<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; zur guten nacht</title>
	<atom:link href="http://www.stadtkind-hannover.de/literatur/zur-guten-nacht/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.stadtkind-hannover.de</link>
	<description>Ein weiteres tolles WordPress-Blog</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Sep 2010 14:35:57 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>die unterschätzte bananenpflanze</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/06/die-unterschatzte-bananenpflanze/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/06/die-unterschatzte-bananenpflanze/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 May 2010 22:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2010-06]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=8116</guid>
		<description><![CDATA[Man sprach nicht über die Bananenpflanze. Sie war kein Thema für die Menschen in diesem Büro, sie beachteten die kleine Pflanze kaum, oder nur manchmal, wenn gerade kein Aschenbecher zur Hand war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem Büro irgendwo in einer ziemlich zentral in Deutschland gelegenen kleinen Großstadt, da lebte auf einer Fensterbank eine Bananenpflanze mit drei Blättern. Niemand von den Menschen in diesem Büro wusste genau, wer sie dort auf die Fensterbank gestellt hatte. Sie war irgendwie schon immer da gewesen. Einer erzählte mal, dass sie früher viel größer und schöner gewesen war, aber dann mit der Zeit ein Blatt nach dem anderen verloren hätte.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/Banani_72.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-8118" title="Bruno Banani" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/Banani_72-300x221.jpg" alt="" width="300" height="221" /></a>Doch wir wollen hier keinen falschen Eindruck erwecken. Man sprach nicht über die Bananenpflanze. Sie war kein Thema für die Menschen in diesem Büro, sie beachteten die kleine Pflanze kaum, oder nur manchmal, wenn gerade kein Aschenbecher zur Hand war. Vielleicht lag das an der vielen Arbeit, die sie dort hatten, vielleicht waren die Menschen aber auch einfach nur ignorant. Niemand bemerkte, wenn eines ihrer drei Blätter sich braun färbte und an den Rändern vertrocknete, niemand hörte ihr leises Flehen nach Wasser. Kurz: Guantánamo war das reinste Paradies gegen dieses Büro.</p>
<p>Nur wenn hin und wieder ein Praktikant in dem Büro arbeitete, ging es der Pflanze besser. Denn irgendjemand hatte irgendwann – auch daran konnte sich niemand mehr so recht erinnern – auf die Praktikanten-To-Do-Liste „Blumen gießen“ geschrieben. Die Praktikantenwochen waren für die Pflanze das reinste Paradies. Eilig warf sie dann Blatt um Blatt ab, um neu, frisch und grün auszutreiben. Doch leider währten die Praktikantenwochen nie lange, denn in diesem Büro wurden auch die Praktikanten kaum beachtet. Neben der Aufgabe „Blumen gießen“ fand sich auf der besagten Liste nur noch „Kaffee kochen“. Also kehrten die meisten Praktikanten diesem Büro recht schnell wieder den Rücken und suchten nach anderen, spannenderen Praktikantenjobs in der großen weiten Praktikantenwelt.</p>
<p>Die Bananenpflanze aber blieb allein zurück, bald wieder durstig und völlig vergessen. Weil in dem Büro nie jemand Zeit hatte und darum niemand aufräumte, begab es sich nun eines Tages, dass der Chef beschloss, eine Reinigungskraft zu engagieren. Die Bananenpflanze war natürlich voller Hoffnung, als sie das neue Gesicht im Büro sah. Immerhin hatte die Dame einen Eimer Wasser im Schlepptau. Und es dauerte auch gar nicht lange, bis sie mit ihrem Eimer ganz in der Nähe der Pflanze auftauchte. „Gib mir was zu trinken“, röchelte die Bananenpflanze. „Was bist du denn für ein staubiges, vertrocknetes Ding?“ fragte die Reinigungskraft. „Was für ein Saustall! Dich werden wir mal besser gleich entsorgen.“ Und sie öffnete das Fenster und warf die Pflanze mitsamt Topf in den Garten, in dem nie jemand saß, weil nie jemand Zeit hatte. Die Pflanze landete hart auf der Erde und brach sich ein Blatt. Und sie wollte nur noch sterben und weinte bitterlich. Doch dann bemerkte sie, dass anscheinend noch jemand weinte. Es war der Himmel.</p>
<p>Die Pflanze beeilte sich, ihre Wurzeln in die Erde zu graben und sie trank und trank, bis ihr fast schlecht wurde. Und sie wuchs und wurde sehr schnell größer. Irgendwann las man dann in der Zeitung, dass eine Bananenpflanze ein altes Bürohaus zum Einsturz gebracht hatte. Gleich die gesamte Belegschaft hatte das Haus unter sich begraben, nur ein Praktikant war gerade so entkommen. Man hätte es dringend mal renovieren müssen, dann wäre das nicht passiert, meinte ein Sachverständiger und er mutmaßte, dass dazu bei all der Arbeit wohl keine Zeit gewesen wäre. Die Bananenpflanze ließ man einfach, wo sie war. Denn niemand hatte Zeit, sich weiter um sie und das verfallene Haus zu kümmern. Der Bananenpflanze war das natürlich mehr als recht.</p>
<p><strong>VA</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/06/die-unterschatzte-bananenpflanze/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>das einsame mädchen</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/das-einsame-madchen/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/das-einsame-madchen/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 22:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2010-05]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=7223</guid>
		<description><![CDATA[Sie hatte ein Gespür für die Fehler und Schwächen der Menschen, und wenn sie auf jemanden traf, der ihr überlegen schien, so heftete sie sich an die Fersen ihres Opfers wie ein Löwe an seine Beute, um diese eine Schwäche aufzuspüren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein kleines Mädchen mit frechen grünen Augen und langen, kastanienbraunen Haaren, die war schön und klug, aber nie zufrieden. Immer gab es jemanden, der war noch klüger als sie, immer jemanden, der noch hübscher war. Und das fand das kleine Mädchen namens Julia unerträglich. Warum? Wahrscheinlich war in ihrer Kindheit einfach irgendetwas schief gelaufen. Normalerweise suchen sich Kinder Vorbilder, wollen so klug oder so schön wie jemand anderes sein. Wenn das kleine Mädchen aber jemanden traf, der klüger oder schöner war als sie, dann brannte sie innerlich, dann loderte in ihr ein Feuer, das nur verlosch, wenn sie den Schöneren oder Klügeren vernichtete.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Schwan_72.jpg"><img class="size-medium wp-image-7224   alignleft" title="Es schwant Böses..." src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Schwan_72-300x221.jpg" alt="" width="270" height="199" /></a>Doch nicht Mord und Totschlag war ihre Methode, die Intrige war ihr Handwerkszeug. Sie hatte ein Gespür für die Fehler und Schwächen der Menschen, und wenn sie auf jemanden traf, der ihr überlegen schien, so heftete sie sich an die Fersen ihres Opfers wie ein Löwe an seine Beute, um diese eine Schwäche aufzuspüren. So brachte sie beispielsweise in Erfahrung, dass die Schulschönheit Maria in ihrem Abiturjahrgang unter argem Fußgeruch litt. Wie? Sie freundete sich zuerst mit ihr an, so wie mit all ihren Opfern, gewann ihr Vertrauen, erschlich sich ihre Nähe. Sie machte ihr Komplimente zu ihren wunderschönen Haaren, zu ihrer Figur.</p>
