemals auf die Grundsätze dieses einen Fundis verständigen wird? Warum diskutiert man trotzdem stundenlang, um diesen einen am Ende sowieso zu überstimmen? Warum diskutiert man noch weiter, wenn die Gruppensitzung längst vorbei ist? Warum sind solche Menschen immer wieder Thema, obwohl eigentlich jedes Wort über sie schon eines zu viel ist? Die Antwort ist im Grunde relativ einfach. Ein halbwegs intelligenter Mensch weiß, dass es die eine Wahrheit nicht gibt. Für die meisten Eltern, um im Beispiel der Elterninitiative zu bleiben, ist deshalb zunächst mal Fundamentalismus unvorstellbar, weil völlig irre. Sie können nicht glauben, dass es so etwas tatsächlich gibt. Da ist jemand engagiert, vehement, er setzt sich ein, er lässt nicht locker. Hut ab! Und ihm wird darum auch zunächst nachgesehen, dass er sich nicht an die Verhaltensregeln für ein konstruktives Gespräch hält. Dass er keinen Zentimeter nachgibt, dass er anderen nicht zuhört. Dass er regelmäßig die Diskussion dominiert. Dass sich ein Fundamentalist in ihrer Gruppe austobt, bemerken sie meistens erst, wenn er schon im Vorstand sitzt. Na ja, und dann kommt man eben nicht mehr drumherum, über ihn zu sprechen, ständig und überall.</p>
<p>All das nur ein Beispiel, aber es hat leider allgemeine Gültigkeit. Die intolerantesten Menschen schaffen es häufig in die höchsten Ämter. Und das nur, weil sich der Rest der Menschen erstmal nicht vorstellen kann, dass es solche völlig verbretterten Individuen tatsächlich gibt. Und wenn das Problem erkannt ist, dann bleiben sie meistens trotzdem in ihren Ämtern, weil niemand mehr Lust hat, sich noch weiter mit ihnen auseinanderzusetzen. Hat ja auch keinen Sinn. Die hören ja nicht zu.   <strong>GAH</strong></p>
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		<title>spams machen sinn!</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 22:00:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2010-10]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin inzwischen ein körperliches und geistiges Wrack, was man diesem Text wahrscheinlich unschwer anmerkt. Würde ich nicht am Computer schreiben, sondern auf Papier, so wäre die Tinte von Tränen verschmiert. Ich will meine Spams zurück!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe mir jetzt so ein Programm installiert bei meinem E-Mail-Postfach, das filtert tatsächlich jede Spam raus und macht dabei keine Fehler. Die nervigen Dinger werden alle in einem extra Postfach gesammelt und nach einer Weile gelöscht. Wann, das kann man beliebig einstellen. Natürlich war ich zuerst vorsichtig und habe das Postfach zwischendurch kontrolliert. Mein alter Filter war nicht ganz so zuverlässig, da habe ich immer mal wieder eine wichtige Mail entdeckt, auf die ich schon Tage gewartet hatte. Dieser neue Filter zeigte keine Schwächen. Also habe ich ihn schließlich so eingestellt, dass der Inhalt automatisch und sofort gelöscht wird.</p>
<p>Das ist jetzt genau fünf Tage, 14 Stunden und 22 Minuten her und ich bin völlig verzweifelt. Verzweifelt, weil ich noch nicht herausgefunden habe, wie man diese verdammte Einstellung wieder rückgängig macht. Das funktioniert irgendwie nicht. Ich habe schon alles probiert. Ich bin seit genau fünf Tagen, 14 Stunden und 22 Minuten total unzufrieden. Abends gehe ich aus dem Büro und habe irgendwie das Gefühl, nichts geleis-tet zu haben. Nachts liege ich wach und denke darüber nach, ob ich mich genug anstrenge. Ich bin inzwischen ein körperliches und geistiges Wrack, was man diesem Text wahrscheinlich unschwer anmerkt. Würde ich nicht am Computer schreiben, sondern auf Papier, so wäre die Tinte von Tränen verschmiert.</p>
<p>Ich will meine Spams zurück! Denn natürlich habe ich inzwischen in unerbittlicher Selbstanalyse die Ursache meines Zustands aufgedeckt. Diese Spams waren mein gelungener Start in den Tag. Der kurze Blick in den Spamordner, viele schnelle und klare Entscheidungen, das war genau meine Welt.</p>
<p>Nein, ich brauche kein Chrom-Vanadium-Stahl-Werkzeugset und keinen neuen Barhocker, Viagra lasse ich mir im Bedarfsfall lieber vom Arzt verschreiben, ich werde keine Aktien kaufen, die demnächst unglaublich steigen, ich möchte auch niemandem in Afrika Geld überweisen, damit ich auf eine Erbenliste gesetzt werde, um später viele Millionen Dollar auf ein Schweizer Konto überwiesen zu bekommen, ich habe kein Interesse an einer Freundin in Portugal oder in Ghana und untenrum bin ich mit meiner Größe eigentlich auch einverstanden – man sollte einfach mit dem zufrieden sein, was die Mutter Natur einem geschenkt hat.</p>
<p>Außerdem fahre ich einen Micra, und das passt alles sehr schön zusammen.</p>
<p>Nach der Lektüre meines Spamordners war ich sozusagen bereit für die wirkliche Welt, für schlecht gelaunte Kollegen, miesen Kaffee, Regen oder die Erfahrung, auf der Redaktionstoilette zu sitzen und zu spät festzustellen, dass mal wieder das Toilettenpapier alle ist. Meine Spams haben mich gegen diese Attacken des Alltags geradezu immun gemacht. Hatte ich nicht eben erst sozusagen im Handstreich 76 Mails abgearbeitet? In wenigen Minuten, einfach so, auf die Schnelle. Was konnten mir 112 Mails im regulären Posteingang da noch anhaben? Oder ein geklautes Fahrrad? Gar nichts! Augenblicklich fühle ich mich so, als würde ich völlig nackt in Pamplona mit den Stieren laufen. Seit genau fünf Tagen, 14 Stunden und jetzt bereits 39 Minuten bin ich der Welt schutzlos ausgeliefert, während mein Mail-Postfach bestens geschützt ist. Ich bin ein Regenwurm, der mitten im Sommer auf eine Autobahn kriecht, ich bin ein Wal vor der Küste Norwegens, ich bin Hund auf einem Wochenmarkt in Peking. Meine Kollegen fragen schon, was mit mir los ist. Einer meinte gestern, er würde einen ziemlich guten Heilpraktiker kennen. Und das zu mir!</p>
<p>Kurzfristig sehe ich nur eine Lösung. Ich werde mir gleich heute Abend eine Google-Mail-Adresse zulegen und dann auf dem Rechner genau dieses Kollegen willkürlich im Netz schlimme Seiten öffnen, um überall meine neue Adresse zu hinterlassen. Und seine Adresse. Ein Heilpraktiker – seit wann braucht ein Küchenpsychologe einen Heilpraktiker?</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>ein plädoyer für die selbstüberschätzung</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Aug 2010 12:54:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2010-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Realistisch soll man die Welt betrachten und sich selbst einschätzen. Das klingt auf den ersten Blick ganz vernünftig. Man baut sich keine Luftschlösser, steht mit beiden Beinen mitten im Leben, erkennt die Probleme auf unserem schönen Erdenball und die eigenen Probleme, blendet nichts aus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Realistisch soll man die Welt betrachten und sich selbst einschätzen. Das klingt auf den ersten Blick ganz vernünftig. Man baut sich keine Luftschlösser, steht mit beiden Beinen mitten im Leben, erkennt die Probleme auf unserem schönen Erdenball und die eigenen Probleme, blendet nichts aus. So weiß der Mensch, wo es tatsächlich hapert, wo Unrecht geschieht, wo er etwas tun kann, für sich und die anderen, wo gehandelt werden muss.</p>
<p>Wer dagegen immer nur vor sich hinträumt, der wird irgendwann auf dem harten Boden der Realität landen. Wer sich die Welt denkt, wie sie ihm gefällt, wer die Wahrheit nicht sehen will, der wird früher oder später eine böse Überraschung erleben.</p>
<p>Silvio Berlusconi ist so ein Paradebeispiel. In seiner Phantasie ist er mit Sicherheit über zwei Meter groß, hat einen Waschbrettbauch, kann noch mit 100 Jahren Kinder zeugen und ist schlicht unsterblich. In der Realität wird er einfach irgendwann tot sein. Das ist dann Silvio Berlusconis böse Überraschung. Er wird freilich nicht viel davon merken. Nun ist der Tod natürlich so ziemlich die böseste Überraschung, die ein Mensch erleben kann. Oder fast erleben kann. Es geht aber auch ein paar Nummern kleiner. Da ist der Architekturstudent, der im Geiste schon den nächsten Eifelturm entwirft oder die längste Brücke der Welt, der bei all dem bereits diese leichte, unsympathische Tendenz zur Arroganz entwickelt, und der nach seinem Studium in einem Büro in Hannover-Bothfeld sitzt und Hauseingänge zeichnet, um irgendwann zu realisieren, dass er in seinem Leben wahrscheinlich nichts anderes mehr zeichnen wird. Oder der Pressemensch in einem Theater, der sein Theater sensationell findet, die Stadt, in der es steht, aber eher provinziell, weil keiner kommt, weil kaum Zuschauer das sensationelle Programm sehen wollen, der aber nicht auf die Idee kommt, dass das vielleicht vor allem an seiner etwas unglücklichen, abgehobenen Pressearbeit liegt, die kein Mensch versteht, und der bei all dem bereits diese leichte, unsympathische Tendenz zur Arroganz entwickelt, bis man ihn irgendwann einfach vor die Tür setzt, bevor das Theater ganz schließen muss. Oder der Herausgeber eines Stadtmagazins, der sein Heft für großartig hält, während die halbe Stadt sich fragt, was der ganze Blödsinn eigentlich soll, der da Monat für Monat drin steht, und der bereits diese leichte, unsympathische Tendenz zur Arroganz entwickelt, bis ihn irgendwann jemand zur Seite nimmt und ihm sagt, dass er den ganzen Kram vielleicht doch besser einfach verbrennen sollte&#8230; aber lassen wir das.</p>
