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	<title>STADTKIND - hannovermagazin &#187; im interview</title>
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		<title>Bernd Tauber</title>
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		<pubDate>Sun, 01 May 2011 09:15:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[im interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Bernd Tauber spielt in diesem Sommer in den Herrenhäuser Gärten den Prospero in „Der Sturm“. Im Interview spricht der Schauspieler über die Unsicherheit des Künstlers, den Erkenntnisgewinn und von der Gefahr, den Prospero zu spielen. Marlon Brando sagte einmal, dass ein Schauspieler ein Mann ist, der einem nie zuhört, wenn man nicht über ihn spricht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/30-35_Stadtkind_Mai_11_723.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-11915" title="Bernd Tauber" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/30-35_Stadtkind_Mai_11_723-300x268.jpg" alt="" width="300" height="268" /></a>Bernd Tauber spielt in diesem Sommer in den Herrenhäuser Gärten den Prospero in „Der Sturm“. Im Interview spricht der Schauspieler über die Unsicherheit des Künstlers, den Erkenntnisgewinn und von der Gefahr, den Prospero zu spielen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Marlon Brando sagte einmal, dass ein Schauspieler ein Mann ist, der einem nie zuhört, wenn man nicht über ihn spricht. Wie narzisstisch sind Sie? </span>Ich versuche mich als Schauspieler immer zurückzunehmen, um etwas anderes entstehen zu lassen. Es geht um die Rolle. In meinem Fall war die eigene Unsicherheit ein Grund, Schauspieler zu werden. Ich wollte über das Spiel zu einer anderen Kraft kommen, also das Gegenteil von einem Selbstdarsteller oder Narzissten.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Darf ein Schauspieler nicht selbstverliebt sein?</span><br />
Das ist eher hemmend. Man muss differenzieren. Gilt der Applaus mir oder dem Konstrukt, das ich erschaffe.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Das Publikum feiert die Rolle und nicht Bernd Tauber. Kränkt Sie das?</span> Das ist unglaublich befreiend. Der Zuschauer hat die Möglichkeit zu sagen, dass ich ihm in einer Rolle gefalle und in der anderen nicht. Diese Einstellung hilft mir auch, mit Kritik umzugehen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Der Schauspieler Max Reinhardt hat gesagt: „Ein Schauspieler ist von der unbändigen Lust getrieben, sich unaufhörlich in andere Menschen zu verwandeln, um in den anderen am Ende sich selbst zu entdecken.“ Hat er Recht? </span>Absolut richtig. Ich finde in einer geschriebenen Rolle den Ausdruck für etwas, das auch als Möglichkeit in mir steckt. Ohne die Rolle hätte ich diesen Teil aber vielleicht nicht entdeckt.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Sie sind seit 1973 Schauspieler. Was haben Sie gefunden? </span>Ich habe meine Stimme entdeckt. Anfangs hatte ich mit ihr große Probleme – ein deutliches Zeichen von Unsicherheit. Heute kann ich mich so zeigen, wie ich bin. Der größte Gewinn lag in der Erkenntnis: Ich habe Stärken und Schwächen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Sie spielen in „Der Sturm“ die Rolle des Prospero. Wo lag der Erkenntnisgewinn in dieser Rolle?</span><br />
Das weiß ich noch nicht. Es gibt aber eine Gefahr beim Prospero.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Nämlich? </span>Er hat Zauberkräfte. Trotzdem darf ich ihn nicht als etwas Unnatürliches darstellen. Er ist ein Mensch mit ganz persönlichen Leiden. Er wurde verbannt und will wieder zurück. Sein ganzes Leben durchlebt er noch einmal, um wieder Frieden zu bekommen. Das Ganze ist fast wie eine therapeutische Arbeit.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Worin erkennen Sie trotz der besonderen Kräfte den Menschen im Prospero? </span>Er leidet als Mensch. Es ist die unerfüllte Sehnsucht nach Frieden. Am Ende des Stücks gibt er seine Zauberkräfte ab und will wieder Herzog sein. Prospero möchte wieder von vorne anfangen.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Wie nähert sich der Schauspieler Bernd Tauber dieser Rolle an?</span> Indem er den Text lernt. Ich weigere mich, mir vorher eine Vorstellung von der Figur zu machen. Es besteht die Gefahr, voreingenommen zu sein. Ich habe Angst vor Klischees.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie schützen Sie sich davor? </span>Ich habe nur den Text. Das ist wahrhaftig. Beim Lesen entwickele ich eine Vorstellung von der Person. Mitunter kann diese Erkenntnis sehr langwierig sein. Erzwingen kann man sie nicht und ohne Geduld kann ich die Rolle nicht begreifen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Es ist also doch etwas Persönliches. Sie interpretieren die Rolle und bringen dadurch sehr viel Eigenes ein. </span>Natürlich, aber nur über den Text. Um es klar zu sagen: Ich unterstelle mich dem Text. Wenn die Worte wahrhaftig aus mir kommen, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.</p>
<p><strong>Christian Lawendel</strong></p>
<p>Termine für „Der Sturm“</p>
<p>Juni: 30.06. (Preview)</p>
<p>Juli: 02.07., 03.07. und 06.07.</p>
<p>(Previews) / 07.07.</p>
<p>(Premiere) / 08.07., 09.07.,</p>
<p>August: 03.-07.08.</p>
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		<title>elisabeth schweeger &#8211; intendantin kunstfestspiele</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Apr 2011 11:55:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[im interview]]></category>
		<category><![CDATA[2011-04]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom 27. Mai bis 19. Juni werden die Herrenhäuser Gärten wieder zum Schauplatz der KunstFestSpiele. „Entfesselte Welten“, so ist in diesem Jahr das vielseitige und interdisziplinäre Programm überschrieben. Elisabeth Schweeger über den konstruktiven Störfaktor Kunst, die Notwendigkeit, der „Entfesselung“ ihren Raum zu lassen, über wandernde Klaviere und...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/20-53_April_SK_2011_7220.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11423" title="20-53_April_SK_2011_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/20-53_April_SK_2011_7220-300x183.jpg" alt="" width="300" height="183" /></a>Vom 27. Mai bis 19. Juni werden die Herrenhäuser Gärten wieder zum Schauplatz der KunstFestSpiele. „Entfesselte Welten“, so ist in diesem Jahr das vielseitige und interdisziplinäre Programm überschrieben. Elisabeth Schweeger über den konstruktiven Störfaktor Kunst, die Notwendigkeit, der „Entfesselung“ ihren Raum zu lassen, über wandernde Klaviere und ein wirklich spannendes, intelligentes und vor allem sehr humorvolles Festival.</p>
<p><span style="color: #ff0000;"><strong>Frau Schweeger, die KunstFestSpiele im letzten Jahr waren bereits ein schöner Erfolg. Mit der Auslastung von 75 Prozent können alle Beteiligten sehr zufrieden sein. Auch die kritischen Stimmen sind inzwischen verstummt. Es scheint so, als sei das Konzept aufgegagen.</strong></span> Ja, das war schon sehr gut. Das freut mich natürlich.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Nach all der Aufregung im Vorfeld der Planungen zur ersten Auflage war das sicher auch eine Genugtuung.</span></strong> Ja. Man will ja nicht vor leeren Zuschauerräumen spielen, das ist doch klar. Man macht so ein Festival, damit die Menschen es sehen. Aber man darf dabei natürlich nicht nur auf die Auslastung stieren. Es muss in erster Linie auch um die Inhalte gehen.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Steckt man da nicht immer ein bisschen im Dilemma? Wir haben in einer der vergangenen Ausgaben mit Lars-Ole Walburg unter anderem über dieses Thema gesprochen. Der Spagat ist ja nicht immer so einfach.</span></strong> Ich finde diese Diskussion um die Quote mittlerweile ziemlich unsäglich. Lars-Ole Walburg macht am Theater gute Arbeit. So ein Wechsel braucht einfach Zeit, er hat einen anderen Stil als sein Vorgänger. Genau darum hat man ihn geholt. Natürlich müssen wir alle wirtschaftlich denken. Aber Kunst hat etwas mit Inhalt zu tun, mit einer Haltung, mit einer Reaktion auf die Welt. Und das ist manchmal unangenehm und nicht immer nur heiter Sonnenschein. Dafür kann man ins Musical gehen, das meine ich ganz ohne Wertung. Das brauchen wir auch, diese Art von Tröstungsprogramm. Wenn aber auf der anderen Seite etwas ein bisschen schwieriger daher kommt, braucht es eben seine Zeit, um ein breiteres Publikum zu finden. Diese Zeit muss man der Kunst zugestehen, sonst ist sie irgendwann nur noch populistisch. Ich glaube, die Kunst hat die Aufgabe, diese Zeitmaschine auch mal anzuhalten und etwas genauer hinzuschauen. Sie sollte in diesem Spiel ein konstruktiver Störfaktor sein. Es geht darum, Wege und Formen zu finden, die den Menschen anregen, über seine Konditionen nachzudenken. Ihm Raum und Zeit zu geben. Die Menschen sind heute durch die Globalisierung permanent in einer solchen Aufregung, immer in Bewegung. Man lebt wie auf Treibsand. Das bringt auch eine gewisse Zerbrechlichkeit mit sich. Es ist schwierig, bei all dem seine Mitte zu finden und zu wahren.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/20-53_April_SK_2011-2_728.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-11424" title="20-53_April_SK_2011-2_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/20-53_April_SK_2011-2_728-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>Und die Kunst kann diese Möglichkeit bieten?</span></strong> Ja. Sie ist natürlich kein Allheilmittel, und sie bietet auch keine Lösungen, aber sie kann gezielt Fragen stellen, hinterfragen, kann den Blick auf Unbekanntes lenken. Sie ist eine Einladung, anzuhalten und nachzudenken. Sie kann intelligent verführen, ohne zu manipulieren.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">I</span><span style="color: #ff0000;">st genau das die Kunst einer Intendanz?</span></strong> Die Arbeit der Intendanz hat eine Brückenfunktion, vor allem hier bei den KunstFestSpielen. Dieser Ort hat eine schöne Tradition des Barocken. Es gibt die historische Präsenz vom Universalgelehrten Leibniz, und damit das Prinzip der Neugierde und Erforschung, das die Moderne den Weg weist. Das spürt man an diesem Ort. Und wir sind darum bemüht, diese Beziehungen sichtbar zu machen. Also haben wir dieses Jahr zum Beispiel Bearbeitungen, die sich aus moderner Sicht dem barocken Kulturgut nähern. Ein anderer Teil des Programms beschäftigt sich mit der Moderne und ihren ganz eigenen Ausdrucksformen, und es gibt die Überschneidungen, die Schnittstellen. Die Entfesselung ist ja eine Form des Rausches, und dieser Rausch, dieses sich Verkleiden, Spielen, dieses über die Grenzen gehen, das ist ein sehr barockes Prinzip. Der Titel der „entfesselten Welten“ beschreibt gleichzeitig aber auch unsere moderne Welt, in der sich Entwicklungen verselbstständigen, sich unserer Kontrolle entziehen; in diesen Umbrüchen liegt aber möglicherweise auch eine große Chancen. Gerade im Augenblick ist unsere Welt ja sehr „entfesselt“. Als wir vor einem Jahr mit der Arbeit begonnen haben, lag das schon in der Luft. Wenn man sich nun die Entwicklung der letzten Monate anschaut, dann haben wir tatsächlich ein sehr passendes und aktuelles Motto gewählt.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Ja, es scheint so, als wären gerade recht viele Menschen auf dem Weg, sich zu entfesseln.</span></strong> Es ist sehr spannend, was da im Augenblick passiert. Dass sich der Widerstand im arabischen Raum plötzlich so massiv manifestiert und unser gesamtes Weltbild durcheinander bringt. Dass die westlichen Demokratien durch die Finanzschräglage oder Umweltkatastrophen mit verheerenden Folgen jetzt ebenfalls neu ihre Werte hinterfragen müssen.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Und gleichzeitig hat man, haben wir, mit den Diktaturen Geschäfte gemacht?</span></strong> Wohl aus wirtschaftlichen Gründen. Das hat für eine scheinbare Sicherheit gesorgt und lässt auch sogenannte Demokratien über ihren Schatten springen. Es ist ja oft so, dass man an etwas festhält, weil man Angst vor dem Neuen hat. Weil man nicht weiß, ob man etwas verliert. Ich finde, man sollte versuchen, sich dem Neuen zu öffnen und auch mal alte Besitzansprüche kappen, um in Bewegung zu bleiben. Das gilt für mich eigentlich ganz generell, auch in der Kunst.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Ich habe gesehen, dass im Programm wieder ein paar sehr prominente Namen stehen. Ist das ein kleines Zugeständnis an die Quote?</span></strong> Nein, das hat sich einfach aus der Thematik heraus ergeben. Jemanden wie Patricia Petibon holt man, weil sie mit ihren eigenwilligen Interpretationen italienischer Barockarien wunderbar hineinpasst. Auch Klaus Maria Brandauer mit dem GrauSchumacher Piano Duo und dem Sommernachtstraum. Das ist einfach das Stück zur „entfesselten Leidenschaft“. Und Vivienne Westwood ist nun mal eine großartige Frau, die sich bei aller Nähe zum Modegeschäft nie hat fesseln lassen. Sie ist immer noch hochpolitisch, bricht gerne alle Konventionen. Oder nehmen Sie Lord Anthony Giddens, der immer wieder über die Thematik einer entfesselten, globalen Welt reflektiert hat. Aber nein, ein Zugeständnis an die Quote sind diese Namen nicht. Ein Zugeständnis an die Qualität, das in jedem Fall. Il Giardino Armonico ist einfach ein ausgezeichnetes Barockensemble. Und dann wieder ganz andere Namen wie Lucia Ronchetti, Franui oder auch Heiner Goebbels. Ist Goebbels ein Star oder nicht? Für mich ist er ein Star, ich finde ihn einfach großartig.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Wie sind Sie eigentlich auf den Begriff der „Entfesselung“ gekommen? Denkt man da über die Zeit des Barock nach und versucht diese Epoche begrifflich zu fassen?</span></strong> Ich bin tatsächlich in einem ganz anderen Zusammenhang auf die „Entfesselung“ gekommen, indem ich mich gefragt habe, wie man in der heutigen Zeit mit den Intellektuellen umgeht. Was für einen Stellenwert sie haben, ob sie respektiert werden, ob sie instrumentalisiert werden oder sich benutzen lassen. Ich sehe das als eine Bedrohung, weil man der Gesellschaft den Nährboden entzieht für eine Weiterentwicklung. Ein konkretes Beispiel ist Frankreich. Die Intellektuellen waren dort immer aktiver Teil des Alltags, die Politik kam an ihnen nicht vorbei. Vor, glaube ich, etwa zehn Jahren wollte man beispielsweise eine Budgetkürzung von 25 Prozent im Kulturbereich durchsetzen. Damals haben sich 5.000 Intellektuelle zusammengeschlossen und dagegen protestiert, bis diese Kürzungen vom Tisch waren. Das wäre heute nicht mehr denkbar. Diese Entwicklung macht mir Sorge. Deshalb finde ich auch die Diskussion um die Quote kontraproduktiv und schädlich. Wäre die Ökonomie immer nur der einzige Maßstab gewesen, gäbe es ganz viele Kunstwerke nicht auf dieser Welt. Diese Gedanken waren Ausgangspunkt für das Programm. Dieser kritische Ansatz führte mich zu der Frage, was übrig ist von dieser Lust, sich fallen zu lassen, loszulassen, sich gehen zu lassen, neue Wahrnehmungen zuzulassen. „Entfesselung“ als positiver Rausch bedeutet natürlich auch Gefährdung. Diese Doppeldeutigkeit des Begriffs hat mich interessiert. Heute ist die Welt sehr eng miteinander verwoben. Wenn an einer Ecke etwas brennt, kann alles brennen. Früher hat eine Kultur die andere abgelöst, die Griechische ist untergegangen, die Römische hat sich entwickelt. Heute kann alles zusammenbrechen, das ist die Gefährdung, aber auch die Garantie, dass es höchstwahrscheinlich nicht dazu kommt, weil alle das wissen. Und trotzdem ist der Begriff der „Entfesselung“ für mich positiv belegt. Denn damit regt sich die Welt auf, begibt sich auf die Suche und das ist durchaus gesund. Man sollte der „Entfesselung“ also ihren Freiraum verschaffen.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/20-53_April_SK_2011-3_723.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-11425" title="20-53_April_SK_2011-3_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/20-53_April_SK_2011-3_723-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>In Deutschland habe ich den Eindruck, dass sich die intellektuelle Schicht längst heraushält und sich höchstens noch im kleinen Kreis entfesselt.</span></strong> Ja, und nun kann man entweder sagen, dass das eine Form mangelnder Zivilcourage ist oder das Ergebnis einer Entwicklung in der Gesellschaft, die alles daran gesetzt hat, den Widerstand oder das kritische Hinterfragen als negativ und nicht als konstruktiven Beitrag zu sehen. Wir müssen uns Fragen, welche Chance es noch gibt, jenseits des Mainstreams eine Haltung zu formulieren. Da waren der Kunstraum oder der philosophische Raum immer noch eine Möglichkeit. Eine Möglichkeit zur „Entfesselung“. Aber dieser Raum wird kleiner.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Vielleicht sollten die Intellektuellen sich auch ganz bewusst dem Mainstream zuwenden und lernen, die entsprechenden Medien zu nutzen. Ich denke da an Peter Sloterdijk. Oder auch an Roger Willemsen. Der hat im Fernsehen gegen alle Widerstände viele Regeln gebrochen. Und auch, wenn er sich jetzt aus diesem Medium zurückgezogen hat, so hat er doch seine Spuren hinterlassen. Ich glaube, dass einige spätere Formate ohne ihn gar nicht möglich gewesen wären.</span></strong> Es gibt wenige, die sich die neuen Medien so zu nutzen machen. Schlingensief gehörte auch dazu. Die Intellektuellen sollten sich einmischen. Roger Willemsen ist übrigens auch zu Gast mit dem Ensemble Resonanz. Willemsen hat so einen feinen, intelligenten Humor. Einfach großartig. Eine ungewöhnliche Begabung. Er regt die Leute intellektuell an, ohne dabei aufdringlich zu sein. Und man geht lächelnd heraus, obwohl er lauter böse Dinge gesagt hat. Das geschieht alles unglaublich heiter. Er irritiert auf ganz charmante Art und Weise. Und dazu die Musik vom Ensemble Resonanz. Das ist ein wunderschöner Abend.