Am Sonntag, den 15. Juni, findet auf dem Uni Sportplatz Herrenhausen am Moritzwinkel 6 ab 10.00 Uhr das 1. Fest der Nationen statt. Veranstalter sind die UETD (Union of European Turkish Democrats), das Comites Hannover (das Organ der 22.000 in Niedersachsen lebenden Italiener) und die Vereinung der Griechen in Hannover und Umgebung e.V. Ein ganz besonderes Fest, denn vor allem die Zusammenarbeit zwischen Griechen und Türken ist alles andere als selbstverständlich.
Die UETD versteht sich als eine gemeinnützige, unabhängige und überparteiliche Organisation aller in Europa lebenden türkischstämmigen Bürgerinnen und Bürger. Als stetig wachsende Interessensvertretung engagiert sie sich für einen offenen und ehrlichen Dialog mit neuer Sichtweise, Gleichberechtigung und Toleranz. Das Comites als Vertretung der im Ausland lebenden Italiener wurde von der italienischen Regierung ins Leben gerufen. Ziel ist die Förderung von Initiativen unter anderem im Bereich des soziokulturellen Lebens der im Bezirk ansässigen italienischen Gemeinschaft und der Austausch, die Kooperation und gegenseitige Unterstützung mit anderen ethnischen Gruppierungen, politischen und interkulturellen Gruppen und Vereinen. Die Vereinigung der Griechen in Hannover und Umgebung e.V. wurde 1967 von den ersten Gastarbeitern gegründet. Ziel der Vereinigung war und ist es unter anderem, die traditionellen Folkloretänze den Mitbürgern aber auch den griechischen Jugendlichen näher zu bringen, um einen Erhalt der Tradition zu gewährleisten. Nun veranstalten diese drei Organisationen ein gemeinsames
Fest mit dem Ziel, einen Beitrag zur Integration auch unter den Migranten selbst zu leisten.
Die Türken und die Griechen – da war doch was. Zypern war und ist das Thema, das auf beiden Seiten bis heute für Zündstoff sorgt, nicht nur auf Zypern selbst, sondern zwischen den beiden Staaten insgesamt. Fragt man einen Türken in Deutschland, so ist er auf die Griechen meist nicht gut zu sprechen. Und umgekehrt. Erst in jüngster Zeit kam wieder Bewegung in den Konflikt,
nachdem der neu gewählte Präsident der Republik Zypern, Dimitris Christofias, bereits wenige Tage nach seiner Amtsübernahme erste Gespräche mit dem Präsidenten Nordzyperns, Mehmet Ali Talat, führte, bei denen die Wiederaufnahme von Verhandlungen zur Überwindung der Teilung vereinbart wurde. Die folgende Beseitigung der Barrikade auf der Ledra-Straße in der Altstadt
Nikosias am 3. April war danach ein erstes greifbares Ergebnis. Eine politische Annäherung, die hoffen lässt, die aber nur realistische Chancen hat, wenn auch die beiden Bevölkerungsgruppen ihre Feindschaft und das gegenseitige Misstrauen überwinden, auf Zypern selbst, aber zudem ganz
generell in beiden Staaten. Und auch hier bei uns. Die Wiederentdeckung der Gemeinsamkeiten,
das ist vielleicht der beste Weg, das Verhältnis zwischen den Menschen zu verbessern. Ein Fest, wie das Fest der Nationen am 15.06. unter der Schirmherrschaft unseres Oberbürgermeisters Stephan Weil, kann auf diesem Weg ein wichtiger Schritt sein. Es beginnt mit einem internationalen
Fußballturnier, welches die Studenten des Fachbereiches Sport der Universität Hannover und die Schüler der BBS 6 organisiert haben. An dem Turnier werden zehn Mannschaften beteiligt sein, deren Spieler nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden; so sind die Nationen gemischt und es spielen einfach Menschen mit- und gegeneinander. Die Folklore ist vor allem bei den Türken
und Griechen ein wichtiger Berührungspunkt. Sie ist fest in beiden Kulturen verankert und sich in ihrer Ausdrucksform sehr ähnlich. So wird es sicher einige verwunderte Türken und Griechen geben, wenn um 15:00 Uhr und 18:30 Uhr bei den Folklorevorführungen die Ähnlichkeiten deutlich werden. Natürlich wird es auch Live-Musik geben, und dazu kulinarische Genüsse, die so international sein werden wie die Gäste des Festes. Spiele für Kinder, ein Badmintonturnier, eine große Tombola und vieles mehr werden die von den Organisatoren erwarteten 1500 bis 2000 Besucher darüber hinaus bestens unterhalten. Ein Tag der Begegnung, an dem sich die verschiedenen Kulturen Hannovers austauschen, um ein neues Wir-Gefühl zu entdecken. Neue Bekanntschaften werden entstehen, vielleicht sogar Freundschaften. Aber dieses Fest kann noch weitaus mehr erreichen: Möglicherweise sprechen die verschiedenen Bevölkerungsgruppen
demnächst verstärkt mit einer Stimme, um ihre Interessen zu vertreten. Übrigens sind auch Deutsche zu diesem Fest der Nationen herzlich eingeladen. GAH, Übersetzung: Cuma Aktas