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	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; randgruppenbeleidigung</title>
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		<title>frauen mit kleinen hunden</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jul 2011 13:11:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2011-07]]></category>

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		<description><![CDATA[„Liebe Frau K., wir sagen es jetzt zum letzten Mal: Es tut uns leid, und es war keine Absicht. Wir werden den Schaden auf jeden Fall ersetzen, wobei wir natürlich wissen, dass Geld allein das Vorgefallene nicht ungeschehen machen kann. Und deswegen entschuldigen wir uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich. Unsere Redakteurin hat es wirklich nur gut gemeint...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Liebe Frau K., wir sagen es jetzt zum letzten Mal: Es tut uns leid, und es war keine Absicht. Wir werden den Schaden auf jeden Fall ersetzen, wobei wir natürlich wissen, dass Geld allein das Vorgefallene nicht ungeschehen machen kann. Und deswegen entschuldigen wir uns an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich. Unsere Redakteurin hat es wirklich nur gut gemeint. Sie wollte helfen. Aber damit muss es jetzt auch mal gut sein! Bitte bombardieren Sie uns nicht weiter mit ihren E-Mails. Und falls Sie uns doch noch schreiben müssen, im Rahmen ihrer Trauerarbeit, achten Sie bitte auf ihre Wortwahl. Unsere Redakteurin hat auch Gefühle. Sie zu beschimpfen, sie mit Kraftausdrücken zu belegen, die selbst unserem Chefredakteur in der Redaktionsrunde nicht über die Lippen kommen würden, das geht einfach zu weit. Sie hat es einfach nicht besser gewusst.“</p>
<p>Diese E-Mail stammt aus dem letzten Jahr, doch bis heute schreibt uns Frau K. fast täglich E-Mails samt Kraftausdrücken, obwohl der Schaden längst beglichen ist, und trotz zahlreicher weiterer Entschuldigungs-E-Mails von unserer Seite. Kurz, es ist an der Zeit, Tacheles zu reden. Man kann diese kleinen Viecher eben nicht so leicht von Ratten unterscheiden, zumal wenn sie gerade mal nicht bellen. Außerdem gehören Hunde nicht in Handtaschen, auch wenn sie sehr klein sind. Jedem könnte passieren, was unserer Redakteurin passiert ist.</p>
<p>Man sitzt im Sommer in einem Kaffee, führt ein Interview, denkt an nichts Böses, und plötzlich regt sich etwas in einer Handtasche am Nachbartisch, während die Besitzerin gerade nicht am Platze ist. Natürlich schaut man als verantwortungsvolle Mitbürgerin in solchen Fällen mal genauer hin. Und natürlich schüttelt man das Vieh aus dieser Tasche und rückt dem Schadnager mit dem Schuhwerk zuleibe. Wer kann denn ahnen, dass die Ratte ein Hund ist? Ein Chihuahua, Havaneser, Jack Russell Terrier, Lhasa Apso, Malteser, Pekinese, West Highland White Terrier oder Yorkshire Terrier? Wir wissen es nicht so genau, denn der kleine Racker war danach nicht mehr zu identifizieren und die Dame mit dem Hut hat in ihren E-Mails immer nur von ihrem Liebling gesprochen. Jetzt mal unter uns, Liebe Frau K., einen Liebling sperrt man nicht in eine Handtasche! Und schon gar nicht in eine Handtasche mit der gleichen Farbe. Und dann auch noch mausgrau. Aber wahrscheinlich war diese farbliche Abstimmung ja Programm, und ihr kleiner Liebling nichts weiter als ein Modeaccessoire. Wozu sonst kauft man sich so einen „Hund“? Ein Hund und ist nach unserer Definition ein Tier, dass man aussetzen kann (was man natürlich nicht sollte), weil es nicht gleich verhungert oder sich bei Regen erkältet und an Lungenentzündung stirbt, sondern noch so viel Wolf ist, dass es sich zumindest einige Tage lang über Wasser halten kann.</p>
<p>Sie beschreiben sich in ihren E-Mails als Hundefreundin und bezeichnen unsere Redakteurin als eine Hunde hassende Mörderin. Aber eine echte Hundefreundin würde doch wohl darauf verzichten, Qualzuchten für die Handtasche zu kaufen. Gäbe es nur echte Hundefreundinnen, gäbe es sicherlich keine Qualzuchten mehr.</p>
<p>Und jetzt kommen Sie uns bloß nicht damit, dass Ihr Liebling sich in Ihrer Handtasche immer wohl gefühlt hat. Wären Sie eine echte Hundefreundin, hätten sie ihrem Liebling auch nur ein einziges Mal ins Gesicht geschaut, dann hätten Sie seine Qualen bemerkt. Solche Hunde haben durchaus Verstand. Die können sich sehr gut vorstellen, was die anderen, echten Hunde sich bei ihrem Anblick denken und was hinter ihrem Rücken so erzählt wird. Man muss sich das ähnlich vorstellen, wie im Film „Alien &#8211; Die Wiedergeburt“, als Ripley ihre geklonten und leider ziemlich missglückten Vorgänger entdeckt. Genau so fühlen sich diese kleinen Hunde.</p>
<p>Betrachtet man es von der Seite, hat sich unsere Redakteurin vielleicht sogar vorbildlich verhalten. Nennen wir es doch einfach Gnadentod. Jetzt muss der Kleine seinen Anblick wenigstens nicht mehr in den Schaufensterscheiben ertragen. Immer von der Angst begleitet, dass Sie im Schaufenster eine grüne oder gelbe Handtasche entdecken und ihn beim Hundefriseur entsprechend umgestalten lassen. Also liebe Frau K., lassen Sie es gut sein, sonst knöpfen wir uns in unserer Randgruppenbeleidigung demnächst mal Frauen vor, die keinen Stil haben und dann sind Sie so richtig dran.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>hilfsbereite zaungäste</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 08:55:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2011-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Marathon in Hannover ist schon eine tolle Sache. Ganz ehrlich! All die Läufer, Handbiker und Inliner auf den Straßen, all die jubelnden Menschen. Okay, manchen mag das nicht interessieren, bestimmt gibt es auch ein paar ewig Beleidigte, die der ganze Zauber nervt...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Marathon in Hannover ist schon eine tolle Sache. Ganz ehrlich! All die Läufer, Handbiker und Inliner auf den Straßen, all die jubelnden Menschen. Okay, manchen mag das nicht interessieren, bestimmt gibt es auch ein paar ewig Beleidigte, die der ganze Zauber nervt und die sich beklagen, weil die Straßen gesperrt sind und sie keinen Parkplatz vor der eigenen Haustür gefunden haben. Die nun wieder böse Briefe an die Stadt schreiben, wie sie das immer tun, bei allen Großveranstaltungen in Hannover. Aber ein paar Spielverderber finden sich ja immer.</p>
<p>Nein, der Marathon ist klasse! Allein diese Spannung, wenn man hinter dem Fenster steht, sich die Zähne putzt und auf die ersten Läufer wartet, nach all den Inlinern und Handbikern. Und dann kommen sie endlich um die Ecke, begleitet vom Jubel der Frühaufsteher und Frührausgeher. Eine erste Gruppe (wahrscheinlich Kenianer), schnell unterwegs, dann wieder eine Weile nichts, der Wind treibt eine Papiertüte über die Straße, ein Hund bellt, der Wind treibt weitere Papiertüten über die Straße, dann noch ein Läufer (wahrscheinlich Kenianer), und noch einer (wahrscheinlich Kenianer) und wieder zwei (wahrscheinlich Kenianer). Dann wieder nichts, weitere Papiertüten, ein zweiter Hund bellt, ein Hubschrauber macht Krach, der nächste Läufer (wahrscheinlich Kenianer), und wieder zwei (wahrscheinlich Kenianer). Herrlich! Menschen mit Rasseln tauchen auf, einige haben Kochtöpfe mit und trommeln, ein paar Tröter sind auch unterwegs.</p>
<p>Jetzt aber unter die Dusche. Draußen tobt das Leben! Doch zuerst noch mal ans Fenster. Irgendwann gleich wird wahrscheinlich der erste Nicht-Kenianer vorbeikommen. Spannend! Werden die Zuschauer lauter jubeln? Schnell das Fenster auf. Wenn sie es tun, wäre das ein deutliches Indiz für den unterschwelligen Rassismus, den zahlreiche Studien der deutschen Bevölkerung immer wieder bescheinigen. Für ein bisschen kritische Sozialstudie sollte man sich immer Zeit nehmen. Sie tun es nicht. Jedenfalls nicht auffällig lauter. Erleichterung! Der Sport überwindet alle Gräben zwischen den Menschen. Hier in Hannover, direkt vor der Haustür. Noch einen Kaffee am Fenster und nebenbei ein bisschen Zeitung lesen. Immer mehr Nicht-Kenianer kommen vorbei. Verschwitzt, rot, angestrengt und glücklich, manche mit lustigen Hüten. Und dann der erste Geher. Unglücklich sieht er aus, er humpelt leicht. Der Arme.</p>
<p>Unsere Randgruppe, der hilfsbereite Zaungast, steuert von der anderen Straßenseite auf diesen Geher zu. Er war einer der ersten am Platz, in der einen Hand eine Flasche Bier, in der anderen eine rote Tröte, auf dem Kopf eine Volkswagen-Kappe, unter der Kappe ein rotes Gesicht, denn es ist mittlerweile nicht mehr das erste Bier. Jetzt wird er endlich gebraucht, jetzt wird nicht mehr aus der Ferne jubelnd unterstützt, sondern direkte Hilfe am Mann geleistet. „Lauf!“, schreit er den Geher an. Doch der schüttelt nur niedergeschlagen den Kopf. „Lauf! Gib alles! Komm schon! Du schaffst das!“ Der Geher humpelt weiter, etwas schneller. Offensichtlich ist ihm diese Begegnung recht unangenehm. Doch unser ambitionierter Fan gibt nicht auf. Er stellt die Bierflasche beiseite, hat den Geher mit ein paar Schritten eingeholt und legt ihm nun unterstützend einen Arm um die Schultern, während er mit der anderen seine Tröte in Stellung bringt. Und dann wird getrötet, was das Zeug hält. Und der Geher schreit irgendwas, aber man kann es nicht richtig verstehen, weil die Tröte alles übertönt.</p>
<p>Was schreit er denn? Er schreit und schreit. Sein persönlicher Fan macht eine kurze Pause, um neuen Atem für die Tröte zu schöpfen. „Ich habe mir die Wade gezerrt, du Arschloch!“ Jetzt war es zu verstehen. Doch leider scheint die Information nicht zu unserem Tröter durchgedrungen zu sein. Er trötet enthemmt weiter und immer weiter. Bis der Geher sich losreißt, seinen Verfolger abschüttelt, wieder zum Läufer wird, unter Schmerzen, rettende hundert Meter. „Geht doch!“, schreit ihm der hilfsbereite Zaungast hinterher und kehrt zufrieden zu seiner Flasche Bier zurück, um wieder auf der anderen Straßenseite in Stellung zu gehen. Der nächste Geher kommt bestimmt. Unterstützung wird ihm gewiss sein. Vorausgesetzt ich kann die anderen Zaungäste dort unten gleich nicht von meiner Idee überzeugen, diesen Menschen für eine Weile an der nächsten Bank festzubinden</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>vampirroman-leserinnen</title>
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		<pubDate>Sun, 01 May 2011 10:43:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2011-05]]></category>

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		<description><![CDATA[Bram Stoker würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er lesen müsste, was moderne Bestseller-Autoren inzwischen aus dem von ihm 1897 geschaffenen Monster „Dracula“ gemacht haben. Immerhin konnte man damals die Hauptfiguren noch ernst nehmen...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Komm Liebster, beiß mich! So sind unsere Seelen für immer vereint und unsere Liebe wird auf ewig fortbestehen.“ Daraufhin rammt der junge, gut aussehende, zwanzigjährige Halbstarke seine Zähne in den Hals des Mädchens und bringt das arme junge Ding kaltblütig um. Und das auf eine Art und Weise, die wir im realen Leben als grausam und  verabscheuungswürdig erachten würden. Solche Monster wünschen wir uns auf ewig hinter Gittern, mit lebenslanger Sicherheitsverwahrung. Da treibt einer seine angespitzten Eckzähne mit voller Wucht in die Halsschlagader einer unschuldigen Schönheit und betrinkt sich an ihrem herausquellenden Lebenssaft. Das muss man sich mal vorstellen. Und kurz darauf erwacht das Mädchen wie durch Zauberhand und die beiden Untoten liegen sich küssend in den Armen. Machen wir uns nichts vor, das ist völlig krank. Das alles ist im Grunde genommen eine perverse und widerliche Sauerei. Wenn man so will eine Mischung aus Mordlust und Nekrophilie. Und Millionen von Leserinnen (es soll auch eine Handvoll männliche Leser geben) schmelzen trotzdem vor Ergriffenheit regelrecht dahin. Hallo? Mord und Todschlag, Kannibalismus, Leichenfledderei? Was bitte ist daran romantisch? Zum Glück sind es ja nur Märchen. Total realitätsfremd. Nur hin und wieder tanzt mal einer aus der Reihe und beißt in der Wirklichkeit zu. Dann ist das Geschrei aber groß!</p>
