Tag Archive | "2009-10"

…karl-theodor zu guttenberg

Tags:

…karl-theodor zu guttenberg


Lieber Karl-Theodor,

wie fühlt man sich denn so, da ganz oben? Das muss doch ganz angenehm sein, an der Spitze zu stehen. Zu wissen, wäre man Bundeskanzlerkandidat, die Leute würden einen mit Kusshand wählen. Ausgerechnet einen wie Dich. Einen, in dessen Adern blaues Blut fließt. Einen, der nicht gerade zum verarmten Adel gehört. Der im Gegenteil stinkreich ist. Der eigentlich nicht viel wissen dürfte, über die Sorgen und Nöte normaler Menschen in Deutschland. Hineingeboren in eine Welt ohne Mangel. Abitur in Rosenheim, Wehrdienst bei den Gebirgsjägern, Studium der Rechts- und Politikwissenschaften in Bayreuth und München, die Promotion, natürlich summa cum laude (denn Du musstest Dich sicher nicht mit ärgerlichen Studentenjobs herumplagen). Schließlich ein bisschen Arbeit in der Leitung der familieneigenen Münchner Beteiligungsgesellschaft Guttenberg GmbH und später geschäftsführender Gesellschafter. Übrigens ein interessantes Unternehmen, bei dem es darum geht, das eigene Vermögen zu verwalten. Ein schöner Job. Dann noch mal kurz ein Posten im Aufsichtsrat der Röhn-Klinikum AG und im März 2002 Dein Ausstieg und gleichzeitig der Verkauf der Anteile Deiner Familie an die HypoVereinsbank (immerhin 26,5 Prozent der Stammaktien).

Was treibt so einen Menschen ausgerechnet in die Politik? Millionen auf dem Konto, da gäbe es doch nun weiß Gott Angenehmeres, was man mit seiner Zeit anfangen könnte. Gerade in der Politik steht man doch zwangsläufig in der Öffentlichkeit. Hattest Du keine Angst vor all den Neidern, die Dir Dein Vermögen nicht gönnen? „Eure Armut kotzt mich an“, hättest Du sagen und Dich auf irgendeine Südseeinsel verdrücken können. Das verstehen wir nicht. Mit Dir kann doch irgendwas nicht stimmen. Die große Vision von der gerechteren Welt, einer besseren Gesellschaft, kann es ja auch nicht sein. Du bist in der CSU, die haben bekanntlich andere Ziele. Aber was hat Dich dann in die Politik getrieben? Geltungssucht? Das wollen wir Dir nicht unterstellen. Gut, vielleicht ein bisschen. Immerhin war Dein Vater eine bekannte Persönlichkeit. Da wolltest Du eben gleichziehen. Ist ja nicht schlimm. Und jetzt hast Du es sogar zum Wirtschaftsminister gebracht. Bei dem Job mehr zu glänzen als dein Vorgänger, war natürlich nicht weiter schwer. In welchem Altersheim hat der eigentlich Unterschlupf gefunden? Egal. Fragen wir uns lieber, warum Du gerade so beliebt bist. Karl-Theodor

Märkte sind „erwiesenermaßen effizient“, hast Du gesagt, und vor einer Ausweitung der Rolle des Staates gewarnt. Okay, diese Meinung kann man haben. Sie erscheint ein wenig seltsam, angesichts der Finanzkrise, aber gut, vielleicht weißt Du mehr. Aber macht das beliebt? Gegen den Mindestlohn bist Du auch. Das kann es also ebenfalls nicht sein. Ach ja, dann warst Du noch gegen die Opel-Rettung und hast ein Insolvenzverfahren favorisiert. Kein Geld vom Staat, keine Einmischung, keine Beteiligungen. Vielleicht war es das. Wenn der Staat dem Bürger ständig in die leeren Taschen greift, um Unternehmen zu retten, die von irgendwelchen unfähigen Managern gegen die Wand gefahren wurden, dann ist so ein klares „Nein“ natürlich populär, obwohl Du dann ja doch am Ende dafür warst, natürlich zähneknirschend. Anscheinend hast Du zu manchen Dingen eine klare Meinung. Das ist ungewöhnlich für einen Politiker in der heutigen Zeit. Das fällt auf. Und es macht beliebt. Nun bist Du also unser „Baron der Herzen“. Die Medien lieben Dich. Sie feiern Dich. Und wir feiern natürlich mit. Deutschland hat den Super-Politiker gesucht und gefunden.

