<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; randgruppenbeleidigung</title>
	<atom:link href="http://www.stadtkind-hannover.de/kolumnen/randgruppenbeleidigung/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.stadtkind-hannover.de</link>
	<description>Ein weiteres tolles WordPress-Blog</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Sep 2010 14:35:57 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>radio-stripper</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/07/radio-stripper/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/07/radio-stripper/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 22:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-07]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=8569</guid>
		<description><![CDATA[Sie träumt, dass sie eines Tages zum Telefonhörer greift und eine Nummer wählt, um dem Menschen am anderen Ende, einem völlig Fremden, wirklich alles zu erzählen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich las ich von einer Frau (deren Namen die Redaktion natürlich geändert hatte), die immer wieder den gleichen, schrecklichen Traum hat. Sie träumt, dass sie eines Tages zum Telefonhörer greift und eine Nummer wählt, um dem Menschen am anderen Ende, einem völlig Fremden, wirklich alles zu erzählen. Einfach alles, die ganze Geschichte, von vorne bis hinten. Ihr ganzes Leben ohne Auslassungen.</p>
<p>Sie erzählt von ihrer schwierigen Kindheit, dass ihr Vater getrunken und sie geschlagen habe, ihre Mutter ebenfalls, nur seltener, sie schildert haarklein die Doktorspiele mit Onkel Franz, der eigentlich nicht ihr Onkel war, sondern ein Nachbar, der aber bei ihr zu Hause ein und aus ging und fast zur Familie gehörte, sie erzählt, dass sie ihren kleinen Hund in der Regentonne ertränkt habe, aus Frust, weil das Zeugnis in der siebten Klasse so schlecht gewesen sei, sich berichtet von ihrer Zeit auf der Hauptschule und von ihren Affären mit Heiko, Stephan, Markus, Karsten, Guido und Dirk, Thomas, Michael, Thorsten, Detlef und Nina, wobei die ein einmaliger Ausrutscher war, im Gegensatz zu Detlef, der ihr Deutschlehrer gewesen sei, und dass das Wörtchen „und“ zwischen Guido und Dirk schon seinen Grund habe.</p>
<p>Sie erzählt davon, dass sie nach der Hauptschule noch die Realschule besucht habe, dass sie gekämpft habe und irgendwann tatsächlich den qualifizierten Realschulabschluss in der Tasche hatte, dass sie eigentlich sogar aufs Gymnasium gehen wollte, aber ihr Vater das verboten habe, weil sie endlich ihr eigenes Geld verdienen sollte, dass sie dann eine Lehre in einer Fleischerei angefangen habe, der Chef sie aber immer angefasst hätte, dass sie die Lehre deshalb zuerst abgebrochen habe und schließlich doch in einer anderen Fleischerei beenden konnte. Und dann sei sie mit dem ersten eigenen Geld in der Tasche sofort zu Hause ausgezogen, auch um Onkel Franz aus dem Weg zu gehen.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/6-27_SK_Juli_10_721.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-8568" title="Ich kenne Sie zwar nicht, aber Sie kennen gleich mich!" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/6-27_SK_Juli_10_721-189x300.jpg" alt="" width="189" height="300" /></a>Und sie erzählt weiter, dass sie inzwischen verheiratet sei, aber dass sie wohl eher Pech mit Männern habe, weil ihr Mann ein ziemlicher Versager sei, ohne Job aber dafür mit ziemlich großer Schnauze, und dass sie inzwischen drei Kinder habe, zwei Mädchen und einen Jungen, eine unglaublich wilde Bande, weswegen ihr auch manchmal die Hand ausrutschen würde, und dass es ihr danach immer leid täte und sie dann zur Flasche greifen würde, weil sie auch nicht besser sei, als ihre Eltern, und dass sie wegen dem Alkohol in letzter Zeit häufig zu spät zur Arbeit kommen würde, weswegen wohl jetzt bald die Kündigung ins Haus flattern dürfte, und dass sie, wenn es so weit kommen würde, für gar nichts mehr garantieren könnte.</p>
<p>Nebenbei erzählt sie noch, wie sie heißt und wo sie im Augenblick wohnt und dass man vielleicht schon mal den Notarzt rufen sollte.</p>
<p>Was ist an diesem Traum nun besonders schlimm? Es ist ja nur ein Traum. Sie ruft einen fremden Menschen an und erzählt ihm ihre Geschichte – so what?</p>
<p>Aber der Traum ist noch nicht zu Ende, denn während sie erzählt, meint sie, aus der Nachbarwohnung ein Echo ihrer Stimme zu hören, und als sie irgendwann das Fenster zur Straße öffnet, steht da ein Wagen mit heruntergelassener Scheibe und aus dem Wagen erklingt ebenfalls ihre Stimme. Und dann begreift sie, dass sie gerade mit irgendeinem Radiotypen telefoniert und legt ganz schnell auf. Später geht sie noch einkaufen und alle zeigen mit dem Finger auf sie. Schrecklich! Ein wahrhaft fürchterlicher Traum.</p>
<p>Was für ein Glück, dass so etwas im wirklichen Leben nie passiert. Man stelle sich das mal vor, dass tatsächlich Leute bei Radiosendern anrufen, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen und dabei auch noch ihren Namen und ihre Adresse ausplaudern. Das wäre ja total verrückt. Am Ende könnte man sich sogar vorstellen, dass solche Leute sich in irgendwelche TV-Talkshows setzen und sich medial vollkommen entblößen. Oder dass sie sich im Internet eine eigene Seite einrichten, auf der sie ihre Geschichte dann auch noch bebildern. Aber so verrückt ist ja Gott sei Dank keiner…</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/07/radio-stripper/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>walking acts</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/06/walking-acts/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/06/walking-acts/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 May 2010 22:00:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-06]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=8179</guid>
		<description><![CDATA[Jede Wette, dass es viele gibt, die bis dato gar nicht wussten, dass es für „die Bekloppten“ überhaupt eine offizielle Bezeichnung gibt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da freut man sich auf den Sommer, auf unzählige Open Airs, auf Kleinkunst, Musik und Bratwurst am laufenden Meter, macht sich auf zu den Freiluftbühnen der Stadt – und noch ehe man die Bühnen erreicht, sind sie da. Bleiben einfach vor einem stehen, glotzen und sagen nichts und behaupten, es sei Theater.</p>
<p>Und da man selbst kein Theater machen möchte, weil man erstens genauso wenig Talent hat wie sie und zweitens auch keine Lust, sich an einem so sonnigen Tag aufzuregen, geht man weiter. Solange, bis der nächste sich kackendreist auf Stelzen vor einem aufbaut, groß und unheimlich und unheimlich lächerlich. Und hätte man nicht alle Hände voll zu tun, weil man dem Stand zuvor trotz überteuerter Preise nicht widerstehen konnte, man würde es nun diesem Stehenden heimzahlen und ihn von den Kackstelzen reißen, nur damit nicht noch andere beläs-tigt werden.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/06-38_Juni_SK_10_72.jpg"><img class="size-medium wp-image-8180 alignleft" title="Ein absolutes No-Go" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/06-38_Juni_SK_10_72-289x300.jpg" alt="" width="289" height="300" /></a>Die Befürchtung ist berechtigt. Walking Acts wechseln ganz gerne den Standort. Ungefragt mischen sie sich in die Menge, um sich selbst zu Kleinkünstlern und Passanten zum Publikum zu erklären. Und nie wäre auch nur einer von ihnen mal auf die Idee gekommen, die Passanten vorab zu fragen, ob sie denn Publikum werden möchten. Walking Acts brauchen kein grünes Licht. Walking Acts brauchen auch keine Bühne. Über Letzteres sind sich die Walking Acts wohl mit uns einig. Nur über den Grund herrscht noch Unstimmigkeit: Wer nichts kann, braucht auch keine Bühne. Jede Wette, dass es viele gibt, die bis dato gar nicht wussten, dass es für „die Bekloppten“ überhaupt eine offizielle Bezeichnung gibt. Wie die Walking Acts zu ihrem Namen kamen, werden die jetzt weiter wissen wollen. Ganz einfach:</p>
<p>Für sie ist es ein Spaziergang, Geld zu verdienen. Kilometer reißen sie dabei nicht, den Arsch reißen sie sich erst recht nicht auf. Selbst sprechen können die meisten nicht. Sie können nichts.</p>
<p>Das Problem: Auch jemand, der nichts kann, der also keine Bühne braucht, braucht Geld. Um an Geld zu gelangen, muss man was tun. Also „tun“ die Walking Acts einen Topf auf den Boden stellen. Jetzt wird man uns natürlich wieder vorwerfen, alles in einen Topf zu schmeißen, aber wir werden uns hüten, auch nur einen Cent dafür zu geben, das könnt ihr uns glauben! Nicht, dass wir missverstanden werden: Kein Geld zu haben, ist mitunter das Schlimmste. Die gesamte Stadtkind-Redaktion wird geschlossen hinter dieser Aussage stehen. Und unser Respekt gilt allen, die sich stillschweigend auf den Boden setzen, mit einem leeren Pappbecher in der Hand, den sie noch nicht einmal selbst leeren durften. Brauchen die weniger Geld als ein Walking Act? Nein. Aber nennen sie sich deswegen gleich Sitting Act und ziehen eine dumme Grimasse, wenn man ihnen etwas in den Becher wirft? Der kleine aber feine Unterschied: Hinter Walking Acts stecken freischaffende Künstler. Und einem Künstler geht es in erster Linie ja nicht um das Geld, sondern darum, seine Eitelkeit zu befriedigen. Der Bettelgang wird zum Walking Act, denn eitle Menschen betteln nicht. Also werden sie niemals einfach nur regungslos dastehen und zugucken, wie ihnen jemand ein Geldstück gibt.</p>
<p>Sie werden regungslos dastehen und zugucken – und dann, so plötzlich, dass einem die Wurst fast aus der Hand fällt, werden sie jonglieren, gestikulieren, erst die Mimik, manchmal die Stimme und später ihre Füße einsetzen, um sich mit Bewegungen wie ein Roboter oder schlichtweg wie ein Idiot aus dem Staub zu machen und zwanzig Meter weiterzuziehen, da ihnen das Ganze wohl selbst ein wenig peinlich erscheint.</p>
<p>Einigen wir uns darauf, dass der Walking Act ein kleines Phänomen, aber mit Sicherheit keine Kleinkunst ist. Verdienen werden sie damit wohl nichts. Und wenn wir es uns so recht überlegen: Selbst ihren Namen hat diese Keinkunst nicht verdient. Nun möchten wir den Keinkünstlern ja nicht gleich alles nehmen. Lassen wir ihnen die Anglizismen. Der Walking Act ist schlichtweg ein No-Go.</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/06/walking-acts/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>die dritte klasse der steuersünder</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/die-dritte-klasse-der-steuersunder/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/die-dritte-klasse-der-steuersunder/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 22:00:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-05]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=7270</guid>