<p>Solche bösen Überraschungen kommen natürlich nicht so plötzlich wie der Tod. Solche Überraschungen nennt man Leben. Leben passiert einfach. Für den einen läuft es besser, für den anderen schlechter. Das Risiko ist immer das böse Erwachen.</p>
<p>Die Frage ist nun, ob es Sinn macht zu erkennen, dass es schlecht gelaufen ist, beziehungsweise gerade schlecht läuft. Oder ob ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung vielleicht ganz hilfreich sein kann, um das Leben erträglicher zu gestalten. Anders gefragt: Wäre Silvio Berlusconi ein glücklicherer Mensch, wenn er wüsste, dass er ein kleiner, dicker Mann ist? Würde Angela Merkel anders aussehen, wenn ihr Sinn für die Realität ein wenig kleiner wäre? Sie weiß offensichtlich ganz genau, was läuft. Aus diesem Grund sieht sie immer so traurig aus.</p>
<p>Macht also zu viel Realitätssinn vielleicht einfach unglücklich, sogar krank? Was nützt Angela Merkel ihr Sinn für die Realität? Packt sie deswegen irgendwas an? Es sieht doch eher so aus, als würde die Kenntnis all der Probleme eher zu akuten Lähmungserscheinungen führen. Da sitzt sie nun vor diesem riesengroßen Problem-Berg und weiß ganz genau, dass sie nur eine winzig kleine Schaufel hat. Also lohnt es nicht, überhaupt damit anzufangen, den Berg abzutragen.</p>
<p>Und so wäre es wohl recht oft, wenn der Mensch nicht die Fähigkeit hätte, sich selbst ein wenig unrealistisch einzuschätzen. Selbstüberschätzung ist also gar nicht so schlimm, sie ist im Gegenteil oft das Tor zu wahrer Größe. Ohne Selbstüberschätzung geht es nicht. Wäre der Mensch sonst jemals auf dem Mond gelandet? Hätte irgendjemand den Mount Everest bestiegen? Wohl kaum.</p>
<p>Wenn also das nächste Mal jemand um die Ecke kommt und sich für einen richtigen Überflieger hält, sollte man diesen Menschen einfach mal so lassen, wie er ist, auch wenn er vielleicht schon diese leichte, unsympathische Tendenz zur Arroganz entwickelt. Das mag in dem Moment vielleicht ziemlich nerven, aber wer weiß, was dabei noch herauskommen kann.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>warum einer immer der arsch sein muss</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 22:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2010-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Fast scheint es so, als wäre diese Suche nach dem armen Menschen, auf dem alle anderen herumhacken können, ein Naturgesetz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ja ein recht bekanntes Phänomen, dass einer immer der Arsch ist. In jeder Schulklasse gibt es ein leidendes Mädchen oder einen leidenden Jungen, in jedem Betrieb einen traurigen Mitarbeiter, in jeder Fußballmannschaft einen völlig verunsicherten Spieler. Mit manchmal tragischen Folgen. Man kann sich einigermaßen sicher sein: Auch wenn nur drei Menschen zusammenkommen, machen sich zwei von ihnen irgendwann gemeinsam über den dritten her. Das kann harmlos ausfallen, manchmal aber auch richtig fürchterlich enden.</p>
<p>Dabei ist es zunächst ein Rätsel, warum jemand zum Arsch wird. Warum mobben die Mitarbeiter plötzlich ausgerechnet die Neue im Vertrieb, obwohl noch niemand sie näher kennen gelernt hat? Was ist der Auslöser? In manchen Fällen ist das natürlich offensichtlich. Da nimmt es zum Beispiel jemand mit der Körperpflege nicht so genau. Oder er hat eine Frisur, die in den 80ern modern war. Oder er erzählt permanent schlechte Witze. Oder er stellt sich einfach verdammt dämlich an. Doch so klar lässt sich der Auslöser nicht immer identifizieren.</p>
<p>Man könnte Versuchsweise eine sehr homogene Gruppe von Menschen auswählen, mit dem gleichen IQ, den gleichen Frisuren, der gleichen Kleidung, den gleichen Ansichten, dem gleichen Alter, dem gleichen Geschlecht, und diese Gruppe für eine Weile in einem Raum einschließen, am Ende werden sie einen von ihnen zum Arsch erklären und der ist dann dran, ganz egal, wie sehr er den anderen ähnelt. Natürlich lässt sich feststellen, dass Menschen mit weniger Selbstvertrauen öfter dran sind. Menschen mit „großer Schnauze“ werden weitaus seltener zum Arsch degradiert. Aber auch hier gilt: Eine Gruppe aus lauter Großmäulern wird sich ebenfalls irgendwann ein Opfer wählen. Fast scheint es so, als wäre diese Suche nach dem armen Menschen, auf dem alle anderen herumhacken können, ein Naturgesetz.</p>
<p>Wir werden hier wohl nicht klären können, warum jemand letztlich zum Opfer wird, zumal wenn er eigentlich keinen offensichtlichen Anlass bietet. Fest steht nur, dass es so ist. Die Menschen richten sich automatisch eine Hackordnung ein, in der einer ganz unten steht. Vielleicht spielt bei einer Gruppe aus gleichstarken Menschen auch der Zufall eine Rolle. Dann greift sich einer wahllos einen anderen heraus. Und nachdem dieser Anfang gemacht ist, stürzt sich auch der Rest der Gruppe auf das Opfer.</p>
<p>Aber warum das alles? Warum können wir Menschen nicht ohne Opfer? Warum muss einer immer der Arsch sein? Und das, obwohl uns bei all dem klar ist, dass das Opfer wahrscheinlich genau die gleichen Stärken und Schwächen hat, wie wir selbst? Werden wir Zeuge so einer Degradierung, quält uns sogar das schlechte Gewissen. Wir wissen genau: Was dort gerade passiert, ist in höchstem Maße ungerecht, aber in den meisten Fällen mischen wir uns nicht ein, sondern gehen still unserer Wege. Nur in Ausnahmefällen ergreifen wir Partei für ein Opfer. Eine mögliche und oft bemühte Erklärung für all das wäre natürlich, dass wir Menschen andere Menschen in der Opferrolle brauchen, um uns selbst besser zu fühlen. Es gibt uns demnach einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass da jemand ist, dem es gerade noch ein bisschen schlechter geht. Das würde einleuchten, wäre da nicht das schlechte Gewissen. Das passt nicht wirklich zusammen.</p>
<p>Wir kommen darum zu einer anderen Erklärung des Phänomens. Einer muss immer der Arsch sein, weil alle anderen davor Angst haben, selbst zum Arsch erklärt zu werden. Wir sind einfach erleichtert, dass es nicht uns erwischt hat. Und damit das so bleibt, machen wir aktiv oder passiv mit. Im Grunde sind wir ja alle gleich, haben, wie gesagt, die gleichen Stärken und Schwächen, die gleichen Sehnsüchte, die gleichen Träume. Gut, mancher hat das eine oder andere Buch mehr gelesen, steht auf der Karriereleiter ein bisschen höher, hat ein bisschen mehr Geld, aber letztlich sind all das doch recht wacklige Konstrukte, in denen wir uns einrichten, um uns einreden zu können, dass wir uns von den anderen unterscheiden. Dabei ist uns jedoch im Hinterstübchen immer klar, dass wir uns tatsächlich nicht unterscheiden.</p>
<p>Wenn man so will, sind wir alle potenziell Ärsche und damit potenzielle Opfer, egal was wir anstellen, um uns davor in Sicherheit zu bringen. Was bleibt ist die Angst, dass es uns jederzeit selbst erwischen könnte. Dass wir plötzlich zum Arsch erklärt werden, dass alle Statussymbole von einem Moment auf den anderen keine Rolle mehr spielen. Und darum suchen wir permanent nach Menschen, die diesen Platz für uns einnehmen. Darum muss einer immer der Arsch sein. Möglichst immer der andere.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<item>
		<title>warum nimmt die anzahl fremdgehender frauen proportional mit ihrem alter zu?</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 22:00:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2010-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwann kommen sie dann dahinter: Nur ein Mann muss nicht sein. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So, bevor es jetzt wieder Leserbriefe hagelt, warum wir hier einfach so behaupten, was keine offizielle Statistik je bestätigt hat, ein kleiner Ausflug in die Niederungen des investigativen Journalismus. Im Film „Die nackte Kanone“ mit Leslie Nielsen gibt es einen Schuhputzer, der von Kommissar Frank Drebin immer dann aufgesucht wird, wenn es mit den Ermittlungen so gar nicht mehr weitergeht. Auch das Stadtkind hat so eine Art Schuhputzer (wobei wir natürlich nicht verraten, wer das ist, denn noch weiß er nichts davon und möchte auch kein Geld), den wir immer dann frequentieren, wenn wir in der Redaktion keine Idee haben. Eine halbe Stunde in der Gesellschaft dieses Menschen füllt ungefähr zwei Stadtkind-Ausgaben komplett. Und egal, was dieser Mensch jemals behauptet hat, am Ende war immer was dran. Zufall oder Lebenserfahrung, man weiß es nicht.</p>