<p>Wenn man nachfragt, dann geht es natürlich nicht um die Realität. Frau möchte einfach abschalten und romantisch unterhalten werden. Dafür müsse Mann ja wohl ein Mindestmaß an Verständnis aufbringen können. Verständnis also. Und wo bitte ist das Verständnis, wenn Mann mal in aller Ruhe das neue Bruce-Willis-Actionspektakel gucken möchte? Dann sitzen die holden Damen nebenan und sagen so Sachen wie „pff, ist das brutal“ oder „Männer müssen immer alles mit Gewalt lösen“ oder „wie unrealistisch“.</p>
<p>Mittlerweile sind romantische Vampir-Romane ja ein alter Hut und zwischendurch hatten wir mal die Hoffnung, dass dieser Hype irgendwann von selbst wieder verschwinden würde. Aber er ist nicht totzukriegen. Auf die todbringenden Sonnenstrahlen, unter denen all diese Bücher endlich zu Staub zerfallen würden, warten wir noch immer vergeblich. Es herrscht weiterhin stockfinstere Nacht auf Deutschlands Bestseller-Listen. Bevölkert mit all den unheimlichen und geheimnisvollen Wesen, den mörderischen Gestalten, die irgendwie anziehend scheinen, obwohl man ihnen lieber nicht in der Dunkelheit begegnen möchte. Völlig verrückt! All das trifft zum Beispiel auch auf Jörg Kachelmann zu, und von dem will sich komischerweise keine Frau mehr die Hauer in den Hals rammen lassen.</p>
<p>Ein Vampir ist im Grunde genommen doch nichts weiter als ein Zombie, mehr oder weniger unsterblich, an frischem Blut interessiert und je nach Verwesungsgrad auch teilweise recht attraktiv. Zombies wollen sie aber nicht. Da könnte man mal einen Schritt aufeinander zugehen, sich auf einen gemeinsamen Fernsehabend einigen, doch Zombies sind nicht erwünscht. Da wird wieder mal völlig irrational mit zweierlei Maß gemessen. So viel zum Thema „Auf die inneren Werte kommt es an“. Sie verzehren sich nach frischen, ausnahmslos jungen und makellosen Zombies. Was alt und verbraucht ist, finden sie ekelhaft.</p>
<p>Bram Stoker würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn er lesen müsste, was moderne Bestseller-Autoren inzwischen aus dem von ihm 1897 geschaffenen Monster „Dracula“ gemacht haben. Immerhin konnte man damals die Hauptfiguren noch ernst nehmen, auch in den Filmen. Klaus Kinski war kein schleimiger Casanova, er verbreitete 1979 in „Nosferatu“ mit seiner Darstellung des Vampir-Fürsten noch so richtig Angst und Schrecken. Auch er würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, wenn er heute all die harmlosen und liebenswerten Vampire ertragen müsste. Vielleicht ist es ein generelles Phänomen unserer Zeit, dass man alles Bedrohliche auf Dauer verharmlost und verniedlicht, dass man das Böse kastriert, dass man dem Stier die Eier abschneidet. Wirklich alles wird verharmlost und verniedlicht. Das beginnt mit der Atomkraft und hört mit der FDP längst nicht auf. Wir sollten endlich einen Pflock durch all diese Bücher treiben. Falls sich einige Leser trotzdem weiter nach der Unsterblichkeit und dem ewigen Leben an der Seite eines Vampirs sehnen: Vielleicht kann ein Biss von Jopi Heesters an dieser Stelle weiterhelfen. Wir gucken bis dahin Bruce Willis. Das ist wenigstens echte zeitlose Unterhaltung!</p>
<p>Fabian Melchert</p>
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		<title>vollzeitpazifisten</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2011/04/vollzeitpazifisten/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 14:44:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2011-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Pazifisten sind ganz grundsätzlich wirklich sympathische Zeitgenossen. Sie lehnen jede Form von Gewaltanwendung ab. Keine bewaffneten Konflikte, kein Krieg, keine Gewalt, ganz egal, was auch passiert. Denn Gewalt produziert immer nur noch mehr Gewalt. Diese Maxime von der Gewaltlosigkeit entbehrt nicht einer gewissen Logik.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pazifisten sind ganz grundsätzlich wirklich sympathische Zeitgenossen. Sie lehnen jede Form von Gewaltanwendung ab. Keine bewaffneten Konflikte, kein Krieg, keine Gewalt, ganz egal, was auch passiert. Denn Gewalt produziert immer nur noch mehr Gewalt. Diese Maxime von der Gewaltlosigkeit entbehrt nicht einer gewissen Logik. Würden sich alle Menschen daran halten, dann könnten wir tatsächlich die Waffen verschrotten und herrlich und in Freuden gemeinsam zusammenleben. Nun ist das aber mit der Gewalt so eine Sache bei den Menschen. Erstens gibt es einfach noch zu viele unter uns, die gerne mal einem anderen ganz direkt den Schädel einschlagen. Und zweitens gibt es Formen von indirekter Gewalt, die gerne vergessen oder verdrängt werden, und damit wird der Pazifismus dann manchmal zu einer ziemlich verlogenen Veranstaltung, zum sturen Vollzeitpazifismus.</p>
<p>Pazifisten haben es nicht leicht, wenn man ihnen mit dem Argument kommt, dass es Situationen gibt, die es notwendig machen, ein Opfer zu verteidigen. Generationen von Kriegsdienstverweigerern können ein Lied von dieser Argumentation singen. Was machst du, wenn du mit deiner Freundin im Wald spazieren gehst, und dann kommt jemand mit einer Axt hinter einem Baum hervor, und will deiner Freundin an den Kragen? Es blieben einem eigentlich immer nur höchst theoretische Gegenreden von einer Welt, in der sich jeder an die Maxime der Gewaltlosigkeit hält und in der nebenbei und vielleicht genau darum alle Menschen glücklich und zufrieden sind, sodass es diesen Menschen mit der Axt gar nicht geben kann. Dann kam immer der Einwand von der Realität und was man denn tun wolle, bis so eine Welt mal existieren würde. Nicht im Wald spazieren gehen, war wohl die häufigste Antwort. Manchmal hat diese Argumentation damals funktioniert, manchmal nicht. Heute kann sie nicht mehr funktionieren, denn inzwischen haben wir uns allesamt in dem Wald verlaufen, und gleichzeitig sind dort all die Axtmörder unterwegs, denen wir die Äxte verkauft haben.<br />
Womit wir bei der indirekten Gewalt wären. Wir üben sie tagtäglich aus. Es ist momentan vollkommen unmöglich, in einer westlichen Demokratie zu leben, ohne Teil (und Auslöser) der Konflikte in der Welt zu sein. Machen wir uns nichts vor, man kann sich zwar alle Mühe geben, aber spätestens, wenn man sein Auto tankt, hat man sich schon beteiligt. Es war und ist ja auch Gaddafis Öl. Unser Konsum, unser Wohlstand, erzeugt in vielen anderen Ländern Armut und füllt einigen Wenigen die Taschen. Es ist eben viel einfacher, einen Diktator reich und stark zu machen, als ein ganzes Volk satt. Das ist kein großes Geheimnis. Wir mögen unsere Nahrung und unser Öl gerne billig und verkaufen gerne unsere Waffen. Deutschland hat seine Rüstungsexporte in den Jahren 2005 bis 2009 im Vergleich zu den Jahren 2000 bis 2004 verdoppelt. Wir hängen einfach mit drin. Wenn nun in der Welt das System aus den Fugen gerät, wenn sich Völker gegen ihre Unterdrücker richten, dann haben wir die Chance, ja sogar die Verpflichtung, wenn nötig auch mit Waffengewalt, unseren Beitrag zu leisten und wenigstens teilweise zu korrigieren, was wir angerichtet haben. Wer das verweigert, der ist kein Pazifist, sondern auf mindestens einem Auge blind, der ist kein Friedensfreund, sondern vielmehr ein Zyniker. Es ist unglaublich einfach, in Deutschland prinzipiell gegen Gewalt zu sein. Im sicheren Wohnzimmer und mit vollem Magen kann man ganz wunderbar für den Frieden eintreten. Quasi mit Sicherheitsabstand. Diskutieren, auf die Ausschöpfung aller diplomatischen Möglichkeiten pochen, weiter diskutieren, vielleicht Sanktionen fordern, aber bitte nicht mit Gewalt eingreifen. Als Vollzeitpazifist ist man ja moralisch immer auf der vermeintlich richtigen Seite. Das macht schon Spaß. Doch ein winzig kleiner Schuss Realismus sollte bei all dem dann doch dabei sein, oder nicht? Wenn die eine Seite nicht zuhört, nicht diskutiert, sondern einfach weiter auf den Schwächeren einschlägt, dann muss man irgendwann dem Stärkeren in den Arm greifen, ehe es den Schwächeren nicht mehr gibt. Dann muss man bereit sein, den moralischen Elfenbeinturm zu verlassen, der ohnehin jede Menge Kratzer hat. Dass es in der Welt gerade an vielen Stellen brennt, daran sind wir, wie gesagt, nicht ganz unschuldig. Wir haben jahrelang Holz aufs Feuer geworfen. Pazifismus sollte an genau diesem Punkt einsetzen, bei der Frage, wie wir es jetzt und in Zukunft hinbekommen, nicht mehr mit drinzuhängen. Wo bleibt der Ruf der Friedensbewegung, über unseren Konsum nachzudenken, über unsere Verwicklungen in der Welt, unseren Anteil am Desaster? Das wäre gelebter, ehrlicher Pazifismus. Sich abzuwenden, wenn es bereits lichterloh brennt, ist dagegen ausgesprochen gewalttätig, sturer Vollzeitpazifismus und ganz schlicht unterlassene Hilfeleistung. Es bleibt richtig, für den Frieden einzutreten, es bleibt richtig, Kriege unter allen Umständen zu vermeiden. Aber es gibt Situationen, da bleibt uns gerade offensichtlich einfach keine Wahl, da bleibt nur die letzte Option, beispielsweise wenn es darum geht, ein Volk gegen seinen durchgedrehten Diktator zu schützen. Genau dann muss der Pazifismus einen Moment lang Pause machen. Genau dann muss der Vollzeitpazifist für einen Augenblick zum Realisten werden.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>grabscher</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 15:25:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2011-03]]></category>

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		<description><![CDATA[Der wohl prominenteste Vertreter der Randgruppe der Grabscher ist gerade aus traurigem Anlass zurückgetreten. Thomas Gottschalk hat bei „Wetten, dass…!“ seinen Hut genommen, nach dem Unfall von Samuel Koch.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der wohl prominenteste Vertreter der Randgruppe der Grabscher ist gerade aus traurigem Anlass zurückgetreten. Thomas Gottschalk hat bei „Wetten, dass…!“ seinen Hut genommen,  nach dem Unfall von Samuel Koch. Ein großer und weiser Schritt des Moderators, der Anerkennung verdient. Doch was wird nun aus all den Grabschern, denen Gottschalk jahrelang eine stete Inspiration war? Er war der König der Grabscher. Er hat das Grabschen in Deutschland erst zu dem gemacht, was es heute ist, er hat die Grabscherei salonfähig gemacht. Nur ganz entfernt erinnern wir uns noch an jene Zeiten, als der Berührung anderer Menschen, soweit nicht gewünscht, der Geruch der sexuellen Belästigung anhaftete. Distanzlos, ja sexistisch nannte man damals Menschen, größtenteils Herren, die gerne mal Hand anlegten. Heute und zuallererst durch Thomas Gottschalk gilt die Grabscherei dagegen eher als freundliche Geste. Das ist ein Verdienst dieses größten aller Moderatoren, von dem augenblicklich kaum jemand spricht. Er hat es uns allen gezeigt, Grabschen ist kein Problem, wenn man dabei nur freundlich lächelt und während der Grabscherei die Notwendigkeit der Berührung unaufhörlich plaudernd begründet. Ein T-Shirt, das nicht richtig sitzt, ein imaginärer Fleck, ein besonders roter Nagellack auf einem Zehnagel, der natürlich genauer begutachtet werden musste, Gottschalk war eigentlich alles recht, um „mal anzufassen“. Natürlich hatte er bei all dem nie, wirklich niemals Hintergedanken. All das waren immer nur väterliche (bei eher jungen weiblichen Gästen) oder freundschaftliche (bei eher älteren weiblichen Gästen) Annäherungen. Letztlich vielleicht auch nur, um seinen Gästen die Nervosität zu nehmen, um ihnen auch körperlich zu zeigen: Ich bin in eurer Nähe, euch kann nichts passieren. Schade eigentlich, dass er die Männer nie so uneigennützig unterstützt hat. Einer ganzen Gemeinde von Grabschern hat Gottschalk mit all dem Rückhalt gegeben. Wenn der damit durchkommt, junge Dinger anzugrabschen, während ihm dabei so ca. 12 Millionen Menschen zusehen, ohne ihm das wirklich krumm zu nehmen, dann könnte man ja auch mal der Praktikantin freundschaftlich den Arm um die Schulter legen. Warum eigentlich nicht? Man muss ihr dabei ja nur erzählen, dass es bei dieser Berührung genau wie bei Gottschalk nicht um Sexuelles geht, sondern um Freundschaft. Du, liebe Praktikantin, bist nett und fleißig, das verdient Anerkennung, und ich zeige dir jetzt meine Sympathie, indem ich den Fussel auf deinem T-Shirt nicht nur bemerke, sondern auch aktiv an seiner Beseitigung mitwirke. Also keine Sorge, ich denke später in meinem Kämmerlein nicht heimlich an deine Brustwarze, die ich dabei zufällig streife. Ehrlich nicht. Ich bin ein Mann, natürlich, aber ich bin selbstverständlich nicht so ein Mann. Grabscherei ist ja vornehmlich Männersache, Frauen grabschen eher seltener, und wir behaupten mal, meistens geht es dann wirklich nur um einen Fussel. Grabscherei ist oft nicht nur Männersache, sondern sogar Chefsache. Denn als Chef fällt die Rechtfertigung natürlich noch leichter. Hör mal, ich bin 52, und es gibt ja wohl keinen Zweifel daran, dass jemand in meinem Alter und meiner Position es nicht nötig hat, später im Kämmerlein an die Brustwarze einer 22-Jährigen zu denken, also ist meine Grabscherei eine rein freundschaftliche Geste – und deswegen streichle ich dir jetzt auch gleich noch freundschaftlich über deinen kleinen Knackarsch. Hör mal, ich bin der bekannteste deutsche TV-Moderator und deswegen gibt es ja wohl keinen Zweifel daran, dass ich einfach nur wirklich total nett bin, ganz ohne Hintergedanken, und deswegen muss ich jetzt einfach mal prüfen, ob dein Kleid hinten richtig sitzt. Das klingt doch ganz ähnlich. Doch nun ist das schöne Leben für die Grabscher wohl vorbei, Gottschalk wird sich in die rein private Grabscherei zurückziehen und überlässt all die sabbernden Fummler mit der Schulmädchen-Pornosammlung auf dem PC ihrem Schicksal.</p>