Wir wünschen Dir, dass Du lange dort oben bleibst. So eine Medien- Meinung kann ja schnell kippen. Aber Du wirst nicht das Schicksal der meisten Superstar-Show-Kandidaten teilen und irgendwann als Bedienung in einer Kölner Kneipe arbeiten müssen. Glücklicherweise musst Du Dir darüber keine Sorgen machen. Vielleicht brauchen wir einfach mehr Politiker, die sich noch nie Sorgen haben machen müssen. Die sind einfach gelassener. Die sagen dann auch mal „nein“. Und sonst? Wie geht’s den Kindern?

GAH

Abgelegt unter ein offener brief an...Einen Kommentar verfassen...

mister q

Tags:

mister q


Will man mal richtig gut essen gehen, kommt man vielleicht nicht unbedingt auf die Idee, ins Mister Q zu gehen. Eigentlich hat man bei diesem Lokal eher einen schnellen Kaffee oder eine Cola im Sinn. Ein Donnerstag, 18.30 Uhr: oben im Restaurant ist es ganz schön laut. Neben dem einzigen freien Tisch wird ein Jahrgangstreffen gefeiert. Nach einem harten Tag ist uns nach Ruhe, also versuchen wir unser Glück in der unteren Etage. Die überaus freundliche und sympathische männliche Bedienung passt gut in das gemütliche, nicht aufdringlich stylische, sondern kulturell vielfältig angehauchte Ambiente. Meine Hauptspeise ist der Teriyaki-Salat mit gegrillten Hähnchenspießen. Viele Bambussprossen und Paprika in rauen Mengen, dazu allerlei andere Zutaten. Die Hähnchenspieße sind außerordentlich delikat und würzig, das Fleisch zart. Auch die Chili-Vinaigrette ist lecker, aber ein bisschen reichlich vorhanden. Zum Nachtisch nehme ich einen Apfelstrudel. Ein Strudel im wahrsten Sinne des Wortes. Fast wäre der schmale Kuchenstreifen in das Meer aus Vanille-Sauce hinab gerissen worden. Die Kugel Eis kann ich zum Glück vorher noch eliminieren. Der Apfelstrudel ist warm und lecker, der Blätterteig etwas klebrig. Die nette Bedienung ist ständig um unser Wohlergehen bemüht, fragt regelmäßig, ob alles in Ordnung sei und beglückt uns und alle anderen Gäste zu späterer Stunde mit Kerzen, so dass die Atmosphäre schummerigwarm wird. Alles in allem ein gelungener Ausflug ins Mister Q. Preislich vollkommen in Ordnung, eine große Auswahl auf der Speisekarte. Dazu zahlreiche Vorspeisen, die man gut nebenbei essen kann, die satt machen und nicht zu teuer sind, so zum Beispiel die Mozzarella-Sticks für 3,00 Euro, die Mini- Frühlingsrollen für 2,50 Euro oder die gebackenen Zucchinischeiben mit Sour Cream für 2,60 Euro. Die Speisekarte selbst ist nach Spezialitäten der Regionen aufgeteilt: Europa, Amerika und Asien. Eben eine kulinarische Weltreise. Passend dazu die Einrichtung. Französischer Caféhaus-Charme, der Bereich um die Treppe erinnert an ein Pub, der untere Bereich wurde nach dem cubanischen Motto „La Habana“ eingerichtet und der Küchenbereich bringt den fernöstlichen Charme Asiens ins Haus. Das alles ohne krasse atmosphärische Brüche, alles ist sorgfältig aufeinander abgestimmt. Nur der Blick aus dem Fenster auf die Baustelle stört. Aber die ist ja auch bald weg. Und damit entfällt dann auch der letzte Grund, nicht ins Mister Q zu gehen.Bettina Riekenberg