<p>Wenn dieser Mensch also sagt „je oller desto doller“, dann wird das schon stimmen. Also bitte keine Leserbriefe diesmal. Unser Informant irrt sich nie!</p>
<p>Zur Sache: Frauen gehen fremd, und das immer öfter, je älter sie werden. Raus kommt es meistens trotzdem nicht, aber das ist ein anderes Thema. Warum ist das so? Warum nimmt die Fremdgeh-Frequenz im Alter zu? Warum gehen mehr Frauen fremd, und warum gehen sie öfter fremd? Wie immer gibt es gleich mehrere Theorien, die mehr oder minder offensichtlich sind. So meinte ein Mitglied der Redaktion, Frauen würden ab einem gewissen Alter einfach realisieren, dass das haarlose und leicht dickliche Etwas auf dem Sofa tatsächlich ihr Mann ist und dass das seltsame Ritual zu (seinem) Geburtstag und zu Silvester ganz bestimmt kein Sex ist. Sie würden dann kurz in sich gehen und überlegen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, mit den Lebenshilfen in Sachen Wie-möbel-ich-mein-Sexualleben-nach-x-Jahren-Partnerschaft-auf in den diversen Frauenzeitschriften das Ruder noch einmal herumzureißen. Und weil das Ergebnis derart außerhalb aller möglichen berechenbaren Wahrscheinlichkeiten liegt, treffen diese Frauen dann eine einsame Entscheidung (oder diskutieren noch kurz im Freundinnen-Kreis darüber). Schon geht es los mit den außerpartnerschaftlichen Aktivitäten. Und weil sich das haarlose und leicht dickliche Etwas nicht darüber wundert, wenn die liebe Frau eigentümlich duftend um drei Uhr nachts ins Schlafzimmer schleicht, sondern allenfalls über einen leeren Kühlschrank, bleibt es natürlich nicht bei dem einen Ausflug in die Welt des Lasters und der Sünde.</p>
<p>Ein anderes Redaktionsmitglied brachte die biologische Uhr ins Spiel. Wenn Frauen die Geschichte mit der Reproduktion abgeschlossen hätten, ob nun tatsächlich biologisch oder einfach planungstechnisch, und die kleinen Engel aus dem Gröbsten raus wären, dann würde sich auch die Sache mit dem Versorger-Schema allmählich erledigen. Dann wäre diese Monogamie-Nummer irgendwann einfach nicht mehr so interessant. Und dann würden Frauen eben einfach noch mal sehen, was sonst so geht. Auch eine Theorie.</p>
<p>Nun aber zur Theorie Nummer drei, die wirklich neu ist und – das sagen wir hier ganz selbstbewusst – bahnbrechend. Vor allem aber ist sie kurz: Frauen gehen mit zunehmendem Alter öfter fremd, weil sie klüger werden, jedes Jahr ein bisschen klüger. Nicht, weil sie mehr Bücher lesen, sondern weil sich in ihren Gehirnen immer mehr Synapsen bilden, die kleine Brücken bauen um die anerzogenen Moralvorstellungen. Und irgendwann kommen sie dann dahinter: Nur ein Mann muss nicht sein. Das ist auch schon alles. Aber jetzt bitte nicht auf die Idee kommen, den Spieß umzudrehen und zu behaupten, dass alle Männer klug wären, nur weil das Wörtchen Treue für Männer von der Pubertät bis zum Greisenalter ein höchst theoretischer Begriff bleibt. Männer sind einfach Schweine, daran ändert auch das Alter nichts.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>warum es rattendämliche menschen häufig ganz nach oben schaffen</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/warum-es-rattendamliche-menschen-haufig-ganz-nach-oben-schaffen/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 22:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2010-05]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer, zum Teufel, hat diesen Menschen gesagt, dass sie schön oder klug oder beides sind? Wer war das? Wie kommt es, dass sich ein dicklicher, riechender Mann mit Halbglatze für ein Geschenk der Götter an die Frauen hält?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt ja so Menschen, die beeindrucken mit unglaublichem Selbstvertrauen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Selbstvertrauen bringt uns leichter durchs Leben. Es gibt nun aber in dieser Gruppe der selbstbewussten Menschen zahlreiche Vertreter, bei denen man sich fragt, woher sie dieses Selbstvertrauen eigentlich nehmen.</p>
<p>Bei besonders schönen und klugen Menschen ist die Anwort ganz leicht. Die schönen Menschen, also die mit den durchschnittlichsten Gesichtszügen, erkennen ihr Ebenmaß irgendwann selbst im Spiegel. Oder bekommen von gleich mehreren Seiten immer wieder gesagt, dass sie einfach richtig gut aussehen. Das gibt natürlich Selbstvertrauen. Die besonders klugen Menschen bemerken irgendwann, dass sie einfach immer ein bisschen mehr wissen als ihre Mitmenschen, dass sie Zusammenhänge schneller durchschauen, dass sich ihnen die Welt einfacher erschließt, vor allem aber erkennen sie, dass die vermeintlich anderen Klugen auch nur mit Wasser kochen. Und natürlich gibt auch das Selbstvertrauen. Ein Beispiel für solche klugen Menschen ist vielleicht Gesine Schwan. Für die schöne Fraktion entscheiden wir uns nach interner und demokratischer Abstimmung in der Redaktion für Brad Pitt. Besonders sympathisch sind uns solche schönen und klugen Menschen, wenn sie sich auf ihre Qualitäten nichts einbilden, freundlich und geduldig sind, keine Arroganz entwickeln, keine Abscheu vor all den nicht schönen und nicht klugen Menschen.</p>
<p>Solche schönen und/oder klugen Menschen machen häufig Karriere, das ist kein Wunder. Nun aber zu den anderen, zu den selbstbewussten nicht klugen und/oder nicht schönen Menschen. Wenn ich nicht klug und/oder nicht schön bin, setze ich mich dann zum Beispiel nachmittags in eine Talkshow? Will ich unbedingt Model werden? Wenn ich nicht klug bin, zieht es mich dann in die Politik? Okay, schlechtes Beispiel. Aber es dürfte klar sein, worauf wir hinaus wollen. Wer, zum Teufel, hat diesen Menschen gesagt, dass sie schön oder klug oder beides sind? Wer war das?</p>
<p>Wie kommt es, dass sich ein dicklicher, riechender Mann mit Halbglatze für ein Geschenk der Götter an die Frauen hält? Warum meinen manche Frauen, blonde Haare reichen aus, um bei Männern Eindruck zu machen. Okay, schlechtes Beispiel.</p>
<p>Aber trotzdem, man wundert sich. Doch bevor wir uns hier ereifern, zurück zum Thema. Bei den nicht klugen und gleichfalls nicht schönen Menschen, ist die Begründung für die falsche Selbsteinschätzung, was die äußeren Qualitäten angeht, ja noch recht einfach. Sie sind einfach rattendämlich. Irgendwann hat ihnen wahrscheinlich ihre Mutter gesagt, dass sie das hübscheste Kind der Welt seien, und sie sind mangels IQ nie auf die Idee gekommen, diese Einschätzung infrage zu stellen. Solche Menschen machen seltener Karriere; gleichwohl wundern sie sich ihr Leben lang über diese Tatsache. Aber was ist mit recht klugen Menschen, die sich für schön halten, doch denen man nicht nachts begegnen möchte? Und vor allem, was ist mit rattendämlichen Menschen, die sich für klug halten?</p>
<p>Die klugen, hässlichen Menschen, die sich für schön halten – das wäre eine denkbare Erklärung – sind so klug, dass sie sogar in der Lage sind, sich selbst auszutricksen. Sie denken sich einfach schön. Wie das geht, wissen nur sie selbst. Erklären können sie es jedenfalls nicht. Wir haben extra ein paar gefragt. Gegen eine Karriere solcher Menschen ist nichts einzuwenden – sie sind allerdings nicht unbedingt sympathische Vertreter unseres Genpools.</p>