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Kommen wir mal zum Programm. Auf was dürfen sich die Zuschauer noch freuen?</span></strong> Auf die Vielseitigkeit. Alte und Neue Musik, Musiktheater, Installationen, Performances und Stummfilme, das ist die Bandbreite. Einige haben wir ja schon erwähnt: Giardino Armonico, Patricia Petibon, aber auch z.B. die Bearbeitung der klassischen Oper von Cavalli durch Lucia Ronchetti. Auch auf „Semele Walk“ von Ludger Engels mit der Couture von Vivienne Westwood zur Musik von Händel kann man sich freuen. Dann die österreichische Musicbanda Franui. Die stammen alle aus ein und demselben Dorf auf 1.700 Metern Höhe in Ost-Tirol. Seit zehn Jahren sind sie jetzt unterwegs und sie starten gerade so richtig durch. Nächstes Jahr sind sie auf den Salzburger Festspielen. Bei uns sind es Mahlerlieder, die sie auf ihre ganz eigene Art interpretieren. Es bleibt Mahler und ist trotzdem anders. Das ist sehr witzig und hat ganz viel Charme. Ein wirklich ungewöhnlicher Zugriff auf diese Musik.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Mahler und witzig in einem Satz, das klingt tatsächlich ungewöhnlich.</span></strong> Na ja, vielleicht nicht witzig, aber es hat einfach eine seltsame Ironie, zwischen schöner Melancholie und heiterer Beschwingtheit. Dann natürlich Heiner Goebbels mit dem Stück „Max Black“ und dem wunderbaren Schauspieler André Wilms. Und Wagners „Rheingold“ in einer Bearbeitung von David Marton. „Rheingold“ passt thematisch natürlich zum Begriff der „Entfesselung“. Diese Gier nach Gold, die alle Schranken durchbricht. Das ist eine Koproduktion mit dem Staatsschauspiel Dresden, den Dresdner Musikfestspielen und den Wiener Festwochen. Und Georg Nussbaumer, der drei Arbeiten zeigt im Rahmen seiner Auseinandersetzung mit Wagners Ring des Nibelungen. Nussbaumer ist eine sehr interessante Figur. So etwas gibt es wirklich nur in Österreich. Ganz in der Tradition des Wiener Aktionismus hinterfragt der Komponist, auf eigenwillige, manchmal auf sehr skurrile und humorvolle Weise: Was ist Musik? Eins der Projekte hier ist die Zwitscheresche. Sie kennen vielleicht diese Porzellanvögel, in die man Wasser einfüllt und hinein bläst, mit denen man dann verschiedene Trillertöne erzeugen kann. Sie waren im Barockzeitalter sehr beliebt. Nussbaumer wird solche künstlichen Vögel in einem Baum installieren, allerdings in einer Linde, nicht in einer Esche. Die haben wir hier nicht. Dann wird es das Trinklied geben. Dabei ist der Zuschauer das Instrument. Jeder bekommt eine Weinflasche in die Hand. Wenn die Flasche voll ist, ist der Ton hell und wenn die Flasche leer ist, ist der Ton dunkel. Wenn am Schluss der Ton am dunkelsten ist, ist die Stimmung am höchsten. Nussbaumer wird das natürlich leiten und dirigieren, es ist eine Mischung aus Fest und Konzert. Und dann hat er eine dritte Geschichte, das sind die selbstständig wandernden Klaviere, die hier durch den Park laufen werden. Unsere Gärtner waren darüber zuerst sehr erschrocken, aber jetzt sind sie begeistert. Das ist einfach sehr witzig – man geht durch den Park und plötzlich hüpft ein Klavier vorbei. Ich glaube, das kann sich wirklich nur ein Österreicher ausdenken. Können Sie noch? Es gibt noch viel mehr.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/20-53_April_SK_2011-4_721.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-11426" title="20-53_April_SK_2011-4_72" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/05/20-53_April_SK_2011-4_721-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>Nur weiter… </span></strong>Wir haben noch die  Stummfilme, die früher immer mit Musik begleitet worden sind. Ausgangspunkt war hier „Metropolis“. „Metropolis“ steht ja ebenfalls für eine Art von „Entfesselung“ und beschreibt eine Welt, in der die Technik den Menschen beherrscht. Wir zeigen die von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte Fassung mit der Musik von Martin Matalon, der das Ensemble Modern dirigieren wird. Dazu kommen unsere surrealistischen Filme aus den 1920er-Jahren, die das Ensemble Ascolta mit den Werken verschiedener, jüngerer Komponisten begleitet. Und natürlich die entzückenden „Abenteuer des Prinzen Achmed“, ein Scherenschnittfilm von Lotte Reiniger. Das Österreichische Ensemble für neue Musik spielt dazu Musik von Wolfgang Zeller in der Bearbeitung von Jens Schubbe. Das ist etwas für Jung und Alt, wirklich wunderschön. Überhaupt gibt es eine Menge für die jüngere Generation. Bei der Akademie der Spiele ist der Künstler Dietmar Wiesner wieder dabei, Robyn Schulkowsky mit einem Percussionsworkshop und außerdem Benjamin Bergmann, ein eigenwilliger, bildender Künstler, der bekannt ist für seine riesigen Skulpturen. In Frankfurt hat er im Schauspielhaus eine riesige liegende Christusfigur über die gesamte Fassade gemacht zum Thema „Ablaufdatum der Helden“ (lacht). Und nicht zuletzt haben wir noch das atelier le balto aus Frankreich, das sind Architekten und Gartenkünstler, die hier gemeinsam mit dem schulbiologischen Zentrum im hinteren Teil des Großen Gartens ein Teilstück bearbeiten werden. Da entwickelt sich vielleicht eine Zusammenarbeit. Genau so soll es sein. Der Garten soll lebendig sein, natürlich schön, eine Naturshow, aber eben auch ein Labor, in dem etwas entsteht und wieder vergeht.</p>
<p><strong><span style="color: #ff0000;">Wenn man Ihnen so zuhört, dann spürt man Ihre ungeheure Lust an dieser Arbeit, an diesen KunstFestSpielen. Und man erkennt einen bestimmten Stil, der humorvoll ist und doch auch sehr nachdenklich.</span></strong> Na ja, ich versuche mit der Künstlerauswahl eine Art Balance herzustellen, auch um zu zeigen, was für eine unglaubliche Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten existiert. Und dabei treibt mich natürlich die Lust herauszufinden, wer hier die Schranken und Konventionen durchbricht und was dabei entsteht. So wie beispielsweise Roman Signer im vergangenen Jahr. Wie der mit dem Garten umgegangen ist, das war wirklich einmalig. Sein „Prinzip des Scheiterns“ ist ja etwas, das der Kunst immanent sein sollte. Das entsprach in seiner ganzen Ausführung, seiner Anlage und seinem Zugriff genau dem, was auch Leibniz gesagt hat: Von der Gaukelei bis zur hehren Kunst, vom Scheitern bis zum Gelingen muss alles möglich sein im Kunstraum. Das gibt all dem eine gewisse Leichtigkeit. Man kann ja nicht immer nur perfekt sein. Wenn man immer nur die Ordnung im Kopf hat, ist man eine Maschine und kein Mensch mehr, dann bleiben die Emotionen außen vor. Emotionen entstehen, wenn man ganz unterschiedliche Formen miteinander konfrontiert, wenn man das Konventionelle mit dem Ungewöhnlichen, dem Neuen mischt. Was hat Il Giardino Armonico mit Nussbaumer zu tun? Nichts. Und doch wahnsinnig viel, weil sie beide mit Klängen arbeiten und versuchen, die Welt durch die Klänge zu verstehen und zu bereichern.</p>
<p>Interview: <strong>Lars Kompa, Rebekka Rau</strong></p>
<p>Der Kartenvorverkauf zu den KunstFestSpielen hat bereits bekonnen. Karten gibt es unter www.ticket-online.com sowie unter der</p>
<p>Ticket-Hotline +49 (0)1805 &#8211; 44 70 777.</p>
<p>Weitere Informationen zum Festival unter www.kunstfestspieleherrenhausen.de!</p>
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		<title>der rock&#8217;n&#039;roller</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 14:34:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[im interview]]></category>
		<category><![CDATA[2011-03]]></category>

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		<description><![CDATA[In meinem Herzen war und bin ich bis heute ein Rock’n’Roller.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Wolfgang-Besemer.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10258" title="Wolfgang Besemer" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Wolfgang-Besemer-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Name: Wolfgang Besemer</p>
<p>Alter: 57</p>
<p>Geschäftsführer von Hannover Concerts</p>
<p>Sternzeichen: Widder</p>
<p>Wolfgang Besemer hat Hannover Concerts 1979 zusammen mit Michael Lohmann gegründet. Heute sind die beiden die führenden Konzertveranstalter in Hannover und Region. Besemer ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt mit seiner Familie in der Wedemark.</p>
<p>1979 haben Sie Hannover Concerts mit Michael Lohmann gegründet. Was war das damals für eine Zeit?  Es war die Entstehungszeit des weltumspannenden Konzertbusiness, das es bis dahin noch nicht so professionell gab. Wir hatten die Möglichkeit, unser Hobby zum Beruf zu machen, Musik spielte für uns eine sehr große Rolle. Man hatte eine riesige Schallplattensammlung und gab dafür sein gesamtes Geld aus.</p>
<p>Mit welcher Absicht wurde Hannover Concerts gegründet? Wir wollten Konzerte veranstalten und mehr über unsere Idole erfahren. Konzertveranstalter zu sein war unser Traum.</p>
<p>Wie lief die Arbeit in der Anfangszeit? Haben Sie und Michael Lohmann alles selbst erledigt? Ja, wir haben nachts selbst plakatiert, den Ticketvertrieb und die Werbung organisiert und natürlich unser kleines Einraumbüro gemanagt.</p>
<p>Sie führen mit Michael Lohmann die Geschäfte. Charakterisieren Sie sich und ihren Kompagnon anhand von Körperteilen? (lacht und denkt nach) Herz und Bauch. Das Herz muss für Musik schlagen und wir brauchen viel Bauchgefühl bei der Auswahl der Veranstaltungen, die wir präsentieren.</p>
<p>Wie sieht ein Arbeitstag von Ihnen aus? Unsere Bürozeiten sind von 9 bis 18 Uhr. An Tagen, an denen Veranstaltungen stattfinden, wird es schnell mal Mitternacht. Konzerte finden ja immer dann statt, wenn andere Menschen Freizeit haben. Es ist uns aber wichtig, bei möglichst vielen Events dabei zu sein, sonst verliert man das Gespür für die Künstler und den Kontakt zu den Partnern. Mick Jagger hat einmal gesagt, ein Kriegsberichterstatter berichtet auch nicht von zu Haus.</p>
<p>Was für ein Profil hat Hannover Concerts? Wir sind im klassischen Sinne ein örtlicher Veranstalter, nicht nur in Hannover, auch zum Beispiel in Bremen, Hamburg, Braunschweig, Göttingen, Bielefeld und Papenburg bieten wir Veranstaltungen an. Darüber hinaus betreiben wir auch eigene Spielstätten: die Parkbühne, das Capitol, das Theater am Aegi und die AWD-Hall. Musikbegeisterte Menschen können aus einem breiten Spektrum von Veranstaltungen wählen. Das geht von Rock, Pop, Klassik über Dino-Shows bis hin zum Empfang von Lena im Rathaus, um nur einige zu nennen.</p>
<p>Welche Stars haben nachhaltigen Eindruck bei Ihnen hinterlassen? Natürlich eine Band wie U2, die mit so einer großen Produktion nach Hannover kommt – mit dem größten Aufwand, der je für eine Stadion-Show betrieben wurde. Mich begeistern genauso Künstler wie AC/DC, die seit vielen Jahren eine großartige Rock-Show spielen und dabei immer authentisch bleiben. Aber auch Peter Maffay, Phil Collins, Tina Turner, Green Day und Pink zählen dazu.</p>
<p>Mit welchen Stars verstehen Sie sich sehr gut? Zu den großen Acts, die auf Welttournee sind, haben wir meist keinen persönlichen Kontakt. Anders ist es mit Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum. Ich habe gute Kontakte zu Künstlern wie Udo Lindenberg, Mousse T., Heinz Rudolf Kunze und Peter Maffay. Mit Klaus Meine von den Scorpions verbindet mich eine langjährige Freundschaft.</p>
<p>Größtes Projekt 2011? Zum jetzigen Zeitpunkt Herbert Grönemeyer am 4. Juni in der AWD-Arena. Herbert ist ein Ausnahmekünstler. Wir erwarten wieder viele begeisterte Fans und eine große Show.</p>
<p>Wie benehmen sich Künstler nach einem Konzert?  Die meisten Künstler fahren unmittelbar nach ihrem Konzert zur nächsten Tourneestadt. Besser wäre die Frage, wie sich Künstler vor ihrem Konzert benehmen. Die Künstler, die bleiben, besuchen ein Restaurant oder nehmen einen Drink an der Hotelbar. Im Sinne der Kondition und der Stimme lässt man es nicht jede Nacht krachen.</p>
<p>Gibt es Künstler, die Sie aus ethischen oder moralischen Gründen nicht betreuen würden? Gewaltverherrlichende Musik und extreme Performance mit spritzendem Blut oder so gibt es bei uns nicht. Wenn wir unsicher sind und die Künstler nicht kennen, informieren wir uns vorher bei der Polizei oder beim Innenministerium.</p>
<p>„Ein Sommernachtstraum“ ist die erste eigene Musical-Produktion von Hannover Concerts. Hängt Ihr Herzblut daran? Ja, eine große Herausforderung. Ich finde, dass es eine unglaublich schöne Aufgabe ist, eine Shakespeare-Trilogie von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig im Ambiente der Herrenhäuser Gärten auf die Bühne zu bringen.</p>
<p>Sie sind der größte Veranstalter in Hannover und haben Mega-Events wie das Fan-Fest zur WM 2006 organisiert: Ohne Sie läuft quasi nichts in der Stadt. Was bedeutet es, so viel Macht zu haben? Wir sind glücklich und stolz, die größte Veranstaltungsagentur im Musikbereich in Hannover zu sein. Das hat allerdings weniger mit dem Begriff „Macht“ als mit dem Begriff „Möglichkeiten“ zu tun. Nach über 30 Jahren haben wir uns überall eine hohe Akzeptanz erarbeitet. 2007 wurde dies mit dem begehrten LEA-Award belohnt. (Anmerkung der Redaktion: Hannover Concerts wurde 2007 in der Kategorie „örtlicher Veranstalter des Jahres“ mit dem Live Entertainment Award, kurz LED-Award, ausgezeichnet.)</p>
<p>Ihre persönliche Lieblingslocation? Die Parkbühne. Es gibt nichts Schöneres als dort an einem lauen Sommerabend zusammen mit Freunden ein Konzert zu genießen. In diesem Jahr freue ich mich auf Santana, Foreigner und Journey – und natürlich auf das Sehfest.</p>
<p>Live-Momente, die Sie besonders berührt haben? Das letzte Konzert von Phil Collins in der TUI-Arena. Er ist mit Abstand unser größter und treuster Künstler in all den Jahren gewesen. Wir hoffen sehr, dass wir ihn noch einmal in Hannover auf der Bühne sehen.</p>
<p>Spielen Sie Gitarre? Nein, ich wollte immer Schlagzeuger werden. Mein Talent hat nicht ausgereicht, um Profimusiker zu werden. Einige mir bekannte Kollegen sind ebenfalls verhinderte Musiker.</p>
<p>Brennt Ihr Herz noch für Rock&#8217;n’Roll? Natürlich. In meinem Herzen war und bin ich bis heute ein Rock’n’Roller.</p>
<p>Musik ist also lebensnotwendig? Musik begleitet Menschen ein Leben lang. Alle emotionalen Erlebnisse haben mit Musik zu tun, angefangen vom Herzschlag der Mutter über Kinderlieder bis hin zur ersten Liebe, dem ersten Sex, zur Hochzeit oder Trauerfeier. Ein Leben ohne Musik ist ein Irrtum, hat irgendwer gesagt. Ein Leben ohne Musik ist armselig, würde ich sagen.</p>
<p>Zu welchem Evergreen rocken Sie im Wohnzimmer ab? Zu „Highway To Hell“ von AC/DC.</p>
<p>Wer ist der am meisten unterschätzte Hannoveraner? 500.000 Hannoveraner unterschätzen sich täglich.</p>
<p>Was tun Sie am liebsten in Ihrer Freizeit? Segeln und Radfahren. Unser Familienhobby ist das Reisen und das Entdecken anderer Länder und Kulturen.</p>
<p><strong>Simone Niemann</strong></p>
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		<title>der citoyen</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 14:01:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[im interview]]></category>
		<category><![CDATA[2011-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Roger Cericius ist in der Südstadt aufgewachsen, hat lange in der Nordstadt gewohnt und lebt jetzt mit seiner Frau und seinem 5-jährigen Sohn in Völksen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Name: Roger Cericius</p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Roger-Cericius.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-10042" title="Roger Cericius" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Roger-Cericius-218x300.jpg" alt="" width="218" height="300" /></a>Vorsitzender vom Freundeskreis</p>
<p>Sternzeichen: Jungfrau</p>
<p>Roger Cericius ist in der Südstadt aufgewachsen, hat lange in der Nordstadt gewohnt und lebt jetzt mit seiner Frau und seinem 5-jährigen Sohn in Völksen. In seiner Kindheit und Jugend war er Sänger beim Knabenchor Hannover. Der 40-Jährige hat Sozialwissenschaften studiert. Für den NDR hat er als Reporter, Moderator, Kulturredakteur und Pressereferent gearbeitet. Cericius, der in der Unternehmenskommunikation der VGH Versicherungen arbeitet, ist seit vier Jahren Vorsitzender vom Freundeskreis Hannover e.V. mit derzeit rund 600 Mitgliedern. Er veranstaltet außerdem die Internationale A-cappella-Woche Hannover.</p>
<p><em>Der Freundeskreis Hannover wurde anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt gegründet. Sagen Sie etwas über den Verein.</em> (lacht) Wie viel Zeit haben wir denn? Der Freundeskreis ist eine Vertretung für Bürgerbelange und ein Patchwork von Meinungen der Stadt – der ganzen Region. Er steht nicht für irgendeine singuläre Thematik, sondern vertritt die Vielfalt aller Meinungen. Das ist der besondere Schatz des Freundeskreises Hannover. Bei uns kommen Menschen zusammen, die den Wunsch haben, den Raum, in dem sie leben, mitzugestalten.</p>
<p><em>Seit vier Jahren sind Sie Vorsitzender des Freundeskreises? Wie kam es dazu?</em> Im Vorstand bin ich schon seit 2003. 2006 wurde darüber gesprochen, welche Führung der Verein braucht: eine allseits bekannte Persönlichkeit oder jemanden, der gekannt wird und gleichzeitig Zeit und den ausgesprochenen Wunsch hat, das Vereinsprofil zu schärfen. Möglicherweise wollte der Verein aber auch ganz bewusst die nächste Generation ins Spiel bringen &#8230; Und wie das dann so ist: Man guckt bei Vorstandssitzungen in die Runde und wer zuletzt den Blick senkt, hat eine große Chance, Vorsitzender zu werden.</p>