		<description><![CDATA[Diese Klasse verlegt ihren Wohnsitz mal eben in die Schweiz, gibt als Beruf „Rennfahrer“ an und gilt bei den Eidgenossen fortan als „erwerbsloser Ausländer“, weil es in der Schweiz keine Rennpisten gibt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1.500 Namen von deutschen Staatsbürgern sollen sich auf der neuen „Steuersünder-CD“ finden, 1.500 schwarze Schafe, die ihr Geld am Fiskus vorbei ins Ausland geschafft haben. Jetzt können sie sich entweder selbst anzeigen oder warten, bis die Fahnder an der Haustür klingen, um mal einen dezenten Blick in die verschlossenen Schreibtischschubladen zu werfen und die heimischen Computer in die Dienstwagen zu verfrachten. Man darf gespannt sein, ob auch wieder ein paar prominente Sünder dran glauben müssen, ein paar Zumwinkels dieser Welt, die dann öffentlich reuevoll das Haupt senken dürfen, während sie auf ihre Strafe warten, die sie so arg sicher nicht treffen wird. Bei einem Steuersünder der Zumwinkel-Klasse bleibt auch nach Abzug der Nachzahlung genug übrig, um weiter herrlich sorgenfrei leben zu können.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Nase_72.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-7271" title="Der liebe Herr Schumacher" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Nase_72-271x300.jpg" alt="" width="271" height="300" /></a>Es gibt ja ganz unterschiedliche Klassen von Steuersündern. Im Grunde sind es drei: Bei den Zumwinkels fragt man sich, warum sie sich diesem Nervenkitzel überhaupt aussetzen. Sie hätten doch auch ohne Steuerhinterziehung genug auf der hohen Kante. Aber vielleicht ist es genau das: Ein bisschen Abenteuer, weil es ihnen da oben an der Spitze der Gesellschaft zu langweilig geworden ist. Ganz anders die zweite Klasse. Sie könnte auf diesen Nervenkitzel bestimmt gut verzichten. An der Steuer verzweifelnde Mittelständler oder gut verdienende Angestellte, die nicht einsehen, warum sie ihr sauer verdientes Geld, ihr hart erarbeitetes Einkommen, mit den anderen teilen sollen, diesen ganzen „Schmarotzern“, für die der Sozialstaat die Versorgung übernommen hat und die gar keine Lust haben, sich selbst um ihr tägliches Brot zu kümmern. So jedenfalls steht es ja ständig in der Zeitung.</p>
<p>Also wählt man den illegalen Weg, versteckt ein bisschen Bares unter dem Beifahrersitz und macht sich auf ins Ausland. Kleine und größere Fische sind in Sachen Bargeldschmuggel tagtäglich auf den Autobahnen unterwegs. Im Gepäck immer die Angst, erwischt zu werden, denn im Gegensatz zu den Zumwinkel-Fischen, die lieber fahren lassen, wäre die Entdeckung für diese Sünder doch sehr schmerzhaft und würde wahrscheinlich sogar die Existenz bedrohen, die kleine Firma oder zumindest das sauer erschwindelte Ferienhaus in der Toskana. Egal ob erste oder zweite Klasse, diese beiden Steuersünder-Randgruppen hätten es durchaus verdient, hier ein bisschen durchbeleidigt zu werden. Man könnte anklagend den Zeigefinger heben: Fahrt ihr nicht auf den Straßen, die von der Allgemeinheit finanziert werden, gehen eure Kinder nicht auf unsere Schulen, bekommt ihr kein Kindergeld? Ihr solltet euch schämen, müsste man ihnen zurufen. Aber das wäre Platzverschwendung, denn die zweite Klasse hat wahrscheinlich sowieso schon ein schlechtes Gewissen und die erste Klasse genug Geld, um auf ein Gewissen grundsätzlich verzichten zu können. Außerdem bleibt so mehr Raum für die dritte Klasse der Steuersünder, die Schumacher-Klasse. Diese Klasse verlegt ihren Wohnsitz mal eben in die Schweiz, gibt als Beruf „Rennfahrer“ an und gilt bei den Eidgenossen fortan als „erwerbsloser Ausländer“, weil es in der Schweiz keine Rennpisten gibt. Also muss der Gute dort auch keine Steuern bezahlen, nur das Fünffache seiner Jahresmiete. Was natürlich weitaus günstiger ist, als hier in Deutschland den Fiskus zu bedienen. Dabei bleibt der liebe Herr Schumacher natürlich deutscher Staatsbürger. Immerhin hat er ja hier bei uns die meisten Fans. Sähe doch irgendwie nicht gut aus, wenn er plötzlich Schweizer werden würde. Obwohl das nach dem alten Klischee vom langsamen Schweizer ganz gut passen würde, so wie er augenblicklich in der Formel-1 unterwegs ist. Was machen wir nun mit dieser dritten Klasse? Die üblichen Fragen können wir nicht stellen. Wahrscheinlich ist der Schumacher in Deutschland inzwischen nur mit dem Privathubschrauber unterwegs, nutzt also nicht unsere Straßen, seine Kinder werden eine staatliche Schule nie von innen kennen lernen und Kindergeld hat die Familie Schumacher schätzungsweise auch nicht bezogen. Mit welchem Recht sollen wir also verlangen, dass er hier bei uns Steuern zahlt? Wir können ihn höchstens ziemlich drittklassig finden.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/die-dritte-klasse-der-steuersunder/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>verantwortungslose hausbesitzer</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/verantwortungslose-hausbesitzer/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/verantwortungslose-hausbesitzer/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 22:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-04]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=6932</guid>
		<description><![CDATA[Dem strengen und schneereichen Winter ist es zu verdanken, dass wir sie nun kennen, die verantwortungslosen Hausbesitzer in Hannover (und darüber nachdenken, demnächst online eine Liste dieser schwarzen Schafe zu veröffentlichen).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf dem Dorf ist es ganz leicht, die schwarzen Schafe zu identifizieren. Da sind die Grundstücke klar voneinander getrennt, und so weiß ein jeder, welcher Bürgersteig zu wem gehört. Wer seinen Teil nicht regelmäßig fegt, der fällt irgendwann auf und steht alsbald am Pranger der dörflichen Gemeinschaft. Und wer seinen Vorgarten nicht sauber hält, der kann sich erst recht auf was gefasst machen. Schon bald werden die Kinder nicht mehr zum Spielen abgeholt und bei nachbarschaftlichen Aktivitäten (gemeinsames Kränzen zur Silberhochzeit) wartet man vergeblich auf die Einladung. Dieses System der gesellschaftlichen Ächtung mag zwar ein bisschen fragwürdig sein, doch immerhin sorgt es für saubere Bürgersteige und Vorgärten. Und das ist, wie jeder weiß, ungemein wichtig, denn nur in einer aufgeräumten Umgebung hat der menschliche Geist Platz für saubere Gedanken. Im Chaos entsteht dagegen selten Glanzvolles.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/16-18_Stadtkind_April_10_72.jpg"><img class="size-medium wp-image-6929 alignleft" title="*KratzSchabSchab*" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/16-18_Stadtkind_April_10_72-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>In der Stadt ist das alles nun nicht ganz so einfach. Da gibt es zwar ebenfalls Häuser mit dazugehörigen Bürgersteigen und manchmal sogar Vorgärten, aber wem in den Straßen Hannovers was gehört, das weiß niemand so ganz genau. Da wohnen die Menschen zur Miete und der Hausbesitzer sitzt irgendwo weit weg in seinem Garten in der Wedemark. Die Stadtreinigung wird es schon richten. Schlussendlich bedeutet das: Chaos auf den Bürgersteigen, nicht nur in diesen Tagen mit Rollsplitt, Silvester-Resten und aufgetauter Hundescheiße. Dem strengen und schneereichen Winter ist es zu verdanken, dass wir sie nun kennen, die verantwortungslosen Hausbesitzer in Hannover (und darüber nachdenken, demnächst online eine Liste dieser schwarzen Schafe zu veröffentlichen). Ganz unfreiwillig haben sie sich geoutet. Denn es gibt natürlich auch die anderen, die vorbildlichen Eigentümer. Jene Menschen, die morgens mit dem ersten Vogelgezwitscher aus den Federn sind, während der kalten, verschneiten Tage, und sich schon um halb sechs an ihre Bürgersteige gemacht haben. Ein liebliches Geräusch für alle Sauberkeit und Ordnung liebenden Bürger, dieses morgendliche Kratzen und Schaben. Ganz wunderbar, der sichere Schritt hinaus auf einen von Schnee, Eis und Unrat befreiten Gehweg. Fürchterlich und gefährlich dann der harte Übergang auf den benachbarten Abschnitt. Für saubere Kanten haben die weißen Schafe gesorgt, für klare Linien, manchmal millimetergenau gezogen, eine gleichsam anklagende Gerade von der Hauswand zur Straße, auf der einen Seite reiner Asphalt, sauberes Pflaster, auf der anderen das weiß-gräuliche Chaos. So konnte man durch die Straßen der Stadt gehen und die Spreu vom Weizen trennen. Hier die Tugendhaften, die noch daran glauben, dass Eigentum verpflichtet, dort die Fraktion der Verantwortungslosen, die lieber in der Wedemark sitzen und Kaffee trinken, während die Miete auf dem Konto klingelt und unbescholtene Bürger sich die Hachsen brechen. Infam ihre Erklärungsversuche und Ausflüchte: „Es ist doch viel schöner, wenn der Schnee liegen bleibt und die Eltern mit ihren Kindern und dem Schlitten unterwegs sein können, ohne ständig absteigen zu müssen.“ Nicht mit uns! Schlitten gehören in den Deister und nicht auf den Gehweg und Kinder sollten sowieso nicht auf der Straße spielen. Und um gleich mal für den Frühling und den Sommer vorzusorgen: Auch heimische Kräuter und Pflanzen haben auf dem Bürgersteig nichts zu suchen. Dafür gibt es in Hannover genug Grünflächen, die für solchen Bewuchs vorgesehen sind. Denkt nach, rufen wir hiermit allen verantwortungslosen Hausbesitzern zu: Verschmutzte Gehwege mit Löwenzahn sind die Pilgerpfade der Anarchisten!</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/verantwortungslose-hausbesitzer/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>mäuschen</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/03/mauschen/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/03/mauschen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 22:00:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-03]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=6084</guid>
		<description><![CDATA[Unter den Menschen tummelt sich aber eine Unterart, die eher insgeheim ihr Gift verspritzt. Und wer ihnen bereits begegnet ist, der kann auch die vermeintliche Angst von Elefanten vor Mäusen nachvollziehen. Wir sprechen von den menschlichen Mäusen. Den Mäuschen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn plötzlich die Nackenhaare senkrecht zu Berge stehen, der Magen sich verkrampft, kalter Schweiß von der Stirn tropft, dann sind das Symptome der Angst, Zeichen einer Bedrohung, einer unheimlichen Begegnung, die jeder Mensch kennt. Angst kann man vor allen möglichen Dingen und Kreaturen haben, manchmal völlig unbegründet, manchmal völlig zu Recht. Unbegründet zum Beispiel angesichts einer harmlosen deutschen Kellerspinne, absolut begründet angesichts einer Schwarzen Witwe (Latrodectus mactans). Elefanten beispielsweise haben, so sagt man, Angst vor Mäusen. Völlig unverständlich, wenn es denn tatsächlich so ist. Menschen haben wohl am häufigsten Angst vor anderen Menschen. Das wiederum ist völlig verständlich. Unsere Spezies bringt doch sehr häufig ungemein gefährliche Individuen hervor, Diktatoren oder Hausmeister, Terroristen oder unausgeschlafene und entsprechend griesgrämige Busfahrer.</p>