<p>Die rattendämlichen Menschen, die sich für klug halten, sind zuletzt ein besonderes Rätsel, denn nicht wenige machen trotzdem Karriere. Vielleicht liegt die Lösung bereits in der Lautstärke, mit der sie auftreten. Solche Menschen sprechen sehr viel und sehr laut, sie dozieren über alles mögliche, ohne dass jemand auch nur ein Wort dazwischen bekommen würde. In einer Halle mit ganz vielen Menschen und nur einer Lampe, stehen sie unter genau dieser Lampe und hören sich beim Reden zu. Und sie reden immer noch weiter, wenn längst niemand mehr zuhört. Zuhören, genau das ist das Stichwort: Rattendämliche Menschen, die sich für klug halten, hören schlicht nicht, was andere Menschen sagen. Ein freundlicher Hinweis im Sinne eines „kann es sein, dass du ein selten dämliches Exemplar bist“ dringt also kaum jemals an ihre Ohren. Und so kommt es, dass sie sich niemals infrage stellen. Solche Menschen können es leider weit bringen, weil es den meisten Menschen zu anstrengend ist, sich mit ihnen auf Diskussionen einzulassen. Man lässt sie lieber gewähren, lässt sie reden, überlässt ihnen das Feld. Genau darum machen solche Menschen häufig Karriere. Weil die Alternative für den Rest der Menschheit zu anstrengend wäre.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>warum manche männer mit so wenig hausrat umziehen</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/warum-manche-manner-mit-so-wenig-hausrat-umziehen/</link>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 22:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2010-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der Zahl der Jahre, die ein Mann gemeinsam mit einer Frau in einer Wohnung verbracht hat, verringert sich proportional sein „Umzugsgewicht“.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wohl jeder kennt diesen bedrohlichen Moment, wenn Frauen sich melden und um Hilfe beim Umzug bitten. Wir haben eine Unterart dieser weiblichen Ein- und Auszieher schon einmal in der Rubrik nebenan beleidigt. Ruft dagegen ein Mann an und bittet um Hilfe, kann man eigentlich bedenkenlos zusagen, gesetzt den Fall, er zieht bei einer Frau aus oder ein. Vorsicht ist im Grunde nur bei langjährigen Single-Männern geboten. Bei Männern, die bei einer Frau ein- oder ausziehen (im letzteren Fall dann meistens wieder Single-Männer), kann man das gesamte Mobiliar locker in einem Fiat Panda unterbringen. Mit der Zahl der Jahre, die ein Mann gemeinsam mit einer Frau in einer Wohnung verbracht hat, verringert sich proportional sein „Umzugsgewicht“. Wir behaupten, dass nach etwa fünf Jahren das gesamte Mobiliar eines Mannes, der bei einer Frau auszieht, in einen handelsüblichen, mittelgroßen Koffer passt. Woran liegt das? Vordergründig natürlich daran, dass Frauen nach und nach alles aus der gemeinsamen Wohnung verbannen, was der Mann beim Einzug anschleppt. Dieser Prozess vollzieht sich meist schleichend und beginnt früh. Bereits während der Zeit der Beziehungs-Anbahnung verlieren Frauen zwar kein Wort darüber, wie sie die Einrichtung in der Wohnung ihres künftigen Partners finden, denken sich aber ihren Teil. Und senden subtile Signale. Das können hochgezogene Augenbrauen sein. Oder ein bewusstes Schweigen, wenn der Mann von seinem Kandinsky-Nachdruck im Goldrahmen schwärmt. Sie schweigen eigentlich zu allen geschmacklichen Entgleisungen. Und halten sich auch bedeckt, wenn es in die Vorplanung zur ersten gemeinsamen Wohnung geht. Sagen nur so ganz nebenbei, dass sie ja eigentlich in ihrer Wohnung schon ganz schöne Sachen haben, gut aufeinander abgestimmt, und dass eigentlich nur noch ein paar Dinge fehlen, die dann aber zu dem passen müssten, was schon da ist, womit sie gleichzeitig sagen, dass die Möbel, die noch in der Wohnung des neuen Lebensabschnittspartners stehen, nicht passen. Dann kommt irgendwann der Umzug, und weil alles, was der Mann trotz dieser vagen Hinweise so anschleppt, „irgendwie nicht so richtig zu den anderen Sachen passt“, wandert ein Großteil erstmal in den Keller. Kurz darauf folgen die ersten gemeinsamen Einkäufe, und „natürlich“ entscheiden beide vollkommen gleichberechtigt. Einige Männer haben zunächst noch ein eigenes Zimmer, in dem sie einen Teil ihrer Sachen unterbringen. Es wird später zum Ankleidezimmer und gegebenenfalls zum Kinderzimmer. Stück für Stück wandert also irgendwann das gesamte Männer-Mobiliar in den Keller. Bis die ersten Platzprobleme auftreten, weil auch die Frau „einige Dinge“ dort einlagern möchte. Da kommt dann zu Weihnachten die neue Sofa-Garnitur, die alte ist aber noch gut, die kann man nicht wegschmeißen. Wegschmeißen kann man dagegen den alten Schreibtisch aus den Jugendzimmer-Beständen des Mannes. Am Ende bleiben nur die Stereo-Anlage, die CD-Sammlung, der Fernseher und die Klamotten in seinem Fach im gemeinsamen Kleiderschrank übrig. Und all das passt wunderbar in einen Fiat Panda. Das ist sozusagen der Auflösungs-Prozess. Und nun wird es küchenpsychologisch: Warum entfernt die Frau nach und nach alles Hab und Gut ihres neuen Mitbewohners? Und warum lässt sich der Mann das gefallen? Zur ersten Frage die erste Antwort: Weil Männer keinen Geschmack haben. Auch richtig. Aber es geht um viel mehr. Die richtige Antwort löst gleich beide Fragen: Indem der Mann sich „entmöbeln“ lässt, gibt er der Frau ein Versprechen, nämlich sich tatsächlich auf die Beziehung einzulassen und nicht so bald wieder auszuziehen. Und die Frau kann gar nicht anders, sie muss dieses Versprechen einfordern, indem sie seine Möbel verbannt. Sie baut das Nest, das sitzt so drin; aus der Nummer kommen Frauen nicht raus. Die „Entmöbelung“ ist also fast ein Eheversprechen. Wer jetzt allerdings folgert, dass alle Männer, die in der beschriebenen Weise verzichten, es tatsächlich ernst meinen, der irrt. Im Grunde ist ihnen völlig egal, was mit ihren Sachen passiert. Hauptsache, sie behalten den Fernseher und die Stereoanlage, denn was brauchen Männer mehr zum Leben?</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>drüber hui, drunter ui</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 22:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2010-03]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch er nestelt an seiner Hose herum, und schon ist sie unten, die Hose, und jetzt auch sie, die Unterhose Marke „Tchibo als es noch Eduscho hieß“, und dann macht er auf einmal einen Satz nach vorne, kriecht unter die Decke und fordert...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum Frauen keine schöne Wäsche tragen</strong></p>
<p>Kaum hat Frau einen neuen oder auch nur potentiell neuen Begleiter, geht es los: „Ich muss unbedingt neue Wäsche kaufen. Das geht echt gar nicht, was ich im Schrank habe.“ Dass sie mit dem, was so „gar nicht“ geht, mehrere Jahre Beziehung bewältigt hat, an deren Scheitern wohlgemerkt nicht die Wäsche schuld war, ist ihr völlig entgangen. Gerade mal ein paar Stunden, Tage oder Wochen ist sie Single, hat soeben noch mit einem Mann zusammengelebt, und trotzdem nur Unterwäsche zu bieten, mit der sie sich schämen würde, von einem „fremden“ Mann gesehen zu werden.</p>
<p>Also zieht sie durch die Kaufhäuser der Stadt, stellt sich im Kampf mit der Konfektion, dem Anblick in der grell ausgeleuchteten Umkleide, dem Aus-An-Aus-An-Aus-An-Aus-An-Aus-Anziehen, weil „bitte nicht mehr als drei Teile“ in die Kabine mitgenommen werden dürfen, dabei hat sie schon so lange keine Wäsche mehr gekauft, dass sie nicht mal mehr weiß, ob die letzten Fit- oder Fetteinheiten nicht doch etwas im oberen Bereich bewegt haben, zumal „sie“ eh nicht so ganz symmetrisch gewachsen sind und der eine Ball zwar in den Korb passt, der andere aber weniger treffsicher hineingeht. Stunden ist sie unterwegs, und am Ende ist sie doch nicht zufrieden, aber das Date, und zwar das Heut-bis-zum-Äußersten-Date, steht an. Also kauft sie, nur damit etwas gehalten wird, was doch nur soviel verspricht, dass es sie irgendwann einmal hängen lässt. Sie kauft, und es ist nicht das bestsitzendste Set, aber alles ist besser als das, was sie zu Hause hat.</p>
<p>Und dann ist es soweit, sie drücken sich beim Küssen eng aneinander und graben sich sicher nach unten hin vor, und sie nestelt ein wenig an seiner Hose herum, und er tut es ihr gleich, auch er nestelt an&#8230; Auch er nestelt an seiner Hose herum, und schon ist sie unten, die Hose, und jetzt auch sie, die Unterhose Marke „Tchibo als es noch Eduscho hieß“, und dann macht er auf einmal einen Satz nach vorne, kriecht unter die Decke und fordert: „Komm, komm, du jetzt auch. Runter mit den Sachen. Komm endlich ins Bett!“</p>
<p>Runter mit den Sachen. Den SACHEN!? Die gottverfluchten Scheiß-Sachen haben summa summarum 289,90 Euro gekostet, und es sind wohlgemerkt nur ZWEI gottverfluchte Sachen. Aber aufregen nützt nichts, sie ist viel zu erregt, also reißt sie sie runter, die Sachen, und kriecht auch unter die Decke.</p>
