Tag Archive | "2008-10"

Tags:

Der Seestern


Es war einmal in einem großen weiten Meer ein kleiner Seestern namens Kasimir. Der lebte auf einer Wasserpflanze, die vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche wuchs, und die am Rande eines Waldes aus lauter anderen Wasserpflanzen ihre Wurzeln geschlagen hatte. Die Wasserpflanzen im ganzen Wald hießen mit Nachnamen alle Tang, denn sie gehörten allesamt zur gleichen Familie. Und die Wasserpflanze, auf der Kasimir wohnte, hieß Heinz-Rudolf Tang.

Kasimir hatte sich schon als sehr kleiner Seestern seinen Heinz-Rudolf ausgesucht. Und er lebte sehr gerne auf ihm, denn Heinz-Rudolf sorgte für seine Sicherheit. Wann immer sich ein Sturm näherte und drohte, den kleinen Kasimir fortzureißen und an einen Strand zu spülen, wo er elendig vertrocknen würde, drehte sich Heinz-Rudolf so geschickt gegen den Sog, dass Kasimir geschützt war. „Ich pass auf dich auf, mein kleiner Freund“, sagte er dazu mit seiner tiefen Stimme. Und Kasimir fühlte sich derart sicher, dass er manchmal bei dem größten Sturm einschlief. So vergingen die Jahre und Kasimir war nun fast ausgewachsen. „Du musst jetzt bald tiefer in den Wald ziehen“, sagten die anderen Seesterne in der Nachbarschaft nun immer öfter. „Du wirst zu groß und zu schwer. Heinz-Rudolf wird dich bald nicht mehr schützen können.“ „Ich pass auf dich auf, mein Kleiner, keine Angst“, sagte dagegen Heinz-Rudolf, denn er hatte Kasimir über die Jahre sehr lieb gewonnen, und ein Leben ohne seinen kleinen Kasimir konnte und wollte er sich nicht mehr vorstellen. „Kein Sturm wird dich je fortreißen“, versprach er dem kleinen Seestern.

Und so zog Kasimir nicht tiefer in den Wald, sondern blieb bei Heinz-Rudolf, und lebte dort, und fraß, und wurde größer und dicker. Ach ja, das Ende dieser Wohngemeinschaft ist absehbar und so grausam, dass wir es hier lieber nicht erzählen wollen. Nur soviel: der Strand, die Sonne und eine ziemlich fiese Möwe spielten dabei eine Hauptrolle. Und die Moral von der Geschicht. Was man liebt, muss man auch loslassen können.

Abgelegt unter zur guten nachtEinen Kommentar verfassen...

Tags:

Neu in der Stadt im Oktober


Hometown wächst
Zum 5-jährigen hometown-Bestehen wird der Laden in der Nordstadt vergrößert. „Ich hatte einfach Lust auf Veränderung, zumal ich all die Jahre ständig nach Jacken und Hosen gefragt worden bin“, so Labelgründerin und Shopinhaberin Heide Niemeyer. Daher wird die Verkaufsfläche auf rund 50qm erweitert und zum bewährten hometown-Sortiment mit stylischen, handgedruckten Shirts und Accessoires kommen ab Oktober angesagte Streetwear-Marken hinzu, wie Iriedaily, FLY 53, Nikita, Naketano, Nixon, WeSC, Björkvin und Eastpak. Außerdem bieten kleine ausgefallene Accessoires und Geschenkartikel, die bisher thematisch nicht ins Konzept passten, Gelegenheit zum Stöbern.
Hometown, Engelbosteler Damm 17, 30167 Hannover.

