Tag Archive | "2008-06"

Tags:

Vater und Sohn


Es war einmal ein kleiner Junge, dessen Eltern waren sehr arm und sie konnten ihm keine hübschen Spielsachen kaufen. Deshalb saß der Junge den ganzen Tag vorm Fernseher, den sie vom Sozialamt bekommen hatten. Er wunderte sich, was es dort so zu sehen gab und fragte seinen Vater: „Papa, warum gehen Menschen in den Krieg, wenn ihnen dort die Arme und Beine von den gefährlichen Bomben abgerissen werden?“ „Weil sie Geld dafür bekommen“, antwortete der Vater, „und von dem können sie sich hinterher neue Arme und Beine aus Plastik kaufen.“ „Aber Papa”, fragte der Junge, „warum verhauen sie sich nicht einfach? Warum bauen andere Menschen diese schrecklichen Bomben?“ „Weil sie dafür noch viel mehr Geld bekommen“, antwortete der Vater, „und von dem können sie ihren Kindern dann hübsche Spielsachen kaufen.“ „Aber Papa“, fragte der kleine Junge weiter, „warum baust du dann keine Bomben und kaufst mir von dem Geld hübsche Spielsachen?“ Da antwortete der Vater: „Weil wir doch schon einen Fernseher haben. Da kannst du dir anschauen, was in der großen weiten Welt so alles Schreckliches passiert. Macht dir das etwa keinen Spaß?“

Johanna Kienitz

Abgelegt unter zur guten nachtEinen Kommentar verfassen...

Tags:

Zitate im Juni


„Man kann nicht erwarten, dass wir nach vier Monaten plötzlich Autobahnen haben. Selbst der Führer war nicht so schnell.“

Stefan Niesiolowski, Abgeordneter der Regierungspartei PO, auf die Frage, warum es in Polen bis heute nur wenige Autobahnen und Schnellstraßen gibt.

„Wir verabschieden uns aus einem Lager, für das wir vorher noch Lagerwahlkampf gemacht haben.“

Alexander Porschke, ehemaliger Umweltsenator der Hamburger Grünen, über das Bündnis seiner Partei mit der CDU.

„Soll ich fünfmal die Woche Golf spielen? Ich habe keine Lust, zu Hause herumzusitzen.“

Berti Vogts, ehemaliger deutscher Fußball-Bundestrainer, auf die Frage, warum er Nationaltrainer von Aserbajdschan geworden sei.

„Es ist unwahrscheinlich, dass ein Land mit solch einem Waffenarsenal von einer Frau regiert wird.“

Mahmud Ahmadineschad, iranischer Präsident, über die Wahlchancen von Hillary Clinton.

„Das ist ehrlich gesagt ein ziemlich peinlicher Fall.“

Condoleezza Rice, US-Außenministerin, zur Tatsache, dass Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela auf der amerikanischen Liste der Terrorverdächtigen steht.

„Die Kanzlerin macht keine Fehler. Wenn jemand Fehler macht, bin ich das.“

Thomas de Maizière, Kanzleramtschef und Minister für besondere Aufgaben (CDU), über seine Aufgabe.

„Ich liebe Angela Merkel.“

Nicolas Sarkozy, Präsident Frankreichs, in seiner Laudatio auf die neue Karlspreisträgerin.

„Seit einiger Zeit bete ich für Alice Schwarzer.“

Eva Herman, ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin und Autorin, mit Friedensangeboten in Richtung ihrer größten Kritikerin.

„Sie sollen unter Brücken schlafen.“

Thomas Röwekamp, Bremens Vize-Bürgermeister und CDU-Fraktionsvorsitzender, mit einem Zwischenruf während einer Parlamentsdebatte zum Thema ‘Zwangsumzüge für Hartz IV-Empfänger’.

Abgelegt unter zitate des monatsEinen Kommentar verfassen...

Tags:

Limmer bekommt Zweistromanschluss


limmerkultur e.V.

zweistromland im hammermuseum

Limmer bekommt Zweistromanschluss

Am 1. Juni startet der neue Kulturverein Zweistromland e.V. mit einer Eröffnungsfeier im Hammermuseum in Limmer. Es wird der Startschuss für eine Veranstaltungsbelebung im Stadtteil zwischen Stichkanal und Leine sein. Daher der Name Zweistromland – ein kulturelles Mesopotamien zur Bereicherung der Kulturlandschaft Limmers mit Kunst jeglicher Art. So wird es in der Zukunft Theateraufführungen geben (vormerken: am 11. Juni startet das Theater Nordstadt dort mit dem Stück „Wasser“), und es werden Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden, Filme usw. stattfinden.