<p>Gut, denkt sie, erstes Mal heute mit dem neuen Partner, Eifer des Gefechts, Lust, Neugier, Geilheit, da zieht man sich nicht aus wie Slow-motion-Stone in Basic Instinct, oder lässt sich ausziehen, oder starrt sich bewundernd an und sagt „Wow“. Beim nächsten Mal. Nur dumm, dass er die Wäsche jetzt zwar nicht beachtet, aber doch schon gesehen hat. Und wenn sie die beim nächsten Mal wieder trägt, denkt er am Ende, sie habe nur diese eine Garnitur, und das stimmt ja nicht, sie hat jetzt drei Garnituren, bei denen BH und Höschen noch dasselbe Muster haben. Aber nur eine davon ist schön. Also zieht sie wieder los, zieht die BankCard durch und steht anderntags mit einem Set für 324 Euro vor ihm, wohlgemerkt noch darunter. Und die Küsse werden leidenschaftlicher, die Berührungen fester, der Atem wird schneller, und er&#8230; „Erster!“ Er war auch wieder schneller. Nein, er ist noch nicht gekommen, er ist standhaft, er ist heiß, aber er ist schon wieder nackt und schon wieder im Bett. „Los, komm!“ Und wieder streift sie sich die schmerzhaft teuren Sachen vom Leib, reißt dabei ein Häkchen ab, weil sie ja schnell sein soll.</p>
<p>Das macht sie ganze drei Mal. Dann hat sie drei neue Wäschegarnituren im Haus, die eine mit kaputtem Verschluss, und überhaupt sind sie alle gar nicht so praktisch und sehen scheiße aus unterm Shirt, weil sie eben schlecht sitzen. Und es beginnt, ihr egal zu werden. Weil sie weiß, dass er keinen Wert legt auf schöne Wäsche. Nicht, weil er auf schöne Sachen keinen Wert legt, sondern schlicht, weil er keinen Wert legt auf Wäsche. Weil sie ihm am liebsten ganz ohne Wäsche ist. Und sie mag ihn auch am liebsten ohne Wäsche.</p>
<p>Und irgendwann mag sie ihn auch wieder mit Wäsche, und auch ihn stört es nicht mehr, wenn sie Wäsche trägt. Und dann, irgendwann später, kommt manchmal der Moment, da steht sie wieder im Kaufhaus und denkt, ob es nicht doch mal wieder an der Zeit wäre für was Neues&#8230;</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
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		<title>warum manche Menschen nicht alleine sein können</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 22:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2010-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir reden über Menschen, die gerade eine Beziehung hatten, sagen wir fünfeinhalb Jahre, und die höchstens drei Tage brauchen, um sich in die nächste Dauerbeziehung zu stürzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Menschen, die können einfach nicht alleine sein. Leider bleiben häufig gerade solche Menschen alleine, weil niemand die ewige Klammerei auf Dauer erträgt. Nichts gegen normale Beziehungen, in der beide Partner die traute Zweisamkeit genießen. Aber die dem Partner zugestandene Freiheit ist in Beziehungen eine wertvolle Basis. Sie gehört dazu. Das jedenfalls steht in allen Beziehungsratgebern, die wir gelesen haben. Mit Freiheit ist dabei natürlich nicht gemeint, abends um die Häuser zu ziehen, stinkbesoffen um 4 Uhr nachts nach Hause zu kommen, und das benutzte Verhüterli baumelt noch am Hosenschlitz, weil es sich im Reißverschluss verklemmt hat. Außer man führt eine sogenannte offene Beziehung. Dann muss man sich aber auch nicht bis zur Besinnungslosigkeit besaufen. Die Freiheit ist deswegen wichtig, weil natürlich jeder gleichberechtigt sein eigenes Leben führen sollte. Nur dann hat man Respekt voreinander. Und Respekt ist in Beziehungen das A und O. Das weiß doch jeder.</p>
<p>Nun gibt es aber Menschen, denen fehlt das Bedürfnis der eigenen Freiheit. Die können nicht ohne andere Menschen an ihrer Seite. Nicht mal für einen Augenblick. Wir reden hier also nicht über Singles, die sich einen Partner wünschen, aber auch ganz gut ohne klarkommen, vielleicht hin und wieder mit ein bisschen Unterstützung von Freund Alkohol, aber insgesamt doch recht souverän. Wir reden eher über Menschen, die gerade eine Beziehung hatten, sagen wir fünfeinhalb Jahre, und die höchstens drei Tage brauchen, um sich in die nächste Dauerbeziehung zu stürzen. Die heimlich Fotos von den Arbeitskollegen machen, um sie sich großformatig im Wohnzimmer an die Wand zu kleben, oder die sich im Internet diese Fototapeten bestellen, auf denen lächelnde Menschen herumstehen.</p>
<p>Die nachts den Fernseher oder das Radio anlassen, die zum Einschlafen die alten Bibi Blocksberg-Kassetten hören, die tagsüber den ganzen Tag in Cafés hocken und nachts als Schlafwagenschaffner arbeiten, die sich sogar eine von diesen Puppen anschaffen, nicht für irgendwelche Spielchen, sondern einfach, damit jemand da ist, die (aufgepasst!) häufig in WGs ziehen und dann ständig gemeinsame Fernseh- und Spieleabende organisieren oder WG-Partys veranstalten, zu denen meistens kaum jemand kommt.</p>
<p>Es kommt niemand, weil der gesamte Bekanntenkreis den Braten längst gerochen hat, nur die WG nicht, denn da ist der gesellige Zeitgenosse ja meistens gerade erst eingezogen, weil die WG davor die Nase endgültig voll hatte und ihn achtkantig rausgeschmissen hat. Wir reden über Menschen, die nachts an Deine Zimmertür klopfen und sich zu Dir ins Bett legen wollen, weil sie nicht einschlafen können. Auch dabei geht es nie um irgendwelche erotischen Hintergedanken. Solche Menschen werden häufig gemieden, verstoßen, verlassen. Das ist tragisch.</p>
<p>Wenn man bloß wüsste, wie man ihnen helfen könnte. „Kauf dir einen Hund“ zu sagen, reicht nicht. Aber dazu müsste man natürlich zuerst wissen, warum sie sind, wie sie sind. Haben ihre Eltern sie früher zu oft alleine gelassen? Haben sie derart große Leichen im Keller, dass sie einfach Angst haben, alleine zu sein, weil sie sonst in Versuchung geraten, sich mit sich selbst zu beschäftigen? Sind sie so langweilig, dass ihnen die eigene Gesellschaft unerträglich ist? Vielleicht. Wir haben eine andere Theorie: Solche Menschen sind eine völlig eigene Spezies. Sie lösen sich auf, wenn niemand da ist. Sie existieren nur real, wenn sie sich in anderen Menschen spiegeln. Ohne Menschen können sie die Zeit bis zur Auflösung zwar mit künstlichen Mitteln herauszögern, aber wenn sie nicht nach einer gewissen Zeit wieder auf einen Menschen treffen, verschwinden sie für immer.</p>
<p>Das klingt völlig verrückt? Okay, aber es war auch schon spät und wir hatten in der Redaktion getrunken…</p>
<p><strong>GS</strong></p>
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		<title>warum sind frauen beim kartenspielen gelassener als männer?</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 22:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>

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		<description><![CDATA[„Völlig klar, ist doch überhaupt keine Frage: Frauen sind gelassener, weil es ihnen nicht so wichtig ist zu gewinnen.“ Das ist die typisch männliche und fragwürdige Antwort auf diese Frage.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p>„Völlig klar, ist doch überhaupt keine Frage: Frauen sind gelassener, weil es ihnen nicht so wichtig ist zu gewinnen.“ Das ist die typisch männliche und fragwürdige Antwort auf diese Frage. Bevor wir uns aber der Fragwürdigkeit dieser Antwort widmen, sollten wir uns zuerst eine andere, viel grundsätzlichere Frage stellen: Sind Frauen wirklich gelassener? Äußerlich schon. Obwohl es natürlich Ausnahmen gibt. Manche Frauen sind während des Kartenspiels kaum von Männern zu unterscheiden. Da gibt es ebenfalls gerötete Gesichter, Schweißperlen auf der Stirn, gequältes, halblautes Grunzen und Stöhnen, und bei einigen wackeln sogar die Knie. Aber die Mehrzahl der Frauen ist einfach schrecklich cool beim Kartenspielen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Manche wirken beinahe unbeteiligt, wenn sie an entscheidender Stelle die genau richtige Karte ausspielen, zur richtigen Zeit im wahrsten Sinne des Wortes auftrumpfen. Mehr als ein müdes Lächeln muss man bei dieser Sorte nicht erwarten. Ob sie nun verlieren oder gewinnen, man hat nicht den Eindruck, dass sie das in irgendeiner Weise berührt. Im Gegenteil, ihr ganzes Äußeres vermittelt Gleichgültigkeit. Manchmal unterstreichen sie diese Gleichgültigkeit sogar mit Sätzen wie: „Ist doch nur ein Spiel.“ Für Männer ist das ganz schrecklich. Und um sich zu beruhigen, behaupten nun die Männer, Frauen seien eben anders sozialisiert.