<p><em>Welche Freundeskreis-Termine stehen demnächst an?</em> Die jährliche Mitgliederversammlung im Februar ist im Hinblick auf die Verschmelzung mit dem Hannover Tourismus Service ganz wichtig. In den letzten zwölf Monaten haben wir 30 Veranstaltungen gemacht, in diesem Jahr werden es wieder so viele.</p>
<p><em>Sind die Freundeskreis-Mitglieder vor allem prominente Persönlichkeiten der Stadt?</em> Entscheidende Merkmale unserer Mitglieder sind nicht Rang und Status, obwohl man den Großteil der Mitglieder kennen wird, sondern das verbindende Merkmal ist die Zuneigung zur Stadt. Mitglied A, B oder C kann hürdenlos mit dem Mitglied Oberbürgermeister reden, das ist das Spannende daran, finde ich.</p>
<p><em>Ihre Tops und Flops 2010?</em> Ein politischer Flop war, dass die gewählten Bürgervertreter auf Bundesebene einen Großteil ihres Vertrauens durch höchst fragwürdige Entscheidungen verspielt haben. Zu den Tops zählt ein Ereignis, das ein Gefühl freigesetzt hat, an dem man in künftigen Jahren weiterarbeiten muss: das Gefühl von Gemeinschaft, das bei der WM entstanden ist. 2010 war auch die Überschrift eines Düsseldorfer Stadtmagazins top: „Arschhoch Düsseldorf – Was hat Hannover, was wir nicht haben?“ Was mich daran am meisten gefreut hat, ist, dass Hannover scheinbar national etwas anzubieten hat, mit dem keiner gerechnet hat.</p>
<p><em>Können Sie das konkreter fassen?</em> Es gibt viele Punkte, wo Hannover zeigt: „Hey, wir denken an die Zukunft.“ In Hannover zu leben, ist eine tolle Sache.</p>
<p><em>Der Freundeskreis verleiht jährlich den Stadtkulturpreis. 2010 war Mousse T. der Preisträger. Was sind Auswahlkriterien für die Jury und wer hat das letzte Wort bei einem Patt?</em> Das letzte Wort gibt es nicht, weil die Wahl bislang immer einstimmig war. Vorab wurde natürlich vielseitig diskutiert. Das zeigt nur, dass es viele Menschen gibt, die den Preis verdient haben. Auswahlkriterium ist eine durch Uneigennützigkeit geprägte Initiative für Stadt und Region.</p>
<p><em>Sind Sie als Kind freiwillig in den Knabenchor gegangen?</em> Mit acht Jahren bin ich in den Knabenchor gekommen, weil meine Lehrerin gesagt hat: „Roger, du hast eine schöne Stimme.“ Und natürlich haben meine Eltern mich unterstützt. Meine Jugend war von der Auseinandersetzung mit Chormusik geprägt. Ich habe überall auf der Welt ganz besondere Chorereignisse miterlebt. Wer da keine Leidenschaft entwickelt, ist selbst schuld.</p>
<p><em>Kollidiert Ihr ehrenamtliches Engagement nicht mit Ihrem Job bei der VGH?</em> Gar nicht. Das Ehrenamt hatte ich schon inne, als ich zur VGH gekommen bin, mein Chef ist ebenfalls Freundeskreis-Mitglied. Außerdem ist die VGH ein 260 Jahre altes hannoversches Unternehmen, das sich für diesen Standort stark macht, genau wie ich.</p>
<p><em>Stichwort „soziales Netzwerk“. Sie sind Sozialwissenschaftler. Definieren Sie, was ein soziales Netzwerk ist.</em> (überlegt) Ich wurde neulich gefragt, warum ich mich im Freundeskreis engagiere statt einfach im Internet. Da habe ich gesagt, mir fehlt da der feuchte Händedruck. Ich glaube, dass Verbindlichkeit nur durch Haptik entsteht, man muss sich berühren, dem anderen in die Augen schauen, damit Vertrauen entsteht. Der Wert eines gelebten sozialen Netzwerkes ist, dass sich beide Seiten über Nähe und Qualität der Beziehung bewusst sind.</p>
<p><em>„Netzwerk“ und „Vitamin B“ – gibt es da einen Zusammenhang?</em> Vitamin B ist, wenn jemand einem anderen einen Vorteil verschafft. Ein soziales Netzwerk bietet die große Chance, sein eigenes Glück ohne Hürde selbst in die Hand zu nehmen.</p>
<p><em>„Netzwerk“ und „Freunde“ – gehören beide Begriffe zusammen?</em> Freundschaft ist ein Wert an sich, unabhängig von einem bestimmten Thema. Im Freundeskreis Hannover treffen sich Menschen, weil sie Freude an gemeinsamen Interessen haben. Beides ist ganz wertvoll, aber unterschiedlich.</p>
<p><em>Mochten Sie Ihr theorielastiges Studium?</em> Sozialpsychologie war für mich auch nachhaltig ein spannendes Thema, weil man lernt, ganz bewusst auf andere Menschen zu reagieren, auf deren Schweigen genauso wie auf deren Worte. Auch Arbeitssoziologie hat mich sehr interessiert. Ansonsten hat die Uni meinen Lebensweg nur am Rande gestreift.</p>
<p><em>Bei Facebook geben Sie an, dass Ihnen Musik von Lena, AC/DC, Johann Sebastian Bach und Maybebop gefällt. Gibt es ein Genre, das Sie nicht mögen?</em> (lacht) Musik, die dazu dient, Aggressionen freizusetzen oder sich politisch zu äußern. In Sachen Musik bin ich ein emotionaler Mensch, ich meine damit nicht „süßlich“. Musik kann das ganze Spektrum berühren, sollte aber nicht aggressiv machen. Bei meinem Sohn steht Bach zurzeit auf einer Stufe mit „Hells Bells“ von AC/DC. Entscheidend ist: Beides macht ihn glücklich – und mich auch.</p>
<p><em>Wurden Sie schon oft mit dem Sänger Roger Cicero verwechselt, und ist dieser Vergleich ein Kompliment?</em> Ja, ganz häufig, da kann ich einige lustige Anekdoten erzählen. Ein Taxifahrer hat mich mal mit ihm verwechselt und gefragt, ob ich sonst einen Hut tragen würde &#8230; Vor einigen Jahren haben mich Leute oft beglückwünscht, weil sie dachten, ich sei Cicero. Ich habe nichts dagegen, ich schätze die Musik von ihm sehr, und sein Keyboarder, Lutz Krajenski, ist der Mozart der Neuzeit.</p>
<p><em>Hannover – wenn diese Stadt ein Roman wäre, wie müsste der heißen?</em> Ganz schwer (überlegt lange) &#8230; Ehrlich, eigen und schön.</p>
<p><em>Die Scorpions, Lena, Mousse T. und Oliver Pocher – für welche Kultur steht Hannover eigentlich?</em> Hannover kann alles, vor allem authentisch sein.</p>
<p><em>Ist es wichtig für Kulturschaffende, einen Draht zum sogenannten Mainstream zu haben? </em>Das ist ganz besonders wichtig. Ein Festivalmacher, der keinen Draht zu seinem Umfeld hat, macht kulturell nur das, was ihm gefällt, und das kann ohne breite Zustimmung ein überaus einsames Vergnügen sein.</p>
<p><em>Was sind Freunde? </em>Freunde sind die Menschen, mit denen man zusammen sein kann, ohne zu reden.</p>
<p><strong>Simone Niemann / Foto: Erwin Schütterle</strong></p>
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		<title>lars-ole walburg: intendant am schauspiel hannover</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 13:55:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[im interview]]></category>
		<category><![CDATA[2011-01]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit der Spielzeit 2009/10 ist Lars-Ole Walburg (der Doppelname rührt übrigens daher, dass seine Eltern sich nicht einigen konnten) Intendant und Regisseur am Schauspiel Hannover. Das erste Jahr war turbulent bis schwierig, zuletzt sorgte das Wendland-Projekt samt Tortenwurf für Aufregung in der Stadt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit der Spielzeit 2009/10 ist Lars-Ole Walburg (der Doppelname rührt übrigens daher, dass seine Eltern sich nicht einigen konnten) Intendant und Regisseur am Schauspiel Hannover. Das erste Jahr war turbulent bis schwierig, zuletzt sorgte das Wendland-Projekt samt Tortenwurf für Aufregung in der Stadt. Kritische Stimmen gab es nicht nur in diesem Zusammenhang reichlich. Stadtkind sprach mit Lars-Ole Walburg zum Start der zweiten Hälfte der Spielzeit über das „neue“ Theater in Hannover, darüber, wie politisch ein Theater sein darf (und sollte), über Ziele im kommenden Jahr, den Dauerbrenner Auslastung und über den einfachen und den schwierigen Weg, für ein volles Haus zu sorgen.</p>
<p><em>Die erste Hälfte der Spielzeit ist um. Gab es schon Gelegenheit zurückzublicken?</em></p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Podiumsdiskussion.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10463" title="Podiumsdiskussion" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Podiumsdiskussion-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Na ja, wenn man anfängt zu arbeiten, dann rennt man da hinein und hat kaum die Möglichkeit, mal hochzugucken. Eigentlich haben wir das erst am Ende der ersten Spielzeit geschafft. Da konnte man erstmalig die Dinge analysieren und sich fragen, wie unser Theater angekommen ist bei den Leuten, wie das hannoversche Publikum reagiert hat. Während der ersten Spielzeit hat man manchmal gedacht, oh Gott, da läuft jetzt etwas falsch, das müssen wir ändern. Aber so ein Theater funktioniert eben wie ein schwerfälliger Tanker. Man erkennt einen Fehler, legt den Rückwärtsgang ein, aber das Schiff braucht noch ein paar Kilometer, ehe es dann wirklich zum Stehen kommt. In der ersten Spielzeit hatte ich z. B. das Gefühl, wir werden von einigen Menschen als arrogant wahrgenommen. Das möchte man richtig stellen, kommunizieren, dass dem nicht so ist. Aber das geht dann nicht im selben Moment, das braucht Zeit. Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, die Ansprache an die Zuschauer, die Kommunikation im weitesten Sinne – das sind in dieser Hinsicht wichtige Themen. Manchmal geht es da um ganz profane Fragen, um die Farbgebung bei den Plakaten beispielsweise.</p>
<p><em>Die waren zuerst ausschließlich schwarz-weiß, jetzt werden sie bunter.</em></p>
<p>Wir haben einfach festgestellt, dass dieses Schwarz-Weiß eigentlich nicht zu dem Gefühl passt, das wir hier im Haus haben und auch nach außen vermitteln wollen. Das war viel zu düster, die Anmutung war nicht passend, sie entsprach nicht unserem Selbstverständnis und auch nicht unserem Humor. Unsere Grafikerinnen sind sehr erfolgreich und haben im letzten Jahr schon drei renommierte Grafik-Preise abgeräumt. Aus ihrer Sicht verstehe ich das Argument. Wenn man sich eine Litfasssäule anschaut, dann ist das alles sehr bunt. Da fällt so ein Schwarz-Weiß-Plakat natürlich mehr auf. Und es gibt in diesen Dingen nur Geschmäcker und kein Richtig oder Falsch. Aber dann muss man sich auch noch andere Fragen stellen. Will man Imagewerbung machen mit den Plakaten? Oder bewirbt man, wie mein Vorgänger, einzelne Stücke mit den Gesichtern der Schauspieler? Natürlich passieren in einer Anfangsphase Fehler. Ich glaube, die muss man machen. Das ist ganz gut so, wenn man aus ihnen lernt. Und in unserem Fall waren es keine gravierenden.</p>
<p><em>Gab es auch schon Runden zur Programmatik? In Hannover wurde ja zuletzt viel darüber gesprochen, ob das Theater jetzt zur „Politbude“ wird.</em></p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Der-goldene-Drache.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10461" title="Der goldene Drache" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Der-goldene-Drache-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Darüber haben wir natürlich viel geredet. Zunächst einmal ist das Politische ja kein Kalkül. Ich finde den Begriff politisch auch nicht so recht passend. Ich betrachte die für das Theaterprogramm Verantwortlichen als eine Gemeinschaft gesellschaftlich denkender Wesen. Es gibt insofern keine Trennung zwischen diesem Denken und dem, was man selbst auf der Bühne sehen möchte. Daraus ergeben sich Bezüge, die wir aufnehmen, gesellschaftliche Fragen, denen wir uns stellen, politische Diskussionen, die wir verfolgen. Das fließt in die Stücke und in die Programmatik ganz selbstverständlich mit ein. Aber dass wir jetzt hier Agitprop-Theater machen würden oder andauernd versuchen würden, die Zuschauer zu agitieren, das ist totaler Quatsch. Wir sind nach Hannover gekommen, um hier erst einmal gutes Theater zu machen. Und wenn unsere Themen dabei oft eine gesellschaftspolitische Relevanz haben, dann widerspricht das diesem Ziel nicht. Das finde ich gut und richtig. Das finde ich sogar notwendig und wichtig für ein Theater. Ich kann bei all dem natürlich nachvollziehen, dass eine bestimmte bürgerliche Klientel damit vielleicht Bauchschmerzen hat, kann verstehen, dass manchmal Missverständnisse entstehen. Aber die kann man ausräumen, wenn man in Kommunikation bleibt. Darüber hinaus haben wir viel darüber gesprochen, wie Stücke hier in der Stadt generell funktionieren, um daraus Schlüsse zu ziehen für die zweite Spielzeit. Insgesamt bin ich vor allem mit diesem Start in unsere zweite Spielzeit künstlerisch sehr zufrieden. Vieles wird mit der Zeit auch einfacher. Man lernt Leute kennen, Verknüpfungen entstehen, man weiß, wo man ansetzen und wen man anrufen kann. Das erleichtert eine Menge. Und wir haben gemerkt, und darüber habe ich mich sehr gefreut, dass die Überlegungen zur ersten Spielzeit nicht grundsätzlich falsch waren, dass kaum radikale Änderungen nötig waren. Wir mussten eher ein paar Stellschrauben fein justieren.</p>
<p><em>Aber die Ausrichtung ist schon, Theater als Institution mit einer gesellschaftlichen Aufgabe zu verstehen, also nicht nur zu unterhalten, sondern sich einzumischen, einen gewissen Bildungsauftrag zu erfüllen, vielleicht auch einen politischen Bildungsauftrag.</em></p>
<p>Bildung ist natürlich immer ein schwieriger Begriff, der im Zusammenhang mit Theater eher abstößt. Aber ich finde, es geht schon darum, den Zuschauern etwas mitzugeben. Das funktioniert jedoch nicht ohne Unterhaltung. Brecht hat gesagt, dass das Theater immer unterhaltend daherkommen muss, wenn es im Kopf der Menschen etwas ausrichten will. Für mich sollte das Theater ein Ort sein, wo Menschen sich treffen, wo sie von Angesicht zu Angesicht über Themen sprechen und streiten. Solche Orte gibt es in unserer Gesellschaft nur noch wenig. Die Kommunikation der Menschen untereinander hat sich mit Computer und Handy ja sehr verändert. Dem Theater bietet sich da eine Chance, wenn es sich dieser Aufgabe stellt. Übrigens ist das keine neue Idee. Letztlich hat sich das Bürgertum aus genau diesem Grund diese großen Häuser in die Städte gebaut, also Orte der Begegnung und Kommunikation, im künstlerischen aber eben auch im gesellschaftspolitischen Rahmen.</p>
<p><em>Die Entwicklung der Zuschauerzahlen ist ja recht groß durch die Presse gegangen, Schulz hatte eine Auslastung von 85 Prozent, jetzt liegt sie bei 65 Prozent. Sind Sie optimistisch, dass sich das im kommenden Jahr positiver entwickelt?</em></p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Parzival.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-10462" title="Parzival" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Parzival-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Glücklicherweise geschieht das ja gerade. Wobei ich auch sagen muss, dass die Auslastung bei mir nicht unbedingt an erster Stelle kommt. Als man mich berufen wollte, habe ich schon in den ersten Gesprächen klar gesagt, dass die Ausrichtung des Theaters mit mir eine andere sein wird, dass es in erster Linie nicht um Auslastungszahlen, sondern um Inhalte gehen wird. Wilfried Schulz hat hier in der letzten Spielzeit sechs Liederabende gehabt und dazu die Tinten-Trilogie. In seiner letzten Spielzeit hatte er insgesamt 200.000 Zuschauer – allein diese Aufführungen haben einen erheblichen Anteil daran. Ich bin augenblicklich bei den Zahlen von Ulrich Khuon, der hier in Hannover eine erfolgreiche Zeit hatte. Insofern können wir optimistisch sein. Und wenn da „Luft nach oben“ ist, hat man ja auf jeden Fall ein Ziel.</p>
<p><em>Ich habe hin und wieder gehört, dass das Theater in der Außenwirkung im ersten Jahr, auch mit der Schwarz-Weiß-Werbung, auf manche Menschen eher kühl, sogar arrogant und abgehoben gewirkt hat. Das wäre dann ja tatsächlich eine Kommunikationsstörung zwischen Theater und Stadt, denn wenn ich Sie richtig verstanden habe, will das Theater gerade nicht arrogant und abgehoben sein.</em></p>
<p>Wenn die Leute tatsächlich das Gefühl haben, unser Theater sei ein elitäres Ding, dann wäre das schrecklich. Uns geht es um das genaue Gegenteil. Die Kommunikation, die Offenheit stehen an oberster Stelle, im Haus und auch nach außen. Wenn in dieser Hinsicht die Verbindung zur Stadt abreißen würde, wäre ich mehr als beunruhigt. Aber ich hatte gerade vor ein paar Tagen eine Veranstaltung mit den Freunden des Schauspielhauses, da wurde, ohne dass ich danach gefragt habe, etwas völlig anderes gesagt, nämlich dass sich die Kommunikation sehr positiv verändert hat, dass immer jemand ansprechbar ist, wenn es Fragen gibt. Insofern glaube ich nicht, dass die allgemeine Sicht so ist, dass die Leute denken, wir seien Spinner, die sie belehren wollen. Und ich kann eigentlich nur dazu einladen, eine Vorstellung zu besuchen und sich vom Gegenteil zu überzeugen. Andererseits ist es natürlich immer so, dass eine neue Spielzeit mit anderen Köpfen und einem völlig neuen Programm viele Leute auch erst mal verschreckt, dass es einfach Zeit braucht, bis sie sagen: Okay, ich guck mir das jetzt mal an. Das ist ein ganz normaler Prozess.</p>
<p><em>Der Schnitt war ja auch sehr radikal. Das Ensemble fast komplett ausgewechselt, all die Premieren, keine Gastspiele mehr, wobei es Gastspiele jetzt ja wieder gibt.</em></p>
<p>Es ging mir da gar nicht um Gastspiele, dagegen habe ich nichts. Im Gegenteil, ich finde Gastspiele eigentlich super, weil sie Inszenierungen zeigen, die man sonst nur mittels einer Reise erreichen könnte. Wobei das nicht so einfach ist und einen Haufen Geld kostet. Was ich nicht wollte, das waren diese verschleierten Koproduktionen. Zwei Häuser tun sich zusammen und verkaufen das Stück dann in Hannover und gleichzeitig in Bochum als Premiere. Ich finde, wir bekommen unser Geld vom Land Niedersachsen, um erstmal hier für Hannover zu produzieren.</p>
<p><em>Bei den Abozahlen hat sich ja nichts verändert. Die sind nach wie vor auf dem alten Stand.</em></p>
<p>Ja, zum Glück hat es da keinen Einbruch gegeben. Es wird aber auch in Zukunft keine deutlichen Zuwächse geben, da mache ich mir keine Illusionen. Das hat sicherlich mit den Veränderungen in der Gesellschaft zu tun. Die Leute wollen sich einfach nicht mehr so dauerhaft an etwas binden. Ich tue im Augenblick alles dafür, dass die Abonnenten, die diese Treue beweisen, etwas dafür zurückkriegen. Aber dadurch können wir lediglich diese Treue belohnen, Zuwächse im Abo werden wir dadurch nicht bekommen. Augenblicklich laufen unsere Scheckhefte sehr gut. Aber ein Scheckheft ist natürlich auch eine Art der Bindung, und man kann trotzdem flexibel planen und ist freier in der Zeitgestaltung. Das scheint gerade zeitgemäßer.</p>