<p>Allerdings gibt es bei diesen gefährlichen Individuen – wenigstens meistens – klare Verhältnisse. Man weiß, woran man ist. Unter den Menschen tummelt sich aber eine Unterart, die eher insgeheim ihr Gift verspritzt. Und wer ihnen bereits begegnet ist, der kann auch die vermeintliche Angst von Elefanten vor Mäusen nachvollziehen. Wir sprechen von den menschlichen Mäusen. Den Mäuschen. Mäuschen sind in der Regel weiblich. Es gibt sie natürlich auch unter den männlichen Vertretern unserer Art, aber das ist eher selten. Die wenigen, die es gibt, müssen noch ein bisschen üben. Mäuschen sind hochspezialisierte Wesen. Allein das Sprechen mit der sehr hohen, piepsigen Stimme fällt den Männern bisher nicht so leicht.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/03/Mäuschen.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-6083" title="Mäuschen sollten jetzt mal gut aufpassen!" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/03/Mäuschen-213x300.jpg" alt="" width="213" height="300" /></a> Wie definiert sich nun so ein Mäuschen?</p>
<p>Mäuschen sind Schmarotzer, sie laben sich an der Zeit ihrer Mitmenschen, weil sie ständig Hilfe brauchen, wirklich gar nichts alleine können, absolut unselbstständig sind, völlig lebensunfähig.</p>
<p>„Ohhhhhhh“, sagen sie dann, wobei sich ihre Stimme sensationell gekonnt zum hohen c&#8221; aufschwingt, „daaaaaaas kaaaaaaaaaan iiiiich niiiiicht. Kaaaanst Duuuu miiiir dabeiiiiii heeeeeelfen?“</p>
<p>Und weil so ein Mäuschen gekonnt den Eindruck vermittelt, ein wirklich zerbrechliches kleines Sensibelchen zu sein, lässt man sich ohne groß nachzudenken hinreißen und hilft. Bei den einfachsten, alltäglichsten Dingen. Immer wieder.</p>
<p>Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, ist man ständig dran, denn Mäuschen sind äußerst anhängliche Wesen. Sie lassen die Hand, die sie füttert, nur ungern wieder los.</p>
<p>Nicht zu verwechseln sind Mäuschen übrigens mit jenen Karrierefrauen, die zum Beispiel gerne mit hoher, piepsiger Stimme andere kritisieren, damit es nicht ganz so hart klingt, die aber eigentlich über Leichen gehen. Das ist noch mal eine ganz eigene Randgruppe.</p>
<p>Die Mäuschen, die wir meinen, machen gemeinhin keine Karriere. Sie lassen höchstens Karriere machen. Sie instrumentalisieren ihre Mitmenschen. Ohne Absicht allerdings, und das ist das Besondere. Mäuschen sind fürchterlich harmlos, sie sind derart nett, dass es schmerzt.</p>
<p>Wer einmal ein solches Mäuschen kennen gelernt hat, der kennt die Gefahr, dem stehen die Nackenhaare zu Berge, bei dem verkrampft sich der Magen und der Angstschweiß tropft von der Stirn, wenn er nur von weitem den bedrohlichen Singsang hört. So jemand ergreift weiträumig die Flucht, denn einem Mäuschen die Hilfe zu verweigern, das ist nicht leicht. Das ist im Gegenteil äußerst schwer, denn wenn man nicht hilft, droht so einem zarten Geschöpf ja der Untergang. Etwa so, wie wenn man jemanden allein und mit verbundenen Augen im Moor zurücklässt. Zumindest vermittelt ein Mäuschen diesen Eindruck mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Darum ist es auch so schwer, den Hilferuf eines Mäuschens zurückzuweisen.</p>
<p>„Duuuuuuuuuuuuu, daaaaaaaaaaas kaaaaaanst duuuuu auuuuuch alleiiiine, du duuuummmmme Nuuuuuuusssssss“, möchte man eigentlich antworten. Doch dann müsste man die empörten Blicke der Mitmenschen aushalten. Wie kann man nur? Sie ist doch so ein kleines, unsicheres, zartes Wesen&#8230;</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/03/mauschen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>die sport-schminkerin</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/die-sport-schminkerin/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/die-sport-schminkerin/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 22:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2010-02]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=7635</guid>
		<description><![CDATA[Die Schminke vor dem Training ist niemals identisch mit der Schminke nach dem Training. Und der Geruch ebenfalls nicht, da hilft auch keine Deo-Dusche.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sport und Mord haben in der Regel nichts miteinander zu tun. Das ist nur so ein Gerücht. Eher im Gegenteil: Körperliche Ertüchtigung hält munter, fit und gesund. Sport ist nur Mord,  wenn der eifrige Sportsfreund IHR begegnet: der (auf den ersten Blick durchaus sympathischen) Sport-Schminkerin. Derjenigen Sportsfreundin, die sämtliche Regeln der Körperhygiene ganz unkonventionell bricht. Und ihre sportliche Umwelt damit auf recht morbide Gedanken bringt.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/die-sport-schminkerin.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-7634" title="Noch sitzt alles..." src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/die-sport-schminkerin.jpg" alt="" width="265" height="279" /></a>Frisch, fromm, fröhlich, frei tänzelt sie in die karibisch klimatisierte Fitnesshalle, die gut gelaunte Sport-Schminkerin. Auf ihrem Antlitz leuchtet eine bunte Vielfalt kosmetischer Primär- und Sekundärfarben. Ihre Aura umhüllt eine nachhaltig duftende Odeur-Wolke.</p>
<p>Doppeldaumen hoch, möchte ich ihr in diesem Moment entgegen juchzen, der freundlichen Sport-Schminkerin. Sie beweist geruchsattraktive Grazie, selbst unter Extremstbedingungen.</p>
<p>Nun rackert sie sich bis zum körperlichen Exodus auf dem Elipsen-Trainer ab. Ihre Muskeln formt sie zielstrebig auf der Hantelbank. Der Schweiß fließt flussauf- und flussabwärts. Unermüdlich zieht sie ihre Bahnen auf dem Rudergerät. Mit letzter Kraft reduziert sie ihren Körperfettanteil auf dem Ergometer auf Kinderportion.</p>
<p>Bei Kilometer 10 auf dem Laufband jedoch schwappt eine erste geruchsintensive Welle zu mir herüber. Ich blicke in die schwarz-fleckigen Panda-Augen meiner sprintenden Mitstreiterin. Auf ihrer Nase bildet sich eine disharmonisch gescheckte Make-Up-Grundierung. Jetzt hat auch sie es im Spiegel bemerkt und entfleucht gleich darauf in Richtung Umkleidekabine, die erschöpfte und derangierte Sport-Schminkerin. Ein wenig desillusioniert gehe ich ihr nach – auch mein Tagewerk ist getan.</p>
<p>Und wundere mich, als sie die auffällig positionierten Duschkabinen mit Nichtachtung straft, um sich gleich darauf verschwitzt und entsprechend geschmeidig zurück in ihre hautenge Alltagskluft zu pellen. Nun zückt sie ihr Deodorant aus der Tasche und schwenkt es ausschweifend, vernebelt ihre Achseln und alles, was sonst noch in der Nähe ist. Das reicht nicht, möchte man ihr zurufen. Das rächt sich! Mit einem Finger schiebt sie die bröselige Mascara zurück auf die Wimpern, die verschwitzte Sport-Schminkerin. Anschließend verwöhnt sie ihre nassen Rundungen mit einer großzügigen Brise ihres dezent mockernden Lieblingsparfums. Ein Schuss Haarlack in die verklebten Frisuren-Reste, ein schelmischer Blick zum recycelten Spiegelbild und fertig ist der neue, alte Look. Die Sport-Schminkerin hat eine Entscheidung getroffen, sie hat ihr aufwendiges Antlitz lieber restauriert, um sich nach der Dusche nicht von Grund auf neu erschaffen zu müssen.</p>
<p>Die unfreiwilligen Zeugen fragen sich in einer Mischung aus Verzweiflung und Atemlähmung: Warum nur dieses wasserresistente Verhalten, Freundinnen der sportlichen Geruchsfairness? Das Duschen ist doch im Mitgliedsbeitrag enthalten! Nutzt dieses einladende Angebot der Turnhalle eures Vertrauens!</p>
<p>Vielleicht habt ihr eure Dusch-Schlappiletten zu Hause vergessen. Auch möglich, dass ihr und eure Nasszelle gleich um die Ecke wohnt. Aber wie bitte erklärt ihr das den Passanten, denen ihr auf dem Heimweg begegnet? Ihr schwitzt von Natur aus nicht? Eure Schminke ist wasserfest? Das glauben wir euch gern, sofern ihr euer Training an der Fitness-Bar abgesessen habt. In allen anderen Fällen gilt: Die Schminke vor dem Training ist niemals identisch mit der Schminke nach dem Training. Und der Geruch ebenfalls nicht, da hilft auch keine Deo-Dusche. Schweiß gewinnt immer, meistens schon nach kurzer Zeit. Wehe du setzt dich im Bus neben mich, verdammte Sport-Schminkerin!</p>
<p><strong>Yvonne Haronska</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/die-sport-schminkerin/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>sparsame vermieter</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/10/sparsame-vermieter/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/10/sparsame-vermieter/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 22:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2009-10]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=5521</guid>
		<description><![CDATA[Irgendwann passiert es jedem. Da klingelt der freundliche Vermieter, sagt kurz, dass irgendwas an der Gasheizung erledigt werden müsse, ein paar Rohre im Keller seien ein bisschen alt, nichts Schlimmes und schon gar nichts Gefährliches, nur das warme Wasser würde mal für eine Weile ausfallen, so etwa ab acht am nächsten Morgen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwann passiert es jedem. Da klingelt der freundliche Vermieter, sagt kurz, dass irgendwas an der Gasheizung erledigt werden müsse, ein paar Rohre im Keller seien ein bisschen alt, nichts Schlimmes und schon gar nichts Gefährliches, nur das warme Wasser würde mal für eine Weile ausfallen, so etwa ab acht am nächsten Morgen. Die Handwerker seien aber von der schnellen Sorte, zwei Jungs aus Polen, eben günstig, man müsse ja auch sehen, wo man bleibe, aber sehr zuverlässig. Da könne man sich hundertprozentig drauf verlassen. Die würden keinen Pfusch machen, schon gar nicht an der Gasleitung, wenn er sich da nicht ganz sicher wäre, dann hätte er natürlich ganz offiziell eine deutsche Firma beauftragt.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/11/10-27_Stadtkind1.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-5522" title="überpünktliche Handwerker aus Polen" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/11/10-27_Stadtkind1-300x235.jpg" alt="überpünktliche Handwerker aus Polen" width="300" height="235" /></a>Und dann zwinkert er und knufft einem noch verschwörerisch gegen den Oberarm. So geht man natürlich beruhigt schlafen, denkt sich noch, naja, wenn die morgen loslegen, bin ich längst aus dem Haus, und wenn die ganze Bude explodiert, habe ich eine gute Versicherung und vielleicht erwischt es dabei sogar die blöde Rentnerin aus 12a, die immer sofort die Polizei ruft, wenn man die Musik nur mal kurz ein kleines bisschen lauter dreht. Zum Beispiel wenn man duscht. Genau das versucht man am nächsten Morgen um kurz nach sechs. Doch das Wasser bleibt kalt. Die Flamme in der Therme bleibt aus. Das will man nicht glauben. Man rüttelt an der Therme, dreht an den Reglern, nimmt das Verdeck ab, rüttelt an den Leitungen, aber da tut sich gar nichts. Und dann fallen einem wieder die Handwerker ein. Haben die womöglich schon angefangen? Das geht natürlich nicht. Um neun hat man einen wichtigen Geschäftstermin. Ungeduscht darf man da nicht auftauchen. Also wirft man sich entschlossen in den Bademantel und klappert in FlipFlops die Treppen herunter, bis tief in den dunklen Keller.</p>