<p>Das ist nicht schön für die Gemeinde der Grabscher, das ist eher der Super-GAU. Am Ende wird die Praktikantin mit den niedlichen Zöpfen und dem kurzen Sommerröckchen demnächst alles total missverstehen. Wo man doch nur mal fühlen wollte, ob sie an den nackten Beinchen nicht friert, die arme Kleine…</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>netzwerker</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2011/02/netzwerker/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 15:32:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2011-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Netzwerken, das ist ja schon seit Jahren angeblich die große Geheimwaffe in Sachen geschäftlicher Erfolg.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Netzwerken, das ist ja schon seit Jahren angeblich die große Geheimwaffe in Sachen geschäftlicher Erfolg. Genau aus diesem Grund gibt es die zahlreichen Netzwerke im Internet und die verschiedensten Vereinigungen in der handfesten, wirklichen Welt, in denen sich „Entscheider“ auch in Hannover versammeln, um sich persönlich kennenzulernen und im Idealfall Geschäfte miteinander zu verabreden. Man trifft sich irgendwo, isst gutes Essen, trinkt, aber bitte nicht zu viel, ist gemeinsam unglaublich wichtig, und drückt sich am Ende gegenseitig Visitenkarten in die Hand. Willkommen in der Welt der Netzwerker.</p>
<p>Dabei hat die ganze Geschichte einen großen Haken und der ergibt sich eigentlich aus der Logik des Kapitalismus. Wer geschäftlich erfolgreich ist, ein gutes Produkt herstellt, eine sinnvolle Dienstleistung anbietet, der muss sich um potenzielle Kunden keine Sorgen machen, denn die kommen von ganz allein. Wer allerdings nicht viel zu bieten hat, so mittelmäßig vor sich hin dümpelt, mehr schlecht als recht die Chose am Laufen hält, der ist (ohne dass wir unserem Stadtkind-Chef zu nahe treten wollen) auf Netzwerke angewiesen, damit sich überhaupt mal wieder jemand für sein Unternehmen interessiert.</p>
<p>Und damit sind Netzwerktreffen im Grunde Versammlungen der unternehmerischen Unterschicht, ein Treffen der Rohrkrepierer. Es wird höchste Zeit, endlich mit dem Märchen von der erfolgreichen Netzwerkerei aufzuräumen, auch um weiteren wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden. Es soll nämlich vorgekommen sein in den letzten Jahren, dass sich hin und wieder auch erfolgreiche Unternehmer unter das Volk der Netzwerker gemischt haben, weil sie dachten, dass an der Sache vielleicht was dran wäre, und mit diesen Treffen dann so viel Zeit vertrödelt haben, dass das Kerngeschäft gelitten hat.</p>
<p>Damit muss jetzt Schluss sein! Ihr lieben erfolgreichen Unternehmer, geht nicht zu diesen Treffen! Es ist pure Zeitverschwendung! Noch nie hat eine Verbindung aus dieser Netzwerkerei einem Unternehmen entscheidende Vorteile gebracht. Was klar ist. Wenn Mittelmaß miteinander Geschäfte macht, dann sind die Erträge natürlich auch nur mittelmäßig. Es muss in Deutschland sehr viele Rohrkrepierer geben, denn die Netzwerktreffen sind noch immer gut besucht. Wir können an dieser Stelle nur davor warnen. Man kann das machen, so als Sozialstudie, aber nicht aus geschäftlichen Erwägungen.</p>
<p>So eine Studie würde dann ein paar desillusionierende Erkenntnisse bringen: Je lauter der Auftritt des Geschäftsmannes, desto schlechter die Bilanz. Je teurer die Garderobe, desto größer das Minus auf dem Konto. Je protziger der Wagen vor der Tür, desto kleiner das Portemonnaie in der Tasche. Man kann es sich wirklich sparen. Das sind alles Blender. Das sind keine Geschäftsmänner, das sind alles Geschäftsmäuse. Oder es sind selbstständige Versicherungsvertreter mit dem vorbereiteten Vertrag in der Tasche. Wem man da so gegenübersteht, das weiß man ja erst, wenn man irgendwann die Visitenkarte in der Hand hat. Und dann ist es meistens zu spät, dann hat man schon seine Zeit verschwendet.</p>
<p>Wie soll man denn auf so einem Netzwerktreffen überhaupt genau jene Menschen treffen, die man eigentlich treffen möchte und sollte? Gut, man könnte vorher die Gästeliste googeln und sich die Gesichter einprägen, aber wer hat dazu schon Zeit? Eben! Erfolglose Unternehmer und selbstständige Versicherungsvertreter. Alle anderen sind mit ihren vollen Auftragsbüchern beschäftigt. Es gibt übrigens neben der Wichtigtuerei noch ein anderes Merkmal, an dem man die Fast-Insolventen erkennt. Sie haben die größten Visitenkartenstapel dabei und drücken einfach jedem eine Karte in die Hand, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Fazit: Netzwerktreffen sind nur was für verzweifelte Unternehmer-Zwerge. Aber gut, sollen sie dort ihre „Geschäfte“ machen, wenn es hilft, die Pleite noch mal für ein Jahr abzuwenden, soll es uns recht sein. Wer es partout nicht lassen kann, der sollte hingehen, aber dann aus Gründen der Zeitersparnis ganz schnell alle Visitenkarten einsammeln und wieder verschwinden. Das reicht. Bitte keine langen Gespräche mit selbstständigen Versicherungsvertretern.</p>
<p>Im Grunde braucht es überhaupt keine Netzwerktreffen. Man könnte auch einfach in jeder Stadt einen Briefkasten aufstellen, in den die Bedürftigen und Notleidenden ihre Visitenkartenstapel einwerfen. Und irgendjemand schickt dann jeweils einen Stapel an all die Adressen. Moment, das könnte eine Geschäftsidee sein. Vielleicht sollte ich unserem Chef davon erzählen. Aber der hat ja gerade wieder einen wichtigen „Geschäftstermin“.  <strong>GAH</strong></p>
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		<title>hyperaktive</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 14:42:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2011-01]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt beleidigen wir sogar schon Kranke. Ja, wir geben es zu. Wir haben ehrlich alles versucht, damit es gar nicht erst dazu kommt, haben uns eingeredet, dass es auch so geht, dass wir das irgendwie anders hinkriegen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt beleidigen wir sogar schon Kranke. Ja, wir geben es zu. Wir haben ehrlich alles versucht, damit es gar nicht erst dazu kommt, haben uns eingeredet, dass es auch so geht, dass wir das irgendwie anders hinkriegen. Hat leider alles nichts geholfen. Unsere Gedanken haben sich immer wieder und ausschließlich um das Eine gedreht. Wie ein Schmutzgeier um das Aas sind sie drumherum geflogen. Wie ein, nennen wir es mal, Zwang. Das trifft es sogar ziemlich genau. Uns waren förmlich die Hände gebunden. Natürlich nur im wörtlichen Sinne. Niemand hat uns zu etwas gezwungen, hat uns Fesseln angelegt. Zumindest nicht in diesem Fall. Trotzdem konnten wir gar nicht anders. Es hat uns magisch angezogen. Wir können hier ruhig von Trieben sprechen. Es kann ja nur an den Trieben liegen. Ein übermächtiges Gefühl, ein gefährlicher Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Und wenn man dann so unter Druck steht wie wir, so unglaublich unter Druck, wenn man weiß, dass jetzt was passieren muss, bevor es total in die Hose geht, dann gibt man sich letztlich den Trieben hin. Das soll gar keine Entschuldigung sein, so einfach geht das natürlich nicht. Und wir können natürlich auch verstehen, wenn der ein oder andere sich verletzt fühlt. Wut, Enttäuschung, die ganze Palette, das bleibt uns wohl leider nicht erspart. Überhaupt ist&#8217;s mit Sparen schwierig. Das kostet alles ein Schweinegeld. Wenn man das regelmäßig macht, oder bleiben wir mal bei machen muss, dann läppert sich das aber gewaltig. Normal ist das alles sicherlich nicht. Wobei sich auch die Frage stellt, wo da genau die Grenzen liegen zwischen normal und abnormal. Das muss man sich ja bei allem fragen. Die Hyperaktiven, um die es hier geht, sind jedenfalls definitiv nicht normal. Das würde jede Krankenkasse, jede Private Krankenversicherung ohne weiteres unterschreiben. Natürlich nur, solange die Unterschrift nicht die Kostenübernahme besiegelt. So einfach geht das dann wieder nicht. Bezahlt werden kann ja tatsächlich nur das, was medizinisch notwendig ist. Das Problem, das unsere Hyperaktiven haben, hat sicher auch mit Not zu tun. Aber ob es auch eine Krankheit ist, da scheiden sich noch die Geister. Böse Zungen behaupten ja, es sei nur eine billige Ausrede. Wir glauben das, unter uns gesagt, auch. Alles nur eine plumpe Lüge. Jetzt bezichtigen wir „Kranke“ sogar schon als Lügner. Ja, wir geben es zu. Wir haben ehrlich alles versucht, damit es gar nicht erst dazu kommt&#8230; Aber der Druck, der leidige Druck! Irgendwie muss man die Not schließlich lindern, muss zwanghaft all die Löcher stopfen. Man rutscht da irgendwie so rein, versucht, das Beste daraus zu machen, zu einem gewissen Punkt zu kommen, der allen Beteiligten unterm Strich Befriedigung verschafft, in erster Linie natürlich einem selbst. Bei den Hyperaktiven ist das auch so. Im Grunde sind das egoistische Schweine, wie wir alle hin und wieder. Nur dass sie noch größere Schweine sind. Aber so etwas, so einen dreisten Vorwurf, ließen sie niemals auf sich sitzen. Sie können schließlich gar nichts dafür. Sie machen das ja nicht aus Jux und Tollerei, auch wenn das vielleicht so aussehen mag. Und dann werden sie wieder mit dem Krankheitsbegriff wedeln, „Hypersexualität“, werden sie sagen, „ist eine Störung, keine Neigung“. Und damit ist es für sie getan, für all die Hypersexuellen. Wir haben sie Hyperaktive genannt, um nicht schon im Titel zum Punkt zu kommen. Wenn man so früh zum Höhepunkt kommt, geht definitiv noch was in die Hose. Wie dem auch sei, man könnte statt Hypersexualität auch Nymphomanie oder Sexsucht sagen. Die bittere Not hat viele Namen, sie hat sogar Gesichter dazu. Prominente Gesichter sind auch darunter: Michael Douglas, David Duchovny, Britney Spears oder Jesse James, um nur einige zu nennen. Wie um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, mischt jetzt auch noch Schwedens König mit. Und es kommt noch ein dickeres Krönchen drauf: Königin Silvia ist drauf und dran, die Eskapaden zu verzeihen. Unter welchem Druck SIE in der Hinsicht steht, wissen wir bislang noch nicht. Andererseits interessiert&#8217;s uns auch nicht. Wir haben ja unseren eigenen Druck. Und die Seite ist endlich voll. Also kommen wir jetzt mal zum letzten Punkt.</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