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Für das weibliche Geschlecht gehe es nicht um Kampf, sondern um Harmonie. Was zähle, sei nicht der Erfolg, sondern das Wohlbefinden. Ihnen fehle einfach der Biss. Nicht nur beim Kartenspielen, sondern auch im Beruf. Genau deswegen gäbe es auch so wenige Frauen in Führungspositionen. Und all das sei ein Ergebnis der Evolutionsgeschichte. Liebe Männer, ihr irrt gewaltig. Frauen sind gelassener beim Kartenspielen, aber das hat ganz andere Gründe. Bei der redaktionsinternen Recherche haben wir herausgefunden, dass Frauen natürlich, genau wie ihre männlichen Gegenstücke, gewinnen wollen. Unbedingt! Wenn da überhaupt evolutionstechnisch irgendetwas wirkt, dann die über viele Generationen antrainierte Fähigkeit der Frauen, den Männern etwas vorzumachen, nicht nur im Bett. Bekommt ein Mann beim Pokern einen Royal Flash in die Hand, sieht man ihm das an. Er verrät sich auf jeden Fall. Andere Männer werden die Hinweise kaum bemerken, aber Frauen registrieren auch die kleinsten Veränderungen. Da streicht sich einer über den Bart, wie er es sonst nur zu tun pflegt, wenn die junge Praktikantin das Büro betritt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ein anderer drückt seine Karten kurz liebevoll an die Brust, ein dritter leckt sich flüchtig über die Lippen. Bekommt eine Frau einen Royal Flash in die Hand, ändert sich gar nichts. Oder aber, es ändert sich ganz bewusst etwas. Über das Gesicht mancher Frauen huscht vielleicht ein Ausdruck von Traurigkeit, natürlich so lange, bis auch der letzte Mann es gesehen hat. Manche Frau blufft. Andere Frauen verzichten drauf, und das eher aus Mitleid, denn dass sie gewinnen, steht ja sowieso fest. Man muss den Mann (Verlierer) nicht auch noch demütigen, indem man ihm zeigt, wie einfach er sich täuschen lässt. Das ist nett von diesen Frauen. So erhalten sich die Männer wenigstens in Ansätzen die Illusion, sie hätten eine Chance. Wir stellen also fest: Frauen sind gelassener beim Kartenspielen, aber nicht, weil es ihnen egal ist, ob sie gewinnen oder verlieren. Sie sind gelassener, weil sie wissen, dass sie am Ende sowieso die Nase vorn haben. Auch wenn sie verlieren, am Ende gewinnen sie. Immer. Und deswegen sind Frauen so gelassen, nicht nur beim Kartenspielen. <strong> </strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>GAH</strong></p>
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		</item>
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		<title>ist der uneitle mensch ein scharlatan?</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/ist-der-uneitle-mensch-ein-scharlatan/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 22:00:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2009-09]]></category>

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		<description><![CDATA[Genau davon hat sich der uneitle Mensch verabschiedet, vom Zwang der Gefallsucht. Und damit ist er vollkommen frei, kann tun und lassen, wozu er Lust hat. Merkwürdig ist nur, dass solche uneitlen Menschen sehr gerne davon erzählen, dass sie nicht eitel sind. Warum?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ob der Dalai Lama wohl eitel ist? Eigentlich könnte man ja vermuten, dass er keinen besonderen Wert auf seine äußere Erscheinung, seinen Ruf und seine Stellung in der Gesellschaft legt. Denn das ist doch der Königsweg zum Glück, oder nicht? Wer die Eitelkeit besiegt, der kann gelassen sein, sich dem „wahren Leben“ zuwenden. Der muss nicht mehr um die Karriere kämpfen oder sich über Pickel auf der Stirn ärgern. Vielleicht sollten wir alle einfach weniger eitel sein und uns auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren. Es gibt da ja nun weiß Gott genug, um das man sich kümmern könnte.</p>
<p>Ob Jesus sich wohl rasiert hat? Oder sich seinen Bart gestutzt hat? Hat er sich nach dem Essen die Überbleibsel aus dem Gesichtsschmuck gepult, oder war ihm das egal? Nein, wahrscheinlich hat auch er sich die Reste vom Hammel aus den Haaren geklaubt. Genauso wird der Dalai Lama in unbeobachteten Augenblicken skeptisch vor dem Spiegel stehen, seinen Bauch betrachten und denken, dass ein paar Kilo weniger ganz nett wären. Natürlich. Der Dalai Lama ist ein Mensch, Jesus war ebenfalls einer, zumindest eine Weile – und Menschen sind eitel. Das war so, das ist so, und das wird immer so bleiben.</p>
<p>Nun begegnen einem aber immer wieder Menschen, die von sich behaupten, nicht eitel zu sein. Für solche Menschen ist zum Beispiel der natürlich gewachsene Zehnagel, präsentiert in einer Sandale Modell „Sozialpädagoge“, ein gewisses Statussymbol. Die Körperbehaarung darf ruhig wild sein, an allen Stellen, die Kleidung darf, ja muss jedem Zeitgeist, jeder Mode widersprechen. Solche Menschen haben sich bewusst entschieden, bei all dem Schein nicht mitzumachen und sich ganz dem Sein zuzuwenden. Für Menschen im Anzug, die morgens in ihre schnittigen Wagen springen, um rechtzeitig im Büro die Weltwirtschaft anzukurbeln, haben solche Menschen nur ein müdes Lächeln übrig. Nun könnte man meinen, man findet solche Menschen vorwiegend in Berufen, die in irgendeiner Weise gemeinnützig sind. In der Altenpflege, im Kinderladen. Vielleicht auch bei Organisationen, die sich für die Menschheit engagieren, bei Amnesty oder Greenpeace. Aber genau dort findet man sie nicht. Denn auch bei solcher Arbeit geht es letztlich, so ihre Argumentation, ja nur um die gesellschaftliche Anerkennung. Da tut jemand etwas für den Weltfrieden – Hut ab! Lobender Applaus für solche Menschen. Aber am Ende befriedigt jede gute Tat doch nur wieder die Eitelkeit dieser Weltverbesserer.</p>
<p>Der uneitle Mensch konzentriert sich dagegen ganz auf sein persönliches Glück. Würde jeder genau das tun, wären schließlich alle glücklich, so sein einleuchtendes Konzept. Eitel zu sein bedeutet, dass es einem wichtig ist, was andere denken. Genau davon hat sich der uneitle Mensch verabschiedet, vom Zwang der Gefallsucht. Und damit ist er vollkommen frei, kann tun und lassen, wozu er Lust hat. Merkwürdig ist nur, dass solche uneitlen Menschen sehr gerne davon erzählen, dass sie nicht eitel sind. Warum?</p>
<p>Eigentlich müsste einem uneitlen Menschen doch jedes Gespräch über seine Uneitelkeit unnötig erscheinen. Solche Gespräche bergen sogar eine gewisse Gefahr für diese Menschen. Jemand könnte unterstellen, der uneitle Mensch berichte so gerne davon, weil er ein kleines bisschen stolz auf sich ist. Und das wäre natürlich ziemlich eitel. Zuletzt könnte man dann behaupten, der uneitle Mensch sei eitel in seiner Uneitelkeit. Er würde sich nur aus Eitelkeit uneitel geben. Man sollte sich hüten, uneitlen Menschen so etwas zu unterstellen. Sie reagieren sehr ärgerlich. Aber warum eigentlich? Ärgern kann ich mich doch nur, wenn mich das Gesagte in irgendeiner Weise tangiert. Dem uneitlen Menschen müsste die Meinung der anderen aber doch vollkommen egal sein. Das ist ein echtes Rätsel. Hier stimmt irgendwas nicht.</p>
<p>Ist der erklärtermaßen uneitle Mensch am Ende doch eitel? Will er nur einfach etwas ganz Besonderes sein? Schien ihm der Weg über die Karriereleiter lediglich zu anstrengend und sucht er nun einfach auf anderem Wege Anerkennung? Wir behaupten einfach mal, dass das genauso ist. Der uneitle Mensch ist ein Scharlatan. Denn wie gesagt, jeder Mensch ist eitel, selbst der Dalai Lama.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>frust-spucker</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/frust-spucker/</link>
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		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 22:00:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2009-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Sind nun die Frauen mal wieder evolutionstechnisch drei Schritte weiter als die Männer? Spuckt das starke Geschlecht fleißig in der Gegend herum, um imaginäre Reviere abzustecken...?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Es sind ja eher Jungs und Männer, die gerne mal auf die Straße spucken, und so haben wir bisher gedacht, dass sich zu diesem Phänomen eine Küchenpsychologie eigentlich nicht lohnt.<br />
Denn auf den ersten Blick liegen die Gründe für dieses Verhalten ja auf der Hand, zumal die Spucker meist eher breitbeinig daherstolzierende, Muskelshirt tragende Menschen sind, die sich auch gerne mal in aller Öffentlichkeit ausgiebig in bestimmten tieferen Körperregionen kratzen. Es sind schlicht Männchen, die ihr Revier markieren, so haben wir angenommen, und die Spuckerei auf archaische männliche Grundstrukturen zurückgeführt. Dankbar, dass sie ihr Revier nicht auf eine andere in der Natur übliche Art und Weise markieren. Natürlich, auch hier gibt es Ausnahmen. Aber die meisten Spucker sind nur Spucker und keine Pinkler.</p>
<p>Spucker gibt es allerdings eine ganze Menge. Man begegnet ihnen in Hannover an jeder Straßenecke. Ein selbstbewusst federnder Gang, meistens gerade telefonierend, und immer bereit, den Boden mit ein wenig Speichel zu benetzen. Manchmal auch mit ein wenig mehr Speichel. Und manchmal sogar… aber sparen wir uns lieber diese unappetitlichen Details.</p>