Als wir nach einem langen Tag auf das Mister Q am CinemaxX am Raschplatz zusteuern, kommt uns eine geschäftige Bedienung entgegen, die uns die Tür aufhält. Wir tun uns etwas schwer mit der Platzwahl, denn in der oberen Etage ist viel los. Neben einem der wenigen freien Tische feiert eine Gruppe von etwa zwanzig ausgelassenen Menschen. Also entscheiden wir uns für die untere Etage, nehmen die moderne, aber trotzdem heimelige Holztreppe im amerikanischen Landhausstil. Unten finden wir sofort einen Tisch und werden schnell bedient. Auf der Speisekarte lockt eine kulinarische Weltreise von typischen deutschen Gerichten, über amerikanische Küche, bis zu asiatischen Speisen. Zunächst beratschlagen wir, ob wir Vorspeise und Hauptgericht oder Hauptgericht und Nachtisch nehmen, denn wir glauben, dass wir Vorspeise, Hauptgericht und Dessert auf keinen Fall schaffen werden (wir haben von den großen Portionen im Mister Q gehört). Ich bin ziemlich hungrig, mag die amerikanische Küche, und schwanke zwischen einem Putensteak namens „Steak it easy!“ und dem Mister Q-Burger. Schließlich nehme ich doch den Burger. Meine Begleitung entscheidet sich für etwas Asiatisches, einen Teriyaki-Salat. Unsere gut gekühlten Getränke (Spezi und Cola Light) kommen sehr früh, auf unsere Hauptspeise warten wir ca. 20 Minuten, was nicht lang ist. Der XXL-Burger erfüllt alleine schon optisch meine Erwartungen. Er sieht wirklich genau so aus, wie ein Burger aussehen sollte. 180 g Rindfleisch mit Käse überbacken und eine großzügige Schicht aus frischem Salat und Tomatenscheiben liegen zwischen zwei leichten Burgerbrot-Hälften. Dazu gibt es Home Fries und als Dip Sour Cream. Ich entscheide mich, den Burger mit Besteck zu essen. Er ist einfach zu groß, um ihn nach Fastfood-Manier zu bewältigen. Auch im Geschmack unterscheidet er sich stark von großen Fastfoodketten. Hier schmeckt man wirklich Rindfleisch, das sehr saftig und gut gewürzt ist. Die Home Fries sind ebenfalls sehr lecker und genau nach meinem Geschmack. Nicht zu zäh, nicht zu pappig und sehr wichtig: man schmeckt kein Öl heraus. Ich teste auch den Teriyaki-Salat, bin aber nicht so begeistert von dem Hähnchenfleisch, vielleicht, weil ich die süß-saure Sauce dazu nicht sehr passend finde. Nach einer kleinen Pause entscheiden wir uns (obwohl schon sehr satt) für einen Nachtisch. Ich nehme eine Himbeer-Käse- Sahne-Schnitte, meine Begleitung einen Apfelstrudel. Auch die Desserts kommen nach kurzer Zeit. Diesmal werden wir sogar von zwei Kellnern bedient. Service wird hier absolut groß geschrieben. Leider begeistert mich die Himbeer- Torte nicht so ganz. Die Himbeeren haben ihren natürlichen, frisch süß-sauren Geschmack durch den sehr süßen Tortenguss eingebüßt. Trotzdem, wir verlassen das Mister Q sehr gesättigt und sehr zufrieden. Nette Atmosphäre, aufmerksame und freundliche Bedienung. Die große Baustelle am Raschplatz sollte niemanden abhalten.Natalie Moser