Gravis

Ab dem 15.10. gibt es in Hannover einen weiteren Grund zum Shoppen am Ernst-August-Platz: Gravis, Deutschlands größter Händler für Mac, iPod und mehr, zieht um und eröffnet seinen neuen Store in der Ernst-August-Galerie. Hier präsentiert GRAVIS seinen Kunden auf rund 270 Quadratmetern Produkte und Services aus dem digitalen Leben und rund um das legendäre Apfel-Symbol. Geöffnet ist der Store im Einkaufszentrum montags bis samstags von 10 bis 21 Uhr sowie am 19.10, dem nächsten verkaufsoffenen Sonntag, von 13 bis 18 Uhr. Auf die Kunden warten viele Eröffnungsangebote für ausgewählte Apple-Produkte.
Gravis, Ernst-August Galerie, 30159 Hannover.

Olando’s Dance Complex
Im September eröffnete„Olando’s Dance Complex“ in der Georgstraße auf 600m² seine neuen Räumlichkeiten. Von Afropop über Ballett, Hip Hop, Jazz und Lateinamerikanische Tänze bis hin zu Pilates bietet Olando’s Dance Complex ein vielfältiges Kursprogramm. Professionelle und erfahrene Trainer werden die Tänzer auf unterschiedlichen Niveaustufen unterrichten. So finden Anfänger und Profis ihrem Können entsprechende Kurse in hellen Studios und inspirierender Trainingsatmosphäre. Am 10. Oktober gastiert „Tanz-WillIch“ bei Olando und lädt zu einer Party der Extraklasse. Mehr in den Partytickern.
Olando’s Dance Complex, Georgstraße 14, 30159 Hannover.

Kina

Auf der Modemeile E-Damm eröffnet ein weiteres Label seinen Laden: Kina ist auf Accessoires mit Kleidungsstückcharakter spezialisiert. Die etwas anderen “Schals”, mit mehreren Tragemöglichkeiten, die das schlichte  Outfit im Handumdrehen aufpeppen, und die geliebten Basics frischer aussehen lassen, finden sich im begehbaren Schaufenster des Landes. Zum Konzept des Ladens gehören regelmäßige Themenwechsel und komplette Outfit-Vorschläge, Vintage, Kosmetik und Wohnaccessoires. Kina, Engelbosteler Damm 42, 30167 Hannover.

Aus Sunshineinbag wird Nice Nice!
Torben Paradiek, Gründer der Urban Art-Online-Plattform “Art Bastard” und Jan-Hendrik Werner, Kopf des Grafikdesigner-Teams “Dauerfeuer,”organisieren zusammen mit Sebastian Otto, Künstler & Inhaber des Designlabels “Sunshineinbag” (www.sunshineinbag.de) Ausstellungen für junge internationale Künstler. In der Nice Nice Gallery werden zukünftig Künstler mit Schwerpunkt Urban Malerei, Grafikdesign, Illustration und andere neuartige Kunstformen gezeigt. Die monatlichen Events werden durch Live-Performances, Installationen, DJ-Auftritten und kalten Getränken in Szene gesetzt. Am 11. Oktober eröffnet in der Deisterstraße 55 die “Nice Nice Gallery”. Zum Start ist Marco Eckert aka FRERK aus Stuttgart zu Gast in der Galerie. Der 27-jährige Illustrator bringt seine exotischen Charaktere auf Pappe, Leinwänden, Stahlplatten und vielen anderen Flächen mit.
Nice Nice Gallery, Deisterstr. 55, 30449 Hannover/Linden.

LitteraNova in Hildesheim

Das LitteraNova öffnet im Herzen der Weltstadt Hildesheim seine Pforten. In der Wallstraße bietet das Team vom LitteraNova fortan neben jeder Menge köstlicher Getränke jeden Freitag Lesungen, Hörspiele, Live-Musik und Performances, samstags gibt’s Jazz bis Rock’n’Roll vom Plattenteller. Zur Eröffnung liest Wolfgang Seidel aus seinem Buch „Scherben“. Er war Schlagzeuger der Band Ton Steine Scherben. Weiter geht es mit einem nicht minder interessanten Programm, alle Termine findet ihr im Kalender. LitteraNova, Wallstr. 12a, 31134 Hildesheim.