<p>Ach, wäre ich doch wie du, sagte sie immer wieder traurig. Du bist so makellos, so ohne jeden Fehler. Und manches Mal vergoss sie dabei ein paar Tränen. Maria aber hatte ein gutes Herz, und ihre beste Freundin derart leiden zu sehen, dass war ihr unerträglich. Und obwohl sie noch nie einem Menschen von ihrem geheimsten Problem erzählt hatte, kam sie irgendwann doch mit sich überein, dass sie Julia davon erzählen musste, einfach um sie zu trösten, ihr zu erklären, dass kein Mensch der Welt makellos war, dass jeder, ob nun äußerlich sichtbar oder im Inneren verborgen, seine Schwächen hatte. Und von einem Moment auf den anderen war Julia wieder glücklich. Beängstigend glücklich. So glücklich, das sie plötzlich kaum noch Zeit für ihre beste Freundin Julia hatte. Es dauerte nur ein paar Tage, bis das Gerücht um den Geruch in aller Munde war, und da sich viele Menschen daran ergötzen, wenn ein Engel zu Boden stürzt, rümpfte bald die ganze Schule die Nase, wenn Maria sich blicken ließ. So kam es, dass Maria bald die Schule wechselte. Julia war sehr zufrieden, doch nur für einen Augenblick. Denn da gab es noch Markus, der sich erlaubt hatte, eine bessere Punktzahl in der letzen Englischklausur zu schreiben als Julia, und der dann leider durchs Abitur rasselte, weil man während der finalen Klausur einen Spickzettel in seinem Etui entdeckte, von dem er behauptete, dass er nicht wisse, wo der hergekommen sei, was ihm freilich wenig nützte. Und da waren all die anderen, später im Studium. Fast nicht zu bewältigen. Ein täglicher Kampf. Julia war sehr beliebt, denn man ahnte, dass es besser war, sich gut mit ihr zu stellen.</p>
<p>Doch dann, erst schleichend und kaum sichtbar am Hinterkopf, passierte etwas äußerst Unerfreuliches für Julia. Sie bekam eine Warze, dann eine zweite dicht daneben, dann eine am Kinn. Dann zwei auf den Händen. Dann einfach überall. Und es dauerte gar nicht lange, bis die ersten Stimmen auf den Fluren etwas von der Warzen-Julia flüsterten, und die ersten Zeigefinger auf sie deuteten und die Kommilitonen kicherten und sich abwandten. Kein Kraut war gegen die Warzen gewachsen und Julia blieb fortan immer allein. Hätte jemand nachgezählt, er hätte exakt so viele Warze entdeckt, wie es Menschen waren, denen sie übel mitgespielt hatte.</p>
<p><strong>VA</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/05/das-einsame-madchen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>die kleine raupe nimmerfroh</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/die-kleine-raupe-nimmerfroh/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/die-kleine-raupe-nimmerfroh/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 22:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2010-04]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=7197</guid>
		<description><![CDATA[Die Zeit verging, und das Räupchen tat sich schwer in der Welt. Der erste Eindruck zählt – und im ersten Eindruck hinterließ es meist ein unfreundliches Gesicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein Räupchen, das lebte zufrieden in seinem gemütlichen Ei. Eines Tages, ganz ohne Vorwarnung, bröckelte plötzlich der Putz von den Wänden und das Räupchen landete mitten auf dem kalten, modrigen Boden einer Waldlichtung. „Es ist krank!“ schrie die Mutter, denn vor lauter Schreck hatte das Räupchen wiederum vergessen, einen ersten Schrei auszustoßen. Stattdessen blickte es um sich, mit ängstlichen, weit aufgerissenen Augen. Die waren noch so empfindlich, dass das Räupchen sie zu winzigen Schlitzen zusammenkneifen musste, als die Sonne wenig später die Lichtung durchflutete. „Und wie es guckt!“ schrie die Mutter wieder. „So einen furchterregenden Blick habe ich ja noch nie gesehen. Das kann unmöglich aus meinem Ei gekrochen sein!“</p>
<p>Nach etlichen Untersuchungen erhielt die Mutter die Nachricht, dass sie ein kerngesundes und schlichtweg unzufriedenes Raupenmädchen hatte. Das Räupchen lächelte seiner Mutter zu. „Nein, nein!“ wollte es damit sagen. „Ich bin gar nicht unzufrieden. Ich hätte ja auch, ähm, eine kleine Made werden können, genau! Das wäre viel schlimmer gewesen!“ Nun lachte das Räupchen sogar richtig. Die Mutter schüttelte nur den Kopf und schrie weiter: „Was grinst du denn jetzt so blöd!? Du findest es wohl lustig, dass ich mich so gräme, was?“ Noch einmal versuchte das Räupchen, sein schönstes Lächeln aufzusetzen. Doch wieder schimpfte die Mutter: „Wenn du schon nicht freundlich gucken kannst, dann spar&#8217; dir wenigstens diese Grimassen!“ Noch zur selben Stunde wurde das Räupchen auf den Namen Nimmerfroh getauft.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/90-114_Stadtkind_April_10721.jpg"><img class="size-medium wp-image-7196 alignleft" title="Grins nicht so blöd!" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/90-114_Stadtkind_April_10721-300x107.jpg" alt="" width="300" height="107" /></a>Die Zeit verging, und das Räupchen tat sich schwer in der Welt. Der erste Eindruck zählt – und im ersten Eindruck hinterließ es meist ein unfreundliches Gesicht. Stundenlang stand es manchmal vor einer Pfütze, um im Spiegel des Wassers das Freundlichgucken zu üben. So lange, bis seine Mundwinkel schmerzten und bis die Sonne schließlich die Pfütze hatte verdunsten lassen. Und jedes Mal war es mit dem Ergebnis zufrieden gewesen, scheiterte allerdings kläglich im Praxisversuch. Gefrustet fraß das Räupchen schließlich den Kummer in sich hinein, und allmählich wurde es dicker und dicker. Das Gezeter der anderen hörte damit natürlich nicht auf. „Was für ein fetter Brummer du bist! Dabei kannst du noch nicht einmal fliegen!“ Patzige Planierraupe, so nannten sie sie. Und immer öfter hatte Nimmerfroh nun den Eindruck, als platze ihr bald der Kragen. So konnte es nicht weitergehen. Traurig kroch die inzwischen adipöse Raupe zum Rande einer riesigen Pfütze. Aber nicht, um nochmal das Lächeln zu üben, sondern, um sich das Leben zu nehmen.</p>
<p>„Bist du oft hier?“ schallte es auf einmal zu ihr herüber. Auf der anderen Seite der Pfütze saß ein Sackträger. „Das geht dich nichts an!“ donnerte Nimmerfroh zurück. „Also am besten, du machst schleunigst wieder &#8216;nen Abflug!“ „Aber ich sagdoch auch nicht zu dir, dass du dich verkriechen sollst. Dabei sitze ich schon länger hier als du“, entgegnete der Sackträger. „Maaach &#8216;neeen Abflug!“ Nimmerfroh wurde nun richtig wütend. Nicht mal in Ruhe ertränken konnte man sich, und da soll man nicht aus der Haut fahren! „Ja, ja, mache eh gleich &#8216;nen Abgang. Nur ein kleines bisschen noch.“ Mit einer stoischen Ruhe blieb der Sackträger sitzen. Nimmerfroh platzte endgültig der Kragen. „Du raupst mir echt den letzten Nerv!“ schrie sie. „Was machst du eigentlich hier?“ fragte der Sackträger unbeirrt weiter. „Daahaaas geeeht diiich niiichts aaan!“ „Warum schreist du denn so?“ Erst jetzt bemerkte Nimmerfroh, dass die Pfütze, die zuvor noch zwischen ihnen gelegen hatte, beinahe verdunstetund der Sackträger immer näher gekommen war. „Ach, wenn ich das wüsste&#8230;“, antwortete Nimmerfroh. Und dann musste sie selbst ein wenig lachen.</p>