<p>Ja, da hinten brennt Licht. Zwei junge Männer sind eifrig bei der Arbeit. Man ordnet noch einmal den Bademantel, zieht den Gürtel fester, räuspert sich und klopft an den Türrahmen. Keine Reaktion. Also etwas lauter. Zwei fragende Gesichter wenden sich einem zu, Blicke wandern von den nackten Füßen hinauf, bleiben kurz am Bademantel hängen, und schließlich nicken sie freundlich. „Also, das geht ja so nicht“, beginnt man seine kurze Rede. „Um acht Uhr war vom Vermieter angesagt. Sie müssen das Gas jetzt schon erst wieder andrehen. Ich kann so nicht zur Arbeit.“ Die Gesichter bleiben fragend. Natürlich. Das sind Polen. Sie werden der deutschen Sprache nicht allzu mächtig sein.</p>
<p>Also deutet man auf die nicht vorhandene Armbanduhr. „Acht Uhr war angesagt. Viel zu früh. Ihr seid viel zu früh dran. Ich muss duschen.“ „Ah“, sagt der eine und schüttelt freundlich verneinend den Kopf. „Das geht nicht. Alles schon kaputt.“ Und dann deutet er auf diverse Rohre an der Wand, die teilweise zersägt sind. „Das gibt’s doch gar nicht. Das kann doch gar nicht sein. Ihr seid viel zu früh“, ereifert man sich. Und dann zeigt man ihnen acht Finger und deutet wieder auf die imaginäre Armbanduhr.</p>
<p>„Acht Uhr“, hört man sich kläglich krächzen, weil man die traurige Realität allmählich begreift. Nun meldet sich der zweite Pole zu Wort. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt er in lupenreinem Deutsch und grinst. Entnervt kehrt man zurück in die Wohnung, greift zum Telefon, legt wieder auf, weil es keinen Sinn macht, sich jetzt auch noch mit dem Vermieter rumzustreiten, der sowieso nur sagen wird, dass er ja etwa gegen acht gesagt habe, man doch froh sein könne, dass diese Handwerker so zuverlässig seien und damit die Arbeit schon in wenigen Stunden erledigt wäre. Man packt stattdessen seine sieben Sachen fürs Schwimmbad und macht sich auf den Weg.</p>
<p>Diese Randgruppenbeleidigung gilt allen sparsamen Vermietern in dieser Stadt. Engagiert bitte wieder deutsche Handwerker. Die kommen wenigstens nicht.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/10/sparsame-vermieter/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>ids-mütter</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/ids-mutter/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/ids-mutter/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 22:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2009-09]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=5179</guid>
		<description><![CDATA[Ihr Markenzeichen: eine bis über die Schmerzgrenze des Erträglichen erhöhte Tonlage, ein terrorisierender Tonhöhenverlauf, abgehackte Sätze, penetrante Wiederholungen, kurz: infant-directed speech (IDS). Die IDS-Mutter weiß, was sie tut. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Kleine Menschen reagieren besonders auf hohe Stimmen. Mütter wissen das. Was manche Mütter nicht zu wissen scheinen: Auch große Menschen reagieren besonders auf hohe Stimmen. Besonders allergisch. Das Stichwort lautet Lärm. Eine Belastung nicht nur für das Ohr, sondern für den ganzen Organismus. Ab einer bestimmten Lautstärke, so weiß man, wird es gefährlich. Ab einer bestimmten Tonhöhe, so spürt man, ist zumindest der nervliche Super- GAU vorprogrammiert.</p>
<p style="text-align: left;">Das menschliche Ohr kann Frequenzen zwischen 20 Hertz und 20.000 Hertz wahrnehmen. Schall, der darunter oder darüber liegt, kann zwar nicht mehr gehört werden, aber Unbehagen verursachen. Den Müttern, um die es in dieser Randgruppenbeleidigung geht, ist das alles Hertzlich egal. Sie können – wie die modernen Mütter von heute eben so sind – beides gleichzeitig: gehört werden und Unbehagen verursachen. Ihr Markenzeichen: eine bis über die Schmerzgrenze des Erträglichen erhöhte Tonlage, ein terrorisierender Tonhöhenverlauf, abgehackte Sätze, penetrante Wiederholungen, kurz: infant-directed speech (IDS).</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/10/IDS-Mütter_500px.jpg"><img class="size-full wp-image-5124 aligncenter" title="Das hält man ja im Kopf nicht aus..." src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/10/IDS-Mütter_500px.jpg" alt="Das hält man ja im Kopf nicht aus..." width="500" height="298" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Die IDS-Mutter weiß, was sie tut. Im Durchschnitt überdurchschnittlich gebildet, liest sie alles, was bei drei nicht im Altpapier liegt. Noch ehe das Kind rein optisch vom Dottersack zu unterscheiden ist, kennt sie sämtliche Abpumpsysteme und Rückbildungsrituale. Ihr Steckenpferd ist jedoch die Sprachförderung des heranwachsenden Statussymbols. Bestens informiert, hat sie den Dirty Talk aus dem Schlafzimmer verbannt und den Baby Talk zur Muttersprache deklariert. Der Ton macht schließlich die Musik. Und weil die Mama so ein Tausendsassa ist, hat sie die „melodische Sprache mit emotionaler Färbung“ sogar noch einmal ganz neu interpretiert. Herausgekommen ist eine Musik des Grauens, und zwar auf Repeat.</p>
<p style="text-align: left;">Was die IDS-Mutter nämlich auch weiß: Je häufiger eine Äußerung verstärkt wird, desto mehr verfestigt sie sich im Sprachrepertoire des Kindes. Letzteres muss nur einmal den Fehler begehen, mit seinem Fingerchen in irgendeine Richtung zu zeigen und dabei etwas Unverständliches zu brabbeln, und schon geht es los, in allerhöchster Tonlage: „Jaaa. Da ist ein Auto. Ein Auto. Da ist ein Auto. Ja, da ist ein Auto. Ein Auto. Ja, schau. Da ist ein Auto. Was macht denn das Auto? Das fährt. Das Auto fährt. Guck, es fährt. Das Auto fährt. Ja, das fährt, das Auto.” „Da!” „Ja, da. Da war ein Auto. Wo ist das Auto? Das Auto? Hm, wo ist das Auto? Das Auto ist weg, hm? Das Auto ist weg. Weg. Weg ist das Auto. Das Auto ist gefahren. Weg. Ist weggefahren, das Auto. Ja, weg ist das Auto. Kein Auto mehr da. Das Auto ist weg, Auto ist weg.”</p>
<p style="text-align: left;">So schrillt und schallt es auf Bürgersteigen, in Wartezimmern, Cafés und gerne auch in Büros, wenn die IDS-Mutter ihre Kollegen besucht. Und es schallt noch etwas eindringlicher, wenn die IDS-Mutter eine Spielecke entdeckt. Bauklötze! Selbst das kleinste Kind freut sich über die bunten Klötzchen, denn so ein kleiner, unverdorbener Mensch, der freut sich ja über alles. Und wenn er auch noch nicht damit bauen kann, so kann er doch damit schmeißen, klappern und fröhlich daran rumlutschen. Klaaatsch, wird die Kiste aus 1,50 Metern Höhe ausgekippt. Sicher, das Kind kann noch nicht alle Steine zu einem netten Gesamtbild verarbeiten. Aber es kann doch mal mit allen Steinen schmeißen, mit allen auf den Boden klopfen und mit allen seine orale Phase ausleben. Und wenn das friedliche Geschöpf doch nur ein oder zwei Steine in sein Herzchen schließen und alle anderen außer Acht lassen sollte, dann klopft die IDS-Mutter eben selbst mal kräftig mit jedem einzelnen Klötzchen aufs Parkett. „Schau mal, ein rotes Dreieck. Rotes Dreieck. Ja, was ist das?” „Da!” „Ja, da. Ein rotes Dreieck ist da. Rotes Dreieck. Ein rotes Dreieck. Guck, ein rotes Dreieck. Dreieck. Ein rotes Dreieck. Ein rotes Dreieck hat die Mama da. Ja, ein Dreieck! Rotes Dreieck! Rot! Rotes Dreieck. Die Mama hat ein rotes Dreieck. Und was ist das?” „Da!” „Jaaa, da ist noch ein Klötzchen, hm? So viele Klötzchen hast du. So viele Klötzchen. So viele Klötzchen hast du. Guck, ein blaues Klötzchen. Blau. Ein blaues Klötzchen hast du.” „Da!” „Ja, richtig! Blau ist das. Blau ist das. Jaaa. Da ist ein blaues, ein blaues Klötzchen&#8230;”</p>
<p style="text-align: left;">Liebe IDS-Mütter, im Grunde seid ihr doch nichts anderes als ADS-Mütter. Dass ihr mit fehlender Aufmerksamkeit gestraft werdet, liegt jedoch nicht am Kind. Vielleicht versucht ihr es künftig einfach mal mit maximal fünf Wortwiederholungen und einer etwas natürlicheren Tonlage. Ihr nervt nämlich gewaltig. Nervt. Ihr nervt. Ja, ihr nervt. Ihr nervt. Nervt. Nervt gewaltig. Ihr nervt. Gewaltig. Ganz gewaltig. Ihr nervt, ihr nervt, ihr nervt.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Text und Foto: Manuela Sender</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/ids-mutter/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>autonome</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/autonome/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/autonome/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 22:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2009-08]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://skneu.d-1.com/?p=4224</guid>
		<description><![CDATA[Was ist aber mit all den Autonomen, die in Wirklichkeit gar keine Autonomen sind, die eigentlich noch bei Mama wohnen und ganz sicher keine Ahnung haben, was Anarchie oder Demokratie oder was auch immer überhaupt bedeutet...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Viele Randgruppen in unserer bunten und schönen Gesellschaft sind als Randgruppe auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Die Bauchtänzerin verrät sich nicht im alltäglichen Leben; sie sieht aus wie alle anderen. Auch der Nackttöpfer begegnet uns im normalen Leben angezogen. Erst zur Ausübung ihrer Randgruppen-Passion schlüpfen diese Menschen in die entsprechenden Kostüme (oder entledigen sich ihrer Kleidung), treffen sich mit ihren Randgruppen-Komplizen und frönen ihrer Leidenschaft.</p>
<p>Es gibt durchaus sinnvolle Randgruppen-Aktivitäten, so zum Beispiel die Randgruppe der Frösche-Einsammler-und-über-die-Straße-Helfer. Oder zwar völlig überflüssige, aber dennoch weitgehend harmlose Randgruppen wie die der Karnevalisten. Es gibt da aber eine Randgruppe, die verkleidet sich ebenfalls, ist aber überhaupt nicht harmlos. Das ist die Gruppe der sogenannten Autonomen.</p>