Mister Q Speisen & Getränke GmbH
Raschplatz 6
30161 Hannover
Tel.: 0511/38 88 89 18
E-Mail: info@misterQ.de
www.misterQ.de

Abgelegt unter stadtkinder essenEinen Kommentar verfassen...

mit dem schlauchboot in die ddr

Tags:

mit dem schlauchboot in die ddr


Seit meinem 43sten Lebensjahr glaube ich nicht mehr an Zufälle. Als ich ganz jung war, ging es mir ähnlich. Dazwischen lagen Jahre der Vernunft, in denen ich mir einreden wollte, ich könne mein Leben selbst beeinflussen. Nein! Es muss eine höhere Gewalt geben, die mir regelmäßig Menschen und Ereignisse über den Weg schickt. Ich soll mich erinnern. Daran, wie ich damals war, was ich gefühlt habe, was ich für Ziele hatte und wen ich geliebt habe. Es war also auch kein Zufall, dass ich neulich in Halle an der Saale während einer langweiligen Rede auf die Damentoilette im „Kempinski“ ging. Es roch dort sehr gut und ich sprach das sofort laut aus. Da bemerkte ich die Toilettenfrau, die mich strahlend anlächelte. Sie begann mir zu erzählen, dass sie gerade ein Raumspray verwendet hatte, das es früher nur in der DDR gab. Es wird noch in Halle produziert. Den Namen habe ich leider vergessen, und hier in Hannover gibt es das Duftereignis für stille Örtchen sowieso nicht zu kaufen. Genauso wenig wie „Halloren“, die leckersten Schokis der Welt, die ebenfalls in Halle hergestellt werden. Demnach gibt es die DDR immer noch. Im Handel, in den Köpfen, auf den Toiletten.

Meine DDR habe ich schon gekannt, bevor ich zum ersten Mal dort einreisen durfte, um Verwandte meiner Jugendliebe zu besuchen.

Ich war damals süße 17 und hatte dank meiner Lehrer am Gymnasium Himmelsthür bereits „Guten Morgen, Du Schöne“ von Maxie Wander und „Die neuen Leiden des jungen W.“ von Ulrich Plenzdorf gelesen. Danach waren Frauen in der DDR gleichberechtigt und durften sogar Kranführerin werden. Und die Jugendlichen in der DDR kannten Herzschmerz und Joints genauso wie wir in der BRD. Mein Freund, der schon einen Führerschein und einen VW Käfer hatte, seine Eltern und ich machten uns für eine Woche auf nach Salzwedel. Dort wohnte die liebe DDR-Mischpoke.

Da ich ein positives Bild von der DDR hatte, machte ich mir keine Gedanken. Wir packten den Käfer voll mit Lebensmitteln, Zigaretten und allen möglichen Mitbringseln. Dazu gehörten natürlich Jeans und Schallplatten von den Stones, Led Zeppelin oder Pink Floyd. Und ein Schlauchboot, das sich eine Cousine gewünscht hatte. Wir konnten uns gerade noch in den Wagen quetschen und gen Zonengrenze tuckern. Das war der Grenzübergang bei Helmstedt. Dort wurde es mir dann doch unheimlich.

Ich sah die Türme und die Wachleute mit Gewehren. Bei unseren Beamten wurden wir blitzschnell weiter geschickt. Dann standen wir in einer sehr langen Warteschlange. Nach ca. zwei Stunden waren wir an der Reihe. Wir mussten alle aussteigen und in einem „Büro“ Platz nehmen. Ich bekam mit, dass es um das Schlauchboot ging. Die DDR-Grenzerin, die mich an eine KZ-Aufseherin in „Holocaust“ erinnerte, ordnete auf Sächsisch an, dass wir das Geschenk für die Cousine nicht mitnehmen durften. Ich Naseweis hörte mich plötzlich fragen: „Warum sollen wir denn kein Schlauchboot mitbringen?“ Stille. Alle Augen auf mich gerichtet. Und plötzlich schreit mich diese Aufseherin an, wie mich nie wieder jemand angeschrien hat. „Was fällt Dir ein? Gleich geht’s ab hier!“ Der VW wurde anschließend in alle Einzelteile zerlegt und durchleuchtet. Ich hatte Redeverbot, bis wir in Salzwedel waren.