<p>Nun gibt es jedoch sehr viele Menschen, zumeist weiblichen Geschlechts, die sich an der Spuckerei stören. Die diese Angewohnheit absolut widerlich finden, ekelhaft und abstoßend. Und wir bemerken scharfsinnig: Hier stimmt etwas nicht. Wenn es sich bei der Spuckerei um eine archaische Methode zur Markierung des Reviers handeln würde, dann müssten die Frauen der Angelegenheit zumindest neutral gegenüberstehen. Wofür waren diese Reviermarken damals gut? Damit ein fremder Mann wusste: Halt, bis hierher und nicht weiter. Erfüllten sie auch für die Damenwelt einen Zweck? Vielleicht. Zumindest wusste das weibliche Geschlecht damals sehr genau, wo der eigene Mann aufhört und der fremde anfängt. Wie auch immer, als widerlich haben die Frauen die Reviermarken damals sicher nicht empfunden. Schon eher als aufschlussreich.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Sind nun die Frauen mal wieder evolutionstechnisch drei Schritte weiter als die Männer? Spuckt das starke Geschlecht noch immer fleißig in der Gegend herum, um imaginäre Reviere abzustecken, um zu sagen: „Seht her, hier bin ich, hier jage ich”? Während die Frauen schon längst nicht mehr auf breitbeinig daherstolzierende, Muskelshirt tragende und sich im Schritt kratzende Männer stehen? Vielleicht. Vielleicht ist aber auch unsere Theorie von der Markierung des Reviers schlicht falsch. Einen Hinweis auf unseren möglichen Irrtum erhielten wir vor wenigen Tagen, als wir auf einer Seitenstraße in der Nordstadt Augen- und vor allem Ohrenzeuge folgender Situation wurden: Da standen zwei junge Männer beisammen, beide breitbeinig, beide telefonierend. Und dann sagte der eine plötzlich recht laut diesen bemerkenswerten Satz: „Ich spuck auf dich, und die ganze bekackte Welt und auf diese scheiß Stadt!“ Und dann spuckte er gleich mehrmals auf den Gehweg. Könnte es also sein, dass die spuckenden Männer aus Frust die Straßen befeuchten?</p>
<p>Gut möglich, dass wir hier einem Klischee aufsitzen, aber breitbeinig daherstolzierende, Muskelshirt tragende und sich im Schritt kratzende Männer haben zumindest unserer Kenntnis nach oft kein richtiges Glück auf der Karriereleiter gehabt. Häufig hat schon die erste Sprosse nachgegeben, hat es nicht so ganz mit dem Hauptschulabschluss geklappt, war die Lehre nicht das, was man sich vorgestellt hatte, so dass man frühzeitig ausgestiegen ist, waren immer alle irgendwie gegen einen, war das Leben nie gut zu einem, hat man immer Pech gehabt. Kann es sein, dass die spuckenden Männer also vorwiegend in jenen Reihen zu finden sind, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehen, denen Fortuna niemals hold war? Und die einfach spucken, anstatt ihren ganzen Frust, ihre ohnmächtige Wut und Verzweiflung laut herauszuschreien?</p>
<p>Falls das so ist, dann müssen wir alle umdenken und sollten uns von den Spuckern nicht angeekelt abwenden. Dann sollten wir sie an den Händen fassen und ihnen Mut zusprechen. Ihnen sagen, dass immer noch alles gut werden kann, wenn man nur daran glaubt. Und dabei natürlich ein bisschen aufpassen, dass man nichts abkriegt.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>kleider machen leute</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/kleider-machen-leute/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 22:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2009-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Das ist die große Gefahr bei der Wahl des Sexualpartners nach dem Äußeren. Kleidung kann täuschen. Wie gut haben es da die Nudisten. Sie müssen sich auf andere Bewertungsmaßstäbe verlassen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>&#8230;in gewisser Weise auch unter Nudisten</strong></p>
<p style="text-align: left;">Kleider machen Leute, das ist küchenpsychologisches Allgemeinwissen. Und gilt besonders für den weiblichen Blick auf das männliche Geschlecht. Und den männlichen Blick auf das männliche Geschlecht. Und es gilt ganz sicher auch für den weiblichen Blick auf das weibliche Geschlecht. Nicht aber für den männlichen Blick auf das weibliche Geschlecht.</p>
<p style="text-align: left;">Dass Kleider Leute machen, ist quasi Evolution. Das hat sich entwickelt. Und Männer sind ja bekanntlich in der Entwicklung immer ein Stückchen zurück. Unter Männern klappt es schon ganz gut, bei Frauen tun sich die Männer aber noch schwer. Wie gesagt, aus küchenpsychologischer Sicht ist das alles eine ganz einfache Angelegenheit: Irgendwann haben die Menschen sich Uniformen zugelegt, die etwas über die Stellung in der Gesellschaft verraten. Seither beurteilt der Mensch sein Gegenüber auch nach der Kleidung. Heute ist ein Mann im Anzug vermeintlich erfolgreicher als ein anderer im Blaumann. Diese Unterscheidung schaffen auch Männer. Frauen untereinander können an der Kleidung einer anderen Frau sogar ablesen, in welchem Tierkreiszeichen diese Frau geboren ist und was sie gewohnheitsmäßig frühstückt. Wie sie das machen, wird auf immer ihr Geheimnis bleiben. Kein Küchenpsychologe der Welt kann das erklären.</p>
<p>Kleider machen also Leute. Und Frauen bevorzugen erfolgreiche Männer. Ein „Blaumann“ hat es immer schwerer als ein „Anzug“. Und ein „Blaumann“ versucht es auch gar nicht erst, wenn ein „Anzug“ in der Nähe ist. Außer der „Blaumann“ ist inkognito da und trägt ebenfalls einen Anzug. Das ist die große Gefahr bei der Wahl des Sexualpartners nach dem Äußeren. Kleidung kann täuschen. Wie gut haben es da die Nudisten. Sie müssen sich auf andere Bewertungsmaßstäbe verlassen. Dort kann niemand einen gesellschaftlichen Rang vortäuschen. Dort zählen nur der Mensch, die natürliche Hülle und das, was er oder sie sagt. Wobei es für ihn nicht so wichtig ist, was sie sagt. Woher wir das wissen?</p>
<p>Nun, da wir im Stadtkind immer brennend daran interessiert sind, den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen, haben wir den Selbstversuch gewagt. Und da wir für die Wahrheit fast alles tun, waren wir nicht an irgendeinem anonymen Nacktbadestrand, sondern gleich mehrmals in einem echten Club (kein Swinger-Club), wo man sich näher kennen lernt, sich anfreundet.</p>
<p>Zuerst haben wir mal erfahren, dass dort niemand erzählt, was er oder sie sonst im Leben macht. Diese Auskunft würde dem „Alle sind gleich“ widersprechen. Nun könnte man ja denken, ganz einfach, wenn es nur die Haut gibt, dann werden sich da die Schönen mit den Schönen einlassen. Weit gefehlt.</p>
<p>Wir haben Pärchenbildungen beobachtet, die offensichtlich nicht nach diesem Schema funktionierten. Nun könnte man denken, dass die Frauen sich dort für jene Männer interessieren, die im Gespräch kultivierter daherkommen. Ja, das kam vor. Aber wir haben auch beobachtet, dass alleinstehende und recht attraktive Frauen sich gezielt zu Männern setzten, die noch gar nichts gesagt hatten und auch nicht besonders schön aussahen. Irgendetwas musste diesen Frauen verraten, dass der erwählte Gesprächspartner kein „Blaumann“ war, denn unsere Recherchen haben ergeben, dass es sich bei diesen Männern immer um recht erfolgreiche Geschäftsleute handelte. Woher wussten die Frauen das?</p>
<p style="text-align: left;">Der männliche Stadtkind-Tester hatte gleich mehrere Theorien. Sie erkennen es am Gang. Erfolgreiche Männer gehen auch nackt selbstbewusster. Und sie erkennen es an der Gestik. Erfolgreiche Männer gestikulieren mehr und ausladender, weil sie ihre Ideen für groß halten. Und schließlich vermutete er noch, dass erfolgreiche Männer anders sitzen. Aber dafür gab es eigentlich keine sichtbaren Beweise.</p>
<p style="text-align: left;">Der weibliche Stadtkind-Tester schmunzelte nur bei diesen Ideen, wollte aber zuerst nicht mit der Sprache herausrücken, um die Frauen dort nicht zu denunzieren. Denn die Wahrheit ist doch sehr profan: Die Frauen erkennen die „Anzüge“ an der Büro-Blässe. Und die „Blaumänner“ an ihrer Bräune. Letztlich macht also hier die Haut die Leute. Der männliche Stadtkind-Tester geht übrigens immer noch in diesen Club, aber nicht mehr ins Solarium.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>GAH</strong></p>
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		<title>Warum die Jugend so gelassen ist</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/03/warum-die-jugend-so-gelassen-ist/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 19:21:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>annika</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2009-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmt mit unseren nachwachsenden Generationen. Die sind mir alle zu gelassen. Wir stecken mitten in der Finanzkrise, Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze werden ein immer knapperes Gut, zu studieren ist mittlerweile ziemlich teuer und überall wird über die Generation doof diskutiert, über Jugendliche, die in unserer Gesellschaft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmt mit unseren nachwachsenden Generationen.</p>