<p>Nun wollen wir hier natürlich niemandem Unrecht tun, der sich gelegentlich, zum Beispiel am 1. Mai oder zum Schanzenfest in Hamburg, in die schwarze Kluft wirft und den Schal um das Gesicht wickelt, damit ihn der böse Staat nicht erkennt. Um so als Autonomer für alle erkennbar durch die Straßen zu ziehen und Parolen wie „Anarchie“ zu rufen. Dagegen ist ja eigentlich nichts einzuwenden. Natürlich ist die Anarchie als Grundlage für ein Gesellschaftssystem ein wenig fragwürdig, aber wir gehen mal davon aus, dass der gebildete Autonome sich ausreichend Gedanken über die verschiedenen Modelle gemacht hat und nach reiflicher Überlegung zu dem Ergebnis gekommen ist, dass zum Beispiel die Demokratie ihm nicht die Freiheit garantiert, die ihm ein gepflegter Anarchismus bescheren würde.</p>
<p>Wir unterlassen es also ausdrücklich, diese Menschen hier zu diffamieren und zum Beispiel zu behaupten, dass alle Autonomen nur Lust auf Randale haben, arbeitsscheue Gesellen sind, die dem Staat, den sie bekämpfen, gleichzeitig auf der Tasche liegen, und insgesamt nur eine diffuse Vorstellung von dem haben, was sie eigentlich wollen, wobei sie gleichzeitig wahllos alles mögliche nicht wollen.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-4223" title="Autonome" src="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2009/08/Autonome_net-300x162.jpg" alt="Autonome" width="300" height="162" />Nun gibt es aber jene unter den Autonomen, die den Staat, und als Stellvertreter die Polizei, als ihren Feind identifiziert haben und gegen diesen Feind in den Krieg ziehen. Also werfen sie bei passender Gelegenheit Steine oder Molotow-Cocktails oder was ihnen sonst gerade in die Finger kommt. Natürlich kann man auch hier geteilter Meinung sein. Jeder Mensch hat ja durchaus das Recht auf Selbstverteidigung.</p>
<p>Wenn ihm also Unrecht widerfährt, dann darf er sich dagegen wehren.</p>
<p>Klar ist es etwas mühsam zu verstehen, welches Unrecht den Autonomen in Deutschland widerfährt, aber da wird es bestimmt irgendwas geben. Die schmeißen ihre Steine ja nicht einfach so auf die Polizisten, oder? Ganz sicher hat es einen tieferen Sinn, wenn ein, sagen wir mal Vater von zwei Kindern, der ganz zufällig Polizist geworden ist und vielleicht gerade gestern noch bei einem Unfall erste Hilfe geleistet hat, wenn dieser Polizist tags darauf einen Stein an den Kopf bekommt oder sich Verbrennungen dritten Grades einhandelt. Denn immerhin ist er ja ein „Drecksbulle“ und ein Verteidiger des „Schweinestaats“.</p>
<p>Nein, man muss schon fair bleiben. Die Autonomen haben ganz sicher über all das nachgedacht. Es ist also auch absolut gerechtfertigt, dass der Steuerzahler für die Polizeieinsätze Millionen bezahlt, denn in Deutschland darf sich jeder frei äußern.</p>
<p>Was ist aber mit all den Autonomen, die in Wirklichkeit gar keine Autonomen sind, die eigentlich noch bei Mama wohnen und ganz sicher keine Ahnung haben, was Anarchie oder Demokratie oder was auch immer überhaupt bedeutet, weil das bis zur 9. Klasse noch kein Lehrstoff war? Was macht man mit denen? Sie auf Klassenfahrt nach Mosambik schicken und dort für eine Weile als Selbstversorger aussetzen? Es könnte sein, dass dem einen oder anderen so eine Reise ganz gut tun würde. Aber das wäre wohl doch ein bisschen hart.</p>
<p>Suchen wir lieber den Dialog. Nehmen wir diese jungen Menschen zur Seite und fragen nach. Was, ihr Lieben, ist denn für euch Anarchie? „Anarchie ist Freibier und nicht arbeiten“, hat letztens ein Autonomer im Fernsehen verkündet. Der war aber nicht 15 Jahre alt, sondern 29 und ein Vordenker der Szene (so stand es im Subtitel). Der Nachwuchs wird eher ratlos die Schultern heben und vielleicht was von Spaß und Frust erzählen. Für den tieferen Einblick in die gewichtigen Argumente der Autonomen fehlt hier noch ein wenig die Reife. Aber mit solchen Vorbildern wie diesem 29-jährigen Vordenker wird sich diese Reife sicherlich irgendwann einstellen.</p>
<p>Und dann darf man endlich Steine schmeißen – man hat ja einen Grund.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/autonome/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>7</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die „Ich-habe-das-echt-nicht-mehr-geschafft“-Umzieherin</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/die-%e2%80%9eich-habe-das-echt-nicht-mehr-geschafft%e2%80%9c-umzieherin/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/die-%e2%80%9eich-habe-das-echt-nicht-mehr-geschafft%e2%80%9c-umzieherin/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2009 15:45:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2009-06]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3983</guid>
		<description><![CDATA[Es ist immer die gleiche alte Geschichte. Man bekommt unter der Woche einen Anruf von einer alten Freundin. Ob man ihre Mail nicht bekommen habe, fragt sie. Welche Mail, fragt man zurück. „Na, wegen Samstag. Hast du Zeit, kommst du vorbei?“ Und ehe man noch einen klaren Gedanken fassen kann, sagt man: „Ja, Samstag müsste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Es ist immer die gleiche alte Geschichte. Man bekommt unter der Woche einen Anruf von einer alten Freundin. Ob man ihre Mail nicht bekommen habe, fragt sie. Welche Mail, fragt man zurück. „Na, wegen Samstag. Hast du Zeit, kommst du vorbei?“ Und ehe man noch einen klaren Gedanken fassen kann, sagt man: „Ja, Samstag müsste eigentlich gehen.“ „Oh, das ist nett“, tönt es dann aus dem Hörer. „Ein paar haben schon abgesagt. Ich will echt hoffen, dass wir genug sind. Ich wohne ja im vierten Stock. Aber in der neuen Wohnung müssen wir dafür nur in den dritten. Für Bier und Brötchen ist jedenfalls gesorgt. Um halb elf geht’s los. Und wenn du Lust hast, dann bring bitte dein Auto mit. Ich bin mir echt nicht sicher, ob wir mit dem Lieferwagen hinkommen. Der sah so klein aus. Also, dann bis Samstag.“</p>
<p style="text-align: left;">Und so steht man da, starrt noch eine Weile ungläubig auf den Hörer und ergibt sich schließlich seinem Schicksal. Es gibt nur drei Dinge, die moralisch absolut verwerflich sind: Fahrraddiebstahl, Mord und nicht zu einem Umzug zu kommen, wenn man zugesagt hat. Also setzt man sich am Samstag brav ins Auto und fährt zu der alten Freundin, überlegt sich unterwegs, dass sie sich vor diesem Anruf schon fast ein Jahr nicht gemeldet hatte, freut sich aber auch ein bisschen, denn Umzüge sind für alleinstehende Männer immer auch eine Chance. Wer weiß, vielleicht hat die alte Freundin in der Zeit, in der man sie nicht gesehen oder gesprochen hat, ja ein paar neue Freundinnen kennen gelernt. Möglicherweise ist ja die Eine dabei. Bei Umzügen können Männer ungeniert mit ihrer Muskelkraft protzen. Sie können zeigen, was sie drauf haben. Echte Männer natürlich. Bei Umzügen von jüngeren Menschen findet man heute leider immer mehr Metrosexuelle, die unbedingt wollen, dass man alles zu zweit trägt. Noch eine Gruppe gibt es, die eigentlich für eine eigene Randgruppenbeleidigung ausreichend Stoff bieten würde. Das sind die Theoretiker, die unbedingt den Wagen beladen müssen, die dafür aber nichts tragen können. Wie auch immer, man parkt möglichst in der Nähe, wundert sich, dass von einem Lieferwagen weit und breit nichts zu sehen ist, dann klingelt man, und wenig später öffnet die Randgruppe, um die es hier nun gehen soll. Es ist die „Ich-habe-das-echt-nicht-mehr-geschafft“-Umzieherin.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2009/07/randgruppe_juni09.jpg"><img class="size-medium wp-image-3972 aligncenter" title="Randgruppe_Juni-09" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/07/randgruppe_juni09-300x187.jpg" alt="" width="300" height="187" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Sie sieht erschöpft aus, riecht aber frisch geduscht, und die Haare sitzen auch perfekt. „Ach, du bist aber pünktlich“, sagt sie. „Komm rein. Der Tobias holt gerade noch den Wagen. Ich habe das gestern echt nicht mehr geschafft. Am besten wir fangen im Schlafzimmer an. Du kannst mir bei den Kisten helfen. Ich habe echt nicht mehr geschafft, das alles einzupacken. Umzüge sind echt nicht so mein Ding. Ich hoffe, dass Anja die Brötchen mitbringt. Konnte ja in meiner Küche gar nichts mehr machen, die letzten Tage. Ach, warte mal, ich rufe mal eben Tobias an, der kann ja eigentlich gleich die Kiste Bier mitbringen. Die Bücher sollen in die Kisten. Aber nur halb voll, und dann die Kissen und Klamotten rein. Sonst kann das ja kein Mensch tragen.“ Und schon ist sie verschwunden und man fügt sich in sein Schicksal und packt Kisten, baut dann Schränke auseinander, entdeckt später, dass in der Küche immerhin die Schubladen mit dem Besteck sorgsam mit Klebeband gesichert sind – der Grund dafür, dass es keine belegten Brötchen gibt. Noch nicht, weil Anja noch auf sich warten lässt. So wie alle anderen auf sich warten lassen. Erst um eins tauchen die ersten Helfer auf, und man erfährt, dass sich alle gestern auf einer Party getroffen und den Termin auf später verschoben haben. Jetzt packen alle Kisten und bauen Schränke auseinander, während die „Ich-habe-das-echt-nicht-mehr-geschafft“-Umzieherin ihre Anweisungen gibt. „Das bitte nicht in die Kiste, das kommt in die andere Kiste, und das muss ganz nach oben, das brauche ich heute Abend. Und den Spiegel müssen wir irgendwie extra transportieren.“ Wobei sie vermeidet, auch nur einen Gegenstand ihres wertvollen Mobiliars selbst in das Treppenhaus zu befördern. Dann kommt Tobias und berichtet, dass er leider nur einen Parkplatz etwa hundert Meter entfernt bekommen hat. Und die „Ich-habe-das-echt-nicht-mehr-geschafft“-Umzieherin sagt, dass sie es echt nicht mehr geschafft hat, am Abend vorher Stühle vor der Haustür aufzustellen, mit einem Seil und einem Schild. Dann bekommt Tobias Ärger, weil er warmes Bier mitgebracht hat, und wenig später bekommt Anja Ärger, weil sie viel zuviel Wurst auf die Brötchen gelegt hat und viel zu wenig Käse, obwohl sie doch weiß, dass die „Ich-habe-das-echt-nicht-mehr-geschafft“-Umzieherin neuerdings Vegetarierin ist. Nach ein paar Stunden ist dann alles verpackt und das meiste tatsächlich im Lieferwagen, und während die Amseln allmählich beginnen, ihre Abendlieder anzustimmen, putzt man noch schnell gemeinsam ein bisschen Staub in der alten Wohnung und fährt in der Dämmerung der neuen Wohnung entgegen. Dort dauert es dann etwas länger, weil die „Ich-habe-das-echt-nicht-mehr-geschafft“-Umzieherin es echt nicht mehr geschafft hat, den Schlüssel von der Vermieterin abzuholen, und die jetzt gerade nicht da ist, aber bald wiederkommt.</p>