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		<title>schein-workaholics</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Dec 2010 11:56:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-12]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei uns ist der Begriff „Workaholic“ allerdings nicht tödlich, sondern eher positiv belegt. Man hat Hochachtung für Menschen, die viel arbeiten, Workaholics gelten als Motor unserer Wirtschaft, als Schmieröl des Kapitalismus. Wenn jemand als Workaholic bezeichnet wird, dann ist das meistens als Kompliment gemeint.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Arbeitssucht ist eine Krankheit. Häufig trifft es Selbstständige oder Menschen in Führungspositionen. Das fängt immer schleichend an, meistens nimmt die Arbeit den Workaholic mehr und mehr ein, Familie, Freizeit und Freunde treten entsprechend in den Hintergrund. Aber das ist natürlich nur der Anfang. Wäre es alleine das, dann hätten recht viele Menschen ein Problem. Phase zwei ist die der Erklärungsnot. Warum kommt Papa am Sonntag nicht mehr mit in den Zoo, warum fehlt er beim Doppelkopfabend? Natürlich weil immer ganz viel Arbeit im Büro wartet, die keinen Aufschub duldet. Weil sonst die Welt, oder zumindest die Firma, untergehen würde. In der dritten Phase wird’s dann chronisch. Der Arbeitssüchtige reißt immer mehr Arbeit an sich, er delegiert nicht mehr, er will alles alleine machen, weil nur die eigene Arbeit seinen Ansprüchen genügt. In dieser Phase hat das Privatleben praktisch keine Bedeutung mehr. Und dann folgt die finale Phase, wenn plötzlich gar nichts mehr geht, wenn die Leistungsfähigkeit auf Null abschmiert, wenn der Arbeitssüchtige einfach nicht mehr kann. Oder wenn Herzinfarkt oder Schlaganfall der Arbeit ein jähes Ende setzen. Arbeitssucht ist eine oftmals tödliche Krankheit. Sie ist wirklich eine Krankheit. In Japan hat man für den Tod durch Arbeit sogar schon einen Namen. Karoshi heißt dort diese Todesart. Bei uns ist der Begriff „Workaholic“ allerdings nicht tödlich, sondern eher positiv belegt. Man hat Hochachtung für Menschen, die viel arbeiten, Workaholics gelten als Motor unserer Wirtschaft, als Schmieröl des Kapitalismus. Wenn jemand als Workaholic bezeichnet wird, dann ist das meistens als Kompliment gemeint.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und genau darum gibt es bei uns in Deutschland die Schein-Workaholics. Schein-Workaholics sind Menschen, die nicht gerne mit ihren Kindern in den Zoo gehen und beim Doppelkopf sowieso immer verlieren. Okay, das ist jetzt ein bisschen einfach. Schein-Workaholics haben auch meistens noch gar keine Kinder und spielen allenfalls Golf oder würden gerne Golf spielen, aber nicht Doppelkopf. Schein-Workaholics sind allerdings nicht nur jung, wir wollen hier kein falsches Bild vermitteln. Man trifft sie in allen Generationen. Aber man trifft sie doch vermehrt in den jüngeren Generationen. Schein-Workaholics haben eigentlich immer ein Handy am Ohr, sie sitzen manchmal bis spät nachts in irgendwelchen Kneipen vor ihrem MacBook, sie sind ungeheuer wichtig, immer unterwegs, treffen sich ständig mit „Geschäftspartnern“ und gehen gemeinsam Essen, sie reden nur über ihre Arbeit und die dicken Fische, die sie ständig an Land ziehen, sie fahren meistens eine richtig fette Kiste, wobei für den Leasing-Vertrag fast das gesamte Einkommen drauf geht, sie wohnen deswegen auch häufig in kleinen und günstigen Ein-Zimmer-Wohnungen oder bei Mama, weil das ja niemand sieht und auch nicht so wichtig ist, weil sie ja eigentlich sowieso im Büro wohnen, das wiederum gerne in bester Lage untergebracht ist, und natürlich sind Schein-Workaholics deswegen chronisch mit der Miete im Rückstand. Ach ja, Schein-Workaholics sind fast immer männlich, aber das hätte man sich auch denken können, oder? Wie auch immer, der gemeine Schein-Workaholic ist real eine völlige Niete und kostet die deutsche Wirtschaft im Jahr sicherlich mehrere Milliarden Euro. Zum einen, weil er notorisch über seine Verhältnisse lebt (siehe Büro in bester Lage) und vielen Menschen Geld schuldig bleibt, zum anderen, und das ist weitaus schlimmer, weil er vielen Geschäftsleuten die Zeit stiehlt. Denn er redet am liebsten lang und breit über seine neuen Projekte und verbreitet dabei derart viel heiße Luft, dass die Fester beschlagen. Schein-Workaholics sind unglaubliche Show-Talente, begnadete Blender. Man merkt deshalb meistens viel zu spät, dass man auf einen Schein-Workaholic hereingefallen ist. Kluge Geschäftsleute sollten also künftig genau auf die Scheiben achten. Beschlagen die Scheiben, sollte man einfach gehen.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>laiendarsteller</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/11/laiendarsteller/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Nov 2010 11:46:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-11]]></category>

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		<description><![CDATA[Sind die alle irre, sich für so einen Scheiß herzugeben? Wollen die alle entdeckt werden? Vielleicht geht es dabei noch um etwas anderes, und das wäre ein Hoffnungsschimmer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt eine Randgruppe, die sich exponentiell vergrößert wie keine zweite. Angefangen hat alles schon vor langer Zeit mit „Richter Alexander Hold“ oder „Richterin Barbara Salesch“, oder „Das Familiengericht“, auf jeden Fall mit Gerichtsshows – der Ausgangspunkt allen Übels. Laiendarsteller haben sich inzwischen ausgebreitet wie die Pest im Mittelalter, sie bevölkern heute die deutsche Fernsehlandschaft in unzähligen sogenannten „Scripted-Reality-Formaten“. Sie sind keine Profis, deshalb heißen sie Laien, was auch unschwer zu erkennen ist. Sie sind meist völlig talentfrei, „unterhalten“ mit überdramatischem Geschrei oder sagen einfach monoton ihren Text auf. Sie erzwingen den Griff zur Fernbedienung, man will dem Leid entgehen, aber man kann nicht, denn auch auf allen anderen Kanälen treiben sie ihr Unwesen. Es sind einfach zu viele, sie sind überall, man kann ihnen nicht mehr aus dem Weg gehen.</p>
<p>Längst haben diese Laiendarsteller ihren Wirkungskreis erweitert, sie sind nicht mehr nur Vergewaltiger und Raubmörder in Gerichtsshows, sie finden nun auch in Fernsehformaten wie „Mitten im Leben&#8221;, „Verdachtsfälle“ oder „Familie im Brennpunkt&#8221; eine Plattform für&#8230; Ja, für was eigentlich? Was motiviert Menschen, ihr Gesicht für einen schlagenden Familienvater oder eine drogensüchtige Schülerin in Pseudo-Dokus herzugeben? Ist es die Überzeugung, es schauspielerisch so richtig drauf zu haben? Ist es gar die Hoffnung, „entdeckt“ zu werden und eine ganz große Karriere zu starten? Endlich raus aus Berlin-Marzahn und Hartz IV!</p>
<p>Bei der Recherche zu diesen Fragen stießen wir auf unzählige Internet-Foren, in denen darüber diskutiert wurde, wie man an eine dieser heiß begehrten Rollen kommen könne. Daneben viel Anerkennung für die, die es schon geschafft haben. Das Interesse scheint riesig zu sein. Anscheinend ist für viele Menschen der Ausflug in die Fernsehwelt das größte Glück auf Erden. Was sie dort absondern, sieht dann wie folgt aus (entnommen aus „Verdachtsfälle“):</p>
<p>Susi und Danni stehen sich in einem Wohnzimmer gegenüber, Danni schreit wild gestikulierend: „Susi, erzähl keinen Scheiß! (Pause) Sag mir einfach&#8230; ähm&#8230; die Wahrheit! (Pause) Sieh doch mal der Realität in den Augen! Jetzt sind wir zwei ganz alleine hier, du kannst alles sagen! Ist Andreas der Vater von Jonas?&#8221; Nächste Szene: Danni verlässt das Haus und sagt dabei „Ich bin wirklich stinkwütend, ich will endlich wissen, wer der Vater von Jonas ist!&#8221; zum Fernsehteam. Kommentiert wird das Ganze anschließend aus dem OFF: „Danni ist wütend. Sie weiß immer noch nicht, wer der Vater von Jonas ist.&#8221; Nächste Szene: Danni sitzt auf einem Sofa, anscheinend Wochen später, aber im gleichen Outfit, und reflektiert die vorangegangene Szene leicht lächelnd: „Ich war wirklich stinkwütend, denn ich wusste immer noch nicht, wer der Vater von Jonas ist.&#8221; Darunter ein Statement eingeblendet: Danni (31): „Ich will wissen, wer der Vater von Jonas ist!&#8221;</p>
<p>Eines muss man diesen Formaten zumindest lassen: Die verantwortlichen Redakteure wissen, wie man die Sendezeit füllt und wirklich jedem Zuschauer die Möglichkeit bietet, inhaltlich folgen zu können. Aber um die Redakteure dieser Pseudo-Dokus geht es hier ja nun nicht, die bräuchten eine extra Beleidigung, also wieder zurück zu den Laiendarstellern.</p>
<p>Sind die alle irre, sich für so einen Scheiß herzugeben? Wollen die alle entdeckt werden? Vielleicht geht es dabei noch um etwas anderes, und das wäre ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht wollen sie gar keine Schauspieler werden, sondern einfach nur ein bisschen Spaß haben. Ist ja bestimmt ganz nett am Set. Doch diese Hoffnung zerschlägt sich spätestens bei der Recherche im Internet. Um Spaß geht es nicht, eher um einen Wettbewerb. Es wimmelt nur so von selbsternannten Schauspielern, die auf ihren Homepages stolz bereits gespielte Rollen vorstellen: Briefträger bei „Unter uns&#8221;, Familienvater bei „mieten, kaufen, wohnen&#8221;, Zeuge bei „Barbara Salesch&#8221;&#8230; Es läppert sich. Sie alle wollen Schauspieler werden! Und meinen, dass jede Rolle zählt. Quantität statt Qualität, Masse statt Klasse. Jetzt kann man natürlich sagen, aller Anfang ist schwer. Wer mal ein richtiger Schauspieler werden will, sollte mitnehmen, was kommt! So wie damals Sascha Hehn. Man darf eben nicht wählerisch sein, Kleinvieh macht auch Mist! Aber kann das denn die Entschuldigung für alles sein? Manche haben bereits derart viele Rollen angesammelt, dass kaum Platz für einen regulären Beruf bleiben dürfte. Hauptberuflich Laiendarsteller, auch eine Variante. Professioneller Laie sozusagen. Da ist anscheinend ein ganz neuer Berufszweig entstanden. Ist das lukrativ? Gerüchten zufolge gibt es, wenn sich ein Möchtegern-Schauspieler bei den „Schulermittlern“ so richtig zum Horst macht, immerhin 20 Euro Entschädigung – leider nur für den Laiendarsteller. Hört endlich auf damit! Geht arbeiten! Lest Bücher!</p>
<p><strong>Janina Schendel</strong></p>
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		<title>absolute vollidioten</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 22:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-10]]></category>

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		<description><![CDATA[Offensichtlich haben die TV-Sender eine ganz spezielle Zielgruppe im Blick. Gesucht werden absolute Vollidioten, die bei der Einblendung der Fragen aus dem Wohnzimmersessel springen und...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt eine Randgruppe in Deutschland, die muss unglaublich groß sein, aber es ist äußerst schwer, jemanden zu finden, der sich freiwillig zu ihr bekennt. Nein, die Rede ist nicht von den Menschen, die für die Quote bei Hansi Hinterseer verantwortlich sind. Und wir meinen auch nicht die knapp 15 Prozent, die bei der letzten Bundestagswahl die FDP gewählt haben. Wir fragen uns, wer bei diesen TV-Telefon-Gewinnspielen mitmacht.</p>
<p>Kaum eine Live-Show im Fernsehen kommt heute noch ohne diese Gewinnspiele aus. Kurz vor der Werbepause geht es zur Sache. Oder gleich durchgängig, wie beim Quiz-Sender 9Live, der mit den Anrufern Millionenumsätze macht. Mit etwa 50 Cent ist man dabei. Und dabei sind viele. Manche Shows finanzieren sich zu einem Großteil allein aus diesen Anrufen. Aber wer macht da mit? Wer greift im gemütlichen Wohnzimmer abends zum Telefonhörer und löst all die unglaublich schwierigen Fragen?</p>
<p>Wer bringt am 24. Dezember die Geschenke, der Weihnachtsmann oder der Osterhase? Wer ermordete im Jahr 1888 in London vermutlich fünf Frauen, Jack the Ripper oder Jack London? Wie heißt der Ort eines Verbrechens, Tatort oder Tatsache? Wer erdachte die Relativitätstheorie, Abert Einstein oder Angela Merkel? Was bekommt man beim Bäcker, Brötchen oder Schallplatten? Welchen Beruf hat Claudia Schiffer, Modell oder Kapitän? Wer ist so dämlich, bei einem TV-Gewinnspiel mitzumachen, ich oder du?</p>