Relaunch des Onlineshops Schuhfinder.de
Der Onlineshop von GISY ist jetzt noch kundenfreundlicher. bluhouse. relaunchte den Auftritt des renommierten Schuhhauses aus Hannover. Ein frisches Design, die kinderleichte Navigation, eine ergonomische Benutzeroberfläche und nicht zuletzt das erweiterte Sortiment machen den Schuhkauf im Netz zum Erlebnis. Einfach mal reinschauen und winterfest machen.
www.schuhfinder.de

Abgelegt unter neu in der stadtEinen Kommentar verfassen...

Tags:

Hannovers Wüstensöhne – Wodka und Pilaw


Die Wüstensöhne: Bernhard Mittelhäuser,Dieter Schach, Dr.Paolo Schmitz, Dr.Mohamed Tabache,Burkhard Heine, Johannes Janke,Volker Uphoff und Erhard Schreiber.

Die Wüstensöhne: Bernhard Mittelhäuser,Dieter Schach, Dr.Paolo Schmitz, Dr.Mohamed Tabache,Burkhard Heine, Johannes Janke,Volker Uphoff und Erhard Schreiber.

Er bezeichnet sich selbst als Wüstensohn: Johannes Janke ist Hannoveraner und doch packt ihn öfter mal das Fernweh, um auf den Spuren fremder Kulturen zu wandeln. Bevorzugt zu Fuß oder eben mit einheimischen Fortbewegungsmitteln. Es ist mittlerweile die dritte Reise, die Janke vom 24. April – 19. Mai diesen Jahres zusammen mit seinen Weggefährten, Burkhart Heine und Volker Uphoff, in die Wüste führte. Zuvor war er bereits in der libyschen Sahara und in Namibia in der gleichlautenden Namib.