<p><em>Kommen wir noch mal zurück auf die Programmatik. Das Schauspiel in Hannover will Stellung beziehen, will sich in gesellschaftliche Themen einmischen, auch wenn das bedeutet, sich dem Vorwurf der politischen Agitation auszusetzen.</em></p>
<p><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Das-Leben-der-Autos.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-10460" title="Das Leben der Autos" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2011/03/Das-Leben-der-Autos-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Wenn man dieser Einmischung in die Gesellschaft entgehen wollte, wäre das eine vertane Chance. Das hat aber nur etwas mit den Themen zu tun und nichts mit politischer Agitation. Deshalb setzen wir viele neue und aktuelle Stücke auf den Spielplan oder gehen mit einem Stück über einen Amoklauf in die Tellkampfschule. Wir haben relativ wenig Klassiker im Programm, aus zwei Gründen: Erstens ist da in den letzten neun Jahren wirklich alles gespielt worden, und dann braucht es einfach ein bisschen Zeit, bevor man den „Don Carlos” mal wieder sehen will. Und zweitens machen für mich nur Aufführungen Sinn, wenn ein heutiger Bezug fühlbar ist, wenn sie mir sozusagen im Hier und Jetzt entgegentreten. Die schönste Kleist-Sprache allein würde mich nicht befriedigen, dahinter muss etwas spürbar werden, was mich in meinem Leben bewegt. Die reine Kunstübung im Elfenbeinturm-Theater, das interessiert uns hier alle nicht so wirklich.</p>
<p><em>Sie beziehen ja durchaus auch privat Stellung, haben zum Beispiel in der Zeitung gesagt, dass es wichtig sei, gegen die Laufzeitverlängerung zu demonstrieren und auf die Straße zu gehen. Zuletzt haben Sie sogar in Gorleben auf dem Rednerpodest gestanden. Da gibt es nun recht viele Stimmen in Hannover, die das skeptisch sehen.</em></p>
<p>Ich werde immer mal wieder mit der Aussage konfrontiert, dass ein Theaterdirektor so etwas nicht machen darf. Aber ich bin ja kein schizophrener Mensch, der privat eine Meinung hat und dann ins Theater geht, die Meinung an der Pforte abgibt und über Kunst nachdenkt. Beim Theater existiert ja keine Teilung zwischen Arbeit und Privatleben, wir haben diesbezüglich komische Berufe. Und ich finde es geradezu notwendig, dass man für seine eigenen Überzeugungen eintritt. Ich werde das Theater nicht für meine persönliche Meinung instrumentalisieren. Darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum, dass wir bessere Menschen wären oder andere Leute dazu bringen wollen, es zu sein. Es geht einfach darum, Anstöße zu geben, etwas kritisch zu hinterfragen. Und ich möchte die Podien nutzen, die einem dazu angeboten werden. Ich habe es als eine Ehre empfunden, als mich die Bürgerinitiative in Gorleben gefragt hat, ob ich dort reden würde. Das zeigt, dass unsere Arbeit hier wahrgenommen wird. Es ist ja so, dass im Augenblick in Gorleben, in Stuttgart, eigentlich in ganz Deutschland immer mehr Leute nicht länger gewillt sind, die Verantwortung allein an politisch gewählte Vertreter zu delegieren. Ich finde, das ist eine gute Entwicklung. Wir haben uns lange genug rausgehalten und die Politiker machen lassen. In den alten griechischen Stücken gibt es den Chor, der auftritt, wenn Protagonist und Antagonist ihre Meinung gesagt haben. Dieser Chor wägt ab und versucht dann, sich ein Urteil zu bilden. Dieser Chor vertritt uns als Gesellschaft, er reflektiert die eine und die andere Meinung und versucht sich zu positionieren. Unsere Aufgabe im Theater ist es, die verschiedenen Stimmen hörbar zu machen. Eine Meinung muss sich dann jeder Zuschauer selbst bilden.</p>
<p><em>Und trotzdem hält sich hartnäckig der Vorwurf von Agitprop. Das kam zuletzt ja auch aus den Reihen von CDU und FDP in Hannover.</em></p>
<p>Darüber wollten wir gern mit den Politikern sprechen, darum haben wir auch die Diskussion „Wem gehört die Politik?“ mit der Unterzeile „Theater, Politik und Subventionen“ veranstaltet. Die Vertreter von CDU und FDP sind aber nicht gekommen. Ich bin nicht besonders begeistert von ihrem Vorwurf, weil sich daraus auch ein Image entwickeln kann, das uns nicht entspricht und uns eher schadet. Mit einem solchen Vorwurf wird man unter Generalverdacht gestellt und entwertet. Beim Blick auf unsere Bühnen lässt sich das nicht aufrechterhalten. Wir versuchen hier im Schauspiel, mit den künstlerischen Mitteln des Theaters bestimmte Zusammenhänge zu durchleuchten. Das gelingt manchmal, manchmal gelingt es nicht. Aber wir machen hier jährlich 30 Produktionen mit einer großen Bandbreite an künstlerischen Handschriften. Da ist für jeden Theaterinteressierten etwas dabei, das ist wichtig für eine Stadt mit ihren unterschiedlichen Wünschen und Geschmäckern.</p>
<p><em>Was muss ein Zuschauer nach dem Theaterabend mitnehmen, wenn ein Stück funktioniert hat?</em></p>
<p>Ob ein Stück funktioniert hat, merkt man letztlich immer am Applaus und an den Gesprächen danach. Wir haben eine Vielzahl von Publikumsgesprächen nach den Vorstellungen, in denen deutlich wird, wie stark das Bedürfnis ist, sich auch nach dem Theater mit den gezeigten Themen auseinanderzusetzen. Wenn solche Diskussionen entstehen, wenn die Zuschauer über das Stück reden, auch noch am nächsten Tag, dann war es eine gute Vorstellung. Und dann entwickelt sich vielleicht dieser Effekt der Mund-zu-Mund-Propaganda. Wobei ich das in Hannover noch nicht so richtig verstanden habe. Bei „Wolokolamsker Chaussee“ sind die Leute im Theater begeistert, aber der Saal ist trotzdem nur halb voll. Man hat mir gesagt, das das Zuschauerverhalten vielleicht auch mit der Berichterstattung in der Zeitung zu tun hat, die oftmals eher kritisch ist. Das hat mich gewundert. Ich hätte nicht gedacht, bei einer Stadt der Größe Hannovers mit einer halben Millionen Einwohner und einem im Gegensatz zu anderen deutschen Großstädten geradezu gesundem Bürgertum, dass eine Kritik oder ein skeptischer Unterton in der Zeitung derart wichtig ist, sondern dass man sich mehr auf die Mund-zu-Mund-Propaganda verlässt.</p>
<p><em>Das klingt alles nicht so leicht. Ein drohendes Etikett, das so gar nicht passt, die kritische Berichterstattung in der Zeitung, ein halbvolles Haus bei einem guten Stück. Wie gehen Sie denn generell mit Kritik um?</em></p>
<p>Ich frage mich immer, was an der Kritik dran ist. Ich bin durchaus selbstkritisch. Als Künstler will man ja nichts anderes, als geliebt zu werden. Und ein volles Haus ist natürlich ein Zeichen der Anerkennung. Auf der anderen Seite muss man sich natürlich auch fragen, ob man bereit ist, sich dafür zu verrenken. Stelle ich einen Liederabend nach dem anderen auf die Bühne? Oder gibt es auch andere Mittel, das irgendwie zu erreichen? Und in welcher Zeit? Wie viel Zeit gibt man sich dafür? Bei der Premiere von „Der goldene Drache“ gab es neben einem tollen Applaus einige Buh-Rufe aus den ersten Reihen. Ich bin mir relativ sicher, dass das wenig mit der Aufführung, sondern eigentlich nur mit dem Wendland-Projekt zu tun hatte und mit meiner Person. Das ist aber auch in Ordnung. Das gehört zu meinem Beruf dazu, man steht nun mal in der Öffentlichkeit. Damit muss ich leben, so wie mit jeder schlechten Kritik. Aber wir haben glücklicherweise zunehmend ausverkaufte Vorstellungen und deshalb schaue ich optimistisch in die Zukunft.</p>
<p><em>Haben Sie sich über die Anwürfe aus den Reihen der CDU und FDP geärgert?</em></p>
<p>Natürlich. Und ich war sehr verwundert über die Argumentation. Wenn in der Öffentlichkeit dauerhaft Halbwahrheiten lanciert werden, dann muss ich dagegen auftreten und das Projekt schützen. Ich denke dann nicht daran, ob meine Äußerungen schaden oder ob das Schauspiel in zwei Jahren bei der Vergabe von Subventionen schlechte Karten haben könnte. So kann ich nicht denken. Deshalb würde ich auch immer wieder so reagieren und die öffentliche Diskussion suchen. Ich finde, das ist notwendig. Man kann vielleicht sagen, dass es klüger gewesen wäre, dabei ein bisschen diplomatischer vorzugehen. Man muss auf einen Anwurf, der auf diese Art und Weise vorgetragen wird, nicht unbedingt genauso antworten. Wenn ich die persönliche Emotion rausgenommen hätte, dann wäre der Umgang vielleicht ein bisschen &#8211; wie sagt man &#8211; stilsicherer gewesen. Und vielleicht hätte das dann auch nach außen besser ausgesehen. Aber das kann ich noch lernen.</p>
<p><em>Ist das nicht schon der Anfang vom Ende? Wenn man die Emotionen raus nimmt, wenn man abwägt? Man kann das ja bei Politikern sehr gut beobachten, diesen schleichenden Prozess. Man beginnt damit, die Worte abzuwägen, und irgendwann sagt man dann gar nicht mehr, was man denkt.</em></p>
<p>Ich glaube, das Risiko ist bei mir eher gering. Ich werde immer sagen, was ich denke. Die Podiumsdiskussion, die den Eklat mit dem Tortenwurf auf Trittin ausgelöst hat, hatte übrigens genau dieses Thema. Es ging um den Verschleiß durch Amtszeit. Wo bist du gestartet, was hat sich nach dem Weg durch die Institutionen verändert, und wo stehst du jetzt? Da saß Herr Trittin neben Hanna Poddig, einer jungen Frau, die sich als Vollzeitaktivistin bezeichnet. Genau dieser Gegensatz hätte uns in der Diskussion interessiert. Aber dann kam der Tortenwurf.</p>
<p><em>Es kursierte ja auch das Gerücht, dass der Tortenwurf von einem Mitarbeiter des Schauspiels kam, dass das alles ein Marketing-Gag war.</em></p>
<p>Klar, solche Gerüchte entstehen dann recht schnell. Ich finde in einem solchen Fall aber die Gerüchteküche nicht witzig.</p>
<p><em>Wenn so etwas passiert, wenn diese Torte fliegt, steht einem dann nicht der Schweiß auf der Stirn, weil man schon ahnt, was daraus entstehen könnte?</em></p>
<p>An dem Abend war das schon extrem. Mein erster Gedanke war, Hanna Poddig distanziert sich nicht von der Gewalt einer solchen Attacke, dann schadet sie dem Projekt und soll das Camp verlassen. Die Jugendlichen haben aber genau darüber diskutiert und sind am nächsten Tag zu einem anderen Ergebnis gekommen. Das war für mich ein gutes Zeichen, angesichts so eines Projektes, in dem es darum geht, die Meinungsbildung von jungen Menschen und das politische Denken zu fördern, ihnen demokratisches Grundverhalten schmackhaft zu machen. Ich war total froh, dass die Jugendlichen nicht so plump reagiert haben wie ich in der Nacht zuvor. Die haben lange miteinander geredet und beschlossen, dass Hanna Poddig zwar keine Workshops mehr machen, aber im Camp bleiben darf. Warum sollte sie nicht, auch wenn sie eine andere Meinung hat? Völlig einleuchtend. Aber das sind natürlich Momente, in denen einem eine ganze Menge durch den Kopf geht. Und, ehrlich gesagt, war ich dann auch heilfroh, dass nichts weiter passiert ist, nichts eskaliert ist durch diese Tortenschmeißerei. Das hätte den Grundgedanken vollkommen zerstört. Das Camp war ja geprägt von einer totalen Friedfertigkeit, diese Stimmung war unter der Woche dort die ganze Zeit spürbar.</p>
<p><em>Auf was darf sich denn Hannover im nächsten Jahr freuen?</em></p>
<p>Die zweite Hälfte der Spielzeit wird auch für mich persönlich sehr spannend, weil ich ein wahres Stück-Monster vor mir habe: „Der Silbersee“, eine Schauspieloper von Kurt Weill und Georg Kaiser. Das wird ganz selten im Schauspiel gemacht, manchmal in der Oper. Davor habe ich derzeit in der Vorbereitung einen Riesenrespekt. Dann freue ich mich ganz konkret auf zwei Schwergewichte: „Bauern, Bonzen, Bomben“ von Hans Fallada in der Regie von Hausregisseur Tom Kühnel und Christian Dietrich Grabbes „Theodor Herzog von Gothland“. Für die nächste Spielzeit waren wir die letzten beiden Tage gerade in Klausur. Der Spielplan ist in Ansätzen fertig, aber es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Froh bin ich derzeit über die „Kunst-Wut-Show“ mit Jürgen Kuttner. Das ist eine Erfindung im deutschsprachigen Theater, so etwas gibt es nur hier in Hannover. Und ich bin begeistert, weil ganz viele Leute sich einfach mal darauf einlassen. Das spricht eindeutig für die grundsätzliche Offenheit des Publikums. So etwas zu erfinden, auch in andere ästhetische Richtungen, wäre schön. Was ich eigentlich schaffen möchte ist, bei den Menschen in der Stadt so ein Grundgefühl zu erzeugen, dass sie sagen, das Theater gehört einfach dazu. Das Theater ist eine Selbstverständlichkeit und ich gehe da hin, weil dort etwas passiert, was mich angeht. Eigentlich hoffe ich sogar, dass die Leute sagen: Das ist mein Theater, auch wenn sie mit einem Stück nicht einverstanden sind, wenn mal eine Premiere floppt. Dass sie wissen, dass Kunst auch scheitern kann und dass sie das dennoch verzeihen und ihrem Theater treu bleiben.</p>
<p><em>Wie lang ist eigentlich Ihr Arbeitstag? Spielt das Theater zwischendurch auch mal keine Rolle? Gibt es ein Leben neben dem Theater?</em></p>
<p>So richtig trennen kann ich das nicht. Ich versuche im Augenblick, mir Lücken zu schaffen, Zeit mit meinen Töchtern zu verbringen, in der ich dann natürlich nicht über das Theater nachdenke. Aber das Theater ist irgendwie immer da. Und das finde ich auch ganz schön, weil die Tage sehr unterschiedlich sind. Es gibt immer neue Produktionen, gerade habe ich in Zürich inszeniert. Jeder Tag ist anders. Routine hat mich immer genervt. Ich habe schon als Kind auf meinem Schulweg versucht, jeden Tag einen anderen Weg zu gehen. Der führte über einen Friedhof, da gab es zahlreiche Möglichkeiten.</p>
<p><em>Wenn Sie nach Hause kommen, schalten Sie dann auch einfach mal den Fernseher ein?</em></p>
<p>Fernsehen gucke ich eigentlich nicht. Ich lese gern, aber das gehört ja zu meinem Job. Ich schlafe relativ wenig. Wenn ich Zeit habe, koche ich gern, gehe schwimmen oder spiele Gitarre.</p>
<p><em>Und wann sehen Sie mal Ihre Frau?</em></p>
<p>Ständig. Sie ist Chefdramaturgin hier am Schauspiel und genauso viel hier wie ich.</p>
<p><strong>Interview: Lars Kompa, Fotos: Katrin Ribbe</strong></p>
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		<title>elisabeth schweeger</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 22:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[im interview]]></category>
		<category><![CDATA[2010-06]]></category>

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		<description><![CDATA[Stellen Sie sich einfach eine Gesellschaft vor, die keine Kultur hat, keine geistige Auseinandersetzung. So eine Gesellschaft würde schlicht eingehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vom 4. bis 27. Juni 2010 werden die Herrenhäuser Gärten und die dortigen Festsäle zum Schauplatz der KunstFestSpiele unter der Intendanz Elisabeth Schweegers. „Die Macht des Spiels“, so lautet das Motto des Festivals. Wie viel Spiel, wie viel Feste und wie viel Kunst braucht der Mensch, um zu leben, zu überleben und sich weiter zu entwickeln, hat Schweeger gefragt. Und sie spannt dazu mit ihrem Programm aus Opern, Konzerten, Kunst-Installationen, Musiktheater und zahlreichen Veranstaltungen wie Workshops und Diskussionen einen Bogen zwischen Barock und Moderne, der einen Diskurs eröffnen will – gleichwohl ein Blick in das außergewöhnliche und spannende Programm die Antwort eigentlich schon vorweg nimmt: Ohne Kunst, ohne Spiel ist alles nichts. Stadtkind sprach mit Elisabeth Schweeger über das neue Festivalformat in Hannover.</strong></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/Lissie_72.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-8304" title="Elisabeth Schweeger" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/Lissie_72-300x194.jpg" alt="" width="300" height="194" /></a>Frau Schweeger, das Festival hat ja keine leichte Vorgeschichte. Im letzten Jahr hat es viel Aufregung um die hohe Zahl von Freikarten gegeben, die während der Festwochen Herrenhausen verteilt wurden. Kulturdezernentin Marlis Drevermann stand im Mittelpunkt der Kritik. Sie saßen sozusagen mit im Boot. Geht das neue Konzept, die Fragestellung, auch ein bisschen auf diese Diskussion zurück?</span><br />
Vielleicht wäre es auch ohne die Diskussionen zu dieser Fragestellung gekommen. Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise liegt das Thema ja auf der Hand. Und natürlich fragt man sich da als Kunstvermittlerin, wie man das behandelt. Das hat auch etwas mit Verantwortung zu tun. Es gibt die ökonomischen Probleme – und man überlegt, wie man darauf in der künstlerischen Arbeit Bezug nehmen kann. Und stellt Fragen: Ist es legitim, dass wir hier arbeiten? Wie viel Kunst braucht die Gesellschaft? Warum gibt es so ein Festival? So ist zum Beispiel auch die Verbindung zu Christoph Schlingensief entstanden, der in Burkina Faso etwas scheinbar Unmögliches versucht. Das ist einfach eine wunderschöne Idee, die für dieses Land ganz neue Impulse bringen kann. Und für uns auch. Denn an so einem Beispiel wird deutlich, dass die Kunst effektiv soziale und auch wirtschaftliche Bedeutung haben kann und hat. Sie ist ein Standortfaktor. Blödes Wort, aber es ist so.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Die wirtschaftliche Bedeutung wird ja gern infrage gestellt.</span><br />