<p>„Steht dir übrigens gut, wenn du lachst“, sagte der Sackträger. „D-dd-das kannst du sehen?“ Nimmerfroh verschlug es fast die Sprache. „Ja klar“, antwortete der Sackträger. „Aber&#8230; ich&#8230; ich&#8230; iiihhh, was ist das denn!?“ Angewidert blickte Nimmerfroh auf das Häufchen, das nun neben ihr lag. „Das ist dein Kokon“, wusste der Sackträger. „Und wenn du mich fragst, dann hast du dich gerade zu was richtig Nettem entpuppt.“ Wenige Augenblicke später entpuppte der Sackträger sich als tot. Echte Sackträger leben nämlich nur wenige Stunden. An der Pfütze hatte der Falter seine letzte Ruhe gesucht – und stattdessen eine vorlaute Raupe gefunden, die sich vor seinen Augen verwandelt hatte: Aus der kleinen Raupe Nimmerfroh war ein Lachfalter geworden.</p>
<p><strong>MS</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/04/die-kleine-raupe-nimmerfroh/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>der hippochonder</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/03/der-hippochonder/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/03/der-hippochonder/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 22:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2010-03]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=6230</guid>
		<description><![CDATA[Bei dem Wörtchen „Gift“ machte Sam ganz langsam die Augen auf. Ängstlich blickte sie auf die Stelle, wo immer das Futter stand. War ihr schlecht oder bildete sie sich das nur ein?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ihre weichen, warmen Lippen kitzelten ihn. Gustav lächelte zufrieden. Zärtlich strich er ihr über den schlanken Hals. „Du wirst das beste Pferdchen in meinem Stall sein.“ Sein Flüstern jagte ihr einen angenehmen Schauer über den Rücken. „Wir beide werden noch viel Freude miteinander haben.“ Kaum, dass er gegangen war, legte sie sich wieder hin und schloss die Augen.</p>
<p>„He, Langschläfer, guten Morgen.“ Als sie die Augen wieder öffnete, herrschte um sie herum bereits Hochbetrieb. Eine Frau tastete sie ab und redete mit sanfter Stimme auf sie ein. Ein kleines Mädchen weinte. Zwei Männer diskutierten. Da endlich erblickte sie auch Gustav. Seine Miene war besorgt. „Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt, Sam. Warst einfach nicht wachzukriegen.“ Er grinste schief, während er sich zu ihr herunter beugte. „Na dann, darf ich bitten?“ Noch leicht benommen, rappelte sie sich auf. Sie war irritiert. Hatte sie irgendetwas falsch gemacht? „Siehst du, Leni, es ist alles in Ordnung.“ Gustav drehte sich um und streckte einen Arm nach dem Kind aus. Unsicher machte es ein paar Schritte nach vorne und schob seine kleine Faust in Gustavs Hände. „Und du musst sie nicht erschießen lassen, Papa?“ Gustav lachte. „Nein, mein Schatz, diesmal nicht.“ Über den Kopf seiner Tochter hinweg zwinkerte er ihr zu. Sam wusste immer noch nicht, wie ihr geschah. Meinte er das gerade ernst? In ihrem Magen krampfte sich alles zusammen. Nach all der Aufregung hätte sie sich jetzt gerne nochmal hingelegt, doch da kam auch schon einer der beiden Männer auf sie zu. Er reichte ihr gerade mal bis zum Bauch. „Moin, moin, die Dame. Wären wir dann wohl endlich mal soweit?“ Sam verstand nicht. Kannten sie sich? Das könnte man dann auch freundlicher sagen, oder? Umringt von einem Tross wurde sie ins Freie geführt, und einer der furchtbarsten Monate ihres Lebens nahm seinen Lauf.</p>
<p>„Laufen, dass ich nicht lache. Das ist kein Rennpferd, das ist ein sterbender Schwan!“ „Nun geben Sie ihr doch bitte noch eine Chance.“ „Der können Sie den Gnadenschuss geben, aber doch keine zweite Chance. Ohne mich. Sie haben meine Zeit schon viel zu lange in Anspruch genommen.“ So tönte es aus den Stallungen. Sam lag in ihrer Box und hatte wie immer die Augen geschlossen. Sie bekam fürchterliche Kopfschmerzen von dem Stimmengewirr. „Ach Sam, was machen wir denn nur mit dir.“ Erschrocken riss sie die Augen auf. Gustav kniete plötzlich neben ihr. „Und warum liegst du denn jetzt schon wieder. Ich glaub, ich muss hier mal ein paar andere Saiten aufziehen und Hufnägel auslegen, hm?“ Wieder lächelte er. Oder doch nicht? Sam wollte jetzt gerne alleine sein und nachdenken, also schloss sie langsam wieder die Augen. Doch Gustav ließ sich nicht abwimmeln. „Sam! Jetzt aber mal hoch mit dir. Gratulation übrigens, das war bereits der siebzehnte Jockey. Du hast einen ganz schönen Männerverschleiß, weißt du.“ Kaum, dass sie aufrecht stand, begann sie am ganzen Leib zu zittern. „Was hast du denn? Sammy!?“</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/03/der-hippochonder.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-6205" title="Bloß ein Hippochonder?" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/03/der-hippochonder-300x107.jpg" alt="" width="300" height="107" /></a>Langsam knickten ihre Beine wieder ein. Erst die vorderen, dann die hinteren, und dann lag sie auch schon wieder. Die Tierärztin konnte erneut nichts feststellen. „Also, wenn du mich fragst, Gustav, dann hast du dir hier keine junge Stute eingekauft, sondern einen ausgewachsenen Hippochonder.“</p>
<p>Zwei weitere Monate vergingen. Und da sich in dieser Zeit sonst nichts änderte, änderte Gustav zwangsläufig seine Pläne. Aus dem Rennpferd sollte ein Reitpferd werden.<br />
„Meine Tochter hätte tot sein können! Bleibt einfach so abrupt stehen und lässt sich auf die Seite fallen!“ „Ich versichere Ihnen, dass so etwas nicht wieder vorkommen wird.“ „Da können Sie Gift drauf nehmen! Wenn sich erst herumgesprochen hat, auf was für lebensmüden Gäulen Sie den Kindern hier das Voltigieren beibringen, dann hat es Ihre Reitschule bestenfalls mal gegeben!“ Bei dem Wörtchen „Gift“ machte Sam ganz langsam die Augen auf. Ängstlich blickte sie auf die Stelle, wo immer das Futter stand. War ihr schlecht oder bildete sie sich das nur ein?</p>
<p>Gustav betrat die Box. Normalerweise hockte er sich immer zu ihr. Diesmal blieb er stehen. „Weißt du eigentlich, warum ich dir den Namen Sam gegeben habe und nicht so einen bescheuerten wie Cheyenne-Shaolin, Princess Ashanti oder Luna Diva Lucky Star? Sam. Set And Match. Ein schneller Name für ein schnelles Pferd. Aber ich habe mich getäuscht. Du bist Lang-Sam. Und langsam kann ich mir das einfach nicht mehr leisten.“ Das Gewehr in Gustavs Händen sah sie nicht. Sams Augen waren schon wieder verschlossen. Sie sollten es bleiben.</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/03/der-hippochonder/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>zur guten nacht</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/zur-guten-nacht/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/zur-guten-nacht/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 22:00:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2010-02]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=7598</guid>