<p>Diese Fragen bringen uns auf eine erste Spur. Offensichtlich haben die TV-Sender eine ganz spezielle Zielgruppe im Blick. Gesucht werden absolute Vollidioten, die bei der Einblendung der Fragen aus dem Wohnzimmersessel springen und „Das weiß doch jedes Kind!“ schreien. Die gleich mehrmals anrufen, weil „Verdammt noch mal!“ ständig besetzt ist, sie immer nur in der Warteschleife landen oder ein Anrufbeantworter dran ist. Gesucht werden Menschen völlig ohne IQ. Wir haben an dieser Stelle zuerst über Vergleiche zum Tierreich nachgedacht, aber wir wollen hier ja keine Tiere beleidigen. Nein, uns geht es um die Menschen, um jene Zigtausend, die mit ihren Anrufen nicht nur dem eigenen Portemonnaie schaden, sondern ganz nebenbei auch dafür sorgen, dass die TV-Sender weiter ihren Mist produzieren können. Was sind das für Leute?</p>
<p>Es ist ein absolutes Rätsel. Klar, da gibt es zuerst all jene, die bei den diversen Deutschland-sucht-Formaten für ihren Kandidaten voten und eher nebenbei an den Gewinnspielen teilnehmen. Auch darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein, aber bei solchen Anrufen gibt es wenigstens noch einen anderen Grund, als die vage Hoffnung, Geld oder irgendeinen Flachbildschirm zu gewinnen. Was aber ist mit dem Rest?</p>
<p>Inzwischen weiß doch nun wirklich jeder, dass man besser Lotto spielen kann, als bei diesen 0190-Nummern anzurufen.</p>
<p>Oder ist das alles am Ende nur eine große Lüge, rufen bei diesen Gewinnspielen größtenteils Praktikanten an, die ja bekanntlich zu Tausenden bei den TV-Sendern arbeiten (nicht alle bekommen einen Platz beim Stadtkind), um den Eindruck zu vermitteln, dass es gar nicht so dämlich ist, sein Geld zum Fenster heraus zu werfen, weil ja offensichtlich viele andere das ebenfalls tun. Man munkelt, dass es bei einigen Sendern in der Vergangenheit immer mal wieder zu solchen Praktikanteneinsätzen gekommen sein soll.</p>
<p>Falls das so ist, wäre das eigentlich eine gute Nachricht, denn das würde die Anzahl der echten Anrufer ein bisschen eindampfen. Dem widersprechen natürlich die Umsätze bei den TV-Sendern. Es wird sie also doch geben, Tausende hirnlose Dumpfbacken, die sich völlig freiwillig verarschen lassen, das aber in der Öffentlichkeit niemals zugeben würden.</p>
<p>Für solche Menschen, die einfach mal darüber sprechen möchten, die sich endlich mal von der Seele reden wollen, dass sie auf die TV-Telefon-Abzocke reingefallen sind, haben wir beim Stadtkind eine Hotline eingerichtet. Unter <strong>01379-22255533 </strong>bieten wir ein offenes Ohr und ganz viel Zeit. Der Anruf kostet aus dem Festnetz 49 Cent die Minute, Mobil kann es teurer sein. Und wer anruft, ist selber schuld.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>wahnsinnig witzige radiomenschen</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Aug 2010 13:14:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Man steht auf, die Sonne scheint, verspricht einen schönen Tag, die Nachbarn auf der Straße nicken freundlich und ausnahmsweise nickt man freundlich zurück, dann steigt man gut gelaunt ins Auto, pfeift sein aktuelles Lieblingslied, macht sich auf den Weg zur Arbeit – und weil man noch eben hören will, was so los ist in der Welt, schaltet man das Radio ein...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man steht auf, die Sonne scheint, verspricht einen schönen Tag, die Nachbarn auf der Straße nicken freundlich und ausnahmsweise nickt man freundlich zurück, dann steigt man gut gelaunt ins Auto, pfeift sein aktuelles Lieblingslied, macht sich auf den Weg zur Arbeit – und weil man noch eben hören will, was so los ist in der Welt, schaltet man das Radio ein und zappt durch die Kanäle. Erfreulicherweise erklingt bald das aktuelle Lieblingslied. Gott ist mein Freund, denkt man, und dreht die Lautstärke bis zum Anschlag auf, grölt mit, so laut, dass die Windschutzscheibe bebt und die Fahrradfahrer nebenan fast vom Drahtesel kippen. Die Welt ist schön, die Sorgen winzig klein und kein Problem zu groß, um nicht an diesem Tag gelöst zu werden.</p>
<p>Doch dann ist das Lieblingslied plötzlich vorbei und die wenigen Sekunden, die man braucht, um das zu realisieren, reichen völlig aus, um den schönen Tag jäh enden zu lassen. Denn ein Schwall guter Laune ergießt sich aus den Lautsprechern, geballter Wortwitz erfüllt das Wageninnere. Weg hier, den Sender wechseln, nur weg! Doch es ist, als hätten sie sich alle gleichzeitig verabredet. Auf jedem Kanal diese lustigen Radiomenschen. Eine Pest grassiert in Deutschland. Es ist die Pest der Morning-Shows. Da berichtet ein fetter Radiomensch von seinen Versuchen, endlich ein paar Kilos abzunehmen. Aktuelle Gewichtstabellen gibt’s im Internet. Unglaublich witzig. Eine Frau findet Männer in Sandalen und Socken fürchterlich und quatscht über die größten Modesünden im Sommer. Hat man alles schon Tausendmal gehört. Aber das macht ja nichts. Immerhin ist man ja zu zweit. Und zur Jobbeschreiung gehört, dass Moderator I über Moderator II lacht. Laut, leise, kichernd, quiekend, grunzend. Wie sie sich gegenseitig die Bälle zuwerfen, wie ein Kalauer denselben jagt, es ist eine wahre Freude, allerdings nur für die beiden, während man selbst gequält zum nächsten Kanal zappt. Und sich vorstellt, mal eben zum Studio zu fahren, zu all diesen Studios mit den lustigen Radiomenschen, mit irgendeinem Gegenstand bewaffnet, um dort ganz grundsätzlich klarzustellen, dass man nicht einverstanden ist mit ihrer widerwärtigen, aufgesetzten guten Laune. Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Radiomoderatoren in Morning-Shows unbedingt lustig sein müssen? Finger hoch! Wer war das? Oder hatte da der Teufel seine Finger im Spiel? Kann nicht mal einer dieser Moderatoren schlechte Laune haben? Es würde doch reichen, in den Pausen zwischen der Musik ein bisschen mit der Zeitung zu rascheln und zu murmeln, dass alles immer noch so beschissen ist wie am Tag zuvor, bevor man das nächste Lied ansagt. Das wäre zumindest mal ein realistisches Format. Setzt sie endlich ab, all diese Morning-Shows, macht diesem Elend ein Ende! Oder klaut ihnen wenigstens ihre Bücher mit den tausend besten Klosprüchen und den tausend besten Witzen. Und sperrt vor allem die Telefonleitungen. Was ist das peinlichste oder lustigste Erlebnis, dass ihr hattet, während ihr auf die Wohnungen oder die Tiere eurer Freunde aufgepasst habt, so fragen zum Beispiel die witzigen Radiomenschen. Und verdammt noch mal, es gibt immer noch ein paar Hohlnasen, ein paar Möchtegern-Co-Moderatoren, die tatsächlich anrufen, um ihre ungeheuer banalen Geschichten unters Volk zu bringen. Was sind das für Menschen? Haben die nichts Besseres zu tun? Das können doch unmöglich alles Praktikanten sein, die man dazu verdonnert hat, damit der Eindruck entsteht, dass diese Sender gehört werden. Findet am Ende irgendjemand diese Morning-Shows tatsächlich witzig? Das kann doch alles nicht wahr sein!</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>radio-stripper</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/07/radio-stripper/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 22:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-07]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie träumt, dass sie eines Tages zum Telefonhörer greift und eine Nummer wählt, um dem Menschen am anderen Ende, einem völlig Fremden, wirklich alles zu erzählen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich las ich von einer Frau (deren Namen die Redaktion natürlich geändert hatte), die immer wieder den gleichen, schrecklichen Traum hat. Sie träumt, dass sie eines Tages zum Telefonhörer greift und eine Nummer wählt, um dem Menschen am anderen Ende, einem völlig Fremden, wirklich alles zu erzählen. Einfach alles, die ganze Geschichte, von vorne bis hinten. Ihr ganzes Leben ohne Auslassungen.</p>
<p>Sie erzählt von ihrer schwierigen Kindheit, dass ihr Vater getrunken und sie geschlagen habe, ihre Mutter ebenfalls, nur seltener, sie schildert haarklein die Doktorspiele mit Onkel Franz, der eigentlich nicht ihr Onkel war, sondern ein Nachbar, der aber bei ihr zu Hause ein und aus ging und fast zur Familie gehörte, sie erzählt, dass sie ihren kleinen Hund in der Regentonne ertränkt habe, aus Frust, weil das Zeugnis in der siebten Klasse so schlecht gewesen sei, sich berichtet von ihrer Zeit auf der Hauptschule und von ihren Affären mit Heiko, Stephan, Markus, Karsten, Guido und Dirk, Thomas, Michael, Thorsten, Detlef und Nina, wobei die ein einmaliger Ausrutscher war, im Gegensatz zu Detlef, der ihr Deutschlehrer gewesen sei, und dass das Wörtchen „und“ zwischen Guido und Dirk schon seinen Grund habe.</p>
<p>Sie erzählt davon, dass sie nach der Hauptschule noch die Realschule besucht habe, dass sie gekämpft habe und irgendwann tatsächlich den qualifizierten Realschulabschluss in der Tasche hatte, dass sie eigentlich sogar aufs Gymnasium gehen wollte, aber ihr Vater das verboten habe, weil sie endlich ihr eigenes Geld verdienen sollte, dass sie dann eine Lehre in einer Fleischerei angefangen habe, der Chef sie aber immer angefasst hätte, dass sie die Lehre deshalb zuerst abgebrochen habe und schließlich doch in einer anderen Fleischerei beenden konnte. Und dann sei sie mit dem ersten eigenen Geld in der Tasche sofort zu Hause ausgezogen, auch um Onkel Franz aus dem Weg zu gehen.</p>
<p>Und sie erzählt weiter, dass sie inzwischen verheiratet sei, aber dass sie wohl eher Pech mit Männern habe, weil ihr Mann ein ziemlicher Versager sei, ohne Job aber dafür mit ziemlich großer Schnauze, und dass sie inzwischen drei Kinder habe, zwei Mädchen und einen Jungen, eine unglaublich wilde Bande, weswegen ihr auch manchmal die Hand ausrutschen würde, und dass es ihr danach immer leid täte und sie dann zur Flasche greifen würde, weil sie auch nicht besser sei, als ihre Eltern, und dass sie wegen dem Alkohol in letzter Zeit häufig zu spät zur Arbeit kommen würde, weswegen wohl jetzt bald die Kündigung ins Haus flattern dürfte, und dass sie, wenn es so weit kommen würde, für gar nichts mehr garantieren könnte.</p>
<p>Nebenbei erzählt sie noch, wie sie heißt und wo sie im Augenblick wohnt und dass man vielleicht schon mal den Notarzt rufen sollte.</p>
<p>Was ist an diesem Traum nun besonders schlimm? Es ist ja nur ein Traum. Sie ruft einen fremden Menschen an und erzählt ihm ihre Geschichte – so what?</p>
<p>Aber der Traum ist noch nicht zu Ende, denn während sie erzählt, meint sie, aus der Nachbarwohnung ein Echo ihrer Stimme zu hören, und als sie irgendwann das Fenster zur Straße öffnet, steht da ein Wagen mit heruntergelassener Scheibe und aus dem Wagen erklingt ebenfalls ihre Stimme. Und dann begreift sie, dass sie gerade mit irgendeinem Radiotypen telefoniert und legt ganz schnell auf. Später geht sie noch einkaufen und alle zeigen mit dem Finger auf sie. Schrecklich! Ein wahrhaft fürchterlicher Traum.</p>
<p>Was für ein Glück, dass so etwas im wirklichen Leben nie passiert. Man stelle sich das mal vor, dass tatsächlich Leute bei Radiosendern anrufen, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen und dabei auch noch ihren Namen und ihre Adresse ausplaudern. Das wäre ja total verrückt. Am Ende könnte man sich sogar vorstellen, dass solche Leute sich in irgendwelche TV-Talkshows setzen und sich medial vollkommen entblößen. Oder dass sie sich im Internet eine eigene Seite einrichten, auf der sie ihre Geschichte dann auch noch bebildern. Aber so verrückt ist ja Gott sei Dank keiner…</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>walking acts</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 22:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Jede Wette, dass es viele gibt, die bis dato gar nicht wussten, dass es für „die Bekloppten“ überhaupt eine offizielle Bezeichnung gibt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da freut man sich auf den Sommer, auf unzählige Open Airs, auf Kleinkunst, Musik und Bratwurst am laufenden Meter, macht sich auf zu den Freiluftbühnen der Stadt – und noch ehe man die Bühnen erreicht, sind sie da. Bleiben einfach vor einem stehen, glotzen und sagen nichts und behaupten, es sei Theater.</p>
<p>Und da man selbst kein Theater machen möchte, weil man erstens genauso wenig Talent hat wie sie und zweitens auch keine Lust, sich an einem so sonnigen Tag aufzuregen, geht man weiter. Solange, bis der nächste sich kackendreist auf Stelzen vor einem aufbaut, groß und unheimlich und unheimlich lächerlich. Und hätte man nicht alle Hände voll zu tun, weil man dem Stand zuvor trotz überteuerter Preise nicht widerstehen konnte, man würde es nun diesem Stehenden heimzahlen und ihn von den Kackstelzen reißen, nur damit nicht noch andere beläs-tigt werden.</p>