Allerdings. Aber betrachten wir mal ein großes Theater. Da arbeiten ungefähr 400 Angestellte, die produzieren im Jahr etwa 40 Produktionen. Da wird beileibe nicht alles im Theater gebaut, man muss viel einkaufen, da profitieren unterschiedlichste Firmen, dazu kommt die Gastronomie, die Hotellerie. Da werden Steuern gezahlt. Allein da fließt bereits einiges zurück in die Kassen. Und das ist nur der sichtbare, materielle Teil. Es gibt aber auch so etwas wie einen geistigen Gewinn. Man investiert auch in die kreative Substanz, in die Köpfe, damit in soziale Kompetenz. Wenn wir nicht jemanden wie Leibniz gehabt hätten, gäbe es heute keine Computer. Er hat die Basis dafür geschaffen. Diese Seite wird leider gern vergessen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">In Hannover gab es ja vor einem Jahr Stimmen, die gesagt haben: Macht Kunst, aber solche, die die Menschen sehen wollen. Macht zum Beispiel Musicals.</span><br />
Das ist dieser typische Streit um Hochkultur und populäre Kultur. Aber wer behauptet, dass das eine besonders wichtig ist und das andere nicht, der irrt. Da muss es in der Gesellschaft eine Balance geben. Wenn wir nur Musicals hätten, dann würde einem Teil der Gesellschaft etwas fehlen. Das wäre nicht richtig. Außerdem ernährt sich das eine aus dem anderen: die sogenannt populäre Kultur inspiriert sich von der sogenannten hehren Kunst und umgekehrt. Ich bedauere einfach, wenn man über Kultur streitet. Warum muss man sich über Schauspielhäuser, Opernhäuser, moderne Kunst oder anderes echauffieren? Das ist nicht einmal ein Prozent des Haushalts. Eigentlich ist das absurd. Stellen Sie sich einfach eine Gesellschaft vor, die keine Kultur hat, keine geistige Auseinandersetzung. So eine Gesellschaft würde schlicht eingehen. Das ist tatsächlich eine ganz reale Gefahr für viele Städte. Wenn die Kultur fehlt, ziehen die Leute weg.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Hat sich die Diskussion denn inzwischen beruhigt?</span><br />
Ich denke schon. Man muss einfach wissen, dass wir hier ein Festival mit wenigen Mitteln bauen, aber mit viel Unterstützung aus städtischer und privater Hand – eben ein kleines Juwel.</p>
<p><span style="color: #ff0000;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/ensemble-modern_72.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-8305" title="Ensemble Modern" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/ensemble-modern_72-300x266.jpg" alt="" width="300" height="266" /></a>Dafür scheint es aber doch recht groß geworden zu sein, wenn man sich das Programm so anschaut.</span><br />
Man versucht es halt mit allen möglichen Kooperationen und guten Verhandlungen. Wir haben da sehr viel Unterstützung bekommen, von Künstlern und Kollegen, Förderern und Sponsoren, auch in der Stadt. Trotzdem bleibt es ein verhältnismäßig kleines Festival. Wir haben 1,3 Millionen, mit denen alles bestritten werden muss, von Infrastruktur bis hin zur künstlerischen Umsetzung. Unsere Hoffnung ist natürlich, dass dieses Festival künftig an Bedeutung gewinnt, aber das braucht Zeit. Man kann jetzt damit anfangen, etwas Besonderes zu entwickeln, abgestimmt auf den besonderen Ort.<br />
Einfach ein kleines Schmuckstück. Und man muss das natürlich auch als Ganzes sehen. Wir haben diesen wunderbaren Garten mit seiner Geschichte. Das allein hat schon einen Stellenwert. Und dann gibt es das Kleine Fest, das Musical, das Tanzfestival. Und es wird das Schloss geben mit seinem Wissenschaftszentrum und dem Museum darin. Diese Konstellation war für mich kein unwichtiger Anreiz, hier zu arbeiten. Das hat mich interessiert. Die Möglichkeit, hier ein Teil eines Ganzen zu sein und ein Festival der besonderen Art zu machen, das die Brücken schlägt zwischen den Disziplinen. Damit könnten die Herrenhäuser Gärten ein kulturell-geistiges Angebot schaffen, das von populären Veranstaltungen bis zur hehren Kunst reicht, oder wie Leibniz gesagt hat: von der Gaukelei bis zum Erhabenen. Das könnte hier ein ziemlich einmaliges Zentrum sein.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie muss man sich Ihre Arbeit hier vorstellen bis jetzt? Fängt man quasi bei Null an?</span><br />
In gewissem Sinne schon, weil das für alle Beteiligten neu ist. Zuerst wird lange diskutiert. Was braucht man für das Festival? Was ist realistisch? Das wird schriftlich fixiert. Dann gibt man sich Limits: Was muss bis wann geschafft sein. Dazu schafft man eine Organisationsstruktur aus dem Bestehenden heraus.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie viele Leute sind jetzt hier im Team?</span><br />
Wir haben zwei feste Mitarbeiter, die aber für die Abwicklung aller Veranstaltungen in Herrenhausen zuständig sind, nicht nur für die Festspiele, einen Techniker und seit einem Monat auch eine Sekretärin. Mehr gibt’s nicht. Und natürlich 5 bis 6 Hospitanten für die heiße Phase kurz vor dem Festival. Allerdings helfen einige in der Verwaltung nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten auch mit. Alles andere muss aus dem Budget bestritten und erstellt werden.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Haben Sie bei der Auswahl der Künstler von Ihren Kontakten profitiert?</span><br />
Na ja, ich bin 30 Jahre im Geschäft. Wäre ja schlimm, wenn man da keine Kontakte hätte. Aber trotzdem verlangt jeder Ort etwas anderes. Nicht jeder Künstler passt hierher. Für mich kommt zuerst der Ort, und dazu fallen einem bestimmte Namen ein. Namen aus der Bildenden Kunst, der Musik, von Orchestern. Dann überlegt man, warum einem ausgerechnet diese Namen einfallen, stellt das infrage, entwickelt es weiter. Das ist wie ein Puzzle. Und plötzlich gibt es einen roten Faden und man weiß, wie es gehen kann, wer dabei sein sollte. Dann versucht man, diese Leute zu kriegen und zu begeistern, ruft an, lädt sie in den Garten ein, spricht miteinander, entwickelt Ideen. Man ist einfach kreativ. Danach geht es in die Feinarbeit.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie ist der Kontakt zu Schlingensief zustande gekommen?</span><br />
Den kenne ich schon lange. Ich habe in München bereits mit ihm zusammen gearbeitet, auch in Frankfurt.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Über den Namen Thilo Sarrazin habe ich mich ein bisschen gewundert. Ein ungewöhnlicher Gast für so ein Festival.</span><br />
Es geht ja um das Thema Spiel. Und Kunst ist ein kreativer Vorgang, eine Art Übungsterrain, auf dem wir unsere Erfahrungen machen, soziale Kompetenz entwickeln. Kinder lernen im Spiel zu verlieren oder zu gewinnen, nicht schadenfroh zu sein. Oder fair zu sein. Aber es geht dabei immer auch um Grenzüberschreitungen. Wie weit darf man gehen? Und das ist eine Frage, die sich gerade heute durchaus auch das Wirtschaftssystem stellen muss. Welche Spielregeln muss man einhalten? Darf man sie brechen? Ist das produktiv oder kontraproduktiv? Ich denke, wenn man die Kunst als integrativen Bestandteil der Gesellschaft versteht, dann gehört für mich jemand aus der Wirtschaft in diesen Diskurs.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Zumal Thilo Sarrazin ja auch ganz gut darin ist, Grenzen zu überschreiten.</span><br />
Ja, er ist ein guter Polemiker. Es macht ja keinen Sinn, nur Jasager oder nur Neinsager zu haben. Es soll sich ja ein Diskurs entwickeln, der uns zum Nachdenken einlädt. Die Kombination mit Karl Homann und Paul Hoyningen-Huene ist einfach gut. Ein Wirtschaftsethiker, ein Praktiker und ein Wissenschaftstheoretiker, daraus kann einfach eine spannende Situation entstehen. Alle Dialoge bei den KunstFestSpielen sind darauf ausgerichtet, dass eine Auseinandersetzung stattfinden kann. Das ist Auftrag und Bestandteil. Wir wollen den Diskurs fördern, ganz im Sinne von Leibniz.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Denken Sie, dass es für diese Art Festival in Hannover und der Region ein ausreichend großes Publikum gibt?</span><br />
Das kann ich bis jetzt schwer einschätzen. Es gibt durchaus ein sehr interessiertes Publikum in Hannover. Die gehen ins Theater, in die Oper, in die Museen. Aber was wir hier machen, ist eben Neuland. Das muss sich entwickeln.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie lange werden die KunstFestSpiele brauchen, um sich in der Stadt zu etablieren?</span><br />
Das weiß ich nicht. Ich denke, so mit etwa drei Jahren müssen wir auf jeden Fall rechnen. Aber ich habe das Gefühl, dass es hier in Hannover ähnlich ist wie in Frankfurt: Wenn das Publikum einmal da war, kommt es wieder. Und dann ist es sehr treu und loyal.</p>
<p><span style="color: #ff0000;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/4-elemente_72.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-8306" title="4 Elemente" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/07/4-elemente_72-300x267.jpg" alt="" width="300" height="267" /></a>Ja, in Hannover ist man zuerst skeptisch – und wenn das erledigt ist, wird man uns nicht mehr los. Aber zuerst muss man uns kriegen. Ich habe mich gefragt, auch nach der Diskussion im vergangenen Jahr, wie groß der Druck ist, gleich erfolgreich zu sein. Oder anders: Wenn der Erfolg sich in Grenzen hält, sind dann die Kritiker alle wieder da?</span><br />
Kritiker werden wir auf jeden Fall haben, das gehört dazu. Aber alle wissen, dass das Zeit braucht. Man darf nicht vergessen, dass es toll und mutig von der Stadt ist, so ein Festival gerade in dieser Zeit zu gründen. Die Diskussion im letzten Jahr aber hat eine andere Art von Druck aufgebaut. Solche Dinge klärt man eigentlich besser am grünen Tisch.<br />
Wenn es Probleme gibt, setzt man sich zusammen. Wenn man so etwas über die Presse verhandelt, gibt es kaum noch Handlungsspielraum. Das erzeugt nur ein Gegeneinander. Dann stehen plötzlich alle, die Politiker, die Förderer und auch die Künstler, unter Druck. Für so ein neues Festivalformat ist das absolut kontraproduktiv. Eine Unternehmung dieser Art muss sich entwickeln dürfen, muss wachsen dürfen. Ich glaube aber, es ist uns ganz gut gelungen, uns von diesem Druck frei zu machen, weil man spürt, dass alle es wollen. Wir haben ein wirklich schönes Programm zusammengestellt und dabei auch Rücksicht auf die vorhandenen Gegebenheiten genommen, auf der Tradition der Barockmusik aufzubauen und aus ihr heraus ein paar Türen in die Moderne aufzumachen. Und ich hoffe, dass wir die Leute in diese neuen Welten mitnehmen können. Darum gibt es auch Einführungen, die Dialoge, die Lounge. Dort kann man sitzen und mit den Künstlern reden. Das Angebot ist auch auf die Vermittlung ausgerichtet. Das alles braucht natürlich Geduld. Es gibt hier in Hannover eine gute Tradition in der modernen Bildenden Kunst und im modernen Schauspiel, aber bei der modernen Musik hapert es noch ein bisschen. Es gibt z.B. kein wirkliches Konzerthaus, das das pflegen könnte. Und mit Puhlmann hat es wohl einfach eine zu radikale Erfahrung gegeben, die abgebrochen wurde. Aber der jetzige Intendant Michael Klügl führt das ganz wunderbar behutsam weiter. Auf diesem Humus kann man aufbauen.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Wie gehen Sie persönlich mit dem Druck um? Haben Sie bestimmte Strategien? Nach Hause gehen, die Füße hochlegen und Fernsehen gucken?</span><br />
(lacht) Ich bin Druck gewöhnt, in dem Augenblick, wo man mit Projekten an die Öffentlichkeit geht bzw. für sie arbeitet, ist einfach immer Druck da. Aber natürlich gibt es manchmal schlaflose Nächte. Das ist leider ganz normal.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Sind Sie auch mal richtig wütend?</span><br />
Natürlich. Ich bin ein emotionaler Mensch, sehr barockähnlich (lacht). Ich bin kein cooler Manager. Ich habe ein Anliegen, und darum bin ich immer komplett involviert. Und manchmal auch verletzt. Wenn man weiß, was Künstler investieren, was an Herzblut in der Arbeit steckt, wenn das dann irgendwie zerredet und zerpflückt wird, dann ärgert man sich. Und man arbeitet. Arbeitet bis in die Nacht und steht um vier Uhr wieder auf.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Wie lang ist denn normalerweise Ihr Arbeitstag?</span><br />
Einen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht. Im Grunde auch keine Freizeit. Ich habe mich für etwas entschieden, bei dem man nicht aussteigen, nicht entkommen kann. Man hat einfach von morgens bis spät in die Nacht zu tun. Alles, was mit bildender oder darstellender Kunst zu tun hat, geht bis in die Nacht. Vieles regelt sich erst dann. Wenn die anderen schlafen, dann kann man in Ruhe mit den Künstlern reden. Tags-über ist dafür keine Zeit, da sind die Proben, die Organisation. Um Elf in der Nacht, wenn alles vorbei ist, dann setzt man sich hin: Wie war’s, was ist los, was brauchst du, das fehlt und so weiter. Das sind natürlich oft längere Gespräche, aber das ist notwendig. Das ist normal.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie lange schlafen Sie so im Durchschnitt?</span><br />
Vier Stunden. Mehr kann ich gar nicht. Die brauche ich aber auch. (lacht)</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Aber insgesamt scheinen Sie dabei ganz guter Dinge zu sein?</span><br />
Das ist mein fatalistischer Zug. Beziehungsweise mein wienerischer Humor. Der gibt nicht auf, der hat mich immer über Wasser gehalten.</p>
<p><strong>Interview: Lars Kompa</strong></p>
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		<title>detlef rehbock</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 22:00:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[im interview]]></category>
		<category><![CDATA[2010-05]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich finde es einfach klasse, wenn viele Leute aktiv werden und sich draußen bewegen. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Fitnessstudios. Sport gehört für mich nach draußen. Da macht's am meisten Spaß.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Selbst leidenschaftlicher Skate(boarde)r, organisiert Detlef Rehbock seit vielen Jahren Skate-nights und andere Sportveranstaltungen. Für die Hitradio Antenne Velo Challenge wagt er sich von Rollen auf Räder. Stadtkind hat den 49-jährigen Lenker des Jedermann-Radrennens getroffen. Ein Gespräch über dichte Straßen, bewegte Felder und darüber, wohin die Fahrt künftig gehen soll.</strong></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Supii_72.jpg"><img class="size-large wp-image-7529  aligncenter" title="Supii Sache!" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/Supii_72-1023x575.jpg" alt="" width="491" height="276" /></a></p>
<p><span style="color: #ff0000;">Deine Agentur Soulstyle ist vor allem für Events im Funsportbereich bekannt. Fällt ein „normales“ Radrennen da nicht eher aus dem Rahmen?</span><br />
In erster Linie engagieren wir uns im Jedermann-sport. Genau das ist die Idee hinter einem Jedermannradrennen: jedem die Möglichkeit zu geben, einmal unter Profibedingungen an den Start zu gehen. Ich finde es einfach klasse, wenn viele Leute aktiv werden und sich draußen bewegen. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von Fitnessstudios. Sport gehört für mich nach draußen. Da macht&#8217;s am meisten Spaß.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Du organisierst die Velo Challenge gemeinsam mit Reinhard Kramer vom HRC. Wie ist es zu dieser Konstellation gekommen?</span><br />
Reinhard hatte einfach auch die Idee, ein Jedermann-Radrennen durchzuführen. Wir haben beide unabhängig voneinander bei der Stadt einen Antrag gestellt. Und die Stadt hat uns dann zusammengeführt, weil sie meinte, das würde sich ganz gut ergänzen: er mit seinem Radsachverstand und ich mit meinem Know-how im Jedermannsport. Genau das haben wir auch festgestellt.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Das Rennen richtet sich an Amateure. Aber kommt die organisatorische Leistung nicht einem Profiradrennen gleich?</span><br />
Es ist sogar aufwendiger. Ein Profiradrennen findet mit ungefähr 200 Teilnehmern statt, die alle schnell Rad fahren können. Wir rechnen mit 2.000 Teilnehmern, haben schnelle und langsame Fahrer dabei. Das ist ein sehr großes Feld, was bewegt wird. Von der organisatorischen Leistung her bedeutet das 337 Straßen, die wir dichtmachen müssen, 600 Helfer, die wir brauchen, über 100 Polizisten und 37 Ortsfeuerwehren im Einsatz, Vereine, die sich engagieren. Dazu kommt der Spaßfaktor. Das gibt es bei einem Profirennen in der Form organisatorisch nicht unbedingt zu bewältigen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Apropos bewältigen: 24 km/h Mindestgeschwindigkeit und teils 660 Höhenmeter&#8230;</span><br />
Das ist schon ganz ordentlich für Hobbyfahrer. Da sind ja nun auch Leute dabei, die sich mit einem Tempo anmelden, das manche noch mit ihrem Einkaufsfahrrad schaffen. Ein Rennrad ist natürlich optimal, aber ein gutes Mountainbike oder Trekkingrad funktioniert genauso und ist auch zugelassen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie und von wo wirst du selbst den Wettkampftag erleben?</span><br />
Ich würde natürlich ganz gerne mitfahren. Das kann ich mir aber schenken. Ich fahre im Vorfeld einfach mal zwei, drei Rennen mit, um den Spaß zu haben. Am Wettkampftag werde ich immer ansprechbar im Start-Ziel-Bereich sein und auf Anrufe und Probleme warten, die koordiniert werden müssen. Ich habe noch nie eine Veranstaltung erlebt, bei der es keine Probleme gab. Aber wir werden vorbereitet sein und darauf reagieren.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie sind bislang die Reaktionen auf euer Event?</span><br />
Mit über 1.000 Anmeldungen in kurzer Zeit sind wir schon jetzt das größte Radrennen, das es jemals in Hannover gegeben hat. Und es wird noch größer. Wir versuchen einfach, die Leute für Hannover zu begeistern. Es gibt immer noch viele, die uns nicht kennen. Unsere Rennstrecke ist super. Und mit dem Maschsee haben wir eine 1A-Loca-tion für den Start. Ich denke, wir werden da eine richtig gute Atmosphäre produzieren. Das wird dann für&#8217;s zweite Jahr sicherlich hilfreich sein bei den Anmeldezahlen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Mit dem „German Cycling Cup“ findet eine Rennserie für Jedermann unter dem Dach des Bundes Deutscher Radfahrer statt. Gibt es Pläne, beim nächsten Cup dabei zu sein?</span><br />