Erst Jahre später habe ich verstanden – da war ich in Börgerende an der Ostsee –, dass das Schlauchboot ein Fluchtmittel war. Da habe ich die Wachtürme an der Ostsee gesehen. Mahnmale. Die Freiheit und die Demokratie schätze ich seither umso mehr. Mir wurde klar, dass ich damals Glück hatte. Ich war eine Fluchthelferin.

SAM

Abgelegt unter 40plusEinen Kommentar verfassen...

künstlerische kreativität und juristische notwendigkeit – ein widerspruch?

Tags:

künstlerische kreativität und juristische notwendigkeit – ein widerspruch?


Jean-Jaques Rousseau„Der Mensch ist frei geboren, und liegt doch überall in Ketten“, so erkannte es schon der Schriftsteller, Philosoph und Komponist Jean-Jacques Rousseau (1712-1789). Ein Großteil der kreativ Schaffenden – gleich ob Musiker, Schauspieler, Gestalter etc. – hat nicht selten eine Abneigung gegen juristische Angelegenheiten. Doch es steht außer Frage, der Beruf des Künstlers ist von vielen rechtlichen Aspekten geprägt. Auftragskunstwerke, Ausstellungen, Engagement, Verkäufe, Publikationen, Kunstverleih. Und nicht zuletzt Versicherungen und Rente. Der Künstlerberuf muss nicht allein durch mangelndes Talent oder schlicht Pech zur brotlosen Kunst werden. Oft führen auch ungenügende Kenntnisse in rechtlichen Belangen und das Ignorieren (denn für Künstler ist natürlich alles andere wichtiger) von wichtigen gesetzlichen Regeln zum „verarmten“ Künstler. Sich Rat zur rechten Zeit zu holen, ist daher nur zu empfehlen.

Vergütung des ausübenden Künstlers
Folgende Fälle zeigen, dass auch Juristen bei ihrer Tätigkeit Kreativität abverlangt wird: Grundsätzlich räumt der Künstler seinem Auftraggeber durch die Gage die Leistungsschutzrechte ein. Doch ein zusätzlicher Vergütungsanspruch besteht dann, wenn die konkrete Nutzung über den vertraglichen Zweck – der in einem guten Vertrag ausführlich bezeichnet sein sollte – hinausgeht. So hat das Sozialgericht Hamburg entschieden, dass Leistungsschutzrechte für TV-Produktionen i.d.R bei den beteiligten Schauspielern und Musikern verbleiben (Urt. 10R1478/05 v. 8.3.2006). Auch sollte ein Künstler beachten, dass er bei auffälligem Missverhältnis zwischen dem vertraglich vereinbarten Honorar und den aus der Nutzung gezogenen Erträgen nach § 79 Abs. 2 iVm § 32a Urhebergesetz möglicherweise Anspruch auf weitere Beteiligung hat.

Urheberrechtliches
Persönliche geistige und künstlerische Leistungen wie z.B. Skulpturen, Gemälde, Texte, Inszenierungen, Fotografien, Filme und sogar Jingles werden nach dem Urhebergesetz geschützt. Zudem können Markenanmeldungen beantragt werden. Wenn mehrere Personen ein Werk geschaffen haben – auch ohne konkrete Absprachen – besteht eine Miturhebergesellschaft, falls ihre Anteile sich nicht gesondert verwerten lassen. Für die Verwertung des Werkes bedarf es dann grundsätzlich eines einstimmigen Beschlusses. Das ist zum Beispiel interessant für den Fall, dass eine Band gemeinsam Stücke schreibt, ein Mitglied die Band verlässt, und erst danach mit den Stücken Geld verdient wird. Im Zweifel darf das Ex-Bandmitglied dann völlig zurecht seinen Anteil einfordern.