<p style="text-align: left;">Und so vergeht ein Samstag und beginnt ein Sonntag, und man denkt an Mord, aber man ist am Ende zu erschöpft, ihn zu begehen.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Text: GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/die-%e2%80%9eich-habe-das-echt-nicht-mehr-geschafft%e2%80%9c-umzieherin/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>“ich-kleide-mich-so-jung-wie-ich-mich-fühle”-menschen</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/die-%e2%80%9cich-kleide-mich-so-jung-wie-ich-mich-fuhle%e2%80%9d-menschen/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/die-%e2%80%9cich-kleide-mich-so-jung-wie-ich-mich-fuhle%e2%80%9d-menschen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 22:00:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>annika</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2009-07]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3947</guid>
		<description><![CDATA[Ihr Lieben, in dieser Beschreibung eurer Einstellung zur Kleiderfrage gibt es ein Wörtchen, das euch zu denken geben sollte: Gefühle können trügerisch sein...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Zum Thema Mode haben wir uns an dieser Stelle schon so manche Randgruppe einfallen lassen. Wir haben die Träger von rosa Hemden beleidigt (vollkommen zu Recht) oder die Möchtegern-Models auf den Schulhöfen mit ihren Wasserflaschen (mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn über Bulimie-Kranke macht man ja eigentlich keine Scherze).</p>
<p style="text-align: left;">Aber eine Randgruppe hat es bisher noch nicht erwischt. Diese Randgruppe ist recht groß. So groß, dass wir doch ein bisschen ausholen müssen, um sie vollständig einzufangen. Was ist eigentlich Mode?<br />
Vielleicht einigen wir uns darauf zu sagen, Mode ist das, was uns eingeredet wird, was wir zum Beispiel diesen Sommer kaufen und tragen sollen. Also eine ziemlich kurzlebige Angelegenheit. Es gibt aber auch Moden, die bleiben uns erhalten. Dazu gehören zum Beispiel die Hosen, die bei den Jugendlichen auf Halbmast hängen, also das Gesäß nur halb bedecken. Diese Mode hält sich jetzt schon hartnäckig einige Jahre, obwohl solche Hosen – unter uns gesagt – ziemlich bescheuert aussehen. Aber im Grunde ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn ein junger Mann von sagen wir 13 Jahren das unbedingt tragen mag, dann soll er das tragen.</p>
<p style="text-align: left;">Es gibt nun aber Menschen, die tragen solche Hosen auch noch mit 31. Um genau solche Menschen soll es in dieser Randgruppe gehen. Um die Gruppe der Ich-kleide-mich-so-jung-wie-ich-mich-fühle-Menschen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="/wp-content/uploads/2009/08/Bill-Kaulitz_net.jpg"><img class="size-full wp-image-4685 alignnone" title="Auch so einer..." src="/wp-content/uploads/2009/08/Bill-Kaulitz_net.jpg" alt="Auch so einer..." width="500" height="519" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Ihr Lieben, in dieser Beschreibung eurer Einstellung zur Kleiderfrage gibt es ein Wörtchen, das euch zu denken geben sollte: Gefühle können trügerisch sein. Vielleicht seid ihr gar nicht so jung wie ihr euch fühlt. Wenn ihr zum Beispiel 40 Jahre alt seid, dann würden wir dazu raten, erstmal davon auszugehen, dass ihr irgendwie schon auch wie 40 ausseht.</p>
<p style="text-align: left;">Mag ja sein, dass ihr euch gut gehalten habt, aber das mit einer coolen Baseball-Kappe unterstreichen zu wollen, ist schlicht erbärmlich, zumal, wenn ihr euch dann noch nachts in irgendwelchen Diskos rumtreibt und jungen Menschen nachstellt (Die Person ist der Redaktion bekannt). Auch bei der Frisur solltet ihr vorsichtig sein. Blonde Strähnchen bei Männern wirken eigentlich generell, aber bei Männern über 30 ganz besonders lächerlich (Auch diese Person ist der Redaktion bekannt). Und Frauen sollten sich genau überlegen, ob bauchfrei wirklich noch geht. Oder hautenge Jeans. Oder Mini-Rock (324 Personen sind der Redaktion persönlich bekannt).</p>
<p style="text-align: left;">Jetzt könnte man dem natürlich widersprechen und sagen, das auch junge Menschen sich all das überlegen müssen. Aber junge Menschen sind eben jung, die dürfen modisch auch mal ausrutschen. Bei älteren Menschen sollte dagegen irgendwann der selbstkritische Blick die Oberhand gewinnen. Bei der Ich-kleide-mich-so-jung-wie-ich-mich-fühle-Randgruppe fehlt dieser Blick vollständig. Diese Gruppe blickt in den Spiegel und sieht, was vor vielen Jahren war. Reale 55, gefühlte 25.</p>
<p style="text-align: left;">Mit Vorliebe orientiert sich diese Fraktion natürlich im Fernsehen bei den vielen Modemagazinen für junge Menschen. Schlimmer ist es, wenn sie sich von den Musikkanälen inspirieren lässt. Ganz schlimm wird es, wenn die Kinder ihre durchgeknallten Erzeuger bei ihren modischen Fehltritten auch noch unterstützen und dann davon reden, dass sie eine total coole „Mom“ oder einen total coolen „Dad“ haben. Da kleidet sich am Ende die 42-jährige Mutter wie Britney Spears, obwohl sie sich eher bei Mutter Beimer orientieren sollte. Und ein 45-jähriger Vater lässt sich die Frisur von Bill Kaulitz (Tokio Hotel) verpassen, obwohl ihm dazu an manchen Stellen eindeutig die Haare fehlen.</p>
<p style="text-align: left;">Das gibt es nicht? Doch, das gibt es. Solche extremen Fälle sind die Spitze des Eisbergs, darunter breiten sich die Massen der vielen kleinen Entgleisungen aus. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn sich ältere Semester in Schale werfen, sich modisch anziehen, auf ihr Äußeres achten. Aber jede Mode hat ihr Alter. Oder anders gesagt: Hosen auf Halbmast sollten von jungen Ärschen getragen werden.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/die-%e2%80%9cich-kleide-mich-so-jung-wie-ich-mich-fuhle%e2%80%9d-menschen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Hackenporsche-Lenker</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/03/hackenporsche-lenker/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/03/hackenporsche-lenker/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2009 19:19:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>annika</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2009-04]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3894</guid>
		<description><![CDATA[Kinder sind unsere Zukunft. Kinder sind großartig. Groß sind auch die mobilen Geschütze, in denen die kleinen Sympathieträger durch die Straßen geruckselt werden. Und um einiges größer die Ambitionen derjenigen, die die Zukunft stoßkräftig ins Rollen bringen: Die der hartnäckigen Hackenporsche-Lenker. Diejenigen Kinderwagenschieber, die einen handelsüblichen Hartschalen-Buggy in eine Straßenkehrmaschine transformieren. Aphrodisiert von sich selbst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kinder sind unsere Zukunft. Kinder sind großartig. Groß sind auch die mobilen Geschütze, in denen die kleinen Sympathieträger durch die Straßen geruckselt werden. Und um einiges größer die Ambitionen derjenigen, die die Zukunft stoßkräftig ins Rollen bringen: Die der hartnäckigen Hackenporsche-Lenker. Diejenigen Kinderwagenschieber, die einen handelsüblichen Hartschalen-Buggy in eine Straßenkehrmaschine transformieren.</p>
<p>Aphrodisiert von sich selbst und ihrem zahnlosen Reproduktionsmodell marschieren sie auf, die Hackenporsche-Lenker des Alltags. Gesetze gelten hier wenig. Bordsteinbaggernd patrouillieren sie die Fußgängerzonen entlang, den Mini-Me-Panzer demonstrativ vor sich herschiebend. Sie knattern sich ihren infantilen Schützengraben frei und missachten pietätlos die Bordsteinrechte eines per-pedes. Mit dem Geräde ihrer Kleinstinvasionen pflügen sie sich tief in asphaltiertes Bodenreich. Das Gummiprofil entjungfert seicht keimende Rasensaat. Dabei wirkt das Augenmerk der Hackenporsche-Lenker leicht entrückt: Härtnäckig wird ein Punkt am dunklen Ende des Blickfeldtunnels fixiert. Zielstrebigkeit ist hier das Credo. Kruppstahlhartes Ignorieren der Umwelt, ungeschriebenes Gesetz.</p>
<p>Das Straßentempo bestimmen sie. Nur selten schwimmen Hackenporsche-Lenker mit der Masse der Marschierenden. In der Regel torpedieren ihre Transportmaschinen die Gemütlichkeit innerstädtischen Gehstegverkehrs. Begegnet man ihnen, gelten einfachste Grundregeln: Naht ein Hackenporsche von vorn, zeigt der Fußgänger Demut vor dem Dienst am demographischen Wandel. Ein Sprung in die nächstliegende Schaufensterscheibe beweist diplomatisches wie athletisches Geschick. Jagt ein Hackenporsche von hinten, helfen nur tröstende  Worte an die wundschmerzenden Fersen.</p>
<p>Doch warum dieses krawall-kokettierende Sozialverhalten, Freunde der unermüdlichen Uterus-Aktivität? Sicher, der sperrige Hubraum eurer Kraftmaschinen erschwert euch müheloses Manövrieren. Auch stresst euch die Schwerkraft der um die Lenkachse geschnallten Jutebeutel. Doch ein freundliches Wort eurerseits und es täten sich Wunderwelten auf. Dazu ein zartes Lächeln und wir Fußgänger stritten darum, euch beim Straßenbahn-Boarding behilflich zu sein. Um euch, bei der Gelegenheit, von Charme, Anmut und weiteren Vorzügen eines Kinder-Tragetuchs zu überzeugen.</p>
<p>Yvonne Haronska</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/03/hackenporsche-lenker/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Maurer-Dekolleté-Träger</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/maurer-dekollete-trager/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/maurer-dekollete-trager/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 16:02:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2008-10]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3612</guid>
		<description><![CDATA[Da sitzt man abends nach getaner Arbeit oder am Wochenende auch schon mal ein bisschen früher bei einem wohlverdienten Kaltgetränk im Biergarten und lässt die Seele baumeln und Gott einen guten Mann sein, träumt so vor sich hin, schaut hin und wieder dem einen oder anderen schönen Menschen hinterher, und dann wird man aus heiterem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da sitzt man abends nach getaner Arbeit oder am Wochenende auch schon mal ein bisschen früher bei einem wohlverdienten Kaltgetränk im Biergarten und lässt die Seele baumeln und Gott einen guten Mann sein, träumt so vor sich hin, schaut hin und wieder dem einen oder anderen schönen Menschen hinterher, und dann wird man aus heiterem Himmel in die tiefsten Abgründe des Elends hinabgezogen. Hinunter in den unendlichen Teufelsschlund, in die Vorhölle, in die fürchterlichste ewige Dunkelheit. Schnell will man den Blick ablenken, ihn in eine weniger riskante Richtung schweifen lassen, doch es ist zu spät. Das schwarze Loch hat einen bereits am Wickel. Der Kampf ist aussichtslos. Widerstand ist zwecklos? Man kann gar nicht anders, man muss hinsehen. Denn zwei Bänke weiter präsentiert sich das schönste Maurer-Dekolleté, das die Menschheit je gesehen hat.</p>
<p><a href="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2008/10/2008-10_randgruppe_dekollete.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-3613" title="2008-10_randgruppe_dekollete" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/10/2008-10_randgruppe_dekollete-300x205.jpg" alt="" width="300" height="205" /></a></p>