		<description><![CDATA[„Aber Du müsstest auch seine Haufen wegmachen“, sagte Merles Vater. Er hatte sich dieses Argument bis zum Schluss aufgehoben, denn er war sich sicher, dass Merle sich genau das noch nicht überlegt hatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines Tages machte Merle gemeinsam mit ihrer vierten Klasse einen Ausflug in das Tierheim vor der Stadt, und als sie mittags nach Hause kam, hatte sie sich unsterblich verliebt. „Ich will einen Hund!“ sagte sie zu ihren Eltern. „Im Tierheim wohnt ein kleiner Hund, der ist noch ganz jung, den will ich haben! Der Hund heißt Daniel, und ich habe ihm schon gesagt, dass ich ihn bald abhole.“ Natürlich sagten ihre Eltern erstmal nein. „Wir leben in einem Stadthaus“, sagten sie. „Wir haben keinen Platz. Wo soll er denn schlafen? Hunde gehören sowieso eher aufs Land. Und so ein Hund, das bedeutet, ganz viel Verantwortung zu übernehmen, jeden Tag pünktlich füttern, immer frisches Wasser geben, mehrmals jeden Tag spazieren gehen.“ „Daniel kann bei mir im Zimmer schlafen, in der Ecke am Fenster, und ich kann jeden Tag mit ihm in den Park gehen, morgens vor der Schule, zwischendurch, wenn eine Stunde ausfällt, und nachmittags sowieso. Das ist alles kein Problem. Ich habe mir das schon genau überlegt“, sagte Merle. „Aber Du müsstest auch seine Haufen wegmachen“, sagte Merles Vater. Er hatte sich dieses Argument bis zum Schluss aufgehoben, denn er war sich sicher, dass Merle sich genau das noch nicht überlegt hatte. „Das macht nichts“, sagte seine Tochter nach einer kurzen Denkpause.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/zur-guten-nacht.jpg"><img class="size-full wp-image-7599 alignleft" title="Der schaut doch irgendwie verschlagen!" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/zur-guten-nacht.jpg" alt="" width="260" height="99" /></a>Dann gab es erstmal dicke Luft. Ihre Eltern blieben bei ihrem nein, Merle verzog sich schmollend in ihr Zimmer, der Vater rief beim Schuldirektor an und beschwerte sich darüber, auf was für Ideen man die Kinder in der Schule brachte, der Direktor versicherte, dass keiner der Lehrer und auch niemand im Tierheim diese Absicht gehabt hätte. Im Gegenteil, man wolle mit diesen Versuchen vermeiden, dass Kinder sich Tiere zu Weihnachten wünschten, die dann im Tierheim enden würden. Dagegen konnte Merles Vater wenig sagen. In den folgenden Tagen wurde die Luft immer dicker. Merle blieb schmollend in ihrem Zimmer, sie weigerte sich, zur Schule zu gehen, sich weigerte sich sogar, etwas zu essen (bis sie richtig großen Hunger hatte), und so ging es eine Woche. „Wir können ja mal hinfahren, und uns den Hund ansehen“, sagte Merles Mutter abends im Bett zum Vater, als Merle den achten Tag schmollte. „Das kommt gar nicht in Frage“, sagte der Vater. Da streichelte die Mutter seinen Arm. „Aber sie sieht so traurig aus“, sagte sie. Und am Samstag fuhren sie ins Tierheim. Daniel war ein Rottweiler, kaum drei Monate alt, und man hatte ihn angekettet in einem Hinterhof gefunden. „Wie groß wird denn so ein Hund“, fragte Merles Vater besorgt. „Ungefähr so groß, wie ihre Tochter jetzt ist“, sagten die Leute vom Tierheim. Merle hatte sich vor den Käfig gehockt, ließ sich die Finger lecken, kicherte vor Vergnügen und vergaß nicht, hin und wieder ihre Eltern mit großen Augen anzusehen. Der Vater betrachtete skeptisch den kleinen Rottweiler. „Finden sie nicht, dass das Tier so einen seltsamen Ausdruck hat? Irgendwie verschlagen?“ fragte er. „Der macht mir schon jetzt Angst.“ „So ein Hund wird immer zu dem, was seine Besitzer aus ihm machen“, sagten die Leute vom Tierheim. Und als sie zurück nach Hause fuhren, saß Daniel neben Merle auf dem Rücksitz. Natürlich hatte sich der Vater vorher versichern lassen, dass man Daniel nach einer Probezeit zurückbringen könne. Die Probezeit dauerte drei Monate. Sie verging ohne Probleme. Merle war jeden Tag stundenlang mit Daniel draußen unterwegs, sie versorgte ihn liebevoll mit Futter und Leckerchen, die sie meistens von ihrem Taschengeld bezahlte, sie kümmerte sich sogar um seine Haufen, auch wenn gerade niemand guckte. Und sie kaufte sich ein Buch über Hundeerziehung. „Jetzt sind die drei Monate vorbei, aber ich erwarte, dass du dich weiter um Daniel kümmerst wie bisher“, sagte der Vater. „Wenn du dich nicht mehr um ihn kümmerst, kommt er zurück ins Tierheim.“ „Und das wäre ein Segen für uns alle“, sagte er abends zu seiner Frau. „Er ist jetzt schon so groß wie Merle und ich finde, er sieht immer gefährlicher aus. Irgendwann wird er merken, wie stark er ist, und dann Gnade uns Gott. Rottweiler können sehr gefährlich sein, das kann man überall nachlesen. Und dieser Hund ist gefährlich.“ Aber seine Frau war schon eingeschlafen. So vergingen die Wochen und es passierte rein gar nichts, außer dass Merle die Empfehlung für das Gymnasium bekam. Daniel wurde ein sehr folgsamer Hund, der niemals jemanden biss. Und Merle wurde später Tierärztin. „Mit dem Hund haben wir alles richtig gemacht“, sagte Merles Vater irgendwann. „Ach was, wenn wir ihr keinen Hund erlaubt hätten, wäre sie vielleicht eine richtige Ärztin geworden“, antwortete der Vater, und beide lachten. So kam es, dass eine Geschichte im Stadtkind auch mal ein gutes Ende hatte.<br />
<strong><br />
LK</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2010/02/zur-guten-nacht/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>das erdbeermädchen</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/das-erdbeermadchen/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/das-erdbeermadchen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 22:00:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2009-09]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=5455</guid>
		<description><![CDATA[Das kleine Mädchen zögerte einen Augenblick, dann bewegte sich kurz der Kiefer und die Beere war verschwunden. Es hatte sie nicht ausgespuckt. Ungläubig suchte die Mutter mit dem kleinen Finger im Mund ihrer Tochter nach der Frucht...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein kleines Mädchen, das war von Anfang an einfach viel zu dünn. Schon bei der Geburt war es leichter, als alle anderen Kinder auf der Säuglingsstation. „Die muss viel trinken“, sagte die Hebamme mahnend zur Mutter. Aber die Kleine trank wenig. Wenn sie an der Brust lag, dann begann sie zuerst immer recht heftig zu saugen. Aber schon nach Sekunden schien der Hunger gestillt, dann legte das kleine Mädchen die Stirn in Falten, rieb sich missmutig mit seiner Hand die Augen und schlief ein oder schrie, wenn seine Mutter versuchte, ihm noch einmal die Muttermilch schmackhaft zu machen. So waren die ersten Wochen nach der Geburt für die Eltern des kleinen Mädchens eine sorgenvolle Zeit.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/10/Erdbeere_500px.jpg"><img class="size-full wp-image-5131 aligncenter" title="Dann doch lieber mal ein Schnitzelchen" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/10/Erdbeere_500px.jpg" alt="Dann doch lieber mal ein Schnitzelchen" width="500" height="307" /></a></p>
<p>Das Mädchen wuchs immer nur ein ganz kleines bisschen, aber immerhin: es wuchs. Scheinbar reichte die mickrige Portion Muttermilch so gerade. Die Ärzte beschlossen jedenfalls, nicht einzugreifen. Bedenklich, aber nicht lebensbedrohend, nannten sie die Situation. Nach fünf Monaten sah das kleine Mädchen eigentlich noch immer so aus wie ein gerade zur Welt gekommener Säugling. Niedlich fanden das die Menschen. Denn während andere Kinder zu dieser Zeit allmählich die Gesichtszüge ihrer Eltern oder Großeltern annahmen, zu schönen oder hässlichen Menschen wurden, blieb das kleine Mädchen einfach nur süß. Voller Sorge brachten die Eltern das kleine Mädchen zu vielen Kinderärzten, aber niemand hatte eine Erklärung. „Ich denke schon, dass sie grundsätzlich Hunger hat“, sagte schließlich einer der Ärzte. „Vielleicht hat sie einfach noch nichts entdeckt, was ihr schmeckt.“ Das war ein Funke Hoffnung.</p>