Was ist die KSK?
Selbstständige Künstler und Publizisten (Autoren, Sänger, Grafiker usw.) unterliegen grundsätzlich nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) – wie Arbeitnehmer – der Versicherungspflicht in der allgemeinen Rentenversicherung, der gesetzlichen Kranken- und der sozialen Pflegeversicherung, wenn die Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausgeübt und nicht mehr als ein Arbeitnehmer beschäftigt wird. Die Beitragszuschüsse an die versicherten Künstler werden vom Staat und den sogenannten Verwertern aufgebracht. Verwerter sind alle Unternehmen und (gemeinnützige) Einrichtungen, die regelmäßig für künstlerische oder publizistische Werke ein Honorar zahlen. Beispiel: Lässt ein Unternehmen seine Werbung und PR zumindest teilweise durch freie Werbe- oder PR-Agenturen gestalten, muss eine Anmeldung bei der Künstlersozialkasse (KSK) erfolgen und 5,1% vom gezahlten Honorar abgeführt werden. Da Unternehmen nicht erfreut sein werden, wenn ihnen eine Zahlungsaufforderung der KSK zugeht, sollte jeder Künstler im Vertrag über diesen Sachverhalt aufklären. Zwar darf ein Unternehmen die Abgaben zur KSK im Nachhinein nicht auf den Künstler abwälzen (§ 36a KSVG iVm § 32 SGB I) und auch eine entsprechende vertragliche Klausel ist unwirksam; doch was nützt es dem Künstler, wenn die Vertragsbeziehung dadurch sein Ende findet?

Marc Y. Wandersleben, Rechtsanwalt & Mediator (wandersleben@brennecke-partner.de)Marc Y. Wandersleben

Abgelegt unter stadtrechtEinen Kommentar verfassen...

urban voracity

Tags:

urban voracity


urban voracitySeit Juli 2009 ist ein Label online, das sich Großes vorgenommen hat. Unter www.urbanvoracity.com gibt es Mode gegen den Einheitsbrei.

Die Idee für urban voracity (englisch für Gier, Gefräßigkeit oder Unersättlichkeit) stammt von Nawid Company. Seit 2001 ist der 26-Jährige mit einer Booking- und Eventagentur im Künstlerbereich tätig. Immer wieder gab es in diesem Zusammenhang Begegnungen mit neuen und vielversprechenden Ideen für innovative Mode.

Allerdings fehlten die Strukturen, um diese Ideen in größerem Stil zu realisieren. Für die Umsetzung brauchte es einen Kopf, ein Label. urban voracity hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, den ungewöhnlichen und spannenden Kreationen aus der Szene ein Gesicht zu geben. Neben Nawid Company und Klaus Lenz (26), der für den Vertrieb zuständig ist, gehören augenblicklich noch eine Designerin und ein Mediengestalter zum festen Team des Modelabels. Weitere Mitarbeiter ergänzen zeitweilig das Team.

Die Mitglieder leben ihre Marke. urban voracity will verhindern, dass Mode abstempelt. Dieses Konzept zu verinnerlichen, ist Voraussetzung, um im Team dabei zu sein. Der Umgangston ist familiär, der Dialog ganz wichtig. Und diese Offenheit spiegelt sich auch in der Ideenfindung. Kundenmitgestaltung spielt wie gesagt eine ganz große Rolle. Die Künstler, meist aus dem HipHop- und R’n'B-Bereich, mit denen Nawid Company über seine Booking- und Eventagentur zusammenarbeitet, sind eine große Inspiration. Aber auch, wenn die Mode, die bei urban voracity erhältlich ist, tendenziell jung, stylisch, eben urban ist, betonen Klaus Lenz und Nawid Company, dass sie klischeefrei und auf kein Genre festgelegt bleiben soll. Wer trägt, was urban voracity produziert, soll nicht das Label repräsentieren, sondern in erster Linie sich selbst. Das Label ist nur Mittel zum Zweck. urban voracity ist damit sicherlich ein Gegenentwurf zum Label-Fetischismus der jüngeren Generation. Antrieb der Gründer ist, dass viele „rumrennen wie jeder Dritte“. Manche stecken in den Augen der jungen Unternehmer schon beinahe in so etwas wie einer Uniform.

