Tag Archive | "2009-07"

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ruination-celebration


Da organisiert eine Stadt ein großes Fest, lädt viele Länder ein, sich zu beteiligen, und alle gemeinsam errichten sie viele erstaunliche Gebäude, der Gastgeber baut sogar eigene Straßen und legt ein Schienennetz an. Dann steigt das Fest, zuerst kommt fast keiner, dann kommen doch noch recht viele, und am Ende war eigentlich alles ganz schön. Fast eine Erfolgsgeschichte.

Aber dann folgen die Probleme. Denn niemand hat vor dem Fest darüber nachgedacht, dass man die erstaunlichen Gebäude nach dem Fest gar nicht mehr nutzen kann. Und es vergehen die Jahre, die Erinnerungen an das schöne Fest verblassen und die erstaunlichen Gebäude verfallen.

Irgendwann berichtet die Stadt den am Bahnhof ankommenden Menschen dann nicht mehr, dass sie Veranstalter des Festes war. Denn sie möchte eigentlich gar nicht mehr daran erinnert werden. All die verfallenen Gebäude, ein für alle Welt sichtbares Ärgernis. Kein gelungenes Aushängeschild. Nicht mehr darüber reden und Gras drüber wachsen lassen, darauf hat man sich inzwischen stillschweigend geeinigt. Damit könnte diese Geschichte zu Ende sein, das Fest hat die Stadt in der Welt bekannter gemacht, sie hat ihr Ziel erreicht, hat etwas für ihren guten Ruf getan.

Doch da die Stadt weiter mit ihrem Ruf hadert und händeringend nach Ideen sucht, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen, aber kein Slogan richtig zündet, ist man permanent auf der Suche nach Gelegenheiten. Nun liegt das Fest beinahe zehn Jahre zurück. Wäre es da nicht schön, ein Jubiläum zu feiern, noch einmal den Geist der großen Party zu beschwören? Hurra! Eine Gelegenheit! Wir feiern Jubiläum. Wir waren mal wer. Eigentlich doch eine schöne Idee. Zumindest auf den ersten Blick.
Aber gab es da nicht einen Grund, warum man Gras über die Sache wachsen lassen wollte?

Nun hat die Stadt eine vernünftige Idee: Sie befragt einen Image-Berater. Und der sagt Folgendes:
Ihr Lieben, das solltet ihr besser lassen. Ihr feiert mitten in den Ruinen, viele Leute werden auch nicht kommen, und die Presse wird nicht über den Geist von damals schreiben, sondern über den Totentanz heute. Das ist eine Steilvorlage für negative Artikel in den überregionalen Zeitungen. Die müssen nicht mal lange nach Motiven für diese Artikel suchen. Die fotografieren einfach ein paar Ruinen und schreiben über das Jubiläum einer völlig verkorksten Nachnutzung.

Spart lieber euer Geld, legt es zur Seite, überlegt euch vielleicht eine schöne Sache mit allen großen Kunsthäusern der Stadt. Das hat immerhin schon einmal funktioniert. Und beim zweiten Mal nicht so ganz, weil kein Geld da war. Aber aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Mit einer kleinen Kampfkasse könnt ihr da sicher was Nettes auf die Beine stellen.

Da haben wir ja noch mal Glück gehabt, sagt die Stadt. Lassen wir das lieber mit der großen Feier. Der Image-Berater könnte am Ende Recht haben. Und so fällt die große Feier aus. Ach, wenn das alles doch wahr wäre. Aber leider ist die vernünftige Idee der Stadt nur ein Gerücht. Kein Image-Berater in Sicht. Denn diese Stadt weiß immer noch selbst am besten, was für sie gut ist. Wer braucht schon Image-Berater?

GAH

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…tragen, was im trend liegt


Um rauszufinden, was das Must-have der Saison ist, gilt es lediglich ein paar einfache Regeln zu beachten. Zunächst einmal sollte man sich an einer Folge von Großbuchstaben orientieren. Die erfolgreichsten Modeimperien sind an einer Vierer- bis Fünfer-Konstellation zu erkennen. Punkt eins. Punkt zwei: Zahlen sind schwer im Kommen, wie wir spätestens seit der Finanzkrise wissen. Der Trend muss also irgendwo zwischen den ersten beiden Punkten zu finden sein. Und Tatsache, was ist derzeit in aller Munde? A/H1N1. Der Trend muss also irgendwas mit A/H1N1 und aller Munde zu tun haben.