Diesmal führte ihn seine Leidenschaft für die Wüsten dieser Erde, für fremde Kulturen und die Lebensweise der Menschen nach Usbekistan, entlang der Seidenstraße durch die drei alten Städte Chiwa, Buchara und Samarkand. Janke dokumentiert seine Reiseeindrücke fotografisch und verschafft so Interessierten einen Einblick in die usbekische Kultur. Er deckt kulturelle Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten auf. Manchmal sind die fernen Länder tatsächlich fremd, manchmal sind die Städte und Menschen aber durchaus mit Hannover und den Menschen hier zu vergleichen. Erst im August stellte er zusammen mit Heine und Uphoff seine Fotografien im Eilenriedestift am Bevenser Weg aus und fand ein begeistertes Publikum. Die Bilder sprechen für sich: Portraits von jungen und alten Menschen, ein alter Mann mit Falten im Gesicht wie ein zusammengerollter Gebetsteppich, eine lachende Frau mit lauter Goldzähnen im Mund und aussagekräftige Landschaftspanoramas spiegeln die Lebensweise und die Lebensumstände. Die Menschen beschreibt Janke neben den Bauten an der Seidenstraße als den eigentlichen Höhepunkt seiner Reise. „Die Usbeken scheinen zufriedene Menschen zu sein. Betteleien finden nicht statt, da es genügend Agrarprodukte gibt und somit kein Hungerproblem.“ Janke charakterisiert sie als sehr gastfreundlich, zugewandt und gut gelaunt. „So eine Art fröhliche Armut ausstrahlend“, schmunzelt er. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Usbekistan seit der Unabhängigkeit von Russland im Jahre 1991 weltweit drittgrößter Baumwollexporteur ist. Außerdem ist das Land reich an Bodenschätzen, wie Gold, Erdgas und Kupfer, die durch den Export hohe Deviseneinnahmen bringen. Auch landschaftlich ist es attraktiv. Die Fotos vermitteln Eindrücke vom Wandern und Kamelreiten in der Kizilkum-Wüste und vom Bergwandern im Chimgon-Gebirge, 80 km von der Hauptstadt Taschkent. Drei Viertel des Landes sind mit Wüsten bedeckt. Die Kizilkum-Wüste ist eine steppenartige Halbwüste. Gräser und Büsche wechseln mit Sandhügeln. Diese Steppe ist Lebensraum für Nomaden und Tierherden. Übernachtet wird hier in Jurten, Tierhäute aus Leder oder Filz. Südöstlich des Aralsees im Tiefland von Turan erstreckt sich diese Wüste bis nach Kasachstan hinein und nimmt drei Viertel von Usbekistan in Anspruch. Usbekistan und Lichtenstein sind übrigens die einzigen Binnenstaaten auf der Welt, die ebenfalls nur von Binnenstaaten umgeben sind. Kein Meer weit und breit, so könnte man sagen. Das Völkergemisch aus Usbeken, Russen und kleineren Volksgruppen gehört zu 90% der Glaubensrichtung der Sunniten an. Mit 24 Mio. Einwohnern sind die Usbeken das zweitgrößte Turkvolk nach den Türken, davon sind 40% jünger als 15 Jahre. Das ergibt ein Durchschnittsalter von 24 Jahren. Die antiken Städte Samarkand, Buchara und Chiwa sind mittlerweile beliebte Reiseziele. Und betrachtet man Jankes Fotos, die mit ihrem orientalischem Flair und exotischem Charme verzaubern, wird das touristische Interesse nachvollziehbar. Zwischen den vielen Minaretten, Kuppeln und Bögen entdeckt man Moscheen und andere Heiligtümer, die mit Mosaiken, Ornamenten und Arabesken übersät sind. Eingebettet zwischen Teppichläden, Souvenirshops und Musikgeschäften. Anstelle der Koranschüler entdeckt man hier vor allem auch Touristen. Die Reise beschreibt Janke in drei Stationen: Die erste Station führte die Männer im Reisebus die Seidenstraße entlang in die Städte. Während des Reisens durch die Wüste bediente man sich dann einheimischer Fortbewegungsmittel. Immer im Wechsel mit seinen Kameraden ritt Janke auf dem Kamel oder lief nebenher. So schaffte man 20 km am Tag. Im Chimgon-Gebirge, wo die Berge teilweise bis zu 4.000 Meter hoch sind, wanderten sie bis zur Schneegrenze. Das kontinentale Klima in Usbekistan erzeugt heiße Sommer mit bis zu 300 Sonnentagen im Jahr, dafür aber kalte Winter. Um sich gerade an den kalten Tagen zu wärmen, wird viel getrunken. Ein traditioneller Eintopf, der Pilaw, wird nur an Freitagen und ausschließlich von den Männern zubereitet. Pilaw ist die Hauptspezialität der usbekischen Küche und wird in einem Kessel über dem offenen Feuer gekocht. Wer Janke auf seinen Spuren durch Usbekistan folgen will, sollte sich diese Spezialität auf keinen Fall entgehen lassen, und das nicht nur, weil sie den Magen wärmt.

Pilaw für vier Personen:
Man benötigt 500 g Rind- oder Hammelfleisch, 3 Tassen Reis, 1 große Zwiebel, 300g Karotten, 50g Hammelfett oder Butter, 2 gehackte getrocknete Chilischoten, 1 1/2 EL Tomatenmark, 1 junge grüne Zwiebel, 1 Lorbeerblatt, Salz und Pfeffer.
Für die Marinade: 2/3 Tassen Weinessig oder Zitronensaft, 1/3 Tassen trockenen Wein, geriebener Knoblauch, Sojasauce, Salz und Cayennepfeffer.
Die Zubereitung ist eigentlich ganz einfach, denn es ist ja ein Eintopf. Also alles entsprechend der jeweiligen Garzeit rein in den großen Topf. Aber dann auch ganz schwer, denn die Usbeken haben natürlich ihre Geheimnisse… Wahlweise kann man noch Rosinen, Kichererbsen, Aprikosen, Kürbis und Tomaten beimischen. Dazu gibt es wahlweise Bier oder Wodka. Der halbe Liter Wodka kostet 1 Euro während man für ein kleines Bier 2 Euro berappen muss.