Als Protestbewegung verstehen sie sich aber nicht. Es geht einfach darum, dem Einerlei etwas Neues und Kreatives entgegenzusetzen. Und dabei auch weitere Labels mit ins Boot zu holen. Im Webshop sind durchaus andere Marken vertreten, wenn es passt und fremde Ideen gefallen. Zwar steht urban voracity als Label im Vordergrund, aber insgesamt ist man eine Gemeinschaft der Kreativen. Bei der Zusammenarbeit geht man freundschaftlich miteinander um. Und diese Freundschaften bleiben erhalten, auch wenn sich die geschäftlichen Wege wieder trennen. Bei der Ideenfindung spielt häufig auch der Zufall keine kleine Rolle. Manchmal läuft man sich einfach zur richtigen Zeit über den Weg. So war es beispielsweise bei den handgearbeiteten Strickmützen, die es in vielen Farben im Webshop gibt. Entworfen wurden sie von einer angehenden Designerin aus Hannover.

Mittlerweile werden die Unikate auch in Berlin vertrieben. Der unerwartete Erfolg der Mützen ist für Nawid Company eine der „kuriosen Geschichten“, eine der vielen positiven Überraschungen, für die das offene Konzept sorgt. Andere Ideen entstehen aus der Einstellung des Labels zu bestimmten Themen. So findet Nawid Company, dass die Hannoveraner ruhig ein bisschen stolz auf ihre Stadt sein dürfen und das auch zeigen sollten. Dafür gibt es bei urban voracity nun das Hannover-Shirt. Ein anderes Thema war die vergangene Wahl im Iran. Eine blutige Hand auf grünem Grund verweist auf die Missstände in der islamischen Republik. Für das Label ist es sehr wichtig, dass seine Kunden sich mit solchen Themen beschäftigen. Das gedankenlose Tragen von Shirts mit Che Guevara-Aufdruck ist für Nawid Company und Klaus Lenz ein Trend, der keiner sein sollte. Kein Trend sein darf. urban voracity war bisher ein Versuch, ein Testballon, der im Moment noch langsam startet, aber bereits überraschend gut funktioniert. „Jetzt gucken wir, wo die Reise hingeht“, sagt Klaus Lenz. Aus den Augen verlieren sollte man urban voracity auf keinen Fall, denn für 2010 gibt es bereits tolle Ideen und Konzepte. Das Label verspricht „das Innovativste, was es seit langem gab“

Mehr Infos unter www.urbanvoracity.com

Sina Schröder

Abgelegt unter stadtkinder sind mutigEinen Kommentar verfassen...

sparsame vermieter

Tags:

sparsame vermieter


Irgendwann passiert es jedem. Da klingelt der freundliche Vermieter, sagt kurz, dass irgendwas an der Gasheizung erledigt werden müsse, ein paar Rohre im Keller seien ein bisschen alt, nichts Schlimmes und schon gar nichts Gefährliches, nur das warme Wasser würde mal für eine Weile ausfallen, so etwa ab acht am nächsten Morgen. Die Handwerker seien aber von der schnellen Sorte, zwei Jungs aus Polen, eben günstig, man müsse ja auch sehen, wo man bleibe, aber sehr zuverlässig. Da könne man sich hundertprozentig drauf verlassen. Die würden keinen Pfusch machen, schon gar nicht an der Gasleitung, wenn er sich da nicht ganz sicher wäre, dann hätte er natürlich ganz offiziell eine deutsche Firma beauftragt.