<p>Die Eltern probierten alles aus, was auch nur entfernt nach menschlicher Nahrung aussah. Sie gaben ihm Babybrei in allen möglichen Geschmacksrichtungen, doch das kleine Mädchen spuckte nur missmutig. Sie gaben ihm püriertes Gemüse, püriertes Fleisch, püriertes Brot, pürierten Kuchen, püriertes Obst, sie versuchten es sogar mit Schokolade. Das kleine Mädchen war nicht zu begeistern. Dann kam die Zeit der Erdbeerernte, und in den Geschäften häuften sich in den Regalen die roten Früchte. Mehr aus Gewohnheit griff die Mutter im Vorbeigehen nach einer dieser Beeren, steckte sie sich zuerst selbst in den Mund, um die Beere zu „waschen“, und hielt sie dann ihrer Tochter an den Mund, streichelte mit der Frucht über ihre Lippen, bis sich der Mund ein klein wenig öffnete, und schob die Beere hinein.</p>
<p>Das kleine Mädchen zögerte einen Augenblick, dann bewegte sich kurz der Kiefer und die Beere war verschwunden. Es hatte sie nicht ausgespuckt. Ungläubig suchte die Mutter mit dem kleinen Finger im Mund ihrer Tochter nach der Frucht. Sie blieb verschwunden. Und die Mutter kaufte sogleich mehrere Kilo Erdbeeren und machte sich eilig auf den Heimweg. In der Tat, das kleine Mädchen mochte Erdbeeren. Und hatte tatsächlich am Ende des Tages fast ein Kilo verspeist. Am nächsten Tag sogar fast zwei Kilo. Dann wieder ein Kilo. Dann sogar zweieinhalb Kilo. „Übertreiben sie es nicht“, mahnte der Arzt. „Zu viel ist auch nicht gut. Jedes Kind braucht seine Zeit. Sie sollten vorsichtig sein.“ Aber die Eltern waren viel zu glücklich über den neuen Appetit ihrer Tochter, um auf den Arzt zu hören. Jetzt würde sie endlich groß und stark werden. Jeden Tag aufs Neue gaben sie ihr so viele Erdbeeren wie nur möglich.</p>
<p>Das kleine Mädchen wuchs, wurde größer und schwerer. Und änderte kaum merklich die Farbe. Das kleine Mädchen wurde rot. Doch dabei blieb es nicht. Sie wurde runder, immer runder, und schließlich kugelrund. Dann wuchsen plötzlich kleine Härchen auf ihrer Haut. Und ihre Haare auf dem Kopf bekamen einen grünlichen Schimmer. Nach einem Jahr war sie von einer Erdbeere kaum noch zu unterscheiden. Und auf der Straße zeigten die Leute mit dem Finger auf die verrückten Eltern, die eine überdimensionale Erdbeere in einem Kinderwagen spazieren fuhren. Eines Tages im Park, die Mutter war kurz eingeschlafen, war das Erdbeermädchen verschwunden. Und oben in den Bäumen putzten sich die Tauben ihr Gefieder.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/09/das-erdbeermadchen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>der kleine baum und die große frage</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/der-kleine-baum-und-die-grose-frage/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/der-kleine-baum-und-die-grose-frage/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 22:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2009-08]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://skneu.d-1.com/?p=4249</guid>
		<description><![CDATA[Nein, nein, nein, der kleine Baum wusste es nicht. Das machte ihn sehr, sehr traurig. Er ließ sich gehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-4248" title="Auch ein überfragtes Bäumchen?" src="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2009/08/Der-kleine-Baum_net-300x254.jpg" alt="Auch ein überfragtes Bäumchen?" width="300" height="254" />Es war einmal ein kleiner Baum, der wusste so gar nichts mit sich anzufangen.<br />
„Was willst du mal werden, wenn du groß bist?“ fragten die anderen Bäume ihn immer und immer wieder.<br />
„Ich weiß nicht.“ antwortete der kleine Baum.</p>
<p>Die Jahre vergingen, der kleine Baum wurde ein Stückchen größer, und wieder fragten sie ihn: „Was wirst du mal werden, wenn du groß bist?“<br />
„Ich weiß es nicht.“ antwortete der kleine Baum. Er wusste es wirklich nicht.<br />
„Das gibt’s doch gar nicht. Jeder weiß doch irgendwann mal, was er werden möchte, wenn er groß ist!“ schimpfte seine Mutter.</p>
<p>Da beschloss der kleine Baum, einfach nicht mehr zu wachsen. Wenn ich gar nicht erst groß werde, so dachte er, dann muss ich auch nichts werden. Und so blieb der kleine Baum eben klein.</p>
<p>Älter wurde er natürlich trotzdem.<br />
„Du kommst langsam in ein Alter, in dem andere Bäume längst was aus sich gemacht haben und dabei sind, ihre eigenen kleinen Bäumchen zu pflanzen. Und du weißt immer noch nicht, was du werden möchtest!?“ schimpfte seine Mutter unentwegt weiter.<br />
Nein, nein, nein, der kleine Baum wusste es nicht. Das machte ihn sehr, sehr traurig.<br />
Er ließ sich gehen.<br />
„Du könntest dir ruhig mal wieder deine Äste schneiden lassen. Du siehst ja fürchterlich aus!“ schimpfte seine Mutter.<br />
Aber der kleine Baum wollte nicht hören. Seine Äste wuchsen und wuchsen, und die Zweige wurden länger und länger und reichten bald bis zum Boden. Dem kleinen Baum war das gerade nur recht. So bedeckten die Zweige wenigstens sein Gesicht, und keiner konnte sehen, wie traurig er war.</p>
<p>Die Jahre zogen ins Land, und der kleine Baum wiegte sich monoton im Wind und grübelte und grübelte. Doch es wollte ihm einfach nicht einfallen, was er werden könnte.<br />
Eines Tages begegnete ihm ein anderer kleiner Baum.<br />
„Hallo kleiner Baum“, sagte der kleine Baum. „Du siehst aber lustig aus. Warum bist du denn so fröhlich? Weißt du etwa schon, was du werden willst, wenn du mal groß bist?“<br />
„Aber ich bin doch schon groß“, antwortete der andere kleine Baum. „Und ich bin auch längst was geworden. Ich bin ein Glücksbaum!“<br />
„Ein Glücksbaum?“ Der kleine Baum war begeistert. „Das klingt aber toll! Hurra, jetzt weiß ich auch endlich, was ich werden möchte!“</p>
<p>Zu gerne wäre der kleine Baum vor Freude in die Luft gesprungen, doch seine schweren Äste hinderten ihn daran. So wiegte er sich wieder nur ein bisschen im Wind.<br />
„Aber du kannst doch gar kein Glücksbaum werden“, entgegnete der Glücksbaum.<br />
„Ach ja, und warum bitte nicht?“ hakte der kleine Baum nach.<br />
„Na, weil du doch schon längst was anderes geworden bist!“<br />
Der kleine Baum war verwirrt.<br />
„Ich? Aus mir ist schon was geworden und ich habe es gar nicht mitbekommen?“<br />
Der kleine Baum begann zu lächeln.<br />
„Das ist ja hervorragend! Ich bin was! Endlich bin ich was! Und ich kleiner Narr war all die Jahre lang traurig&#8230;“</p>
<p>Nun lachte der kleine Baum, und er lachte, bis die Lachtränen ihm über die Wangen kullerten, und er konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen, bis seine schweren Äste zu wippen begannen und ihm die Luft nahmen und er sich verschluckte und aus den Lachtränen Hustentränen wurden.<br />
„Ja, und was bin ich denn nun?“ fragte der kleine Baum schließlich tränenüberströmt.<br />
Der Glücksbaum reichte dem kleinen Baum eines seiner Blätter.<br />
„Da, für deine Schniefnase. Und du weißt wirklich nicht, was du bist?“ fragte der Glücksbaum.<br />
„Nöö, woher denn? Nun sag&#8217; schon, was bin ich!?“ bettelte der kleine Baum.<br />
„Du bist eine kleine Trauerweide.“</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/08/der-kleine-baum-und-die-grose-frage/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>die kleine prinzessin und das fürchterliche geräusch</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/die-kleine-prinzessin-und-das-furchterliche-gerausch/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/die-kleine-prinzessin-und-das-furchterliche-gerausch/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 22:00:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2009-07]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=5020</guid>