Wir müssen erst mal sehen, dass wir ein gut funktionierendes Rennen produzieren. Wenn das der Fall gewesen ist, kann man darüber nachdenken. So ein Verband will dann ja meistens irgendwas. Da muss man erst mal sehen, ob das mit dem übereinstimmt, was wir auch wollen. Wir wollen einfach nur Spaß und Sport für Jedermann. Da sollte auch nichts dazwischenstehen.</p>
<p><strong>Manuela Sender</strong></p>
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		<item>
		<title>heinz rudolf kunze, heiner lürig und christian von götz</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 22:00:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
				<category><![CDATA[im interview]]></category>
		<category><![CDATA[2010-04]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.stadtkind-hannover.de/?p=7071</guid>
		<description><![CDATA[...über den ungewöhnlichen Spielort, die Idee von einem Theater-Ensemble als Band und über die Kunst, ein Musical zu schreiben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/22-43_Stadtkind_April_10_723.jpg"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-7070" title="Ein Sommernachtstraum" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/22-43_Stadtkind_April_10_723-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Hannover darf sich in den kommenden fünf Jahren auf ein weiteres regelmäßiges Highlight in den Herrenhäuser Gärten freuen. Gleich drei Shakespeare-Stücke will man als Musical im historischen Gartentheater auf die Bühne bringen: „Ein Sommernachtstraum“, „Der Sturm“ und „Kleider machen Liebe“. Hinter diesem ungewöhnlichen Projekt stecken unter anderem Heinz Rudolf Kunze, Heiner Lürig, Gitarrist, Komponist und langjähriger Wegbegleiter Kunzes sowie Christian von Götz, der die Regie übernehmen wird. Stadtkind sprach mit ihnen über den ungewöhnlichen Spielort, der Idee von einem Theater-Ensemble als Band und über die Kunst, ein Musical zu schreiben.</strong></p>
<p><span style="color: #ff0000;">Musicals in den Herrenhäuser Gärten, das war in Hannover schon vor einigen Jahren sehr erfolgreich. Wie ist es damals zu der Idee gekommen, so etwas ausgerechnet im historischen Gartentheater auf die Bühne zu bringen?</span></p>
<p><span style="color: #ff0000;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/22-43_Stadtkind_April_104_721.jpg"><img class="size-medium wp-image-7067  alignleft" title="Heinz Rudolf Kunze" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/22-43_Stadtkind_April_104_721-300x235.jpg" alt="" width="300" height="235" /></a>Kunze:</span> Das begann eigentlich alles im Jahr 2002. Wolfgang Besemer von Hannover Concerts hat mich angerufen und mich mit dem damaligen Chef der Landesbühne Hannover, Gerhard Weber, bekannt gemacht. Weber war Intendant und Regisseur und er wollte gerne eine neue Version vom Sommernachtstraum von mir schreiben lassen und dort auf die Bühne bringen. Also haben wir uns getroffen. Sind im eiskalten, schnattrigen Winter vor Ort gewesen und haben diesen Spielort besichtigt. Für mich war das damals schwer vorstellbar. Ich war eher skeptisch. Aber das Thema hat mich interessiert und Weber hat mich als Typ interessiert. Ein witziger, quirliger, temperamentvoller Mensch. Also habe ich angefangen zu schreiben, Heiner hat ein paar Stücke entworfen, damit fing es an. Im Laufe der Arbeit hat sich Webers Idee dann immer mehr vom Theaterstück mit musikalischen Ornamenten zu einem vollwertigen Singspiel entwickelt. Eigentlich ein schönes Wort: „Singspiel“. Wir haben uns dann letzten Endes entschieden, es doch Musical zu nennen, weil diesen Oberbegriff jeder kennt, obwohl wir uns immer noch nicht sicher sind, ob wir richtige Musicals machen. Das war der Beginn und schließlich lief der Sommernachtstraum dann vier Jahre lang sehr sehr erfolgreich. Tausende Menschen haben das Stück gesehen. Dürfte einer der größten Erfolge in der hannoverschen Theatergeschichte gewesen sein.<span style="color: #ff0000;"><br />
Lürig: </span>Also nachgezählt haben wir nicht. Aber es waren schon eine Menge Leute da.<br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Aufgrund des Erfolgs gab es dann das zweite Stück „Kleider machen Liebe“. Gerhard Weber war inzwischen als Intendant nach Trier gegangen und ich habe mit Christian von Götz in Saarbrücken am Staatstheater gearbeitet, ihn dort als Regisseur kennen gelernt und dem Nachfolgeintendanten gesagt, dass ich das Stück gerne mit Christian machen möchte. Insofern war Christian als schon damals mit an Bord. Der Sommernachtstraum ist für ihn jetzt aber etwas ganz Neues. Das wird keine reine Wiederaufnahme.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Was wird sich denn verändern?<br />
Lürig: </span>Die Konstellation ist eine völlig andere. Wir haben ja beim Sommernachtstraum mit der Landesbühne und Gerhard Weber gearbeitet. Bei „Kleider machen Liebe“ gab es dann schon den Zusammenschluss von Landesbühne und Stadttheater Hildesheim und damit die Gründung der Musical Company. Auf die waren wir aber nicht so scharf. Wir hatten sehr gute Erfahrungen mit den Schauspielern gemacht, die den Sommernachtstraum gespielt haben. Mit denen hätten wir gerne weitergearbeitet. Aber die waren damals festgelegt auf ihre Musical Company. Damit waren wir nicht unbedingt glücklich. Aus diesem Grund gibt es jetzt diese völlig neue Konstellation. Ein frei zusammengestelltes Ensemble, eine völlig neue Inszenierung.<br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz: </span>Heiner und ich haben mit viel Mühe, Sorgfalt und Anspruch diese Besetzung hinbekommen. Das sind alles erstklassige Leute. Absolut Bundesliga, überregional erfolgreich und einfach sehr sehr gut. Das gilt übrigens nicht nur für die großen Rollen. Genau das macht ja ein wirklich gutes Ensemble aus. Auch die kleinsten Rollen sind hochkarätig besetzt.<br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Natürlich, wir haben Felix Martin, Timo Ben Schöfer und Anke Fiedler bei den großen Rollen, aber wir haben auch viele sehr junge Schauspieler, Florian Lüdke als Lysander, Sebastian Strehler als Egeus oder Milica Jovanovic als Hermia. Und dazu eben gestandene Größen wie Bernd Tauber oder Michael Westphal. Diese Mischung macht das Ensemble richtig rund bis in die kleinsten Rollen, bis zum Handwerksburschen. Wir wollten da kantige, klare Typen. Und wir hatten beim Casting immer auch die kommenden Stücke im Blick. Wir wissen ja schon, was für Typen da auf die Bühne müssen. Daher hat das Casting auch sehr lange gedauert. Es ging nicht nur darum, Schauspieler nur für den Sommernachtstraum zu finden, sondern für die kommenden Stücke. Wer passt zu welcher Rolle? Kann er auch andere Stücke singen?<br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze:</span> Das ist unsere alte Idee. Ich möchte bei allen drei Stücken mit Christian arbeiten und auch – so weit das geht – mit den gleichen Schauspielern. Ich möchte die mehrfach sehen in anderen Rollen. Nichts anderes hatten wir schon 2003 vor. Wir wollen einfach zeigen, was diese Schauspieler alles drauf haben, in diesem Stück einen Handwerker, im nächsten Stück etwas ganz anders. Eine neue Show, die gleichen Leute.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Also das Ensemble nicht als Gemeinschaft auf Zeit sondern eher als Band?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Ja, als verschworene Gemeinschaft, wenn es irgendwie geht.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Die wohnen dann gemeinsam im Hotel?</span><br />
<span style="color: #ff0000;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/22-43_Stadtkind_April_103_722.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-7068" title="Christian von Götz" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/22-43_Stadtkind_April_103_722-300x208.jpg" alt="" width="300" height="208" /></a>Lürig: </span>Ja, das gehört auch dazu. Vielleicht entsteht wirklich so eine Art Bandgefühl. So ein gemeinsamer Ort ist für ein Ensemble immer super. Und vielleicht treffen sich dann im nächsten Jahr dort wieder annähernd die gleichen Leute. Aber wir wissen natürlich nicht, wie sich das entwickeln wird, wir sind ja ganz am Anfang. Die Chancen sind aber besonders gut.<br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz: </span>Was das Ensemble außerdem eint, das ganze Team, das ist natürlich auch die Arbeit in dieser ganz besonderen Location. Den Garten finden wirklich alle hinreißend.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">War das auch ein Grund, warum so viele hochkarätige Schauspieler dabei sind?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Ja, mit der Gage allein hätten wir die sicher nicht alle überzeugen können.<span style="color: #ff0000;"><br />
Von Götz: </span>Das waren die Location und natürlich die Stücke. Die originellen Texte von Heinz und die Musik von Heiner. Also Felix Martin wird sicher schon zu sehr viel höheren Gagen gespielt haben, denke ich, aber der wollte unbedingt den Puck machen. Das waren auch die Argumente für die kleineren Rollen. Jörg Heinrich Benthien als Quincey oder Elisabeth Ebner als Motte, das sind wirklich sehr gute Leute. Die hatten einfach wahnsinnige Lust, bei dem Projekt dabei zu sein.<br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze:</span> Das ist gerade die große Chance einer freien Produktion. Bei einer Theater-Company gibt es Situationen, da sagt ein Schauspieler, ich bin hier angestellt und muss das spielen, aber eigentlich steh ich nicht drauf. Hier kommen nur Leute zusammen, die das wirklich machen wollen. Das ist ein ganz großer Unterschied.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie kam es denn eigentlich dazu, dass sich ein Heinz Rudolf Kunze dem Musical gewidmet hat?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Durch meinen Freund Heinz Marek Lieberberg, den Tourneeveranstalter aus Frankfurt. Der hat mich Ende der 80er Jahre angerufen und gesagt: Ich möchte das du „Les Miserable“ übersetzt. Ich hatte vorher von Musical überhaupt keine Ahnung, war sogar eher ein Musical-Hasser. Aber so ist das Leben, so bin ich da reingeraten. Früher fand ich es immer ganz furchtbar, wenn mein Vater mich in Osnabrück in die Operette mitgenommen hat. Mein Vater war ein riesen Rudolf Schock Fan. Und ich habe mir als Jugendlicher geschworen: So etwas machst du nie. Aber wie gesagt, so ist das Leben.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie muss man sich denn eure Zusammenarbeit bei so einem Musical-Projekt vorstellen?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Zuerst setzen wir uns mit dem Stoff auseinander, gehen das von verschiedenen Seiten an. Wir lesen was darüber, gucken uns Filme an, vielleicht die eine oder andere Inszenierung. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, da bildet sich ein erstes Gefühl für das Stück. Wie sehe ich diese Figur, wie würde sie bei mir klingen, welchen Text würde sie sprechen? Wenn Heinz es dann geschafft hat, seinen Zugang zu finden und anzufangen, dann geht es ziemlich chronologisch weiter. Ich bekomme seine Texte, habe nebenbei natürlich auch schon Ideen entwickelt, und dann arbeite ich anhand seiner Textvorlagen. Die kommen übrigens traditionell aus dem Faxgerät. Ich nehme sie dann in Empfang, trage sie zu meinem Klavier, hole meine Gitarre. Teilweise lerne ich Textzeilen auswendig, damit ich sie immer mit mir herumtragen kann. Ganz bodenständig. Ich lerne einen Refrain auswendig oder die schönste Zeile, die mir in diesem Lied gefällt, und erarbeite mir den Zugang. Wenn ich diesen Punkt geknackt habe, dann ist der Rest teilweise einfach Handwerk, Erfahrung,      Intuition. Zuerst muss mir da etwas gefallen, das Lied muss mir einleuchten.<br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze:</span> Es gibt eigentlich sehr klare Vorgaben. In den Texten steht dann plötzlich „Lied“. Und etwas später „Ende des Liedes“.<br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Ich muss natürlich sehen, dass ich den Zusammenhang hinbekomme. Wer ist gerade in dem Moment auf der Bühne, wer agiert mit wem? Wo stehen die, wo kommt das Lied her? Welche Stimmung ist da gerade aufgebaut. Ich musste da auch sehr viel lernen. Wenn ich einen Song schreibe, gibt es einen Text und ich mache dazu die passende Musik. Bei einem Musical muss ich mitdenken, was dramaturgisch passiert. Ich glaube, ich bin da sehr viel weiter gekommen in den vergangenen Jahren. Unser letztes Stück ist von der Musik her schon ganz anders angelegt.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Die Texte sind ja weit weg vom Original, trotzdem im klassischen Versmaß. Fließt das so aus einem heraus oder ist das nächtelange Arbeit?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Das Schlimmste ist das Anfangen. Die großen Selbstzweifel. Ich traue mich fast nicht anzufangen. Das bringt einen fast um. Aber wenn ich dann loslege und merke, dass mir was gelingt, dann gibt es so ein Gefühl: jetzt weiß ich, dass es richtig ist. Man läuft wochenlang, teils monatelang fluchend um den Schreibtisch herum und denkt: Das geht nicht. Aber irgendwann überwindet man sich. Und dann ist es bei mir eigentlich immer ein Lauf. So habe ich das jetzt jedenfalls drei Mal erlebt. Das geht ziemlich fix, weil einen die Figuren nicht mehr loslassen. Man ist nicht mehr alleine, läuft immer mit diesen Figuren durch die Gegend. Wenn einem da eine Figur angeboten wird wie im „Sturm der Prospero“, besteht schon mal die Gefahr, irre zu werden. Am Ende ist man das. Man kann sich gar nicht mehr losgelöst von dieser Figur betrachten. Man identifiziert sich mit Haut und Haaren mit so einer Gestalt. Und wacht dann regelrecht schockiert auf, wenn es fertig ist.<br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Bei der Musik ist das ganz ähnlich. Wenn du solche Figuren, solche intensiven, fast schon plastischen Figuren vor dir siehst, dann brauchen die einfach eine entsprechende Musik, die tiefer geht, die es wirklich trifft. Man fängt schon morgens an, hat noch mit keinem gesprochen, und irgendwann kommt man dann abends wieder raus. Bevor man danach ins normale Tagesgeschäft einsteigen kann, das braucht immer. Eigentlich kann man dann nur noch die Füße hochlegen und irgendeinen Kram im Fernsehen gucken. Auf Arte, versteht sich.</p>
<p><span style="color: #ff0000;"><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/22-43_Stadtkind_April_105_72.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-7066" title="Heiner Lürig" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/22-43_Stadtkind_April_105_72-300x235.jpg" alt="" width="300" height="235" /></a>Wie lange dauert so ein Arbeitstag?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Ich habe da ganz feste Zeiten, eine richtige Pensumszeit. Ich schreibe so von elf bis drei. Dann will ich es auch losschicken, dann lege ich es aufs Fax und will eine Antwort hören. Ob das so genehmigt ist.<br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Ich bin ja der erste Leser.<br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze:</span> Das hat sich so eingespielt für mich als Arbeitsrhythmus. Vier Stunden kann ich mich voll auf die Sache konzentrieren, danach ist Schluss. Selbst dann, wenn ich gerade überlaufe. Ich höre lieber auf, weil ich einfach weiß, dass ich schwächer werde. Man schafft so drei oder vier Seiten, manchmal fünf, aber mehr nicht.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie viele Seiten hat so ein Musical insgesamt?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Ungefähr 90 Schreibmaschinenseiten.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Gibt es auch mal Streit?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Bei Shakespeare eigentlich nicht.<br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig:</span> Nein, bei Shakespeare nicht. Wir funktionieren bei diesen Sachen eigentlich ziemlich synchron. Früher haben wir oft gestritten, bei den Interpretationen für Heinz. Aber auch das war eigentlich ganz positiv. Weil man am Ende immer rausgegangen ist und das, worüber man gestritten hat, dann zusammen verkauft hat. Das hat viele Jahre sehr gut funktioniert.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie lange arbeitet ihr schon zusammen?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Wir hatten vor drei Tagen 25-jähriges Kennenlernen. Sozusagen eine kleine Silberhochzeit im künstlerischen Bereich. Ich bin sehr froh, dass diese Zusammenarbeit immer noch besteht, obwohl wir keine Platten mehr zusammen aufnehmen. Dass wir auf die tollen Jahre, auf die Tourneen zurückblicken können und immer noch gemeinsam an bestimmte Dinge glauben.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Kommen wir mal noch mal zum Sommernachtstraum. Eine ganz praktische Frage: Wie bekommt man im historischen Gartentheater 800 Leute unter?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Wir haben diesmal sogar dafür gesorgt, dass die Zugänge bequemer sind. Dass man verlässlich seinen Sitzplatz findet. Dass es vielleicht auch jemanden gibt, der einen zu seinem Sitzplatz führt. Dass da nette Sitzkissen liegen und jemand sagt: ,,Neben Sie doch Platz, genießen Sie den Abend.“ Das sind so die kleinen Feinheiten. Vielleicht gehen sogar mehr Zuschauer rein. Wenn wir noch 20 Gäste mehr haben, werden wir die auch noch unterbringen. Und trotzdem so, dass jeder gut sehen kann. Meine Lieblingsplätze sind ja die billigsten oben unter den Bäumen. Aber man sieht das ganze Theater, es klingt da oben gut, man hat manchmal auch noch die laue, warme Luft. Wenn es dann dunkel ist und das Wetter mitspielt, dann ist das einfach ein unvergleichlicher Spiel-ort.