<p>Die sind mir alle zu gelassen. Wir stecken mitten in der Finanzkrise, Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze werden ein immer knapperes Gut, zu studieren ist mittlerweile ziemlich teuer und überall wird über die Generation doof diskutiert, über Jugendliche, die in unserer Gesellschaft chancenlos sind, weil sie keinen Schulabschluss schaffen. Die Liste der schlechten Nachrichten für unseren Nachwuchs ist endlos. Und doch herrscht unter den Jugendlichen dieser seltsame Optimismus.</p>
<p>Verfolgt man die diversen Fernsehsendungen zu diesem Thema, dann begegnet einem zum Beispiel der Schulverweigerer Thomas, der sagt, dass er eben einfach keine Lust hat. Schule ist halt nicht so sein Ding. Aber auf die Frage, was er später mal werden will, hat er dann doch eine bemerkenswert schnelle Antwort: „Astronaut oder wenigstens Pilot.“ Auf die Frage, wie er dieses große Ziel denn ohne Schulabschluss erreichen will, erntet der bemühte Reporter nur ein müdes Lächeln. Aber der Reporter bleibt hartnäckig und hakt nach. Dann bekommt er seine Antwort: „Das ist ja wohl mein Problem.“</p>
<p>Und Thomas sagt das so, als hätte er noch irgendwo ein Ass im Ärmel. Als gäbe es da einen geheimen Masterplan. Und weil dieser Plan geheim ist, verrät er natürlich keine Details. Es scheint so, als hätten eine ganze Menge Jugendliche diesen geheimen Masterplan. Noch nie habe ich einen Jugendlichen Folgendes sagen hören. „Ich werde meinen Hauptschulabschluss nicht schaffen, werde darum ganz bestimmt keinen Ausbildungsplatz finden und niemals einen Beruf ausüben. Ich habe keine Zukunft.“</p>
<p> Nun könnte man zwar zu bedenken geben, dass Jugendliche so etwas nicht sagen, weil es schwierig ist, so etwas zu sagen, zumal vor laufender Kamera. Dass sie aber sehr wohl ihre Lage einschätzen können. Vielleicht stimmt das bei Einigen. Aber bei den meisten Jugendlichen habe ich nicht diesen Eindruck. Sie gehen davon aus, dass irgendwann alles gut wird. Warum? Was ist los mit dieser Generation? Warum blicken sie derart gelassen in ihre eigentlich fürchterlich düstere Zukunft? Nach reiflicher Überlegung gibt es wohl nur eine plausible Antwort: Daniel Küblböck. Daniel Küblböck hat unserer nachwachsenden Generation alle Sorgen genommen. Wenn es jemand mit diesem Äußeren und diesem Talent schafft, ins Fernsehen zu kommen, und das steht ja für die nachwachsende Generation synonym für Erfolg, dann kann es jeder schaffen. Dann kann man auch ohne Schulabschluss Astronaut werden. Menschen, also auch junge Menschen, definieren sich selbst über den Vergleich mit anderen. Das war schon immer so.</p>
<p>Doch bevor es all diese Sendungen bei den Privaten gab, war die Fernsehwelt eher von echten Persönlichkeiten bevölkert, zu denen man aufschauen musste. Heute ist die Medienwelt bevölkert von Menschen, auf die man herabschauen kann. Da sitzt eine in einer Talkshow, die ihren Hauptschulabschluss nicht geschafft hat. Gut, sagt sich die junge Zuschauerin, geht mir genauso, aber wenigstens bin ich nicht schwanger von meinem Bruder. In der großen weiten Welt des Fernsehens findet sich immer jemand, der noch ein bisschen dümmer und untalentierter ist, als man selbst, und dem es noch ein bisschen bescheidener geht. Und genau darum macht sich die nachwachsende Generation keine Sorgen. Denn jeder kann es trotz allem ins Fernsehen schaffen.</p>
<p> GAH</p>
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		<title>Die Sache mit der Klolektüre</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 20:52:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>annika</dc:creator>
				<category><![CDATA[küchenpsychologie]]></category>
		<category><![CDATA[2009-03]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die lassen sich nur schwerlich erklären. So zum Beispiel die Neigung, auf Toiletten ohne Klolektüre den Wunsch nach Lesestoff unter anderem mit dem Kleingedruckten auf Toilettenpapierverpackungen oder Zahnpastatuben zu befriedigen. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass diese Neigung eher persönlicher Natur sei. Ehrlich gesagt dachte ich bis vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die lassen sich nur schwerlich erklären. So zum Beispiel die Neigung, auf Toiletten ohne Klolektüre den Wunsch nach Lesestoff unter anderem mit dem Kleingedruckten auf Toilettenpapierverpackungen oder Zahnpastatuben zu befriedigen.</p>
<p>Bisher bin ich davon ausgegangen, dass diese Neigung eher persönlicher Natur sei. Ehrlich gesagt dachte ich bis vor wenigen Tagen, dass ich allein betroffen wäre. Dann aber hat mir eine Bekannte von exakt der gleichen Angewohnheit berichtet und das Phänomen als „ihre Marotte“ bezeichnet. Es scheint also noch mehr Betroffene zu geben.</p>
<p>Vielleicht sind sogar sehr viele Menschen betroffen. Vielleicht sind fast alle Menschen dazu verdammt, auf den Toiletten dieser Welt den Chlorreiniger aus der verdreckten Ecke zu kramen, um zu lesen, dass das Mittelchen für den Verzehr gänzlich ungeeignet ist und besonders in Kindermägen verheerende Schäden anrichten kann. Aber warum? Was treibt mich, die Bekannte und vielleicht viele andere dazu, auf einer Toilettenpapierverpackung nachzulesen, dass das Papier außen superweich und innen superfest ist, dass ich mir mit chlorfrei gebleichtem Zellstoff den Hintern wische und dass die Plastikverpackung kein Spielzeug in Kinderhänden ist, weil Erstickungsgefahr droht. Was mich treibt ist natürlich vordergründig, dass nichts anderes zum Lesen da ist. Für manche Menschen scheint die Klolektüre nicht so wichtig zu sein, sonst würden sie ja einen entsprechenden Vorrat an Zeitschriften bereithalten. Für mich selbst ist ein Toilettengang ohne Lektüre dagegen unvorstellbar. Und dann ist man irgendwo zu Besuch, geht auf die Toilette, und es fehlt das Allerwichtigste. Da bleibt ja nur der Griff zur Zahnpastatube, zum Shampoo oder zur Tagescreme. Und wenn all das sich in Schränken verbirgt, lässt es sich nicht ändern, dann wird dort gestöbert, bis die passende Lektüre gefunden ist. Wer nun unterstellt, der Lektüre-Grund sei nur vorgeschoben, um die Schränke in den Badezimmern meines Bekannten- und Freundeskreises auszukundschaften, der irrt. Es geht wirklich nur um die Lektüre. Es geht darum, etwas zu lesen, egal was. Als ich nun meine Bekannte damit konfrontierte, dass sie mit dieser Marotte nicht allein sei, ich selbst an diesem Zwang leide, und mich fragen würde, was für ein Defekt in meinem Kopf wohl dafür verantwortlich sei, hatte sie für mich nur ein müdes Lächeln übrig. „Mir ist einfach langweilig auf dem Klo. Da erledigt man was, das hat man schon zigtausendmal erledigt, also sucht man sich eine Beschäftigung. Ist doch ganz klar“, so ihre Erklärung.</p>
<p>Ich überlegte, ob mich diese Begründung ausreichend befriedigte. Man will ja als Küchenpsychologe den Dingen wirklich auf den Grund gehen, und sich nicht mit Halbwahrheiten begnügen. Ihre Erklärung befriedigte mich nicht. Denn würde es nur um die Langeweile gehen, dann könnte man ja auch einfach ein Lied pfeifen, und zur Abwechslung jedes Mal ein anderes. Sie und ich pfeifen nicht, wir lesen. Hat das vielleicht etwas mit dem Beruf zu tun? Sie ist Schneiderin, ich schreibe. Kann also eigentlich auch nicht sein. Was schade ist, denn das wäre immerhin nahe liegend gewesen. Hätten wir beide beruflich mit der Schreiberei zu tun, wäre der Hang zur zwanghaften Klolektüre sicher auf die eine oder andere Weise erklärbar gewesen. Aber sie näht den ganzen Tag. Und ich lese den ganzen Tag, wenn ich nicht schreibe. Da könnte ich doch zumindest auf der Toilette mal eine Pause gebrauchen.</p>
<p>Nach reiflicher Überlegung bin ich nun zu der Überzeugung gelangt, dass sich unsere „Marotte“ doch auf ein gemeinsames Problem zurückführen lässt. Wir sind beide selbstständig. Das heißt, wir arbeiten oft bis spät in die Nacht. Und dabei beschleicht uns ständig das Gefühl, irgendwas zu verpassen. Die anderen gehen Bier trinken, gucken Fernsehen, lesen Zeitung – wir arbeiten. Und fühlen uns nicht informiert. Dschungelcamp, was ist das? Wir sind umgeben vom medialen Überfluss und fühlen uns trotzdem chronisch unterversorgt. Und deswegen lesen wir noch in jeder freien Minute alles, was uns in die Finger kommt. So einfach ist das. Auch wenn meine Bekannte nun behauptet, dass mein eigentliches Problem wahrscheinlich irgendwelche Drogen seien.</p>
<p>GAH</p>
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