Und schon dürfte auch der größte Modemuffel erkennen: das It-Accessoire des Sommers ist ein Mundschutz!

MS

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deutscher nachwuchsfilmpreis

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deutscher nachwuchsfilmpreis


Auf Initiative von „up-and-coming“ wurde der „Deutsche Nachwuchsfilmpreis“ 2005 ins Leben gerufen und wird seitdem alle zwei Jahre vergeben.

Das Besondere daran ist, dass drei Bestleistungen in der Kategorie Regie in der jungen Altersklasse von sieben bis 27 Jahren ausgezeichnet werden. Im Gegensatz zum „Deutschen Filmpreis“ und dem „Deutschen Kurzfilmpreis“.

Der liebe Nachwuchs

Zudem ist der „Deutsche Nachwuchsfilmpreis“ mit einem Preisgeld von 2.000 Euro sowie seit 2007 zusätzlich mit einer Produzenten-Patenschaft verbunden.

Damit soll jeder Preisträger die Möglichkeit erhalten, eine neue Filmidee mit Unterstützung eines Paten aus der Filmbranche zu realisieren. Gleichzeitig soll der Dialog zwischen jugendlichen und professionellen Filmemachern gefördert werden.

Die feierliche Verleihung findet jeweils im Rahmen des internationalen Filmfestivals „up-and-coming“ in Hannover statt.

Seit 1982 hat sich der Wettbewerb bundesweit und international seit 1991 mit steigender Teilnehmerzahl zu einem bedeutenden künstlerischen Nachwuchswettbewerb etabliert. Das Filmfestival bietet gleichzeitig ein Forum für den Erfahrungsaustausch und die Weiterbildung junger Filme- und Videomacher. Ziel des Festivals ist u.a. die Qualitätsverbesserung des deutschen und internationalen Films.

Gulaim Ahangri

Weitere Informationen unter www.deutscher-nachwuchsfilmpreis.de.

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thommie bayer: aprilwetter

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thommie bayer: aprilwetter


Aprilwetter„Tanner & Krantz“, das sind Benno und Daniel. Zwei Freunde, die die Musik verbindet. Wenn sie zusammen spielen, spornen sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Sie sind „ein Hirn mit zwei Köpfen”. Sie scheinen unzertrennbar.
Dann wird das Musikerleben Daniel zu viel. Er dreht durch und muss in eine Klinik. Dort lernen die beiden Christine, die Krankenschwester, kennen.

Nach Daniels Entlassung sind die Drei unzertrennlich. Die beiden Freunde verlieben sich in Christine, dennoch kommt es nie zur Sprache. Auch was Christine denkt, bleibt dem Leser verborgen. Mal scheint es, als spielte sie nur mit beiden, mal, als wenn sie nur die traute Dreisamkeit nicht zerstören wolle, indem sie sich für einen entscheidet.

Benno wird alles zuviel und er haut nach Amerika ab. Jahre später sollen sie wieder aufeinander treffen. Daniel und Cristine sind inzwischen zusammen.

Die Geschichte spielt in drei Zeitebenen, wobei der Leser die Handlung durch Bennos Augen betrachtet. Am Anfang ist das noch etwas verwirrend, aber man liest sich schnell ein.
Der Autor Thommie Bayer ist selbst auch Musiker, was in den zahlreichen Nahaufnahmen deutlich wird, wenn es ums Gitarrenspiel geht. Aber nicht nur, wenn es um Gitarren geht, fährt der Autor nah ran, deswegen kommt die Handlung manchmal ein bisschen zäh daher.
Thommie Bayer ist in diesem Roman nicht nur seinem Schreibstil treu geblieben, auch seine Protagonisten ähneln denen aus früheren Romanen, was Bayer-Fans freuen wird.

Fazit: Der Stil begeistert mich wenig, und auch die Geschichte ist recht schlicht. Wenn man auf Dreiecksgeschichten oder Gitarren steht, könnte man einen Leseversuch wagen.

Ach ja, ein Lob hab ich doch: der Umschlag ist hübsch.

Aprilwetter hat 256 Seiten, kostet 16,96 Euro und ist bei Piper erschienen.