		<description><![CDATA[...so standen schließlich die königliche Familie und alle Bediensteten vor dem Zimmer der Prinzessin. Und der König ging sogleich hinein, um nach dem Rechten zu sehen. Als er wieder aus dem Zimmer trat, war er leichenblass.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem fernen Land, da lebte einmal eine kleine Prinzessin, die war schon in jungen Jahren unglaublich schön. So schön, dass die Menschen verstummten, wenn sie erschien, und mit offenen Mündern über die kleine Person staunten. Und mit jedem Jahr wuchs ihre Schönheit. Natürlich verbreitete sich die Kunde von ihrer unglaublichen Anmut bald über das ganze Land, und als sie gerade 13 Jahre alt war, kamen bereits viele Prinzen aus fernen Ländern, um den König um die Hand seiner Tochter zu bitten.</p>
<p>Nun könnte man vermuten, dass die kleine Prinzessin bei all der Aufregung um ihre Person im Laufe der Jahre ein bisschen arrogant geworden wäre. Und tatsächlich dachten das viele Prinzen, denn die Prinzessin redete mit ihnen kein Wort. Aber arrogant war die Prinzessin nicht. Nur verwundert und ein wenig verstimmt. Das ist doch typisch Mann, dachte sie bei sich, sie interessieren sich nur für den äußeren Schein. Aber was ich denke und fühle, dafür interessieren sie sich nicht. Da spielte sie doch lieber mit den anderen Kindern der Schlossbediensteten. So wuchs die Prinzessin heran und wurde immer schöner. Und mit ihrer äußeren Schönheit wuchs auch ihre innere Schönheit. Sie war hilfsbereit und freundlich, sie half den Bediensteten im Schloss, und wenn sie durch das Reich ihres Vaters ritt und einen Menschen auf der Straße entdeckte, der traurig aussah, dann stieg sie vom Pferd und kümmerte sich um den traurigen Menschen, bis er wieder lachte.</p>
<p>Doch dann kam der Tag, an dem die Prinzessin ihren 16. Geburtstag feierte und der alles verändern sollte. Denn als die Prinzessin abends einschlief, während sie glücklich an all die schönen Geschenke dachte, ertönte im ganzen Königreich plötzlich ein fürchterliches Geräusch, das alle Menschen aus den Betten und auf die Straße trieb. Ein Ungeheuer, sagten manche, ein Drachen, fürchteten sich andere. Doch das Geräusch kam vom Schloss, und von einem Untier war dort weit und breit nichts zu sehen. Auch im Schloss hatte man sich auf die Suche nach dem Ursprung des Geräusches gemacht und so standen schließlich die königliche Familie und alle Bediensteten vor dem Zimmer der Prinzessin.</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/09/Prinzessin_net.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-5019" title="Kleine Prinzessin - große Polypen?" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2009/09/Prinzessin_net-300x101.jpg" alt="Kleine Prinzessin - große Polypen?" width="300" height="101" /></a>Und der König ging sogleich hinein, um nach dem Rechten zu sehen. Als er wieder aus dem Zimmer trat, war er leichenblass. „Die Prinzessin geruht zu schnarchen“, verkündete er. „Und wenn sie geruht, sich auf die andere Seite zu drehen, wird das Schnarchen aufhören. Geht, und sagt es draußen den Leuten.“</p>
<p>Doch leider verschwand das Schnarchen nicht. Nicht in dieser Nacht. Nicht in der nächsten Nacht. Nicht in den folgenden Wochen. Und niemand im ganzen Königreich konnte nachts auch nur ein Auge zumachen. Bald versank das Königreich im Chaos, denn die Menschen mussten schlafen, und sie schliefen tagsüber, während die Ernte auf den Feldern verdorrte. Und sie litten Hunger und waren gereizt und gingen sich gegenseitig an den Kragen und verließen das Land. Und die Prinzessin wunderte sich über die vielen blutunterlaufenen Augen und die Armut und das Elend und die Gewalt. „Was ist denn bloß passiert?“ fragte sie die Leute. Aber niemand brachte es übers Herz, der Prinzessin die Wahrheit zu sagen.</p>
<p>Doch eines Tages ritt ein junger Mann durch das Königreich und machte Rast in einem Gasthaus. Er wunderte sich über die Bretter vor den Fenstern, auf denen Kissen befestigt waren, und über die dicken Matratzen vor allen Türen. Doch niemand wollte ihm Auskunft geben. So kam die Nacht, und es dauerte nicht lange, bis der junge Mann erwachte, geweckt von dem fürchterlichsten Geräusch, das er jemals gehört hatte. Aber irgendwie kam ihm das Geräusch auch seltsam vertraut vor. Und er trat auf die Straße und machte sich auf die Suche nach dem Verursacher. Bald schon stand er im Schloss vor der Tür der Prinzessin.</p>
<p>Niemand hatte ihm den Zugang verwehrt, denn die Wachen waren schon vor Monaten aus dem Reich geflohen. Der junge Mann nahm all seinen Mut zusammen, trat in das Zimmer. Und er sah die schönste Frau, die er jemals erblickt hatte. Dort lag sie und schlief mit weit aufgerissenem Mund und schnarchte ganz unglaublich. Ein fachkundiger Blick genügte. Eine simple Verkrümmung der Nasenscheidewand, nur eine kleine OP, dachte der junge Mann und holte sogleich seinen Arztkoffer.</p>
<p>Noch in dieser Nacht ließ die Prinzessin sich operieren. Und weil der junge Mann ein netter Zeitgenosse zu sein schien, verliebte sich die Prinzessin in den jungen Mann. Und der König willigte dankbar in die Hochzeit ein, obwohl der junge Mann nur ein frischgebackener Hals-Nasen-Ohrenarzt war.</p>
<p>Und so eröffnete im Schloss bald darauf eine Praxis, die beiden bekamen viele hübsche Töchter, und lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.</p>
<p><strong>GAH</strong></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2009/07/die-kleine-prinzessin-und-das-furchterliche-gerausch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Seestern</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/der-seestern/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/der-seestern/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 27 Oct 2008 16:27:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2008-10]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3749</guid>
		<description><![CDATA[Es war einmal in einem großen weiten Meer ein kleiner Seestern namens Kasimir. Der lebte auf einer Wasserpflanze, die vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche wuchs, und die am Rande eines Waldes aus lauter anderen Wasserpflanzen ihre Wurzeln geschlagen hatte. Die Wasserpflanzen im ganzen Wald hießen mit Nachnamen alle Tang, denn sie gehörten allesamt zur gleichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal in einem großen weiten Meer ein kleiner Seestern namens Kasimir. Der lebte auf einer Wasserpflanze, die vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche wuchs, und die am Rande eines Waldes aus lauter anderen Wasserpflanzen ihre Wurzeln geschlagen hatte. Die Wasserpflanzen im ganzen Wald hießen mit Nachnamen alle Tang, denn sie gehörten allesamt zur gleichen Familie. Und die Wasserpflanze, auf der Kasimir wohnte, hieß Heinz-Rudolf Tang. <a href="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2008/10/2008-10_gutenacht_seestern.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-3750" title="Kleiner Seestern" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/10/2008-10_gutenacht_seestern-265x300.jpg" alt="" width="265" height="300" /></a></p>