<br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Ich persönlich nehme immer den Randplatz ganz außen. Weil ich so nervös bin, dass ich ständig zum pinkeln raus muss.<br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz: </span>Das sind ja auch die Intendantenplätze ganz außen (lacht).</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Ist dass ähnliches Lampenfieber wie bei einem eigenen Auftritt?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Es ist schlimmer, viel schlimmer.<br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Man kann dann ja nichts mehr ändern.<br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz:</span> Ja, man ist ausgeliefert.<br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Und der Regisseur ist auch nicht mehr da, um sich   bei dem zu beschweren.<br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz:</span> Die Premieren schaue ich mir immer an.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Danach dann nicht mehr?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz: </span>Ja, das ist so üblich. Man bringt das Stück bis zur Premiere und gibt dann ab. In diesem Fall, weil es eine Trilogie ist und das alles insgesamt fünf Jahre gehen soll, werde ich natürlich öfter da sein, einfach um zu sehen, wie es läuft.<br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig:</span> Wir wollen ja auch sehen, wie sich die einzelnen Schauspieler und Schauspielerinnen für die anderen Stücke empfehlen.<br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Wenn ich das Stück ein paar Mal gesehen habe, genieße ich es immer sehr, zwischendurch mal raus und in den Garderobenbereich zu den Schauspielern zu gehen. Mal ein freundliches Wort mit ihnen zu sprechen, wenn sie da zusammengesunken sitzen und auf ihren nächsten Einsatz warten. Dann zu sagen: „Na, läuft doch.“ So ein bisschen den Coach raushängen lassen. Das macht irgendwie auch Spaß (lacht).</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Die Proben sind zuerst im Theater am Aegi. Wann geht es denn in den Garten?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz: </span>Ab dem 21. Juni. Dann wird im Garten geprobt bis zur Preview Anfang Juli. Danach wird pausiert wegen des kleinen Festes im großen Garten und dann nehmen wir den Faden neu auf.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Seid ihr auch mal bei den Proben dabei?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze: </span>Ich mehrfach. Ich habe zwar sicherlich im Sommer viel im Studio zu tun, weil ich mein neues Album mache, aber ich guck da natürlich ab und zu vorbei.<br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz: </span>Das ist ja auch für uns wichtig. Mal ein Feedback zu bekommen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie muss man sich das vorstellen? Kommst Du dann und sagst: Das gefällt mir so nicht?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Kunze:</span> Das hab ich Christian noch nie gesagt.<br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz:</span> Stimmt, wir sind uns schon recht einig.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie ist das ganze Projekt eigentlich wirtschaftlich aufgebaut? Ihr sitzt mit im Boot, oder?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig: </span>Wir haben eine vertraglich Vereinbahrung mit unserem Produzenten Hannover Concerts, so wie früher mit der Landesbühne, aber wir sind diesmal mehr am Gewinn orientiert. Wir brauchen eine Auslastung von 75 oder 80 Prozent. Wir sind auch noch in Gesprächen mit weiteren Sponsoren.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Ist Hannover ein gutes Pflaster für so ein Projekt? Gehen die Türen auf?</span><br />
<span style="color: #ff0000;">Lürig:</span> Ja, die Stadtgesellschaft steht extrem hinter uns. Das haben wir schon 2003 erlebt. Herr Schmalstieg war damals allen voran überzeugt, dass das für Hannover ganz toll werden wird. Das setzt Herr Weil jetzt wunderbar fort. Und die Zustimmung zieht sich wirklich durch alle Parteien. Auch Herr Nolte von der Marketing Gesellschaft hat schon damals viele Kontakte hergestellt, die gerade am Anfang ganz wichtig waren. Zuerst ist da ja nur die Idee. Und trotzdem braucht es schon verbindliche Zusagen. Die hat Herr Nolte gemacht. Und nicht zuletzt ist da natürlich Hannover Concerts. Was die uns als Produktionsteam anbieten ist wirklich unglaublich. Da wird quasi ein kleines Theater ganz neu aufgebaut. Das Casting ist gelaufen, die Technik wird gerade ausgeschrieben, bei der Band ist auch schon klar, wer mitmacht, jetzt geht es an die Bühnenbilder.<br />
<span style="color: #ff0000;">Von Götz:</span> Das ganze Projekt startet auf sehr professionellen Niveau. Das ist die große Chance bei diesem Projekt. Es macht einfach Spaß.</p>
<p><strong>LaK, Miriam El Salib, Fotos: Miriam El Salib</strong></p>
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		<title>hans christian nolte</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 22:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wolke</dc:creator>
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		<category><![CDATA[2010-02]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir haben hier in den letzten Jahren eben alle Kräfte gebündelt, Marketing und Tourismus unter einem Dach, die Region mit an Bord, das alles auch im Internet, das ist beispielhaft für andere Städte und Regionen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/hans-christian-nolte.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-7762" title="Hans Christian Nolte" src="http://www.stadtkind-hannover.de/wp-content/uploads/2010/05/hans-christian-nolte-212x300.jpg" alt="" width="212" height="300" /></a>Hans Christian Nolte ist Geschäftsführer der Hannover Marketing und Tourismus Gesellschaft. Kein einfacher Job – denn natürlich behauptet (fast) jeder in unserer Stadt, besser zu wissen als er, wie Marketing funktioniert. Gleichwohl möchte kaum jemand mit ihm tauschen. Und das ist auch kein Wunder. Entscheidungen, die hier getroffen werden, sind automatisch in Hannover und weit darüber hinaus sichtbar; sie kleben als Plakat an den Litfaßsäulen. Vor Kritik darf man sich auf diesem Posten also nicht fürchten. Stadtkind hat mit Hans Christian Nolte über seine Arbeit, die neue Studie zum Image Hannovers und das künftige Marketing der Stadt gesprochen.</strong></p>
<p><span style="color: #ff0000;">Herr Nolte, wie zufrieden waren Sie mit den Ergebnissen der Studie?</span><br />
Eigentlich sehr zufrieden. Sie hat viel von dem bestätigt, was ich bereits wusste. Allerdings kam diese Studie für mich fast ein bisschen zu früh. Wir kümmern uns um den Bereich Tourismus ja erst seit etwa zwei Jahren. Trotzdem hat man schon jetzt gesehen, dass unsere Arbeit Effekte erzielt.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Woher haben Sie gewusst, was bei dieser Studie herauskommen würde?</span><br />
Wissen Sie, wir sind ja viel unterwegs in Deutschland, besuchen die Messen, waren zum Beispiel bei der ITB in Berlin. Wenn dort Kollegen aus anderen Städten auf mich zukommen, nach mir fragen, mit mir sprechen wollen, und die sagen, in Hannover hat sich ja unglaublich viel getan, dann kann man daraus durchaus ableiten, dass unser Ruf nicht der schlechteste ist. Wir haben hier in den letzten Jahren eben alle Kräfte gebündelt, Marketing und Tourismus unter einem Dach, die Region mit an Bord, das alles auch im Internet, das ist beispielhaft für andere Städte und Regionen. Das scheint woanders ein großes Problem zu sein. Ich konnte also schon vorher mit Fug und Recht sagen, dass wir von außen stärker wahrgenommen und respektiert werden, als man das gemeinhin in Hannover angenommen hat. Und das ist ja auch im Kern das Ergebnis der Studie.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">V</span><span style="color: #ff0000;">ieles war gut, ein paar Baustellen gibt es trotzdem. Vielleicht sprechen wir zuerst über die Gruppe, die in Hannover eher skeptisch ist. Das sind die ca. 35- bis 60-jährigen Männer, also diejenigen, die in den Chefetagen sitzen, die vielleicht auch viel in Deutschland unterwegs sind, Multiplikatoren sind. Gerade diese Gruppe sieht Hannover skeptisch. Wie kann man die zu besseren Botschaftern ihrer Stadt machen?</span><br />
Das ist ein Ergebnis der Studie, ja. Aber dieses Problem haben auch alle anderen Städte. Und das gerade jetzt in der Krise. Man muss sich dabei die Lebenssituation dieser besonderen Gruppe genau ansehen. Meistens sind diese Leute beruflich stark eingebunden. Da bleibt nebenbei nur ein bisschen Zeit für die Familie und vielleicht noch ein Hobby. Der Blick dieser Personengruppe auf die Stadt ist natürlich, auf Grund der mangelnden Zeit, stark eingeschränkt. Da wird nicht so sehr links oder rechts geguckt, da konzentriert man sich auf das Wesentliche, und das bedeutet: Kommt das eigene Unternehmen über die Runden, auf welche Schule gehen meine Kinder, auf welche Universität? Alles andere wird ausgeblendet. Das heißt, wenn ich so jemanden nach dem kulturellen Angebot in der Stadt frage, wird er mir kaum eine Antwort geben können. Solche Personen sind im Dauerstress. Vielleicht ist es daher gar kein Wunder, wenn solche Personen in einer Befragung skeptisch sind. Sie können zum Beispiel kaum am kulturellen Leben teilnehmen. Da wäre es doch schlimm, wenn sie auch noch etwas verpassen würden. Also ist es besser, angenehmer, den Standpunkt einzunehmen, Hannover hätte nichts zu bieten in der Hinsicht.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Gäbe es trotzdem eine Möglichkeit, diese Gruppe positiver zu stimmen?</span><br />
Das ist ganz ganz schwer. Die Zeiten werden ja nicht ruhiger gerade. Im Gegenteil. Für mich ist die Messe ein gutes Beispiel. Es wird immer kürzer, hektischer, schneller. Früher sind die Leute noch mal nach Hannover reingefahren. Das gibt es heute so nicht mehr. Da beschränkt sich der Blick auch auf das Wesentliche. Und so ist das auch bei der fraglichen Gruppe.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Das skeptische Urteil dieser Gruppe hat sich ja schon bei den Vorbefragungen in den Experteninterviews angedeutet. Daran haben Sie sich ganz bewusst nicht beteiligt, oder?</span><br />
Nein, das wäre nicht zielführend gewesen, bei diesen Gesprächen dabei zu sein. Wir wollten ja, dass die Befragten sich unter anderem möglichst kritisch zur bisherigen Arbeit der HMTG äußern. Wenn ich dann daneben gesessen hätte, wäre das wahrscheinlich nicht passiert.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Waren Sie überrascht über die Ergebnisse?</span><br />
Nein. Die Antworten haben für mich genau das wiedergegeben, was wir später bei der großen Befragung auch gesehen haben. Das ist die Problematik in der Gruppe der 30- bis 60-jährigen Männer. Für einen Kaufmann im Einzelhandel ist eben der Einzelhandel wichtig und zunächst kaum etwas anderes. Ich kenne ja die meisten Personen, die teilgenommen haben, und ich hätte ihnen bei vielen die Antworten vorskizzieren können. Wenn da jemand vorschlägt, man solle Leibniz zum Aushängeschild machen, dann kann ich auf ein oder zwei Personen eingrenzen, von wem dieser Vorschlag kommt. Ich bin ja permanent Teil dieser Diskussion und spreche mit den Menschen. Das einzige, was mich überrascht hat, war, dass wirklich alle Hannover 96 vergessen hatten. Aber jedes zweite Wochenende gehen sie hin.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Woran, was meinen Sie, hat das gelegen?</span><br />
Vielleicht an der Art der Befragung. Fußball ist ja eine Leidenschaft, die bei diesen Leuten nicht an erster Stelle steht. Zuerst kommt die Familie, der Beruf. Wenn der Fragenkatalog sich in diesem Kontext bewegt, ist ziemlich klar, dass niemand an Hannover 96 denkt. Da überlegt und antwortet man eher persönlich und kommt nicht auf die großen Aushängeschilder. Wenn man speziell danach gefragt hätte, wäre Hannover 96 sicher auch benannt worden. Selbst die größten 96 Fans haben ihren Verein nicht benannt.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Hat man also die falschen Fragen gestellt?</span><br />
Das nun nicht. Nein, die Befragung war für mich nicht so maßgeblich, aber sie hat doch eine sehr große Themenvielfalt aufgezeigt, ein breites Spektrum der Stärken Hannovers. Diese ersten Interviews waren dann ja die Grundlage für die zweite, große Befragung. Die imug hat daraus den Fragenkatalog entwickelt, um eine solide Null-Messung vornehmen zu können. Es ist bei all dem natürlich klar, dass jemand, der sich mit der Thematik auskennt, der die Stadt und die Region kennt, auf manche Fragen anders antwortet, als jemand, den man zufällig am Telefon erwischt.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Dann kommen wir doch mal zur großen Studie. Insgesamt war man zufrieden. Hannover wird positiver wahrgenommen als gedacht. Aber nur 50 Prozent der in Deutschland Befragten haben überhaupt etwas zu Hannover sagen können. Ist das nicht zu wenig?</span><br />
Das Spiel habe ich schon mit einigen Kollegen gespielt. Natürlich bin ich deswegen angerufen worden. Da hat man gesagt, nur 50 Prozent das ist ja nicht besonders viel. Wie stehen sie dazu, Herr Nolte. Dann habe ich gesagt, mein Name ist Hans Nolte von der imug, und ich möchte Ihnen ein paar Fragen zum Wirtschaftsstandort München stellen. Was fällt Ihnen da ein? Dann kam das Oktoberfest. Nein, habe ich gesagt, zum Wirtschaftsstandort. Dann kam so etwas wie: große Stadt, erfolgreich, viel Geld. Nennen Sie mir doch mal ein paar Unternehmen, habe ich gesagt. Keine Antwort. Was fahren Sie denn für ein Auto? Sagt der, verdammt, BMW. Was ich damit sagen will: So eine Befragung bedeutet immer eine Ausnahmesituation. Man steht automatisch unter Stress. Dass bei einer solchen Befragung 50 Prozent etwas sagen können, ist also schon eine ganze Menge. Das ist normal, daraus kann und darf man noch nichts ableiten.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Immerhin ist den Kollegen das Oktoberfest eingefallen. Das Schützenfest hat in der Befragung der imug kaum jemand benannt. Den Zoo auch nicht.</span><br />
Das ist relativ einfach zu erklären. Deswegen sage ich auch, dass wir jetzt die Studie noch einmal sehr genau analysieren müssen. Nehmen wir mal den Zoo. Wer hat in welchem Radius den Zoo benannt, das ist die erste Frage, die ich stellen muss. Aber ich darf die zweite Frage nicht vergessen. Ich muss die Marketing-Aktivitäten des Zoos betrachten und ins Verhältnis setzen. Der Zoo hat zusammen mit der HMTG in einem maximalen Radius von 90 bis 120 Kilometern geworben. Darüber hinaus haben wir nichts gemacht. Also muss man bei der prozentualen Berechnung nicht von den 1.500 Befragten ausgehen, sondern von der Zahl der Befragten in diesem Radius. Die 600 Kilometer Richtung Süden muss ich aus der Wertung nehmen. Dann sehen die Zahlen natürlich anders aus, erst dann können wir uns erlauben, Rückschlüsse zu ziehen. Das ist die Arbeit, die wir jetzt erledigen müssen. Erst danach können wir aus dieser Studie Signale für unsere weitere Arbeit entnehmen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Das heißt, man muss die Studie realistisch herunterbrechen, um Aussagen über die Marketingmaßnahmen der Stadt machen zu können?</span><br />
Ganz genau. Wir haben ja bisher als HMTG nur die großen Themen bespielt. Und diese Themen sind auch benannt worden. Herrenhäuser Gärten – war für mich keine Überraschung. Selbst die Nebenschauplätze, die wir bearbeitet haben, sind in der Befragung durchaus sichtbar geworden. Deister, Steinhuder Meer. Wir machen jetzt den dritten Deistertag. Und dann natürlich Marc, Macke, Delaunay. Diese Themen haben wir gepuscht. Das war die große Linie. In Frankfurt oder München muss ich das niemandem erklären. Die Kollegen aus dem Marketing dort wissen, wie Hannover wirbt. Die sagen: Wir haben deine verdammten Plakate überall kleben und deine Flyer liegen überall aus. Die nehmen das sportlich. Das ist eben einfach Städtewettbewerb.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Und jetzt sind die kleinen Themen dran?</span><br />
Darum wird es nun in der Zukunft unter anderem auch gehen. Wir haben mit unseren Kommunikationswegen ein gutes Fundament geschaffen. Und Herr Beck und ich sind uns vollkommen einig, dass diese große Linie fortgeführt werden muss. Aber wir haben einen Puffer eingebaut für jene Themen, die nicht so einfach zu kommunizieren sind.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Fährmannsfest, BootBooHook, up-and-coming, Masala, A-Capella-Woche, Musik21?</span><br />
Und so weiter und so fort. Es gibt ja noch viel mehr. Und das alles sind durchaus wichtige und Image fördernde Veranstaltungen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wird es also mehr Einzelförderungen geben?</span><br />
Im Gegenteil. Genau das nicht. Dann wären wir beim Prinzip Gießkanne. Wir müssen jetzt zunächst genau überlegen, welche Zielgruppen wir ansprechen wollen. Und dann müssen wir Cluster bilden. Welche Veranstaltungen passen zu welcher Zielgruppe? Ich bin der festen Überzeugung, dass einige der genannten, sehr unterschiedlichen Events durchaus eine Zielgruppe ansprechen. Die müssen wir zusammenbringen und gemeinsam bewerben. Sonst bricht uns der Etat auseinander.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Also so ähnlich, wie man das bei „Made in Germany“ gemacht hat?</span><br />
„Made in Germany“ war ein internationaler Erfolg. Da haben sich drei Institutionen der Stadt zusammengefunden und sich für dieses Event auf einen Auftritt geeinigt. Das haben wir natürlich mit aller Kraft unterstützt. Denn das ist genau der richtige Weg. Es geht nur gemeinsam. Gemeinsam ist aber ein Riesenproblem in Hannover. Sie glauben gar nicht, wie ich in den vergangenen Jahren von vielen aus dem Kreis der Kulturinstitutionen massivst angegangen worden bin, genau ihre Veranstaltung zu unterstützen. Teilweise sogar über den Umweg der Politik. Aber das ist der falsche Weg. Wir müssen Klammern setzen. Nur dann haben wir genug Kraft für ein vernünftiges und sinnvolles Marketing.<br />