<p>Warum? Man möchte jenem Menschen dort die Frage entgegen schreien. Warum belästigst Du mich mit diesem Einblick in Dein Innenleben? Macht Dir das Spaß? Merkst Du gar nicht, dass Deine Hose auf Halbmast sitzt? Hast Du zu Hause keinen Spiegel? Das Maurer-Dekolleté gehört nicht in Biergärten, es gehört genau dorthin, woher es seinen Namen hat. Auf den Bau. Es gehört zum Maurer, der auf seinem Gerüst sitzend und schwer schuftend jedes Recht der Welt hat, den vorbeieilenden Passanten seinen Hintern ins Gesicht zu strecken. Denn immerhin ist er es, der Stein auf Stein dafür sorgt, dass all die Menschen ein Dach über dem Kopf haben. Nur kaum ein Mensch denkt jemals daran und dankt es ihm. Im Gegenteil, der Beruf hat an Ansehen verloren. Und darum darf der Maurer uns sein Dekolleté ins Gesicht strecken. Aber nur der Mauer! Für alle anderen gilt: Hose hoch! Diese anderen, das sind viele. Und man hat in letzter Zeit den Eindruck, es werden immer mehr. Ein Phänomen, das sich quer durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Nein, es sind nicht nur die „Dicken“, die uns sitzend tiefe Einblicke gewähren, auf Unterhosen in Übergrößen und haarige Rosetten.</p>
<p>Nebenbei ist das bei den Übergewichtigen zwar – und soviel politische Unkorrektheit sei hier mal erlaubt – ein besonders unappetitlicher Anblick, aber sie sind nur die Spitze des Eisberges. Es sind auch und immer mehr junge, hübsche Menschen, die in schönster Regelmäßigkeit in der Öffentlichkeit blank ziehen. Junge Männer, deren Hosen schon im Stehen nur halb das Hinterteil bedecken. Dankenswerter Weise tragen die meisten Unterhosen, aber die helfen im Sitzen oft auch nicht. Und dann die jungen Frauen. Ach, die jungen Frauen. Was wollt ihr denn damit erreichen? Bei euch sind wir uns sicher, dass ihr einen Spiegel zu Hause habt. Wo habt ihr alle euch denn eigentlich euer Arschgeweih weglasern lassen? Die Dinger findet man ja heute kaum noch. Dafür aber String-Tangas in allen Variationen.</p>
<p>Muss das sein, dass ihr mit euren Hüfthosen die Männerwelt derart in Aufruhr versetzt? Macht euch das Spaß? Da sitzt man mit anderen Männern in ernsthafte Gespräche vertieft beisammen, und dann taucht ihr auf, setzt euch in Position, und die Blicke der Männerrunde wandern kollektiv in die Abgründe eurer Hose. Und statt des ernsthaften Gesprächs labern alle plötzlich geifernden Mist: „Da kann man ja von hinten bis auf die Schuhe gucken. Höhöhö!“ Kein Wunder, dass es in Deutschland nicht richtig vorwärts geht, wenn die Blicke der Männer ständig vom Wesentlichen abgelenkt werden. Nein, damit muss jetzt Schluss sein, im Namen der Ästhetik und für Deutschland.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/maurer-dekollete-trager/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Mittelspurfahrer</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/mittelspurfahrer/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/mittelspurfahrer/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2008 10:36:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2008-11]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3356</guid>
		<description><![CDATA[Sie sehen mittelmäßig aus, fahren mittelschnelle Autos, sind meistens mittel alt und blockieren die Mittelspuren bundesdeutscher Autobahnen. Dafür hasst man sie mehr als Nichtblinker, Drängler und Parkplatzklauer zusammen: die Mittelspurfahrer. Mit durchschnittlich 100 Sachen tuckern sie über den Asphalt, hochkonzentriert dicht vors Lenkrad geklemmt, als ob es kein Morgen gäbe. Schlimmer noch: Als ob es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie sehen mittelmäßig aus, fahren mittelschnelle Autos, sind meistens mittel alt und blockieren die Mittelspuren bundesdeutscher Autobahnen. Dafür hasst man sie mehr als Nichtblinker, Drängler und Parkplatzklauer zusammen: die Mittelspurfahrer. Mit durchschnittlich 100 Sachen tuckern sie über den Asphalt, hochkonzentriert dicht vors Lenkrad geklemmt, als ob es kein Morgen gäbe. Schlimmer noch: Als ob es keinen anderen Autofahrer gäbe, als ob sie alleine wären auf den Straßen dieser Welt. Sind sie aber nicht. Rechts fahren ordnungsgemäß Kleinlaster und Großtransporter, Wohnwagengespanne und polnische Klappermodelle. Links rauschen Audi, BMW, Porsche und andere testosterongesteuerte Gefährte vorbei. Und mittendrin blockieren diese bornierten und überaus nervigen Mittelspurfahrer, die man so wenig braucht wie die nächste Benzinpreiserhöhung, die Piste. Ganz nach dem Motto: “Nach mir die Sintflut.” Oder besser: “Nach mir der Stau.” Der Ärger staut sich schon auf, wenn sie nur als Punkt am Horizont auftauchen und man weiß, sie in wenigen Sekunden eingeholt zu haben. Man möchte sie einfach wegpusten, “Bahn frei” rufen, sie anschieben, dass der Motor sich staucht. Mittelspurfahrer provozieren Magengeschwüre und mittelschwere Ehekrisen. Schlimmer noch: manchmal sogar mittelschwere Unfälle.</p>
<p>Die Frage ist, warum sie so stoisch auf der Spur kleben, obwohl sie dies laut Straßenverkehrsordnung Paragraf 2 Absatz 2 (Rechtsfahrgebot) gar nicht dürfen. Fühlen sie sich ein paar Meter jenseits der Mittelleitplanke und mit rechtem Abstand zum Seitenstreifen am  sichersten, so wie in der Mitte von Mutters Schoß? Ist ihr Rückspiegel vielleicht kaputt, sind sie einfach zu faul, den Blinker zu setzen oder zu ängstlich, um komplizierte Manöver zu fahren? Gab es das Rechtsfahrgebot möglicherweise vor 60 Jahren noch nicht, als sie ihren Führerschein machten, oder haben sie am Ende vielleicht nicht mal einen Führerschein? Falls doch, sollte man ihnen das Dokument sofort und dauerhaft abnehmen. Und als gerechte Strafe für den Mittelspurmarathon schlage ich vor: „The thrill of racing!“ Eine Woche Zwangs-Carrera-Bahn-Spielen am Stück. Bis dahin heben wir solidarisch den Mittelfinger für alle Mittelspurfahrer auf bundesdeutschen Autobahnen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/mittelspurfahrer/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Optimisten</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/optimisten/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/optimisten/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Aug 2008 12:16:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2008-06]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=229</guid>
		<description><![CDATA[Dieser Sommer wird gut. Verdammt gut sogar. Die Sonne wird brennen, das Bier wird überall günstiger, bei den Sommerspielen in China werden zahlreiche Sportlerinnen und Sportler ein Zeichen für den wahren Geist der Wettkämpfe setzen und mit Abwesenheit glänzen, bei der Europameisterschaft wird die Deutsche Nationalelf Italien im Endspiel mit 7:0 deklassieren, wir werden zielstrebig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Sommer wird gut. Verdammt gut sogar. Die Sonne wird brennen, das Bier wird überall günstiger, bei den Sommerspielen in China werden zahlreiche Sportlerinnen und Sportler ein Zeichen für den wahren Geist der Wettkämpfe setzen und mit Abwesenheit glänzen, bei der Europameisterschaft wird die Deutsche Nationalelf Italien im Endspiel mit 7:0 deklassieren, wir werden zielstrebig auf die Vollbeschäftigung zusteuern, bei den zahlreichen Open-Airs in Deutschland werden sich die internationalen Stars die Klinke in die Hand geben und unter strahlendem Sonnenschein ein Publikum begeistern, das sich in den Pausen in fest im Boden verankerten Dixi-Klos erleichtern wird, bei Lidl wird niemand mehr schlecht behandelt, die Deutsche Bahn wird jeden Tag, ausnahmslos und pünktlich ihren Dienst verrichten, Britney Spears wird nach einer erfolgreichen Entziehungskur wieder alles richtig machen und ihre Kinder zurückbekommen, dann wird sie Michael Jackson heiraten, sie leben fortan als glückliche Familie in Neverland und Michael fasst nur Britney an, die Hungernden dieser Welt werden satt sein, die Armen werden nicht mehr arm sein, die Reichen werden bescheidener, und um unser Glück vollkommen zu machen, wird die üstra ihre völlig überteuerten Fahrpreise senken. Wenn Du in der Kneipe sitzt und neben Dir jemand all diesen Schwachsinn erzählt, dann verabschiede Dich höflich und mach schleunigst den Abgang, denn dieser Mensch an der Theke gehört zu einer der gefährlichsten Spezies, die die Welt kennt. Wer kann so dämlich sein und allen ernstes glauben, dass diesen Sommer Dixi-Klos auf Festivalwiesen fest verankert sein werden, dass man nicht in den eigenen Fäkalien und in denen von all den anderen Festivalbesuchern baden wird, weil sich eine Meute Betrunkener einen Spaß macht, der sich „Dixi-Klos-schubsen“ nennt? Wer kann außer Glos so weltfremd sein und noch an die Vollbeschäftigung glauben? Wer meint, dass das politische Statement Sportlern wichtiger ist als die kleine goldene Scheibe? Wer ist so realitätsfern und hofft, dass die üstra die Preise senkt? Das sind Menschen, die wahrscheinlich zuviel Nina Ruge geguckt haben und bei denen diese hinterlistige Form der Gehirnwäsche bereits nachhaltig gewirkt hat. Das sind Menschen, die wirklich glauben, dass alles gut werden kann, weil doch immer alles gut war in ihrer kleinen Seifenblasenwelt, mit glücklich verheirateten Eltern, Berner Sennenhund und Sonntagsausflügen in die Natur. Das sind die schrecklichen Optimisten. Und man kann sich nur wundern, dass diese Spezies nicht schon längst ausgestorben ist. In einer Welt, in der selbst die UNICEF mit Korruptionsfällen zu kämpfen hat und Bruce Darnell es ins Fernsehen schafft, müsste doch eigentlich jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft längst gestorben sein. Aber weit gefehlt. Mit Du-bist-Deutschland-Kampagnen und anderen propagandistischen Mitteln wird der Optimismus sogar noch weiter angeheizt, die Märchenparallelwelt geschürt. Der Optimismus ist wieder salonfähig und das beflügelt leider eine extreme Unterform dieser Spezies, die uns ganz besonders nervt: die Klugscheißer-Optimisten. „Die Zeit heilt alle Wunden“, „Das Glas ist immer halb voll“, „Alles hat auch seine gute Seite“. Solche Sprüche, besonders den Letzteren, kann man immer gut gebrauchen, in allen Lebenslagen, bei Scheidung, Todesfall, Krieg oder Vergewaltigung. „Ist natürlich schlimm, dass deine Schwester überfahren worden ist, aber guck mal, jetzt hast du zwei Zimmer zum Spielen.“ „Ist doch ganz gut, dass du jetzt Krebs hast, das gibt dir wenigstens Gelegenheit, dich mit dem Tod auseinanderzusetzen, bevor es soweit ist.“ Bitte, bitte nicht!   Raha Emami Khansari</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/optimisten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die drei vom Nachbartisch</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/die-drei-vom-nachbartisch/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/die-drei-vom-nachbartisch/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Aug 2008 10:24:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2008-07]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=153</guid>