<p>Die Befürchtung ist berechtigt. Walking Acts wechseln ganz gerne den Standort. Ungefragt mischen sie sich in die Menge, um sich selbst zu Kleinkünstlern und Passanten zum Publikum zu erklären. Und nie wäre auch nur einer von ihnen mal auf die Idee gekommen, die Passanten vorab zu fragen, ob sie denn Publikum werden möchten. Walking Acts brauchen kein grünes Licht. Walking Acts brauchen auch keine Bühne. Über Letzteres sind sich die Walking Acts wohl mit uns einig. Nur über den Grund herrscht noch Unstimmigkeit: Wer nichts kann, braucht auch keine Bühne. Jede Wette, dass es viele gibt, die bis dato gar nicht wussten, dass es für „die Bekloppten“ überhaupt eine offizielle Bezeichnung gibt. Wie die Walking Acts zu ihrem Namen kamen, werden die jetzt weiter wissen wollen. Ganz einfach:</p>
<p>Für sie ist es ein Spaziergang, Geld zu verdienen. Kilometer reißen sie dabei nicht, den Arsch reißen sie sich erst recht nicht auf. Selbst sprechen können die meisten nicht. Sie können nichts.</p>
<p>Das Problem: Auch jemand, der nichts kann, der also keine Bühne braucht, braucht Geld. Um an Geld zu gelangen, muss man was tun. Also „tun“ die Walking Acts einen Topf auf den Boden stellen. Jetzt wird man uns natürlich wieder vorwerfen, alles in einen Topf zu schmeißen, aber wir werden uns hüten, auch nur einen Cent dafür zu geben, das könnt ihr uns glauben! Nicht, dass wir missverstanden werden: Kein Geld zu haben, ist mitunter das Schlimmste. Die gesamte Stadtkind-Redaktion wird geschlossen hinter dieser Aussage stehen. Und unser Respekt gilt allen, die sich stillschweigend auf den Boden setzen, mit einem leeren Pappbecher in der Hand, den sie noch nicht einmal selbst leeren durften. Brauchen die weniger Geld als ein Walking Act? Nein. Aber nennen sie sich deswegen gleich Sitting Act und ziehen eine dumme Grimasse, wenn man ihnen etwas in den Becher wirft? Der kleine aber feine Unterschied: Hinter Walking Acts stecken freischaffende Künstler. Und einem Künstler geht es in erster Linie ja nicht um das Geld, sondern darum, seine Eitelkeit zu befriedigen. Der Bettelgang wird zum Walking Act, denn eitle Menschen betteln nicht. Also werden sie niemals einfach nur regungslos dastehen und zugucken, wie ihnen jemand ein Geldstück gibt.</p>
<p>Sie werden regungslos dastehen und zugucken – und dann, so plötzlich, dass einem die Wurst fast aus der Hand fällt, werden sie jonglieren, gestikulieren, erst die Mimik, manchmal die Stimme und später ihre Füße einsetzen, um sich mit Bewegungen wie ein Roboter oder schlichtweg wie ein Idiot aus dem Staub zu machen und zwanzig Meter weiterzuziehen, da ihnen das Ganze wohl selbst ein wenig peinlich erscheint.</p>
<p>Einigen wir uns darauf, dass der Walking Act ein kleines Phänomen, aber mit Sicherheit keine Kleinkunst ist. Verdienen werden sie damit wohl nichts. Und wenn wir es uns so recht überlegen: Selbst ihren Namen hat diese Keinkunst nicht verdient. Nun möchten wir den Keinkünstlern ja nicht gleich alles nehmen. Lassen wir ihnen die Anglizismen. Der Walking Act ist schlichtweg ein No-Go.</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
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		<title>die dritte klasse der steuersünder</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/die-dritte-klasse-der-steuersunder/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 22:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-05]]></category>

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		<description><![CDATA[Diese Klasse verlegt ihren Wohnsitz mal eben in die Schweiz, gibt als Beruf „Rennfahrer“ an und gilt bei den Eidgenossen fortan als „erwerbsloser Ausländer“, weil es in der Schweiz keine Rennpisten gibt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1.500 Namen von deutschen Staatsbürgern sollen sich auf der neuen „Steuersünder-CD“ finden, 1.500 schwarze Schafe, die ihr Geld am Fiskus vorbei ins Ausland geschafft haben. Jetzt können sie sich entweder selbst anzeigen oder warten, bis die Fahnder an der Haustür klingen, um mal einen dezenten Blick in die verschlossenen Schreibtischschubladen zu werfen und die heimischen Computer in die Dienstwagen zu verfrachten. Man darf gespannt sein, ob auch wieder ein paar prominente Sünder dran glauben müssen, ein paar Zumwinkels dieser Welt, die dann öffentlich reuevoll das Haupt senken dürfen, während sie auf ihre Strafe warten, die sie so arg sicher nicht treffen wird. Bei einem Steuersünder der Zumwinkel-Klasse bleibt auch nach Abzug der Nachzahlung genug übrig, um weiter herrlich sorgenfrei leben zu können.</p>
<p>Es gibt ja ganz unterschiedliche Klassen von Steuersündern. Im Grunde sind es drei: Bei den Zumwinkels fragt man sich, warum sie sich diesem Nervenkitzel überhaupt aussetzen. Sie hätten doch auch ohne Steuerhinterziehung genug auf der hohen Kante. Aber vielleicht ist es genau das: Ein bisschen Abenteuer, weil es ihnen da oben an der Spitze der Gesellschaft zu langweilig geworden ist. Ganz anders die zweite Klasse. Sie könnte auf diesen Nervenkitzel bestimmt gut verzichten. An der Steuer verzweifelnde Mittelständler oder gut verdienende Angestellte, die nicht einsehen, warum sie ihr sauer verdientes Geld, ihr hart erarbeitetes Einkommen, mit den anderen teilen sollen, diesen ganzen „Schmarotzern“, für die der Sozialstaat die Versorgung übernommen hat und die gar keine Lust haben, sich selbst um ihr tägliches Brot zu kümmern. So jedenfalls steht es ja ständig in der Zeitung.</p>
<p>Also wählt man den illegalen Weg, versteckt ein bisschen Bares unter dem Beifahrersitz und macht sich auf ins Ausland. Kleine und größere Fische sind in Sachen Bargeldschmuggel tagtäglich auf den Autobahnen unterwegs. Im Gepäck immer die Angst, erwischt zu werden, denn im Gegensatz zu den Zumwinkel-Fischen, die lieber fahren lassen, wäre die Entdeckung für diese Sünder doch sehr schmerzhaft und würde wahrscheinlich sogar die Existenz bedrohen, die kleine Firma oder zumindest das sauer erschwindelte Ferienhaus in der Toskana. Egal ob erste oder zweite Klasse, diese beiden Steuersünder-Randgruppen hätten es durchaus verdient, hier ein bisschen durchbeleidigt zu werden. Man könnte anklagend den Zeigefinger heben: Fahrt ihr nicht auf den Straßen, die von der Allgemeinheit finanziert werden, gehen eure Kinder nicht auf unsere Schulen, bekommt ihr kein Kindergeld? Ihr solltet euch schämen, müsste man ihnen zurufen. Aber das wäre Platzverschwendung, denn die zweite Klasse hat wahrscheinlich sowieso schon ein schlechtes Gewissen und die erste Klasse genug Geld, um auf ein Gewissen grundsätzlich verzichten zu können. Außerdem bleibt so mehr Raum für die dritte Klasse der Steuersünder, die Schumacher-Klasse. Diese Klasse verlegt ihren Wohnsitz mal eben in die Schweiz, gibt als Beruf „Rennfahrer“ an und gilt bei den Eidgenossen fortan als „erwerbsloser Ausländer“, weil es in der Schweiz keine Rennpisten gibt. Also muss der Gute dort auch keine Steuern bezahlen, nur das Fünffache seiner Jahresmiete. Was natürlich weitaus günstiger ist, als hier in Deutschland den Fiskus zu bedienen. Dabei bleibt der liebe Herr Schumacher natürlich deutscher Staatsbürger. Immerhin hat er ja hier bei uns die meisten Fans. Sähe doch irgendwie nicht gut aus, wenn er plötzlich Schweizer werden würde. Obwohl das nach dem alten Klischee vom langsamen Schweizer ganz gut passen würde, so wie er augenblicklich in der Formel-1 unterwegs ist. Was machen wir nun mit dieser dritten Klasse? Die üblichen Fragen können wir nicht stellen. Wahrscheinlich ist der Schumacher in Deutschland inzwischen nur mit dem Privathubschrauber unterwegs, nutzt also nicht unsere Straßen, seine Kinder werden eine staatliche Schule nie von innen kennen lernen und Kindergeld hat die Familie Schumacher schätzungsweise auch nicht bezogen. Mit welchem Recht sollen wir also verlangen, dass er hier bei uns Steuern zahlt? Wir können ihn höchstens ziemlich drittklassig finden.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>verantwortungslose hausbesitzer</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 22:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Dem strengen und schneereichen Winter ist es zu verdanken, dass wir sie nun kennen, die verantwortungslosen Hausbesitzer in Hannover (und darüber nachdenken, demnächst online eine Liste dieser schwarzen Schafe zu veröffentlichen).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Dorf ist es ganz leicht, die schwarzen Schafe zu identifizieren. Da sind die Grundstücke klar voneinander getrennt, und so weiß ein jeder, welcher Bürgersteig zu wem gehört. Wer seinen Teil nicht regelmäßig fegt, der fällt irgendwann auf und steht alsbald am Pranger der dörflichen Gemeinschaft. Und wer seinen Vorgarten nicht sauber hält, der kann sich erst recht auf was gefasst machen. Schon bald werden die Kinder nicht mehr zum Spielen abgeholt und bei nachbarschaftlichen Aktivitäten (gemeinsames Kränzen zur Silberhochzeit) wartet man vergeblich auf die Einladung. Dieses System der gesellschaftlichen Ächtung mag zwar ein bisschen fragwürdig sein, doch immerhin sorgt es für saubere Bürgersteige und Vorgärten. Und das ist, wie jeder weiß, ungemein wichtig, denn nur in einer aufgeräumten Umgebung hat der menschliche Geist Platz für saubere Gedanken. Im Chaos entsteht dagegen selten Glanzvolles.</p>
<p>In der Stadt ist das alles nun nicht ganz so einfach. Da gibt es zwar ebenfalls Häuser mit dazugehörigen Bürgersteigen und manchmal sogar Vorgärten, aber wem in den Straßen Hannovers was gehört, das weiß niemand so ganz genau. Da wohnen die Menschen zur Miete und der Hausbesitzer sitzt irgendwo weit weg in seinem Garten in der Wedemark. Die Stadtreinigung wird es schon richten. Schlussendlich bedeutet das: Chaos auf den Bürgersteigen, nicht nur in diesen Tagen mit Rollsplitt, Silvester-Resten und aufgetauter Hundescheiße. Dem strengen und schneereichen Winter ist es zu verdanken, dass wir sie nun kennen, die verantwortungslosen Hausbesitzer in Hannover (und darüber nachdenken, demnächst online eine Liste dieser schwarzen Schafe zu veröffentlichen). Ganz unfreiwillig haben sie sich geoutet. Denn es gibt natürlich auch die anderen, die vorbildlichen Eigentümer. Jene Menschen, die morgens mit dem ersten Vogelgezwitscher aus den Federn sind, während der kalten, verschneiten Tage, und sich schon um halb sechs an ihre Bürgersteige gemacht haben. Ein liebliches Geräusch für alle Sauberkeit und Ordnung liebenden Bürger, dieses morgendliche Kratzen und Schaben. Ganz wunderbar, der sichere Schritt hinaus auf einen von Schnee, Eis und Unrat befreiten Gehweg. Fürchterlich und gefährlich dann der harte Übergang auf den benachbarten Abschnitt. Für saubere Kanten haben die weißen Schafe gesorgt, für klare Linien, manchmal millimetergenau gezogen, eine gleichsam anklagende Gerade von der Hauswand zur Straße, auf der einen Seite reiner Asphalt, sauberes Pflaster, auf der anderen das weiß-gräuliche Chaos. So konnte man durch die Straßen der Stadt gehen und die Spreu vom Weizen trennen. Hier die Tugendhaften, die noch daran glauben, dass Eigentum verpflichtet, dort die Fraktion der Verantwortungslosen, die lieber in der Wedemark sitzen und Kaffee trinken, während die Miete auf dem Konto klingelt und unbescholtene Bürger sich die Hachsen brechen. Infam ihre Erklärungsversuche und Ausflüchte: „Es ist doch viel schöner, wenn der Schnee liegen bleibt und die Eltern mit ihren Kindern und dem Schlitten unterwegs sein können, ohne ständig absteigen zu müssen.“ Nicht mit uns! Schlitten gehören in den Deister und nicht auf den Gehweg und Kinder sollten sowieso nicht auf der Straße spielen. Und um gleich mal für den Frühling und den Sommer vorzusorgen: Auch heimische Kräuter und Pflanzen haben auf dem Bürgersteig nichts zu suchen. Dafür gibt es in Hannover genug Grünflächen, die für solchen Bewuchs vorgesehen sind. Denkt nach, rufen wir hiermit allen verantwortungslosen Hausbesitzern zu: Verschmutzte Gehwege mit Löwenzahn sind die Pilgerpfade der Anarchisten!</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>mäuschen</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 22:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-03]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter den Menschen tummelt sich aber eine Unterart, die eher insgeheim ihr Gift verspritzt. Und wer ihnen bereits begegnet ist, der kann auch die vermeintliche Angst von Elefanten vor Mäusen nachvollziehen. Wir sprechen von den menschlichen Mäusen. Den Mäuschen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn plötzlich die Nackenhaare senkrecht zu Berge stehen, der Magen sich verkrampft, kalter Schweiß von der Stirn tropft, dann sind das Symptome der Angst, Zeichen einer Bedrohung, einer unheimlichen Begegnung, die jeder Mensch kennt. Angst kann man vor allen möglichen Dingen und Kreaturen haben, manchmal völlig unbegründet, manchmal völlig zu Recht. Unbegründet zum Beispiel angesichts einer harmlosen deutschen Kellerspinne, absolut begründet angesichts einer Schwarzen Witwe (Latrodectus mactans). Elefanten beispielsweise haben, so sagt man, Angst vor Mäusen. Völlig unverständlich, wenn es denn tatsächlich so ist. Menschen haben wohl am häufigsten Angst vor anderen Menschen. Das wiederum ist völlig verständlich. Unsere Spezies bringt doch sehr häufig ungemein gefährliche Individuen hervor, Diktatoren oder Hausmeister, Terroristen oder unausgeschlafene und entsprechend griesgrämige Busfahrer.</p>