Astrid Oltmann, Fotos: Johannes Janke

Abgelegt unter unterwegsEinen Kommentar verfassen...

Tags:

Schloss Marienburg


Nicht nur entlang des Rheins sind die alten Burgen und Schlösser ein Aushängeschild mitteleuropäischer Geschichte, auch hier um die Ecke im Calenberger Land haben die Jahrhunderte einzigartige Baudenkmäler hinterlassen. Bei einer Tour durch das Leine- / Weserbergland stößt man auf Schloss Bevern, Schloss Bückeburg, Schloss Corvey, Schloss Fürstenberg, Schloss Hämelschenburg und auf das Prachtstück Schloss Marienburg. Erbaut auf dem Marienberg 20km südlich von Hannover, beim kleinen Örtchen Nordstemmen. Das Schloss sollte ein Geburtstagsgeschenk des letzten Königs von Hannover Georg V. an seine Frau Königin Marie werden. Die Bauarbeiten erstreckten sich von 1858 bis 1867, doch die romantische Version einer mittelalterlichen Höhenburg wurde nie ganz vollständig zu einem Bauabschluss gebracht. Als sich Georg V. 1866 beim Konflikt zwischen Österreich und Preußen unkluger Weise auf die Seite der Habsburger schlug, besiegelte die verlorene Schlacht bei Langensalza die Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen und wurde zur Provinz degradiert. Als die Stadt Hannover von preußischen Truppen besetzt wurde, floh Königin Marie auf ihre Sommerresidenz bei Nordstemmen und folgte schließlich im Sommer 1867 ihrem Mann ins österreichische Exil. Schloss Marienburg blieb in seinem Originalzustand weitestgehend erhalten und ist heute ein weiteres Highlight in der historischen Landschaft rund um die Landeshauptstadt. Die Burg zählt zu den schönsten neugotischen Bauwerken Deutschlands und bietet mit seinen vielfältigen Veranstaltungen – der traditionellen Schlossführung und dem Schloss-Restaurant/Cafe im Burghof – ein erstklassiges Ausflugsziel.

Weiteres Wissenswerte:
Der Bau der Marienburg war ursprünglich auf dem Benther- bzw. Stemmer Berg geplant. Als die Verhandlungen um den Grund und Boden scheiterten, entschied man sich für den Schulenburger Berg – heute Marienberg genannt – gleich in der Nähe der Ruinen der ehemaligen Feste Calenberg (1292 bis 1689). Der Name Calenberger Land geht auf diese Burg zurück. Als Calenberger Land bezeichnet man heute die Gegend westlich vom Leineufer, begrenzt vom Deister, dem Osterwald und dem Mittellandkanal. Deshalb auch der Name Calenberger Neustadt, das kleine Herz zwischen Linden und der Altstadt Hannovers.

Infos:www.schloss-marienburg.com

Text und Fotos: Oliver Kurtz

Abgelegt unter unterwegs in der regionEinen Kommentar verfassen...

Tags:

Satire ist nicht überall erlaubt


Am Busen der Natur ist man in vielen idyllischen Orten auf dem Erdenrund, doch wo ist eigentlich der Arsch der Welt? Seit Anbeginn der Menschheit schwebt diese Frage unbeantwortet im Raum und schafft Zwietracht zwischen Ländern und Völkern. Bis heute konnte dieses Rätsel nicht eindeutig beantwortet werden. War das Thema in vergangenen Epochen und Jahrhunderten von bitteren Ressentiments und schlimmen Vorurteilen belastet, ist in unserem aufgeklärten und fortschrittlichen neuen Jahrtausend und spätestens seit J.Lo & Co. ja auch jedem klar, dass der Po der neue Busen ist und durchaus nichts Negatives. Was das Problem aber nicht wirklich verkleinert. Die Konkurrenz ist groß. Timbuktu? Kamtschatka? Oder doch Hintertupfingen? Ganz weit vorne im Rennen ist auch das beschauliche Örtchen „Anus“ im französischen Burgund. Doch ungesehen vom größten Teil der Weltöffentlichkeit hätte ein heldenhafter Mann im Jahr 2005 die Affäre beinahe aus der Welt geschafft. Die 14.178-Seelen-Stadt Plochingen in Baden-Württemberg, etwa 20 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart, hatte den Karikaturisten, Zeichner und Kinderbuchautoren Tomi Ungerer gebeten, ein öffentliches WC in der Innenstadt zu gestalten. Der 75jährige erkannte seine Chance, eine existentielle Menschheitsfrage ein für allemal endgültig zu klären und legte einen Entwurf vor, zu dem ihn das indische Taj Mahal inspiriert hatte. Frei nach dem Motto “Tadsch ma Arsch” designte er einen tempelartigen Bau, dessen Dach die Form eines überdimensionalen Pos haben sollte. Damit hatte Ungerer sogar größeres im Sinn: mit dem größten Arsch der Welt wollte er Plochingen einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde sichern. Doch die Muslime der Stadt beschwerten sich, da das Häuschen wie eine Moschee aussehe, nur eben mit einem Hinterteil statt einer Kuppel. Sein zweiter Plan sah ein „wolkenförmiges Gebäude” vor, auf dem der Po thronen sollte. Doch auch dieser Plan stieß auf Widerstand. Vor allem wegen seines Standortes im Stadtzentrum – gegenüber befindet sich eine Kirche. Nun forderte Bürgermeister Beck, der bisher zu dem stillen Örtchen stand, Ungerer auf, einen weiteren Entwurf zu erstellen. Ohne die anrüchige Kuppel – „vielleicht mit Wolken und einer Sonne darüber“. Doch Ungerer mochte auf dieses “zentrale Element” nicht verzichten und erklärte, dass er alle Religionen respektiere und daher Verständnis für die Einwände habe, doch sehr bedauere, dass nun nicht mehr das Gebäude entstehen würde, dass der Stadt Ruhm und Ehre für alle Zeiten verschaffen würde. Jedoch es half nichts, die religiöse Lobby blieb hartnäckig und Ungerer brauchte wohl anscheinend dringend Geld, jedenfalls ließ er sich nach einer zweijährigen Debatte dazu herab, ein Klohäuschen im Sinne der Verblendeten zu gestalten. Das wurde dann auch tatsächlich gebaut. Ein mintgrüner Würfel, geschmückt mit einem Frosch und einem Drachen. Nach oben schließt das ganz originell „Les Toilettes“ betitelte Bauwerk in einem Zierfries aus rosa Klobrillen ab. Die Botschaft ist also klar: rosa Klobrille auf und drauf geschissen wo der Scheißarsch der Welt jetzt ist oder nicht. Vielleicht ist ja in Wirklichkeit die Welt am Arsch und nicht andersherum.

Johanna Kienitz

Abgelegt unter wissenEinen Kommentar verfassen...

Tags:

In der Trattoria da Giorgio


Trattoria da Giorgio

Das Fallbeil unserer Kritik schlug diesmal in der Falkenstraße ein. Die Trattoria schwankt zwischen totchickem Edelrestaurant und Lindener Eckkneipe. Die Tische sind schlicht aber elegant eingedeckt, die Inneneinrichtung kombiniert schwere goldene Spiegel mit rustikalen Eckbänken. Die Bedienung heißt Angela oder so ähnlich und sagt immerzu: „Prrrrego!“. Alle, die hier essen, scheinen sie mit Namen zu kennen. Sie ist eigentlich immer da, deswegen vermute ich, dass sie der Boss ist. Mit ihrer streng zurückgegelten Kurzhaarfrisur und ihrem resoluten Auftreten verkörpert sie eine Mischung aus neapolitanischem Ganoven, italienischer Matrone und selbstbewusster 20er Jahre Bohémiennes. Ich würde dieser Frau nie widersprechen und wenn sie mir eine Dose Hundefutter als Bollito misto servierte, ich würde ihren Inhalt verputzen und auf Nachfrage noch behaupten, es hätte geschmeckt. Irgendetwas sagt mir, diese Frau duldet keinen  Widerspruch.