<p>Kasimir hatte sich schon als sehr kleiner Seestern seinen Heinz-Rudolf ausgesucht. Und er lebte sehr gerne auf ihm, denn Heinz-Rudolf sorgte für seine Sicherheit. Wann immer sich ein Sturm näherte und drohte, den kleinen Kasimir fortzureißen und an einen Strand zu spülen, wo er elendig vertrocknen würde, drehte sich Heinz-Rudolf so geschickt gegen den Sog, dass Kasimir geschützt war. „Ich pass auf dich auf, mein kleiner Freund“, sagte er dazu mit seiner tiefen Stimme. Und Kasimir fühlte sich derart sicher, dass er manchmal bei dem größten Sturm einschlief. So vergingen die Jahre und Kasimir war nun fast ausgewachsen. „Du musst jetzt bald tiefer in den Wald ziehen“, sagten die anderen Seesterne in der Nachbarschaft nun immer öfter. „Du wirst zu groß und zu schwer. Heinz-Rudolf wird dich bald nicht mehr schützen können.“ „Ich pass auf dich auf, mein Kleiner, keine Angst“, sagte dagegen Heinz-Rudolf, denn er hatte Kasimir über die Jahre sehr lieb gewonnen, und ein Leben ohne seinen kleinen Kasimir konnte und wollte er sich nicht mehr vorstellen. „Kein Sturm wird dich je fortreißen“, versprach er dem kleinen Seestern.</p>
<p>Und so zog Kasimir nicht tiefer in den Wald, sondern blieb bei Heinz-Rudolf, und lebte dort, und fraß, und wurde größer und dicker. Ach ja, das Ende dieser Wohngemeinschaft ist absehbar und so grausam, dass wir es hier lieber nicht erzählen wollen. Nur soviel: der Strand, die Sonne und eine ziemlich fiese Möwe spielten dabei eine Hauptrolle. Und die Moral von der Geschicht. Was man liebt, muss man auch loslassen können.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/der-seestern/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der arme kleine Euro</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/der-arme-kleine-euro/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/der-arme-kleine-euro/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 09:33:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2008-11]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=3497</guid>
		<description><![CDATA[Es war einmal ein armer kleiner Euro, der war gerade mal sechs Jahre alt. Doch obwohl er noch so jung war, war er schon stärker als sein großer Bruder in Amerika. Der kleine Euro war sehr schön anzusehen. Wenn die Sonne am Himmel lächelte, dann spiegelten sich ihre Strahlen in allen Farben des Regenbogens in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein armer kleiner Euro, der war gerade mal sechs Jahre alt. Doch obwohl er noch so jung war, war er schon stärker als sein großer Bruder in Amerika. Der kleine Euro war sehr schön anzusehen. Wenn die Sonne am Himmel lächelte, dann spiegelten sich ihre Strahlen in allen Farben des Regenbogens in seinem Glanz, und wen diese Strahlen zufällig trafen, dem wärmten sie das Herz. Trotzdem war der arme kleine Euro sehr einsam. Wie man weiß, ist das ja oft das Problem von besonders schönen und starken Wesen: Ihr Glanz blendet die anderen. Neid und Missgunst sind ihnen gewiss. Einmal kam ein armer Pfennig zu ihm, der schon seit Jahren obdachlos war und jeden Glanz verloren hatte und fragte den Euro: „Lieber Euro, kannst du mir nicht etwas Glanz von dir abgeben?“ Und der kleine Euro freute sich, dass jemand mal ein Wort mit ihm wechselte, und er versuchte, die Strahlen auf den kleinen Pfennig zu lenken. Doch ach, die Strahlen wanderten in alle Richtungen und die wenigen, die den Pfennig trafen, wurden sogleich von seiner Mattigkeit verschluckt. Da war der Pfennig böse und beschimpfte den kleinen Euro. „Du willst nur protzen und strahlen in alle Richtungen, damit alle sehen, wie du glänzt, aber mal gezielt zu strahlen und zu helfen, dafür bist du dir zu fein“, schrie er und ging seiner Wege. Und der arme kleine Euro blieb traurig zurück. Der arme kleine Euro hatte auch einen Vater, den Zweieuro, der noch größer und stärker war als er. Und hin und wieder kam die Mark vorbei, der große Bruder vom Pfennig und ähnlich glanzlos, und hänselte den kleinen Euro. „Ihr seid doch gar nicht echt“, sagte er. „Ihr gehört doch gar nicht zur großen Geldfamilie. Schaut euch doch mal an mit eurem goldenen Kern. Wir sehen alle ganz anders aus.“ Außerdem machte er sich immer über den kleinen Bruder des Euro lustig, den 50Cent, weil der so hieß wie ein schlechter US-Rapper (was der kleine Euro übrigens auch nicht verstand). Der arme kleine Euro führte wegen all dem also ein ziemlich trauriges Leben. Und nun hörte er auch noch, dass sein großer Bruder in Amerika schwer krank geworden war. Man wisse noch nicht, ob die Krankheit chronisch sei, aber der große Bruder verlöre täglich an Glanz, so erzählte man sich. Das machte den armen Euro noch trauriger. Doch dann kam ihm eine Idee. Er besorgte sich ein Schweißgerät und schweißte und hämmerte und klopfte und traf sich sogar mit ein paar Politikern, bis sich das Licht der Sonne so in ihm brach, dass er einen gezielten Strahl verschicken konnte. Dann schickte er einen Strahl über den großen Teich, und siehe da, dem großen Bruder ging es gleich ein Stückchen besser. Aus Dankbarkeit telefonierte der große Bruder fortan täglich mit dem kleinen Euro und mit der Zeit kamen sie überein, dass sie auch mal gemeinsam ihre Strahlen nach Afrika und überhaupt in die ganze Welt schicken könnten. Und als sie das eine Weile getan hatten, da mochten plötzlich alle den kleinen Euro und er war nicht mehr traurig. Der kleine Pfennig und sein großer Bruder waren inzwischen leider endgültig verstorben, aber das bedauerte nun niemand mehr.<a href="http://skneu.d-1.com/wp-content/uploads/2008/10/gutenacht1.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-3502" title="gutenacht1" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/10/gutenacht1-300x273.jpg" alt="" width="300" height="273" /></a></p>
<p>Janine Klemmt</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/10/der-arme-kleine-euro/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Vater und Sohn</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/vater-und-sohn/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/vater-und-sohn/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Aug 2008 13:05:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2008-06]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=258</guid>