Ins Leben gerufen wurde der Verein im August 2007, als sich mit der Vereinsvorsitzenden Wiebke Saathoff sieben weitere kulturinteressierte Hannoveraner zusammenfanden, um den Stadtteil zu einem kulturellen Mittelpunkt zu entwickeln. So können die Bürger Limmers nun auch vor Ort Angebote eines breiteren Kulturspektrums wahrnehmen und müssen nicht ständig auf Veranstaltungen in den Nachbarstadtteilen Linden und Nordstadt ausweichen.

Das Gelände, auf dem sich der Zweistromland-Verein befindet, liegt in der Mitte des Stadtteils Limmer. Auf dem Grundstück stehen die Gebäude einer ehemaligen Schmiede, in denen verschiedene Unternehmer – unter ihnen Georg Peters – ihre Handwerksbetriebe eingerichtet haben. Peters ist Eigentümer und leidenschaftlicher Sammler von Hämmern. So ist es ihm zu verdanken, dass Hannover seit mehreren Jahren ein Hammermuseum vorweisen kann, in dem Exponate aus aller Welt in zwei alten Schmiederäumen ausgestellt sind. Im Fundus des Museums befinden sich daher beispielsweise ein 70 kg schweres Hammer-Exemplar, das zum Zertrümmern von großem Felsgestein geeignet ist, sowie ein Winzling-Hammer, gerade einmal so groß wie ein 2-Cent-Stück.

Zum Hammermuseum gehört auch ein über 200qm großer Veranstaltungsraum, in dem nun eben der Kulturverein Zweistromland ab Juni 2008 sein Domizil aufschlagen wird und die Hannoveraner – nicht nur zur Ausstellungseröffnung – zu reichlichem Besuch einlädt. Vorerst soll im Zweistromland an jedem zweiten Mittwoch im Monat eine Veranstaltung angeboten werden.

Zur Eröffnungsfeier Anfang Juni wird es neben zwei nachmittäglichen Führungen durch die Hammerausstellung einen abendlichen Live-Auftritt mit den Indierockern der Band „ella“ geben. Im Anschluss präsentiert die Limmeraner Artistin Jenni Baumgart passend zur Dunkelheit eine (heiße!) Feuer-Jonglage, und natürlich gibt es Getränke zu erschwinglichen Preisen.

Das Stadtkind-Team wünscht dem Verein einen glücklichen Start und dauerhaften Erfolg! Text und Fotos: Oliver Kurtz

Info und Kontakt:

zweistromland.wordpress.com / Petra Wolf

Tel.: 0160 – 97 78 42 40

1.6. Eröffnungsfeier ab 17.00 Uhr im

Hammermuseum, Weidestraße 22

Abgelegt unter unterwegs in der regionEinen Kommentar verfassen...

Tags:

In Wien


Wer jetzt im Sommer Lust auf einen spontanen City-Trip hat, dem sei Wien sehr ans Herz gelegt. Die Bundeshauptstadt Österreichs ist bekannt für ihren teils morbiden Charme und ihr gleichzeitig internationales Flair. Gerne verzeiht man dieser Stadt, dass sie Geburtsort eines der langweiligsten Dramatiker ist, der je auf Erden wandelte. Wien kann ja nichts für Franz Grillparzer. Bis auf das Grillparzer-Gedenkzimmer im Historischen Museum ist aber ein Streifzug durch Wiens Sehenswürdigkeiten durchaus eine spannende Angelegenheit. Ein paar Tage sollte man sich dafür allerdings Zeit nehmen. Zwar liegen die meisten lohnenden Ziele eng beieinander und sind außerdem für fußfaule Menschen mit der Straßenbahn gut zu erreichen, aber um wirklich alles ohne Stress zu sehen, braucht es eben doch ein bisschen mehr Zeit. Die Straßenbahn ist dabei wie gesagt ein guter Helfer. So führt die Standardtour mit dem “Einser” rund um den Ring und vorbei am Parlament, am Rathaus sowie am Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum.