<p>Allerdings gibt es bei diesen gefährlichen Individuen – wenigstens meistens – klare Verhältnisse. Man weiß, woran man ist. Unter den Menschen tummelt sich aber eine Unterart, die eher insgeheim ihr Gift verspritzt. Und wer ihnen bereits begegnet ist, der kann auch die vermeintliche Angst von Elefanten vor Mäusen nachvollziehen. Wir sprechen von den menschlichen Mäusen. Den Mäuschen. Mäuschen sind in der Regel weiblich. Es gibt sie natürlich auch unter den männlichen Vertretern unserer Art, aber das ist eher selten. Die wenigen, die es gibt, müssen noch ein bisschen üben. Mäuschen sind hochspezialisierte Wesen. Allein das Sprechen mit der sehr hohen, piepsigen Stimme fällt den Männern bisher nicht so leicht.</p>
<p>Wie definiert sich nun so ein Mäuschen?</p>
<p>Mäuschen sind Schmarotzer, sie laben sich an der Zeit ihrer Mitmenschen, weil sie ständig Hilfe brauchen, wirklich gar nichts alleine können, absolut unselbstständig sind, völlig lebensunfähig.</p>
<p>„Ohhhhhhh“, sagen sie dann, wobei sich ihre Stimme sensationell gekonnt zum hohen c&#8221; aufschwingt, „daaaaaaas kaaaaaaaaaan iiiiich niiiiicht. Kaaaanst Duuuu miiiir dabeiiiiii heeeeeelfen?“</p>
<p>Und weil so ein Mäuschen gekonnt den Eindruck vermittelt, ein wirklich zerbrechliches kleines Sensibelchen zu sein, lässt man sich ohne groß nachzudenken hinreißen und hilft. Bei den einfachsten, alltäglichsten Dingen. Immer wieder.</p>
<p>Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, ist man ständig dran, denn Mäuschen sind äußerst anhängliche Wesen. Sie lassen die Hand, die sie füttert, nur ungern wieder los.</p>
<p>Nicht zu verwechseln sind Mäuschen übrigens mit jenen Karrierefrauen, die zum Beispiel gerne mit hoher, piepsiger Stimme andere kritisieren, damit es nicht ganz so hart klingt, die aber eigentlich über Leichen gehen. Das ist noch mal eine ganz eigene Randgruppe.</p>
<p>Die Mäuschen, die wir meinen, machen gemeinhin keine Karriere. Sie lassen höchstens Karriere machen. Sie instrumentalisieren ihre Mitmenschen. Ohne Absicht allerdings, und das ist das Besondere. Mäuschen sind fürchterlich harmlos, sie sind derart nett, dass es schmerzt.</p>
<p>Wer einmal ein solches Mäuschen kennen gelernt hat, der kennt die Gefahr, dem stehen die Nackenhaare zu Berge, bei dem verkrampft sich der Magen und der Angstschweiß tropft von der Stirn, wenn er nur von weitem den bedrohlichen Singsang hört. So jemand ergreift weiträumig die Flucht, denn einem Mäuschen die Hilfe zu verweigern, das ist nicht leicht. Das ist im Gegenteil äußerst schwer, denn wenn man nicht hilft, droht so einem zarten Geschöpf ja der Untergang. Etwa so, wie wenn man jemanden allein und mit verbundenen Augen im Moor zurücklässt. Zumindest vermittelt ein Mäuschen diesen Eindruck mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Darum ist es auch so schwer, den Hilferuf eines Mäuschens zurückzuweisen.</p>
<p>„Duuuuuuuuuuuuu, daaaaaaaaaaas kaaaaaanst duuuuu auuuuuch alleiiiine, du duuuummmmme Nuuuuuuusssssss“, möchte man eigentlich antworten. Doch dann müsste man die empörten Blicke der Mitmenschen aushalten. Wie kann man nur? Sie ist doch so ein kleines, unsicheres, zartes Wesen&#8230;</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		</item>
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		<title>die sport-schminkerin</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/die-sport-schminkerin/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 22:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schminke vor dem Training ist niemals identisch mit der Schminke nach dem Training. Und der Geruch ebenfalls nicht, da hilft auch keine Deo-Dusche.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sport und Mord haben in der Regel nichts miteinander zu tun. Das ist nur so ein Gerücht. Eher im Gegenteil: Körperliche Ertüchtigung hält munter, fit und gesund. Sport ist nur Mord,  wenn der eifrige Sportsfreund IHR begegnet: der (auf den ersten Blick durchaus sympathischen) Sport-Schminkerin. Derjenigen Sportsfreundin, die sämtliche Regeln der Körperhygiene ganz unkonventionell bricht. Und ihre sportliche Umwelt damit auf recht morbide Gedanken bringt.</p>
<p>Frisch, fromm, fröhlich, frei tänzelt sie in die karibisch klimatisierte Fitnesshalle, die gut gelaunte Sport-Schminkerin. Auf ihrem Antlitz leuchtet eine bunte Vielfalt kosmetischer Primär- und Sekundärfarben. Ihre Aura umhüllt eine nachhaltig duftende Odeur-Wolke.</p>
<p>Doppeldaumen hoch, möchte ich ihr in diesem Moment entgegen juchzen, der freundlichen Sport-Schminkerin. Sie beweist geruchsattraktive Grazie, selbst unter Extremstbedingungen.</p>
<p>Nun rackert sie sich bis zum körperlichen Exodus auf dem Elipsen-Trainer ab. Ihre Muskeln formt sie zielstrebig auf der Hantelbank. Der Schweiß fließt flussauf- und flussabwärts. Unermüdlich zieht sie ihre Bahnen auf dem Rudergerät. Mit letzter Kraft reduziert sie ihren Körperfettanteil auf dem Ergometer auf Kinderportion.</p>
<p>Bei Kilometer 10 auf dem Laufband jedoch schwappt eine erste geruchsintensive Welle zu mir herüber. Ich blicke in die schwarz-fleckigen Panda-Augen meiner sprintenden Mitstreiterin. Auf ihrer Nase bildet sich eine disharmonisch gescheckte Make-Up-Grundierung. Jetzt hat auch sie es im Spiegel bemerkt und entfleucht gleich darauf in Richtung Umkleidekabine, die erschöpfte und derangierte Sport-Schminkerin. Ein wenig desillusioniert gehe ich ihr nach – auch mein Tagewerk ist getan.</p>
<p>Und wundere mich, als sie die auffällig positionierten Duschkabinen mit Nichtachtung straft, um sich gleich darauf verschwitzt und entsprechend geschmeidig zurück in ihre hautenge Alltagskluft zu pellen. Nun zückt sie ihr Deodorant aus der Tasche und schwenkt es ausschweifend, vernebelt ihre Achseln und alles, was sonst noch in der Nähe ist. Das reicht nicht, möchte man ihr zurufen. Das rächt sich! Mit einem Finger schiebt sie die bröselige Mascara zurück auf die Wimpern, die verschwitzte Sport-Schminkerin. Anschließend verwöhnt sie ihre nassen Rundungen mit einer großzügigen Brise ihres dezent mockernden Lieblingsparfums. Ein Schuss Haarlack in die verklebten Frisuren-Reste, ein schelmischer Blick zum recycelten Spiegelbild und fertig ist der neue, alte Look. Die Sport-Schminkerin hat eine Entscheidung getroffen, sie hat ihr aufwendiges Antlitz lieber restauriert, um sich nach der Dusche nicht von Grund auf neu erschaffen zu müssen.</p>
<p>Die unfreiwilligen Zeugen fragen sich in einer Mischung aus Verzweiflung und Atemlähmung: Warum nur dieses wasserresistente Verhalten, Freundinnen der sportlichen Geruchsfairness? Das Duschen ist doch im Mitgliedsbeitrag enthalten! Nutzt dieses einladende Angebot der Turnhalle eures Vertrauens!</p>
<p>Vielleicht habt ihr eure Dusch-Schlappiletten zu Hause vergessen. Auch möglich, dass ihr und eure Nasszelle gleich um die Ecke wohnt. Aber wie bitte erklärt ihr das den Passanten, denen ihr auf dem Heimweg begegnet? Ihr schwitzt von Natur aus nicht? Eure Schminke ist wasserfest? Das glauben wir euch gern, sofern ihr euer Training an der Fitness-Bar abgesessen habt. In allen anderen Fällen gilt: Die Schminke vor dem Training ist niemals identisch mit der Schminke nach dem Training. Und der Geruch ebenfalls nicht, da hilft auch keine Deo-Dusche. Schweiß gewinnt immer, meistens schon nach kurzer Zeit. Wehe du setzt dich im Bus neben mich, verdammte Sport-Schminkerin!</p>
<p><strong>Yvonne Haronska</strong></p>
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		<title>sparsame vermieter</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/10/sparsame-vermieter/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 22:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2009-10]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwann passiert es jedem. Da klingelt der freundliche Vermieter, sagt kurz, dass irgendwas an der Gasheizung erledigt werden müsse, ein paar Rohre im Keller seien ein bisschen alt, nichts Schlimmes und schon gar nichts Gefährliches, nur das warme Wasser würde mal für eine Weile ausfallen, so etwa ab acht am nächsten Morgen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwann passiert es jedem. Da klingelt der freundliche Vermieter, sagt kurz, dass irgendwas an der Gasheizung erledigt werden müsse, ein paar Rohre im Keller seien ein bisschen alt, nichts Schlimmes und schon gar nichts Gefährliches, nur das warme Wasser würde mal für eine Weile ausfallen, so etwa ab acht am nächsten Morgen. Die Handwerker seien aber von der schnellen Sorte, zwei Jungs aus Polen, eben günstig, man müsse ja auch sehen, wo man bleibe, aber sehr zuverlässig. Da könne man sich hundertprozentig drauf verlassen. Die würden keinen Pfusch machen, schon gar nicht an der Gasleitung, wenn er sich da nicht ganz sicher wäre, dann hätte er natürlich ganz offiziell eine deutsche Firma beauftragt.</p>
<p>Und dann zwinkert er und knufft einem noch verschwörerisch gegen den Oberarm. So geht man natürlich beruhigt schlafen, denkt sich noch, naja, wenn die morgen loslegen, bin ich längst aus dem Haus, und wenn die ganze Bude explodiert, habe ich eine gute Versicherung und vielleicht erwischt es dabei sogar die blöde Rentnerin aus 12a, die immer sofort die Polizei ruft, wenn man die Musik nur mal kurz ein kleines bisschen lauter dreht. Zum Beispiel wenn man duscht. Genau das versucht man am nächsten Morgen um kurz nach sechs. Doch das Wasser bleibt kalt. Die Flamme in der Therme bleibt aus. Das will man nicht glauben. Man rüttelt an der Therme, dreht an den Reglern, nimmt das Verdeck ab, rüttelt an den Leitungen, aber da tut sich gar nichts. Und dann fallen einem wieder die Handwerker ein. Haben die womöglich schon angefangen? Das geht natürlich nicht. Um neun hat man einen wichtigen Geschäftstermin. Ungeduscht darf man da nicht auftauchen. Also wirft man sich entschlossen in den Bademantel und klappert in FlipFlops die Treppen herunter, bis tief in den dunklen Keller.</p>
<p>Ja, da hinten brennt Licht. Zwei junge Männer sind eifrig bei der Arbeit. Man ordnet noch einmal den Bademantel, zieht den Gürtel fester, räuspert sich und klopft an den Türrahmen. Keine Reaktion. Also etwas lauter. Zwei fragende Gesichter wenden sich einem zu, Blicke wandern von den nackten Füßen hinauf, bleiben kurz am Bademantel hängen, und schließlich nicken sie freundlich. „Also, das geht ja so nicht“, beginnt man seine kurze Rede. „Um acht Uhr war vom Vermieter angesagt. Sie müssen das Gas jetzt schon erst wieder andrehen. Ich kann so nicht zur Arbeit.“ Die Gesichter bleiben fragend. Natürlich. Das sind Polen. Sie werden der deutschen Sprache nicht allzu mächtig sein.</p>