		<description><![CDATA[Es war einmal ein kleiner Junge, dessen Eltern waren sehr arm und sie konnten ihm keine hübschen Spielsachen kaufen. Deshalb saß der Junge den ganzen Tag vorm Fernseher, den sie vom Sozialamt bekommen hatten. Er wunderte sich, was es dort so zu sehen gab und fragte seinen Vater: „Papa, warum gehen Menschen in den Krieg, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein kleiner Junge, dessen Eltern waren sehr arm und sie konnten ihm keine hübschen Spielsachen kaufen. Deshalb saß der Junge den ganzen Tag vorm Fernseher, den sie vom Sozialamt bekommen hatten. Er wunderte sich, was es dort so zu sehen gab und fragte seinen Vater: „Papa, warum gehen Menschen in den Krieg, wenn ihnen dort die Arme und Beine von den gefährlichen Bomben abgerissen werden?“ „Weil sie Geld dafür bekommen“, antwortete der Vater, „und von dem können sie sich hinterher neue Arme und Beine aus Plastik kaufen.“ „Aber Papa”, fragte der Junge, „warum verhauen sie sich nicht einfach? Warum bauen andere Menschen diese schrecklichen Bomben?“ „Weil sie dafür noch viel mehr Geld bekommen“, antwortete der Vater, „und von dem können sie ihren Kindern dann hübsche Spielsachen kaufen.“ „Aber Papa“, fragte der kleine Junge weiter, „warum baust du dann keine Bomben und kaufst mir von dem Geld hübsche Spielsachen?“ Da antwortete der Vater: „Weil wir doch schon einen Fernseher haben. Da kannst du dir anschauen, was in der großen weiten Welt so alles Schreckliches passiert. Macht dir das etwa keinen Spaß?“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Johanna Kienitz</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/vater-und-sohn/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das große Gähnen</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/das-grose-gahnen/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/das-grose-gahnen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Aug 2008 10:40:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2008-07]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=180</guid>
		<description><![CDATA[Es war einmal ein fleißiges Bienchen, das ärgerte sich sehr. Es wollte nicht länger als spießiges Arbeitstier dastehen und wünschte sich eine Imageveränderung. Da fiel ihm im Vorbeifliegen ein Plakat ins Auge. „Welches Tier wird Gähnweltmeister? Es winken Ruhm, Ehre und ein protziger Pokal. Sponsored by Veronal.“ „Das ist meine Chance“, frohlockte das Bienchen. Als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war einmal ein fleißiges Bienchen, das ärgerte sich sehr. Es wollte nicht länger als spießiges Arbeitstier dastehen und wünschte sich eine Imageveränderung. Da fiel ihm im Vorbeifliegen ein Plakat ins Auge. „Welches Tier wird Gähnweltmeister? Es winken Ruhm, Ehre und ein protziger Pokal. Sponsored by Veronal.“ „Das ist meine Chance“, frohlockte das Bienchen. Als Adresse war ein Ort auf der Insel Neugähnea angegeben. „Puh“, stöhnte das Bienchen, „das ist ja ganz schön weit. Aber ich muss dorthin.“. Sprach’s und machte sich sogleich auf den Weg. Es flog über Berge und Täler, Wälder und Steppen und überquerte den ganzen großen Ozean. Völlig erschöpft und mit zitternden Flügeln kam es am Austragungsort an. „Sind Sie angemeldet?“ wurde es von einem fremdartigen Tier am Empfang begrüßt. „Nein? Das ist schlecht. Aber na gut, wir wollen mal nicht so sein und machen eine Ausnahme.“ Das kleine Bienchen wurde in einen Raum geführt, in dem ein großer Fernseher stand, auf dem es die langweiligsten Sendungen der Welt zu sehen gab. „So, dann mal los.“ sagte das fremdartige Tier. „Weia“, dachte das Bienchen und versuchte zu gähnen. Nichts. Stunden vergingen und das Bienchen wurde immer nervöser. Bis irgendwann ein komischer Mensch mit Brille im Fernsehen erschien und anfing zu reden. Da passierte es: zum ersten Mal in seinem Leben musste das Bienchen gähnen. „Das Murmeltier hat ein Telegramm geschickt, in dem steht, es habe keinen Platz mehr im Nachtzug bekommen, das Faultier hatte sich zwar angemeldet, ist aber nicht hier erschienen und alle anderen Tiere waren offensichtlich zu faul, überhaupt das Plakat zu lesen.“, sagte das fremdartige Tier, „Herzlichen Glückwunsch also – Sie sind jetzt Gähnweltmeister.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Johanna Kienitz</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/das-grose-gahnen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Manuela, die Schildkröte</title>
		<link>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/manuela-die-schildkrote/</link>
		<comments>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/manuela-die-schildkrote/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 Aug 2008 15:37:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn B. Dorra</dc:creator>
				<category><![CDATA[zur guten nacht]]></category>
		<category><![CDATA[2008-08]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/wordpress/?p=104</guid>
		<description><![CDATA[Es war einmal eine kleine Schildkröte namens Manuela, die lebte in einer Menschenwohnung. Manuela war eigentlich ganz zufrieden, denn sie bekam jeden Tag ein paar kleine, leckere Salatblätter und es gab sogar einen Swimmingpool, in dem sie nach Herzenslust planschen konnte. Nur das kleine Menschenmädchen ging ihr zwischendurch ein bisschen auf die Nerven. Zwar brachte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;">Es war einmal eine kleine Schildkröte namens Manuela, die lebte in einer Menschenwohnung. Manuela war eigentlich ganz zufrieden, denn sie bekam jeden Tag ein paar kleine, leckere Salatblätter und es gab sogar einen Swimmingpool, in dem sie nach Herzenslust planschen konnte. Nur das kleine Menschenmädchen ging ihr zwischendurch ein bisschen auf die Nerven. Zwar brachte das Mädchen ihr immer die Salatblätter, aber dafür wollte sie spielen, und spielen, das hieß, dass sie Manuela überall in der Wohnung herumtrug, um sie dann schließlich irgendwo abzusetzen, wo Manuela überhaupt nicht sein wollte. Und da sie eine Schildkröte war, dauerte es immer eine ganze Zeit, bis sie ihren geliebten Swimmingpool wieder erreicht hatte. Spielen war schrecklich für Manuela und das erst recht, weil das Mädchen dabei immerzu sagte, dass sie ihr gehörte und ihre lieeeeeeebste Schildkröte sei. Und jeder wusste doch, dass Schildkröten niemandem gehörten. Eines Tages kam das kleine Mädchen und brachte Manuela nicht wie sonst mehrere kleine Salatblätter. Manuela wusste sofort, dass dieser Tag ein besonderer Tag sein musste. Das Salatblatt, das das Mädchen brachte, war riesengroß und wunderschön. „Heute ist dein Geburtstag und darum bekommst du ein besonderes Salatblatt“, sagte das kleine Mädchen, legte das Blatt auf den Fressnapf und ging zur Schule. Schon wollte sich Manuela ans Fressen machen, aber dann zögerte sie. Das Blatt war so schön, das konnte man doch nicht so einfach fressen. Sie umrundete das Blatt einige Male und dachte nach. Wo anfangen, wie oft jeden Bissen kauen, damit das Geschenk genügend gewürdigt wäre? Sie umrundete das Blatt noch einige Male und dachte weiter nach. Es wurde Mittag und das Mädchen kam aus der Schule zurück. „Magst du dein Geburtstagsgeschenk nicht?“ fragte es. „Das ist aber sehr undankbar, Manuela!“ Doch Manuela grübelte und grübelte. Eine solche Mahlzeit verlangte ein besonderes Ritual. Sie ging erst mal eine Runde schwimmen, dann noch eine. Es wurde Abend. „Du bist wirklich sehr undankbar, Manuela“, sagte das kleine Mädchen, bevor es ins Bett musste. „Wenn du morgen früh nichts davon gegessen hast, nehme ich es dir wieder weg und du bekommst diese Woche gar nichts mehr.“ Es gibt kaum Situationen, in denen Schildkröten schwitzen, aber in dieser Nacht schwitzte Manuela, während sie abwechselnd das Blatt umrundete oder eine Runde im Pool drehte. Am Ende kam die Sonne hervor, ohne dass sie einen Bissen versucht hätte. Das Blatt war bereits welk und ungenießbar. Und so ließ das Mädchen Manuela genau eine Woche lang hungern und das Geburtstags-Blatt blieb zur Strafe im Fressnapf. Und was lernen wir daraus? Manche Dinge erledigt man am Besten sofort.  GAH</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.stadtkind-hannover.de/2008/08/manuela-die-schildkrote/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