Die Anreise nach Wien von Hannover aus ist sehr angenehm. Wenn der Pilot Gas gibt, dauert der Flug nur ca. eine Stunde. Viele günstige Airlines fliegen mehrmals täglich und wenn man früh genug bucht, bekommt man leicht einen Flug hin und zurück unter 70 Euro. Teurer kann allerdings die Unterkunft werden, wenn man unbedingt in einem zentrumsnahen Stadthotel unterkommen möchte. Wer bereit ist, eine kleinere Strecke auf sich zu nehmen, kann jedoch in den Hotels der Außenbezirke günstig Quartier beziehen. Sie liegen im so genannten Grüngürtel

Wiens und sind neben den zentralen Jugendherbergen mit ca. 20 Euro pro Nacht die günstigere Alternative.

Die Millionenmetropole ist mit rund 1,7 Millionen Einwohnern die zehntgrößte Stadt der europäischen Union. Sie war lange Zeit die Residenzstadt der Habsburger. In dieser Zeit entstanden bedeutende Kulturgüter, wie das Schloss Schönbrunn, das bis zum Jahre 1918 als kaiserlicher Sommersitz diente und 1996 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Weitere Highlights sind das Naturhistorische und Kunsthistorische Museum. Die palastartigen, sich gegenüberliegenden Gebäude laden zum stundenlangen Staunen ein. Sie dienten den Habsburgern als Sammelstätte für ihre Schätze aus aller Welt. Im Naturhistorischen Museum ist vor allem die gigantische Mineraliensammlung faszinierend, im Kunsthistorischen Museum sollte man sich die antike Münzsammlung nicht entgehen lassen. Die vielen historischen Bauwerke, wie die Hofburg im Zentrum der Stadt, beeindrucken vor allem durch ihren hochherrschaftlichen Stil. Man fühlt sich zurückversetzt in jene Zeit, als Sissi noch Kaiserin und die Welt noch in Ordnung war, und man bekommt eine leise Ahnung davon, was für ein prunkvolles Leben sie am Hofe genießen durfte. Wem das alles ein

bisschen zuviel Protz und Luxus ist, der sollte auf jeden Fall noch einen Abstecher in den ältesten Zoo der Welt machen, den Tierpark Schönbrunn.

Im Zentrum der Stadt rund um den Stephansdom befinden sich viele Geschäfte, die man auch aus anderen europäischen Städten kennt. Hier kann man wunderbar völlig überteuerten Kaffee trinken und den Menschen beim Bummeln zuschauen. Einige dieser Menschen werden ganz sicher Studierende sein. Denn die Wiener Universität ist mit rund 72.700 Studenten die älteste und größte Uni im deutschsprachigen Raum. Sie zieht viele Studenten aus ganz Europa und der Welt an. Genau hier ist Wien ausgesprochen international. Wenn man in Wien einen lauschigen Sommerabend genießen möchte, sollte man dies in den Heurigen tun. Die Heurigen, das sind Weinlokale in den Weinanbaugebieten Wiens. Sie befinden sich in Floridsdorf und Döbling sowie Mauer und Oberlaa. In romantischer Atmosphäre kann man hier unter Weinreben den einheimischen Wein genießen, der meist als Gespritzter, d.h. mit Mineralwasser, getrunken wird. Rustikales Essen wie Erdäpfelsalat und Wienerschnitzel runden den gemütlichen Abend ab. Ja, Wien ist eine Reise wert.

Marleen Gaida

Abgelegt unter unterwegsEinen Kommentar verfassen...

Tags:

Fest der Nationen


Am Sonntag, den 15. Juni, findet auf dem Uni Sportplatz Herrenhausen am Moritzwinkel 6 ab 10.00 Uhr das 1. Fest der Nationen statt. Veranstalter sind die UETD (Union of European Turkish Democrats), das Comites Hannover (das Organ der 22.000 in Niedersachsen lebenden Italiener) und die Vereinung der Griechen in Hannover und Umgebung e.V. Ein ganz besonderes Fest, denn vor allem die Zusammenarbeit zwischen Griechen und Türken ist alles andere als selbstverständlich.