<span style="color: #ff0000;"><br />
Wie gehen Sie denn mit Ihren Kritikern um? Da wird es ja sicherlich zwischendurch auch sehr persönlich zugehen.</span><br />
Man bekommt einfach ein sehr dickes Fell. Natürlich wird mir oft vorgehalten, dass ich nur das mache, wovon ich überzeugt bin. Aber ich habe einen Aufsichtsrat, dem ich Rede und Antwort stehe. Ich muss einfach einer Linie folgen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Simon Anholt hat in einem Interview in der brandeins bezweifelt, dass Veranstaltungen das Image einer Stadt verändern können. Er sagt, dass das Image einer Stadt nur positiv verändert werden kann, wenn man die Stadt langfristig zu einem besseren Ort macht.</span><br />
Habe ich gelesen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Was sagen Sie dazu?</span><br />
Eine gelungene Veranstaltung macht eine Stadt zu einem besseren Ort. Aber im Ernst: Es ist natürlich klar, dass beim Image viele Faktoren eine Rolle spielen. Das Stadtbild gehört zum Beispiel dazu. Wir haben hier in Hannover nicht die großen Leuchttürme. Da fehlen die wirklich großen Highlights. Es gibt keinen Kölner Dom. Aber wir können auch in dem Bereich etwas tun. Neue Plätze entwickeln, Treffpunkte schaffen, Orte, wo Menschen sich gerne aufhalten. Beispiel ist der Küchengarten in Linden mit dem 11A. Jetzt müssen wir nur noch die kleine Baustelle daneben in den Griff bekommen. Nein, es entwickelt sich. Denken Sie an die Königstraße, Joachimstraße. Lange Laube steht gerade an. Wir müssen den ZOB in Ordnung bringen. Da warten noch viele Aufgaben.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Vielleicht müsste man sich auch mal den Einfallstraßen widmen. Wenn jemand am Airport ankommt und über die Vahrenwalder in die Stadt fährt, hat Hannover eigentlich schon verloren, oder?</span><br />
Gewonnen sicher nicht. Aber wie gesagt, die städtebaulichen Probleme sind ja identifiziert. Früher oder später wird sich auch dort etwas bewegen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Kommen wir noch mal zurück zur Studie. Hannover 96 hat bei der Befragung in Deutschland kaum eine Rolle gespielt. Wird der Verein als Aushängeschild für die Stadt überschätzt?</span><br />
Sicher nicht. Den Mediawert von Hannover 96 könnte keine Marketing Gesellschaft der Welt bezahlen. Sport ist ja insgesamt bei der Studie kaum genannt worden. Das ist aber trotzdem ein Thema, das wir immer bespielen werden. Breitensport und Spitzensport gehören einfach zum Grundrauschen einer Stadt.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Die imug hat ja dazu geraten, eher mit Akteuren zu arbeiten, auf die man Einfluss nehmen kann, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind und die Hannover insgesamt im Blick haben. Herr Kind, so hat man den Eindruck, geht es nicht um Hannover, sondern allein um Hannover 96.</span><br />
Herr Kind ist in erster Linie ein Geschäftsmann. Und sicher kein einfacher Partner. Ich würde mir natürlich wünschen, dass er sich mehr für Hannover interessiert. Aber er interessiert sich eben nur für den Verein. Denken Sie mal an Bayern München. Das ist ein gewaltiger Image-Träger mit einer ausgeprägten sozialen Verantwortung für die Stadt und ganz Bayern. So etwas hat aber auch immer mit Köpfen zu tun. Es gibt in Hannover andere Vereine, die mehr Verantwortung für ihren Standort übernehmen. Denken Sie an die Hannover Indians oder die UBC Tigers. Herr Wroblewski ist sehr engagiert, die Gebrüder Goch sind es auch. Sie sind vor Ort, wenn es um Charity geht, nicht gelangweilt, sondern emotional beteiligt. Das ist beispielhaft.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">In der bundesdeutschen Befragung hat sich gezeigt, dass gerade die jungen, gut ausgebildeten Leute nur wenig zu Hannover sagen können. Im Städtewettbewerb geht es aber immer mehr gerade um diese Zielgruppe. Da wird viel von der Kreativen Klasse gesprochen und von den High Potentials. Wie erreicht Hannover diese wichtige Zielgruppe?</span><br />
Auch da muss man genau hinschauen. Natürlich brauchen wir diese Zielgruppe, junge Menschen, die Ideen haben, die sich hier in der Region selbstständig machen. Aber diese Zielgruppe ist schon hier. Sie studiert an unseren Hochschulen. Die Studie hat auch gezeigt, dass die jungen Menschen, die in Hannover leben, mit dieser Stadt sehr zufrieden sind. Man könnte fast von Hannover-Fans sprechen. Das heißt, es geht vielleicht erst in zweiter Linie darum, diese junge Zielgruppe bundesweit anzusprechen, aber es geht in erster Linie darum, die jungen Menschen, die bereits hier sind, in Hannover zu halten. Wir scheinen da auf einem guten Weg zu sein. Da wird schon eine Menge gemacht, aber wir müssen natürlich gemeinsam mit den Hochschulen und anderen Beteiligten weitere Wege entwickeln. Auch das geht wieder nur in der Gemeinschaft. Es gibt übrigens gerade für diese Gruppe der jungen, gut ausgebildeten Menschen bereits jetzt mit hannover impuls eine Institution, die hervorragend unterstützt. Wer sich in Hannover selbstständig machen will, findet hier sehr viele Möglichkeiten der Beratung.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie geht es denn jetzt weiter mit der Studie? Wer analysiert die Ergebnisse, wer sitzt am Runden Tisch und definiert die Zielgruppen, um die es künftig gehen soll?</span><br />
Das werden sicherlich zunächst ungefähr die Leute sein, die auch nach den Experteninterviews zusammen gesessen haben. Und dieser Kreis wird dann zu bestimmten Themen entsprechend erweitert. Da geht es ja um mehr, als nur um die Definition einer Zielgruppe. Wir müssen die Treiber für diese Zielgruppen identifizieren und dann prüfen, ob diese Treiber bereit sind, mit uns vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen. Da geht es auch um tätige Mithilfe, um das Freistellen von Menpower, um Geld. Um die Frage, ob wir überhaupt etwas tun können. Das wird dauern. All das ist nicht so einfach. Die Vermarktung Herrenhausens ist da noch relativ leicht. Da gibt es bereits ein Fünf-Säulen-Programm: Erstens die Herrenhäuser Gärten, zweitens das Schloss, drittens die Kunstfestspiele, viertens die Veranstaltungen in den Herrenhäuser Gärten, also zum Beispiel Feuerwerkswettbewerb, Wintervarieté, das Kleine Fest im großen Garten, und fünftens Next Generation – das heißt, ich lade zum Beispiel Schulklassen ein, zeige den jungen Menschen, was wir in Hannover haben. Aber zuerst kommt jetzt wie gesagt die genaue Analyse der Studie. Dann folgt alles Weitere.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Werden einige Veranstaltungen und Institutionen sich an den Gedanken gewöhnen müssen, künftig ohne die Unterstützung der Hannover Marketing zu leben?</span><br />
Vielleicht. Wie gesagt, das liegt zum Teil auch bei den Akteuren selbst. Wir müssen unsere Klammern setzen. Die Beteiligten müssen gemeinsam, sie müssen miteinander arbeiten. Gegebenenfalls muss die eigene Marke auch mal zurückstehen. Es muss immer um Hannover insgesamt gehen. Partikularinteressen dürfen wir nicht gelten lassen. Nur dann können wir genug Kräfte bündeln, um nach außen ein positives Bild Hannovers zu transportieren.</p>
<p><strong>Interview: Lars Kompa</strong></p>
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		<title>christoph maria herbst</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 22:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuela Sender</dc:creator>
				<category><![CDATA[im interview]]></category>
		<category><![CDATA[2009-08]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit Christoph Maria Herbst über Synchronrollen, Pornosynchronarbeiten, Humor und schwierige Dialekte gesprochen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Wer kennt sie nicht? Die drei Freunde aus Helme Heines Kinderbuchklassikern, Franz von Hahn, Johnny Mauser und den dicken Waldemar. Die Hannoveraner wissen zudem auch, wo sie wohnen: In Mullewapp. Und genau dort, im Zoo Hannover, kann man die drei auch besuchen. Jetzt gibt es die Geschichte der drei tierischen Freunde im Kino zu sehen. Die Geschichte darüber, wie alles begann, wie sie Freunde wurden und herausfanden, wie sie Fahrrad fahren können (nämlich nur gemeinsam!). Gesprochen werden die Zeichentrickhelden u.a. von Benno Fürmann, Christoph Maria Herbst und Katarina Witt. Am 12. Juli war die Premiere. Mit dabei: die Autoren Helme Heine und seine Frau Gisela von Radowitz sowie Christoph Maria Herbst. Wir haben die Gelegenheit genutzt und mit Christoph Maria Herbst über Synchronrollen, Pornosynchronarbeiten, Humor und schwierige Dialekte gesprochen.</strong></p>
<p><strong> </strong><span style="color: #ff0000;">Wie kam es zu der Synchronrolle in „Mullewapp“?</span><br />
Ich bekam den berühmten Anruf. Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das zu machen. Dann hab ich mich ein bisschen mit der Thematik auseinandergesetzt, das Treatment gelesen und fand das alles dermaßen entzückend. Als ich dann noch hörte, dass Joachim Król den Waldemar spricht, musste ich nicht mehr lange überlegen. Übrigens finde ich, dass Joachim den Waldemar absolut niedlich gemacht hat – da könnte man glatt Vegetarier werden nach Mullewapp.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Sie haben schon öfter ganz unterschiedliche Filme synchronisiert – zuletzt hatten Sie eine Synchronrolle in „Willkommen bei den Schtis“. Gibt es Unterschiede beim Synchronisieren von realen Figuren oder Zeichentrickfiguren?</span><br />
Nein, eigentlich nicht. Der Regisseur von Mullewapp, Tony Loeser, hat von Anfang an ganz klar gesagt, er will keine Tierlaute hören und mir entlocken. Ich hab ihm zwischendurch immer mal wieder ein herzerfrischendes „Kikeriki“ angeboten, das wollte er aber gar nicht haben. Ich war natürlich ein bisschen traurig, weil ich so stolz darauf bin, den Hahn an sich eigentlich ganz gut drauf zu haben. Aber er hat gesagt: „Nee, wir wollen die so menschlich wie möglich zeichnen.“ Insofern ist da kein großer Unterschied. Wobei der Vergleich zu „Willkommen bei den Schtis“ natürlich ein wenig hinkt: Denn gerade bei dem Film musste ich mich komplett warm anziehen und mir einen ganz neuen Dialekt drauf schaffen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">War das sehr schwierig?</span><br />
Ja, das war superschwierig. Ich habe, glaube ich, fünf Tage im Studio verbracht und hatte jeden Abend einen Teppich im Mund. Das war wirklich sehr, sehr schwierig! Dagegen war der Franz von Hahn geradezu ein Waldspaziergang!</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Gibt es irgendwelche Besonderheiten beim Synchronisieren eines Zeichen- bzw. eines Kinderfilms?</span><br />
Ich glaube, man gibt dem Affen ein bisschen mehr Zucker. Dabei muss man natürlich aufpassen, dass er dabei nicht Diabetiker wird. Also überzuckern ist auch nicht gut, denn dann fühlen sich die Kinder verschaukelt. Ich bin eh jemand, der erstmal ein bisschen zu dick aufträgt, um sich dann vom Regisseur sagen zu lassen: „Mach mal weniger!“ Also mir muss man nicht alles aus der Nase ziehen oder mich irgendwie reizen, mehr zu machen. Ich mache gleich viel zu viel. Und dann kann der Regisseur sagen: „Nö, brauchst du gar nicht!” Das ist im Grunde leichteres Arbeiten. Regisseure freuen sich, wenn man mehr oder sogar zu viel anbietet – besser als zu wenig. Und ich gehe immer mit recht guter Energie in so eine Arbeit.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img class="alignleft size-medium wp-image-4428" title="Synchronlächeln..." src="/wp-content/uploads/2009/08/CMHerbst_net-300x285.jpg" alt="Synchronlächeln..." width="300" height="285" /><span style="color: #ff0000;">Man konnte lesen, dass Sie früher auch mal Pornos synchronisiert haben?</span><br />
Es ist zwar eine Plattitüde zu sagen: ich war jung und brauchte das Geld – aber das war tatsächlich so. Übrigens waren die Synchronaufnahmen damals in Hannover. Es ist ja die deutsche Pornostadt überhaupt!</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Ach, ja?</span><br />
Das wussten Sie gar nicht!</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Nein, das war mir nicht bewusst&#8230; Sie haben gesagt, dass der Job sehr langweilig war. Warum haben Sie sich dann nicht einen anderen gesucht?</span><br />
Also der Job war wirklich total langweilig! Ich machte ihn in der Zeit, in der ich hier am Theater in der Helmkestraße, im ehemaligen Theater der Jugend, gearbeitet habe. Eine Kollegin von mir verdiente sich damals eine goldene Nase in diesem Job. Weil sie sehr starke Raucherin war und genau das richtige Timbre für Erwachsenen-Fachfilme hatte. Für mich war das damals mal ein Ausflug.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wenn Sie die Arbeit z.B. an „Willkommen bei den Schtis“ und dem Zeichentrickfilm „Mullewapp“ vergleichen: Was gefällt Ihnen besser?</span><br />
Da muss ich echt sagen: Alles zu seiner Zeit. Ich glaube, ich würde mich total eingeschränkt fühlen, wenn ich ausschließlich Kinderfilme synchronisieren müsste. Die Mischung macht&#8217;s! Wie überhaupt in meinem Beruf. Ich liebe es total, zwischendurch Theater spielen zu können und dann wieder vor der Kamera zu stehen, oder mal wieder die Kamera links liegen zu lassen und ein Hörbuch einzulesen. Genauso wichtig ist es für mich, zwischendurch nichts zu tun. Es muss sich alles gut die Waage halten. Aber einen Film wie „Bienvenue chez les Schtis“ vorgesetzt zu bekommen, ist natürlich ein Geschenk! Geradezu eine Ringeltaube. Sowas kriegt man nicht allzu oft.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Der Film hat Ihnen also auch persönlich sehr gefallen?</span><br />
Total, total!</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Gerade wurde die vierte Staffel Stromberg abgedreht. Wird es noch eine fünfte geben?</span><br />
Das kann ich Ihnen nicht sagen. Wir gucken jetzt erstmal, wie und ob die Menschen, in welchem Maße, die vierte Staffel annehmen. Die wird bis Januar 2010 laufen, wir haben ja zehn Folgen gemacht. Und wenn überhaupt, ist dann das nächste Thema, über das wir nachdenken, der Stromberg-Kinofilm. Aber auch über den gibt’s noch nichts Spruchreifes zu sagen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Stimmt es, dass Sie die Rolle zuerst gar nicht annehmen wollten? Und nun gibt es bereits vier Staffeln und es folgen vielleicht noch weitere. Wie stehen Sie selbst zu Stromberg?</span><br />
Der Autor und Produzent Ralf Husmann hatte das damals quasi für mich konzipiert. Aber ich hatte ein bisschen Hemmungen, weil zu der Zeit viele andere Büro-Sendungen liefen, die ich alle eher mittel fand. Außerdem wusste ich überhaupt nicht, ob ich das überhaupt kann, was da von mir erwartet wurde. Also, Dokumentation so zu spielen, dass der Zuschauer das Gefühl hat, es sei Dokumentation, ist schon eine irrsinnige Herausforderung. Dabei muss man sich nicht nur um eine realistische, sondern auch um eine naturalistische Spielweise bemühen. Dahingehend wollte ich mich gern ausprobieren und bat Ralf Husmann, mich auch zum Casting einzuladen. Und dann hat das so unfassbar viel Spaß gemacht, dass ich gesagt habe: „Wie blöde bin ich denn, das nicht längst zugesagt zu haben?!“</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie sind Sie so im wirklichen Leben?</span><br />
Wenn ich das wüsste&#8230;</p>
<p><span style="color: #ff0000;">&#8230;welche Parallelen gibt es zwischen Ihnen und Ihren Figuren, zum Beispiel zu Stromberg?</span><br />
Ehrlich gesagt gar keine! Chauvinistisch z.B. bin ich gar nicht. Dieses auf den eigenen Vorteil bedacht sein, über Leichen gehen, im Mäntelchen des Teamplayers daherkommen, aber doch eigentlich nur seinen eigenen Vorteil im Blick haben – das hat alles nichts mit mir zu tun. Wenn ich so wäre, könnte ich die Rolle gar nicht so spielen. Stromberg ist durch das Zusammenspiel dieses wunderbaren Ensembles das, was es ist. Es ist eben keine Late- oder One-Man-Show, mit Herrn Herbst und dann kommt lange Zeit gar nichts, sondern man sieht ein aufeinander eingespieltes Ensemble agieren. Das geht nur, wenn man teamfähig ist. Und das sind wir alle. In unserem Team gibt es keine einzige Diva, keinen Zickenton – auch bei mir nicht. Ich glaube, so einer Rolle kann man erst dann Authentizität geben, wenn man mit ihr nichts zu tun hat.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Wie steht es mit der komischen Seite?</span><br />
Ich bin durchaus ein humorvoller Mensch. Ich muss mir natürlich als Schauspieler darüber im Klaren sein, wo die Komik liegt, bei einer Figur wie Stromberg – um sie aber nicht zu bedienen. Nur im Kopf muss ich sie natürlich immer mitdenken, das ist ganz klar. So eine Rolle kann man nicht spielen, wenn man nicht ein gewisses Maß Schalk im Nacken hat. Und den muss man dann so homöopathisch dosieren, dass er eigentlich nicht mehr nachweisbar ist.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Und wie steht es mit Franz von Hahn in Mullewapp? Hat Ihnen die Rolle Spaß gemacht?</span><br />
Ja, total. Franz von Hahn ging mir leicht von der Hand. Darauf musste ich mich gar nicht großartig vorbereiten: Auch ich bin sehr eifersüchtig, eitel und muss ein Toupet tragen. Bevor mein Pressechef ausrastet, sollten Sie noch schnell eine finale Frage stellen.</p>
<p><span style="color: #ff0000;">Sind Sie derzeit vergeben?</span><br />
Ja, aber sowas von!</p>
<p><span style="color: #000000;"><br />
Vielen Dank für das Interview und für Ihre Zeit!</span></p>
<p><strong><span style="color: #000000;">Text und Foto: Christine Meier</span></strong></p>
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