<p>Also deutet man auf die nicht vorhandene Armbanduhr. „Acht Uhr war angesagt. Viel zu früh. Ihr seid viel zu früh dran. Ich muss duschen.“ „Ah“, sagt der eine und schüttelt freundlich verneinend den Kopf. „Das geht nicht. Alles schon kaputt.“ Und dann deutet er auf diverse Rohre an der Wand, die teilweise zersägt sind. „Das gibt’s doch gar nicht. Das kann doch gar nicht sein. Ihr seid viel zu früh“, ereifert man sich. Und dann zeigt man ihnen acht Finger und deutet wieder auf die imaginäre Armbanduhr.</p>
<p>„Acht Uhr“, hört man sich kläglich krächzen, weil man die traurige Realität allmählich begreift. Nun meldet sich der zweite Pole zu Wort. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt er in lupenreinem Deutsch und grinst. Entnervt kehrt man zurück in die Wohnung, greift zum Telefon, legt wieder auf, weil es keinen Sinn macht, sich jetzt auch noch mit dem Vermieter rumzustreiten, der sowieso nur sagen wird, dass er ja etwa gegen acht gesagt habe, man doch froh sein könne, dass diese Handwerker so zuverlässig seien und damit die Arbeit schon in wenigen Stunden erledigt wäre. Man packt stattdessen seine sieben Sachen fürs Schwimmbad und macht sich auf den Weg.</p>
<p>Diese Randgruppenbeleidigung gilt allen sparsamen Vermietern in dieser Stadt. Engagiert bitte wieder deutsche Handwerker. Die kommen wenigstens nicht.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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		<title>ids-mütter</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 22:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2009-09]]></category>

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		<description><![CDATA[Ihr Markenzeichen: eine bis über die Schmerzgrenze des Erträglichen erhöhte Tonlage, ein terrorisierender Tonhöhenverlauf, abgehackte Sätze, penetrante Wiederholungen, kurz: infant-directed speech (IDS). Die IDS-Mutter weiß, was sie tut. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Kleine Menschen reagieren besonders auf hohe Stimmen. Mütter wissen das. Was manche Mütter nicht zu wissen scheinen: Auch große Menschen reagieren besonders auf hohe Stimmen. Besonders allergisch. Das Stichwort lautet Lärm. Eine Belastung nicht nur für das Ohr, sondern für den ganzen Organismus. Ab einer bestimmten Lautstärke, so weiß man, wird es gefährlich. Ab einer bestimmten Tonhöhe, so spürt man, ist zumindest der nervliche Super- GAU vorprogrammiert.</p>
<p style="text-align: left;">Das menschliche Ohr kann Frequenzen zwischen 20 Hertz und 20.000 Hertz wahrnehmen. Schall, der darunter oder darüber liegt, kann zwar nicht mehr gehört werden, aber Unbehagen verursachen. Den Müttern, um die es in dieser Randgruppenbeleidigung geht, ist das alles Hertzlich egal. Sie können – wie die modernen Mütter von heute eben so sind – beides gleichzeitig: gehört werden und Unbehagen verursachen. Ihr Markenzeichen: eine bis über die Schmerzgrenze des Erträglichen erhöhte Tonlage, ein terrorisierender Tonhöhenverlauf, abgehackte Sätze, penetrante Wiederholungen, kurz: infant-directed speech (IDS).</p>
<p style="text-align: center;">&nbsp;</p>
<p style="text-align: left;">Die IDS-Mutter weiß, was sie tut. Im Durchschnitt überdurchschnittlich gebildet, liest sie alles, was bei drei nicht im Altpapier liegt. Noch ehe das Kind rein optisch vom Dottersack zu unterscheiden ist, kennt sie sämtliche Abpumpsysteme und Rückbildungsrituale. Ihr Steckenpferd ist jedoch die Sprachförderung des heranwachsenden Statussymbols. Bestens informiert, hat sie den Dirty Talk aus dem Schlafzimmer verbannt und den Baby Talk zur Muttersprache deklariert. Der Ton macht schließlich die Musik. Und weil die Mama so ein Tausendsassa ist, hat sie die „melodische Sprache mit emotionaler Färbung“ sogar noch einmal ganz neu interpretiert. Herausgekommen ist eine Musik des Grauens, und zwar auf Repeat.</p>
<p style="text-align: left;">Was die IDS-Mutter nämlich auch weiß: Je häufiger eine Äußerung verstärkt wird, desto mehr verfestigt sie sich im Sprachrepertoire des Kindes. Letzteres muss nur einmal den Fehler begehen, mit seinem Fingerchen in irgendeine Richtung zu zeigen und dabei etwas Unverständliches zu brabbeln, und schon geht es los, in allerhöchster Tonlage: „Jaaa. Da ist ein Auto. Ein Auto. Da ist ein Auto. Ja, da ist ein Auto. Ein Auto. Ja, schau. Da ist ein Auto. Was macht denn das Auto? Das fährt. Das Auto fährt. Guck, es fährt. Das Auto fährt. Ja, das fährt, das Auto.” „Da!” „Ja, da. Da war ein Auto. Wo ist das Auto? Das Auto? Hm, wo ist das Auto? Das Auto ist weg, hm? Das Auto ist weg. Weg. Weg ist das Auto. Das Auto ist gefahren. Weg. Ist weggefahren, das Auto. Ja, weg ist das Auto. Kein Auto mehr da. Das Auto ist weg, Auto ist weg.”</p>
<p style="text-align: left;">So schrillt und schallt es auf Bürgersteigen, in Wartezimmern, Cafés und gerne auch in Büros, wenn die IDS-Mutter ihre Kollegen besucht. Und es schallt noch etwas eindringlicher, wenn die IDS-Mutter eine Spielecke entdeckt. Bauklötze! Selbst das kleinste Kind freut sich über die bunten Klötzchen, denn so ein kleiner, unverdorbener Mensch, der freut sich ja über alles. Und wenn er auch noch nicht damit bauen kann, so kann er doch damit schmeißen, klappern und fröhlich daran rumlutschen. Klaaatsch, wird die Kiste aus 1,50 Metern Höhe ausgekippt. Sicher, das Kind kann noch nicht alle Steine zu einem netten Gesamtbild verarbeiten. Aber es kann doch mal mit allen Steinen schmeißen, mit allen auf den Boden klopfen und mit allen seine orale Phase ausleben. Und wenn das friedliche Geschöpf doch nur ein oder zwei Steine in sein Herzchen schließen und alle anderen außer Acht lassen sollte, dann klopft die IDS-Mutter eben selbst mal kräftig mit jedem einzelnen Klötzchen aufs Parkett. „Schau mal, ein rotes Dreieck. Rotes Dreieck. Ja, was ist das?” „Da!” „Ja, da. Ein rotes Dreieck ist da. Rotes Dreieck. Ein rotes Dreieck. Guck, ein rotes Dreieck. Dreieck. Ein rotes Dreieck. Ein rotes Dreieck hat die Mama da. Ja, ein Dreieck! Rotes Dreieck! Rot! Rotes Dreieck. Die Mama hat ein rotes Dreieck. Und was ist das?” „Da!” „Jaaa, da ist noch ein Klötzchen, hm? So viele Klötzchen hast du. So viele Klötzchen. So viele Klötzchen hast du. Guck, ein blaues Klötzchen. Blau. Ein blaues Klötzchen hast du.” „Da!” „Ja, richtig! Blau ist das. Blau ist das. Jaaa. Da ist ein blaues, ein blaues Klötzchen&#8230;”</p>
<p style="text-align: left;">Liebe IDS-Mütter, im Grunde seid ihr doch nichts anderes als ADS-Mütter. Dass ihr mit fehlender Aufmerksamkeit gestraft werdet, liegt jedoch nicht am Kind. Vielleicht versucht ihr es künftig einfach mal mit maximal fünf Wortwiederholungen und einer etwas natürlicheren Tonlage. Ihr nervt nämlich gewaltig. Nervt. Ihr nervt. Ja, ihr nervt. Ihr nervt. Nervt. Nervt gewaltig. Ihr nervt. Gewaltig. Ganz gewaltig. Ihr nervt, ihr nervt, ihr nervt.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Text und Foto: Manuela Sender</strong></p>
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		<title>autonome</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 22:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2009-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist aber mit all den Autonomen, die in Wirklichkeit gar keine Autonomen sind, die eigentlich noch bei Mama wohnen und ganz sicher keine Ahnung haben, was Anarchie oder Demokratie oder was auch immer überhaupt bedeutet...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Viele Randgruppen in unserer bunten und schönen Gesellschaft sind als Randgruppe auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Die Bauchtänzerin verrät sich nicht im alltäglichen Leben; sie sieht aus wie alle anderen. Auch der Nackttöpfer begegnet uns im normalen Leben angezogen. Erst zur Ausübung ihrer Randgruppen-Passion schlüpfen diese Menschen in die entsprechenden Kostüme (oder entledigen sich ihrer Kleidung), treffen sich mit ihren Randgruppen-Komplizen und frönen ihrer Leidenschaft.</p>
<p>Es gibt durchaus sinnvolle Randgruppen-Aktivitäten, so zum Beispiel die Randgruppe der Frösche-Einsammler-und-über-die-Straße-Helfer. Oder zwar völlig überflüssige, aber dennoch weitgehend harmlose Randgruppen wie die der Karnevalisten. Es gibt da aber eine Randgruppe, die verkleidet sich ebenfalls, ist aber überhaupt nicht harmlos. Das ist die Gruppe der sogenannten Autonomen.</p>
<p>Nun wollen wir hier natürlich niemandem Unrecht tun, der sich gelegentlich, zum Beispiel am 1. Mai oder zum Schanzenfest in Hamburg, in die schwarze Kluft wirft und den Schal um das Gesicht wickelt, damit ihn der böse Staat nicht erkennt. Um so als Autonomer für alle erkennbar durch die Straßen zu ziehen und Parolen wie „Anarchie“ zu rufen. Dagegen ist ja eigentlich nichts einzuwenden. Natürlich ist die Anarchie als Grundlage für ein Gesellschaftssystem ein wenig fragwürdig, aber wir gehen mal davon aus, dass der gebildete Autonome sich ausreichend Gedanken über die verschiedenen Modelle gemacht hat und nach reiflicher Überlegung zu dem Ergebnis gekommen ist, dass zum Beispiel die Demokratie ihm nicht die Freiheit garantiert, die ihm ein gepflegter Anarchismus bescheren würde.</p>
<p>Wir unterlassen es also ausdrücklich, diese Menschen hier zu diffamieren und zum Beispiel zu behaupten, dass alle Autonomen nur Lust auf Randale haben, arbeitsscheue Gesellen sind, die dem Staat, den sie bekämpfen, gleichzeitig auf der Tasche liegen, und insgesamt nur eine diffuse Vorstellung von dem haben, was sie eigentlich wollen, wobei sie gleichzeitig wahllos alles mögliche nicht wollen.</p>
<p>Nun gibt es aber jene unter den Autonomen, die den Staat, und als Stellvertreter die Polizei, als ihren Feind identifiziert haben und gegen diesen Feind in den Krieg ziehen. Also werfen sie bei passender Gelegenheit Steine oder Molotow-Cocktails oder was ihnen sonst gerade in die Finger kommt. Natürlich kann man auch hier geteilter Meinung sein. Jeder Mensch hat ja durchaus das Recht auf Selbstverteidigung.</p>
<p>Wenn ihm also Unrecht widerfährt, dann darf er sich dagegen wehren.</p>
<p>Klar ist es etwas mühsam zu verstehen, welches Unrecht den Autonomen in Deutschland widerfährt, aber da wird es bestimmt irgendwas geben. Die schmeißen ihre Steine ja nicht einfach so auf die Polizisten, oder? Ganz sicher hat es einen tieferen Sinn, wenn ein, sagen wir mal Vater von zwei Kindern, der ganz zufällig Polizist geworden ist und vielleicht gerade gestern noch bei einem Unfall erste Hilfe geleistet hat, wenn dieser Polizist tags darauf einen Stein an den Kopf bekommt oder sich Verbrennungen dritten Grades einhandelt. Denn immerhin ist er ja ein „Drecksbulle“ und ein Verteidiger des „Schweinestaats“.</p>
<p>Nein, man muss schon fair bleiben. Die Autonomen haben ganz sicher über all das nachgedacht. Es ist also auch absolut gerechtfertigt, dass der Steuerzahler für die Polizeieinsätze Millionen bezahlt, denn in Deutschland darf sich jeder frei äußern.</p>
<p>Was ist aber mit all den Autonomen, die in Wirklichkeit gar keine Autonomen sind, die eigentlich noch bei Mama wohnen und ganz sicher keine Ahnung haben, was Anarchie oder Demokratie oder was auch immer überhaupt bedeutet, weil das bis zur 9. Klasse noch kein Lehrstoff war? Was macht man mit denen? Sie auf Klassenfahrt nach Mosambik schicken und dort für eine Weile als Selbstversorger aussetzen? Es könnte sein, dass dem einen oder anderen so eine Reise ganz gut tun würde. Aber das wäre wohl doch ein bisschen hart.</p>
<p>Suchen wir lieber den Dialog. Nehmen wir diese jungen Menschen zur Seite und fragen nach. Was, ihr Lieben, ist denn für euch Anarchie? „Anarchie ist Freibier und nicht arbeiten“, hat letztens ein Autonomer im Fernsehen verkündet. Der war aber nicht 15 Jahre alt, sondern 29 und ein Vordenker der Szene (so stand es im Subtitel). Der Nachwuchs wird eher ratlos die Schultern heben und vielleicht was von Spaß und Frust erzählen. Für den tieferen Einblick in die gewichtigen Argumente der Autonomen fehlt hier noch ein wenig die Reife. Aber mit solchen Vorbildern wie diesem 29-jährigen Vordenker wird sich diese Reife sicherlich irgendwann einstellen.</p>
<p>Und dann darf man endlich Steine schmeißen – man hat ja einen Grund.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
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