Melanie Petersen

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die kleine prinzessin und das fürchterliche geräusch


In einem fernen Land, da lebte einmal eine kleine Prinzessin, die war schon in jungen Jahren unglaublich schön. So schön, dass die Menschen verstummten, wenn sie erschien, und mit offenen Mündern über die kleine Person staunten. Und mit jedem Jahr wuchs ihre Schönheit. Natürlich verbreitete sich die Kunde von ihrer unglaublichen Anmut bald über das ganze Land, und als sie gerade 13 Jahre alt war, kamen bereits viele Prinzen aus fernen Ländern, um den König um die Hand seiner Tochter zu bitten.

Nun könnte man vermuten, dass die kleine Prinzessin bei all der Aufregung um ihre Person im Laufe der Jahre ein bisschen arrogant geworden wäre. Und tatsächlich dachten das viele Prinzen, denn die Prinzessin redete mit ihnen kein Wort. Aber arrogant war die Prinzessin nicht. Nur verwundert und ein wenig verstimmt. Das ist doch typisch Mann, dachte sie bei sich, sie interessieren sich nur für den äußeren Schein. Aber was ich denke und fühle, dafür interessieren sie sich nicht. Da spielte sie doch lieber mit den anderen Kindern der Schlossbediensteten. So wuchs die Prinzessin heran und wurde immer schöner. Und mit ihrer äußeren Schönheit wuchs auch ihre innere Schönheit. Sie war hilfsbereit und freundlich, sie half den Bediensteten im Schloss, und wenn sie durch das Reich ihres Vaters ritt und einen Menschen auf der Straße entdeckte, der traurig aussah, dann stieg sie vom Pferd und kümmerte sich um den traurigen Menschen, bis er wieder lachte.

Doch dann kam der Tag, an dem die Prinzessin ihren 16. Geburtstag feierte und der alles verändern sollte. Denn als die Prinzessin abends einschlief, während sie glücklich an all die schönen Geschenke dachte, ertönte im ganzen Königreich plötzlich ein fürchterliches Geräusch, das alle Menschen aus den Betten und auf die Straße trieb. Ein Ungeheuer, sagten manche, ein Drachen, fürchteten sich andere. Doch das Geräusch kam vom Schloss, und von einem Untier war dort weit und breit nichts zu sehen. Auch im Schloss hatte man sich auf die Suche nach dem Ursprung des Geräusches gemacht und so standen schließlich die königliche Familie und alle Bediensteten vor dem Zimmer der Prinzessin.

Und der König ging sogleich hinein, um nach dem Rechten zu sehen. Als er wieder aus dem Zimmer trat, war er leichenblass. „Die Prinzessin geruht zu schnarchen“, verkündete er. „Und wenn sie geruht, sich auf die andere Seite zu drehen, wird das Schnarchen aufhören. Geht, und sagt es draußen den Leuten.“

Doch leider verschwand das Schnarchen nicht. Nicht in dieser Nacht. Nicht in der nächsten Nacht. Nicht in den folgenden Wochen. Und niemand im ganzen Königreich konnte nachts auch nur ein Auge zumachen. Bald versank das Königreich im Chaos, denn die Menschen mussten schlafen, und sie schliefen tagsüber, während die Ernte auf den Feldern verdorrte. Und sie litten Hunger und waren gereizt und gingen sich gegenseitig an den Kragen und verließen das Land. Und die Prinzessin wunderte sich über die vielen blutunterlaufenen Augen und die Armut und das Elend und die Gewalt. „Was ist denn bloß passiert?“ fragte sie die Leute. Aber niemand brachte es übers Herz, der Prinzessin die Wahrheit zu sagen.

Doch eines Tages ritt ein junger Mann durch das Königreich und machte Rast in einem Gasthaus. Er wunderte sich über die Bretter vor den Fenstern, auf denen Kissen befestigt waren, und über die dicken Matratzen vor allen Türen. Doch niemand wollte ihm Auskunft geben. So kam die Nacht, und es dauerte nicht lange, bis der junge Mann erwachte, geweckt von dem fürchterlichsten Geräusch, das er jemals gehört hatte. Aber irgendwie kam ihm das Geräusch auch seltsam vertraut vor. Und er trat auf die Straße und machte sich auf die Suche nach dem Verursacher. Bald schon stand er im Schloss vor der Tür der Prinzessin.

Niemand hatte ihm den Zugang verwehrt, denn die Wachen waren schon vor Monaten aus dem Reich geflohen. Der junge Mann nahm all seinen Mut zusammen, trat in das Zimmer. Und er sah die schönste Frau, die er jemals erblickt hatte. Dort lag sie und schlief mit weit aufgerissenem Mund und schnarchte ganz unglaublich. Ein fachkundiger Blick genügte. Eine simple Verkrümmung der Nasenscheidewand, nur eine kleine OP, dachte der junge Mann und holte sogleich seinen Arztkoffer.