Die UETD versteht sich als eine gemeinnützige, unabhängige und überparteiliche Organisation aller in Europa lebenden türkischstämmigen Bürgerinnen und Bürger. Als stetig wachsende Interessensvertretung engagiert sie sich für einen offenen und ehrlichen Dialog mit neuer Sichtweise, Gleichberechtigung und Toleranz. Das Comites als Vertretung der im Ausland lebenden Italiener wurde von der italienischen Regierung ins Leben gerufen. Ziel ist die Förderung von Initiativen unter anderem im Bereich des soziokulturellen Lebens der im Bezirk ansässigen italienischen Gemeinschaft und der Austausch, die Kooperation und gegenseitige Unterstützung mit anderen ethnischen Gruppierungen, politischen und interkulturellen Gruppen und Vereinen. Die Vereinigung der Griechen in Hannover und Umgebung e.V. wurde 1967 von den ersten Gastarbeitern gegründet. Ziel der Vereinigung war und ist es unter anderem, die traditionellen Folkloretänze den Mitbürgern aber auch den griechischen Jugendlichen näher zu bringen, um einen Erhalt der Tradition zu gewährleisten. Nun veranstalten diese drei Organisationen ein gemeinsames

Fest mit dem Ziel, einen Beitrag zur Integration auch unter den Migranten selbst zu leisten.

Die Türken und die Griechen – da war doch was. Zypern war und ist das Thema, das auf beiden Seiten bis heute für Zündstoff sorgt, nicht nur auf Zypern selbst, sondern zwischen den beiden Staaten insgesamt. Fragt man einen Türken in Deutschland, so ist er auf die Griechen meist nicht gut zu sprechen. Und umgekehrt. Erst in jüngster Zeit kam wieder Bewegung in den Konflikt,

nachdem der neu gewählte Präsident der Republik Zypern, Dimitris Christofias, bereits wenige Tage nach seiner Amtsübernahme erste Gespräche mit dem Präsidenten Nordzyperns, Mehmet Ali Talat, führte, bei denen die Wiederaufnahme von Verhandlungen zur Überwindung der Teilung vereinbart wurde. Die folgende Beseitigung der Barrikade auf der Ledra-Straße in der Altstadt

Nikosias am 3. April war danach ein erstes greifbares Ergebnis. Eine politische Annäherung, die hoffen lässt, die aber nur realistische Chancen hat, wenn auch die beiden Bevölkerungsgruppen ihre Feindschaft und das gegenseitige Misstrauen überwinden, auf Zypern selbst, aber zudem ganz

generell in beiden Staaten. Und auch hier bei uns. Die Wiederentdeckung der Gemeinsamkeiten,

das ist vielleicht der beste Weg, das Verhältnis zwischen den Menschen zu verbessern. Ein Fest, wie das Fest der Nationen am 15.06. unter der Schirmherrschaft unseres Oberbürgermeisters Stephan Weil, kann auf diesem Weg ein wichtiger Schritt sein. Es beginnt mit einem internationalen

Fußballturnier, welches die Studenten des Fachbereiches Sport der Universität Hannover und die Schüler der BBS 6 organisiert haben. An dem Turnier werden zehn Mannschaften beteiligt sein, deren Spieler nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden; so sind die Nationen gemischt und es spielen einfach Menschen mit- und gegeneinander. Die Folklore ist vor allem bei den Türken

und Griechen ein wichtiger Berührungspunkt. Sie ist fest in beiden Kulturen verankert und sich in ihrer Ausdrucksform sehr ähnlich. So wird es sicher einige verwunderte Türken und Griechen geben, wenn um 15:00 Uhr und 18:30 Uhr bei den Folklorevorführungen die Ähnlichkeiten deutlich werden. Natürlich wird es auch Live-Musik geben, und dazu kulinarische Genüsse, die so international sein werden wie die Gäste des Festes. Spiele für Kinder, ein Badmintonturnier, eine große Tombola und vieles mehr werden die von den Organisatoren erwarteten 1500 bis 2000 Besucher darüber hinaus bestens unterhalten. Ein Tag der Begegnung, an dem sich die verschiedenen Kulturen Hannovers austauschen, um ein neues Wir-Gefühl zu entdecken. Neue Bekanntschaften werden entstehen, vielleicht sogar Freundschaften. Aber dieses Fest kann noch weitaus mehr erreichen: Möglicherweise sprechen die verschiedenen Bevölkerungsgruppen

demnächst verstärkt mit einer Stimme, um ihre Interessen zu vertreten. Übrigens sind auch Deutsche zu diesem Fest der Nationen herzlich eingeladen. GAH, Übersetzung: Cuma Aktas

Abgelegt unter die türkische seiteKommentare (1)

Tags:

Kaufsucht und ihre rechtlichen Folgen


Samstag zur Mittagszeit in der hannoverschen City: mehrere Tausend Stadtkinder unterwegs in den Läden mit dem Ziel, ihr wohlverdientes Geld los zu werden. Ein Phänomen ist das sicherlich noch lange nicht, befinden wir uns doch in einer Konsumgesellschaft, und Besorgungen des täglichen Bedarfs müssen erledigt werden. Kritisch wird es aber dann, wenn ein unwiderstehlicher Drang, stärker als der eigene Wille, das Kaufverhalten bestimmt. “Es ist stärker als ich” oder “Wenn ich Geld habe, dann muss es einfach raus” oder “An Sonderangeboten komme ich einfach nicht vorbei” oder “Die Dinge ziehen mich magisch an”. Das kann zu einer Abhängigkeit vom Kaufen bis hin zum Verlust der Selbstkontrolle führen. In so einem Fall spricht man von Kaufsucht. Es gibt bislang kaum Studien darüber. Kaufsucht wird auch unter Wissenschaftlern nicht ganz ernst genommen. Nach einer Studie von Poppelreuter, S. & Gross, W. (2000) sind ca. 8 % der Bevölkerung Deutschlands von Kaufsucht betroffen. Alarmsignale für eine Gefährdung sind beispielsweise eine beginnende Überschuldung, heimliche Shopping-Touren oder unausgepackte Einkäufe. Die Sucht ist derzeit unheilbar.

Wie bei allen Süchten üblich, ist die Konfrontation der Betroffenen mit der Rechtsordnung nicht weit entfernt. Bestellte und nicht bezahlte Waren bei den Katalog- oder Onlineversandhändlern können zu einem Problem werden, wenn den Ermittlungsbehörden der Nachweis gelingt, dass Kaufsüchtige zum Zeitpunkt der Bestellung wussten oder wissen mussten, dass sie gar nicht bezahlen können. In so einem Fall spricht man von Betrug zu Lasten der Katalog- oder Onlineversandhändler. Im Strafverfahren haben es dann die Verteidiger nicht leicht, die Gerichte oder Staatsanwaltschaften davon zu überzeugen, dass es eine Kaufsucht gibt und die Begehung der Tat deshalb unter dem Einfluss der Sucht zu würdigen ist. In Strafprozessen kommt es häufig zum

Showdown zwischen Verteidigern und Sachverständigen, wenn es um die Frage der Schuld geht. Anwälte beklagen oft die falsche Diagnostik durch die Gutachter. Viele Sachverständige (Psychologen, Ärzte) haben zu wenige oder gar keine Kenntnisse über die Kaufsucht. Wegweisende Rechtsprechung hat sich noch nicht entwickelt.

Neben den strafrechtlichen Konsequenzen gewinnt der zivilrechtliche Aspekt eine nicht unerhebliche Bedeutung. Das Verbraucherinsolvenzverfahren kann Kaufsüchtigen in der Überschuldungsfalle eine Hilfe sein. Nach 6 Jahren der Wohlverhaltensperiode können die Betroffenen einen schuldenfreien Neuanfang starten. Doch bis dahin ist es ein langer und schwerer Weg. Während der Wohlverhaltensperiode dürfen keine neuen Schulden gemacht werden. Auch sind Schulden, die aus Straftaten resultieren, vom Insolvenzfahren ausgeschlossen. Zivilrechtlich gesehen ist der Kauf im Suchtzustand eine heikle Sache. Wendet man die Vorschriften über die Geschäftsunfähigkeit (§§ 104 ff. BGB) konsequent an, dann kommt man zu dem Schluss, dass von Kaufsüchtigen getätigte Einkäufe rückabgewickelt werden müssen, da sich die Betroffenen beim Kauf in einem Zustand vorübergehender Geschäftsunfähigkeit (§ 105 Abs.2 BGB) befunden haben. Rechtsfolge ist die Nichtigkeit des Rechtsgeschäfts, die Rückgabe der gekauften Waren „Zug um Zug“ gegen Rückerstattung des Kaufpreises. Das alles ist reine Theorie. Und in der Praxis wollen die Kaufsüchtigen die Ware ja gerade nicht zurückgeben. Sie schämen sich und haben Hemmungen, ihre Käufe und Bestellungen rückgängig zu machen.

Ein erster Schritt, die Scham zu überwinden, könnte der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe sein. In Hannover gibt es „Lindes Selbsthilfegruppe“, die schon seit 6 Jahren existiert. Kontakt: Kibis-Kiss Hannover, Tel: 0511- 66 65 67, Email: S.Zimmer-Fiene@t-online.de

Weitere Informationen unter

www.kaufsuchthilfe.de

Abgelegt unter stadtrechtEinen Kommentar verfassen...