		<description><![CDATA[Manchmal hat man ausgesprochenes Pech. Dann sitzt man in irgendeiner Kneipe, oder im Sommer in einem Biergarten, oder (ganz modern) in einer Strandbar, und man will sich dort entspannen, ist vielleicht alleine und will ein bisschen lesen, oder hat ein paar angenehme Menschen um sich versammelt, um ein wenig über die Dinge des Lebens im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;">Manchmal hat man ausgesprochenes Pech. Dann sitzt man in irgendeiner Kneipe, oder im Sommer in einem Biergarten, oder (ganz modern) in einer Strandbar, und man will sich dort entspannen, ist vielleicht alleine und will ein bisschen lesen, oder hat ein paar angenehme Menschen um sich versammelt, um ein wenig über die Dinge des Lebens im Allgemeinen und Besonderen zu plaudern. Ein laues Lüftchen weht, das Bier ist angenehm kalt, die Sonne wärmt, aber sie brennt nicht, das Gespräch ist spannend, amüsant, und darum entspannend. Alles ist wunderschön. Doch dann naht &#8211; und man kann sich dessen mittlerweile fast sicher sein &#8211; aus irgendeiner Himmelsrichtung (weiß der Teufel, wo die immer herkommen) ein Grüppchen junger Menschen. Und setzt sich auf die freien Plätze direkt nebenan. Nichts gegen junge Menschen, also sagen wir mal Abiturienten und Studenten. Viele von denen sind ganz brauchbar. Aber die setzen sich niemals direkt auf die Nachbarplätze. Auf die Nachbarplätze setzen sich ausgerechnet immer die anderen. Zu diesen anderen gehören immer ein Architekturstudent im dritten Semester und zwei (wir sagen mal ganz bewusst) Mädchen. Eines der Mädchen will unbedingt in Berlin studieren, was, das ist ihr egal. Sie wartet nur noch auf einen Studienplatz, ist aber schon mal vorsorglich nach Kreuzberg gezogen und hält sich mit kellnern über Wasser. (Es ist manchmal übrigens ganz bemerkenswert, wie ein kleiner Schreibfehler den Sinn eines Satzes vollständig verändern kann &#8211; ich hatte hier zuerst Kellnern geschrieben.)</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die andere will irgendwas mit Medien machen, weiß aber noch nicht so genau, wohin die Reise geht. Wahrscheinlich nach Berlin. Köln würde aber auch gehen. Diese Drei gehören zur Grundausstattung einer solchen Gruppe. Natürlich können noch weitere Architekturstudenten dabei sein und weitere unentschlossene Mädchen mit großen Plänen in Berlin oder Köln. Wie viele es sind, ist letztlich egal. Drei von ihnen erreichen bereits die volle Stärke, mehr davon machen es auch nicht schlimmer.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Und dann geht es los. Ein besonderes Merkmal solcher Gruppen ist die Lautstärke, in der sie sich unterhalten. Sie sprechen alle drei sehr laut, doch der Architekturstudent spricht am lautesten. Um am meisten. Diese Lautstärke hat einen Grund. Die Drei gehen davon aus, dass das, was sie sagen, so wichtig ist, dass die anderen Menschen in der Nähe eigentlich froh sein können, etwas von ihren gewichtigen Erzählungen aufzuschnappen. Diese Erzählungen drehen sich fast immer zunächst um andere, &#8220;die gar nicht gehen&#8221;. Das ist die Lästerphase, mit der die Gruppe den Schulterschluss zelebriert. Man grenzt sich ab und gehört damit zusammen. Man hat die Welt verstanden, alle anderen nicht. So wird zum Beispiel festgestellt, dass es &#8220;gar nicht geht&#8221;, in Hannover zu studieren. Dass der Architekturstudent trotzdem in Hannover studiert, macht dabei nichts, denn er ist sich ja bewusst, dass Hannover &#8220;gar nicht geht&#8221; und bekennt, dass er im Geiste eigentlich Berliner ist. Nun geht es dem Architekturstudenten natürlich vornehmlich darum, eines der beiden Mädchen, oder bestenfalls beide Mädchen, ins Bett zu kriegen. Das ist sein Antrieb. Genau deswegen studiert er auch Architektur, denn das ist ein durchaus repräsentativer Beruf. Seine Profilneurose wird ihn später zwingen, große Häuser zu entwerfen (die er natürlich niemals bauen wird). Sein Trieb zwingt ihn jetzt, den beiden schon mal vorab von seinen Entwürfen zu erzählen, die natürlich bereits in seiner Schublade schlummern. Nein, er wird ganz sicher keiner dieser 08/15-Architekten. Er wird Gewaltiges schaffen. Und man ist sich schnell einig, dass sie alle drei mit ihrem Talent Gewaltiges schaffen werden. Die Welt hat sozusagen auf ihre Talente gewartet. Dann kommt die Bedienung vorbei, und im Bewusstsein der eigenen Großartigkeit wird sie herablassend behandelt, übrigens auch von der, die in Berlin kellnert. Wer in Hannover kellnert &#8220;geht gar nicht&#8221;. Dann wird weiter lautstark geplaudert, über all die Mittelmäßigen und über die echte Freiheit in Berlin, und irgendwie schafft es der Architekturstudent das Gespräch in eine Richtung zu lenken, die ihm Gelegenheit gibt, über all die schrecklich mittelmäßigen Frauen in Hannover zu reden. Über all die verklemmten Frauen, die von echter Freiheit nichts verstehen. Zwei, so erzählt er irgendwann nach dem dritten Weizenbier, seien mal bei ihm im Bett gelandet, aber sie wären dann doch zu verklemmt gewesen &#8211; und die beiden Mädchen lachen herzlich.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Man kann sich denken, wie es weitergeht. Sie landen nach diesem Abend gemeinsam im Bett, aber der Architekturstudent ist ein bisschen zu aufgeregt und kommt mit dem Kondom nicht zurecht und die Kellnerin aus Berlin traut sich nicht so recht, weil sie ursprünglich aus Osnabrück kommt und sich plötzlich gewisse katholische Bedenken Bahn brechen, während das Medien-Mädchen zu viel getrunken hat und ganz schnell einschläft. Bitte ihr Drei, verschwindet schleunigst und endgültig nach Berlin.  GAH</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/die-drei-vom-nachbartisch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ethno-Frauen</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/ethno-frauen/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/ethno-frauen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 Aug 2008 15:14:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[randgruppenbeleidigung]]></category>
		<category><![CDATA[2008-08]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=80</guid>
		<description><![CDATA[Im August ist es wieder soweit: Das Fährmannsfest lockt an drei Tagen auf die große Wiese und wie jedes Jahr wird dieses Fest wieder ein Sammelbecken für diverse Randgruppen sein, die wir in unseren vergangenen Ausgaben bereits zahlreich und ausführlich beleidigt haben. Erinnert sei hier nur an die Trommelgruppen, die auch dieses Jahr wieder jede [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;">Im August ist es wieder soweit: Das Fährmannsfest lockt an drei Tagen auf die große Wiese und wie jedes Jahr wird dieses Fest wieder ein Sammelbecken für diverse Randgruppen sein, die wir in unseren vergangenen Ausgaben bereits zahlreich und ausführlich beleidigt haben. Erinnert sei hier nur an die Trommelgruppen, die auch dieses Jahr wieder jede Menge Besucher unaufgefordert mit ihrer „Kunst“ penetrieren werden. Dafür an dieser Stelle schon mal ein herzliches Dankeschön. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die meisten Besucher auf dem Fährmannsfest sind vernünftige, intelligente und kulturinteressierte Menschen, die sich einfach mal ein schönes Wochenende mit Musik, Tanz und kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Welt gönnen. Unsere Randgruppen waren und sind immer die Ausnahmen von dieser überwältigenden Mehrheit. Sie sind die Eltern, die ihre fünfjährigen Töchter mit großen Plastiktüten auf Leergutsammlung schicken. Sie sind die drei Spaßvögel, die immer unten links vor der Bühne stehen und bierselig versuchen, lauter zu schreien, als der Sänger der Punk-Band singen kann (einer der drei zieht sich dazu meistens aus). Sie sind die Jungs und Mädels, die ihre Streitigkeiten zu später Stunde dann doch körperlich regeln, damit Enzo auch noch ein bisschen was zu tun bekommt. Ja, an Randgruppen mangelt es nicht auf dem Fährmannsfest. Und es gibt eine, die haben wir bisher ausgelassen, weil über sie zu schreiben fast so gefährlich ist, wie ihr zu begegnen. Die schriftliche Auseinandersetzung mit dieser Sorte reißt einen hinunter in die Abgründe menschlicher Existenz. Man wird traurig, sehr sehr traurig. Und wenn in einigen Minuten die letzten Sätze für diese Seite geschrieben sein werden, dann warten schon die guten Freunde, um mit Alkohol und viel gutem Zuspruch die Traurigkeit zu vertreiben. Fangen wir mit den äußerlichen Merkmalen an: Weiblich, Ketten mit heilenden Halbedelsteinen, Lederbänder, Seidentücher, Patchouli, nackte Füße, gefühlte 28 und tatsächliche 48. Wenn auf dem Fährmannsfest allmählich die letzten Instrumente gespielt sind und bei den Zelten die ersten Reggae-Klänge das Ohr erfreuen, dann sind sie plötzlich da und sie tanzen mit scheinbar geschlossenen Augen, tanzen mit dem ganzen Körper, weil sie es können, denn sie haben ihren Körper in etlichen Körper-Sitzungen vollkommen erfahren, sie tanzen mit ihren Händen eine Alge in den Himmel und dann noch eine, sie geraten in Ekstase, in höchste Verzückung. Nennen wir sie mal die Ethno-Frauen. Sie tanzen, und mit den halb geschlossenen Augen scannen sie dabei ihre Umgebung, denn was ihnen fehlt zu ihrem Glück, das ist ein passender Mann. Dieser ist im Idealfall Jamaikaner oder wenigstens dunkler Hautfarbe, denn diese Menschen besitzen (zumindest in der beschränkten Vorstellung unsere Ethno-Frauen) den einzig wahren, natürlichen Rhythmus. Und damit passen sie natürlich hervorragend zu unseren Ethno-Frauen, die nach jahrelangem Training nun diesem natürlichen Rhythmus schon sehr nahe kommen. Zeigt sich ein passender Mann, so wird er angetanzt, angelächelt, angefasst und schließlich, falls der Mann Lust hat, geht die Party irgendwo ganz privat weiter. Diese Ethno-Frauen sind zahlreich vertreten auf dem Fährmannsfest. Ist es vorbei, verschwinden auch die Frauen wieder spurlos. Und man fragt sich, wohin. Wahrscheinlich nach Jamaika, zumindest einmal im Jahr im Sommerurlaub. Dort finden sich genug Männer mit natürlichem Rhythmus, die unseren Ethno-Frauen das Gefühl geben, der ursprünglichen Natur ganz nahe zu sein – ganz egal, wie viel das kostet. Wenn Du eine dieser Frauen auf dem Fährmannsfest triffst, dann frag sie mal, was sie von dicken weißen Männern in Bangkok hält.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/ethno-frauen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