Noch in dieser Nacht ließ die Prinzessin sich operieren. Und weil der junge Mann ein netter Zeitgenosse zu sein schien, verliebte sich die Prinzessin in den jungen Mann. Und der König willigte dankbar in die Hochzeit ein, obwohl der junge Mann nur ein frischgebackener Hals-Nasen-Ohrenarzt war.

Und so eröffnete im Schloss bald darauf eine Praxis, die beiden bekamen viele hübsche Töchter, und lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

GAH

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…mit stephan weil

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…mit stephan weil


Wir wollten in dieser Ausgabe über die Situation von Kindern in Hannover sprechen. Gibt es in Hannover Kinderarmut? Ist das ein Problem in dieser Stadt?
Was wir haben sind Zahlen über Kinder die von Sozialtransfers leben. Eine sehr hohe Zahl. Und was wir ebenfalls wissen ist, dass es in Schulen und Jugendeinrichtungen eine wachsende Zahl von Mittagstischen gibt. Insofern´kann man sicher sagen, dass die soziale Lage von Kindern in den vergangenen Jahren prekärer geworden ist. Bei dem Begriff Armut stolpere ich aber ein bisschen. Es gibt sicherlich auch materielle Not. Aber mindestens ebenso stark haben wir in den Familien andere Probleme: Überforderung, manchmal schwer nachvollziehbares Verhalten von Eltern.

Eine emotionale Armut?
Genau. Eine emotionale Armut. Und in dem Maße, wie so etwas auftritt, werden auch viel mehr öffentliche Angebote notwendig.

Nun gibt es ja in Hannover sehr unterschiedliche Stadtteile. In einigen sind die sichtbaren Probleme eher klein, in manchen existiert so etwas wie Hilfe zur Selbsthilfe, in anderen funktioniert das gar nicht…
Ja, natürlich prägt die Sozialstruktur eines Stadtteils die Situation der Kinder. Mir hat die Leiterin einer Kita in einem problematischen Stadtteil mal erzählt, dass sie am Montag elf Kilo Nudeln kochen und am Donnerstag sieben Kilo. Ich habe natürlich gefragt, ob das mit der Armut in den Familien zu tun habe. Aber sie hat geantwortet, dass das gar nicht so sehr eine Frage des Geldes sei. Die Kühlschränke in den Familien wären über das Wochenende schon gut gefüllt. Aber man isst nicht zusammen, den ganzen Tag flimmert die Glotze, und wenn ein Kind Hunger hat, dann geht es eben an den Kühlschrank und nimmt sich irgendwas. Mit dem Ergebnis, dass es am Montag hungrig in die Kita kommt. Und es kann durchaus sein, dass so ein Kind am Tag darauf mit einem Brötchen vom Bäcker für zwei Euro erscheint. Seitdem ist mir klar, dass wir natürlich auch über materielle Not sprechen, aber beileibe nicht nur.
Frische Ideen an der frischen Luft
Da hat sich der Umgang mit den Kindern in den Familien verändert?

Ja, da hat sich innerhalb von nur einer Generation unglaublich viel getan. Die Zahl der allein Erziehenden ist gestiegen, Patchwork-Familien sind keine Ausnahme mehr, und die klassische Familienstruktur mit Vater, Mutter und zwei Kindern plus Schäferhund oder Dackel gibt es nur noch in geringer Zahl.

Umso wichtiger, ausreichend Plätze zur Verfügung zu stellen. Hannover hat da ja ein ehrgeiziges Ziel: 300 neue Plätze im Jahr.
Für die ganz Kleinen bis drei Jahren, ja.

Das ist ein ambitioniertes und teures Ziel, oder?
Ja. Das ist ein Riesenbrett. Und wieder so ein typisches Beispiel. In Berlin wird gesellschaftspolitisch richtiger weise entschieden: es gibt ein Recht auf einen Krippenplatz. Aber um die Umsetzung, auch die finanzielle, dürfen sich dann die Kommunen kümmern. Weil die Zuschüsse von Bund und Land bei weitem nicht das decken, was da an Kosten entsteht. Ist ja auch ganz klar. Bei den ganz kleinen Kindern brauche ich einen besonders hohen Betreuungsschlüssel, anders geht es ja nicht. Wir stehen im Vergleich der westdeutschen Großstädte ganz gut da, und haben vor bis 2013 40 Prozent zu schaffen, aber das ist wirklich eine gewaltige Aufgabe.