Deswegen sagen wir auch nichts, als uns diesmal einiges nicht gefällt. Wir warten eine halbe Stunde bis wir bestellen können. Auch die Getränkebestellung wird nicht vorweg aufgenommen. Wir entscheiden uns für den Hauswein, rosé und weiß, einen gemischten Antipasti-Teller für etwa 8,- Euro, die Lasagne und eine Pizza mit Lachs, die den verlockenden und ebenso unheilsschwangeren Namen „Salmone“ trägt. Die Vorspeise ist toll. Der Teller ist randvoll mit eingelegten Champignons, Rosenkohl, Spinat, Auberginen, Zuchini, Peperoni, Paprika und Sardinen. Dazu gibt es leckeres Brot. Es schmeckt so gut, dass ich noch einen Teller möchte, aber ich fürchte die Hauptspeise dann nicht mehr zu schaffen, also verzichte ich. Hätte ich mal lieber nicht…

Die nachfolgende Lasagne ist so salzig, dass ich mich nach einem erfrischenden Glas Meerwasser sehne. Aber ich kann nichts sagen, denn meine Idee von Aufbegehren erstirbt unter den strengen Augen unserer Gastgeberin. Die Pizza ist am Rand leider ziemlich verbrannt, aber ansonsten wirklich lecker. Noch ist nichts verloren. Ein delikater Nachtisch könnte mich versöhnen und über die Lasagne hinwegtrösten. Wir freuen uns auf Pannacotta, Ricotta, Zabaione, Mascarpone etc.

Die Auswahl ist leider nicht so groß. Es gibt fast nur Eis. Wir bestellen einmal Zabaione und einmal Kirschen mit Vanille-Eis. Als der Nachtisch uns erreicht, hat er einen Zustand angenommen, der ihn nicht besonders attraktiv macht. Vom Eis ist eigentlich gar nichts mehr da. Die Kirschen und das Vanilleeis haben sich zu einer cremigen lauwarmen Flüssigkeit vereint, so auch die Zabaione und das Eis. Die Zabaionematsche ist so süß, dass der Magen sich zusammenzieht. Wir sind enttäuscht. Summa Sumarum steht hier aber ein schlechtes Erlebnis gegen viele gute! Letztes Mal sind wir zu zehnt sehr zufrieden aus dem Lokal gekugelt. Mein Begleiter hat sogar von ausnahmslos jedem Teller gekostet, weil er sich zwischen den Leckereien gar nicht entscheiden konnte.

Mit über 30 verschiedenen Nudelgerichten und über 20 Pizzen, alles à 6,- Euro, hat die Trattoria eine der studentenfreundlichsten Speisekarten überhaupt. Die Getränke sind ebenfalls günstig. Bier ab 2 Euro, Wein ab 3,40 Euro und Cola gibt es für 1,60 Euro. Die Vorspeisen kosten zwischen 2,50 Euro und 7 Euro. Omlettes gibt’s für 8 Euro. Wer etwas mehr ausgeben kann, der hat noch viele weitere Hauptspeisen zur Auswahl: Lamm, Kalbsleber, Rind und Fisch in zahlreichen Variationen. Von einem Besuch will ich also trotz der jüngst durchwachsenen Erfahrung nicht abraten, zumal der unselige Koch des Abends vermutlich schon mit beschwerten Füßen in der Leine taucht.

Trattoria da Giorgio
Falkenstr.24
30449 Hannover (Linden-Mitte)
Telefon: 0511 / 45 54 53

Abgelegt unter stadtkinder essenEinen Kommentar verfassen...