überpünktliche Handwerker aus PolenUnd dann zwinkert er und knufft einem noch verschwörerisch gegen den Oberarm. So geht man natürlich beruhigt schlafen, denkt sich noch, naja, wenn die morgen loslegen, bin ich längst aus dem Haus, und wenn die ganze Bude explodiert, habe ich eine gute Versicherung und vielleicht erwischt es dabei sogar die blöde Rentnerin aus 12a, die immer sofort die Polizei ruft, wenn man die Musik nur mal kurz ein kleines bisschen lauter dreht. Zum Beispiel wenn man duscht. Genau das versucht man am nächsten Morgen um kurz nach sechs. Doch das Wasser bleibt kalt. Die Flamme in der Therme bleibt aus. Das will man nicht glauben. Man rüttelt an der Therme, dreht an den Reglern, nimmt das Verdeck ab, rüttelt an den Leitungen, aber da tut sich gar nichts. Und dann fallen einem wieder die Handwerker ein. Haben die womöglich schon angefangen? Das geht natürlich nicht. Um neun hat man einen wichtigen Geschäftstermin. Ungeduscht darf man da nicht auftauchen. Also wirft man sich entschlossen in den Bademantel und klappert in FlipFlops die Treppen herunter, bis tief in den dunklen Keller.

Ja, da hinten brennt Licht. Zwei junge Männer sind eifrig bei der Arbeit. Man ordnet noch einmal den Bademantel, zieht den Gürtel fester, räuspert sich und klopft an den Türrahmen. Keine Reaktion. Also etwas lauter. Zwei fragende Gesichter wenden sich einem zu, Blicke wandern von den nackten Füßen hinauf, bleiben kurz am Bademantel hängen, und schließlich nicken sie freundlich. „Also, das geht ja so nicht“, beginnt man seine kurze Rede. „Um acht Uhr war vom Vermieter angesagt. Sie müssen das Gas jetzt schon erst wieder andrehen. Ich kann so nicht zur Arbeit.“ Die Gesichter bleiben fragend. Natürlich. Das sind Polen. Sie werden der deutschen Sprache nicht allzu mächtig sein.

Also deutet man auf die nicht vorhandene Armbanduhr. „Acht Uhr war angesagt. Viel zu früh. Ihr seid viel zu früh dran. Ich muss duschen.“ „Ah“, sagt der eine und schüttelt freundlich verneinend den Kopf. „Das geht nicht. Alles schon kaputt.“ Und dann deutet er auf diverse Rohre an der Wand, die teilweise zersägt sind. „Das gibt’s doch gar nicht. Das kann doch gar nicht sein. Ihr seid viel zu früh“, ereifert man sich. Und dann zeigt man ihnen acht Finger und deutet wieder auf die imaginäre Armbanduhr.

„Acht Uhr“, hört man sich kläglich krächzen, weil man die traurige Realität allmählich begreift. Nun meldet sich der zweite Pole zu Wort. „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sagt er in lupenreinem Deutsch und grinst. Entnervt kehrt man zurück in die Wohnung, greift zum Telefon, legt wieder auf, weil es keinen Sinn macht, sich jetzt auch noch mit dem Vermieter rumzustreiten, der sowieso nur sagen wird, dass er ja etwa gegen acht gesagt habe, man doch froh sein könne, dass diese Handwerker so zuverlässig seien und damit die Arbeit schon in wenigen Stunden erledigt wäre. Man packt stattdessen seine sieben Sachen fürs Schwimmbad und macht sich auf den Weg.

Diese Randgruppenbeleidigung gilt allen sparsamen Vermietern in dieser Stadt. Engagiert bitte wieder deutsche Handwerker. Die kommen wenigstens nicht.

GAH

Abgelegt unter randgruppenbeleidigungKommentare (1)