Wie muss ich mir das denn praktisch vorstellen? Wie wird das erreicht, dass in Hannover jedes Jahr 300 neue Plätze entstehen?
Auf verschiedenen Wegen. Die Stadt baut neue Kitas. Wir arbeiten zusammen mit Wohlfahrtsverbänden. Wir freuen uns sehr, wenn sich Elternläden bilden, und unterstützen diese so gut wie möglich. Bis jetzt sind wir im Plan. Es bleibt aber sehr sehr schwierig und es wird natürlich in Zukunft nicht einfacher, zum Beispiel die richtigen Orte zu finden oder die richtigen Partner.

Gibt es eigentlich so etwas wie Hilfe direkt vor Ort? Also eine Beratung für Elterninitiativen? Die stehen ja vor vielen bürokratischen Hürden.
Wir haben jetzt ein neues Familienbüro in der Kurt-Schumacher-Straße eröffnet, und das ist genau dafür gedacht. Dort können Eltern mit Fragen und Problemen hinkommen. Mir fällt dabei ein, dass wir, also meine Frau und ich zusammen mit Freunden, wahrscheinlich eine der ältesten Krabbelgruppen Hannovers gegründet haben, und zwar nach der Geburt unseres Sohnes 1988. „Die Rotznasen“ in der Nedderfeldstraße. Die gibt es wohl immer noch. Damals gab es überhaupt keine Plätze für die ganz Kleinen. Es gab auch gar keine Ideen. Und wir haben das damals mit zwei BSAG-Kräften irgendwie geregelt gekriegt. Deswegen kann ich mich noch gut erinnern, wie man sich fühlt. Und kann nur versichern: Es ist manches besser geworden in den letzten 20 Jahren.

Jetzt gehen ja gerade die Erzieher auf die Straße und wollen mehr Geld. Macht das die 300 angedachten neuen Plätze im Jahr nicht noch schwieriger?
Ja, klar. Das ist ein Problem. Wir sollen mehr Plätze für die ganz Kleinen schaffen, wir sollen mehr Plätze für die Schulkinder schaffen. Wir sollen den ErzieherInnen mehr zahlen. Und das alles bei einstürzenden Steuereinnahmen.

Gab es da in letzter Zeit mal Kritik in der Richtung, dass die Messe jetzt einen sehr hohen Betrag bekommen hat, für die Kinder auf der anderen Seite aber kein Geld da ist?
Wir haben in den vergangenen zehn Jahren massiv Kinderbetreuungsstrukturen in Hannover ausgebaut. Da sind tausende von Plätzen geschaffen worden. Und strukturell geben wir heute für Kinder pro Jahr über 40 Millionen Euro mehr aus, als wir das noch vor ein paar Jahren gemacht haben. Dagegen nimmt sich das große Engagement für die Messe wiederum vergleichsweise bescheiden aus. Und das machen wir ja auch nicht, weil wir der Messe einen Gefallen tun wollen, sondern weil es um die Absicherung von mehr als 10.000 Arbeitsplätzen geht. Den Kindern wäre mit Sicherheit nicht damit gedient, wenn es in Hannover keine Messe mehr gäbe. Aber mit dem Einwand werde ich immer wieder konfrontiert, und ich kann nur geduldig darauf hinweisen, dass es nichts bringt, notwendige Dinge gegeneinander aufzurechnen.

Noch einmal zurück zu den ErzieherInnen. Dass die mehr Geld wollen, ist ja verständlich und nachvollziehbar. Aber die Kommunen sind damit schlicht überfordert. Müsste da nicht einfach mehr Geld vom Bund kommen?
Ja, die Kommunen sind überfordert. Eigentlich haben wir nur eine Aufgabe und die heißt Bildung. Und die fängt an bei den ganz Kleinen und geht letztlich bis zur Promotion. In Frankreich ist Bildung eine Staatsaufgabe. Da gibt es bestimmte Ansprüche an die Bildungsbereitschaft, aber auf der anderen Seite ist die Finanzierung aus Steuermitteln sichergestellt. In Deutschland hat der Bund in Sachen Bildung eigentlich gar nichts zu sagen…

Herr Weil, wir müssen schon wieder Schluss machen. Ich denke, wir werden das Thema beim nächsten Mal noch etwas vertiefen. Bis hierher vielen Dank.

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